Fear Street 9 - Eifersucht - R.L. Stine - E-Book

Fear Street 9 - Eifersucht E-Book

R.L. Stine

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Beschreibung

Liebe und Hass liegen eng beieinander. Das erfahren Delia und Karina am eigenen Leib, denn sie haben es auf denselben Jungen abgesehen. Bald wächst ihre Eifersucht ins Unermessliche. Und wie es scheint, schreckt Karina vor nichts zurück, um ihr Ziel zu erreichen. Aus Beschimpfungen werden Drohungen, Drohungen folgen Taten. Und dann geschieht ein schrecklicher Mord ... Der Horror-Klassiker endlich auch als eBook! Mit dem Grauen in der Fear Street sorgt Bestsellerautor R. L. Stine für ordentlich Gänsehaut und bietet reichlich Grusel-Spaß für Leser ab 12 Jahren. Ab 2021 zeigt Neflix den Klassiker Fear Street als Horrorfilm-Reihe!

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1

„Boah!“

Vincent Milano ließ sich mit einem tiefen Seufzer in die Sofakissen fallen. Auf seiner Wange konnte er immer noch die Berührung von Delia Eastons Lippen spüren.

Er sah ihr zu, wie sie ihren dunkelroten Lippenstift auftrug, der in einer silbernen Hülse steckte.

Zuerst fuhr sie sich damit über die volle Unterlippe. Dann verteilte sie ihn auf der Oberlippe. Sorgfältig zeichnete sie die Konturen ihres Mundes nach.

Delia schien auch ohne Spiegel genau zu wissen, dass es tadellos aussah. Nachdem sie die Lippen noch ein paar Mal kurz aufeinander gepresst hatte, tupfte sie sie mit einem Papiertuch ab, das sie auf den Couchtisch warf.

Ein perfekter Lippenabdruck verfärbte das weiße Tuch. Dunkelrote Lippen, die Vincent ebenso anzulächeln schienen wie Delia, die neben ihm auf der Couch saß.

Er fuhr sich mit der Hand durch sein welliges, dunkles Haar. Dann griff er an Delia vorbei, schnappte sich ein Papiertuch aus ihrer Tasche und wischte sich damit einen Lippenstiftfleck von der Wange.

„Worüber haben wir eben gesprochen?“, fragte er und strahlte Delia mit seinem unwiderstehlichen Vincent-Milano-Lächeln an.

„Wir wollten gerade deine Geburtstagsparty planen“, antwortete Delia. Sie warf einen Blick auf die Uhr. „Aber ich schätze, das müssen wir verschieben. Es ist schon spät. Ich sollte mich langsam mal auf die Socken machen.“

Vincent robbte ein Stückchen näher. „So spät ist es doch noch gar nicht. Musst du wirklich schon gehen?“ Er streichelte sie mit dem Finger zart unter dem linken Ohr.

Delia kicherte. Dann warf sie einen Blick aus dem Wohnzimmerfenster. „Deine Eltern kommen wahrscheinlich bald nach Hause“, meinte sie.

„Aber noch sind sie nicht da.“ Vincent drehte sich zum Fenster. Sehr viel sehen konnte er nicht – nur Delias kleinen roten Jetta, der in der Auffahrt geparkt war. Die Straße vor dem Haus lag verlassen da. „Sie werden noch eine Weile wegbleiben.“ Genau genommen würden Vincents Eltern sogar erst in einigen Stunden zurückkommen. Aber er erwartete um neun noch jemanden.

Jemanden, den Delia auf keinen Fall sehen sollte.

Er warf einen schnellen Blick zur Uhr auf dem Kaminsims.

Erst halb neun. Noch jede Menge Zeit, bevor Karina kam. Während er auf sie wartete, konnte er sich ruhig noch ein bisschen amüsieren.

Vincent küsste Delia noch einmal. Sie würde nie im Leben auf die Idee kommen, dass sein strahlendes Lächeln etwas mit Karina Frye zu tun hatte.

„Mmmm.“ Delia sah mit funkelnden braunen Augen zu ihm auf. „Ich war heute unterwegs, um neue Klamotten zu kaufen“, sagte sie zu ihm. „Für deinen Geburtstag suche ich nämlich was ganz Besonderes. Ich hab einen engen lilafarbenen Rock anprobiert, aber ich war mir nicht ganz sicher …“

„Na, toll!“, dachte Vincent. „Karina und Delia glauben beide, dass sie mit mir zusammen Geburtstag feiern werden.“

Er lachte. „In Lila siehst du bestimmt echt scharf aus!“

Delia wurde rot.

„Stimmt doch auch“, sagte sich Vincent im Stillen. Und außerdem wollte sie genau das hören. Also – was war falsch daran?

Delia war keine Schönheit – so wie Karina. Aber sie fiel überall auf.

„Du hast tolle Haare“, flüsterte Vincent und fuhr mit der Hand durch Delias lange, dunkle Locken. „Und dein knallroter Lippenstift macht mich total an“, fügte er hinzu.

Bingo! Da hatte er genau das Richtige gesagt. Delia drückte ihm einen heißen Kuss auf den Mund. Während er sie küsste, versuchte er, nicht an Karina zu denken.

Er würde sich nie zwischen den beiden entscheiden können. Dazu waren sie einfach viel zu verschieden. Man konnte sie überhaupt nicht miteinander vergleichen.

Karina hatte superglattes, blondes Haar und hellblaue Augen. Sie war hübscher als jedes andere Mädchen, das er je gesehen hatte. Irgendwie erinnerte sie ihn an Michelle Pfeiffer.

Delia war kontaktfreudig und ein ziemlich auffälliger Typ. Karina war lieb und ziemlich schlau. Er mochte sie beide – sehr sogar.

Wenn ihm das Glück treu blieb, konnte er sich weiterhin mit beiden treffen.

Delia seufzte. „Ich war ganz schön blöd zu denken, du würdest auf Karina stehen. Du bist deswegen doch nicht sauer, oder?“

Vincent ignorierte das unbehagliche Gefühl, das ihm durch den Magen schoss. Musste sie das Thema ausgerechnet jetzt ansprechen?

Delia hatte keinen blassen Schimmer, dass er sich mit Karina traf. Und Karina wusste nichts von Delia. Sonst würde sie ja wohl kaum zu ihm kommen.

„Ich bin nicht sauer.“ Vincent bemühte sich, seine Stimme ganz ruhig klingen zu lassen. „Du und Karina, ihr streitet doch um alles. Also ist es nur logisch, dass ihr auch auf denselben Jungen steht.“

„Stimmt, es wundert mich überhaupt nicht, dass Karina hinter meinem Freund her ist.“ Delia rückte ein Stück von Vincent ab und setzte sich aufrecht hin. „Seit wir klein waren, ist sie neidisch auf mich. Auf meine Klamotten, meine Noten, meine Freunde.“ Delia seufzte. „Karina tut immer so, als wäre sie das brave Mädchen von nebenan. Aber kaum hatte sie mitgekriegt, dass wir zusammen sind, war sie auch schon hinter dir her.“

Vincent verdrehte die Augen. Er hatte niemals ein schlechtes Gewissen – und er würde jetzt bestimmt nicht damit anfangen. Aber es machte ihn höllisch nervös zuzuhören, wie Delia über Karina herzog.

Wieder warf er einen Blick auf die Uhr.

Halb neun.

Moment! Es konnte doch nicht immer noch halb neun sein!

Vincent blieb vor Schreck die Luft weg. Hastig sprang er von der Couch auf.

„Vincent? Was ist denn los?“, rief Delia erstaunt.

„Äh … nichts.“ Er versuchte, ganz cool auszusehen, als er zum Kamin hinüberschlenderte und sich unauffällig zur Uhr hinunterbeugte.

Kein Ticken. Sie war stehen geblieben.

Und er hatte keine Ahnung, wann. Es konnte inzwischen längst neun Uhr sein!

Vincents Herz hämmerte gegen seine Rippen. Er drehte sich zu Delia um, die gerade angefangen hatte, eine neue Schicht ihres tiefroten Lippenstifts aufzutragen.

„Du … du hattest recht mit meinen Eltern“, stotterte Vincent. Er lief durch den Raum, nahm Delia am Arm und zog sie von der Couch hoch. „Sie werden bestimmt bald zu Hause sein. Du gehst jetzt besser.“

„Was? Aber vor einer Minute hast du doch noch gesagt …“

„Ich weiß, aber ich hab gar nicht gemerkt, wie spät es schon ist.“ Vincent drehte sich zum Fenster. Von Karina war noch nichts zu sehen. Aber sie würde bestimmt jeden Moment auftauchen.

„Meine Mum glaubt, dass ich für den Mathetest pauke“, erklärte er atemlos. „Das hab ich ihr jedenfalls gesagt.“ Vincent drückte Delia ihre grün-rote Jacke in die Hand und schob sie zur Haustür. „Sie bringt mich um, wenn sie rausfindet, dass du hier gewesen bist.“

Er schaltete die Außenbeleuchtung ein und warf einen Blick nach draußen.

Keine Karina.

Erleichtert riss er die Tür weit auf. „Wir sehen uns morgen in der Schule“, stieß er hastig hervor. „Okay?“

„Okay“, antwortete Delia und überprüfte noch einmal ihren Lippenstift in dem großen Spiegel, der im Flur hing. Dann drückte sie Vincent einen schnellen Kuss auf die Wange. „Bis morgen“, sagte sie und trat aus der Tür.

Kaum war sie gegangen, raste Vincent ins Wohnzimmer und schüttelte die Sofakissen auf. Dann schnappte er sich das Papiertuch, das Delia benutzt hatte, um ihre Lippen abzutupfen, und stopfte es in seine Hosentasche.

Als er hörte, wie Delias Wagen ansprang, stürzte er gerade noch rechtzeitig zum Fenster, um ihr zum Abschied zuzuwinken. Kaum waren die roten Rücklichter ihres Jetta um die Ecke verschwunden, kamen auch schon die Scheinwerfer eines anderen Autos in Sicht.

Karina!

Wieder begann Vincents Herz zu hämmern – aber diesmal vor Aufregung. Er wartete am Fenster und beobachtete, wie Karina ihren silbernen Eclipse parkte und ausstieg.

Im Mondlicht wirkte ihr langes, blondes Haar genauso silbern wie ihr Auto. Sie hatte es zu einem seidig glänzenden Pferdeschwanz zusammengebunden, der ihre Schultern streifte, als sie auf die Haustür zuging.

Vincent grinste in sich hinein, als Karina auf die beleuchtete Veranda trat. Sie trug einen kurzen schwarzen Rock und eine dunkle Strumpfhose, die ihre langen Beine betonte. Obwohl es Februar war, hatte sie keinen Mantel an. Ihr Pulli passte perfekt zu ihren blauen Augen.

Vincent öffnete die Tür, bevor Karina klingelte. Er trat auf die Veranda hinaus und blickte die verlassene Straße hinunter.

„Puh, das war verdammt knapp!“, dachte er.

„Karina!“ Er lächelte. Sein unwiderstehliches Vincent-Milano-Lächeln. „Wurde aber auch Zeit, dass du kommst. Ich hab mich den ganzen Abend tödlich gelangweilt.“

„Tut mir leid, dass ich so spät dran bin“, antwortete Karina. „Aber weißt du was? Während ich herfuhr, habe ich über das Motto für deine Geburtstagsparty nachgedacht!“

„Lass uns später darüber reden.“ Vincent legte die Arme um Karina und zog sie näher zu sich heran. Dann gab er ihr einen langen, sanften Kuss.

„Komm doch rein“, flüsterte er und zog sie durch die Tür.

Aber kaum hatten sie den hell erleuchteten Flur betreten, wich alle Farbe aus Karinas Gesicht, und ihr klappte der Unterkiefer herunter.

„Oh, nein!“, keuchte sie. „Ich glaub’s einfach nicht!“

2

„Hey? Was ist los?“

Vincent fuhr herum und warf einen Blick in den Flur hinter ihm. Nichts zu sehen.

Er drehte sich wieder zu Karina um. „Was hast du denn?“

„Was ich habe?“ Langsam kehrte die Farbe in Karinas Gesicht zurück. Auf ihren Wangenknochen breiteten sich rote Flecken aus.

„Was ich habe?“, wiederholte sie wütend. Sie befreite ihren Arm aus seinem Griff und marschierte ins Bad.

„Was ist nur mit ihr los?“, fragte sich Vincent.

Karina kam mit einem Papiertuch zurück und wischte ihm damit unsanft über die Wange.

„Das habe ich“, stieß sie zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor und hielt vorwurfsvoll das Tuch hoch.

„Oh!“ Vincent starrte betreten auf den dunkelroten Fleck.

„Diese Farbe würde ich überall wiedererkennen!“ Karina knüllte das Papiertuch zu einem Ball zusammen und feuerte es auf den Boden.

„Karina – hey!“, begann Vincent. „Hör mal, ich …“

„Delia! Sie war hier, nicht wahr? Sie weiß genau, dass wir zusammen sind – und deswegen ist sie vorbeigekommen, um dich mir auszuspannen. Und du! Du hast sie geküsst!“

Vincent hatte Karina noch nie so aufgeregt erlebt. Sie zitterte am ganzen Körper.

„Du kriegst das in den Griff“, redete er sich gut zu. „Karina wird sich gleich wieder beruhigen.“

Aber nur, wenn er sich eine gute Ausrede einfallen ließ …

Vincent bemühte sich, mit sanfter Stimme zu sprechen und ruhig und unschuldig zu klingen. „Es ist nicht, wie du denkst“, versicherte er Karina.

„Ach, was du nicht sagst.“ Sie verdrehte genervt die Augen.

„Delia ist einfach hier bei mir aufgetaucht. Sie brauchte Hilfe bei ihren Hausaufgaben in amerikanischer Geschichte. Das hat sie jedenfalls behauptet.“

Karina warf ihm einen kalten Blick aus ihren blauen Augen zu. „Das erklärt aber nicht den Kuss.“

„Du weiß doch, wie Delia ist.“ Vincent steckte die Hände in die Taschen seiner Jeans. „Sie macht immer, was sie will – gnadenlos. Als sie ging, hat sie mich auf die Wange geküsst. Keine große Sache. Echt nicht.“

Karina seufzte und ging hinüber zum Fenster. „Sie wird langsam weich“, dachte Vincent erleichtert. „Zum Glück kann sie mir nie lange böse sein.“

Er folgte ihr. „Ich hab sie nicht zurückgeküsst oder so. Es war nur ein kleiner Kuss auf die Wange. Ehrlich.“

„Jetzt müsste sie eigentlich reif für eine Umarmung sein“, dachte er. „Und bereit, mir zu vergeben.“ Zärtlich legte er ihr die Arme um die Schultern.

Mit einem ärgerlichen Knurren riss Karina sich los. „Delia ist nur scharf auf dich, weil sie weiß, dass du mir gehörst. Sie will alles, was ich habe. Meine Noten. Meine Klamotten. Meine Freunde. Und jetzt ist sie sogar hinter dir her.“

Überrascht bemerkte Vincent, dass Tränen in ihren Augen glitzerten. Wieder griff er nach ihr. Aber sie schob ihn weg.

„Delia macht mich ganz krank!“, schrie Karina. „Ich hasse sie! Aber diesmal hat sie keine Chance!“ Sie riss die Haustür auf und stürmte nach draußen.

Vincents Mund wurde ganz trocken. Fassungslos starrte er Karinas Rücken an, als sie zu ihrem Auto rannte.

Die Wagentür wurde zugeknallt. Die Scheinwerfer flammten auf. Der Motor sprang dröhnend an.

„Hey, Karina!“, rief Vincent schließlich. „Warte doch!“

Er begann zu rennen und fuchtelte dabei mit beiden Händen wild über dem Kopf herum.

Der Wagen fuhr mit hoher Geschwindigkeit rückwärts aus der Einfahrt. Die Reifen quietschten auf dem Pflaster.

Vincent sprintete durch den Vorgarten. „Karina! Halt an!“, rief er.

Aber der Wagen wurde nicht langsamer. Vincent erhaschte gerade noch einen kurzen Blick auf Karinas wütendes Gesicht, während sie davonraste.

Als sie um die Ecke preschte, quietschten die Reifen wieder auf. Er konnte nicht aufhören, an Karinas Gesicht zu denken.

Wutverzerrt.

Total außer Kontrolle.

Was hatte sie vor?

3

„Hier steht, dass der Gewinner des Conklin Stipendiums über ex … ex …“

Delia sah hinüber zu ihrer besten Freundin, Britty Myers. Britty kaute auf einer Strähne ihrer langen, honigfarbenen Haare herum, während sie versuchte herauszufinden, was der Ausdruck in der Broschüre bedeutete. „Also, der Gewinner muss über ex …“

„… exemplarischen Schulgeist verfügen“, las Gabe Denver über ihre Schulter hinweg laut vor. „Das heißt so viel wie vorbildliches Engagement in der Schule zeigen! Außerdem steht hier, dass der Gewinner in allen Fächern hervorragende Noten haben und außerdem künstlerisch begabt sein muss. Darüber hinaus wird erwartet, dass er auf der Bühne etwas vortragen kann.“

Er hob den Blick von der Broschüre und schaute Delia an. Seine Wangen verfärbten sich zartrot. „Klingt, als ob du es kriegen könntest“, sagte er.

„Na, klar“, murmelte Delia und verdrehte die Augen.

Sie und ihre Freunde hockten in der obersten Reihe auf der Tribüne der Sporthalle und sahen sich ein Basketballspiel zwischen zwei Collegemannschaften an. Es waren nicht besonders viele Zuschauer da.

Delia schenkte dem Spiel keine große Aufmerksamkeit. Sie war mit ihren Gedanken ganz bei Vincent. Sehnsüchtig erinnerte sie sich daran, wie er sie geküsst hatte. Bei der Vorstellung, dass er zärtlich seine Arme um sie legte, durchfuhr sie eine solche Hitze, dass sie das Gefühl hatte dahinzuschmelzen.

„Ich würde nur gerne wissen, warum er mich gestern Abend so schnell wieder loswerden wollte“, dachte sie. „Erst bittet er mich zu bleiben, und im nächsten Moment schiebt er mich aus der Tür.“

Delia schüttelte den Kopf und warf ihre langen, dunklen Locken über die Schulter. Sie strich mit der Hand über den Rock des dunkelorangefarbenen Hemdblusenkleids im 70er-Jahre-Look, das sie im Secondhandshop aufgetrieben hatte. Rund um den Saum waren große hellgelbe Blumen aufgestickt. Sie liebte dieses Kleid.

„Ich bin wahrscheinlich das einzige Mädchen an der ganzen Highschool, das sich traut, so was anzuziehen“, dachte sie.

Genau deswegen hatte sie es ja auch gekauft. Sie konnte es nämlich nicht ausstehen, in der Menge unterzugehen.

Delia merkte, dass Gabe sie bewundernd anstarrte. Er erinnerte sie irgendwie an einen Welpen, der auf einen Hundekuchen wartet. Sie unterdrückte den plötzlichen Drang, ihm den Kopf zu tätscheln.

Klar wusste sie, dass Gabe in sie verknallt war. Und sie wünschte sich, er würde sich wenigstens ab und zu mal mit jemand anderem treffen. Bestimmt gab es eine Menge Mädchen an der Shadyside High, die gerne mit ihm ausgehen würden.

Wie wär’s denn mit Britty? Delia sah zwischen ihren beiden Freunden hin und her. Die beiden würden ein klasse Pärchen abgeben.

„Ich glaube nicht, dass Gabe besonders scharf darauf ist, von mir verkuppelt zu werden“, dachte Delia. „Aber ich würde ihm gerne was Gutes tun. Er ist so ein netter Kerl.“

Wer sonst würde die Geduld aufbringen, ihr fast jeden Abend bei den Hausaufgaben zu helfen? Und wer sonst hätte den Nerv, ihr zuzuhören, wenn sie mal wieder stundenlang von Vincent schwärmte?

Delia fand das total süß von Gabe. Besonders seit sie wusste, dass er Vincent nicht ausstehen konnte. Man musste wirklich kein Genie sein, um den Grund dafür herauszufinden. Gabe war eifersüchtig auf ihn.

„Hey! Erde an Delia!“ Britty hüpfte vor ihrer Freundin auf und ab und wedelte mit beiden Händen vor ihrem Gesicht herum.

Britty war klein und athletisch gebaut – und die beste Turnerin der ganzen Highschool. Sie konnte nie länger als ein paar Minuten still sitzen.

„Könntest du dich vielleicht mal hinsetzen“, schimpfte Delia. „Ich will meinen Lippenstift nachziehen.“ Sie griff nach der silbernen Hülse, die ihren Lieblingston Mitternachtsfeuer enthielt, und frischte die Farbe auf. Dann stopfte sie den Lippenstift zurück in ihre Tasche und sah sich nach einem Tuch zum Abtupfen um.

Eins von Brittys Heften lag auf dem Sitz neben ihr. Delia riss eine Seite heraus und presste sie gegen ihre Lippen.

„Delia!“, kreischte Britty und sprang sofort wieder auf die Füße. „Deinetwegen muss ich mir beinahe jede Woche ein neues Heft kaufen.“