Fürsten-Roman 2754 - Caroline Thanneck - E-Book

Fürsten-Roman 2754 E-Book

Caroline Thanneck

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Beschreibung

Sorgenfalten graben sich in die Stirn des Fürsten. Richard von Korff betrachtet seine Tochter argwöhnisch. Die schöne Prinzessin Melanie kann noch so oft behaupten, dass sie Maximilian Prinz von Hartenstein liebt und er der perfekte Mann für sie ist - Fürst Richard weiß es besser. Der bodenständige und pragmatische Prinz arbeitet viel und vergisst darüber gerne die romantischen Sehnsüchte seiner Verlobten. Maximilian gilt als kalter Geschäftsmann und erscheint dem Fürsten ganz und gar nicht als geeignete Partie für die sensible Tochter. Aber was tun? Melanie ist von diesem Mann nicht abzubringen und so schmiedet Fürst Richard einen Plan, der seiner Tochter zum Glück verhelfen soll - und alles nur noch schlimmer macht ...

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Seitenzahl: 135

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Inhalt

Cover

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Frühlingsküsse auf Schloss Hartenstein

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Impressum

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Inhaltsverzeichnis

Inhaltsbeginn

Impressum

Frühlingsküsse auf Schloss Hartenstein

Ist Prinz Maximilian der Richtige?

Von Caroline Thanneck

Sorgenfalten graben sich in die Stirn des Fürsten. Richard von Korff betrachtet seine Tochter argwöhnisch. Die schöne Prinzessin Melanie kann noch so oft behaupten, dass sie Maximilian Prinz von Hartenstein liebt und er der perfekte Mann für sie ist – Fürst Richard weiß es besser.

Der bodenständige und pragmatische Prinz arbeitet viel und vergisst darüber gerne die romantischen Sehnsüchte seiner Verlobten. Maximilian gilt als kalter Geschäftsmann und erscheint dem Fürsten ganz und gar nicht als geeignete Partie für die sensible Tochter.

Aber was tun? Melanie ist von diesem Mann nicht abzubringen, und so schmiedet Fürst Richard einen Plan, der seiner Tochter zum Glück verhelfen soll – und alles nur noch schlimmer macht ...

»Lieber Himmel! Ich bin so aufgeregt, dass ich platzen könnte!« Melanie von Korff presste ihre Nasenspitze gegen die Fensterscheibe der Limousine. Auf ihren Wangen zeichneten sich rote Flecken ab, und ihre Augen leuchteten erwartungsvoll.

»Vorsicht«, warnte ihre Freundin Liane von Ried lächelnd. »Wenn du so weitermachst, beult sich die Scheibe bald aus. Davon wäre der Chauffeur sicherlich nicht begeistert.«

»Das glaube ich auch«, lachte die Prinzessin. Sie wickelte eine Strähne ihrer dunklen Locken um ihren Zeigefinger und ließ keinen Blick von der hügeligen, grünen Landschaft.

Die beiden Freundinnen saßen nebeneinander im Fond der Limousine, auf deren Motorhaube die Fahne der Familie von Korff wehte. Vor zwei Stunden waren sie in Irland gelandet und nun unterwegs nach Killmore Castle, einem der Schlösser ihrer Familie. Melanies Großmutter stammte aus einer alten irischen Adelsfamilie. Die Sechsundzwanzigjährige hatte ihr Leben lang davon geträumt, in den romantischen Mauern zu heiraten. Und nun sollte es endlich so weit sein.

»Nur noch drei Tage«, flüsterte sie und presste eine Hand auf ihr heftig pochendes Herz. »Dann bin ich Maximilians Frau.«

»Melanie von Hartenstein. Das klingt doch gut. Hast du auch alles für die Hochzeit eingepackt?«

»Aber sicher! Ich habe es mindestens zehnmal kontrolliert. Oder meinst du, es fehlt etwas?« Erschrocken ruckte Melanies Kopf herum.

»Das glaube ich eigentlich nicht. Sollte doch etwas fehlen, weiß euer Hochzeitsplaner bestimmt Rat.«

»Ja, Pierre ist wirklich ein Goldstück. Ohne ihn wäre ich in den vergangenen Monaten aufgeschmissen gewesen. Er hat mich auch an den alten Brauch erinnert. Etwas Altes habe ich schon: Großmutters diamantene Haarnadeln. Mein Brautkleid ist neu, und ich habe ein blaues Strumpfband. Nun fehlt mir nur noch etwas Geliehenes.«

»Das bekommst du von mir.« Liane deutete lächelnd auf ihre schmale Kette, an der ein zartes goldenes Hufeisen baumelte. »Jede irische Braut trägt ein Hufeisen. Ich leihe dir die Kette. Sie soll dir Glück bringen.«

»Das ist lieb von dir.« Überschwänglich fiel Melanie ihr um den Hals. Sie waren Freundinnen seit ihrer gemeinsamen Schulzeit. Liane war vor einigen Jahren in die Stadt gezogen, wo sie als Tierärztin arbeitete. Seither sahen sie sich nicht mehr so oft, aber das hatte ihrer Freundschaft keinen Abbruch getan. Liane war regelmäßig auf Schloss Korff zu Besuch oder lud Melanie zu sich nach Hause ein. Und nun würde sie ihre Trauzeugin werden. »Ich freue mich so für euch beide«, erklärte sie warm. »Eure Hochzeit wird bestimmt wunderschön.«

»Falls Max es überhaupt schafft, dort aufzukreuzen.« Melanie stieß seufzend den Atem aus. »Er arbeitet so unglaublich viel. Manchmal frage ich mich, ob er jemals schläft.«

»Die Geschäftswelt ist hart. Es ist bestimmt nicht leicht, sich dort zu behaupten.«

»Daran liegt es nicht. Erst letzten Monat hat er wieder eine Firma aufgekauft, die am Rand des Ruins steht. Irgendeinen Kosmetikkonzern. Er wird ihn neu organisieren und profitabel machen, dann verkauft er ihn mit Gewinn weiter. Das ist sein Job. Er arbeitet so viel, weil er liebt, was er tut ...«

Melanie brach nachdenklich ab. Ihr Verlobter hatte sich aus dem Nichts ein Imperium aufgebaut. Er kannte sich in der Geschäftswelt bestens aus. Aber auch im Herzen einer Frau? Manchmal zweifelte sie daran. Aber das Wichtigste war ja, dass sie einander liebten. Alles andere würde sich mit der Zeit schon finden, davon war sie fest überzeugt.

Sie zog eine Zeitung aus dem Ablagefach und tippte auf eins der Fotos auf der Titelseite. Es zeigte ihren Verlobten nach seinem erfolgreichen Geschäftsabschluss. Sie seufzte verliebt. »Sieht er nicht aus wie der junge George Clooney?«

»Also, ich finde, George Clooney hat Glück, dass er Ähnlichkeit mit deinem Verlobten hat.« Liane zwinkerte ihr zu.

Melanie lachte leise. Sie war sehr romantisch veranlagt, was ihr in ihrem Beruf entgegenkam, denn sie übersetzte Liebesromane aus dem Englischen und Französischen ins Deutsche. »Ich kann es kaum erwarten, endlich eine Familie mit Maximilian zu gründen«, gestand sie.

Vom Sitz gegenüber kam ein leises Seufzen.

Bislang hatte sich ihr Vater zurückgehalten und über einen Stapel mit Akten gebeugt, den er durcharbeiten wollte. Nun jedoch blickte Fürst Richard auf und umfing seine Tochter mit einem besorgten Blick.

»Du musst nichts überstürzen, Melanie. Warum genießt du deine junge Ehe nicht erst eine Weile, ehe du an Kinder denkst?«

»Max und ich wollen das nicht mehr ewig aufschieben.«

»Du hast aber noch eine Menge Zeit.« Er zögerte einen Moment, als würde ihm noch etwas auf der Zunge liegen, doch dann schüttelte er den Kopf und beugte sich wieder über seine Papiere. Als Besitzer einer weltweiten Hotelkette gab es für ihn immer etwas zu tun.

Melanie rollte die Augen. Sie war froh, nach der Hochzeit dem strengen Regime ihres Vaters zu entkommen. Mit liebevoller Besorgnis bestimmte er schon seit ihrer Geburt über ihr Leben und engte sie damit häufig ein.

Liane krauste sorgenvoll die Stirn. »Du liebst Max sehr, nicht wahr?«, erkundigte sie sich leise. »Du heiratest ihn nicht nur, um endlich dein eigenes Leben beginnen zu können?«

»Aber sicher liebe ich ihn. Wie könnte ich nicht? Er sieht gut aus, ist intelligent und charismatisch. Er vergisst nie, mir Blumen mitzubringen. Er tut überhaupt alles für mich.«

»Er gilt aber auch als knallharter Geschäftsmann, der bei seiner Arbeit über Leichen geht. Ihr zwei seid grundverschieden. Manchmal macht mir das Sorgen.«

Melanie zuckte die Schultern. »Gegensätze ziehen sich an. Das sagt man doch so, oder? Und es stimmt. Max wird schon offener werden, wenn wir erst verheiratet sind.«

»Das hoffe ich auch.« Nachdenklich schaute Liane aus dem Fenster. Sie fuhren gerade durch einen einsamen Landstrich im Südwesten von Irland. Niedrige Steinmauern zogen sich über die Wiesen. Einsame Landhäuser säumten die Straße.

Wenig später tauchte Killmore Castle vor ihnen auf. Das Schloss stand auf einer Anhöhe über dem Meer. Seit dreihundert Jahren trotzten die mächtigen grauen Steinmauern den Naturgewalten und der Gischt, die gegen die Klippen schlug. Der süße Duft der Rhododendronblüten im Garten mischte sich mit dem salzigen Geruch der See, als die Reisenden ausstiegen.

Lianes Mops hatte den größten Teil der Fahrt auf ihrem Schoß verschlafen. Als sie ihn nun auf der Wiese absetzte, stellte er die Ohren auf, schnupperte und sprang davon, um seine neue Umgebung zu erkunden.

»Endlich sind wir da.« Seufzend stemmte Melanie eine Hand in ihren Rücken und streckte sich. »Ich hätte keinen Meter mehr weiterfahren ...« Jäh brach sie ab und schlug sich eine Hand vor den Mund. »Was ist denn das?!«

Ihr Blick war auf die Kapelle gefallen. Das kleine Gotteshaus war bis über das Dach mit einem Gerüst versehen. Hinter den Metallstangen und Planen waren die efeuumrankten Mauern kaum noch zu erkennen. Bestürzt krauste sie die Stirn. In drei Tagen wollte sie hier heiraten. Wer hatte so kurz vor dem großen Tag noch Bauarbeiten in Auftrag gegeben?

Fürst Richard stieg aus der Limousine und warf einen flüchtigen Blick auf das Gerüst.

»Das Dach war löchrig, Liebes. Ich habe darum gebeten, es ausbessern zu lassen.«

»Drei Tage vor meiner Hochzeit, Papa?«

»Es muss sein. Wir waren zu Weihnachten das letzte Mal hier, da war das Dach noch in Ordnung. Jetzt allerdings leckt es. Falls es an deinem großen Tag regnet, wollen wir doch nicht, dass es den Gästen auf den Kopf tropft.«

»Werden die Handwerker bis dahin überhaupt fertig?« Melanie war blass geworden. »Warum arbeitet niemand hier? Ich sehe weit und breit keinen einzigen Handwerker.«

»Vermutlich machen sie gerade Pause.«

»Ja, das kann sein.« Melanie krampfte die Hände zu Fäusten zusammen.

In diesem Augenblick wurde das Portal geöffnet. Der Butler näherte sich und begrüßte die Reisenden mit einer formvollendeten Verbeugung.

»Darf ich Ihr Gepäck nehmen?«

»Vielen Dank, James«, bejahte der Fürst. »Ich erwarte Sie in zehn Minuten in der Bibliothek für einen Lagebericht.«

»Jawohl, Durchlaucht.« Der Diener trat hinter die Limousine, öffnete den Kofferraum und holte mehrere Taschen und Rollkoffer heraus.

Plötzlich sah sich Melanie um. Sie waren mit zwei Limousinen am Flughafen losgefahren, denn ein Wagen hätte unmöglich ihr ganzes Gepäck aufnehmen können. Von dem zweiten Fahrzeug fehlte allerdings jede Spur.

»Wo bleibt eigentlich der andere Wagen?«

Liane stutzte. »Wir müssen unterwegs getrennt worden sein.«

»Hoffentlich hat sich der Fahrer nicht verirrt. Er transportiert immerhin mein Gepäck für die Hochzeit.« Melanie seufzte. »Ich hätte mein Brautkleid nicht aus der Hand geben sollen.«

»Keine Bange. Der Wagen wird sicherlich gleich eintreffen ...« Ihre Freundin unterbrach sich, als zwei junge Frauen aus dem Schloss geeilt kamen, die dieselben haselnussbraunen Locken wie Melanie hatten. Es waren ihre Schwestern Valerie und Eileen. Beide umarmten sie stürmisch und sprachen aufgeregt durcheinander.

»Gut, dass ihr endlich da seid! Hattet ihr einen guten Flug? Oh, das Wetter ist wirklich traumhaft. Was, du hast nur zehn Koffer mitgebracht, Melli? Gratuliere, das ist ein Rekord. Bei meiner Hochzeit damals waren es nur sechs ...«

So ging es munter weiter. Die Schwestern strebten gerade Arm in Arm dem Schloss zu, als Fürst Richard einen bestürzten Laut ausstieß. Niemand hatte bemerkt, dass er einen Anruf erhalten hatte. Nun jedoch ließ er sein Mobiltelefon sinken und sah seine Tochter an. Er war aschfahl im Gesicht.

»Melanie ...«

»Papa?« Beunruhigt fuhr ihre Hand an ihr Herz. »Was gibt es denn? Etwa noch mehr schlechte Neuigkeiten?«

Prinzessin Liane war ratlos.

»Das ist eine Katastrophe!« Aufgeregt lief ihre Freundin in ihrem Zimmer auf und ab. Tränen standen in ihren Augen. »Wie konnte das nur passieren?«

Ihr Vater, ihre Schwestern und Liane umstanden sie.

»Beruhige dich, Liebes«, mahnte der Fürst. »Du läufst noch den Teppich durch, wenn du so weitermachst.«

»Darauf kommt es nun auch nicht mehr an. Meine Hochzeit wird nicht stattfinden. Sie ist ruiniert. Vorbei!«

»Das ist sie nicht. Niemand kann etwas dafür, dass der zweite Wagen verunglückt ist. Ein entgegenkommendes Fahrzeug hat ihn von der Straße gedrängt. Er ist gegen eine Brücke gefahren.«

»Ja, und in Flammen aufgegangen.« Melanie schluchzte erstickt auf. »Mit all meinen Sachen darin!«

Liane sah den Fürsten an. »Hat der Fahrer überlebt?«

»Ja, er konnte gerade noch aus dem Wagen gerettet werden. Aber das Gepäck wurde bei dem Feuer völlig zerstört.«

»Mein Brautkleid!«, flüsterte Melanie. »Die Unterwäsche für meine Flitterwochen. Alle meine guten Sachen waren darin.«

»Diese Dinge kann man ersetzen, Liebes. Wichtiger ist doch, dass der Fahrer überlebt hat und sich mit der Zeit von seinen Verletzungen erholen wird.«

»Wie soll man die Sachen denn ersetzen? Mein Kleid war maßgeschneidert. Ich habe es schon vor Monaten in Auftrag gegeben. Woher soll ich nun so schnell Ersatz bekommen? Nein, es ist alles aus ...« Mutlos ließ sie die Schultern sinken.

Liane trat neben sie und legte ihr eine Hand auf die Schulter.

»Lass uns in Ruhe nachdenken. Dann finden wir bestimmt eine Lösung.« Sie nickte dem Butler zu, der in der Tür stand. »Bringen Sie uns bitte erst einmal allen einen heißen Tee. Ich glaube, den können wir jetzt gebrauchen.«

»Sehr wohl, Prinzessin.« Lautlos zog sich der Diener zurück.

»Was soll ich nur tun?«, jammerte Melanie. »Ich kann doch nicht in meinen alten Kleidern vor den Traualtar treten.«

Liane überlegte. »Wenn ich mich recht erinnere, lagern in den Truhen auf dem Dachboden die Sachen deiner Großmutter. Auch ihr Hochzeitskleid müsste noch da sein.«

»Ja, und weiter? Ich kann doch nicht in einem vergilbten Fummel heiraten. Außerdem wird mir das Kleid bestimmt nicht passen. Großmama war ziemlich robust gebaut.«

»Das bekommen wir schon hin.«

»Meinst du wirklich?« Zaghaft blickte ihre Freundin auf. »Aber ich ... wollte schön aussehen für meinen Schatz.«

»Das wirst du auch. Dein Lächeln wird ihn betören, glaub mir. Es zählt nicht, was du anhast.«

»Genau«, warf Valerie verschmitzt ein. »Weil du in der Hochzeitsnacht ohnehin nichts mehr anhaben wirst.«

»Die Zeremonie wird nicht so sein, wie ich es mir erträumt habe.«

»Vielleicht nicht, aber Maximilian liebt dich«, tröstete Liane. »Er wird nur deine leuchtenden Augen sehen. Du könntest bei eurer Trauung einen Kartoffelsack tragen und er würde es kaum bemerken.«

Melanie fuhr zusammen. »Zu unserer Hochzeit werden zweihundertzwanzig Gäste kommen. Und die Presse! Soll ich etwa in einem Kartoffelsack vor sie treten?«

»Natürlich nicht, aber letztendlich zählt nur ihr beide, oder nicht? Es geht darum, dass ihr glücklich werdet.«

»Nein, darum geht es eben nicht nur. Ich habe mein Leben lang von diesem Tag geträumt. Es soll alles perfekt werden.«

»Und das wird es auch«, versprach Liane ihr.

Sie überlegte noch einen Moment. Als der Butler die Familie mit Tee versorgte, stieg Liane zum Dachboden hinauf und suchte das Hochzeitskleid der Großmutter ihrer Freundin. Als Kind hatte sie die Familie oft in den Ferien hierher nach Irland begleitet und kannte sich daher im Schloss aus.

Wenig später kehrte sie mit ihrem Fund zu den anderen zurück. Sie holte das Kleid aus der schützenden Stoffhülle und breitete es auf dem Bett aus. Eine Flut zarter Spitzen und Rüschen kam zum Vorschein.

»Sieh doch nur«, sagte sie. »Mit den luftigen weiten Ärmeln wirst du aussehen wie eine Fee.«

»Meinst du wirklich?« Zweifelnd beäugte Melanie das Kleid. »Aber es riecht wie ein ganzer Sack voll Mottenkugeln.«

»Keine Sorge, das Kleid wird gereinigt und aufgefrischt. Die Schneiderin kann es dir passend machen. Wenn es umgenäht ist, wirst du es lieben.«

»Aber alles war auf mein eigenes Brautkleid abgestimmt. Die Blüten für meine Haare sollten dieselben sein wie auf der Stickerei am Saum.«

»Daraus wird nun wohl nichts, aber wir werden aus dir trotzdem eine wunderschöne Braut machen. Und wer weiß, vielleicht bringt dir das Kleid sogar Glück. Immerhin hat die Ehe deiner Großmutter ihr Leben lang gehalten.«

Liane trat an den Kamin. Ihr Mops hatte sich davor zusammengerollt und schlummerte. Sein Atem kam leise und prustend. Er wachte auch nicht auf, als sie sich neben ihn kniete und ihn streichelte.

In diesem Moment wurde an die Tür geklopft.

»Herein«, rief Melanie mit unsicherer Stimme. Sie schien ein neues Unheil zu ahnen, doch da betrat ihr Verlobter den Raum. Die Prinzessin flog ihm an den Hals. »Max! Ein Glück, dass du da bist. Es ist etwas Schreckliches passiert.«

Liebevoll umfing der Prinz seine Verlobte und gab ihr einen Kuss auf die Wange, ehe er sie prüfend ansah.

»Was ist denn, Liebes? Du wirkst ja völlig aufgelöst.«

»Das bin ich auch! Stell dir vor, der Wagen mit meinem Gepäck ist verunglückt! Alles wurde zerstört. Einfach alles!«

»Es hat einen Unfall gegeben?« Der Prinz runzelte bestürzt die Stirn. »Ist euch etwas passiert?«

»Nein, wir waren nicht mit in dem Wagen.«

»Ich verstehe. Und wie geht es dem Fahrer?«

»Er wird sich erholen, aber mein Gepäck ist weg. Alles! Hast du mir nicht zugehört? Ich habe nichts zum Anziehen!«

»Das ist doch nicht so wichtig. Wir müssen nur die Zeremonie durchstehen. Was wir dabei anhaben, ist nicht von Belang. Du gefällst mir in allem, was du trägst.«

»Ihr versteht das einfach nicht.« Melanie stöhnte frustriert auf. »Das ist der wichtigste Tag in unserem Leben. All unsere Gäste werden sich ein Leben lang daran erinnern, ebenso wie wir selbst. Ich möchte, dass er schön wird.«

»Das wird er auch. Ich bin nur froh, dass euch nichts zugestoßen ist. Es wäre viel schlimmer, wenn ihr mit in dem Unfallwagen gesessen hättet und womöglich verletzt wärt.«

Liane nickte unmerklich. Der Prinz galt als Pragmatiker. Manche hielten ihn für kaltherzig, aber sie bewunderte die Ruhe, die er angesichts der Aufregung seiner Verlobten behielt.

»Wo ist eigentlich dein Gepäck?«, erkundigte sich ihre Freundin bei ihrem Verlobten.

»In meinem Koffer. Der Butler hat ihn gerade in mein Zimmer gebracht.«

»Du hast nur einen einzigen Koffer?« Fassungslos schüttelte Melanie den Kopf.