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Mit Hans Hölzel, bekannt als Falco, verband Starfilmer Rudi Dolezal eine langjährige Freundschaft. Als Regisseur von Falcos Musikvideos blickte er stets hinter die Kulissen. Wie war das wirklich mit Falco und den Frauen? Mit seinen Abstürzen? War sein Tod vermeidbar? Persönlich, intim und berührend gewährt Dolezal einen anderen Blick auf Falco und erzählt fesselnd ein Stück Musikgeschichte neu.
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Seitenzahl: 141
Veröffentlichungsjahr: 2026
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Rudi Dolezal: Falco
Alle Rechte vorbehalten
© 2026 edition a, Wien
www.edition-a.at
Cover & Satz: Bastian Welzer
Fotos im Buch:
S. 10, S. 48, S. 116, S. 156: APA-Images,
S. 176: Nu:media
S.122-123: Guenther Haderer,
Rest: Archive Prods. LLC
Gesetzt in der Premiera
Gedruckt in Europa
1 2 3 4 5 — 29 28 27 26
ISBN: 978-3-99001-911-5
eISBN: 978-3-99001-912-2
Rudi Dolezal
Die ganze Wahrheit
edition a
Der Tag, der mein Leben veränderte
Wie alles begann
Warum das weltbekannte Video »Rock Me Amadeus« fast nicht entstanden wäre
Die wahren Helden des Amadeus-Videos
Falco – Rudi – Hans: eine Dreiecksbeziehung
Auf dem Schnee, auf dem wir alle talwärts fahren
Sind Sie der Herr Rudl?
Wie man in einer Nacht 200.000 D-Mark verpulvert
Ich schaff es einfach nimmer
Der ganz andere Hans
Was ist Kunst?
Falco und die Mächtigen
Falco und die Frauen
Weg von Falco
Die Flucht
Der schönste und der schlimmste Tag meines Lebens
Musste er sterben, um zu leben?
The Spirit Never Dies
Falco und Freddie Mercury
Falco lebt
Welche Musik würde Falco heute machen?
Sind Falcos Texte Literatur?
Falcos Tagebücher und Zitate
Brief an meinen Freund Hans: Was ich dir noch sagen wollte
Andere über Falco
Für meine Söhne Ruby & Benny der Sonnenschein in meinem Herzen
»Wo wir sind, ist vorne – und wenn wir hinten sind, dann ist hinten vorne!«
Hans Hölzel AKA FALCO
In einem Interview mit Rudi Dolezal
Foto: APA-Images / First Look / Johannes Cizek
So etwas wie ein Vorwort
Ich hatte eigentlich nicht vor, noch ein weiteres Falco-Buch zu schreiben. Ist nicht schon alles gesagt? Schon jedes Detail aus Falcos Leben ausgeleuchtet?
Vor vierzig Jahren sprang Rock Me Amadeus auf die Nummer eins der amerikanischen Billboard-Charts. Ein bis dahin unvorstellbares Ereignis für einen österreichischen Musiker. Die Vorbereitungen auf dieses Jubiläum brachten mich zum Nachdenken. Ist wirklich schon alles erzählt?
Falcos Musik ist heute vielleicht populärer als je zuvor, er selbst mittlerweile ein Mythos. Eine Legende, die den Mann dahinter vergessen lässt. Die unkritisch Allgemeinplätze zu Wahrheiten macht. Das wird Falco jedoch nicht gerecht. Und außerdem gibt es noch so viel zu erzählen …
Über das Genie am Rande des Wahnsinns, über den Menschen Hans Hölzel, über die gemeinsamen Abenteuer und Niederlagen, über unsere Freundschaft, über seinen Kampf gegen Alkohol und Drogen, über die Zeit, als er »clean« war. Und natürlich über unsere jahrzehntelange Zusammenarbeit, Backstage-Geschichten bei unseren Video-Drehs und Dinge, die hier zum ersten Mal das Licht des gedruckten Wortes erblicken. Geschichten, die ein überraschendes Bild von Falco zeichnen. Und auch von der Zeit und dem Umfeld, in dem er seinen kometenhaften Aufstieg und sein viel zu frühes Ende fand. Eine Zeit, wie es sie in der österreichischen Musik seither nicht mehr gegeben hat.
Es ist keine klassische Biografie (davon gibt es bereits genug). In den folgenden Kapiteln möchte ich neue Perspektiven auf den Künstler Falco bieten (zum Beispiel Falco als Literat oder sein Verständnis von Kunst), genauso wie auf den Menschen Hans. (Was hätte er nach seinem Falco-Dasein gemacht? Wie war das wirklich mit den Frauen?) Vor allem aber ist dieses Buch eine Geschichte unserer Freundschaft, die mich den Rest meines Lebens begleiten wird. Ich hatte das Privileg, seit 1977 Hans Hölzels Freund und Falcos Videoregisseur für seine Videos und Dokumentationen zu sein. Die Erzählungen in diesem Buch sind somit allesamt aus erster Hand, ich habe sie persönlich miterlebt (und miterlitten). Es war nicht immer leicht, Hans’ Freund zu sein. Und doch möchte ich keinen Moment dieser Freundschaft missen.
Ich glaube, ich bin es meinem Freund Hans Hölzel schuldig, die Erinnerung an ihn hochzuhalten. Die Erinnerung daran, wie er wirklich war.
Dazu gehört die Wahrheit, die ganze Wahrheit.
Ihr Rudi Dolezal
»Und doch möchte ich keinen Moment dieser Freundschaft missen.«
PS: Viele der in diesem Buch beschriebenen Begebenheiten sind vor mehr als dreißig Jahren passiert. Ich habe schon seit Anfang unserer Freundschaft (1977) Notizen und Tonbandaufnahmen gemacht, die mir ermöglichen, Situationen in diesem Buch möglichst genau nachzuerzählen, inklusive Dialoge. Wenn ich trotzdem bei der einen oder anderen Sache ein bisschen unscharf war, so bitte ich um Verzeihung und nehme Korrekturwünsche für die nächste Ausgabe gern entgegen.
Es war ein kühler und bewölkter Tag in Wien. In Moskau verlangte Präsident Gorbatschow gerade den sofortigen Stopp aller Atomversuche von Präsident Reagan. Die Saudis verkündeten einen Ölpreis von unter zwölf Dollar pro Barrel. Israel protestierte gegen den Präsidentschaftskandidaten Waldheim wegen angeblicher Verstrickungen in Nazi- und SS-Verbrechen. Und Bayern München spielte 2:2 unentschieden (Torschützen Rummenigge und Hoeneß) gegen Eintracht Frankfurt.
Es war Samstag, der 29. März 1986. Der Tag, der mein Leben für immer verändern sollte. Das wusste ich noch nicht, als ich an diesem Tag erschöpft, aber glücklich zur Rezeption des Aldiana Clubs auf Fuerteventura1 kam und nach dem Zimmerschlüssel fragte.
Hinter mir stand ungeduldig mein Freund Wolfgang Ambros mit seiner Band, der Nummer 1 vom Wienerwald2. Wir kamen gerade vom Dreh des Musikvideos Langsam woch’s ma z’amm zurück, das am Strand spielte, waren voll mit Sonnencreme und Sand und wollten bloß schnell unter die Dusche.
Als ich der Rezeptionistin die Hand nach den Schlüsseln entgegenstreckte und mich umdrehte, erzählte Wolfgang gerade einen Witz – und das konnte er gut.
Das laute Lachen erregte den Unmut zweier norddeutscher Urlauber. Wolfgang dazu leise: »Piefke3 eben, die gehen in den Keller lachen«, was uns nur noch mehr erheiterte.
Die Dame an der Rezeption hatte endlich meinen Schlüssel gefunden und übergab ihn mir zusammen mit einem Telex4. »Bitte bestätigen Sie die Entgegennahme mit einer Unterschrift.«
Das fand ich reichlich übertrieben, nahm aber das Papier und den Stift entgegen, als mein Blick auf den Text des Telex fiel. Ich erstarrte vor Schock. Was für ein Wahnsinn!
Ich drückte Wolfgang und den anderen ihre Zimmerschlüssel in die Hände, nur um kurz darauf in Jubel auszubrechen, als hätte unser Fußball-Nationalteam die Weltmeisterschaft gewonnen.
»Burschen, ihr werdet es nicht glauben. Wir sind Nummer 1 in Amerika!«
»Was?«, fragte Wolfgang trocken.
»Falco ist mit Rock Me Amadeus Platz 1 in den Billboard-Charts, Oida! Und ich hab das Video dazu gemacht!«5
»Ich scheiß mich an!«, entfuhr es Wolfgang, die allgemein österreichische Conclusio für das Unfassbare. Die Norddeutschen waren nicht glücklich.
Bassist Helmut »Helmerl« Pichler fügte unverblümt, wie das so seine Art war, hinzu: »Jetzt haben wir zwei number one. Die vom Wienerwald und die von Billboard.«
Neben der Rezeption sank ich auf die Couch, das Telex noch immer in der Hand. Die Freude, der Schock. Die Unglaublichkeit dieses Moments wollte ich einerseits in mich einsaugen und andererseits voller Lust in die Welt hinausbrüllen.
Falco, Österreichs einziger internationaler Popstar, und das Video, für das ich als Regisseur so hart gekämpft hatte, ging um die Welt. Es sollte der Anfang einer unglaublichen Reise werden. Einer Reise, die Falco in den Olymp der Rockmusik und die Champions League der Popkultur führen sollte. Und auch mir würde sie viele Türen öffnen und es mir ermöglichen, mit Stars wie Queen, den Stones oder David Bowie zu arbeiten. Davon hätten wir nicht zu träumen gewagt, als die drei Rotzbuben Hans, Rudi und Hannes in der Küche der Schottenfeldgasse das Video zu Rock Me Amadeus planten.
Als sich der erste Schock gelegt hatte, bestellte ich für Wolfgang und die Band Champagner, Wein und Bier, um die Initialzündung einer Weltkarriere zu feiern. Das zumindest war mein Traum.
Zur gleichen Zeit saß Hans mit Freunden im Wiener In-Lokal Oswald & Kalb. Dieser Teil der Geschichte wurde bereits Hunderte Male erzählt, daher möchte ich es kurz halten: Falco war beim Eintreffen der Nachricht, sein Song sei die Nummer 1 in den USA, überhaupt nicht glücklich. Kein Jubeln, keine Umarmungen, kein Champagner. Stattdessen saß er traurig und zusammengesunken an seinem Tisch und meinte: »Das werd ich nie mehr schaffen.«
Hannes Rossacher, Falco und Dolezal (v. l.) beim Dreh zum Video The Sound of Musik aus dem Album Emotional
1
Gehört zu den Kanarischen Inseln
2
damals: Günter Dzikowski, Peter Koller, Helmut Pichler und Harry Stampfer
3
österreichisch: liebevolles Schimpfwort für Deutsche
4
Das Kommunikationsmittel der Zeit, Fax, E-Mail und Smartphones waren noch nicht erfunden
5
gemeinsam mit Hannes Rossacher, dem zweiten Teil des Regieteams
DoRo
»Dann kommst du übermorgen ins ORF-Zentrum«, sagte Teddy junior, während er mir den Joint weiterreichte, »und ich zeig dir alles. Ich weiß, dass die Jugendredaktion Mitarbeiter sucht.«
Teddy, Sohn des ORF-Generalintendanten und »ZiB-Erfinders« Teddy Podgorski senior, und ich saßen mit anderen Gleichgesinnten 1976 um ein Lagerfeuer in der von uns besetzten Arena, einem ehemaligen Schlachthof, in dem die gerade entstehende Jugendbewegung in Wien ein selbstverwaltetes Jugendzentrum einrichten wollte, während die Stadtregierung hingegen den architektonisch wertvollen Schlachthof abreißen und ein Kaufhaus bauen wollte. Die Besetzung dauerte mehr als drei Monate. Zahlreiche Künstler spielten aus Unterstützung mit uns Protestierenden, sogar Leonard Cohen trat auf. Es gab Lesungen und Theateraufführungen, täglich kamen Menschen vorbei, brachten Essen und Trinken und unterstützten die Demonstranten. Am Ende halfen die Proteste nichts, die alte Arena wurde abgerissen (und in einem benachbarten Schlachthof neu eröffnet). Doch die Kontakte, die dort zwischen Lagerfeuergesprächen und Konzerten geknüpft wurden, blieben bestehen.
Zwei Tage nach meinem Gespräch mit Teddy stand ich vor einer orangen Tür im vierten Stock des ORF-Zentrums Küniglberg. Auf der Tür prangte das Foto einer Raubkatze, die auf den Betrachter zusprang.
Ich klopfte.
»Kumm eine!«, sagte eine tiefe Stimme. Ich trat ein und sah den langhaarigen Andreas Friesz, Chef der Jugendredaktion, und einen gewissen Hannes Rossacher mit Vollbart, die Füße lässig auf dem Tisch. Nach einem kurzen »Bewerbungsgespräch« war ich Mitarbeiter der Ohne Maulkorb-Redaktion (OMK). Sie suchten dringend neue Mitarbeiter.
»Pass auf«, sagte Andreas Friesz zu mir, »da gibt’s eine neue Wiener Band, Hallucination Company, von einem Wickerl Adam. Die spielen ihr erstes Konzert als Wiener Musiktheater im Haus der Begegnung in der Bernoullistraße. Check die Band, ob die einen Beitrag in Ohne Maulkorb wert sind.«
Mein allererster »Auftrag« für den ORF. Ich war mächtig stolz und natürlich aufgeregt.
Das Haus der Begegnung war eine kalte Angelegenheit. Nicht wegen der Temperatur, sondern wegen des Looks. Orange hässliche Sessel im DDR-Design, grauenvolle Wände im Braunton und scheußliche Beleuchtung. Es war Anfang der Siebzigerjahre erbaut worden und umfasste eine Volkshochschule, eine städtische Bücherei, ein Jugendzentrum sowie Mehrzwecksäle für Theateraufführungen oder eben Konzerte.
Schon wenige Minuten nach Beginn der Show wurde allen Anwesenden klar: Hier sind wir Zeugen einer besonderen Premiere. Ludwig »Wickerl« Adam huschte in einer Mischung aus Frank Zappa und Jango Edwards wie ein Derwisch über die Bühne, eine tolle Band im Rücken.
Zwei Solo-Songs wurden von Hansi Lang und eben Hans Hölzel dargeboten. Es war ein geiles Konzert!6 Ein Umstand fiel mir sofort auf. Der Bassist Hans Hölzel (ich kannte ihn persönlich ja noch nicht) gebärdete sich beim Spielen so auffallend, als wäre er der Star, nicht Wickerl Adam. Ich dachte mir: »Was ist denn das für ein Vogel?«
Nach dem Konzert kamen wir uns in der Garderobe bei besonderen Zigaretten (wie es bei 5/8erl in Ehr’n heißt: Siasse Tschik) näher und eine durchsichtige Flüssigkeit wurde gereicht. Kein Wasser, sondern Wodka.
Die Stimmung war ausgelassen, die Premiere war gelungen. Eine Wiener Kultband war geboren, aus der in den folgenden Jahren neben Falco auch weitere Solo-Künstler hervorgingen. Wickerl Adam wurde zum Szene-Papst und Förderer vieler österreichischer Talente. Hans (von »Falco« war noch keine Rede) und ich verstanden uns von Anfang an blendend – wir hatten den gleichen Schmäh.
Hans meinte damals: »Ich fühl mich in der Company sehr wohl und kann vom Wickerl viel lernen. Aber irgendwann wird es Zeit für den Frontman Hans Hölzel.« Ihm fehlte es schon damals nicht an Selbstvertrauen.
Uns verband, dass wir beide über den Tellerrand schauten. Nicht nur Österreich und Deutschland wollten wir erobern, sondern die ganze Welt. Er sah sich als Weltstar und ich war der Meinung, Videos für Bands wie die Stones, Tina Turner oder Queen machen zu können. Damals glaubte mir noch niemand. Als ich das im ORF ansprach, erntete ich hämisches Grinsen: »Gerade mit dir werden der Herr Jagger oder die Tina Turner arbeiten.« Die Neider verstummten, als ich wirklich für Jagger und Co. Videos produzierte.
Ich empfahl Friesz, einen OMK-Beitrag zu planen, was schließlich zu einem der ersten TV-Auftritte der Band und damit auch zu einem der ersten Fernsehauftritte von Johann Hölzel wurde. Aus heutiger Sicht war diese erste Begegnung in der Garderobe der Schlüssel für unsere jahrzehntelange Zusammenarbeit. Wir kannten einander, bevor Hans Falco spielte und bevor ich überhaupt Regisseur wurde. Wir erkannten im jeweils anderen etwas von uns wieder, an das damals niemand glaubte außer wir selbst.
6
An diesem Abend auf der Bühne: Wickerl Adam (MC, Clown und Gesang), Michi Juers (Clown, Gesang, Percussion), Hansi Lang (Darsteller und Gesang), Amy Leverenz (Gesang), Barbara Hutterer (Darstellerin), Monika Prunkl (Darstellerin), Peter Kolbert (Drums), Thomas Rabitsch (Keyboard), Peter Loessl (Gitarre) und eben Johann »Hans« Hölzel am Bass
»Ich glaub, das Konzept wird ihm super gefallen«, sagte ich zu meinem damaligen Partner Hannes Rossacher, als wir das Stiegenhaus in der Schottenfeldgasse in den dritten Stock hinaufgingen. Lift gab es keinen.
Im Gepäck das Konzept für den Video-Dreh zu Rock Me Amadeus, jenen Song, den uns Hans vor einer Woche in seiner Küche vorgespielt hatte. Wir drei waren uns alle einig: Das wird ein Hit.
»Grüß euch.« Mama Maria Hölzel öffnete uns, freundlich wie immer, die Tür.
»Guten Tag, Frau Hölzel.« Ich gab den Wohlerzogenen.
»Ich hab euch einen frischen Apfelstrudel gemacht, steht in der Küche«, fuhr Frau Hölzel fort.
Dort saß auch schon Hans im Morgenmantel und empfing uns aufgekratzt: »Burschen, ich hab eine super Idee für unser Amadeus-Video!«
Wir waren gespannt. Normalerweise überließ Hans uns die kreative Konzeptarbeit – aber bitte …
Hans dozierte im Ton eines Vortragenden: »Also, die Geschichte geht so: Stellt euch vor, ich im Tuxedo steh auf der Bühne der Wiener Staatsoper …«
Ich spitzte meine Ohren.
»… und sing den Song«, beendete Hans seinen Satz.
»Und wie geht’s weiter?«, fragte ich gespannt.
»Na, nix! Das ist das Konzept: Ich auf der Bühne der Staatsoper.«
Zur Erinnerung: Damals waren Videos das neue Genre. Musik für die Augen. Stars überboten sich mit spektakulären Musikvideos, etwa Peter Gabriel mit Sledge Hammer, Queen mit Bohemian Rhapsody oder Michael Jackson mit Thriller. Sie schufen ikonische Szenen, die bis heute jeder kennt. Nicht weniger als das wollten wir für Falco auch schaffen.
Nachdem Hans geendet hatte, legten wir unser Konzept vor: Falco in zwei Jahrhunderten, einerseits im Rokoko des 18. Jahrhunderts als »heutiger« Falco, andererseits als Mozart in der Gegenwart unter Motorrad-Rockern.
Hans sah sich das Drehbuch kurz an und sagte dann: »Burschen, das könnts vergessen. Ich setz doch keine Mozartperücke auf. Ich bin doch kein Warmer.«7
Ich versuchte, das Problem mit einer Finte zu lösen. »Schau, Hans«, vermittelte ich, denn ich war völlig von unserem Konzept überzeugt, »wir machen dein Konzept für die ganze Welt und unser Mozart-Konzept nur für Amerika. Du weißt, die Amis stehen auf Mozartkugeln und so …«
Diesem Kompromiss stimmte Hans schließlich zu. Das »Staatsoper-Video« wurde nie verwirklicht. Als die Vorbereitungen zum Dreh fortschritten, kam Falco zu mir und sagte: »Im Vertrauen, Rudl, wir machen nur die Mozart-Version.« Ich nickte nur verständnisvoll. Dabei fiel mir innerlich ein großer Stein vom Herzen. Zwei Versionen wären allein vom knappen Budget gar nicht realisierbar gewesen.
Das war jedoch nur die erste Hürde. Eine Weitere folgte bald darauf.
Wir hatten zwei Drehtage für das Video geplant: den ersten, am 1. April (kein Scherz!), mit Falco als Mozart und Motorrad-Rockern (die »Outsiders«) im Lokal Bluebox. Und am nächsten Tag im Palais Schwarzenberg.
Bereits am ersten Tag hätten uns die Rocker fast den Dreh geschmissen. Denn die Biker wollten ihre Komparsengage in Bierkrügen »ausbezahlt« haben, worauf die Stimmung von ausgelassen in leicht gefährlich umschlug. Fürs Video toll, aber wir mussten jede Sekunde eine Eskalation fürchten. Wir hatten Glück, das Lokal blieb ganz. Und der Dreh ging über die Bühne.
Das Budget war übrigens so knapp, dass wir uns nur für einen Tag einen Profi-Fotografen leisten konnten. Den hatten wir für den zweiten Drehtag vorgesehen.
Als ich meinen Freund Hans am Tresen sitzend in voller Montur sah, mit punkiger Mozart-Perücke und Rokoko-Outfit, dachte ich mir: Das muss man festhalten. Es war einfach ein ikonischer Look. Ich hatte meine Contax-Fotokamera dabei und machte die bekannten Falco-Fotos. Das berühmteste (Der Schrei), das auch das Cover dieses Buches ziert, war übrigens das letzte eines 36-Bilder-Farbfilms (ja, Film!). Hans war da schon so angefressen vom Posieren, dass er diesen Schrei losließ.
Der zweite Drehtag fand im Palais Schwarzenberg statt. Das Palais Schwarzenberg
