Franz Josef Strauß - Horst Möller - E-Book

Franz Josef Strauß E-Book

Horst Möller

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Beschreibung

Er wurde verehrt und geliebt, gehasst und bekämpft - nur gleichgültig ließ Franz Josef Strauß niemanden. Unzweifelhaft ist er einer der Politiker, die die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland geprägt haben. Horst Möller legt hier die erste große Biografie vor, die aus bislang unzugänglichen Archiven und Quellen gearbeitet ist: aus Protokollen der CSU-Landesleitung und der Bayerischen Staatskanzlei ebenso wie aus dem Privatarchiv von FJS. Über vierzig Jahre lang war deutsche Politik ohne FJS nicht denkbar. Als Generalsekretär der CSU, als "Atomminister", als Verteidigungsminister, der die Bundeswehr aufbaute und über die Spiegel- Affäre stürzte, als Finanzminister, als Opponent von Willy Brandt und dessen sozialliberaler Koalition, als Bayerischer Ministerpräsident und zugleich Partner und Gegner von Helmut Kohl ... Möller lässt die Dokumente ebenso sprechen wie die gedeckten Quellen und setzt so das Bild eines Mannes aus vielen Facetten zusammen - nicht schwarzweiß wie so oft, sondern so bunt, vielfältig und widersprüchlich wie der Mensch und Politiker Strauß war.

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Veröffentlichungsjahr: 2015

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Mehr über unsere Autoren und Bücher:

www.piper.de

ISBN 978-3-492-97008-2

September 2016

© Piper Verlag GmbH, München/Berlin 2015

Litho: Lorenz & Zeller, Inning am Ammersee

Covergestaltung: Büro Jorge Schmidt, München

Covermotiv: Winfried Rabanus/Archiv für Christlich-Soziale

Politik der Hanns-Seidel-Stiftung

Datenkonvertierung: Kösel Media GmbH, Krugzell

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Vorwort

Brauchen wir eine geschichtswissenschaftliche Biografie über Franz Josef Strauß? Die Frage ist leicht zu beantworten, wird sie doch immer wieder als Desiderat der Forschung bezeichnet. Zwar existieren zahlreiche Veröffentlichungen über Strauß, auch Biografien, doch befindet sich darunter keine, die auch nur die wichtigsten gedruckten Quellen heranzieht, geschweige denn seinen enormen, ca. 300 Regalmeter umfassenden schriftlichen Nachlass. So überflüssig neue Bücher über Strauß wären, die sich wiederum diese Quellenarbeit ersparen, so notwendig ist eine Strauß-Biografie, die sich darauf einlässt.

Da Franz Josef Strauß zu den ganz wenigen deutschen Spitzenpolitikern gehört, die mehr als vier Jahrzehnte lang als Parlamentarier, Bundesminister für Atomfragen, für Verteidigung, für Finanzen, als Bayerischer Ministerpräsident sowie als CSU-Vorsitzender die Geschichte der Bundesrepublik maßgeblich mitgeprägt haben, ist seine Biografie länger als die aller anderen Politiker der Nachkriegszeit unauflöslich mit der deutschen Geschichte verwoben, zahlreiche politische Weichenstellungen gehen auf ihn zurück oder profitierten von seiner unverwechselbaren politischen Kompetenz und Kraft. Seine Umstrittenheit wurzelt nicht allein in seiner Streitbarkeit, seinem vulkanischen Temperament, seiner Angriffslust, sondern in den von ihm mit Vehemenz und Durchsetzungsstärke verfochtenen politischen Zielen. Dabei erwies er sich als politisch reflektierter, konzeptionsstarker, über den Tag hinaus denkender Staatsmann. Wenige wurden so befehdet wie er, über wenige sind so viele Klischees im Umlauf, und nicht selten lieferte er selbst dafür Anlässe. Doch ist es ziemlich langweilig, immer nur die gleichen starren Stereotypen zu wiederholen: Sie sind bequem, werden aber gerade einem so unruhigen, neugierigen, vielseitigen Geist wie Franz Josef Strauß am wenigsten gerecht, Klischees verzerren die historische Realität, statt das Wissen über sie zu fördern.

Mehr als ein Vierteljahrhundert nach seinem Tod, zu seinem 100. Geburtstag, ist es endlich an der Zeit, eine politische Biografie über ihn zu schreiben, die auf der Basis zentraler Quellenbestände sein politisches Denken und Handeln ins Zentrum rückt, um seine Leistung in der Geschichte der Bundesrepublik und Nachkriegseuropas ermessen zu können. Auch dabei ist allerdings Auswahl unvermeidlich, erlaubt Auswahl doch Erkenntnis. Franz Josef Strauß war zweifellos eine komplexe, keineswegs widerspruchsfreie Persönlichkeit, sie ist nicht in jeder Hinsicht auszuloten. Anfechtbar im Einzelnen, war er doch grandios im Ganzen, weder Heiliger noch Dämon, wie er selbst sagte. Allein schon die Paradoxie des Titels dieser Biografie bringt eine der vielen Spannungslinien der Persönlichkeit von Franz Josef Strauß zum Ausdruck, er stammt aus den Erinnerungen seines Widersachers Willy Brandt: »Herrscher und Rebell«.

München, im März 2015Horst Möller

Teil I

Einleitung

Könnte ein Politiker wie Franz Josef Strauß heute erfolgreich sein, wäre er in der gegenwärtigen politischen Arena überhaupt vorstellbar? So fiktiv diese Frage erscheint, so treffsicher führt sie zum Kern dieser Darstellung. Eine Verneinung dieser Frage, liefe auf die Typisierung der unverwechselbaren individuellen Identität hinaus, würde sie bejaht, lautete das Urteil: Ein großer Politiker prägt nicht allein die Zeitläufte, sondern passt sich ihnen bis zu einem gewissen Grad an, um wirken zu können. Anders gewendet: Um einen Spitzenpolitiker angemessen zu würdigen, muss dieses Wechselspiel von Persönlichkeit und Wirkungsraum erfasst werden, muss erklärt werden, was heute so anders ist und damals so spezifisch war. »Eine Biographie hat ›Geschichte‹ zu sein, das heißt, sie soll stimmen und eine Person im Verhältnis zu ihrer Zeit darstellen. Sie muß eine ›individuelle‹ Persönlichkeit mit allen Schattierungen des menschlichen Charakters beschreiben; es soll also nicht ein Typus für irgendwelche Tugenden oder Laster dargeboten werden. Und schließlich muß sie als ›Zweig der Literatur‹ verfaßt sein«, so resümiert Harold Nicolson drei Leitlinien biografischer Arbeit.1

Diese Epochenspezifik gilt nicht allein für Franz Josef Strauß, sie gilt seiner Generation der Nachkriegspolitiker. Doch schon hier stutzen wir: Seiner Generation? Konrad Adenauer, Theodor Heuss, Carlo Schmid, Ludwig Erhard, Kurt Schumacher, Wilhelm Hoegner, Josef Müller – sie alle gehörten einer anderen Generation an, deren Lebenserfahrung die Jahre oder Jahrzehnte vor dem Ersten Weltkrieg und das Kaiserreich einschloss. Sie waren deutlich älter, Adenauer sogar fast 40 Jahre, und wirkten doch eineinhalb Jahrzehnte lang zusammen mit ihm auf der politischen Bühne. Aber auch der nicht im politischen Inhalt, doch an eruptivem, zuweilen ungezügeltem politischem Temperament vergleichbare politische Gegner Herbert Wehner war etwa zehn Jahre älter als Strauß. Das besagt: In den ausgehenden 1940er-, den 1950er- und noch immer den 1960er-Jahren zählte Strauß zu den jungen Politikern, über viele Jahre blieb er der mit Abstand jüngste Spitzenpolitiker der frühen Bundesrepublik. Mit anderen Worten: Er gehörte zwar einer Generation an, erlebte aber in seiner 43 Jahre währenden politischen Laufbahn selbst einen massiven Wandel der politischen Welt und der Politikstile.

Hat er sich selbst in diesen eineinhalb Generationen gewandelt, sich angepasst? Mit einem gewissen Zögern wird man sagen können: Kaum. Doch bezieht sich diese Einschätzung auf seine Persönlichkeit, nicht auf die politischen Inhalte, waren doch nur wenige Politiker so aufgeschlossen für Neues wie er – allein seine Technologiepolitik bildet ein Beispiel, aber auch die Art, mit Innovationen oder neuen Herausforderungen umzugehen. Als Franz Josef Strauß 1955 mit 40 Jahren Atomminister und dann Vorsitzender der im Januar 1956 konstituierten Deutschen Atomkommission wurde, der u. a. die Nobelpreisträger Otto Hahn und Werner Heisenberg angehörten, demonstrierte er dies sofort: Nach eigener Aussage hatte er sich durch »intensive Fachlektüre … in die Grundsätze der Kernphysik« eingearbeitet, »um mit den Experten zumindest einigermaßen mitreden zu können. Einen Minister mit Kompetenz hielt ich für dieses wichtige und zukunftsorientierte Amt für unerläßlich.« Aus diesem Grund führte er in den USA mit dem »Hochadel« der Nuklearphysiker, unter anderem mit Edward Teller und den »Fachleuten von Berkeley«, »eine Reihe von Gesprächen«.2

Lassen wir dahingestellt, in welchem Maße man sich in ein derart kompliziertes Fach als Laie schnell einarbeiten kann, unstrittig ist der Wille von Strauß, in allen Bereichen, für die er in seiner langen politischen Karriere zuständig wurde, Sachkompetenz zu erwerben. Während des Krieges bat er seine Schwester, ihm althistorische bzw. altphilologische Werke an die Ostfront zu senden, noch als Ministerpräsident ließ er sich politikwissenschaftliche, soziologische und historische Werke aus der Bayerischen Staatsbibliothek ausleihen und füllte während der 1980er-Jahre immer wieder eigenhändig Bestellzettel für die Wissenschaftliche Buchgesellschaft in Darmstadt aus, u. a. für grundlegende mehrbändige Reihenwerke wie das Historische Wörterbuch der Philosophie oder die von Otto Brunner, Werner Conze und Reinhard Koselleck herausgegebenen Geschichtlichen Grundbegriffe, doch schaffte er außer zahlreichen historisch-politischen Werken auch wissenschaftstheoretische an, beispielsweise von Karl R. Popper, oder poetische oder kulturhistorisch interessante, beispielsweise Goethes Italienische Reise. Allein der Teil seiner ehemals in Wildbad Kreuth aufgestellten Bibliothek umfasste circa 10 000 Bände, darunter Hunderte von Ausgaben der antiken Klassiker in der Originalsprache. In Bezug auf seine historische und humanistische Bildung kamen ihm nur ganz wenige nahe, insofern gehört er – was in dem gängigen Bild von Franz Josef Strauß kaum vorkommt – zu den ausgesprochen intellektuellen und bildungsbürgerlichen Politikern, in der Nachkriegszeit also zu Politikern wie Theodor Heuss, von dem nicht wenige Werke in seiner Bibliothek stehen, Carlo Schmid, Eugen Gerstenmaier, Ludwig Erhard, Kurt Georg Kiesinger, auf andere Weise auch Willy Brandt, der zwar kein typischer Bildungsbürger, doch aber ein Intellektueller war.

Von den 1950er- bis in die 1980er-Jahre hielt er immer wieder Reden über Grundfragen von Staat und Politik, von Gesellschaft und Wirtschaft. So sprach er früh über »Jugend und Politik«, über das Verhältnis von »Politik und Macht«, über den Menschen »als Maß und Mitte der Politik«, über »ethische und gesellschaftliche Dimensionen der Wirtschaftsordnung«. Er veröffentlichte Bücher wie ein Programm für Europa, Analysen zur Weltpolitik, die in angesehenen Zeitschriften wie Foreign Affairs veröffentlicht wurden. War Strauß im Ausland, dann traf er dort auch als Abgeordneter ohne Regierungsamt regelmäßig mit führenden Analytikern der weltpolitischen Entwicklung zum Gedankenaustausch zusammen, in Washington beispielsweise mit Henry Kissinger und Zbigniew Brzezinski. Sogar seine Bierzelt- und Aschermittwochsreden, von denen meist nur die »Kracher« und die politische Polemik zitiert werden, enthalten stets weitreichende inhaltliche, zuweilen konzeptionelle Passagen. Zahlreiche Reden hielt Strauß mit wenigen Stichworten, wobei er sich nicht selten lateinische, zuweilen auch griechische Zitate in der Originalsprache, zum Beispiel der Historiker Herodot oder Thukydides, aufschrieb. Mag das Brillieren mit klassischem Bildungsgut partiell durch das kompensatorische Bedürfnis desjenigen motiviert gewesen sein, der, aus bildungsfernen Schichten kommend, stolz sein Wissen zur Schau stellt, so trifft eine solche Einschätzung doch nur einen Punkt, lebte Strauß doch in vollen Zügen aus dieser Bildungstradition, die er sich selbst erarbeitet hatte, trafen doch die Zitate meist den Kern des Problems.

Wenn Franz Josef Strauß zweifellos zutreffend ein erotisches Verhältnis zur Macht attestiert wurde, so ist für ihn ein intellektuelles, ein reflektiert-konzeptionelles Verhältnis zur Macht kaum minder charakteristisch. Vielleicht fiele manches Urteil über Strauß angemessener aus, wenn diese intellektuelle Dimension berücksichtigt würde. Gerade die Verbindung von Macht und Geist zählt zu den singulären Zügen von Franz Josef Strauß, drängten doch bei ihm Reflexion und Konzeption immer zur Tat. Dieser starke Realisierungswille unterschied ihn allerdings von spielerischer intellektueller Unverbindlichkeit. Unbestreitbar ist sein ungeheurer Wissensdurst für sehr unterschiedliche Disziplinen, unbestreitbar die außergewöhnliche intellektuelle Kapazität und Energie des Historikers und Philologen, sich in naturwissenschaftliche, ökonomische und finanzwissenschaftliche Zusammenhänge einzuarbeiten. Und in dieser Kombination humanistischer Interessen mit naturwissenschaftlichen, technologischen und technischen unterschied er sich denn doch von den anderen erwähnten intellektuellen Politikern: Er, der »Konservative«, war ungleich moderner als diese klassischen Bildungsbürger. Allerdings provozierte seine unverkennbare Neigung, das neu erworbene Wissen sogleich zu demonstrieren, auch Spott: Als der neue, aber inzwischen führende Finanzexperte der Unionsfraktion (und nebenamtliche Innsbrucker Volkswirtschaftsstudent) Strauß im Bundestag über »input« und »output« dozierte, fuhr ihm Wehner in die Parade und höhnte: »put, put, put«, was Strauß – selbst für jeden bissigen Zwischenruf zu haben – nicht weiter anfocht.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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