Fürsten-Roman 2684 - Caroline Thanneck - E-Book

Fürsten-Roman 2684 E-Book

Caroline Thanneck

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Beschreibung

Im kleinen Fürstentum Martenstein versucht die junge Ärztin Zara, irgendwie die schrecklich bittere Trennung von ihrem langjährigen Lebensgefährten Hendrik zu verarbeiten. Zaras Tante Henriette kümmert sich rührend um ihre Nichte und schlägt zur Aufmunterung eine Besichtigung des Fürstenschlosses Martenstein vor. Eher widerwillig rafft die junge Frau sich auf, ihren Kokon aus Selbstmitleid und Angst vor der Zukunft zu verlassen, doch dann nimmt der Charme des Schlosses und seiner schönen Anlagen sie doch gefangen. Und plötzlich steht da dieser Mann - ein Gärtner im Schlosspark, der Zara, die sich verlaufen hat, wieder den Weg weist. Groß ist er, attraktiv, redegewandt, offen und so sympathisch, dass Zara einfach nicht anders kann, als seine Einladung zu einem Konzert im Schloss anzunehmen. Eine Einladung mit Folgen - Folgen, die Zara in große Gefahr bringen, in Lebensgefahr ...



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Inhalt

Cover

Mit einem Kuss fing alles an

Vorschau

Impressum

Mit einem Kuss fing alles an

Werden Zara und Gabriel alle Hindernisse überwinden?

Von Caroline Thanneck

Im kleinen Fürstentum Martenstein versucht die junge Ärztin Zara, irgendwie die schrecklich bittere Trennung von ihrem langjährigen Lebensgefährten Hendrik zu verarbeiten. Zaras Tante Henriette kümmert sich rührend um ihre Nichte und schlägt zur Aufmunterung eine Besichtigung des Fürstenschlosses Martenstein vor. Eher widerwillig rafft die junge Frau sich auf, ihren Kokon aus Selbstmitleid und Angst vor der Zukunft zu verlassen, doch dann nimmt der Charme des Schlosses und seiner schönen Anlagen sie doch gefangen. Und plötzlich steht da dieser Mann – ein Gärtner im Schlosspark, der Zara, die sich verlaufen hat, wieder den Weg weist. Groß ist er, attraktiv, redegewandt, offen und so sympathisch, dass Zara einfach nicht anders kann, als seine Einladung zu einem Konzert im Schloss anzunehmen. Eine Einladung mit Folgen – Folgen, die Zara in große Gefahr bringen, in Lebensgefahr ...

Die Grabstelle musste hier irgendwo sein. Ganz in der Nähe.

Zara spürte, wie sich die Finger ihres Freundes fester um ihren Oberarm schlossen. Sie zuckte zusammen, was ihn veranlasste, seinen Griff zu lockern. Sein Schweigen war jedoch so voller Vorwurf, dass es ihr in den Ohren dröhnte.

»Wir sind gleich da«, versicherte sie ihm.

»Das will ich hoffen«, brummte Hendrik. »Wir dürfen Onkel Theodors Begräbnis auf keinen Fall verpassen. Das weißt du.«

»Werden wir auch nicht«, versicherte Zara.

»Meine ganze Zukunft hängt davon ab.«

Das wiederum bezweifelte Zara, aber sie hütete sich, ihren Gedanken laut auszusprechen. Diesen Fehler hatte sie schon einmal begangen. Daraufhin war sein Gesicht so rot angelaufen, dass sie ernsthaft befürchtet hatte, ihn würde jeden Moment der Schlag treffen. Schweigend kaute sie auf ihrer Unterlippe.

»Was ist?«, bellte er.

»Was meinst du?«

»Ich kann dich denken hören. Worüber sinnst du nach?«

»Nun, es steht alles schon fest, weißt du? Das Testament deines Onkels. Ob wir heute pünktlich sind oder nicht, wird nichts daran ändern, was er verfügt hat«, versuchte seine Freundin, die Wogen zu glätten.

»So einfach ist das nicht. Er hatte keine eigenen Kinder – und er wusste meine Arbeit zu schätzen. Ich bin sicher, er hat mich bedacht.«

»Das ist alles bereits geregelt. Also, entspann dich!«

»Ich soll mich entspannen? So redest du nur, weil du keine Ahnung hast, wie vermögend er wirklich war«, fuhr Hendrik auf, jetzt wirklich ungehalten.

»Vermögend vielleicht, aber nicht glücklich.«

Zara war seinem Onkel nur ein Mal begegnet, als Hendrik sie zu einem Besuch bei ihm mitgenommen hatte. Theodor von Niederau hatte auf sie den Eindruck eines zutiefst einsamen Mannes gemacht. Er hatte sich nach dem Tod seiner Frau von allem zurückgezogen, auch von seinen Geschäften. Seine Großbäckerei hatte Hendrik für ihn geleitet. Aus diesem Grund machte er sich nun durchaus nicht unberechtigte Hoffnungen, die Firma zu erben – auch wenn Theodor nicht wirklich sein Onkel gewesen war. Eher der Vetter des Großvaters vom angeheirateten Schwager seiner Mutter. Oder so ähnlich.

Zara hatte die Verhältnisse seiner Verwandtschaft nie ganz durchschaut.

»Ist das die Trauerhalle?«

Hendrik blieb stehen und hob den Kopf zu dem Flachbau, der zu ihrer Linken aufragte.

»Nein.« In Zaras Magen sammelte sich ein flaues Gefühl. »Die Friedhofsgärtnerei.«

»Aber hier waren wir schon. Sind wir etwa im Kreis gelaufen?«

»Sieht ganz so aus«, befürchtete Zara und blieb stehen.

Umständlich kramte sie den Wegeplan aus ihrer Tasche und entfaltete ihn. Dabei spürte sie, wie ihre Absätze langsam in den schlammigen Boden einsanken und verwünschte im Stillen ihren Entschluss, die schwarzen Stilettos anzuziehen. Auf dem vom Regen aufgeweichten Erdboden war das wirklich nicht das richtige Schuhwerk. In Anbetracht ihrer Vorliebe für bequeme Sneaker hatte ihr Schuhschrank ihr allerdings keine große Wahl gelassen.

Sie beugte den Kopf über den Lageplan und fuhr mit einem Finger den mit rotem Farbstift markierten Weg nach, der zu der Grabstelle von Hendriks Onkel führen sollte.

Also: Hier war Friedhofsgärtnerei ... Dann musste weiter vorn die Station mit den Gießkannen sein. An dieser Stelle mussten sie links abbiegen und weiterlaufen bis zum Mausoleum der Unternehmerfamilie von Schiller. Dort durften sie nicht auf den Waldfriedhof einbiegen, sondern sollten noch zweimal links gehen, um die Reihe mit der Grabstelle zu erreichen.

Zara straffte sich und atmete tief durch.

»Wir müssen da lang.« Sie deutete nach vorn.

»Bist du dir sicher?«

»Ziemlich sicher.«

»Zara ...«, sprach Hendrik ihren Namen so langsam aus, dass er sich dehnte wie ein Kaugummi.

»Das wird schon«, verkündete sie betont munter, stutzte jedoch, weil vor ihnen kein Gießkannenverleih zu entdecken war.

Nach kurzem Überlegen drehte sie den Lageplan um einhundertachtzig Grad. Doch auch das half nichts. Ihr Blick wanderte zwischen dem Lageplan und der Umgebung hin und her. Die Wirklichkeit schien – wie so oft, wenn sie es recht bedachte – nicht zu ihrem Plan zu passen. Sie konnte sich gerade noch davon abhalten, mit den Zähnen zu knirschen, als sie eine zweite Friedhofsgärtnerei auf der Zeichnung entdeckte.

Es gab zwei davon? Ach herrje! Und vor welcher standen sie gerade?

Unsicher sah sie sich um. Gepflegte Buchsbaumhecken trennten die Bereiche des Friedhofs voneinander ab. In den wie mit dem Lineal gezogenen Reihen ruhten viele bekannte Persönlichkeiten aus der Stadtgeschichte – darunter auch Straßenräuber und Wilderer aus längst vergangenen Jahrhunderten. Die Inschriften auf ihren Gräbern waren kaum noch zu entziffern, zeugten jedoch von einem bewegten Leben.

Jetzt war jedoch keine Zeit, um darüber nachzudenken. Ein entnervtes Schnaufen drängte Zara zur Eile. Sie sog die Unterlippe zwischen die Zähne.

»Wir müssen dort weiter«, entschied sie und setzte sich wieder in Bewegung.

Hendrik hielt sich neben ihr. Der tadellose Sitz seines schwarzen Anzugs verriet den guten Schneider. Ihr Freund hatte außerdem eine Vorliebe für handgenähte italienische Schuhe und einen namhaften Herrenduft, der ihn auch an diesem Nachmittag umwehte. Zara selbst trug das einzige schwarze Kleid, das sie besaß – ein schlichtes Etuikleid, über das sie eine dunkle Stola geschlungen hatte, zum Schutz vor dem für diese Jahreszeit ungewöhnlich kalten Wind.

Von der nahen Kirche wehte ein einzelner Glockenschlag heran. Noch eine halbe Stunde ...

Unwillkürlich beschleunigte Zara ihre Schritte.

Neben ihr knirschte ihr Freund mit den Zähnen. Hendrik verabscheute es, sich auf andere verlassen zu müssen, aber an diesem Tag brauchte er Zara – oder vielmehr ihre Augen. Nach der Laserbehandlung war seine Sicht noch verschwommen. Er durfte nicht lesen und sich schon gar nicht hinter das Steuer eines Wagens setzen. Zara hatte den Eindruck, dass er kaum den Weg erkennen konnte. Um seine Augen zu schützen, trug er trotz des wolkenverhangenen Himmels eine Sonnenbrille.

Der Termin für seine Operation hatte seit Monaten festgestanden. Damals konnte noch niemand damit rechnen, dass er nur einen Tag später zu einem Begräbnis gehen musste. Niemand hatte vom schwachen Herzen seines Onkels gewusst.

Sie stapften eine Weile weiter. Außer ihnen waren kaum Menschen zu sehen. Allmählich wurde der Regen stärker. Dicke Tropfen trommelten auf Zaras Schirm und zerplatzten in den Pfützen, die sich hier und da gebildet hatten.

»Zara?« Seine Stimme grollte wie nahender Donner.

»Wir sind gleich da«, versicherte sie und betete, dass sie sich nicht täuschte.

Dieser Kirchhof schien kein Ende zu nehmen.

Zara verwünschte ihren Orientierungssinn – oder besser gesagt, den Mangel daran. Schon als Kind hatte sie sich immer wieder verlaufen. Der Heimweg vom Spielplatz? Jeden Tag ein neues Abenteuer! Später an der Uni hatte sie sich Skizzen gemacht, um ihre Hörsäle zu finden. Und als sie ihre Stelle im Städtischen Klinikum angetreten hatte, war sie statt im OP öfters auf der Geburtsstation oder in der Cafeteria gelandet. Manchmal passierte ihr das immer noch ...

Sollten sie nicht längst am Ziel sein?

In der Nähe kauerte eine weißhaarige Frau und zupfte welkes Laub von einem Grab. Ihr Rücken war gebeugt, und ein Rollator stand neben ihr. In dem Körbchen am Lenker stand eine Schale mit bunten Sommerblumen.

»Entschuldigen Sie bitte«, sprach Zara die Fremde an.

Diese richtete sich auf.

»Zur Schule wollen Sie?« Ein freundliches Lächeln huschte über ihr Gesicht. »Da sind Sie hier aber ganz falsch, meine Liebe. Das ist der Friedhof.«

»Oh nein, wir möchten nicht zur Schule«, stellte Zara eilig richtig. »Wir suchen die Reihe Nummer achtzehn. Sie müsste in der Nähe des Ehrenhains sein.«

»Es tut mir leid.« Die Frau legte eine Hand an ihr Ohr. »Was haben Sie gesagt?«

»Der Ehrenhain. Wie kommen wir dorthin?«

»Ich weiß leider nicht, wann der Himmel aufklart, meine Liebe.«

Zara seufzte leise.

»Zara!«, zischte Hendrik. »Wir müssen weiter!«

»Schon gut. Haben Sie vielen Dank.«

Zara hatte eine kleine Bank entdeckt und marschierte nun daran vorüber. Hier waren sie richtig. Zumindest hoffte sie das sehr, denn auf ihrem Plan war ebenfalls eine Bank eingezeichnet.

Diesmal schien ihnen das Glück tatsächlich hold zu sein, denn als sie ein Stück den Hügel hinaufgelaufen waren, tauchte zu ihrer Linken ein Meer aus schwarzen Regenschirmen auf, die sich um ein offenes Grab scharten.

»Das muss es sein. Wir sind da.«

»Soll das etwa heißen, die Zeremonie läuft schon?«

»Sieht ganz so aus.«

Zara eilte zu den Versammelten und stellte sich mit ihrem Freund in die hintere Reihe. Es wäre unhöflich gewesen, sich nach vorn durchzudrängen. Allerdings verrieten die Furchen auf Hendriks Stirn, dass er ganz und gar nicht gern in der letzten Reihe stand.

»... und so möchte ich den Sohn des Verstorbenen nun bitten, vorzutreten und ein paar Worte zu sagen«, führte der Pfarrer gerade an.

Seinen Sohn? Zara krauste die Stirn.

Neben ihr lief ein Ruck durch Hendrik.

»Sohn?«, murmelte er. »Ich dachte, der alte Zausel hatte keine Kinder. Woher kommt denn plötzlich ein Sohn? Der Bursche will sich ganz sicher das Erbe schnappen, aber da hat er sich geschnitt...«

»Shhh!«, kam es von mehreren Seiten.

Schirme wurden gehoben. Köpfe gedreht. Und tadelnde Blicke auf sie beide abgeschossen.

Zaras Gesicht glühte plötzlich.

Neben ihr schaute Hendrik grimmig in die Runde, dann fluchte er verhalten.

»Das ist die falsche Beerdigung!«, rief er. »Herrgott noch mal! Zara! Wo hast du uns jetzt wieder hingebracht?«

Nun drehten sich endgültig alle Köpfe zu ihnen.

Verwirrt blickte Zara sich um. Nun, wo sich die Regenschirme hoben, konnte sie die Versammelten sehen und tatsächlich nicht ein einziges vertrautes Gesicht entdecken.

Oh nein!

»Es tut uns leid ...« Sie hob entschuldigend die Hände. »Wir haben uns geirrt.«

Sie machte ein paar Schritte rückwärts, dann wandte sie sich um und entfernte sich von den Versammelten.

Ihr Freund folgte ihr, schnaubend wie ein Stier, der einen Konkurrenten auf seiner Wiese entdeckt hatte.

»Verdammt noch mal, Zara, kannst du nicht ein Mal etwas richtig machen?«, schimpfte er. »Das hier, das ist ein wichtiger Tag für mich.«

»Ich weiß, aber die Wege auf diesem Friedhof sind so verwirrend. Er ist das reinste Labyrinth.«

»Nur für dich. Weil du mit den Gedanken woanders bist.«

»Das ist nicht fair, Hendrik«, wehrte sich seine Freundin.

»Nicht fair? Ich sage dir, was nicht fair ist: Wenn mir die Firma durch die Lappen geht, weil ich dieses elende Begräbnis verpasse!«

Er war stehen geblieben und hatte die Hände auf die Hüften gestemmt. Seine Augen waren hinter den getönten Brillengläsern verborgen, aber Zara ahnte, dass sie zornige Funken sprühten.

Sie wollte ihn daran erinnern, dass sein Onkel sein Vermächtnis wohl kaum davon abhängig gemacht hatte, wer ihm die letzte Ehre gab, aber sie schluckte die Erwiderung hinunter. Wer wusste schon, was in dem Testament stand? Hendrik kannte seinen Onkel besser als sie. Womöglich hing wirklich alles in der Schwebe?

»Ich werde zu dem Pfarrer gehen und ihn nach dem Weg fragen.«

»Nein, das wird nicht mehr nötig sein.«

»Aber wir wissen immer noch nicht, wo wir hinmüssen.«

»Du musst lediglich zum Ausgang, Zara. Ich werde den Pfarrer selbst fragen.«

»Zum Ausgang?« Verwirrt sah sie ihn an. »Hast du etwas im Wagen vergessen?«

»Nein. Ich werde allein zum Begräbnis gehen. Das hier ... das funktioniert nicht.«

»Was meinst du damit?«

»Das mit uns. Du und ich ... Ich merke schon lange, wie sehr mich deine Unzuverlässigkeit nervt. Heute hast du das Fass zum Überlaufen gebracht. Ich will das nicht mehr. Es reicht. Endgültig.«

Unzuverlässigkeit? Zara zuckte zusammen, als hätte er sie geschlagen. Sie war nicht unzuverlässig. Sie fand nur nicht immer den verabredeten Treffpunkt und verspätete sich, wenn sie nach dem Restaurant oder Kino länger suchen musste als geplant. Das hatte nichts mit ... Moment! Hatte er gerade mit ihr Schluss gemacht?

Entsetzt beobachtete sie, wie er sich von ihr abwandte und auf einen Mann am Rand der Versammelten zumarschierte. Dieser trug einen Knopf im Ohr. Ein Sprechfunkgerät? Nach einem kurzen Wortwechsel nickte der andere Mann, fasste Hendrik am Arm und führte ihn davon.

»Hendrik?« Zara blickte ihnen nach. »Hendrik, warte doch!«

Ihr Freund drehte sich nicht noch einmal um.

Mit einer Mischung aus Fassungslosigkeit und Unglauben blieb sie zurück. Das geschah doch gerade nicht wirklich, oder?

Erneut war die Aufmerksamkeit der Trauergesellschaft auf sie gerichtet. Zara entdeckte bei zwei weiteren Gästen Ohrstöpsel. Die beiden Männer waren von kräftiger Statur, und ihren wachsamen Augen schien kein Detail zu entgehen.

Das sind Wachleute, ging es Zara durch den Kopf.

Noch immer waren ihre missbilligende Blicke auf Zara gerichtet. Sie murmelte eine weitere Entschuldigung, lief ein paar Schritte und entdeckte eine Bank, die von Hecken umstanden und von fremden Blicken geschützt war. Hier ließ sie sich nieder, ohne darauf zu achten, wie nass die Sitzfläche war. Im Handumdrehen war ihr Kleid durchnässt und klebte ihr unangenehm auf der Hand.

Ihre Sicht verschwamm, und ihre Wangen wurden feucht. Doch das kam nicht vom Regen. Zara öffnete ihre Tasche und tastete nach einem Taschentuch. Vergeblich.

Ging heute wirklich alles schief? Wer erschien ohne ein Taschentuch auf einem Begräbnis? Nun, sie jedenfalls nicht, denn sie war dort nicht mehr erwünscht ...

Das Knirschen von Schritten war zu vernehmen und wurde lauter. Jemand näherte sich. Bedauerte Hendrik seine schroffen Worte bereits? Kam er, um sie zu holen?

Sie wischte sich hastig die Tränen vom Gesicht. Doch es war nicht Hendrik, der nun vor sie trat und sie forschend ansah.

Es war ein Fremder in einem dunklen Anzug, einer der Gäste der Zeremonie, die sie gestört hatten. Der Stoff spannte sich über seinen breiten Schultern, und seine sonnengebräunte Haut verriet, dass er sich gern und viel im Freien aufhielt. Er mochte einige Jahre älter als sie sein, dazu war er einen Kopf größer. Seine Haare waren dunkel und leicht gewellt. Ein gepflegter Bart zierte sein Gesicht und zeichnete die kantigen Linien seines Kiefers nach. Nach einem Blick in ihr Gesicht zog er ein Taschentuch hervor und reichte es ihr.

»Geht es Ihnen nicht gut?«

Seine Stimme war warm und dunkel und ein wenig rauchig. Sie erinnerte Zara an eines der Torffeuer, an denen sie sich während ihrer Wanderreise durch Schottland abends gewärmt hatte.

»Mein Freund hat mich gerade verlassen«, erwiderte sie leise.

Er runzelte die Stirn und hakte nach: »Der Schreihals?«

»Der ... was? Oh. Ja.« Zaras Wangen erwärmten sich vor Verlegenheit. »Es tut mir wirklich leid, dass wir Ihre Zeremonie unterbrochen haben.«

»Machen Sie sich darüber keine Gedanken. Was wäre eine Beerdigung ohne einen kleinen Eklat?«

Ein Lächeln zupfte an seinen Mundwinkeln.

»Darf ich fragen, wer da begraben wird? Jemand Prominentes?«, forschte Zara vorsichtig.

»Wie kommen Sie denn darauf?«

»Wegen der Security.«

»Ah, verstehe. Sie sind sehr aufmerksam, aber ihre Anwesenheit ist nur eine Vorsichtsmaßnahme.« Er deutete über seine Schulter hinter sich. »Ich muss zurück.« Er deutete hinter die Hecke, wo eine gedämpfte Männerstimme zu hören war. »Kommen Sie zu mir, wenn Sie etwas benötigen. Ich bin da.«

»Danke.« Zara nickte.

Er sah sie noch einen Augenblick forschend an, als wollte er sichergehen, dass sie zurechtkam, dann wandte er sich um und kehrte zu den Versammelten zurück. Zu spät fiel ihr ein, dass sie sein Taschentuch noch in der Hand hielt – und dass er ihre Frage nicht beantwortet hatte.

Unschlüssig blickte sie sich um – keine Spur von Hendrik.