Fear Street 22 - Die Todesparty - R.L. Stine - E-Book

Fear Street 22 - Die Todesparty E-Book

R.L. Stine

4,5

Beschreibung

Elaine muss nachsitzen. Ausgerechnet sie, die tadellose Musterschülerin, soll zur Strafe für eine vergessene Hausaufgabe am Samstag in der Schule antanzen – zusammen mit den schlimmsten Chaoten der Shadyside-Highschool. Doch als sie mit dem Draufgänger Bo und den anderen durch die dunklen Korridore streift, genießt sie den Nervenkitzel sogar. Bis sie den Eingang zu einem unterirdischen Tunnelsystem entdecken – und bald auch sein mörderisches Geheimnis …Der Horror-Klassiker endlich auch als eBook! Mit dem Grauen in der Fear Street sorgt Bestsellerautor R. L. Stine für ordentlich Gänsehaut und bietet reichlich Grusel-Spaß für Leser ab 12 Jahren.  Ab 2021 zeigt Neflix den Klassiker Fear Street als Horrorfilm-Reihe!

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1

„Ich kann nicht glauben, dass ich hier bin“, murmelte Elaine Butler leise vor sich hin und lenkte ihren Civic um die tiefe Pfütze herum, die sich bei Regen immer auf dem Parkplatz der Shadyside-Highschool bildete.

Die Scheibenwischer schurrten über die Windschutzscheibe. Trotz Jacke und Sweatshirt fröstelte Elaine. Die Heizung brachte auch nicht viel.

„Ich fass es nicht, dass ich tatsächlich an einem Samstag hierherkomme“, dachte sie.

Sie versuchte, sich einzureden, dass es ein Schultag wie jeder andere war. Aber das stimmte nicht.

Nachsitzen war angesagt.

Wieder lief ihr ein kalter Schauer über den Rücken. Sie parkte den Wagen und machte den Motor aus. Aber sie konnte sich nicht überwinden auszusteigen.

Der kräftige Wind peitschte den Regen gegen die Scheiben. Durch das beschlagene Glas blickte sie auf die Shadyside-Highschool. Das alte Gebäude ragte grau, kalt und verlassen vor ihr auf. Die Fenster waren dunkel und der Parkplatz – bis auf zwei andere Wagen – wie ausgestorben.

„Wie konnte ich nur so blöd sein?“, fragte sich Elaine.

Sie erinnerte sich genau an den Moment – an die übermächtige Panik, als sie merkte, dass sie ihre Mathehausaufgaben vergessen hatte. Diese lagen fein säuberlich gelöst auf ihrem Schreibtisch zu Hause. Leider hatte sie nur nicht mehr daran gedacht, sie in ihre Schultasche zu stecken.

Ihr Lehrer, MrForest, hatte nicht viel Verständnis gezeigt.

„Das ist jetzt schon die dritte vergessene Hausaufgabe, Elaine“, sagte er, während er sich über den Schnurrbart strich und vor der ganzen Klasse in seinem Heft mit den Eintragungen blätterte. „Ja. Eins, zwei und drei.“

Ein hämisches Lächeln spielte um seine Mundwinkel. „Er genießt das richtig“, dachte Elaine bitter.

„In diesem Kurs sind drei Mal die magische Grenze. Bitte pack deine Sachen zusammen und melde dich im Büro des Direktors.“

Ihre Klassenkameraden hatten während der ganzen Szene keinen Mucks von sich gegeben. Aber Elaine spürte ihre Blicke im Rücken, als sie den Raum verließ. Wahrscheinlich waren sie froh, dass es nicht sie getroffen hatte. Wenn man in MrForests Mathekurs zum dritten Mal die Hausaufgaben vergessen hatte, gab es kein Erbarmen.

„Glauben Sie mir, ich habe die Aufgaben gemacht“, versuchte Elaine ihn umzustimmen. „Ich hab sie nur dummerweise zu Hause vergessen.“

„Das ist wirklich schade“, erwiderte MrForest mit unbewegtem Gesicht.

Elaine wusste, dass sie in Schwierigkeiten steckte. Sie hatte die Gerüchte gehört. Der neue Rektor, MrSavage, hatte anscheinend einiges geändert.

Die alte Nachsitzregelung war seinen Reformen als Erstes zum Opfer gefallen. Nur zwei Stunden nach der Schule – das war ihm nicht abschreckend genug. Aber wenn die Schüler einen ganzen Tag für ihre Sünden büßen mussten…

Damit war MrSavages Idee geboren, die Schüler samstags in der Schule antanzen zu lassen.

„Und ich bin eins der Versuchskaninchen“, grummelte Elaine vor sich hin, während sie durch die Windschutzscheibe starrte. Dann stieß sie einen tiefen Seufzer aus. Sie konnte ja nicht ewig hier sitzen bleiben.

Widerwillig schnappte sie sich ihren Rucksack und stellte sich darauf ein, durch den Regen zu sprinten.

„Sieh’s doch mal positiv“, versuchte sie sich aufzuheitern. „Wenigstens verschwendest du keinen schönen Tag.“

Sie knallte die Autotür zu und rannte los. Es war nicht sehr weit bis zum Schulgebäude, aber die dicken Regentropfen kullerten wie winzige Eiskugeln ihren Hals hinunter.

Die Eingangstür wurde aufgestoßen, bevor sie nach der Klinke greifen konnte.

Elaine bremste so abrupt ab, dass sie auf dem nassen Marmor des Treppenabsatzes noch ein Stück weiterschlitterte. Für einen kurzen Moment erhaschte sie einen Blick auf eine bleiche Hand, die von innen gegen den breiten Bügel drückte.

Dann blickte Elaine in das Gesicht von MrSavage.

Er hatte große, müde wirkende Augen und ausgeprägte Tränensäcke. Seine Wangen waren eingefallen. Irgendwie erinnerte er Elaine immer an einen traurigen Jagdhund.

MrSavage öffnete die Tür noch ein Stückchen weiter. „Komm rein“, sagte er.

Elaine zögerte nicht lange. Sie schüttelte sich einmal kurz, um die Regentropfen loszuwerden. Dabei versuchte sie, auf der großen Gummimatte hinter der Eingangstür zu bleiben. Wahrscheinlich würde MrSavage auch Stress machen, wenn sie Wasser auf den Fußboden spritzte.

Der Flur lag im Dunkeln. Das einzige Licht kam aus dem Büro, das sich am anderen Ende des Gangs befand.

„Du bist die Letzte“, verkündete MrSavage. Trotzdem starrte er durch die geöffnete Tür nach draußen, als würde er noch jemanden erwarten. Obwohl es Samstag war, trug er einen schwarzen Anzug und eine Krawatte.

„Ist jemand gestorben?“, hätte Elaine am liebsten gefragt.

Savage stieß einen tiefen Seufzer aus, spähte ein letztes Mal hinaus in den Regen und ließ die Tür zufallen. Dann richtete er den Blick auf Elaine.

„MrSavage?“, sagte sie.

Er hob fragend eine Augenbraue. „Ja?“

„Ich, äh … ich habe nicht so viel Erfahrung mit so etwas“, erwiderte sie. „Was muss ich denn jetzt tun?“

Er warf ihr ein kaltes Lächeln zu. „Du hast bis jetzt noch nie nachsitzen müssen?“

„Nein.“

„Du bist eine gute Schülerin, Elaine“, stellte er fest. „Ich fand es merkwürdig, dass ausgerechnet du eine Strafe bekommst, deswegen habe ich einen Blick in deine Akte geworfen.“

„Oh, oh“, dachte Elaine.

„Hervorragende Noten“, fuhr er fort. „Außerdem bist du in der Schülervertretung und im Laufteam und arbeitest bei unserer Schulzeitung mit. Was hast du denn angestellt?“

Elaines Wangen wurden heiß. „Ich habe drei Hausaufgaben in MrForests Mathekurs nicht rechtzeitig abgegeben“, murmelte sie.

„Richtig, jetzt erinnere ich mich wieder.“ Savage nickte langsam. „Die dritte hattest du zu Hause vergessen, stimmt’s?“

„Ja.“

Elaine merkte, dass er ihr nicht glaubte. Warum sollte er auch? Schließlich logen ihn die Schüler jeden Tag an. Auch die guten.

„Ich hoffe, du hast nicht vor, das zur Gewohnheit werden zu lassen“, sagte er trocken.

„Nein.“

„Gut. Es wäre nämlich schade, deine gute Schulakte mit einem Haufen Nachsitzterminen zu verhunzen.“ Er seufzte wieder. „Sogar ich musste zu meiner Zeit ein paar harte Lektionen lernen. Sehr harte sogar.“

Seine Stimme wurde leiser und verstummte schließlich ganz. Elaine wartete darauf, dass er weitersprach, aber er blickte nur starr über ihren Kopf hinweg.

Elaine räusperte sich.

Daraufhin richtete der Rektor wieder seine Augen auf sie, allerdings schienen sie merkwürdig abwesend und entrückt. „Die anderen sind in Raum 111“, sagte er. „Bitte geh jetzt auch dorthin.“

Damit drehte er sich um und schlurfte zurück zu seinem Büro. Plötzlich sah Elaine ganz deutlich vor sich, wie sie wieder hinaus in den Regen schlüpfte und sich auf den Weg zum Einkaufszentrum machte. Ja! Das wär’s doch, einfach den ganzen Tag dort zu verbringen. Ihre Freunde anzurufen und shoppen zu gehen. Und hinterher ihren Eltern zu erzählen, dass Nachsitzen gar nicht so schlimm war…

Doch das war nur eine verrückte Idee. Die Realität sah anders aus.

„So ein Mist“, knurrte sie leise.

Dann schlurfte sie widerwillig durch den düsteren Korridor in Richtung Raum 111. Ihre Schritte hallten in dem leeren Gang. Der Klang erinnerte sie daran, dass sie hier ganz allein war. Dass sie keinen hatte, mit dem sie reden konnte. Nichts außer Regen und langweiligen Extraaufgaben – einen ganzen Samstag lang.

„So lange ich lebe, werde ich nie wieder eine Mathehausaufgabe vergessen“, schwor sie sich und zog sich die Jacke fester um die Schultern, um das hartnäckige Frösteln zu vertreiben.

Es würde ein langer Tag werden.

Noch hatte sie keine Ahnung, wie

2

Aus Raum 111 strömte Licht und lautes Lachen war zu hören. Elaine rückte ihren Rucksack zurecht und trat ein.

Das Gelächter erstarb.

Ein stämmiger Junge in einem Flanellhemd kritzelte etwas auf die Tafel. Das Haar hing ihm ins Gesicht und seine Bartstoppeln schimmerten stumpf wie Schmirgelpapier.

Ein anderer Junge saß an einem Tisch nahe der Tür. Sein Name war Jerry Fox. Elaine kannte ihn aus ihren Kursen. Er war klein und schmächtig und trug ein braunes Sweatshirt und Jeans. Sein sandfarbenes lockiges Haar war kurz geschnitten und lag eng am Kopf an. Ein Biobuch lehnte geöffnet vor ihm.

Zwei weitere Leute saßen hinten im Klassenzimmer. Das Mädchen hatte braunes Haar und war recht hübsch, aber das übertriebene Augen-Make-up verlieh ihrem Gesicht einen harten Zug. Sie hatte ein stylishes T-Shirt und knallenge Jeans an. Während sie eine große Kaugummiblase platzen ließ, starrte sie Elaine neugierig an. Die versuchte, ihrem Blick auszuweichen.

Den Jungen kannte Elaine nur vom Hörensagen. Bo Kendall war ein Fall für sich. Er trug eine zerschlissene Armyjacke, ein löchriges T-Shirt und zerfetzte Jeans. Sein pechschwarzes Haar war ziemlich kurz und stand dank Unmengen von Gel stachelig vom Kopf ab. Kaum hatte Elaine die Klasse betreten, ließ er sie nicht mehr aus den Augen.

„Na toll!“, dachte sie. „Das sind ja nicht gerade die Leute, mit denen ich sonst zusammen bin.“

Ihr fielen die Geschichten ein, die über Bo im Umlauf waren. Schlägereien. Rauchen in der Klasse. Feuerwerkskörper in der Jungsumkleide und noch ganz andere Sachen. Es wurde sogar gemunkelt, er hätte einen Wagen gestohlen, aber niemand wusste etwas Genaues.

„Äh, hallo“, stotterte Elaine. „Bin ich hier richtig beim Nachsitzen?“

„Nein, hier ist der Sezierkurs“, antwortete Bo in sarkastischem Ton. „Die toten Ratten werden jeden Moment geliefert.“

„Ich kann’s kaum erwarten“, gab Elaine zurück und versuchte, cool zu klingen.

Der Typ an der Tafel kicherte. „Tote Ratten sind super Haustiere“, sagte er. „Mit denen musst du wenigstens nicht Gassi gehen.“

„Bäh, wie eklig!“ Das Mädchen mit dem missglückten Make-up verdrehte die Augen und warf ein zusammengeknülltes Stück Papier nach Bo.

Der fing es auf und legte es auf den Tisch. Dann griff er in seine Jackentasche und holte ein billiges Einwegfeuerzeug heraus. Er machte es an und hielt das Papierknäuel in die Flamme.

„Es ist acht Uhr morgens und die setzen die ganze Schule in Brand!“, schoss es Elaine durch den Kopf.

In Sekundenschnelle ging das Papier in Flammen auf.

„Yo!“, grölte Bo begeistert und ließ es auf den Boden fallen.

„Du wirst noch die Sprinkleranlage auslösen“, sagte Jerry warnend.

Bo schnaubte höhnisch. „Na und?“

„Noch mehr Ärger kann ich mir nicht leisten“, stöhnte Jerry.

„Wer kann das schon?“, meinte das Mädchen schnippisch.

Jerry wandte sich wieder seinem Buch zu.

„Hey!“, rief Bo. „Setzt du dich jetzt vielleicht mal hin? Du machst mich ganz nervös.“

„’tschuldigung“, murmelte sie, nahm ihren Rucksack ab und suchte sich einen Platz neben der Tür.

„Hallo, Elaine.“ Jerry nickte ihr zu. „Na, was macht deine Mathehausaufgabe?“

„Haha, sehr witzig“, erwiderte Elaine lächelnd, dankbar für ein freundliches Gesicht. „Was hast du denn angestellt?“

„Exzessives Schleimscheißen“, murmelte der Typ an der Tafel. Bei näherem Hinsehen stellte Elaine fest, dass er Graffiti zeichnete. In großen, eckigen Buchstaben stand dort: ICH WERDE NICHT.

Der Rest fehlte noch.

Jerry ignorierte ihn. „Habt ihr in Bio auch Frösche seziert?“, wollte er wissen.

„Ja“, antwortete Elaine. Allein bei dem Gedanken an das schlängelige Gedärm und den Geruch von Formaldehyd wurde ihr ganz schlecht. „Es war total eklig.“

„Ich mach so was nicht“, erklärte Jerry stirnrunzelnd. „Das ist doch total unnötig. Man lernt dabei nichts, was man nicht auch auf Abbildungen sehen könnte. Warum müssen wir sie dann aufschneiden?“

„Du musst nachsitzen, weil du dich geweigert hast, einen Frosch zu sezieren?“, ertönte Bos Stimme.

„Ja, ich find das nicht richtig“, antwortete Jerry. „Es ist unmenschlich.“

„Aber der Frosch ist doch sowieso schon hinüber“, meinte Bo.

„Na und? Würde es dir etwa gefallen, wenn man nach deinem Tod an dir rumschnippelt?“

„Von mir aus gerne“, gab Bo zurück. „Dabei könnten sie echt noch was lernen.“

Jerry schnaubte abfällig und wandte sich wieder an Elaine. „Ich wollte es einfach nicht tun.“

Elaine zuckte mit den Schultern. Sie hatte keine moralischen Einwände gegen das Sezieren von Fröschen, sie fand es einfach nur eklig.

„Und deswegen hat MrsBlaker dich zum Nachsitzen verdonnert?“, wollte der Junge an der Tafel wissen.

„Sie hat mich vor die Wahl gestellt“, antwortete Jerry düster. „Entweder den Frosch auseinandernehmen oder nachsitzen und einen Aufsatz von tausend Wörtern über Amphibien schreiben.“

„Und du hast dich für die zweite Variante entschieden?“, fragte der Typ.

Jerry nickte seufzend.

„Für einen so klugen Jungen bist du ganz schön bescheuert“, meinte Bo kopfschüttelnd.

„Ich hatte auch nicht erwartet, dass ausgerechnet du das verstehst“, gab Jerry in höhnischem Ton zurück.

„Okay, schon gut“, sagte Bo. Er riss ein paar Seiten aus einem Schulbuch, fächerte sie wie bei einem Kartenspiel auf und setzte sie mit seinem Feuerzeug in Brand.

„Hör auf mit dem Scheiß!“, fauchte Jerry ihn an.

„Vergiss es, Alter“, erwiderte Bo grinsend. „Du weißt doch, dass ich Richtig und Falsch nicht unterscheiden kann.“

Brennende Papierfetzen segelten durch die Luft. Elaine versuchte, ihnen auszuweichen. Sie fragte sich, was Bo tun würde, wenn das Papier bis zu seinen Fingern heruntergebrannt war.

Mit der freien Hand begann er, weitere Seiten aus dem Buch zu reißen.

„Hey, hör auf damit!“

Als Elaine erschrocken herumfuhr, sah sie MrSavage im Türrahmen stehen. „Mach das aus! Sofort!“, donnerte er.

„Kein Problem“, antwortete Bo lässig, ging langsam nach vorne und ließ alles in den Mülleimer fallen. Dann schnappte er sich die Vase vom Lehrerpult, nahm die Blumen heraus und goss das Wasser über die Flammen. Anschließend stellte er den Strauß in die leere Vase zurück. Bo drehte sich zum Rektor um und grinste ihn provozierend an. „Jetzt zufrieden?“

„Ist der Typ nicht ganz dicht?“, fragte sich Elaine. „Was will er damit beweisen?“

„Ich hoffe, du hast für nächsten Samstag noch nichts vor“, sagte Savage. Seine Stimme zitterte vor Wut. „Dann wirst du nämlich wieder hier nachsitzen.“

„So was Blödes!“ Bo klatschte sich mit der flachen Hand gegen die Stirn. „Dann wird’s also nichts mit meiner Verabredung zum Tanztee.“

Das Mädchen mit den braunen Haaren kicherte hinter vorgehaltener Hand.

Elaine konnte es nicht fassen. Sie und ihre Freunde mochten Savage auch nicht besonders, aber sie hätten sich ihm gegenüber nie so respektlos verhalten. Damit bettelte man ja förmlich um Ärger.

MrSavage trat auf das Mädchen zu. „Du solltest lieber ganz still sein, Darlene. Immerhin hast du genug Unterricht geschwänzt, um ein weiteres Jahr an unserer Highschool zu verbringen. Na, würde dir das gefallen?“

Darlene starrte auf ihre Fingernägel. „Ich denke nicht“, murmelte sie.

Savage wandte sich nun an den Jungen an der Tafel. Er hatte bis jetzt nicht mehr geschrieben als: ICH WERDE NICHT MALEN.

„Setz dich, Max.“

Max verzog genervt das Gesicht. Er ließ die Kreide auf den Boden fallen und stapfte hinüber zu einem Tisch in der ersten Reihe. Währenddessen betrachtete Savage seine Zeichnung.

„Wirklich schade, dass du nicht daran gedacht hast, Kreide zu benutzen, als du den Schulbus mit Graffiti verziert hast“, sagte Savage. „Du musst noch an deinem Stil arbeiten.“

„Sind Sie etwa Kunstkritiker?“, murmelte Max.

„Vielleicht würdest du dein Talent etwas ernster nehmen, wenn du nicht ständig damit beschäftigt wärst, Bo hinterherzulaufen“, erwiderte Savage und blickte ihn spöttisch an.

Max zuckte nur mit den Schultern.

„Nun gut, Leute“, fuhr Savage fort. „Hier kommen die Grundregeln für euch. Es wird nicht geredet. Keiner steht von seinem Stuhl auf. Und von jetzt an gilt: Wenn einer Mist baut, sind alle dran. Ihr solltet euch also besser gegenseitig kontrollieren.“

„Na toll!“, dachte Elaine. „Diese Typen machen doch nichts als Ärger. Und ich muss dafür noch mehr nachsitzen. Das ist total unfair!“

Aber sie konnte nichts dagegen tun.

„Und wie kontrolliert man sich selbst, MrSavage?“, fragte Bo provozierend.

Savage ignorierte ihn. „Wenn ihr diesen einfachen Regeln folgt, könnt ihr um drei nach Hause gehen. Wenn nicht, leistet ihr Bo nächsten Samstag wieder Gesellschaft. Verstanden?“

„Ja“, antwortete Jerry etwas zu laut.

Max schnaubte nur genervt.

Savage musterte ein letztes Mal die Gruppe. Sein Blick wanderte von einem Schüler zum anderen. Elaine konnte nicht sagen, ob er es genoss, sie zu bestrafen, oder nicht. Für manche Lehrer gab es nichts Schöneres, aber MrSavage war schwer zu durchschauen.

„Ich bin bald wieder zurück“, murmelte er und ging Richtung Tür.

Aus den Augenwinkeln bemerkte Elaine eine Bewegung. Sie warf einen Blick über ihre Schulter und sah, wie Bo aufstand. Dann hörte sie ein Klicken aus seiner Richtung.

Savage drehte sich nicht um.

Der Junge hob seinen Arm über den Kopf. Als Elaine entdeckte, was er in der Hand hielt, wurde ihr flau im Magen.

Ein Springmesser.

3

Das Messer schwirrte durch die Luft. Elaine hörte das leise Pfeifen, als es über ihren Kopf hinwegsauste.

Dann knallte die Klassentür zu. Nur einen Sekundenbruchteil später bohrte sich die Klinge mit einem dumpfen Geräusch in das Schwarze Brett daneben.

Savage hatte gar nicht mitbekommen, was passiert war.

Elaine stieß die Luft aus, die sie die ganze Zeit angehalten hatte. Bo hatte seinen Wurf perfekt getimt … oder etwa nicht? Er war dafür bekannt, dass er ständig irgendwelche verrückten Aktionen durchzog. Aber war er auch so verrückt, Mr