Farben-Liebe - Vom Sehen und Mischen der Farben - Marie-Christine von Liebe - E-Book

Farben-Liebe - Vom Sehen und Mischen der Farben E-Book

Marie-Christine von Liebe

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12,99 €

Beschreibung

Die Farben-Liebe bietet gerade Anfängern der Malerei so kompakt wie nötig und so fundiert wie möglich Grundlagenwissen. Schnell werden die Unterschiede und Vorzüge von Öl, Acryl und Aquarell klar und wie man Farben am besten mischt. Hinweise zum eigenständigen Erkennen von Qualitätsunterschieden erleichtern den Einkauf. Zahlreiche Abbildungen und Besprechungen von Museumswerken (von der Mona Lisa bis zum Bauhaus) zeigen, wie sich Kontraste und andere Stilmittel gekonnt in eigenen Werken umsetzen lassen. 200 Seiten mit 72 Abbildungen, davon 68 farbig

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
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Seitenzahl: 130

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Für Johann und Magdalena

Sucht stets Euren eigenen Weg,

denn so bekommt das Leben die schönsten Farben.

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Vom Sehen der Farben

Farben sind Licht

Licht im Auge

Vom Mischen der Farben

Sichtbare Farben

Übersichtliches Farben-Modell

Malfarben mischen

Das Material der Farben

Farbgebende Pigmente

Bindemittel und Maltechnik

Acrylmalerei

Aquarellfarben

Tempera

Ölmalerei

Klassische Technik

Alla-Prima-Technik

Fett auf mager

Weitere Maltechniken

Jenseits der Farbe

Linie und Raum

Zeichnen nach dem Modell

Räumlichkeit durch Repoussoir

Hell und Dunkel

Ideale Proportionen

Farben und Kontraste

Simultan-Kontrast

Komplementär-Kontrast

Relative Farben

Sukzessiv-Kontrast

Bunt-Unbunt-Kontrast

Farbe-an-sich-Kontrast

Raum durch Farbe

Warme und kalte Farben

Nah-Fern-Kontrast

Bildgestaltung

Ein zugänglicher Bildraum

Quantitäts-Kontrast

Qualitäts-Kontrast

Keine Patentrezepte

Farben kaufen

Welche Qualität?

Welche Farbtöne?

Passender Malgrund

Atelier-Einrichtung

Farbtraditionen

Gelebte Farben-Liebe

Buchtipps

Danksagung

Über die Autorin

Einleitung

Wenn Sie zu diesem Titel gegriffen haben, stehen die Chancen gut, dass Sie vorhaben, sich aktiv selbst der Malerei zu widmen. Das sind schöne Aussichten. Dieses Buch will Ihnen dabei eine gute Unterstützung sein.

Als ich selbst begonnen habe, mich näher mit der Malerei und ihren Farben zu beschäftigen, tauchte so manche technische Frage auf. Manchmal war die Antwort offensichtlich und schnell gefunden. Andere Male dauerte es länger, oder die Antworten waren widersprüchlich. Irgendwann war für mich der Moment gekommen, da ich es genauer wissen wollte. Das Ergebnis halten Sie nun in Händen.

Da ich es nicht sehr spannend finde, vorgegebene Regeln einfach nur zu wiederholen, ist der Inhalt so aufgebaut, dass zunächst die Grundprinzipien erläutert werden. Das beginnt damit, wie das Sehen von Farben funktioniert. Wem dieser Teil zu ausführlich ist, der kann natürlich gleich zum nächsten Kapitel übergehen. Darin geht es dann um das Mischen der Farben. Besonders Anfängern der Malerei fällt das oftmals schwer. Hier hilft es zu wissen, dass die Farbigkeit beim Material der Malerei aus reflektiertem Restlicht entsteht und man daher hell anfangen sollte, und dass es ein farbiges Grundtrio als Basis gibt. Wie die Farben zusammenhängen, lässt sich gut am zwölfteiligen Farbkreis des Bauhauslehrers Johannes Itten nachvollziehen.

Heute kombinieren wir gerne unterschiedliche Maltechniken. Damit die Farben auch dann noch lange im Bild haltbar sind, ist es gut, den Aufbau und die chemischen Wechselwirkungen von Acryl, Aquarell und Ölmalerei zu kennen.

Neben der Entscheidung für die Maltechnik, spielen die Kontraste für die Wirkung der Malerei eine zentrale Rolle. Welches Wissen Künstler bereits in frühen Jahrhunderten für die Wirkung ihrer Werke einsetzten, zeigen einige Meisterwerke aus der Kunstgeschichte.

Gute Kunst ist stets Ausdruck der eigenen, individuellen Kreativität. Daher müssen Sie als Maler oder Malerin letztlich selbst entscheiden, welcher Stil und welches Material Ihnen am besten entspricht. Da die Auswahl im Handel für Künstlerbedarf eher unübersichtlich ist, habe ich einige leicht erkennbare Unterschiede als Hinweise zur Qualität und Entscheidungshilfe beschrieben, wie etwa das in der Farbtube enthaltene Pigment.

Ich hoffe, dass Sie auf den folgenden Seiten viel Nützliches und so manches Interessante finden, und wünsche Ihnen von Herzen, dass Sie Ihre eigene Liebe zu den Farben und zur Malerei mit Freude und Leidenschaft kreativ leben.

München, Oktober 2020 Marie-Christine von Liebe

Vom Sehen der Farben

Farben sind Licht

Unsere Welt ist wunderbar bunt. Doch woher kommt diese Farbigkeit? Diese Frage haben sich die Menschen bereits in früheren Generationen gestellt. Lange gab es alle erdenklichen Vorstellungen, bis hin zu der Idee eines Lichtstrahls aus dem Auge. Es war der britische Forscher Sir Isaac Newton (1643–1727), der mit seinem Experiment regelrecht Licht ins Dunkel brachte. Seinen Versuchsaufbau schickte er 1671 als Zeichnung an die Royal Society in London. Denn diese hatte sich dazu verpflichtet, die Wissenschaft durch wiederholbare Experimente zu einer objektiven Forschung anzuregen.

Isaac Newton, Farbspektrum im Licht, 1671

Bei seinem Versuch ließ Newton einen Lichtstrahl durch eine kleine Öffnung in eine dunkle Kammer fallen. Dann führte er das Licht über die Kanten eines geschliffenen Glasdreiecks, eines Prismas. Der Strahl wurde abgelenkt und damit sozusagen aufgebrochen. Das zunächst gebündelte, weiße Licht fächerte sich in einen farbigen Streifen auf, und das gesamte Spektrum der Regenbogenfarben wurde sichtbar. Diesen bunten Lichtstreifen führte Newton dann durch eine Linse, und so wurde das Licht erneut zu einem weißen Strahl gebündelt.

Mit diesem Experiment war der Beweis gelungen, dass die Farben im Licht nicht dadurch entstanden waren, dass das Prisma den Strahl eingefärbt, beschädigt oder irgendwie sonst dauerhaft verändert hätte. Seither weiß man: Die Farben des Regenbogens sind in einem weißen Lichtstrahl stets vorhanden, nur sozusagen von außen für uns nicht sichtbar. Oder genauer formuliert: Im normalen Tageslicht sind alle Farben, alle Wellenlängen des Lichts enthalten. Nehmen wir diese Wellen alle gleichzeitig wahr, dann sehen wir dies als Weiß.

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) hat für seine berühmte Farbenlehre von 1810 Newtons Experiment nachgestellt. Da er ein anderes Ergebnis bekam, hielt er dessen Beobachtungen für falsch. Er hatte schlichtweg übersehen, dass Newton in einer dunklen Kammer experimentiert hatte, und seine Versuche in einem hellen Raum ausgeführt.

Farbige Lichtwellen

Was wir als Farben sehen, ist Licht einer bestimmten Wellenlänge. Durch die Farbigkeit nehmen wir die Unterschiede der jeweiligen Strahlung wahr. Das erklärt auch, warum Experimente mit Blinden, zeigen konnten, dass ein roter Raum auch jenseits des Sehens anders empfunden wird als ein blauer.1

Dass wir unsere Welt in bunten Farben sehen können, ist wunderschön. Aus Sicht von Biologie und Evolution ist das allerdings kein Luxus. Diese menschliche Fähigkeit ist eher ein Teil unseres Frühwarnsystems, zugegeben ein besonders schöner. Denn farbig heben sich Objekte besser von ihrem Hintergrund ab, und es lässt sich auch über weitere Entfernungen mehr erkennen.

Physiologisch ist das Sehen, insbesondere das Sehen von Farben, ein enormer Aufwand, bei dem viele Aspekte ineinander spielen müssen.

Licht im Auge

Voraussetzung für das Sehen von Farben ist, dass genug Licht ins Auge gelangt, denn sonst können wir lediglich Hell und Dunkel unterscheiden. Am Aufbau des Auges können wir die Vorgänge des Sehens gut nachvollziehen.

Den vorderen Abschluss des Augapfels bildet die Hornhaut oder Cornea. Sie ist wie ein Fenster nach außen. Ist sie gesund und transparent, sehen wir klar.

Direkt dahinter liegt der wichtige Bereich von Iris und Linse.

Der farbige Ring der Iris (Regenbogenhaut) trägt die Pigmente, die unsere Augenfarbe bestimmen. Er kann die Größe seiner Öffnung blitzschnell mit winzigen Muskeln verändern, um bei Bedarf das empfindliche Augeninnere vor zu viel Licht zu schützen. Ist es dämmrig, wird die Iris ganz schmal, um möglichst viel vom spärlichen Licht in das Innere des Augapfels einzulassen. Dann wirkt der schwarze Punkt der Pupille besonders groß. In Wahrheit hat sich nur der Ring der davorliegenden Iris zurückgezogen, und wir sehen mehr von dem ansonsten dunklen, weil fast geschlossenen Innenraum des Augapfels.

Auf den Linsen-Apparat folgt der Glaskörper des Augapfels. Seine runde Form bekommt er durch eine wässrig gefüllte Hülle aus drei Häuten. Auf der inneren Netzhaut (Retina) sind die Stäbchenzellen für die Unterscheidung von Hell und Dunkel recht breit verteilt. Bei schlechten Lichtverhältnissen sehen wir mit diesen Zellen immerhin schwarz-weiß. Vom Licht erreicht werden diese Zellen, wenn die Pupille geweitet ist, weil sich die Iris zu einem schmalen Ring zurückgezogen hat.

Bei wenig Licht können wir keine Farben sehen

Ist es hell genug, so wird der farbige Ring im Auge so breit, dass das Licht als gebündelter Strahl ins Auge fällt. Dieser ist dann kräftig genug, um bis zur hinteren Wand des Augapfels zu gelangen. Denn dort, wo die lange Nervenverbindung ins Gehirn abgeht, liegt das Areal des scharfen und farbigen Sehens. Dieser Bereich, der sogenannte „Gelbe Fleck“ (Makula), beherbergt Millionen winziger Zellen. Er liegt genau in gerader Linie hinter der Linse.

Während der Ring der Iris reguliert, wieviel Licht ins Innere des Auges gelangt, bestimmt die Linse, was wir wie scharf sehen. Denn wenn wir fokussieren, stellen wir ihre Form auf die entsprechende Entfernung ein. Die Veränderung erfolgt durch winzige Muskeln. Je elastischer die Linse ist, desto besser können wir sowohl in der Nähe als auch in der Ferne sehen. Ist der Augapfel schön rund, trifft das „Dia“ der Außenwelt genau richtig auf die Makula, und wir können ein scharfes Bild sehen.

Nur bei Helligkeit klappt das Farbensehen

Zellen für das Farbensehen

Die Zellen für das Sehen von Farben haben die Form von Zapfen, und es gibt sie in drei Längen, die jeweils auf eine Grundfarbe spezialisiert sind: lange für langwelliges Licht, also Rot, mittlere für Grün und kurze für das kurzwellige blaue Licht. Da wir sehr viel mehr Farben sehen, ist der Normalzustand des Farbensehens eine gemischte Reizung aller drei Zelltypen. Bereits im Sehen werden also die Farben durch Mischung erzeugt.

Das im Auge wahrgenommene Bild können wir uns wie das farbige Bild eines Beamers vorstellen. Viele Lichtstrahlen in unterschiedlichen Wellenlängen ergeben ein auf die Makula projiziertes Abbild desjenigen Ausschnitts der Welt, auf den unsere Augen gerade fokussiert sind.

Übersteuerte Farben

Damit wir aus den Zellreizungen im Auge ein Bild bekommen, müssen die Informationen ans Gehirn weitergeleitet werden. Erst im Sehzentrum, im Hinterkopf, entstehen aus den empfangenen Nerveninformationen unsere Bilder der Außenwelt. Für unser Gehirn ist das viel Arbeit, und schnell muss es auch gehen. Daher versucht es, ein bisschen zu tricksen: Es filtert heraus, was es aus Erfahrung für unwichtig hält, oder ergänzt selbsttätig, was es glaubt, längst verstanden zu haben.

Das führt auch zum Effekt der Farb-Konstanz: Ein gewohnter Gegenstand erscheint uns bei jeder Tageszeit und jedem Wetter farblich völlig gleich. Doch nimmt man es genau, dann müsste er sich morgens und abends farblich verändern. Im Urlaub, also in ungewohnter Umgebung, fällt uns das manchmal auf. Denn zu diesen Tageszeiten ist der Einfallswinkel des Sonnenlichts ein anderer, und damit auch die Wellenlängen des Lichts und die dadurch entstehenden Farben. Die Gegenstände in unserem Umfeld müssten dann also eigentlich rötlicher wirken. Doch da wir die Erfahrung gemacht haben, dass uns allein durch eine Veränderung der Tageszeit in unserem Heim keine Gefahr droht, filtert unser Gehirn die Information „andere Farben“ aus. So bleiben wir ruhig, wenn unsere Umgebung es auch ist, und sparen Kräfte für Situationen, in denen Panik und Flucht angebracht sein könnten.

Hält unser Gehirn umgekehrt Unterschiede jedoch für besonders wichtig, verstärkt es diese sogar noch, wie wir im Kapitel zu den Kontrasten noch sehen werden.

Andere Augen, andere Farben

Jeder hat andere Augen. Offensichtlich ist das bei der Augenfarbe. Sie hängt davon ab, wie viele Pigmente auf dem Ring der Iris liegen. Sind es wenige, erscheinen die Augen blau, da das Innere des Augapfels wässrig gefüllt ist. Dann gelangt prinzipiell mehr Licht ins Auge. Je mehr Pigmente auf dem Augenring liegen, desto dunkler ist die Augenfarbe, und desto besser wird das Augeninnere vor zu viel Sonne geschützt.

Doch nicht nur die Augenfarbe ist angeboren, auch wie wir Farben wahrnehmen, hängt von unserer genetischen Ausstattung ab. Wir haben nicht alle die gleiche Menge und Zusammensetzung an Farbrezeptor-Zellen. Hier gibt es zum Teil erhebliche Unterschiede. Manchmal führt dies auch zur sogenannten Farbenblindheit, einer Schwäche in der Unterscheidung von Rot und Grün. Das ist deshalb besonders hinderlich, weil dies normalerweise der stärkste Kontrast mit der besten Fernwirkung ist und die Farbkombination daher für viele Verkehrssignale an Land und auf See genutzt wird.

Bereits 1917 hat der japanische Augenarzt Shinobu Ishihara Farbtafeln entwickelt, um die Fähigkeit der Farbunterscheidung bei Rekruten zu testen. Die Tafeln bestehen aus einer Mischung farbiger Punkte. Die damit im Bild dargestellten Symbole sind nur dann zu erkennen, wenn die Testperson die Farben gut unterscheiden kann. Hier sind Frauen erheblich im Vorteil. Vermutlich werden bestimmte Zellen im Auge teilweise auf den weiblichen X-Chromosomen vererbt. Heute werden die Tafeln daher oft dazu verwendet, um bei anonymen Befragungen herauszufinden, ob die Testperson männlich oder weiblich ist. Malerinnen wären hier also theoretisch genetisch im Vorteil. Praktisch dürfte allerdings das geübte Auge die farblichen Nuancen am besten unterscheiden können. Da jeder die Farben, zumindest ein klein wenig, anders sieht, macht es also gar keinen Sinn, sich über Farben zu streiten.

Shinobu Ishihara Farbtafel ab 1913

1 Schon Niels Finsen (1860-1904), Nobelpreisträger für Medizin 1903, betrieb intensive Forschungen dazu wie Licht und Farben auf den menschlichen Körper wirken.

Vom Mischen der Farben

Ein paar Grundregeln sollen dabei helfen, mühsame Umwege beim Mischen der Farben zu vermeiden. Sie kommen schneller zum Ziel, wenn Sie mit den hellen Tönen beginnen. Außerdem hilft es, die Grundbeziehungen zwischen den verschiedenen Farbtönen zu kennen. Denn dann ist schnell klar, welche farbigen Bestandteile weiterhelfen können und welche nicht.

Sichtbare Farben

Der Bereich der Strahlen, den wir als bunte Farben sehen können, ist begrenzt. Er liegt oberhalb der Wellenlängen der kurzwelligen und bräunenden, aber unsichtbaren ultravioletten Strahlung, ab ca. 380 nm, und endet etwa bei 780 nm, unterhalb der wärmenden, aber ebenfalls unsichtbaren Infrarotstrahlen.

Wellenlängen von 380 bis 780 nm sehen wir als bunte Farben

Bunte und unbunte Farben

Als einen bestimmten bunten Farbton wie Gelb oder Grün deuten wir eine genau umgrenzte Wellenlänge des Lichts. Kurzwelliges Licht sehen wir beispielsweise als Blau.

Besonders breit ist der Bereich, im dem eine Farbe von uns als Rot erkannt wird. Er geht von einem Orangerot über Magenta bis zu dunklem Krapprot und umfasst die Wellenlängen von 600 bis 780 nm.

Alles Rot: von 600–780 nm

Oft hört man, Schwarz und Weiß seien keine Farben. Doch wir nehmen sie ja durchaus als farbliche Erscheinungen wahr. In diesem Zusammenhang ist es besser, von unbunten Farben zu sprechen. Das gilt auch für Grau und Braun. Bei diesen Mischfarben sind die Wellenlängen sehr unterschiedlich, also ein ziemliches Durcheinander. Bei Schwarz ist fast kein Licht mehr vorhanden. Bei Weiß ist das Spektrum der Wellenlängen weitgehend vollständig.

Lichtfarben und Objektfarben

In unseren Augen wirken die Farben als Licht auf die Zellen ein. Auch am Bildschirm werden die Farben so erzeugt, also durch farbig leuchtende Punkte. Je mehr Farben hier zusammenkommen, desto heller wird es. Kommen alle Farben zusammen, dann ergibt dies die größte Helligkeit, farblich also Weiß. Daher spricht man bei Lichtfarben auch von einer additiven Mischung aktiver Farben. Die Grundfarben sind hier die gleichen wie die Grundtypen der Zellen im Auge für die Wahrnehmung von Farbe: Rot, Grün und Blau.

Links die additiven Primärfarben des Lichts

Rechts die subtraktiven Primärfarben der Objekte

In der Malerei sind die Grundfarben andere: Gelb, Rot und Blau. Denn hier werden die Farben nicht direkt aus Licht erzeugt. Ein Gegenstand, der kein Licht produziert, wirkt erst dadurch farbig, dass er einen Teil des auf ihn auftreffenden Lichts reflektiert. Handelt es sich um keinen weißen Gegenstand, dann ist das Spektrum des abgegebenen Lichts nicht mehr vollständig. Der Grund dafür ist, dass das Objekt bestimmte Anteile des Lichts regelrecht in sich aufgenommen hat. Welchen Bereich der auftreffenden Strahlung ein Gegenstand absorbiert, ist abhängig von seiner chemischen Zusammensetzung und der Struktur seiner Oberfläche.

Bei bunten Gegenständen teilt sich das auftreffende Licht in einen absorbierten und einen reflektierten Teil. Würde man diese Teile wieder zusammenführen, hätte man dadurch das vollständige Spektrum, also weißes Licht. Wie wir bei den Komplementärfarben noch sehen werden, erscheint ein Objekt dann in der Gegenfarbe der von ihm aufgenommenen Wellenlängen. Ein roter Apfel reflektiert also alle langen Wellen des Lichts, die für uns ein Rot ergeben. Die anderen Anteile (Grün) verschluckt er. Beim grünen Apfel ist es genau umgekehrt.

Bunt wirken die Dinge auf uns durch die Differenz von Absorption und Reflexion des auftreffenden Lichts.