Landwissen! - Nicola Förg - E-Book

Landwissen! E-Book

Nicola Förg

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Beschreibung

Warum Kühe nicht auf Instagram wollen ... Mit Haus- und Nutztieren, aber auch Wildtieren kennt Nicola Förg sich aus. Als Gastgeberin im Voralpenland erlebt sie, was Gäste und Einheimische nicht (mehr) wissen. Ihr Buch ist ein leidenschaftlicher Appell, sich in der Natur mit Respekt zu bewegen – mit Blick auf die Abläufe und Traditionen, denen das landwirtschaftliche Jahr folgt. Und auf die Alpenfauna, denn hoch spezialisierte Arten haben immer weniger Lebensraum. Sie weiß, weshalb man Tiere hinterm Zaun nicht füttern soll, warum Almwiesen so wichtig für den Erhalt der Artenvielfalt sind und dass auch der folgsamste Hund in der Brut- und Setzzeit angeleint gehört. Sie erläutert den Kreislauf der Milch, was die »Wald-WG« ausmacht, und dass auf den Wegen zu bleiben wirklich smart ist.

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2026

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© Piper Verlag GmbH, München 2025

Covergestaltung: Birgit Kohlhaas, www.kohlhaas-buchgestaltung.de

Coverabbildung: Walter Bauer

Redaktion: Antje Steinhäuser, München

Illustrationen: Katarina Rücker-Weiniger, Fuchstal

Litho: Lorenz & Zeller, Inning am Ammersee

Konvertierung auf Grundlage eines CSS-Layouts von digital publishing competence (München) mit abavo vlow (Buchloe)

Sämtliche Inhalte dieses E-Books sind urheberrechtlich geschützt. Der Käufer erwirbt lediglich eine Lizenz für den persönlichen Gebrauch auf eigenen Endgeräten. Urheberrechtsverstöße schaden den Autoren und ihren Werken. Die Weiterverbreitung, Vervielfältigung oder öffentliche Wiedergabe ist ausdrücklich untersagt und kann zivil- und/oder strafrechtliche Folgen haben.

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Inhalte fremder Webseiten, auf die in diesem Buch (etwa durch Links) hingewiesen wird, macht sich der Verlag nicht zu eigen. Eine Haftung dafür übernimmt der Verlag nicht.

Inhalt

Inhaltsübersicht

Cover & Impressum

Vorwort – Die mit den Tieren …

Rund um die Milchwirtschaft

1  Wiesen ernähren Tiere

Das sollte man wissen

Noch mehr Wissenswertes: Ja, was mähen sie denn?

2  Eine Kuh macht Muh, viele Kühe machen Mühe

Das sollte man wissen

Noch mehr Wissenswertes: Who is who, liebe Kuh?

Ja, wie leben die denn? Die Haltungsformen von Rindern

3  Massenweise Milch im Regal

Das sollte man wissen

Noch mehr Wissenswertes: Who is who beim Produkt der Kuh?

4  Die Krone der Kuh

Das sollte man wissen

Noch mehr Wissenswertes: Braucht die Kuh ein Horn?

5  Steht das V für Verzicht?

Das sollte man wissen

Noch mehr Wissenswertes: Vegetarisch oder vegan oder doch Fleischfresser?

Rund um die Almen

1  Der Almsommer ist kurz

Das sollte man wissen

Noch mehr Wissenswertes: Tiere fressen für den Artenschutz

Arten, die man bei Ausflügen in den Bergen sieht

2  Fragiler Lebensraum

Das sollte man wissen

Noch mehr Wissenswertes: Auch temporäre Almgäste brauchen Schutz

3  Die Nacht zum Tag machen

Das sollte man wissen

Noch mehr Wissenswertes: After Work besser in die Kneipe gehen

4  Und täglich grüßt das Murmeltier

Das sollte man wissen

Noch mehr Wissenswertes: Alpensteinböcke, unter königlichem Schutz

Noch mehr Wissenswertes: Auch Murmel ist auf Abwegen

5  Große Vögel über Bergspitzen

Das sollte man wissen

Noch mehr Wissenswertes: Der Bartgeier, der Knochenwerfer

Noch mehr Wissenswertes: Der Rotmilan, der mit dem Gabelschwanz

Noch mehr Wissenswertes: Der Steinadler, der lange schläft

6  Wenn der Almsommer endet

Das sollte man wissen

Noch mehr Wissenswertes: Auf der Alm, da wird gebimmelt

Rund um den Hund

1  Leinen los?

Das sollte man wissen

Noch mehr Wissenswertes: Respektiere Grenzen – warum eine Leine Leben rettet

Noch mehr Wissenswertes: So klappt das Zusammensein mit Haustieren und Menschen

Noch mehr Wissenswertes: So klappt das Zusammensein mit Hundeleuten

2  Hunde sagen nicht »Nein«

Das sollte man wissen

Noch mehr Wissenswertes: So klappt der Tag am Berg

Rund um all die Kreaturen – groß und klein

1  Man hat schon Pferde kotzen sehen

Das sollte man wissen

Noch mehr Wissenswertes: Hufrehe ist extrem schmerzhaft

2  Katzenelend und kein Ende

Das sollte man wissen

Noch mehr Wissenswertes: Katzen helfen!

3  Die bunte Hühnerschar

Das sollte man wissen

Noch mehr Wissenswertes: Im Hühnermobil

Noch mehr Wissenswertes: Immer auch Vorschriften rund ums Huhn

4  Allerweltsarten im Sinkflug

Das sollte man wissen

Noch mehr Wissenswertes: Was tun mit einem havarierten Vogel?

5  Im Schweinsgalopp über den Waldboden

Das sollte man wissen

Noch mehr Wissenswertes: Der eigentliche Lebensraum

Rund um Tiere ganz ohne Lobbyisten

1  Schwerstarbeiterinnen des Waldes

Das sollte man wissen

Noch mehr Wissenswertes: Eine Lanze für Waldameisen

2  Die Erdmassen-Beweger

Das sollte man wissen

Noch mehr Wissenswertes: Who is who bei den Wühlern?

Wer wühlt wie?

3  Stille Wasser – werden immer leerer

Das sollte man wissen

Noch mehr Wissenswertes: Querbauwerke greifen ins Leben ein

Noch mehr Wissenswertes: Verlierer in Trockenlebensräumen

Was kann man tun, um den seltenen Arten zu helfen?

4  Drüber oder drunter rettet Leben

Das sollte man wissen

Noch mehr Wissenswertes: Tunnel und Brücken zum Entzücken

Who is who bei den Querungshilfen?

5  Husch, husch im Busch

Das sollte man wissen

Noch mehr Wissenswertes: Who is who bei den Sträuchern?

6  Lebensraum Moor

Das sollte man wissen

Noch mehr Wissenswertes: Was der Mensch so brauchen konnte

7  Mit Schwielen zur Paarung

Das sollte man wissen

Noch mehr Wissenswertes: Vorurteile zuhauf

Noch mehr Wissenswertes: Frosch, Kröte, Unke

Who is who?

Rund um den Wald

1  Fichten muss man lichten?

Das sollte man wissen

Noch mehr Wissenswertes: Ein Baum – tausend Arten

Wer alles von der Eiche profitiert

2  Bäume können nicht flüchten

Das sollte man wissen

Noch mehr Wissenswertes: Welcher Baum kann noch helfen?

3  Alle Jäger sind Mörder?

Das sollte man wissen

Noch mehr Wissenswertes: Jäger sein bedeutet Pflichten

4  Warum reden die so komisch?

Das sollte man wissen

Noch mehr Wissenswertes: Eine Sprache für sich

Wie sie zusammenleben

Witzige englische Bezeichnungen

Männliche Tiere, weibliche Tiere und Jungtiere

Vögel

Fische, vor allem Knochenfische

5  Stolzer Kopfschmuck

Das sollte man wissen

Noch mehr Wissenswertes

6  Er ist gekommen, um zu bleiben

Das sollte man wissen

Noch mehr Wissenswertes: Plage oder Segen?

Rund um die Tradition

1  Drehen und platteln

Das sollte man wissen

Noch mehr Wissenswertes: Von der Logistik eines Gautrachtenfestes

2  Einfach mal über den Tisch ziehen

Das sollte man wissen

Noch mehr Wissenswertes: Training wie im Leistungssport

3  Schwingerfeste sind Kult

Das sollte man wissen

Noch mehr Wissenswertes: 14 Meter und besser kein Gestellter

4  Ein bayerischer Mythos

Das sollte man wissen

Noch mehr Wissenswertes: Der perfekte Weißwurstgenuss

Weißwurst-Regeln

5  Die große Liebe der Rosserer

Das sollte man wissen

Noch mehr Wissenswertes: Wasser marsch!

6  Rost macht sexy

Das sollte man wissen

Noch mehr Wissenswertes: Die wichtigsten Hersteller

7  Das Traditionsstangerl in Natur oder Weiß-Blau

Das sollte man wissen

Noch mehr Wissenswertes: Der erste Mai

8  Große Tage im Bauernjahr

Das sollte man wissen

Noch mehr Wissenswertes: Unikum Funkenfeuer

Schlusswort

Dank

Quellen

Buchnavigation

Inhaltsübersicht

Cover

Textanfang

Impressum

Literaturverzeichnis

Vorwort – Die mit den Tieren …

Es ist merkwürdig: Sehr häufig, wenn wir draußen unterwegs sind, gehen oder joggen Menschen an uns vorbei, die einen Knopf im Ohr haben. Früher hatte man nur als Steifftier einen Knopf im Ohr! Wir treffen außerdem solche, die mit einer merkwürdig verkrümmten Hand ihr Handy vor sich halten und reinsprechen. Sie stolpern dann auch mal über einen Stein oder ein Ästchen … Dabei geht man doch eigentlich in die Natur, weil sie im Kontrast zur lauten Stadt stehen soll, weil sie erden kann und die Atmung ruhiger macht und dem Gehirn, das sonst unter Dauerbeschuss steht, eine Pause gönnt. Aber es scheint so, als könne keiner mehr sich selbst aushalten – oder gar Stille.

Nun leben wir natürlich mitten im Draußen, wo es nachts wirklich sehr still ist und auch sehr dunkel und man in klaren Nächten die Milchstraße sehen kann. An unserem Draußen führen ein Radweg und ein Themenwanderweg vorbei, und wir wundern uns häufig, dass alle Freizeitaktivitäten so laut geworden sind. Pfeilschnelle E-Biker brüllen sich gegen den Fahrtwind an, Familien mit Kindern hört man schon ein paar Hundert Meter entfernt. Klar, Kinder müssen sich austoben, dürfen ihrem Unwillen, mit den Eltern wandern zu müssen, auch mal lautstark Ausdruck verleihen. Das versteh ich, ich musste auch in den Harz zum Wandern, etwas, was ein Alpenkind nie einsah. Schließlich hatten wir zu Hause ordentliche Berge, höher und felsiger als der Brocken! Ich schrie allerdings selten, nur bei echter Todesangst … Heute ist das Geschrei kein solitäres Ereignis, sondern eher die Norm. Und wenn der Trupp dann durchgezogen ist, liegen sehr oft abgerissene Stängel von Blumen und Büschen auf dem Weg, teils zertrampelt. Klar, jede:r ertappt sich mal dabei, im Vorbeilaufen etwas abzuzupfen, was genau genommen völlig sinnfrei ist. Als ich klein war, gab es Oma Knaushardt, die noch im neunzehnten Jahrhundert geboren war. Sie sagte immer: »Des Blümle hot so lang braucht zum Wachsa, luags a und lass es stau.«

Wir vermieten auch ein Ferienhaus, da kommen ganz unterschiedliche Menschen aus unterschiedlichen Nationen und in allen Altersklassen. Sie eint, dass sie Ruhe suchen, oft schon viel über die Natur wissen und doch fast alle verblüfft sind, dass man Wiesen nicht betreten darf. Häufig wird darauf hingewiesen, dass es keinen Zaun und keine Sperrschilder gäbe. Richtig, aber nun stelle man sich mal vor, dass jeder Landwirt seine Wiesen kilometerlang einzäunen müsste! Jeder Landbesitzer, jeder Forstwirt und jeder Anlieger würde auch noch seinen Beitrag zum Schilderwald leisten! In den letzten Jahren gab es ja einen regelrechten Overkill an Schildern für Wander- und Radwege, manche Pfosten drohen unter all den Schildern zusammenzubrechen. Es existiert also jede Menge Information: noch analog auf Schildern und digital in unzähligen Apps.

Kürzlich las ich, dass die dritte Generation der KI dümmer ist als die erste. Es war die Rede davon, dass sie sogar »halluziniert«. Was eine Menge von eher philosophischen Fragen aufwerfen würde, inwieweit etwas »Künstliches« halluzinieren kann. Aber etwas anderes steht für mich noch mehr im Zentrum: Eine KI wird immer dümmer, je mehr sie lernt? Und was heißt das für den Menschen? Geht er nicht auch unter in diesem Overkill an Informationen, die unentwegt auf ihn einprasseln? Ist es nicht fatal, dass er nur das erfährt, was der Algorithmus für ihn aussucht?

Ich bin eine große Freundin von Recherche und Information und davon, die Dinge von mehreren Seiten zu betrachten. Wer objektiv informiert ist, kann Entscheidungen treffen, Fehlinfos und Halbwissen führen hingegen zu bedenklichen Entscheidungen. Ich weiß, so ein Buch ist umfangreich, bietet viele Informationen, ist natürlich selektiv, man wird den einen oder anderen Aspekt vermissen. Womöglich mehr Pflanzenwissen, aber dafür gibt es wahrlich tolle Bücher, die das besser können, ich bin ja mehr die mit den Tieren …

Die Tiere waren für mich als Kind eine Herzenssache. Pferde wurden später viele Jahre lang zum Gegenstand meiner Arbeit, als ich für einige Pferdemagazine schrieb und damals schon versuchte, Menschen die Augen zu öffnen, wie Pferde ticken und wie ein einigermaßen artgerechtes Leben aussehen könnte. Und weil unsere eigene Lebensrealität immer »tierischer« wurde, war es vor etwa 20 Jahren der Münchner Merkur, wo man fand: Wer so viele Tiere hat, muss doch eine Tierseite schreiben können. So begann es, und ich danke dem Merkur sehr, dass er mir über so viele Jahre ein Forum geboten hat, intensiv zu recherchieren, in die Tiefe zu gehen und Geschichten zu schreiben, die Nachhall hatten. Tierseiten-Themen sind auch in meine Krimis eingeflossen, und wenn es nun ein Buch »Landwissen!« gibt, wäre das ohne die jahre-, ja jahrzehntelange Expertise nicht möglich gewesen. Mein Respekt und mein Dank geht an sehr viele Menschen, die mich über lange Jahre in meinen Recherchen rund um Tiere und Umwelt unterstützt haben. »Landwissen!« ist sozusagen ein Extrakt aus Gesprächen mit Fachleuten voller Passion – reine Internetrecherche hätte solches Wissen nie generieren können.

Mehr über Haustiere, sogenannte Nutztiere und Wildtiere zu erfahren war und ist mein Ziel. Und gerade die Wildtiere leiden unter menschlichen Gästen. Die Tourismusbranche erwirtschaftete 2019 eine gesamte Bruttowertschöpfung von 28,2 Milliarden Euro, was 4,9 Prozent der gesamten bayerischen Wirtschaftsleistung entspricht. Die letzten Jahre verzeichneten einen massiven Anstieg an Tagesgästen in den bayerischen Alpen, es waren aufs Jahr gerechnet rund dreimal so viele Tagesgäste wie Übernachtungen. Das gilt für alle Alpenregionen, der Alpenraum ist ein touristischer Hotspot, inzwischen durch Straßen, Tunnel und Seilbahnen für jedermensch leicht zugänglich. Das war nicht immer so.

Die Alpen sind ein gewaltiges Massiv mitten in Europa und markieren eine Barriere zwischen Nord und Süd. Frühe Feldherren überschritten sie voller Angst und mit ungewissem Ausgang. Der Universalgelehrte und Arzt Albrecht von Haller beschrieb 1729 die Alpen, Goethe schwärmte von ihnen. Die Alpen bewegten immer, unzählige gekrönte Häupter bereisten sie, große Bergsteigerkarrieren begannen hier. 1200 Kilometer lang ist der Gebirgsbogen. Die Alpen erstrecken sich über eine Fläche von 191 287 Quadratkilometern in acht Alpenstaaten. Sie sind primär für Europa Wasserlieferanten und Energieerzeuger sowie Lebensräume für hoch spezialisierte Tiere, die es in einem extremen Lebensraum eh schon schwer haben. Störungen sind teils lebensbedrohlich, viele alpine Arten sind längst vom Aussterben bedroht. Die Alpen sind zudem Wirtschaftsraum für Menschen und bringen landwirtschaftliche Produkte hervor. Sie sind erst sekundär Erholungsraum! Es gibt erst seit gut 150 Jahren Tourismus in den Alpen, anfangs kamen nur kühne Bergsteiger im Sommer, der Wintertourismus nahm langsam nach dem Zweiten Weltkrieg Fahrt auf. Viel Fahrt – 2023 wurden rund 546 Millionen Nächtigungen verbucht.

In den Alpen tummeln sich verschiedenste Interessengruppen mit ganz unterschiedlichen Wahrnehmungen. Touristen sind immer die anderen; gerade auch »Einheimische« aus dem Nahraum, aus Kleinstädtchen keine 30 Kilometer entfernt, reklamieren den Alpen-Vorgarten als ihren Abenteuerspielplatz. Es ist eigentlich völlig egal, wo man herkommt, wie weit die eigene Basis entfernt ist: Jeder ist Gast im Wohnzimmer von Birkwild und Gämsen, im Esszimmer von Rehen und auch dem von geälpten Rindern, und auch die Einheimischen brauchen einen Rückzugsraum. Eine gewisse Ratlosigkeit macht sich bei so manchem Landbewohner dann schon breit: Plötzlich parken Autos und Wohnmobile auf Privatgrund, in Hofräumen, in Wiesen, auf Forstwegen. Sie versperren den Weg für solche, die hier arbeiten müssen und dazu nun mal Traktoren oder Rückewagen brauchen. Und sie parken Rettungswege zu, was im Notfall auch tödlich sein kann. Hunde und Kinder sprengen über Weiden und Koppeln, selbst wenn nichts passiert, ist das einfach ein Vertrauensbruch zwischen Gast und Gastgeber.

Allein unser Sprachgebrauch ist ein komischer: »Heute könnte ich Bäume ausreißen.« Bitte nicht! »Mit dir kann man Pferde stehlen.« Auf keinen Fall!

Die besagte Oma hatte noch einen Tipp. »Sag ordentlich griaß di, froag und schwätz mit de Leit.« Damals wusste ich noch gar nicht, wie schlau die Oma Knaushardt war, und natürlich habe ich immer »griaß di« zu Leuten gesagt, denen ich begegnet bin. Das tun manche Kinder auf dem Land heute noch, Gott sei Dank. Aber generell nimmt der Wille zur Kommunikation von Mensch zu Mensch, vis-à-vis, nicht über eine App, doch stark ab. Man kann einfach mal fragen: Darf ich hier parken? Wenn die Antwort »Nein« lautet, bekommt man bestimmt einen Tipp für eine Alternative. Und es ist wirklich gut hinzusehen, aber nicht immer muss man sofort das Veterinäramt anrufen: Pferde vertragen Kälte weit besser als Hitze. Was wirklich schlimm ist, sind Weiden in der prallen Sonne ohne Schatten! Das Pferd im Stall ist im Hochsommer also nicht arm, sondern hat Glück. Dort ist es kühl, und es ist vor Fliegen und Bremsen geschützter! Pferde wollen nämlich nicht sonnen und braun werden: Will meinen: Nachfragen hilft und schwätza mit de Leit.

Es ist so schön vor und in den Alpen: dieses Mosaik aus Hügeln, Seen, Flüssen und Bächen, die geheimnisvollen Wälder, die Felsenberge weiter oben, die kalte Welt oberhalb der Baumgrenze und die der (leider schwindenden) Gletscher. Die Alpen sind in weiten Teilen eine Kulturlandschaft, die ihre heutige Optik primär deshalb hat, weil sie von Landwirten gepflegt und von Tieren beweidet wird. Wohl alle wollen das in 50 Jahren auch noch erleben oder wünschen es sich für ihre Kinder und Kindeskinder – dafür aber brauchen wir Respekt und gelegentlich das Wort »Nein«, weil es für bestimmte Arten bereits nach zwölf ist.

Man schützt lieber das, was man kennt. Und man schützt lieber das, was putzig ist. Aber wer entscheidet, wer süß ist und wer eklig? Ein Waschbär gilt als süß, ist aber eine invasive Art, die alle plattmacht, die ursprünglich in den Lebensraum gehören. Waschbären sind Faunenverfälscher und haben keine natürlichen Feinde. 1927 führten Pelztierzüchter nordamerikanische Waschbären zur Pelztierzucht nach Deutschland ein. 1934 wurde ein erstes Pärchen ausgesetzt, 1945 wurden einige Waschbären in Rheinland-Pfalz ausgewildert – ohne zu bedenken, welchen Siegeszug der anpassungsfähige und intelligente Generalist antreten und wen er eliminieren würde. Waschbären sind die einzigen Tiere, die Frösche häuten und so an das Muskelfleisch kommen! Andere Tiere lassen von Kröten und Fröschen ab, weil ihre Haut ein fieses Sekret absondert. Waschbären hingegen patrouillieren sogar an Krötenschutzzäunen, die extra errichtet wurden, damit Amphibien bei der Wanderung zu ihren Laichgewässern nicht von Autos überrollt werden. Viele freiwillige Helfer sind im Einsatz, die dann tote und angefressene Erdkröten, Molche, Gras- und Moorfrösche finden, verstümmelt, die Haut auseinandergerissen. Eigentlich nicht süß!

Käfer gelten vielen als eklig, dabei sind sie Wunderwerke der Natur. Nehmen wir den Hirschkäfer. Seinen Namen hat er, weil beim Männchen die Mandibeln (Oberkiefer) geweihartig aussehen. Er ist stark gefährdet, weil seine Bruthabitate schwinden, er bräuchte lichte Wälder und Waldweiden sowie Wärme und Totholz. Die Larven ernähren sich ausschließlich von abgestorbenem, sich bereits zersetzendem Holz von Eichen und Edelkastanien, aber auch vom Totholz anderer Laubbäume. Larven entwickeln sich bis zu acht Jahre lang innerhalb des Holzes und sind im erwachsenen Stadium nur drei bis acht Wochen am Leben! Aber die Larven machen aus dem Holz den sogenannten Mulm, den andere Mikroorganismen dann zu Humus abbauen. Hirschkäfer helfen also ganz still und heimlich dabei, den Stoffkreislauf zu erhalten. Wenn ich ein Kind sehe, das einen Käfer zertritt, und womöglich stehen die dazugehörigen Eltern daneben und sagen nichts, wird meine Sprache sehr unwirsch. Das ist schlicht Mord!

Oft hört man dann ein wenig mürrisch ausgestoßen: »Ja mei, dann stirbt X eben mal aus. Brauchen wir den?« Nö, den einzelnen X brauchen wir nicht. Aber es ist in etwa so wie bei dem Turm aus zahlreichen Holzklötzchen: Man kann aus diesem Turm ein Klötzchen herausziehen, nichts passiert. Man kann weitere entfernen. Nichts passiert. Aber auf einmal stürzt der Turm zusammen. So ist das bei Ökosystemen auch. Wenn der kritische Punkt überschritten ist, kollabiert das ganze System. Es macht eben doch etwas, wenn einer fehlt!

Wir gehen heute davon aus, dass jede Art wie ein Knoten in einem Sicherheitsnetz ist. Je mehr, desto besser. Besonders da wir viele Wechselbeziehungen im Netzwerk des Lebens gar nicht kennen. Es gibt sowohl ethisch-philosophische wie biologisch-praktische Gründe, nicht einfach »lästigen« Arten das Lebensrecht abzusprechen. Man stelle sich vor, die biologische Vielfalt wäre eine Firma – ein Verlust von über 50 Prozent innerhalb von 40 Jahren wäre eine Katastrophe. Das aber ist genau der Punkt, an dem die biologische Vielfalt steht. Die Bedeutung des Naturschutzes ist immer noch gering: Im Vergleich zu den Militärausgaben oder dem Wirtschaftsbudget sind Mittel für den Schutz der Biodiversität äußerst bescheiden.

Und gerade weil das so ist, kann wirklich jeder und jede wirklich jede Minute, Stunde und Tag an Stellschrauben drehen und diese Welt besser machen. Bloß luaga, nur hinsehen, aber nicht hinfummeln oder gar abreißen gilt eben für alle Pflanzen. Es gilt auch für große und kleine Wildtiere am Wegesrand, und warum genau dieser Verzicht das Überleben einer ganzen Art sichert, kann ich erklären – nur muss man dazu dieses Buch lesen. Dass man Tiere im Gebirge sehr gut auch aus der Ferne mit einem Fernglas beobachten kann, ist ebenfalls kein Hexenwerk. Und den Punkt, dass man niemals aus falsch verstandener Tierliebe oder weil man den Kindern eine »Tierbegegnung« bieten will, Nutztiere wie Kälber, Schafe oder Pferde füttern soll, den mach ich, weil ich als »Erklär-Bärin« sehr gute Argumente habe, die Tierfreunde überzeugen sollten. Auch dafür muss man dieses Buch lesen und womöglich die eine oder andere Information in Zukunft beherzigen. Das wäre meine Belohnung! Diese wunderbare Natur tut der Seele gut, damit aber die Menschen auch der Natur guttun, versuche ich es jetzt mit diesem Buch als Mittlerin zwischen Menschen, Tieren und der Pflanzenwelt.

Rund um die Milchwirtschaft

 

Bei uns wogen die Wiesen lange. Wir mähen spät und auch nur zweimal im Jahr. Bei uns gibt es ganz unterschiedliche Gräser, in unterschiedlichen Längen, und dazwischen wachsen Blumen. So etwas nennt man eine extensiv genutzte Wiese, und es hat gute zehn Jahre gedauert, bis sie von einer über Jahrzehnte gedüngten Futterwiese für Milchkühe wieder zu einem Ort der Vielfalt wurde.

Gräser sind eben Gräser, würde man meinen, aber sie haben pflanzliches Leben revolutioniert, denn sie wachsen auch in den unwirtlichsten Gegenden. Gräser haben nämlich eine unschlagbare Strategie entwickelt, die sie unabhängig macht: Sie werden nicht von Insekten bestäubt, sondern vom Wind. Gräser stecken ihre Energie auch nicht in große Blüten oder Früchte, nicht in dicke, harte Stämme, nicht in Dornen oder Giftstoffe. Weil sie so effektiv Wasser und Sonne nutzen können, wurden einige Arten kultiviert, der Mensch hat sie quasi domestiziert und in Jahrtausenden eine Kulturpflanze gezüchtet, die die Menschheit ernähren soll: das Getreide. Der Mensch isst meist nur die energiereichen Samen, das Korn von Weizen, Reis und Mais, nicht Blätter und Halme.

Die Kuh soll eine hohe Milchleistung erzielen, und intensiv genutzte Wiesen bestehen aus Wirtschaftsgräsern, die einen hohen Zuckergehalt aufweisen. Eine zuckerreiche, weidelgrasbetonte Grasnarbe ist für Milchkühe ideal, für Pferde zum Beispiel sehr schlecht.

Apropos Kühe: Als ich klein war, war es völlig normal, dass man für Fahrten am Nachmittag deutlich mehr Zeit einkalkulieren musste. Kühe schlenderten durch Dörfer, sie hinterließen Kuhfladen, sie naschten nochmals am Wegesrand auf dem Weg zurück in ihre Ställe. Heute sind Kühe auf Dorfstraßen eine Seltenheit, in Bayern ist nicht einmal mehr jede fünfte Kuh auf der Weide, Kühe leben in Laufställen.

Ich stamme auch aus einer Generation, in der Kinder den Schulranzen in die Ecke feuerten, auf Bäume kletterten, runterfielen und selten heulten, weil da niemand war, den oder die das beeindruckt hätte. Wir haben Kastanienmännchen gebaut und uns Flieger der Ahornsamen auf die Nase gepappt. Wir sahen und hörten noch Hunderte Arten von Vögeln, Heuschrecken und Zikaden. Wir wussten nichts vom Zusammenspiel der Arten oder von der Abhängigkeit der Tiere und Pflanzen voneinander. Das alles war eben da. Wir haben den Argusbläuling, der auf einer Margerite saß, als »normal« angesehen – heute ist der Falter extrem selten.

Es gab in inflationärer Menge Heuhüpfer, Grillen und Co. Und wir alle liebten Flip, den besten Kumpel von Willi und der frechen Biene Maja! Erfunden hat Maja und Willi der Schriftsteller Waldemar Bonsels (1880 bis 1952) – zu einer Zeit, als in der Wiese das Leben noch in Ordnung war. Wir lauschten dem Zirpen, und es war uns egal, dass Heuschrecken Musik machen können. Die Laute werden aber nicht über Stimmbänder erzeugt wie bei uns Menschen, sondern im Wesentlichen durch Reiben der Flügel oder der Beine. Diese mechanische Lauterzeugung nennt man »Stridulation«. Das Instrument der Heuschrecken ist sozusagen ein körpereigenes Waschbrett, auf dem sie herumsägen. Drum hat sich eine Stimmungsband aus dem Schwarzwald bestimmt auch »Grashüpfer« genannt, ohne zu unterstellen, dass die Band auf den Instrumenten herumsägen würde. Grashüpfer haben einen Säge-Kamm, der an der Innenseite der Hinterschenkel liegt, und den ziehen sie an der Kante der Flügeldecke entlang. Ganz schön raffiniert: Jede Abwärtsbewegung erzeugt eine Silbe des Gesangs, das ist also nicht einfach nur ein wahlloses Gezirpe! Auch dieses Wissen war uns Kindern wurscht.

Heute erleben wir, dass der heimische Lebensraum der Wiese vor dem Exodus steht. Die Kritik geht nicht – was einfach wäre – an die Landwirte, die oft gar nicht anders können. Sie folgen den Empfehlungen und Vorgaben der Agrarkonzerne. Es ist eine – wie ich finde – bis heute verfehlte Landwirtschaftspolitik in der EU, die immer noch höher, schneller, weiter belohnt. All das hat einen reichen Lebensraum vor den Alpen nahezu ausgerottet. Extensives Grünland ist in den letzten Jahrzehnten nahezu verschwunden, weil es in Ackerland umgewandelt wurde, die Düngung mit Gülle spielt eine Rolle, der Kunstdünger auch und die kurzen Mähintervalle. Die Agrarindustrie entwickelte im zwanzigsten Jahrhundert immer neue Technologien und tolle Geräte, mit denen selbst Feuchtwiesen und Trockenrasen in profitables Grünland verwandelt werden konnten. Das war eben der Trend der Zeit. Aber so verschwand erst unbemerkt, dann geduldet, ein Paradies, und es verschwindet weiter. Auch wenn es oberlehrerhaft klingt: Jede Blume, die man ausreißt, ist eine zu viel. Seht hin, wie schön dies Paradies ist, und helft es zu erhalten.

Oma Knaushardt sagte immer: »Bloß luaga, it alanga.«

1  Wiesen ernähren Tiere

Die Milchwirtschaft regiert den Alpenbogen, sie ist das Schwungrad einer Kulturlandschaft. Und sie hat sich massiv verändert.

Das sollte man wissen

Wiesen liegen meistens baurechtlich im Außenbereich, rund um Weiler und Einzelhöfe. Solche Wiesen darf man – anders als die im Innenbereich – betreten, allerdings besteht für landwirtschaftliche Flächen von 1. April bis Ende Oktober ein Betretungsverbot! Das bezieht sich auf die sogenannte Aufwuchszeit. Wegen des Klimawandels beginnt der Aufwuchs früher, schon vor dem 1. April. All diese Wiesen haben Besitzer, die sie nutzen und pflegen. »Nicht betreten« heißt: kein einziges Mal. Und es bedeutet auch: nicht in der Wiese liegen, picknicken, Fahrrad fahren, Fußball kicken oder mit dem Hund spielen.

Das Bayerische Naturschutzgesetz (BayNatSchG – i. d. F. vom 23. 12. 2005, Art. 21) sagt im Absatz 1.: »Jedermann hat das Recht auf den Genuss der Naturschönheiten und auf die Erholung in der freien Natur.« Und dieses Recht ist auch gemäß Art. 141 Abs. 3 der Bayerischen Verfassung garantiert. Schön, oder? Allerdings ist das kein Freibrief für die grenzenlose Freiheit des Einzelnen, denn es geht noch weiter im Text: »Bei der Ausübung dieses Rechts nach Abs. 1 ist jedermann verpflichtet, mit der Natur und Landschaft pfleglich umzugehen und auf die Belange der Grundstücks- u. Nutzungsberechtigten Rücksicht zu nehmen.« Das meint: Bitte auf den Wegen und beschilderten Steigen bleiben! Wo der Druck immer größer wird, muss der Einzelne nicht auf Rechte pochen, sondern auch mal verzichten. Denn die Gefahr steigt gerade, wenn die Wochenenden immer intensiver genutzt werden, dass Privatbesitzer ihre Wege sperren lassen. Das Gesetz der Freizügigkeit in der Natur ist dann eben nicht mehr unangreifbar und wird eben doch angegangen. Es geht nicht darum, Spielverderber zu sein, es geht um den Respekt vor denjenigen, bei denen man nur Gast ist: Nutztiere, Wildtiere und auch Einheimische!

Wiesen sind zwischen April und Oktober tabu! Sie sind nicht besitzerlos, sie gehören jemandem. Es ist verständlich, dass Wiesen auf Kinder und Hunde eine magische Anziehung haben, aber sie dienen zur Gewinnung von Tierfutter, und plattgetrampelt kann man sie nur noch sehr schlecht mähen.

 

Noch mehr Wissenswertes: Ja, was mähen sie denn?

Heu: Heu wird je nach Wetter meist zwischen Ende Mai und Ende Juli gemäht. Es braucht mindestens drei Tage zur völligen Trocknung. Heu bezeichnet traditionell den ersten Schnitt, Grummet den zweiten Schnitt. Im Allgäu nennt man den zweiten Schnitt »Omada«. Wer einen Heuboden hat, befördert das Heu auf den Ladewagen und von dort mit einem Gebläse lose auf den Heuboden. Häufig wird es aber auch in Ballen gepresst. Ballenpressen machen aus Heu kleine rechteckige Ballen oder (häufiger) große Rundballen. Die gängigen Heurundballen haben 1,25 Meter Durchmesser und wiegen je nach Pressung circa 300 Kilogramm. Sie sind mit einem Netz umwickelt.

 

Von der Kunst, Heu zu machen: Heumachen ist ein ziemlich nervenaufreibendes Geschäft, denn es braucht mindestens drei trockene sonnige Tage, im Idealfall noch ein Lüftchen dazu. Die Zeiten Volkslieder trällernder Mägde hoch auf dem Heuwagen, die Zeiten von Knechten mit der Heugabel aus Holz sind Romantik aus alten Schwarz-Weiß-Filmen. Diese Welt gibt es nicht mehr, und in Bayern ist es nicht umsonst so grün, es regnet halt viel. Und wenn sich dann am Tag des Einführens das Gewitter drohend heranschiebt, dann »pressiert« es eben, da sollten Radfahrer und Wanderer wirklich weichen. Die müssen nämlich im Gegensatz zum Landwirt nicht die Ernte retten, sie werden maximal nass!

 

Kreiseln: Kreiseln bedeutet, mit einem rotierenden Heuwender das frisch geschnittene Mähgut gleichmäßig auf der Grasnarbe zu verteilen, um die Trocknung zu beschleunigen.

 

Schwader: Der Schwader ist ein Gerät, das das halb trockene Gras und später das Heu in Schwaden legt, um es zum einen von der Nachtfeuchte zu schützen und zum anderen später zur Abfuhr bereitzulegen.

 

Heu bei Heumilchbauern: Heumilchbauern füttern ihren Rindern kein Silo, nur Gras und Heu und in geringem, streng kontrolliertem Umfang Kraftfutter. Aber das Wirtschaften mit Heumilch klappt meist nur mit einer Trocknungsanlage, denn das Risiko, das Heu nicht trocken einbringen zu können, ist einfach zu hoch. In so eine Anlage gibt man gut angewelktes Grüngut, um am Ende fluffiges, duftendes Heu zu erhalten.

 

Silo: Silo, genauer Silage, ist ein durch Milchsäuregärung konserviertes Futtermittel. Es wird luftdicht meist in Ballen mit Silofolie eingeschlossen. Die Folie gibt es in Weiß und Grün, aber auch mal in Pink – für Modebewusste! Löcher in diese Ballen zu bohren ist kein Kavaliersdelikt, denn das Futter ist dann verdorben. Auch auf Ballen herumzuturnen ist fahrlässig, weil auch das den Ballen Schaden zufügt.

Das Hochsilo wird nur noch selten verwendet, es gab viele Unfälle. Der hohe Kohlenstoffdioxidanteil in den Gärgasen ist geruchlos, und das Gas sammelt sich wie ein See am Boden. Wer da hineinsteigt, unterschätzt oft die Gefahr, wird bewusstlos und stürzt ab, dahin, wo das Gas sich befindet.

Fahrsilos sieht man heute am meisten, das sind diese lang gestreckten Anlagen aus Beton: Das Gärgut wird von der Wiese mit dem Bulldog und Ladewagen angeliefert, und ein Helfer presst und verdichtet es mit einem zweiten Bulldog. Ist das Silo voll, wird es mit einer Silofolie abgedeckt.

Silage hat eine Trockenmasse von etwa 35 Prozent. Sie ist für Wiederkäuer verwertbar, für Pferde ungeeignet. Silo wird mehrmals im Jahr gemäht, oft auch schon sehr früh, was Folgen für das gesamte Ökosystem hat. Der Löwenzahn ist die erste Tracht (Nahrungsquelle) für Bienen, das frühe Mähen nimmt ihnen und vielen anderen Insekten die Lebensgrundlage. Diese Insekten fehlen wieder als Nahrung für Vögel. Das frühe Mähen kann auch Kitze, Junghasen und Bodenbrüter töten, denn das ist diese hochwichtige Setz- und Brutzeit für viele fragile Tiere und bedrohte Arten.

 

Heulage: Heulage wird im Gegensatz zu Silage ebenso spät wie Heu geschnitten. Nach dem Schnitt wird Heulage auf 50 bis 60 Prozent Trockenmasse heruntergetrocknet und anschließend gepresst und luftdicht verpackt. Die Produktion von hochwertiger Heulage ist schwierig, denn es kann zu Fehlgärungen kommen, es entstehen Toxine, und die Tiere, die damit gefüttert werden, sind in Gefahr. Heulage wird in der Pferdefütterung eingesetzt, da sie produktbedingt durch die späte Mahd einen niedrigeren Rohproteingehalt als Silage hat. Durch die Staubfreiheit ist Heulage ideal bei heustauballergischen Pferden.

 

Strah: Strah oder Streue stammt von Strahwiesen (Streuwiesen). Das sind oftmals jene Wiesen in ökologisch sensiblen Moorregionen, die von Landwirten im Zuge von Kulturlandschaftsprogrammen gemäht werden, meist nur einmal im Jahr. Für Milchkühe ist der Nährgehalt zu gering, man füttert es womöglich dem Jungvieh oder nutzt es nur als Einstreu. Pferde könnten Strah ebenfalls gut fressen, manche sind nur leider so mäkelig, dass sie solch minderwertiges Futter verweigern.

 

Stroh: Stroh ist ein Sammelbegriff für ausgedroschene Ölpflanzen, Faserpflanzen oder Hülsenfrüchte. Manchmal wird Stroh als Humus- und Nährstoffquelle wieder in den Boden landwirtschaftlicher Nutzflächen eingearbeitet. Das Stroh verschiedener Getreidearten, im Wesentlichen Weizen, Roggen, Gerste, wird ebenfalls in Ballen gepresst (Kleinballen, Rundballen oder Quaderballen) und häufig als Einstreu verwendet.

 

Energiepflanzen: Mais spielt als Futterpflanze eine wichtige Rolle oder geht in Biogasanlagen. Mais wird auch im Voralpenland angebaut. Man sieht auch die hübschen gelben Rapsfelder, die unter anderem für die Biokraftstoffproduktion wichtig sind. Egal, was da wächst und gedeiht: Man betritt solche Felder nicht und macht auch keine romantischen Selfies im Rapsfeld stehend!

 

»Da ist ein Programm drauf«: Das hört man öfter, wenn man neben einer Wiese steht, die eben noch steht und nicht gemäht wurde wie die anderen Wiesen drum herum. Ein »Programm« ist etwa das Kulturlandschaftsprogramm (KULAP), das Landwirten Ausgleichszahlungen für freiwillige umweltschonende Bewirtschaftungsmaßnahmen gewährt. Damit verbunden sind Regelungen wie etwa ein Mähzeitpunkt. Es gibt noch weitere Programme wie beispielsweise das Moorbauernprogramm, das Maßnahmen zur moorbodenschonenden Bewirtschaftung fördert.

Kitzretter vor der Mahd

Bevor es Drohnen gab, sind Retter auf der Suche nach Rehkitzen in Reihen durch Felder gelaufen. Das machen Menschen heute noch, das Vorgehen ist aber leider nicht sicher. Man kann zehn Zentimeter neben einem Kitz vorbeigehen und bemerkt es nicht! Selbst wenn man ein Kitz entdeckt und es zur Seite getragen hatte, sprang es womöglich zurück – eine Drohne ist unbestechlich. Gott sei Dank gibt es immer mehr Jäger und/oder Vereine, die als Kitzretter mit Drohnen tätig sind. Sie überfliegen diese zu mähenden Flächen. Die Bilder sehen für den Laien erst mal aus wie eine graue Mondoberfläche. Darin aber entdeckt man weiße Punkte, das sind Wärmepunkte. Die Anzeige der Wärmebildkamera, die an der Drohne montiert ist, funktioniert am besten, wenn die Umgebungstemperatur niedrig ist. Denn nur so unterscheidet sie sich von der Körpertemperatur der Tiere. Logisch, dass eine Suche an warmen Tagen nicht möglich ist, und deshalb sind Retter frühmorgens vor Sonnenaufgang und oft bis spätabends nach Sonnenuntergang unterwegs.

Kitzrettung erfordert Erfahrung und Konzentration. Und einen Drohnen-Führerschein, den die EU vorschreibt. Idealerweise ruft ein Landwirt am Vortag an und meldet, dass er anderntags in der Frühe mähen will. Kitzretter brauchen einen gewissen Vorlauf, am Vortag wird beispielsweise das Auto mit Spezialkisten beladen. Ebenfalls zur Ausstattung gehören Einweghandschuhe, die sehr wichtig sind. Kitzretter ziehen kurz vor dem Fang ein Paar an und dann noch ein zweites darüber, damit alles steril und geruchsfrei bleibt. Nur so nimmt die Geiß das Kitz dann auch wieder an. Wenn geflogen wird, ist die Drohne so eingestellt, dass sie das ganze Feld in Streifen abfliegt. Wird ein Kitz entdeckt, geht es los. Helfer:innen sind mit einem Walkie-Talkie mit der Drohnenpilot:in in Kontakt. Kurz vor dem kauernden Kitz müssen die »Fänger« schnell sein, nach vorne hechten und das Kitz packen. Dann rein in die Kiste, Deckel zu. Durchatmen! Die Kisten werden am Rand der Wiese abgestellt, bis fertig gemäht ist.

Nicht alle Landwirte lassen fliegen und vermähen dann eben Kitze. »Vermähen« ist ein Wort, das für mehrere Möglichkeiten steht: von Bein abtrennen bis zu totalem Zerhäckseln ist da einiges enthalten, und es bedeutet für ein Tierkind oftmals ein langsames, elendes Sterben! Überdies liegt es in der Verantwortung der Bauern: Nach § 17 Tierschutzgesetz macht man sich strafbar, wenn man bei der Mahd den Tod der Kitze billigend in Kauf nimmt. In der Praxis verhält es sich aber durchaus mal so, dass gewaltige Flächen mit Mammutmaschinen gemäht werden und die Lohnunternehmer auch gar keine Zeit haben. Zudem zeigt niemand tote Kitze an …

 

2  Eine Kuh macht Muh, viele Kühe machen Mühe

Heutige Kühe haben mit dem Auerochsen wenig gemein, die Milchleistung fordert ihren Tribut.

Das sollte man wissen

Alle Hausrinder stammen von dem mittlerweile ausgestorbenen Auerochsen ab (auch Ur genannt), ein mächtiges, bis zu 1,90 Meter hohes, bis zu drei Meter langes und bis zu einer Tonne schweres Wildtier. Der Ur hatte schwarzbraunes Fell und bis zu 80 Zentimeter nach vorne geschwungene, lange, spitze Hörner. Die weiblichen Tiere waren deutlich kleiner und wie die Kälber rotbraun gefärbt. Sie lebten von Gras. Auch als domestizierte Form fressen Rinder eigentlich Gras und Heu. Oder fraßen, denn Hochleistungskühe sollen eine hohe Milchleistung erbringen, und diesen Energiebedarf kann Gras nicht mehr liefern, sie brauchen energieintensive Futtermittel wie zum Beispiel Getreide, Reste der Zucker- und Stärkeherstellung sowie Raps- und Sojaschrot, welches auch von genetisch veränderten Pflanzen im Ausland stammen kann.