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Maddie und die attraktiven Untoten
Schuhdesignerin Maddie Springer weiß, wie sich eine Schwangerschaft mit Morgenübelkeit aushalten lässt: Auf der Couch mit Süßigkeiten und Moonlight-Vampirfilmen. Doch die Grenze zwischen Realität und Film verschwimmt, als sie über eine Leiche mit Bissspuren am Hals stolpert. Ein neuer Fall für die Amateurdetektivin, sehr zum Leidwesen ihres Ehemanns, dem Polizisten Jack. Zwischen Babypartys, Windeln und Geburtsvorbereitungen gibt es einen Mordfall aufzuklären, der Maddie zu einem tödlichen Tanzclub und in den illustren Kreis der "Hollywood-Vampire" führt. Gemeinsam mit ihren Freunden muss sie den Killer entlarven, bevor ein weiteres Opfer gebissen wird.
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Seitenzahl: 250
Veröffentlichungsjahr: 2023
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Über dieses Buch
Titel
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Impressum
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Schuhdesignerin Maddie Springer weiß, wie sich eine Schwangerschaft mit Morgenübelkeit aushalten lässt: Auf der Couch mit Süßigkeiten und Moonlight-Vampirfilmen. Doch die Grenze zwischen Realität und Film verschwimmt, als sie über eine Leiche mit Bissspuren am Hals stolpert. Ein neuer Fall für die Amateurdetektivin, sehr zum Leidwesen ihres Ehemanns, dem Polizisten Jack. Zwischen Babypartys, Windeln und Geburtsvorbereitungen gibt es einen Mordfall aufzuklären, der Maddie zu einem tödlichen Tanzclub und in den illustren Kreis der »Hollywood-Vampire« führt. Gemeinsam mit ihren Freunden muss sie den Killer entlarven, bevor ein weiteres Opfer gebissen wird.
GEMMA HALLIDAY
Furchtlos in High Heels
Aus dem Englischen von Ute-Christine Geiler
Ich sah zu, wie die dunkel gekleidete Gestalt durch den Wald schlich. Nebelschwaden waberten um ihre Füße, und der Vollmond am Himmel malte Schatten auf die wunderschönen maskulinen Züge. Das schwarze Haar lockte sich in der feuchten Nachtluft über den Ohren, während er seinem Opfer folgte. Die Frau wartete ahnungslos auf der anderen Seite der Lichtung. Sie war dunkelhaarig und stand mit dem Rücken zu ihm, den schlanken blassen Hals schutzlos der kühlen Nachtluft ausgesetzt.
Er sah sie. Dann lächelte er, entblößte ein Paar scharfer weißer Reißzähne hinter seinen vollen Lippen.
Ich schnappte nach Luft, zog die Knie bis an die Brust hoch.
Dann verfolgte ich schreckensstarr, wie er sich fast im selben Augenblick durch die Dunkelheit auf die Frau stürzte.
Ich hielt mir mit beiden Händen die Augen zu. »Ich kann mir das nicht anschauen. Er wird sie bestimmt beißen, oder?«
Dana neben mir seufzte.
Ich zog mir meine Kuscheldecke über den Kopf. »Sag mir Bescheid, wenn es vorbei ist.« Ich vergrub mich unter den Kissen auf meiner Couch, auf der meine beste Freundin Dana und ich uns mit Schokolade überzogenes Popcorn zu heißem Kakao gönnten und dabei Moonlight sahen, den Blockbuster des vergangenen Sommers. Ich hatte alle Moonlight-Romane gelesen, aber mit dem Film gewartet, bis ich alle Bücher der Serie durchhatte. Was heute Morgen der Fall gewesen war. Und ich musste zugeben, das Warten hatte sich gelohnt. Die Schauspielerin, die Lilas Rolle bekommen hatte, war restlos überzeugend als der naive Teenager, der sich unvorsichtigerweise in einen Vampir aus der Gegend verliebt.
Dana setzte sich neben mir anders hin. »Himmel, ich hasse diese Stelle, Maddie«, beschwerte sie sich.
Ich spähte über den Rand meiner rosa Decke auf den Bildschirm. Lila sank ihrem Vampir und sehr bald schon Liebhaber Daniel in die Arme, während seine Lippen sanft ihren Hals streiften.
»Weißt du was? Ich glaube nicht, dass er sie wirklich beißt. Ich denke, es ist einfach nur ein Kuss«, bemerkte ich.
»Ja, und genau das ist das Problem dabei.« Dana biss so fest auf ein Schoko-Popcorn, dass es knackte. Was ein sicheres Zeichen dafür war, dass sie aufgebracht war. Dana aß nie Schokolade. Niemals. Ihr Körper war ein Tempel, der mit einer Diät aus Weizengras, Tofu und Unmengen Fitnessübungen in Schuss gehalten wurde. Sie arbeitete als Aerobic-, Pilates- und CrossFit-Trainerin. Schokolade war für Dana das, was Knoblauch für Daniel und Lila war.
»Geht es?«, fragte ich.
»Alles super. Ich liebe es, dabei zuzusehen, wie mein Freund andere Frauen küsst«, lautete ihre sarkastische Antwort.
»Tut mir leid.« Ich legte ihr eine Hand auf den Arm. »Aber du weißt schon, dass es nur ein Film ist. Sie spielen das bloß.«
Dana erwiderte darauf nichts, nahm sich nur eine weitere Handvoll Popcorn.
Während ich mich ganz dem Zauber der Fantasy-Welt von Moonlight überlassen konnte, war sie Danas Wirklichkeit. Das lag vor allem an der Tatsache, dass der Vampir, der gerade Lilas Hals liebkoste, in Wahrheit Rick Montgomery war, seit nunmehr zweieinhalb Jahren Danas Freund. Obwohl Ricky in Hollywood beileibe kein Unbekannter war, da seine Karriere als sexy junger Gärtner in der erfolgreichen TV-Soap Magnolia Lane begonnen hatte, war »Daniel« hier die größte Rolle, die er bislang an Land gezogen hatte. Das Moonlight-Phänomen hatte ihn über Nacht vom TV-Mädchenschwarm in die Reihen der Teenie-Idole katapultiert. Wovon Dana nicht wirklich begeistert war. Kritiker hatten nicht nur zahllose Male die unleugbare Chemie zwischen Daniel und Lila kommentiert – die übrigens von Ava Martinez verkörpert wurde, der neuen sinnlichen Schönheit in der jungen Hollywood-Elite – nein, das letzte Mal, als Dana mit Ricky bei Starbucks gewesen war, hatten nicht weniger als drei Frauen Ricky gebeten, ihnen ein Autogramm zu geben – und zwar auf den Busen!
Nicht, dass Dana irgendeinen Grund zur Sorge hätte, soweit ich es beurteilen konnte. Sie war schließlich selbst inzwischen Schauspielerin Schrägstrich Model Schrägstrich Repräsentantin von Lover Girl, einer Kosmetikfirma (ihr jüngster Job). Sie war blond und in puncto Oberweite bestens ausgestattet sowie vom Scheitel bis zur Sohle durchtrainiert. Kurz, wenn Barbie je ein Double bräuchte, wäre Dana die erste Wahl.
Aber ich vermute, auch Barbie würde wohl Probleme damit haben, wenn Ken ein anderes Mädchen knutschte.
»Ich verstehe einfach nicht, was es mit diesem ganzen Vampir-Hype auf sich hat«, bemerkte Dana verstimmt und verschränkte die Arme vor der Brust, während sie finster den Bildschirm betrachtete, wo Daniel gerade seine Zähne in Lilas Hals grub und ihr den »ewigen Kuss der Nacht« gab.
»Das ist nicht dein Ernst, oder?«, erwiderte ich, blickte kurz zur Seite, um mir eine Handvoll Popcorn zu nehmen. »Schauen wir hier denselben Film? Vampire sind sexy.«
»Was ist an Blut trinken sexy?«
Das gab mir zu denken. Okay, da hatte sie recht. »Es geht doch gar nicht um das Blut«, entgegnete ich. »Es geht darum, dass sie geheimnisvoll sind, mysteriös. Finster. Der Reiz des Verbotenen. Die Bad Boys schlechthin. Außerdem«, sagte ich und deutete auf den Bildschirm, »musst du zugeben, dass Ricky in blasser Schminke echt heiß aussieht.«
Dana seufzte. »Ja. Ich weiß. Zu heiß.«
»Weißt du, es gibt Schlimmeres auf der Welt, als mit dem Kerl auszugehen, den jede Frau in Amerika am liebsten vernaschen würde«, zog ich sie auf.
Sie warf ein Popcorn nach mir, musste aber lächeln. »Mit ein bisschen Glück gibt es, wenn er mit dem Dreh der Fortsetzung fertig ist, keine weiteren Moonlight-Filme mehr.«
»Oh nein«, heulte ich auf, ehe ich mich beherrschen konnte. »Warum denn nicht?«
»Ricky hat in diesen neuen Club investiert, und wenn der gut läuft, sagt er, könnte er die Schauspielerei ein bisschen zurückfahren. Was«, stellte sie klar, »viel mehr Zeit mit mir bedeutet und wesentlich weniger mit ihr.«
»Erzähl mir von dem Club«, sagte ich, um meine Enttäuschung zu überspielen, dass mit meiner neuesten Lieblingsfilmreihe bald Schluss sein könnte.
Dana war sofort hellwach, setzte sich im Schneidersitz auf das Sofa. »Er heißt Crush und liegt in der total hippen Ecke am Sunset. Offenbar hat sein Manager ihm empfohlen, Geld hineinzustecken, sodass Ricky nun etwa zu einem Sechzehntel Miteigentümer dort ist. Ich werde es mir morgen Abend mal selbst ansehen. Oh! Du musst mitkommen!«
Ich biss mir auf die Lippen. »Ich? In einem Nachtclub?« Okay, vor ein paar Monaten hätte ich mich begeistert auf die Chance gestürzt, einen coolen neuen Club von der durchgestylten VIP-Ecke aus zu testen, die gewöhnlich Sechzehntel-Besitzern vorbehalten war. Als Modedesignerin war People-Watching im Hollywood-Nachtleben eines meiner Lieblingshobbys. Einige meiner besten Inspirationen stammten von den Tanzflächen in L. A.s angesagtesten Clubs.
Aber kürzlich war etwas passiert, was das alles geändert hatte. Okay, ich denke, man könnte sagen, genau genommen waren es zwei Sachen.
Nummer eins: mein Ehemann Detective Jack Ramirez vom L. A. Police Department, Mordkommission. Er war groß und breitschultrig, gut gebaut und muskulös. Sein Haar war dunkel und sah immer so aus, als hätte es letzte Woche geschnitten werden müssen, seine Haut besaß das ganze Jahr lang die Farbe warmen Honigs, und seine Augen waren von einem sanften Braun, wenn sich seine Augenwinkel beim Lachen kräuselten, und von einem satten Schokoladenbraun, wenn er etwas Unartigeres im Sinn hatte. Wenn ein Mädchen so einen Kerl zu Hause hatte, weswegen sollte sie da ausgehen wollen?
Und wir hatten eindeutig eine Menge Zeit gemeinsam verbracht, denn jetzt hatte ich auch noch Grund Nummer zwei, zu Hause zu bleiben: die Beule. In etwa zweiundzwanzig Wochen, so hatte man mir versichert, würde eben dieser Auswuchs ein lebendiger atmender kleiner Mensch werden, aber im Moment war es schlicht die Beule, eine basketballförmige Ausbuchtung unter meinem Lieblings-T-Shirt. (Das ich mich weigerte aufzugeben, selbst wenn es bis an die Grenze des Machbaren gedehnt wurde, und gegen die zeltartigen Kleidungsstücke einzutauschen, die man gemeinhin als Schwangerschaftsmode bezeichnete. Wer auch immer sich zu der Behauptung verstieg, Schwangerschaftskleidung sei heutzutage doch so viel modischer als früher, hatte eindeutig eine sehr weit gefasste Definition von dem Begriff »modisch«.)
Meine erste Reaktion auf die zwei dünnen Striche auf dem Schwangerschaftsteststreifen war Überraschung gewesen, dann unendliche Freude, gefolgt von Entsetzen angesichts der Vorstellung, dass ich bald schon für ein neues Leben verantwortlich sein würde. Das Entsetzen hatte schließlich einer dumpfen Panik Platz gemacht, die ich meistens mit Schoko-Popcorn und heißem Kakao in Schach halten konnte, aber sie köchelte immer noch dicht unter der Oberfläche, sodass ein Besuch im Nachtclub in letzter Zeit nicht unbedingt weit oben auf meiner To-do-Liste stand.
Dana musste das Zögern in meinen Augen gelesen haben, denn sie blickte ebenfalls zu Der Beule.
»Komm schon, es würde dir guttun, mal ein bisschen rauszukommen«, sagte sie.
»Ich weiß nicht. Es hört sich nach etwas an, was normale Menschen tun, nicht Schwangere.«
Dana warf mir einen scharfen Blick von der Seite zu. »Du bist ein normaler Mensch.«
»Ich bin ein Wal.«
»So dick bist du nun aber auch nicht.«
Jetzt war ich an der Reihe, sie scharf anzusehen. »Ich rechne dir deine Unaufrichtigkeit zu meinen Gunsten hoch an, aber ich besitze Spiegel. Ich weiß, wie fett ich bin.«
Dana winkte ab. »Das wird niemandem auffallen. In Clubs ist es dunkel.«
»Es ist aber auch laut. Was, wenn es ihr zu laut ist?«
»Ihr?«, fragte Dana, stürzte sich praktisch auf das Wort. »Wissen wir, dass die Beule ein Mädchen ist?«
Ich zuckte die Achseln. »Nun, rein technisch betrachtet nicht. Dafür ist es noch zu früh. Aber ich habe vorgestern bei Macy’s diesen absolut unwiderstehlichen pinkfarbenen Babystrampler mit Spitzentutu gesehen, daher will ich die Hoffnung nicht aufgeben.«
»Nun, wie auch immer, ich bin mir ziemlich sicher, dass das da noch nicht hören kann«, erklärte Dana und starrte auf meinen Bauch.
»Vielleicht doch. Ich habe in Was einen erwartet, wenn man ein Baby erwartet gelesen, dass sie schon Ohren hat.«
»Selbst wenn, die Fettschicht wirkt schallisolierend.«
»Siehst du, du nennst mich fett!«
Dana schlug mir im Spaß auf den Arm. »Komm, wenn es im Crush zu laut ist oder zu voll oder zu sonst irgendwas, gehen wir wieder. Aber bitte komm mit. Ohne dich macht es keinen Spaß.« Dana verzog schmollend den Mund und klimperte mich mit ihren Wimpern an.
Die Wirkung war so albern, dass ich mir ein Lachen nicht verkneifen konnte. »Okay, gut. Ich werde mein walförmiges Selbst für dich zu einem Nachtclub schleppen.«
»Hurra!«, rief Dana und sprang auf dem Sofapolster auf und nieder. »Vertrau mir, wir werden einen Riesenspaß haben. Es wird unsere letzte Nacht in einem Club sein, bevor die Beule auf die Welt kommt.«
»Hm«, machte ich und nahm mir eine weitere Handvoll Popcorn, um die milde Panik einzudämmen, die mich immer zu überwältigen drohte, wenn ich an mein Leben nach Der Beule dachte.
»Okay, dann habe ich nur noch eine winzig kleine Bitte«, sagte Dana.
Ich verdrehte die Augen. »Was denn jetzt noch?«
Sie schaute zum Bildschirm, wo »Daniel« gerade der frisch vampirisierten Lila einen Zungenkuss gab. »Könnten wir vielleicht was anderes sehen? Egal was, nur irgendetwas anderes?«
Am nächsten Abend überließ ich mein Sofa samt Decke zum ersten Mal seit Monaten sich selbst und stieg zu Dana ins Auto, die mich durch die verstopften Straßen Hollywoods fuhr – in ihrem brandneuen Mustang-Cabrio. Kirschrot. Mit aufgeklapptem Verdeck. Ich musste zugeben, ich genoss diesen letzten Ausflug ins Nachtleben bereits.
Das Crush befand sich auf dem Sunset Boulevard zwischen Highland und Vine, in einem schwarzen rechteckigen Gebäude zwischen einem todschicken italienischen Restaurant und einem Schuhgeschäft, das sich auf Pumps von Größe 42 ab aufwärts spezialisiert hatte. Ein einzelnes blaues Neonschild über der Tür war der einzige Hinweis, dass sich darin etwas Interessantes verbarg. Das heißt natürlich, wenn man die lange Schlange Frauen in Miniröcken und Männer in hautengen Jeans nicht mitzählte, die vor dem Gebäude warteten und hoffnungsvoll zur Tür schauten. Vor dem unauffälligen Hauseingang stand ein Kerl, der aussah wie ein Schwergewichtschampion und eine Sonnenbrille trug, obwohl es weit und breit kein Sonnenlicht gab.
Da Dana plus Begleitung glücklicherweise auf der Gästeliste stand, marschierten wir zum Anfang der Schlange und wurden sofort eingelassen. Ich dankte dem Himmel dafür. Meine Schuhe begannen bereits höllisch zu drücken, als wir den lauten Raum betraten. Ganz ehrlich, blassrosa Lackpumps mit zehn Zentimeter hohen Absätzen waren vermutlich nicht unbedingt die klügste Wahl für einen Ausflug mit Der Beule, aber wie mein Lieblingsshirt auch standen sie mit auf der Liste der Dinge, auf die ich einfach nicht bereit war zu verzichten – Schmerz hin oder her. Besonders dieses Paar. Sie gehörten zu meiner neuen Frühlingskollektion, die ich »Himmel auf High Heels« genannt hatte. Die gesamte Kollektion war in sanften Himmelsfarben gehalten, und es fehlten nur noch drei Paar, dann war sie komplett. Mit etwas Glück würden sie binnen Wochen über die Laufstege in New York schreiten und in ein paar Monaten in den exklusiven Boutiquen überall im Land erhältlich sein.
Auf Danas Rat hin trug ich zu meinen original Maddies ein Paar abgeschnittener schwarzer Stretchpants und ein langes paillettenbesetztes Trägerhemd, das früher einmal ein Kleid gewesen war, aber nun mit dem Basketball anstelle meines Bauches nur noch als langes Oberteil zu gebrauchen war. Der Gesamteffekt war glitzernd und niedlich, und wenn man mich nur von hinten sah, konnte man kaum erkennen, dass ich fünfzehn Pfund zugenommen hatte.
Dana andererseits wirkte, als sei sie geradewegs aus dem Set für eine ihrer Lover-Girl-Kosmetik-Aufnahmen gestiegen. Sie trug ein enges rotes Minikleid und dazu hochhackige spitze Pumps in Rot. An ihren Ohren baumelten große Silberringe, die bis auf ihre Schultern reichten. Ich seufzte, als ich bemerkte, wie sich überall Köpfe – weibliche und männliche – nach ihr umdrehten. Ach, wie wundervoll wäre es, wieder schlank, sexy und unaufgedunsen zu sein.
»Ist es hier nicht einfach herrlich?«, rief Dana mir über den dröhnenden Bass hinweg zu.
Ich nickte. »Großartig«, pflichtete ich ihr bei und meinte das auch so.
Das Innere des Clubs machte das wenig aufsehenerregende Äußere mehr als wett. Die Wände waren üppig mit rotem Samt bespannt, und schimmernde Wandleuchten aus Chrom und Hängelampen spendeten Licht. Eine gewaltige Bar aus Glas beanspruchte die Mitte des Raumes, um die sich in Zweier- und Dreierreihen Leute drängten, die verzweifelt versuchten, die Aufmerksamkeit eines der Dutzend Barkeeper in den engen schwarzen Hemden dahinter zu erregen. An der gegenüberliegenden Wand führten zwei Treppen in den zweiten Stock, wo ein DJ in maximaler Lautstärke Musik auflegte, Club-Remixe von Popsongs, während grell blaue, rote und grüne Lichter über die überfüllte Tanzfläche zuckten.
Ich musste zugeben, es sah aus, als ob Rickys Finanzberater seine Sache verstand. Die Location war vollgepackt. Auf der Tanzfläche drängten sich dicht an dicht Dutzende Möchtegern-Starlets, von VIPs aus den Privatnischen entlang der Wände beobachtet. Ich konnte mir nur zu gut vorstellen, wie viel Gewinn Ricky hiermit machte, auch wenn ihm nur ein Sechzehntel davon zustand.
»Lass uns etwas trinken«, sagte Dana und fasste mich an der Hand, zog mich zum anderen Ende der Bar, wo es eine kleine Lücke in der Menge derer zu geben schien, die auf ihren Drink warteten. Mit minimalem Ellbogeneinsatz waren wir kurz darauf bis nach vorne durchgedrungen.
»Was bekommt ihr zwei Hübschen?«, schrie uns ein Barkeeper zu, der an etwa fünfzehn verschiedenen Stellen gepierct war – und das waren nur die, die ich sehen konnte.
»Pomtini«, schrie Dana über den Lärm zurück.
»Und für mich Cranberry-Saft«, ergänzte ich zögernd, denn wirklich, ein Pomtini passte einfach perfekt zur Atmosphäre.
Er nickte und nahm sich zwei Gläser.
»Tschuldigung«, hörte ich hinter mir.
Ich drehte mich um und entdeckte ein Mädchen mit langem dunklem Haar, das Unmengen Augen-Make-up trug, aber nur wenig Kleidung, und mich finster anstarrte. Ihre Füße steckten in schwarzen Satinpumps mit Absätzen, die in tödlich aussehenden Silberspitzen endeten, sodass sie mich mit meinen einen Meter fünfundfünfzig um Haupteslänge überragte. Hinter ihr zeigte ein Rotschopf in einem ebenso knappen Kleid, dieses allerdings mit angesagtem einseitigem Träger, und ebenso hochhackigen Schuhen ein ebenso unschönes Stirnrunzeln.
»Ich versuche gerade, einen Drink zu bekommen«, verkündete die Dunkelhaarige in gelangweilt-verärgertem Tonfall.
»Tut mir leid«, murmelte ich und versuchte, trotz der Enge etwas nach links zu rutschen. »Ich warte auf meinen Cranberry-Saft.«
Das Mädchen seufzte übertrieben und warf sich ihr langes Haar über die blasse Schulter, versuchte sich mit ihrer Freundin an mir vorbeizuzwängen. Was zum Scheitern verurteilt war. Die Bar war umringt von Menschenmassen, und es gab für mich keinen Platz, weiter auszuweichen.
»Es tut mir leid, es ist einfach richtig voll hier …«, begann ich.
Aber das Mädchen ignorierte mich und wandte sich an ihre Freundin. Selbst in dem überfüllten Club konnte ich ihr Bühnenflüstern hören: »Der verdammte Wal blockiert die ganze Bar.«
Ich erstarrte, spürte, wie ich innerlich vor Wut zu kochen begann. »Was haben Sie gerade gesagt?«
»Was?«, fragte sie und blinzelte mich gespielt unschuldsvoll an.
»Haben Sie mich gerade eben ›Wal‹ genannt?«
»Habe ich das?«, erkundigte sie sich, stellte sich immer noch dumm.
»Ja. Sie haben mich Wal genannt.«
Sie zuckte die Achseln. »Nun, Sie beanspruchen viel zu viel Platz hier, und dabei trinken Sie noch nicht einmal«, erklärte sie und wedelte mit einem manikürten Finger vor meinem Gesicht herum. »Das ist so gar nicht cool.«
»Oh, oh«, hörte ich Dana undeutlich neben mir sagen. Aber ich war im Moment vollkommen auf das dürre Mistküken vor mir konzentriert.
Ich biss die Zähne zusammen. »Nur zu Ihrer Information, ich trinke etwas. Cranberry-Saft. So.«
Sie verdrehte nur die Augen. »Was auch immer, Shamu.«
Eine volle Sekunde lang wurde es rot vor meinen Augen, mein Gesicht fühlte sich wie Lava an, und meine Zunge blieb irgendwo zwischen meinen Zehen und meiner Kehle stecken.
»Wie haben Sie mich gerade genannt?«, zischte ich zwischen zusammengebissenen Zähnen hindurch, spürte, wie sich meine ganzen fünf Tonnen Kampfgewicht für die Schlacht rüsteten.
»Maddie«, hörte ich Dana hinter mir. Ich spürte ihre Hand auf meinem Arm, als sie mich in die entgegengesetzte Richtung zog. »Herzchen, lass uns gehen.«
»Ich glaube, dieser Strich in der Landschaft hat mich gerade Wal genannt«, erklärte ich. »Ich werde sie umbringen. Ich werde mich auf sie setzen und sie ersticken«, schrie ich, während ich von Dana von der Bar fortgezogen wurde. »Wie gefällt dir das, Strichmännchen? Schon mal von einem Wal erdrückt worden?«
Die dürre Mistzicke zuckte nur wieder die Achseln und sandte mir einen Blick, der keinen Zweifel daran ließ, wie armselig sie mich fand, und zwängte ihren Hungerleider-Körper weiter in Richtung Bar.
»Alles okay?«, wollte Dana wissen und reichte mir meinen Cranberry-Saft.
»Hast du die gehört? Hast du gehört, was sie zu mir gesagt hat?«
Dana nickte. »Sie ist ein Schwachkopf. Beachte sie nicht weiter.«
Sie hatte leicht reden. Schließlich passte sie immer noch in Größe 32. Ich nippte von meinem Cranberry-Saft und versuchte, mich mittels schierer Willenskraft über das kalte Getränk abzukühlen, während ich zusah, wie die dürre Zicke triumphierend mit einem rot-blauen Cocktail in einer Hand von der Bar abzog, ihre ebenso selbstzufriedene Begleiterin einen Schritt hinter ihr.
»Komm schon«, sagte Dana und folgte nervös meiner Blickrichtung. »Sie ist es nicht wert, dass du dir den Abend ihretwegen verderben lässt. Lass uns tanzen gehen.«
Gewöhnlich verträgt sich die Beule und Tanzen nicht sonderlich gut, aber angesichts des Ärgers, der immer noch in meinen Adern schwelte, hatte ich überflüssige Energie zu verbrennen, sodass ich mich von Dana die Treppe hoch zu der Haupttanzfläche schleppen ließ.
Wie unten auch hatte man hier oben das Gefühl, als sei ganz Hollywood im Crush. Oder wenigstens die Wichtigen. Wir entdeckten ein paar Kardashianer, die in einer Ecke etwas tranken, ein paar falsche Teens aus dem Disney-Channel, die unweit des DJ tanzten, und einige Kandidaten aus der aktuellen Staffel Let’s dance, die sich zu einem Madonna-Remix an einem Tango versuchten. Und neben der Hollywood Elite gab es auch ein paar, die zwar nicht dazu zählten, die Dana und ich aber dennoch sofort wiedererkannten. Vor allem einen schlanken hispanisch aussehenden Typ in superkurzen Daisy-Duke-Shorts mit Zebradruck und rotem Netzshirt mit einem jungen Lover an der einen und einem Martini in der anderen Hand.
Er winkte uns in dem Moment, da er uns sah, wackelte mit seinem plastikverhüllten Po in unsere Richtung. »Maddie, Liebes, was tust du denn hier?«, säuselte er mit einem Akzent, halb Valley-Girl, halb San Francisco.
Marco arbeitete am Empfang im Salon meines Stiefvaters, während er seine Karriere als Partyplaner vorantrieb. Er war dafür bekannt, mehr Lidstrich aufzutragen als Lady Gaga, besaß mehr Lederhosen als irgendein anderer Mann (oder Frau) an der Westküste und hatte genug Drama-Queen in sich, um quasi im Alleingang sicherzustellen, dass dem Broadway in den nächsten zehn Jahren der Stoff nicht ausging. Zu seinem gegenwärtigen Look gehörte es, sein Haar grellgelb zu färben und sich einen großen schwarzen Schönheitsfleck auf die Wange zu malen, direkt oberhalb des Wangenknochens.
Ich begrüßte ihn mit gehauchten Küsschen, bevor ich seine Frage beantwortete. »Danas Freund ist Miteigentümer dieses Schuppens.«
»Hip, Süße!«, rief Marco und stieß Dana mit der Schulter an, bevor er sich wieder zu mir umdrehte. »Aber was ich meinte, war, was tust du hier? Du weißt schon, … in deinem Zustand?«, fragte er und flüsterte das letzte Wort, als würde, wenn er es laut aussprach, die Schwangerschaft zu einer ansteckenden Krankheit werden.
»Ich habe einen Riesenspaß«, zischte ich zurück.
Er rümpfte die Nase. »Ist das denn erlaubt, wenn man … du weißt schon?«
»Ich bin schwanger, nicht tot«, entgegnete ich.
Marco warf ergeben die Hände in die Luft. »Okay, okay, sorry, dass ich gefragt habe.« Er wandte sich an Dana. »Die Hormone machen sie ein bisschen empfindlich, was?«
»Wer ist dein Freund?«, fragte Dana und wechselte klugerweise das Thema, bevor sie die hormongesteuerte Frau heute Abend schon wieder von einem ahnungslosen dünnen Lebewesen wegzerren musste.
Marcos Miene hellte sich sogleich auf. »Das hier«, sagte er und deutete auf den Jungen, »ist Gunnar.«
Gunnar war groß, blond und braun gebrannt, so gebaut, als sei er gerade erst vom Dreh von Baywatch entsprungen.
»Nett, dich kennenzulernen«, sagte Dana.
Gunnar schenkte ihr ein breites Grinsen und nickte.
»Gunnar ist Norweger«, erklärte Marco. »Er spricht kein Wort Englisch. Ist das nicht göttlich?«
Wieder lächelte Gunnar und nickte.
Ich nickte zurück und winkte allgemeinverständlich grüßend. »Und er versteht auch kein Englisch?«, wollte ich wissen.
Marco schüttelte den Kopf und grinste breit. »Kein bisschen. Er ist ein Austauschstudent, der bei deiner Mutter und Fernando untergebracht ist«, erläuterte er. »Sie haben mich gebeten, ihm alles ein bisschen zu zeigen. Manchmal liebe ich meinen Job.« Er seufzte und betrachtete verträumt Gunnars Bizeps.
»Es ist nett, dich kennengelernt zu haben, Gunnar«, teilte ich ihm mit, während er mich freundlich-verständnislos anschaute. »Aber ich fürchte, ich muss mich mal rasch frisch machen gehen. Zu viel Cranberry-Saft.«
Dana blickte auf mein Glas. »Aber du hast doch nur ein paar Schluck gehabt.«
Jetzt war ich an der Reihe zu seufzen. »Ich weiß. Aber der Klobesuch ist in letzter Zeit eine Art Hobby von mir geworden. Geh du nur tanzen, ich bin gleich wieder da«, sagte ich und ging zur Treppe.
Es dauerte gut zwanzig Minuten, mir einen Weg zurück durch den überfüllten Club zu bahnen, bevor ich endlich an der Tür ganz hinten ankam, die eine Strichgestalt in einem Kleid zierte. Mein Mekka. Rasch schlüpfte ich hinein. Sogleich drangen verschiedenste Gerüche – Haarspray, Deo und etwas, das etwas weniger aromatisch roch – auf mich ein. Drei junge, ärgerlich dünne und modisch gekleidete – wie ich es früher immer auch gewesen war – Frauen standen vor dem Spiegel und brezelten sich auf. Hinter ihnen gab es zwei weiße Kabinen. Selbst hier war die Musik noch ohrenbetäubend, während ich mich bückte und versuchte unter die Türen zu spähen, auf der Suche nach Schuhen. Wie es das Glück wollte, konnte ich unter der ersten Tür ein Paar Stilettos erkennen neben einem Paar Männerschuhe. Ich hörte ein Stöhnen hinter der Metalltür, und man musste nicht sonderlich viel Fantasie besitzen, um zu erraten, was dahinter vor sich ging. Ich glaube, ich bin sogar rot geworden, während ich zur zweiten Tür weiterging, wo ich die Aktion von eben wiederholte.
Wieder Schuhe. Dieses Mal schwarze aus Satin mit hohen Absätzen mit Spitzen aus Metall. Großartig. Die Zickentussi war in der zweiten Kabine. Das war ja wieder typisch.
Ich lehnte mich gegen den Handtrockner, überkreuzte die Beine und wartete. Und wartete.
Und wartete.
Nach drei Minuten dachte ich, ich würde gleich explodieren.
»Äh, sind Sie bald fertig?«, rief ich.
Keine Antwort.
»Hier ist eine Schwangere, die gleich platzt«, warnte ich.
Wieder nichts.
Ich ging zur Kabinentür, um mit der Faust dagegenzuschlagen, aber sobald meine Hand die Tür berührte, schwang sie auf.
Und das war das erste Mal seit fünf Monaten, dass das Pinkeln auf Platz zwei auf meiner Rangliste wichtiger Tätigkeiten rutschte.
Auf dem Klo in der zweiten Kabine saß zusammengesunken das dunkelhaarige Mädchen, mit dem ich vorhin aneinandergeraten war. Und obwohl sie nicht das tat, was man normalerweise auf einer Toilette tat, war es auch klar, dass sie nicht so bald fertig sein und aufstehen würde. Ihr Kopf war zur Seite gerollt, und etwas Blut tropfte vorne auf ihr Kleid. Ihre Augen starrten zur Decke, weit aufgerissen, aber blicklos. Und absolut tot.
Wäre die Musik nicht so laut gewesen, hätte ich mich möglicherweise schreien hören können. So allerdings war das erste Anzeichen, das ich wahrnahm, dass ich überreagierte, eine Welle der Übelkeit und das wilde Schwanken des Raumes vor meinen Augen. Ich blinzelte, holte tief Luft und zwang meinen Mageninhalt, unten zu bleiben, während ich blindlings mit einer Hand nach der Wand tastete, dann noch einmal tief durchatmete.
Sobald ich mir sicher war, dass ich mich wieder zuverlässig an die Mechanismen des Atmens erinnerte, versuchte ich einen logischen Gedanken in mein Hirn zu zwängen.
Die Sache ist nämlich die: Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass dies nicht die erste Leiche ist, die ich gefunden habe. Auch wenn ich wirklich nichts dafür kann, scheine ich eine Art Magnet für tote Menschen zu sein. Genau genommen habe ich deswegen auch meinen jetzigen Ehemann kennengelernt, einen Inspektor der Mordkommission. Ich würde gerne glauben, dass es von meiner Seite einfach Pech ist, aber in Wahrheit ist mein Hang, Leichen zu finden, weit schlimmer als Pech. Es ist eine Katastrophe.
Vorsichtig streckte ich eine Hand in die Toilettenkabine und berührte die Tussi mit einem Finger am Hals, um nach ihrem Puls zu tasten. Ihre Haut war immer noch warm, fühlte sich aber irgendwie gummiartig an, wovon mir ganz mulmig wurde. Wenig überraschend ließ sich kein Puls feststellen.
Ich zog meine Hand zurück und wischte sie mir instinktiv an der Hose hinten ab, um die Tote-Leute-Bazillen loszuwerden. Ja, die weilte definitiv nicht mehr unter uns. Im Geiste wog ich ab, ob ich lieber die Polizei rufen sollte oder mir einen der kräftigen Security-Kerle schnappen, die im Crush patrouillierten. Da die Polizei anzurufen unweigerlich dazu führen würde, dass ich mit der Toten in der Toilette bleiben musste, während ich in der Leitung blieb, entschied ich mich für Option zwei.
Also schloss ich die Klotür, sandte ein stummes Gebet gen Himmel, dass niemand sonst in den nächsten zwei Minuten hier hereinstolpern würde, und verließ die Toilette.
Die Lichter des Stroboskops und die Laser von der Tanzfläche schmerzten mir in den Augen, während ich nach einem der Jungs in den schwarzen T-Shirts mit dem Aufdruck »Security« auf dem Rücken Ausschau hielt. Schließlich entdeckte ich einen in der Nähe einer Tischgruppe rechts von mir und bahnte mir meinen Weg zu ihm.
»Totes Mädchen«, keuchte ich, als ich bei ihm ankam, merkte da erst, dass ich außer Atem war.
Der Security-Kerl musterte mich aus schmalen Augen. Er war mindestens einen Fuß größer als ich und wenigstens hundert Pfund schwerer – was etwas heißen wollte angesichts meines derzeitigen Zustandes – und seine Haut war zwei Schattierungen dunkler als meine. Er hatte praktisch »harter Kerl« in einschüchternden Lettern auf die Stirn geschrieben.
»Wovon redest du, Kleine?«, fragte er.
Ich hielt inne, atmete tief ein und zwang mein Herz kraft meines Willens, nur noch ein paar Hundert Mal in der Minute zu schlagen. »In der Damentoilette. Da ist eine Leiche.«
»Bist du auf Drogen?«, wollte er wissen und kniff die Augen noch weiter zusammen, während er meine Pupillen betrachtete.
Ich schüttelte den Kopf, sodass mir das blonde Haar in die Augen fiel. »Nein. Ich schwöre es. Gehen Sie selbst nachsehen. Sie ist wirklich tot«, gelang es mir, schwer atmend zu sagen.
Er starrte mich einen Moment lang an, immer noch nicht überzeugt, dass es mein Ernst war. Dann schließlich rang er sich zu einem: »Zeigen Sie’s mir« durch.
Dorthin zurückzugehen, war wirklich das Letzte, was ich tun wollte, aber mir blieb kaum etwas anderes übrig. Daher tat ich es und führte ihn zu den Toiletten. Obwohl sich immer noch jede Menge Mädchen vor den Spiegeln drängten, um sich zu schminken, waren wenigstens Pumps und Halbschuh inzwischen fertig, sodass eine Kabine frei war. Ich deutete mit zitterndem Finger auf die andere.
