Fürsten-Roman 2591 - Adelsroman - Caroline Thanneck - E-Book

Fürsten-Roman 2591 - Adelsroman E-Book

Caroline Thanneck

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Beschreibung

Weihnachtsgrüße aus Lappland Ein Wintermärchen aus dem Hochadel Von Caroline Thanneck "Hüte dich vor Prinzessin Nora!", warnt Prinzessin Inga ihren Bruder vor dem Ball auf Schloss Riegerstein. Thorsten von Wesslin allerdings macht diese Warnung erst recht neugierig auf die Frau, die in dem Ruf steht, Männerherzen gleich reihenweise zu brechen. Als er dann der Fürstentochter begegnet, findet er sie nicht nur hinreißend schön, sondern auch herzerfrischend unkonventionell. Nora Prinzessin von Riegerstein besitzt einen Pilotenschein und liebt gefährliche Sportarten. Nach dem Ball versucht der tief beeindruckte Prinz, den Kontakt aufrecht zu erhalten, doch irgendwann ist die junge Frau wie vom Erdboden verschluckt. Fast will Thorsten seiner Schwester recht geben, da begegnet er seiner Herzensdame unter dramatischen Umständen wieder - und das ausgerechnet im tief verschneiten Lappland ...

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Seitenzahl: 119

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Inhalt

Cover

Impressum

Weihnachtsgrüße aus Lappland

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2019 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Miramiska / shutterstock

Produktion:3w+p GmbH, Rimpar (www.3wplusp.de)

ISBN 9-783-7325-9073-5

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Weihnachtsgrüße aus Lappland

Ein Wintermärchen aus dem Hochadel

Von Caroline Thanneck

„Hüte dich vor Prinzessin Nora!“, warnt Prinzessin Inga ihren Bruder vor dem Ball auf Schloss Riegerstein.

Thorsten von Wesslin allerdings macht diese Warnung erst recht neugierig auf die Frau, die in dem Ruf steht, Männerherzen gleich reihenweise zu brechen. Als er dann der Fürstentochter begegnet, findet er sie nicht nur hinreißend schön, sondern auch herzerfrischend unkonventionell. Nora Prinzessin von Riegerstein besitzt einen Pilotenschein und liebt gefährliche Sportarten. Nach dem Ball versucht der tief beeindruckte Prinz, den Kontakt aufrecht zu erhalten, doch irgendwann ist die junge Frau wie vom Erdboden verschluckt.

Fast will Thorsten seiner Schwester recht geben, da begegnet er seiner Herzensdame unter dramatischen Umständen wieder – und das ausgerechnet im tief verschneiten Lappland …

„Wirf deine Bedenken endlich über Bord, und komm mit, Thorsten.“ Unternehmungslustig sah Prinzessin Inga ihren Bruder an. „Das wird aufregend!“

„Genau das befürchte ich ja.“ Thorsten von Wesslin wirkte ausgesprochen ablehnend. „Ich werde mich auf keinen Fall auf eine Höhlentour einlassen, noch dazu unter Wasser. Und du solltest das auch nicht tun!“

„Warum denn nicht? Was soll schon passieren?“

„Du meinst, außer dass die Grotten über unseren Köpfen zusammenstürzen könnten und wir von dicken Gesteinsbrocken erschlagen werden?“

Inga winkte ab. „Diese Unterwasserhöhlen existieren schon seit Hunderten von Jahren. Sie werden garantiert auch noch halten, wenn wir hineintauchen. Stell dir nur mal vor, Thorsten: In ein paar Tagen könnten wir bereits im sonnigen Neuseeland sein und es uns gut gehen lassen.“

Dieser Gedanke war tatsächlich verlockend. Nachdenklich blickte Thorsten aus dem hohen, mit Eisblumen bedeckten Fenster seines Arbeitszimmers. Der Winter war in diesem Jahr zeitig über das Land hereingebrochen.

Bereits im November herrschte klirrende Kälte, und eine dicke Schneedecke verhüllte alles. Die Bäume im Schlosspark ächzten unter der weißen Last. Auf der anderen Erdhalbkugel hingegen begann gerade erst der Sommer. Ja, der Gedanke an Sonne und Wärme war überaus reizvoll. Thorsten überlegte, ob er sich eine Woche freinehmen könnte.

Aber dann gewann sein Blick für Risiken wieder die Oberhand, und er schüttelte den Kopf.

„Weißt du, wie viele Menschen jährlich bei Tauchgängen verunglücken, Inga?“

„Nein, und es interessiert mich auch gar nicht.“

„Es sind über dreihundert allein in Deutschland. Tauchen ist riskanter als ein Spaziergang während eines Gewitters, bei dem einem die Blitze nur so um die Ohren zucken.“

„Die Statistik ist mir egal. Wir werden vorsichtig sein, Thorsten.“ Die blauen Augen der Neunzehnjährigen blitzten vor Abenteuerlust.

„Vorsicht allein wird die Höhle aber nicht zusammenhalten.“

„Dann vergiss das Tauchen, und begleite mich einfach so. Ein Urlaub würde dir guttun. Du bist in letzter Zeit viel zu angespannt.“

Der Prinz schwieg. Angespannt? Ja, das traf es ziemlich genau. Seit sein Vater beschlossen hatte, kürzerzutreten und seinen Ruhestand vorzubereiten, lag die Verantwortung für das Familienunternehmen weitgehend auf Thorstens Schultern.

Die Wessliner Versicherung hatte weltweit Filialen und beschäftigte über achthundert Mitarbeiter. Der Prinz musste sich in viele Bereiche einarbeiten. Und er nahm seine Arbeit ernst, denn er wusste, dass der Lebensunterhalt vieler Menschen davon abhing.

„Der Konzern wird schon nicht gleich pleitegehen, wenn du eine Woche fort bist, Thorsten“, warf Inga ein.

„Aber muss es ausgerechnet Neuseeland sein? Wie wäre es, wenn wir stattdessen nach Rom fahren würden? Dort gibt es zahlreiche Museen und berühmte Bauwerke zu besichtigen.“

Inga rollte in gespieltem Entsetzen die Augen.

„Museen?“, wiederholte sie entgeistert. „Das können wir auch noch tun, wenn wir achtzig sind. Jetzt sind wir jung und sollten Abenteuer erleben! Etwas Neues sehen! Wenn du nicht mitfährst, frage ich eben Jannes. Er ist nicht so langweilig wie du.“

Ihr Vorwurf traf Thorsten tief. War er langweilig, nur weil er Risiken lieber abwog, statt sich kopfüber hineinzustürzen? Ließ er das Leben mit seinen einunddreißig Jahren an sich vorüberziehen? Dieser Gedanke gefiel ihm ganz und gar nicht.

„Ich dachte, dein Freund Jannes hätte im Herbst mit dem Studium angefangen. Kann er denn so einfach weg?“

„Er beginnt erst nächstes Jahr an der Universität. Bis dahin will er sich die Welt ansehen, ebenso wie ich.“ Inga reckte das Kinn vor. „Überleg dir, ob du nicht doch mitkommen willst, ja?“

„Einverstanden.“ Thorsten schloss den Aktenordner, der vor ihm auf dem Schreibtisch lag.

Er stand auf und zupfte die Ärmel seiner Smokingjacke zurecht, die sich um seine muskulösen Schultern spannte.

Inga trat vor ihn und band ihm die Fliege neu, die er über seinem blütenweißen Hemd trug.

„Wieso hast du dich eigentlich so aufgebrezelt?“, wollte sie wissen. „Hast du eine Verabredung?“

„Leider nicht. Ich habe noch einen geschäftlichen Termin, und danach geht es weiter zum Ball auf Schloss Riegerstein, vor dem du dich ja erfolgreich gedrückt hast.“

„Ach ja, richtig.“ Inga kicherte. Offizielle Anlässe waren ihr ein Gräuel. Sie ging lieber mit ihren Freunden aus, als sich dem steifen Zeremoniell der Gesellschaft zu unterwerfen. „Pass nur auf, dass du dich von Prinzessin Nora fernhältst.“

„Warum denn das?“

„Es heißt, dass die Erbin von Schloss Riegerstein schon so manchem Mann das Herz gebrochen hat. Die reinste Circe soll sie sein: bildhübsch, aber kühl bis ins Mark.“

„Tatsächlich?“ Thorsten horchte auf. „Nun, bei der Menge der geladenen Gäste werde ich ohnehin kaum mehr als zwei Worte der Begrüßung mit ihr wechseln können.“

„Gut so. Such dir lieber unter den anderen Frauen eine Tänzerin, und mach um Nora einen Bogen. Wer weiß, vielleicht triffst du auf dem Ball sogar die Richtige.“

„Mach dir da lieber keine Hoffnungen, Schwesterchen. Um mich zu verlieben, fehlt mir im Moment wirklich die Zeit.“

„Das ist doch keine Frage der Zeit!“, protestierte Inga.

„Bei mir schon“, entgegnete Thorsten mit einem vielsagenden Blick auf den Stapel Dokumente auf seinem Schreibtisch, der ihn beinahe überragte.

„Du brauchst dringend eine Frau, wenn du immer nur an Arbeit denkst. Am besten eine mit Sinn fürs Abenteuer. Das wäre ein guter Ausgleich.“

„Um Himmels willen. Eine Inga in der Familie reicht mir völlig“, wehrte er trocken ab. „Wenn ich einmal heirate, dann nur eine nette, ruhige Frau, die ihren Bedarf an Aufregungen mit dem Lesen eines Kriminalromans abdeckt.“

Seine Schwester schickte in gespielter Verzweiflung einen Blick zur Decke.

Im selben Augenblick klopfte es an der Tür des Arbeitszimmers. Ein Butler in dunkler Livree trat ein und verbeugte sich leicht.

„Ihr Wagen ist gerade vorgefahren, gnädiger Herr.“

„Vielen Dank, Vinzenz. Ich werde jetzt besser aufbrechen, wenn ich rechtzeitig in Riegerstein sein möchte.“ Thorsten umarmte seine Schwester zum Abschied.

„Tu alles, was ich auch tun würde“, raunte sie ihm zu.

„Ich werde mich hüten.“ Thorsten schmunzelte noch, als er bereits im Fond seiner Limousine Platz genommen hatte.

Karl Haufer, sein Chauffeur, ordnete den Wagen mit ruhiger Hand in den Verkehr ein. Unterdessen widmete sich der Prinz den Unterlagen, die er während der einstündigen Fahrt durchgehen wollte. Schon bald war er in seine Arbeit vertieft.

Die Fahrt verging wie im Flug. Als Thorsten die Mappe mit den Risikokalkulationen schloss, entdeckte er auf einer Anhöhe bereits Schloss Riegerstein. Die Sonne stand tief über dem Schloss und tauchte das Anwesen in ein rotgoldenes Licht.

„Wunderschön“, stellte der Prinz bei sich fest.

Die Straße verlief parallel zu einem Fluss, über den sich ein Viadukt spannte. Fünf Bögen reichten von einem Ufer zum anderen. Thorstens Blick streifte die Brücke nur flüchtig, in Gedanken war er schon bei dem Geschäftstermin, den er vor dem Ball noch wahrnehmen wollte.

Doch dann bemerkte er, dass eine zierliche Gestalt hoch oben auf dem Brückengeländer stand und das Gesicht dem Abgrund zugewandt hatte. Ihre Züge waren aus der Entfernung unmöglich auszumachen, doch eine Flut goldblonder Locken leuchtete in der Abendsonne.

Dem Prinzen stockte der Atem.

Die Frau würde doch nicht etwa …?

Er brachte den Gedanken nicht zu Ende, sondern klopfte energisch an die Glasscheibe, die den Fond vom Fahrersitz trennte. Sein Chauffeur verstand sofort, lenkte das Fahrzeug an den Straßenrand und stoppte.

Thorsten sprang aus dem Wagen und eilte hinüber zu dem Viadukt. Seine Schritte knirschten im Schnee. Ihm war klar, dass er die Fremde nicht mehr rechtzeitig erreichen würde, wenn sie wirklich springen wollte. Aber vielleicht zögerte sie noch und ließ sich von ihm von ihrer Verzweiflungstat abhalten?

„Warten Sie!“, rief er. „Ich möchte mit Ihnen reden!“

Er hatte kaum ausgesprochen, als das Befürchtete geschah: Mit einem gewaltigen Satz stürzte sich die Fremde vom Brückengeländer!

„Nein!“ Thorsten stöhnte auf. „Himmel, warum …“

Unvermittelt stutzte er, denn die zierliche Gestalt der Fremden tanzte regelrecht in der Luft. Sie stürzte nicht in den Fluss, sondern wippte auf und nieder, als hätte sie Flügel. Wie war das nur möglich?

Thorsten kniff die Augen zusammen. Und dann sah er es: Um die schmale Taille der Fremden war ein Seil befestigt, das sie mit dem Brückengeländer verband. Was er für einen tödlichen Sturz gehalten hatte, war in Wirklichkeit nur ein Spiel mit der Gefahr gewesen!

Hörbar ließ er den Atem seinen Lungen entweichen. Er wandte sich um und wollte zu seinem Wagen zurückkehren. Da hörte er hinter sich einen unterdrückten Schmerzensschrei. Augenblicklich wirbelte er herum und beobachtete, wie die Fremde gegen den Stamm einer hohen Kiefer geschleudert wurde. Offenbar hatte eine Windböe sie erfasst und mitgerissen!

Hilflos baumelte sie nun im Geäst, während sich das Seil um ihrer Taille heillos in den dichten Zweigen verfangen hatte.

„Hilfe!“, erklang ihr heller Ruf.

Da konnte er nicht anders. Er eilte zu dem Nadelbaum und blickte forschend nach oben. Die Äste sahen stabil genug aus, um ihn zu tragen. Thorsten griff nach dem untersten, schwang sich hinauf und fasste sofort nach dem nächsten. Kiefernnadeln stachen in seine Hände, und Harz beschmutzte seinen Smoking. Doch darauf achtete er nicht.

„Halten Sie sich fest!“, rief er der Fremden zu. „Ich werde das Seil durchtrennen.“

„In Ordnung“, presste sie hervor.

„Sind Sie so weit? Haben Sie Halt?“

„Moment … Ja, es kann losgehen.“

Thorsten holte sein Taschenmesser hervor und begann, das Seil durchzuschneiden. Es war beinahe so dick wie seine Faust und ließ sich nicht leicht zertrennen. Doch nach einigen kraftvollen Schnitten war es geschafft. Das Seilende rauschte zu Boden, und die Fremde war frei.

Geschickt wie eine Turnerin befreite sie sich aus dem Geäst und kletterte auf die Erde. Thorsten tat es ihr gleich. Als er wieder festen Boden unter den Füßen hatte, sah er die Frau prüfend an.

„Ist alles in Ordnung mit Ihnen?“, erkundigte er sich.

„Ja – gut, dass Sie gekommen sind. Haben Sie vielen Dank!“ Die Fremde schenkte ihm ein strahlendes Lächeln. Dabei funkelten ihre Augen. „War das ein Sprung! Herrlich!“

„Herrlich? Das wäre beinahe ein Sprung ins Unglück geworden!“, polterte er. „Um ein Haar wären Sie von irgendeinem Ast aufgespießt worden. Was haben Sie sich nur dabei gedacht, bei diesem Wetter so etwas zu wagen?“

„Was wäre das Leben ohne Abenteuer?“ Die Fremde blinzelte ihm schelmisch zu. „Wir sehen uns sicher bald wieder, Prinz Thorsten! Dann können wir uns darüber unterhalten.“ Damit wandte sie sich auf dem Absatz um und ging davon.

Woher kannte sie seinen Namen? Verblüfft sah er ihr nach. Er konnte sich nicht erinnern, dass sie einander schon einmal begegnet waren. Dafür beschlich ihn auf einmal das Gefühl, dass die Fremde schon bald für einigen Wirbel in seinem Leben sorgen würde.

„Wo bleibst du nur, Nora?“ Ärgerlich sah Fürst Johannes seiner Tochter entgegen. „Und wie siehst du überhaupt aus? Wie ein Waldarbeiter!“

„Ich war nur auf einen Sprung bei der Schwarzbachbrücke.“ Unbekümmerte zupfte Nora einige Kiefernnadeln von ihrer weißen Steppjacke.

„Auf einen Sprung?“ Der Fürst seufzte hörbar. „Du bringst mich noch in ein frühes Grab mit deinen gefährlichen Vorlieben. Warum kannst du nicht wandern gehen oder Gedichte schreiben wie andere junge Frauen?“

„Ich bin schon vorsichtig, Papa. Mach dir nur keine Sorgen!“

Nora gab ihrem Vater einen Kuss auf die Wange und achtete darauf, seinen eleganten Abendanzug nicht mit Kiefernnadeln zu beschmutzen. Vorsichtshalber erwähnte sie nicht, dass der Wind sie an diesem Tag um ein Haar das Leben gekostet hätte, wäre Prinz Thorsten nicht eingeschritten. Sie hatte den Sprung genau berechnet, ihr Gewicht und die Seillänge drei Mal überprüft, doch auf eine so starke Windböe war sie nicht gefasst gewesen.

„Ich mache mir immer Gedanken, wenn du unterwegs bist, Nora. Ist alles in Ordnung mit dir?“, hakte der Fürst nach.

„Mir geht es gut“, versicherte sie. „Es gibt nichts Besseres als einen Adrenalinkick, um hellwach zu werden.“

„Na, ich weiß nicht. Mir genügt die Sorge um dich, um keinen Schlaf zu finden.“ Mit einem Lächeln nahm ihr Vater seinen Worten die Spitze.

Obwohl er die Fünfzig bereits überschritten hatte, wirkte er mit seiner straffen Haltung und den dunkelblonden Haaren keinen Tag älter als ein Mann in den Vierzigern. Er musterte Nora prüfend, als wollte er sich vergewissern, dass sie unversehrt war.

„Unsere Gäste kommen gleich, und du bist noch nicht einmal umgezogen“, stellte er vorwurfsvoll fest.

„Ach, Papa, ich habe doch noch fast eine Stunde Zeit und würde gerne noch ein bisschen auf Joker ausreiten.“

„Heute nicht mehr. Du weißt, wie wichtig dieser Abend ist. Deine Mutter und ich veranstalten diesen Ball nur aus einem einzigen Grund: Du sollst die Vergangenheit endlich vergessen und neu anfangen.“

„Mich neu verlieben, meinst du“, brachte Nora es auf den Punkt. „Aber ich bin noch nicht wieder bereit dazu. Vielleicht bin ich es nie mehr.“

„Nie mehr?“ Bestürzt sah der Fürst sie an. „Aber Nora, eine junge Frau wie du ist nicht dafür gemacht, allein zu bleiben. Du solltest heiraten, eine Familie gründen. Dann würdest du auch ruhiger werden.“

„Wenn die Ehe einem alle Freiheiten raubt, denke ich erst recht nicht daran, zu heiraten.“ Nora schüttelte den Kopf.

Mit weiteren Ermahnungen ihres Vaters im Ohr zog sie sich nach oben in ihre Zimmer zurück, um ein Bad zu nehmen.

Bereits eine halbe Stunde später war sie fertig und umgezogen. Sie betrachtete sich prüfend im Spiegel. Das rote Abendkleid war ein Geschenk ihres Großvaters. Er hatte es ihr von einer Asienreise mitgebracht.

Es war aus feinster Seide angefertigt und schimmerte und raschelte bei jeder Bewegung. Das schmal geschnittene Oberteil ließ ihre Schultern frei und ging in einen langen, schwingenden Rock über. Nora entschied sich, ihre blonden Haare zu einem Knoten aufzustecken. Sie befestigte ihn mit einer Diamantnadel, die die Form einer Rose hatte, und war fertig.