Gegen Gift in Pflanzen hilft nur Wissen - Peter Brandt - E-Book

Gegen Gift in Pflanzen hilft nur Wissen E-Book

Peter Brandt

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Beschreibung

Grundsätzlich können alle dem Organismus zugeführten Stoffe oberhalb einer gewissen Dosis Schaden anrichten und sind somit ab dieser Wirkmenge als giftig anzusehen. Paracelsus schrieb 1538: Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis machts, daß ein Ding kein Gift sei. (Paracelsus 1538). Eine Giftschlange oder ein Löwe sind ebenso wenig ethisch abzulehnen, weil sie für den Menschen potentiell tödlich sein können, wie die Früchte der Tollkirsche oder der Blaue Eisenhut bei leichtsinnigem Umgang lethal wirken können. Aber die Schuld ist weder bei Löwe und Schlange noch bei Tollkirsche und Blauem Eisenhut zu suchen, sondern beim naturfernen Menschen mit lückenhaftem Wissen und fehlender Empathie. Dem soll mit diesem Buch abgeholfen werden.

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Seitenzahl: 81

Veröffentlichungsjahr: 2026

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2. Giftige Beispiele

Bei der Auswahl von Pflanzen mit giftigen Inhaltsstoffen wollte ich mich eigentlich auf die heimische Flora beschränken, stieß dabei sehr schnell auf das Problem einer sinnvollen Abgrenzung. In einer Welt der schier unbegrenzten Mobilität zu fernen Urlaubszielen erachte ich es als unzulässig, mich engstirnig auf die Pflanzen „vor unserer Haustür“ zu beschränken, wo ein*e Fernreisende*r heute noch auf Neuseeland nichtsahnend mit Ongaonga in Kontakt geraten kann. Es ist mir bewußt, daß ich mit diesem Leitfaden solche mißlichen Ereignisse nicht verhindern können werde, aber vielleicht gelingt es mir, die durch die Annehmlichkeiten der Zivisilation zum Teil abgestumpften Sinne für die mitnichten harmlose Pflanzenwelt zu schärfen.

Bei der Abfassung dieses Leitfadens war es mir wichtig, einen weiteren Aspekt in den Vordergrund zu rücken: Im Laufe der Evolution der Organismen haben sich nicht nur in der Fauna wehrhafte Tiere wie Löwen, Tiger und Schlangen entwickelt, sondern auch in der immobilen Welt der Flora haben sich Prinzipien der Selbstverteidigung auf chemischer Basis von staunenswerter Vielgestaltigkeit entwickelt. Bemerkenswert ist dabei, daß diese giftigen Substanzen natürlich abbaubar (!) sind, was für die „Machenschaften“ der Menschheit leider nicht behauptet werden kann (Brandt 2025a und 2025b). Es ist eigentlich nicht nachzuvollziehen, daß der Mensch – als vernunftbegabtes Wesen – bar jeglicher Empathie so wenig Achtung vor dem natürlichem Gefüge (Brandt 2025c) um ihn herum aufbringt. Ein erster Schritt, diesen Mangel zu mindern, kann und soll die Vermittlung von Kenntnis über die pflanzlichen Strategien der „Verteidigung“ durch die spezielle „Wirkstoffe“2 der Flora bringen. Nach Möglichkeit sind die Textabschnitte, die auf für den Menschen gesundheitliche (oder lethale) Gefahren hinweisen, unterstrichen besonders hervorgehoben. Es ist nicht die Absicht, in dieser kurzen Abhandlung über 41 „Giftpflanzen“ in die chemisch-physiologischen Zusammenhänge näher einzuführen. Um aber dennoch einen kleinen Einblick zu gewähren, ist ein Register der im Beispielteil erwähnten Wirkstoffe/Gifte jeweils mit einer kurzen Charakterisierung und ein Glossar für die verwendeten Fachbegriffe aus dem medizinischen bzw. botanischem Bereich angefügt.

2 An Stelle des durch menschliches Handeln belasteten Begriffs Gift ziehe ich die Bezeichnung Wirkstoff vor; damit kann ich auch die Substanzen ohne lethale Wirkung abdekken.

2.1) Banisteriopsis caapi

Fig. 1:

Banisteriopsis caapi

(Quelle: Wikipedia; James Steakley)

Banisteriopsis caapi ist eine Lianenart aus der Familie der Malpighiengewächse (Malpighiaceae). Die verholzten Pflanzenteile liefern einen der beiden Hauptwirkstoffe von Ayahuasca, einem halluzinogenen Trank aus mehreren pflanzlichen Komponenten. Die Art wird auch „Ayahuasca“ genannt, ein Quechua-Wort, das „Liane der Geister, Liane der Seelen“ bedeutet (Eigner und Scholz 1985).

Ayahuasca, Yagé, Yajé, Natem, Cipó, Daime, Hoasca (und andere) sind Namen für einen psychedelisch wirkenden Pflanzensud aus der Liane Banisteriopsis caapi und N.N-Dimethyltryptaminhaltigen Blättern des Kaffeestrauchgewächses Psychotria viridis. In manchen Fällen ist mit der Bezeichnung Ayahuasca auch nur die Liane Banisteriopsis caapi gemeint. Der Sud enthält Harman-Alkaloide, die als Monoaminooxidase-Hemmer wirken und so den Abbau des Halluzinogens N,N-Dimethyltryptamin (DMT) (Fig. 1a) verlangsamen. Die Angehörigen diverser Amazonas-Ethnien gebrauchen Ayahuasca in religiösen Zeremonien, um sich in einen Trance-Zustand zu versetzen. Der Gebrauch ist im amazonischen Brasilien, Bolivien, Peru, im Orinocodelta von Venezuela bis an die Pazifikküste von Kolumbien und Ecuador verbreitet (Eigner und Scholz 1985; McKenna et al. 1984). Zudem sind im 20. Jahrhundert in Brasilien diverse Ayahuasca-Religionen entstanden, darunter União do Vegetal, Barquinha und Santo Daime, die in den Städten von der Mittelschicht frequentiert werden und inzwischen auch international präsent sind (Janisch 1999; Labate 2011). Der religiöse Gebrauch ist in Brasilien rechtlich garantiert und wurde auch in den USA durch eine Entscheidung des Obersten Gerichtshof der USA 2006 legalisiert (Wernicke 2010).

Fig. 1a: Strukturformel von Dimethyltryptamin (Quelle: Wikipedia; Roland Matern)

2.2) Betelnusspalme

Fig. 2:

Betelnusspalme (

Areca catechu

)

(Quelle Wikipedia; NEUROtiker):

Die Betelnusspalme (Areca catechu), auch Betelpalme, Katechupalme oder Arekapalme genannt, ist eine Pflanzenart der Palmengewächse (Arecaceae). Zusammen mit den etwa 60 anderen Arten aus der Gattung der Betelpalmen (Areca) ist sie im indomalayischen Raum verbreitet. Die Steinkerne („Nüsse“) der Früchte der Pflanze werden Betelnüsse (seltener Arekanüsse) genannt und vor allem in Asien als Droge konsumiert (Rooney 1993). Das traditionelle Kauen von Betelnüssen wird in Südostasien als Sirih-Pinang bezeichnet, in Indien und Bangladesch als Paan. Der Konsum von Betel macht abhängig und ist krebserregend. Mit derzeit mehr als einer halben Milliarde regelmäßigen Konsumenten ist Betel nach Koffein, Alkohol und Nikotin eine der am häufigsten konsumierten Drogen der Welt. Die Wirkstoffe der Pflanze sind neurotoxisch, wirken anregend und sind giftig (Wink et al. 2008). Das enthaltene Arecolin (Fig.2a) wirkt parasympathomimetisch und aktiviert den muscarinergen Acetylcholin-Rezeptor.