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Die neunte Ausgabe des deutschen Future Fiction Magazine bringt erneut Geschichten, Artikel und Interviews aus unserer nahen Zukunft und von drei Erdteilen. Lesen Sie über erstaunliche Essensgewohnheiten, entführte Androiden, lebensverlängernde Maßnahmen und Schrott-Fiction.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Veröffentlichungsjahr: 2026
Future Fiction Reality
Die Themen unserer Geschichten sind oft näher an der Wirklichkeit als an der Fiktion. Ein Beispiel für real existierende Klimafiktion ist der »Bunker« in Hamburg (übrigens in Sichtweite des Stadions des FC St.Pauli). Die oberen Stockwerke sind nicht nur bewohnt, sondern auch begrünt. Vielleicht tun sich Autoren deshalb oft etwas schwer damit, passende Geschichten für unser Magazin zu verfassen: Sie fühlen sich oft wie Gegenwartsliteratur an, nicht wie Science Fiction. Das ist natürlich ein Missverständnis, denn selbstverständlich beschäftigt sich SF erstens mit der Gegenwart (indem sie ihr einen Zerrspiegel vorhält) und zweitens mit jeder Zukunft, auch jener, die nur ein paar Minuten entfernt ist (wer erinnert sich an die entsprechende Einblendung vor jeder Folge der wegweisenden Serie »Max Headroom«?). SF mit Raumschiffen und Weltraum gleichzusetzen, auf diese Idee kommen nur Leute, die möglichst viel Rumms auf die Leinwand zaubern und möglichst viel »Ah!« und »Oh!« zahlender, aber nicht sonderlich gern mitdenkender Konsumenten im Schilde führen.
Übrigens ist so eine Zweitverwertung eines Bunkers in gewisser Weise sogar Schrott Fiction – womit wir beim Thema unseres diesmaligen Artikels wären. Diese Ausgabe unseres Magazins bietet also erneut zig überraschende Perspektiven auf unsere nahen Zukünfte – und wir wünschen dabei erneut utopisch-optimistische Unterhaltung.
Im Herbst 2025
Sylvana Freyberg und Uwe Post
#story #socialfiction #climatefiction
Bis später, Mama.« Die Urne auf dem Esstisch wackelt ein wenig, als Emilie sie liebevoll tätschelt. Ihr fröhliches Pfeifen hallt noch immer durch das Treppenhaus, während sie draußen eine Kiste mit Kakteen auf ihr pinkfarbenes Fahrrad stellt.
»Deine Freude und Leichtigkeit hinterlassen überall Spuren«, pflegte Emilies Mutter ihr vorzuwerfen. Offenbar belastete die Generation der 2020er kaum etwas so stark, wie Menschen mit einem frohlockenden Gemüt. Ihre Mutter hatte sich schon als Jugendliche dazu entschieden, ihr Leben lang wütend zu sein. Doch zu ihrem Leidwesen war diese Tugend nicht vererbbar. Wenn die kleine Emilie mit ihrer Mutter durch die Stadt spazierte, verbot ihr diese, über die bunten Graffitis zu staunen. Stattdessen sollte sie weinen, wenn sie an vertrockneten Gärten und leeren Vogelnestern vorbeigingen. Da ihre Mutter nun selbst seit vier Jahren in der Urne vertrocknet, kann Emilie so viel staunen, wie sie will. Und sie will. In 47 Lebensjahren sammelt sich viel an, worüber man staunen kann.
Auf ihrem Weg zur Arbeit staunt Emilie darüber, wie schwierig es ist, Kakteen zu verschenken. Die Kinder auf dem Spielplatz wollen nichts von Fremden annehmen − auch nicht, nachdem die nette Frau mit ihnen die Rutsche runtergerauscht ist. Auch die Marktverkäuferin lehnt ab, da sie keinen wertvollen Wassertropfen für eine Pflanze verschwenden möchte, die man nicht essen kann. Nicht einmal ihr betagter Lieblingsnachbar Herr Sarasin möchte einen stacheligen Überlebenskünstler adoptieren. »Frau Emilie, ich habe Ihnen schon bei Ihren letzten zwölf Abschiedsfeiern gesagt, dass ich keinen Kaktus mitnehmen möchte. Wenn Sie dann doch nicht abreisen, sitzen Sie in einer kargen Wohnung ohne Ihre grünen Freunde.«
»Wie immer haben Sie Recht. Aber ich muss das Versprechen erfüllen, das ich meiner Mutter auf dem Sterbebett gegeben habe. Und im Moment wird das nicht nur von der französischen Präsidentin und der ausgetrockneten Rhone verhindert, sondern auch von dieser Kiste voller Kakteen.«
*
Die Kakteen befinden sich noch immer vollzählig auf dem Gepäckträger, als ihr Fahrrad auf das Gelände der größten Vertical-Farming-Anlage der Stadt rattert. Sie nennt die Anlage liebevoll den »Bauernhof«. Dieser wurde im selben Jahr gebaut, in dem Emilie geboren wurde und der letzte Schweizer Gletscher starb. Ihre Mutter hat ihr die Geschichte oft vor dem Einschlafen erzählt, damit Emilie möglichst unruhig träumte: Gerade als der Redner des Trauermarschs beklagte, dass in den Alpen bald kein Plätschern mehr zu hören sei, begann ihre Fruchtblase zu plätschern. Auch wenn die darauffolgenden Worte des Trauerredners im Geburtstumult untergingen, sollte er Recht behalten: Ohne gefrorene Wasserspeicher vertrockneten Bäche, Flüsse und Äcker. Also zerlegten kluge Ingenieur:innen die Ackerfelder in kleine Teile, stapelten sie auf Regale, bauten große Gebäude darum herum, ersetzten den Erdboden mit Wasserbehältern, die Sonne mit LED-Lichtern und die Natur mit Effizienz. So konnte man mit weniger Wasser mehr Lebensmittel produzieren.
Während ihre Mutter den einst grünen Feldern nachtrauerte, träumte Emilie davon, eines Tages durch die bewachsenen Hallen zu spazieren. Mittlerweile arbeitet sie seit zwanzig Jahren in der Vertical-Farm und noch immer fließt ein wohliger Schauer über ihren Rücken, wenn die Ernteroboter den frisch gepflückten Salat an ihr vorbeifahren.
*
Mit einem lauten »Hallöchen« betritt Emilie den Lagerraum der Imkerabteilung und erschreckt damit Klaus, der gerade mit einer Pipette eine milchige Flüssigkeit aus einem Reagenzglas saugt. Seine Laborbrille fällt ihm von der Nase und nur mit knapper Not fängt er das Glas auf, bevor es umkippt. »Gratuliere, jetzt hätte ich beinahe mein neu entwickeltes Bienen-Kraftfutter auf den Boden geschüttet! Schon allein der süße Duft hätte unser Gehirn so eingenebelt, dass wir den Rest des Tages von Apfelbaum zu Apfelbaum gehüpft wären, um unsere Nasen während exakt 0.314 Sekunden an deren Blüten zu reiben.«
Emilie lacht. Sie mag Klaus und freut sich gerne mit ihm, wenn er die Arbeitsleistung der fleißigsten Wesen auf diesem Planeten zu steigern vermag. »Immerhin war es das letzte Mal, dass ich dich bei deinen Versuchen gestört habe.«
Klaus schüttelt ungläubig den Kopf, während er die Pipette zur Seite legt und sich den Imkeranzug überzieht. »Ach ja, es ist wiedermal dein letzter Arbeitstag. Vergangene Woche habe ich gegen Mona gewettet, nach wie vielen ›letzten Arbeitstagen‹ du wohl endlich aufgibst.«
Wie immer wehrt sie seine entmutigenden Worte mit einem gelassenen Schulterzucken ab. »Wenn ich jetzt aufgebe, muss ich mir für den Rest meines Lebens ein triumphierendes Gelächter aus der Urne anhören. Meine Mutter hat mir das Versprechen nur abgenommen, um mich mit dieser unmöglichen Aufgabe aufzurütteln und meinen Berg an Gelassenheit endlich in einen wütenden Vulkan zu verwandeln. Ich sollte mir die Zähne an Frankreichs geschlossenen Grenzen ausbeißen. Aber dazu wird es nicht kommen: Schon bald treibt ihre Asche gelassen auf den Wogen des Mittelmeers, und ihr von Wut getriebener Geist lässt mich endgültig in Frieden.«
Könnte Emilie durch seine Imkerhaube blicken, sähe sie, wie Klaus kritisch die Stirn runzelt. »Du versuchst deine Mutter loszuwerden, indem sich dein ganzes Leben um das Versprechen dreht, das du ihr gegeben hast?«
»Du hast es erfasst, mein lieber Freund«, bestätigt Emilie, als hätte sie den sarkastischen Ton seiner Stimme nicht bemerkt. »Etwas anderes muss ich vor meiner Abreise übrigens auch noch loswerden: Meine Kakteensammlung.« Augenzwinkernd fügt sie hinzu: »Auf deinem Fenstersims würde sich eine Stetsonia Coryne bestimmt gut machen − ein besonders kratzbürstiges Exemplar.«
Emilie schlüpft in ihren Imker-Schutzanzug und gibt den Bienen summend bekannt, dass sie heute die Tomaten in der Halle 52 zu bestäuben hätten. Dann schiebt sie ihren Rollwagen voller Bienenkisten durch die Tür. Als sie im Gewächshaus ankommt, begrüßt Emilie die vordersten Tomatenpflanzen mit Namen und wünscht auch den anderen ein »gutes Mörgeli«. Sie schickt die Bienen an die Arbeit und will gerade die Halle verlassen, als eine Tomatenpflanze ihren Gruß erwidert. Eine tiefe Frauenstimme ruft: »Emilie, was für eine Freude!« Zwischen den Regalen schaut das gepuderte Gesicht von Mona hervor. Obwohl Emilie eine sprechende Pflanze bevorzugt hätte, lächelt sie der milliardenschweren Besitzerin des Bauernhofs freundlich zu: »Ist es dir zwischen den Kürbissen in Halle 36 langweilig geworden?« Da Mona ihr Geld mit Besitzen verdient, könnte sie ihren Beruf problemlos in einer Villa in einem kühlen Alpental ausüben. Doch ihrer mentalen Gesundheit zuliebe hat sie sich ein Leben in den Gewächshallen verschrieben, wo sie dem Gemüse beim Wachsen zuschauen kann.
»Ich habe gehört, dass du bald deine große Reise antrittst«, sagt Mona bewundernd, »ich bin überzeugt, dass es diesmal klappt! Man munkelt, der Schweizer Außenminister habe seinen Stolz heruntergeschluckt und werde heute die französische Präsidentin anrufen.«
Seit die Schweizer Landwirtschaft jeden Wassertropfen der Rhone absaugt, stehen die Französ:innen vor einem ausgetrockneten Flussbett. Frankreichs Präsidentin wollte der Schweizer Bevölkerung die Tugend der Großzügigkeit beibringen, und stellte deshalb ihrerseits die Atomstromlieferungen ein. Da man sich nach einem autoritären Erziehungsversuch bekanntlich am besten beleidigt im eigenen Zimmer verschanzt, schloss die Schweiz ihre Grenzen: Es sollte kein kostbarer Wassertropfen für französische Klimaflüchtlinge verschwendet werden. Während die gegenseitigen Beleidigungen der Politiker:innen munter sprudeln, trocknen die französischen Weinberge vor sich hin und den Schweizer Vertical-Farming-Anlagen geht langsam das Licht aus. »Vielleicht merken unsere verehrten Staatsoberhäupter beim heutigen Telefonat, dass dieser Konflikt genauso viel bringt wie ein Schnitt durch die Hauptschlagader«, sagt Mona und knickt den Stängel einer Tomatenpflanze, um ihre Worte zu unterstreichen.
Als hätte es mitgehört, mischt sich Emilies Telefon in die Unterhaltung ein. Am anderen Ende ist zwar nicht das Oberhaupt von Frankreich, aber immerhin von den Bienenvölkern: »Gute Neuigkeiten«, sagt die ungewohnt fröhliche Stimme von Klaus. Während Emilie seinen Worten zuhört, werden ihre Augen immer größer. »Was hast du getan?!«, ruft sie entsetzt und stürzt aus der Halle, ohne sich von Mona zu verabschieden.
»Wo ist die Kiste?« keucht Emilie ohne Luft und voller Sorgen. Klaus steht lässig an die Wand gelehnt. Neben ihm liegt ihre Kakteenkiste. Es sind noch alle da. Emilie schaut Klaus verwirrt an.
»Seit Jahren versuchst du die Kakteen loszuwerden, und jetzt wo du meinst, dass sie weg sind, brichst du in Panik aus?«, sagt er mit hochgezogenen Augenbrauen. Emilie ist froh, dass noch immer ein Keuchen aus ihrem Hals kommt, weil sie sonst nicht wüsste, welches Geräusch sie von sich geben sollte.
Der Blick von Klaus wird weicher, als er sagt: »Ich weiß, dass du das nicht hören willst, Emilie. Aber ich würde dir raten, deine Abschiedsfeier heute Abend abzusagen und dich stattdessen an einem ruhigen Ort von der Urne und deinem Versprechen zu verabschieden. Du kannst dich nicht von deiner Mutter befreien, wenn du dich gleichzeitig an ihr festklammerst.«
Jetzt bleibt Emilie ganz die Luft weg. Wortlos zieht sie ihren Imkeranzug aus, nimmt die Kakteenkiste unter den Arm und geht langsam zur Tür. Auf der Türschwelle dreht sie sich nochmals um. Sie lächelt. »Es gibt nichts, das mich jemals wütend machen kann. Auch nicht dein gescheiterter Therapie-Versuch. Weißt du, warum ich die Wut aus meinem Leben verbannt habe? Der Groll trieb meine Mutter dazu an, dass sie die Welt verändern wollte. Aber es gibt heute gar nichts mehr, was wir ändern könnten. In einer Welt, deren Schicksal bereits besiegelt ist, ist Gelassenheit die einzig sinnvolle Überlebensstrategie.«
Bunte Lampions hängen auf der Terrasse. Das Geschirr steht bereit. Feierlich nimmt Emilie den letzten Kaktus aus der Kiste, trägt ihn zum Gartentisch und vollendet das prachtvolle Arrangement. Vielleicht erbarmt sich bei diesem Anblick doch noch jemand und adoptiert einen ihrer Schützlinge. Die Urne ihrer Mutter platziert sie sorgfältig zwischen den Kakteen. Sie fühlt sich bestimmt wohl zwischen den borstigen Wasserspeichern.
Die ersten Gäste kommen und stellen ihre mitgebrachten Köstlichkeiten aufs Buffet. Herr Sarasins Torte sieht aus, als hätte er Ketchup unter die Quarkcreme gemischt. Beim ersten Bissen stellte Emilie fest, dass er genau das getan hat. Sie versucht gerade unauffällig, zum Spülbecken in der Küche zu gehen, um die Tortenreste in ihrem Mund fachgerecht zu entsorgen, als das Unglück passiert: Frau Keller erzählt wild gestikulierend von der Hochzeit ihrer Tochter und stößt dabei mit ihrem Ellbogen gegen einen Kakteentopf. Dieser kippt auf die Urne, die Urne kippt auf den Boden. Noch während die Asche auf die Gartenplatten rieselt, wird sie vom Wind erfasst. Als wäre es ihr letzter vulkanartiger Wutausbruch, wirbeln die grauen Überreste von Emilies Mutter dem Himmel entgegen.
Nach dem ersten Schock beginnt Emilie, den Aschestaub von der Tortenglasur zu kratzen. Das Einzige, was von ihrer Mutter noch übrig bleibt. Als sie auf das klebrige Häufchen in ihrer Hand blickt, spürt sie, wie sich etwas in ihrem Innern bewegt. Ein Gefühl, vor dem sie sich immer gefürchtet hat. In ihrem Brustkorb beginnt es zu brodeln, als hätten sich ihre Herzklappen in Herdplatten verwandelt. Ihr Magen zieht sich zusammen, als wollte er sich selbst durch den Darm pressen. Die Wut steigt dampfend durch ihren Körper, kondensiert an den zwei Seelenfenstern in ihrem Gesicht und strömt dann über ihre Wangen. Emilies Tränen tropfen auf das Häufchen Asche und auf einmal spürt sie eine nie dagewesene Verbundenheit mit ihrer Mutter. Sie durchlebt das Gefühl, das in den Adern ihrer Mutter pochte: Ihr wird das genommen, was ihr den Antrieb zum Leben gegeben hat.
© 2025 Anna Näf
Deutsche Erstveröffentlichung
FFM: Stell dich bitte kurz den Lesern vor. Wo kommst du her und was machst du außer Geschichten schreiben sonst noch?
AN: Ich bin reformierte Pfarrerin – erzähle also auch beruflich Geschichten – und wohne in der Schweizer Kleinstadt Winterthur. Wenn mir mal die Worte fehlen, tanze ich gerne, um meinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen.
FFM: Was kannst du uns über die Entstehung deiner Geschichte erzählen?
AN: Beim Schreiben gehe ich gerne dahin, wo es weh tut. Eine Mutter-Tochter Beziehung bietet sich da an. Die tote – aber noch immer sehr präsente – Mutter und die erwachsene Tochter verkörpern zwei Stimmen, die ich nach jeder Klimademo in meinem Kopf höre: Die eine will die ganze Welt mit ihrer Wut anstecken. Die andere akzeptiert das sinkende Schiff und versucht sich darauf ein Nest zu bauen. Diese Spannung löst sich in der Geschichte nicht ganz auf – und, ehrlich gesagt, in meinem Kopf auch nicht.
FFM: Gibt es noch andere Werke, Geschichten oder Romane, die du geschrieben hast? Wenn ja, wo können wir weitere Texte von dir finden?
AN: Ich schreibe regelmässig Beiträge für die digitale Plattform reflab.ch – beispielsweise die Mini Serie »Muskeln der Vorstellungskraft« mit positiven Zukunftsperspektiven:
https://www.reflab.ch/tobias-hat-das-gummiboot-reserviert/ →
Und ab und zu trifft man mich auf Poetry-Slam Bühnen.
FFM: Wie sieht dein Schreiballtag aus?
AN: Ich beklage mich ständig über zu wenig Schreib-Zeit. Wenn ich mir dann einen Tag fürs Schreiben freigeschaufelt habe, verbringe ich den Vormittag mit anderen achso wichtigen Dingen – aus Angst, dass mein Ideenbrunnen ausgeschöpft ist.
Wenn ich mich dann endlich aufs Sofa setze, um zu schreiben, möchte ich nie wieder aufhören. Es gibt nichts Schöneres, als Worte durch meinen Dachboden stöbern zu lassen, die verborgene Gefühle entstauben.
FFM: Welche literarischen Werke haben dich in deinem Leben und Schaffen beeinflusst?
AN: »Hitchhikers Guide to the Galaxy« war ein besonderes Leseerlebnis: Laute Lacher, die einem plötzlich im Hals stecken bleiben. Wenn mir das mit einem Text halbwegs gelingt, dann bin ich glücklich.
An den Romanen von Fredrik Backman beeindruckt mich, wie er in wenigen Sätzen Figuren erschafft, die man nicht mehr vergisst.
Und mein grösstes literarisches Vorbild: der Autor und Satiriker Willi Näf. Kluge Beobachtungen und spitze Pointen können viele – aber er verbindet sie mit der nötigen Selbstironie, so dass man sie widerstandslos schluckt. Auch als Onkel ist er empfehlenswert.
FFM: Wie steht es um die SF-Szene in der Schweiz?
AN: Wohl so, wie es um jede Kulturszene in der Schweiz steht: Klein aber leidenschaftlich.
FFM: Welche Trends in der Zukunftsliteratur interessieren dich am meisten?
AN: Ich beobachte zwei Arten von Zukunftsgeschichten: Die einen projizieren Probleme der Gegenwart in eine spätere Zeit, um eine neue Perspektive darauf zu gewinnen – z.B. Aliens, die auf der Erde wie Migrant:innen behandelt werden. Andere überlegen sich, wie die Welt in 100 Jahren mit KI, Klimakrise oder Kriegen aussehen könnte. Ich finde beides spannend. Am meisten interessiert mich, wie sich dadurch zeigt, was uns als Menschen ausmacht.
FFM: In der Geschichte sind die Schweizer Gletscher verschwunden. Wie geht die Schweiz mit der für die Bergwelt wichtigen und deutlich sichtbaren Klimaveränderung um?
