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Eine erotische Kurzerzählung, in der die unglückliche Ehefrau Helen einen geheimnisvollen Fremden trifft und sich dadurch mehr und mehr von ihrem Ehemann David entfernt. Wie weit wird sie gehen? Und wer ist dieser geheimnisvolle Fremde, der verspricht, immer für Helen da zu sein, wenn sie ihn braucht?
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Seitenzahl: 53
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Clarissa Fuchs
Geheimnisvoller Fremder
Erzählung
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Widmung
Alpha
1. Kapitel
2. Kapitel
3. Kapitel
4. Kapitel
5. Kapitel
Omega
Anmerkung / Rechtlicher Hinweis
Impressum neobooks
ER streift umher, ruhelos.
ER tut, was IHM aufgetragen ist.
Nie ist IHM Ruhe vergönnt, niemals.
Wie lange schon?
ER weiß es nicht, denn Zeit spielt keine Rolle für IHN.
ER sieht viel, beinah alles.
Es kümmert IHN nicht.
Mitleid ist IHM fremd.
Nie hat ER gefühlt, niemals gespürt, was Menschen Nähe nennen.
Aber ER ist neugierig.
Manchmal erlaubt ER sich etwas mehr.
Niemals zu viel.
Denn ER muss tun, was IHM aufgetragen ist.
Kein Raum für eigene Wünsche.
ER tut, was ER tun muss.
Tut ER es gern?
Es ist nicht wichtig.
Es ist wichtig, dass ER es gut macht.
Es ist wichtig, dass ER es richtig macht.
Immer.
In jedem Fall.
So wie jetzt.
Ruhig, gelassen.
ER steht im Schatten und wartet.
Auf sie.
*****
Im Nachhinein wusste er, dass es ein Fehler gewesen war. Er hätte einen anderen Platz wählen sollen. Aber vielleicht wäre es auch passiert, wenn sie an den Waldsee gefahren wären. Oder auf die kleine Anhöhe hinter seinem Elternhaus.
Er wusste, dass es seine Schuld war. Er hatte sich wieder nicht beherrschen können. Womöglich würde sie jetzt nicht dort liegen, kalt und zerschmettert, sondern warm und unversehrt in seinen Armen. Seine Arme. Die nicht umschlungen hatten. Seine kräftigen Hände. Auch sie hatten versagt.
Langsam wandte er sich ab und ging zu seinem Auto hinüber. Als er den Sandweg hinunter zur Straße rollte, kam es ihm in den Sinn, dass es vielleicht doch richtig war. Hier hatte alles angefangen. Und hier hatte es geendet. Er verstand noch nicht, wie es überhaupt so weit gekommen war. Hatte er die Zeichen nicht gesehen?
Er zuckte kurz zusammen, als er Olivias Stimme in seinem Kopf hörte: „Du kannst ihr helfen, David. Du musst es nur wollen.“
Hatte er helfen wollen? Oder war seine reflexartige Bewegung genau das Gegenteil gewesen? War er nicht im Grunde genommen froh, dass es vorbei war?
*****
Helen war auf dem Heimweg. Endlich. Acht Stunden hatte sie die Klatschtanten Linda und Fanny und ihr Geschnatter ertragen müssen. So wie jeden Tag. Oft war kaum festzustellen, was schlimmer war: dieses Geschnatter und Getratsche oder das ewige Klappern und Rattern der Tastaturen, Kopier- und Faxgeräte.
Glücklicherweise gab es den Computermonitor, hinter dem Helen sich verstecken konnte, um den lauernden Blicken zu entgehen. Ahnten die beiden etwas?
Eigentlich war das unmöglich, denn Helen hatte IHN ja erst heute morgen zum ersten Mal gesehen. Im Bus hatte ER gestanden, ganz hinten an der Tür. Sie war sich sicher gewesen, heute morgen als sie aufwachte, dass sie IHN treffen würde. So sicher wie nie zuvor.
Lange schon hatte sie geahnt, dass ER eines Tages in ihrem Leben auftauchen würde. Geheimnisvoll, unerwartet und unausweichlich erwartet zugleich.
Und heute morgen war es dann passiert. Sie hatte wie immer mit dem Rücken zur Fahrtrichtung am Fenster gesessen und hinaus gesehen, vor sich hin geträumt, an gestern und über die vergangene Nacht nachgedacht. Sie war zu dem Schluss gekommen, dass etwas passieren müsse. Sie hatte den Kopf gewendet, ihren Blick nach hinten durch die rückwärtige Scheibe schweifen lassen.
Plötzlich war es wie ein Stromschlag durch sie gefahren. Dort stand ER. Locker an die Lehne des vorletzten Sitzes gelehnt, die linke Hand am Haltegriff, in dunkelblauen Jeans und engem weinrotem Poloshirt – so stand ER da und blickte durch die Heckscheibe auf die belebte Straße hinaus.
David hasste Jeans und Poloshirts. Das wäre was für Arbeiter und ärmere Leute. Auf keinen Fall etwas für überaus erfolgreiche Immobilienmakler wie ihn: Er trug immer gut sitzende Designer-Anzüge. Doch an IHM sahen die Jeans großartig aus, betonten sie doch ebenso wie das Shirt SEINEN anziehenden, sportlichen Körper.
Helen war wie hypnotisiert und konnte ihren Blick nicht von IHM wenden. Niemals würde ER ihr wehtun, da war sie sich sofort sicher gewesen. Bei IHM fühlte sie sich gut aufgehoben, sicher. ER sah gut aus, besonders im frühen Morgenlicht, das SEIN sanft gewelltes dunkelbraunes Haar warm glänzen ließ. Ihr Blick war an SEINEN schlanken Beinen, über SEINEN knackigen Po und den kräftigen Rücken hinauf zu SEINEN muskulösen Schultern und SEINEM weichen Nacken gewandert.
Wie hatte sie sich gewünscht, diesen Nacken liebkosen zu dürfen und SEINEM zärtlichen Blick zu begegnen. In dem Moment hatte ER sich umgewandt. Sie wollte den Blick senken, hob aber dennoch instinktiv ihre Augen und sah in SEINE blaugrünen Augen, mit denen ER sie musterte. Ein feines Lächeln spielte auf SEINEN Lippen. Etwas verlegen hatte Helen bemerkt, dass sie ebenfalls lächelte.
Einen Augenblick später hatte es gekracht. Der Bus musste eine Vollbremsung machen. Um nicht auf die zusammengestoßenen Pkws aufzufahren. Die Türen öffneten sich, der Busfahrer bat alle Fahrgäste, auf die Untergrundbahn zu wechseln, fünfzig Meter entfernt war eine Haltestelle.
Helens Aufmerksamkeit wurde für einen Moment abgelenkt, als die korpulente ältere Dame, die ihr gegenüber gesessen hatte, auf ihrem Weg zur Tür auf Helens Fuß trat. Helen wiegelte die Entschuldigung mit einem kurzen Nicken ab und sah zum hinteren Ende des Busses: ER war verschwunden.
Sie hatte sich beeilt, den Bus zu verlassen, weil sie gehofft hatte, IHN draußen wiederzufinden, doch ER blieb verschwunden. Aufgewühlt hatte sie die U-Bahn bestiegen und war eine Station gefahren und das letzte Stück bis zur Kanzlei zu Fuß gegangen.
Es war viertel nach neun gewesen, der Chef hatte sie bereits zum Diktat bestellt gehabt, war wütend über ihr Ausbleiben und brüllte sie rund zehn Minuten lang an, bevor sie ihm den Grund ihres verspäteten Erscheinens nennen konnte.
Daraufhin beruhigte er sich einigermaßen, fluchte, sie solle sich gefälligst ein Mobiltelefon anschaffen, und begann mit dem Diktat. Sie war nicht so aufmerksam wie sonst, musste sich anstrengen, um jeden Satz mitzubekommen. Sie dachte an IHN. Den übrigen Vormittag träumte sie von SEINEM anziehenden Körper, dem schönen Haar und vor allem von SEINEN lächelnden Augen.
Linda und Fanny hatten den ganzen Vormittag über gekichert und getuschelt. Ab und zu hatten sie Helen verstohlene Blicke zugeworfen. Ob die beiden etwas gemerkt hatten? Wenn ja, dann konnte davon ausgegangen werden, dass morgen das ganze Büro Bescheid wusste.
Und David. Er wusste es bestimmt jetzt schon. Was sollte sie ihm sagen? Wie sollte sie ihm das erklären? Nach gestern?
Das war absolut unmöglich.
Ihn verlassen?
