Geschichten aus Rammelstadt - Jan Sammer - E-Book

Geschichten aus Rammelstadt E-Book

Jan Sammer

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Beschreibung

Notgeile Märchenfiguren betreten durch ein versehentlich geschaffenes Raum-Zeit-Portal die Erde und drohen, die Menschheit zu penetrieren. Eine Gruppe außergewöhnlicher Sexualkämpfer stellt sich ihnen entgegen, um mit genitaler Kriegsführung die Bedrohung abzuwenden. Nach erbitterten Stellungskämpfen liegt das Schicksal der Welt am Ende wortwörtlich in der Hand eines Mannes, der sich im Pornopingpong-Duell einem leibhaftigen Dämon zur Wehr setzen muss...

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Seitenzahl: 188

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort und Danksagung

Kapitel 1: Louis hat kein Benzin mehr

Kapitel 2: Hannah tanzt an der Stange und trifft Mr. Barnebee

Kapitel 3: Das Ritual

Kapitel 4: Vom Gleis 15¾ ins Unbekannte

Kapitel 5: Ein märchenhafter Abend

Kapitel 6: Dschungelträume

Kapitel 7: Rotzkäppchen und der Mösenwolf

Kapitel 8: Horst wechselt die Krankenkasse

Kapitel 9: Epilog eines literarischen Abends

Kapitel 10: Goldmöschen und die drei Bären

Kapitel 11: Lügen haben lange Nasen

Kapitel 12: Nachtdienst

Kapitel 13: Alice im Ständerland

Kapitel 14: Märchenkunde - Bettlein deck dich

Kapitel 15: Zwischenspiel

Kapitel 16: Ein Bett im Kornfeld

Kapitel 17: Schneewixchen und Dosenrot

Kapitel 18: Mittelalterliche Mentalpenetrationen

Kapitel 19: Der Lebkuchenmann

Kapitel 20: Flussauf, flussab

Kapitel 21: Nach Hause telemasturbieren

Kapitel 22: In der Bahnhofshalle

Kapitel 23: Im wöllernen Wald

Kapitel 24: Ein unfaires Hütchenspiel

Kapitel 25: Am Portal

Kapitel 26: Kurs aufs Portal

Kapitel 27: Hinterm Portal

Kapitel 28: Weit weg vom Portal

Kapitel 29: Vorm Portal

Kapitel 30: Porno-Pingpong

Kapitel 31: Richtung Portal

Kapitel 32: Ins Portal

Nachwort

Vorwort und Danksagung

„Warum, mein Lieber, schreibst du ein solches Buch? Geht es dir vielleicht nicht gut, möchtest du reden?“ Diese und ähnliche Fragen wurden mir in den vergangenen Jahren zuhauf gestellt, wenn es um „Geschichten aus Rammelstadt“ geht – einem Roman, der beschrieben werden könnte als eine Art „Comedy-Action-Fantasy-Horror-Porno“, mit Betonung auf dem komödiantischen Aspekt. Nun, zuallererst: Weil ich es konnte. Zum zweiten: Weil es getan werden musste. Zum dritten: Weil mein Freundeskreis an den Kapiteln einen solchen Spaß entwickelt hatte, dass ich das Projekt unmöglich im Papierkorb verschwinden lassen konnte. Das Ergebnis dieser Umstände, lieber Leser, halten Sie nun in den Händen. Ich bin froh über diese Entwicklung und wünsche Ihnen die nötige charakterliche Festigung und Akzeptanz sowie hoffentlich auch eine Menge Spaß beim Lesen. Lassen Sie mich den Rest dieser Seite nutzen, um mehreren Menschen zu danken: Meiner Schwester Judith sowie Michael Steets und Katharina Weber, die dieses Buch lektoriert haben; meiner Verlobten Franziska, die trotz Lektüre dieses Buches heute noch ihren Weg mit mir teilt; meinem Freund Ingmar, der diese Widmung beim silvesterlichen Wichteln gewonnen hat; meiner Freundin Bruni Leuchtkolben, die mit ihren wundervollen Arbeiten grafisch zur Seite gestanden hat – und all jenen, die mich durch ihre steten Nachfragen angetrieben haben, dieses Buch wirklich einmal fertig zu stellen. Ich danke euch allen!

Ein augend Glied

ein eichler Strich

ein bruster Kuss

ein kopfer Stoß

im Spermenglanz ein schlucker Mund.

Welch schusses Nass

welch schlusser Spritz

und zucker Stöhn

durchnachtend klingt:

in lakend Trieb durchzweite Stund

Alt-dildoische Dichtung, die vollkommen irrelevant für die Kontextualisierung oder Interpretation dieses vorliegenden Romans ist.

1 Louis hat kein Benzin mehr

Louis hatte kaum noch Benzin im Tank. Er beschloss, die nächste Tankstelle anzusteuern und neue Flüssigkeit in seine Corvette pumpen zu lassen. Es dämmerte bereits, als er den Wagen von der Straße lenkte und die nordöstliche Tankstelle von Rammelstadt anfuhr, die erleuchtet, aber verlassen am Beckengürtel der Häuserleiber lag.

Louis steuerte Zapfsäule eins an und manövrierte den Tankschlauch in den Einspritzer. Es tat sich nichts. Verwundert sah er auf die Anzeige, drückte erneut den Hebel am Benzinschlauch. Kein Benzin floss.

Ein wenig verärgert betrat Louis die Tankstelle und schritt zur Kasse, an der eine üppig ausgestattete Blondine saß. Sie war Mitte 30, hatte schüchterne Reh-Augen und eine niedliche Bluse, an der zwei steile Spitzhügel das Landschaftsbild prägten.

„Das Benzin ist leer“, sagte Louis. „Wie kann ich denn jetzt einspritzen?“ Sie erwiderte seinen Blick, während sie an ihren Brustwarzen spielte. „Wir haben gerade unser System umgestellt, um Lieferkosten zu sparen und unsere Stellung in der Stadt zu verbessern“, sagte sie dann.

„Wie meinen Sie das?“, fragte Louis. Sie erhob sich und ging zu den Wandregalen hinter ihr, die mit schwarzen Pillendosen bestückt waren. Sie nahm eine der kleinen, elegant wirkenden Dosen heraus und kehrte zurück an die Theke. „Sie schlucken einfach eine dieser Pillen für jeweils fünf Liter Benzin. Diese Kohlensulfid-Verbindungen sorgen dafür, dass sich ihr Ejakulat in Treibstoff verwandelt, je nach ihren Wünschen in Diesel oder Super. Dann stecken Sie ihren Penis in den Einspritzer und wichsen sich ordentlich einen ab.“

„Aha“, brachte Louis verblüfft hervor. Dann fragte er ein wenig misstrauisch nach. „Heißt das, mit einer dieser Tabletten produziere ich am Stück fünf Liter Sperma? Ist das nicht gefährlich?“

„Nein“, sagte die Kassiererin, „die Tabletten haben eine langjährige Testphase durchlaufen und werden nun bei uns in Rammelstadt erstmals angeboten. Sie sind absolut sicher.“

Er zögerte, dann griff er in die Tasche und bezahlte die kleine Dose mit dem Tankviagra. Sie gab das Wechselgeld heraus, lehnte sich zurück und griff zu einer Tasse Kaffee, die vor ihr auf dem Tisch stand.

Als er zu seiner Corvette in die Nacht hinaustrat, lag ihr Einspritzer noch wartend für ihn bereit, ganz so, wie er sie verlassen hatte. Er sah beidseitig die Straße entlang. Niemand war zu sehen. Louis öffnete die Dose und schluckte eine der schwarzen Tabletten. Sofort spürte er, wie sich ein warmes, benzinöses Gefühl in seinen Hoden ausbreitete und die Viskosität und das Volumen seines Liebessaftes sich sprunghaft erhöhten. Sein Schwanz richtete sich zu ungeahnter Größe auf und füllte sich blubbernd und sprudelnd mit Autosaft. Louis schaffte es gerade noch, mit der Spitze seines Kolbens den Einspritzer zu passieren, bevor er mit einem lauten Grunzen seine Tankfüllung begann.

Aus Büchern wusste er, dass der Orgasmus von Schweinen bis zu einer halben Stunde dauern konnte. Seiner dauerte nun immerhin fünf Minuten, dann waren fünf Liter Benzin in den Tank geklatscht. Seine Eier brannten wie Ameisen unter einer Lupe. Mit einem erleichterten Seufzen stützte Louis sich auf dem Dach seiner Maschine ab, um wieder zu Atem zu kommen. Aus den Augenwinkeln beobachtete er, dass die Kassiererin ihre Bluse abgelegt hatte.

Offenbar hatte sie ihm über eine der Kameras beim Auffüllen beobachtet.

„Hat geklappt“, rief er und hob den Daumen. Sie zuckte ein wenig zusammen, drehte sich zu ihm um und beendete das Kneten ihrer formschönen Brüste. Er zog die Hose wieder an und kehrte kurz zum Nachtschalter zurück.

„Sie haben eine tolle Maschine“, sagte sie.

Er nickte. „Danke. Und ihre neue Methode ist beeindruckend. Jetzt kann ich überall tanken; auch, wenn einmal keine Tankstelle in der Nähe ist, beim Einkaufen oder so.

Wie fährt es sich denn eigentlich mit dem neuen Benzin?

Hätten Sie Lust auf eine kleine Spritztour?“

Sie lächelte. „Ich habe in zehn Minuten Feierabend, dann komme ich gerne mit Ihnen. Haben Sie Lust, mir so lange ein wenig die Brüste zu massieren?“

Er dachte kurz nach und sah in Richtung der Corvette.

„Ich bin mir nicht sicher, ob meine Frau damit einverstanden ist. Aber ich denke, das geht in Ordnung. Wir haben es nicht eilig.“

„Ich bin übrigens Cindy“, sagte die Kassiererin.

„Angenehm, Louis“, sagte Louis und beugte sich vor, um ihren Dekolleté-Bereich mit den Fingern zu erforschen.

Die letzten Minuten ihrer Schicht strichen vorbei, ohne dass ein weiterer Kunde kam: Im Nordosten von Rammelstadt wurde es nach Einbruch der Dunkelheit ruhig, weil fast alle Einwohner abends ins südliche Vergnügungszentrum strebten.

Nachdem Cindy abgeschlossen hatte, gingen die beiden gemeinsam zur Corvette, in der Louis' Frau bereits auf die beiden wartete. Mirabella war Insektologin und sie wollten heute gemeinsam im Wald Glühwürmchen beobachten.

Louis brachte seine Maschine zum Vibrieren und die Drei starteten ins Dunkel der Nacht. Es sollte die Nacht ihres Lebens werden – und alles startete mit fünf Litern Benzin.

2 Hannah tanzt an der Stange und trifft Mr. Barnebee

Im südlichen Zentrum von Rammelstadt gab es mehrere Nachtclubs, vor denen sich abends lange Schlangen bildeten. Vor einem der berühmtesten, dem Kitzlerkeller, stand Hannah im Minirock und fröstelte. Es war schon Juni, aber im Augenblick hätte man mit ihren Brustwarzen Zitronen auspressen können. Ihre Freundin Shana hatte ihr vor kurzem den Tipp gegeben, im Kitzlerkeller vorbeizuschauen. Dort sollte es nicht nur Barhocker mit vorgefertigten Sitzdildos geben, sondern auch exotische Stangentänze, bei denen Männer und Frauen an großen, eichernen Liebesästen ihre Bewegungskünste bewiesen. Der gut gebaute Türsteher bedeutete Hannah, ihre Unterwäsche unter dem Minirock zu entfernen und sie in den dafür vorgesehenen Wäschekorb zu legen. Dann untersuchte er Hannahs Handtasche mit Mund und Nase und ihren Körper auf verborgene Gegenstände. Nach einigen Minuten des Erforschens konnte sie passieren und die mit kleinen Strass-Klits besetzten Stufen in den Kitzlerkeller hinabsteigen.

Im Club vibrierte die Luft von den Bässen, es roch nach Moschus, Vanille und Pheromonen. An der Vagibar zeigten zwei Showbarkeeper ihre Künste und ließen die Flaschen durch die Lüfte fliegen, während viele Neugierige und Schluckwillige auf den Dildohockern Platz genommen hatten. Hannah ließ sich auf einem handgefertigten Weidenast-Hocker nieder und bestellte einen Gin Tonic.

Im Hintergrund lief ein Lied aus den 90ern, das sie angenehm an ihre ersten sexuellen Abenteuer erinnerte. Sie war 14 gewesen, sie waren auch 14 gewesen.

Neben ihr saß ein älterer Herr mit grau meliertem Haar. Er hatte ein reifes, aber durchaus erregendes Gesicht, dessen Narben und vom Wetter gegerbte Haut die Geschichten der Seefahrt erzählten. An Stelle seines rechten Unterschenkels hatte er einen hölzernen Dildo umgeschnallt, der vom Kniegelenk abwärts dem klitbesetzten Boden entgegen nickte. In der einen Hand schwenkte er einen Whisky, dessen Geruch sich süßlich und ein wenig torfig an Hannahs Nase schmiegte, in der anderen hielt er eine qualmende Pfeife.

„Hey, Puppe“, sagte er und hustete Rauch in ihr Gesicht.

Sie wusste sofort, er hatte etwas Besonderes an sich, das sie anzog. „Hallo“, erwiderte sie und nippte an ihrem Gin Tonic.

Er glitt mit seinen Augen über ihren Körper: entlang an den verspielten Kokosnüssen, den sandfarbenen Bauch hinunter in Richtung der Lustbucht, dann die Ankerbeine hinunter ins Meer und nach einigen erfrischenden nassen Spritzern wieder nach oben bis zu ihren himmelblauen Augen und dem roten Haar, das wehend ihr frisches Gesicht umspielte. Sie spürte seinen Wunsch, in ihrer Bucht anzudocken und im Sturm der Liebe zu koitieren.

„Du bist noch nie hier gewesen, sonst hätte ich dich gesehen“, sagte er. Es war keine Frage, es war eine Feststellung.

„Woher weißt du das?“, fragte sie verblüfft.

„Ich merke mir jeden Körper wie eine einzigartige Landschaft“, sagte er und malte mit dem Finger seiner ringbeschmückten Hand Linien, Kreise und andere Formen in die Luft. Dann wanderte sein Finger an die Schläfe. „Deiner war noch nicht in meinem Kopf abgelegt.“

Hannah trank noch einen Schluck. Eine Weile schwiegen sie versonnen. „Soll ich für dich tanzen?“, fragte sie dann.

Im Hintergrund auf dem Podest war gerade eine Eichenstange freigeworden. „Sehr gerne“, sagte er lächelnd. Sie lächelte ebenfalls, nickte und stieg das Podest empor. Es war eine Weile her, dass sie an der Stange getanzt hatte. Hannah atmete einmal tief durch und begann ihre Beine um die harte Eiche zu schlingen, sie regelrecht mit ihrem Körper zu vereinigen und ihre Astlöcher spielerisch in die Höhe zu strecken. Sie schenkelte die Stange und versicherte sich, dass sie die Aufmerksamkeit des Kapitäns hatte.

Dann drehte sie sich über Kopf von der Eiche weg in seine Richtung und ließ ihre Wonnehügel neckisch auf seinen Whisky schielen. Es war zweifelsohne ein schottischer Tropfen, der da im Glas funkelte, vermutlich von der Speyside, der zentralen Whisky-Region der Insel, in der rund 50 Brennereien beheimatet waren. Ob es ein Cragganmore oder ein Aberlour war, vermochte sie nicht zu sagen, zumal bei ihren Überkopfpirouetten jeweils nur kurze Zeit verblieb, mit der Nase die Nähe seines Glases zu suchen.

Der Geruch aber betörte sie und feuerte sie zu genitalakrobatischen Höchstleistungen im Stangentanz an, denen sie nun gerne nachkam, mal am Boden die Stange klammernd, mal beinahe schwerelos in der Luft um sie kreisend.

Nachdem sie eine Weile getanzt hatte, applaudierte der Kapitän begeistert. „Das war wirklich herausragend“, sagte er glücklich und nahm sie in die Arme. Die beiden Kellner und die umliegenden Gäste fielen in das Klatschen ein, Applaus brandete auf. Hannah nickte dankend in die Menge und errötete leicht. So viel Applaus hatte sie noch nie bekommen. Sie fühlte sich wie Marilyn Monroe, nur ohne Wind oder Unterwäsche und mit Eichenholz zwischen den Schenkeln.

Als sich alle wieder mit sich selbst beschäftigten, fielen Hannah und der Kapitän auf die Barhocker zurück. Er nahm einen Schluck Whisky und sah ihr in die Augen.

Nach einem längeren Blickkontakt, in dem sie sich in seinen Augen verlor, sagte er: „Ich heiße Barnebee und bin der Besitzer des Kitzlerkellers.“

Sie war überrascht. „Das freut mich aber, Sie persönlich kennenzulernen, Mr. Barnebee.“

„George.“ Er lächelte und strich ihre Wange. „Gutes Kind, du erscheinst mir wie eine Goldgrube, in der man nur tief genug schürfen muss. Hast du nicht Lust, ab sofort für uns zu tanzen?“ Hannah nickte lächelnd und kicherte. „Aber nur, wenn du mir gelegentlich von deinem Seemannsgarn erzählst und mich demnächst einmal ordentlich kielholst.“

„Das können wir machen“, lachte er, „ich hab auch ein Boot.“

3 Das Ritual

Es war eine halbe Stunde vor Mitternacht, als Flore sich zu Fuß ins nördlich von Rammelstadt gelegene Waldstück begab.

Sie hatte vor, den Göttern des Voodoo eine Opfergabe darzubringen, so wie sie es von ihrer Mutter gelernt hatte. Flore war Haitianerin und vor kurzem von ihrem Freund verlassen worden. Jimbo hatte erst bei ihrer besten Freundin eingezipfelt und dann mit deren Exfreund Flöte gespielt, dieser Bigamist. Der Drecksbengel sollte leiden, während Flore noch einmal so richtig Spaß an ihm hatte. Unter den Loa, den haitianischen Gottheiten, gab es Damballah, den Gott der Fruchtbarkeit und Sexualität.

Normalerweise war er eine Präsenz der Harmonie, des Optimismus und der Lebensfreude. Aber es gab auch einen bösen Dämon im Voodoo, der helfen konnte, Damballahs Fähigkeiten zu anderen Zwecken zu nutzen.

Flore zögerte, als sie nach fünfundzwanzig Minuten Fußmarsch an der kleinen Waldhütte angelangt war, die ihrer Familie gehörte und als Schrein diente. Dann trat sie ein, die im Wald gesammelten Opfergaben für Bakulu-Baka, kurz Baka, in der Hand. Er war der Schlimmste der Loa.

Niemand aus ihrer Familie hatte jemals gewagt, ihn zu wecken – zumindest hatte es keiner erzählen können oder erzählen wollen. Aber Flore wollte es darauf ankommen lassen. Zuerst beschwor sie Damballah. Das für ihn benötigte Wasserbassin hatte sie bereits platziert, als sie mit den Formeln begann. Draußen begann es zu regnen, kurz darauf zu blitzen. Als ein besonders heller Blitz die Hütte in sein gleißendes Licht tauchte, erschien eine einäugige Schlange im Wasserbassin.

Noch während Damballah, der gutmütige Loa, in seinem Gefäß vor sich hinschlängelte und allmählich in der Menschenwelt zu Bewusstsein gelangte, setzte Flore zur zweiten Beschwörung an. Mit jedem Satz, den sie aussprach, wurde der Himmel dunkler und mit jedem Wort verstärkten sich die Blitze. Ein Beben erfasste die Hütte, als der Donner nahe genug heran gekrochen war. Eines der Fenster, das offensichtlich nicht ordentlich verschlossen worden war, wurde vom Wind aufgerissen und schlug hart gegen die Wand. Das Gewitter war nun mitten über der Waldhütte. Flore fühlte sich, als würde der Himmel sie beobachten und nur darauf warten, die Hütte endlich zerstören zu können. Kurz darauf schnellte ein Blitz durch das offene Fenster. Das große Märchenbuch, das Flores Oma ihr zum fünften Geburtstag geschenkt hatte, wurde in kleine Stückchen gerissen und aus dem Fenster gewirbelt. Die Haitianerin versuchte sich wieder auf ihre Trance zu konzentrieren und den Verlust des geliebten Buches ebenso auszublenden wie das warnende Zischen der Schlange hinter ihr.

Als Flore mit der Beschwörung endete, riss die Tür der Hütte aus ihren Angeln und ein Wesen mit Hörnern, Felljacke und schweren Stiefeln trat ein, klirrende Ketten hinter sich herziehend. Es war eine riesenhafte Kreatur, die den Raum bis zur Decke erfüllte und deren Augen einen direkten Blick in die Hölle gewährten. Bakulu-Baka, der schlimmste Loa des Voodooismus, war erschienen. Flore wich intuitiv zurück. Dann nahm sie all ihren Mut zusammen und zeigte dem Neuankömmling ihre wohlgeformten Brüste.

„Du kriegst von denen hier hundert Paar in den Wald geliefert, wenn du mir hilfst“, sagte sie, während im Hintergrund die Schlange erschrocken zischte. Die Ketten des Loa klirrten, als sich ein knochenhafter Penis in Schuss-Stellung brachte und zwischen dem Fell hindurchblickte.

„Was willst du“, flüsterte er in Begleitung eines weiteren, unnatürlich hellen Blitzes.

Flore grinste. „Ich will eine funktionsfähige Sex-Voodoo-Puppe, deshalb habe ich auch den Schlangenopa da hinten gerufen.“ „Das war unnötig“, flüsterte der Penis und schoss eine gewaltige Ladung rot leuchtenden Loa-Spermas auf die Schlange. Das Wasser im Bassin begann zu dampfen, und unter Höllenqualen schied Damballah aus der irdischen Welt dahin, verätzt in diabolischem Ejakulat.

Flore riss schockiert die Augen auf, als sie dem Tod ihres liebsten Loas zusehen musste. Nur widerstrebend wandte sie sich langsam wieder dem sprechenden Penis zu. Dieser hatte inzwischen ein Holzkörbchen auf der Spitze hängen und wedelte damit vor Flores verängstigtem Gesicht.

„Hier“, sagte er, „das ist es, was du brauchst.“ Flore nahm den Korb von der feuchten, etwa faustgroßen Eichel und sah hinein. Drinnen lag eine kleine Puppe aus sonderbar weichem, warm pulsierendem Holz. Sie war männlich, vollkommen nackt und so ausgestattet, wie man es von einem erwachsenen Mann erwarten würde. Flore nickte zufrieden. Jimbo würde leiden. Im nächsten Moment schnellte eine schwere Kette an ihrem Kopf vorbei und zerstörte den Schrein. „Drei Tage. Du hast drei Tage“, sagte Bakulu-Baka leise, aber gefährlich. „Wenn ich dann meine 100 Paar formschöne Titten nicht habe, werde ich aus deinen Gedärmen eine neue Kette für mich machen.“

Mit diesen Worten verließ er die Hütte, nicht, ohne mit seinem gigantischen Schwengel ein Loch im Türrahmen zu hinterlassen. Flore sackte auf den Knien zusammen.

Die Begegnung hatte ihr alle Energie geraubt. Einige Minuten lang saß sie einfach nur da. Dann begann sie zu lachen. Ihr Lachen wurde lauter und hysterischer, irgendwann ging es in begeistertes Stöhnen über, als sie begann, ihre Möpse zu bearbeiten. Die Vorstellung, Jimbo in Kürze telekinetisch zu Tode zu rammeln, machte sie irgendwie geil.

Jimbo Rayray Malone war ein mittelgroßer Mann mit halblangen, schwarzen Haaren und gut gebauten Brustmuskeln, die ihn in jedem Smoking zur Geltung brachten. Seiner war nur aufgemalt. Er arbeitete als Kellner in einem Restaurant, das sich auf die Zubereitung von menschlichen Büfetts spezialisiert hatte. Eine Gruppe älterer Damen betrat den piekfeinen Laden und blieb vor dem kleinen Pult stehen, an dem Jimbo sie begrüßte. „Hallo Ladies“, sagte er mit einem charmanten Lächeln und führte die kleine Gruppe nach dem ersten Abtasten zu ihrem Tisch, einem schönen, lang gebauten Stück, das aus dem Holz eines Apfelbaums gefertigt war. Die fünf Frauen im Alter zwischen 50 und 70 nahmen erwartungsvoll Platz, nachdem sie ihre Mäntel an den kunstvoll in die Wand eingelassenen Holzdödeln aufgehängt hatten. Nach dem Erfüllen der Getränkewünsche ging Jimbo in die Küche, um sich mit kandierten und schokolierten Obststücken belegen zu lassen. Auf dem Tisch stand eine Platte, die bereits mit Schokostreusseln, Puderzucker und einigen Bananen versehen war. Jimbo ließ sich zentral auf der Platte nieder – und zuckte zusammen. Für einen Moment hatte er das Gefühl sich auf eine Banane gesetzt zu haben. Keine gänzlich unangenehme Erfahrung, aber überraschend. Als er sich umdrehte, sah er aber nichts Entsprechendes; die Staudenfrüchte waren ordnungsgemäß an den Rändern der Silberplatte drapiert.

Flore zog den Finger aus dem Apfelpo der Voodopuppe und grinste. Als sie ihn hineingesteckt hatte, hatte die Puppe kurz gezuckt. Das war besser als 3D-Kino. Sie ging zu der kleinen Kommode hinüber, öffnete die obere Schublade und platzierte mehrere Dinge auf dem Tisch, auf den sie auch die Puppe gelegt hatte. Nacheinander fanden sich dort ein Milchschäumer, ein Cocktailschirm, ein Korkenzieher, eine Flachzange und ein Nussknacker, der Größe nach sortiert. Flore, die Sexhexe, summte fröhlich eine Melodie, während sie begann, der Puppe den Holzpimmel zu massieren. Es war irgendein Lied der Backstreet Boys: passende Musik, um einen gestandenen Mann telekinetisch zu Tode zu penetrieren.

„Gerda, hast du die Nüsse schon probiert?“, fragte Ilse derweil im „fruit of the bloom“ schmatzend. Hannelore und Marta hatten das lesbische Pärchen eingeladen, um noch einmal vor die Tür zu kommen und beobachteten nun, ebenfalls leicht schmatzend, weil alte Damen beim Essen nun mal schmatzten, den Dialog. Gerda war seit jeher kein Fan von Nüssen gewesen und verneinte. Sie hatte sich stattdessen einer saftigen Melone zugewandt. Hilde schließlich, die fünfte im Bunde, hatte sich voll und ganz auf Jimbo Rayray fokussiert und betrachtete ihn liebevoll mit auf dem Tisch aufgestützten Ellenbogen. „Wenn ich die Zähne rausnehme, kann ich prima saugen“, sagte sie und knabberte verführerisch mit ihren Dritten an einer Erdbeere.

Jimbo lächelte – und bemerkte stutzend, dass er während des Satzes der alten Vettel stückweise mehr Ananas auf seinem Bauch zur Seite schob. Normalerweise stand er auf junge Brünetten. Hängetitten und graue Haare waren nicht gerade sein Idealbild. Sein kleiner Insulaner schien das aber offenbar ganz anders zu sehen und bahnte sich ruckend und zuckend den Weg aus der Obstinsel heraus ins Freie. Er traf auf größtenteils interessierte Gesichter.

Hilde nahm ihre Zähne heraus. Jimbo lächelte, er genoss die Aufmerksamkeit auf der Obstplatte. Als auf einmal sein rechtes Ei platzte, lächelte er nicht mehr. Die Bananen färbten sich rot, und während Hilde ein wenig zurückwich und die Zähne wieder einsetzte, beugte sich Ilse vor, die beim burlesken Zungenspiel mit Gerda ihre Brille verloren hatte. „Schatz, hat unser Jimbo gerade tatsächlich ein Ei verloren?“ „Es scheint so“, sagte Gerda und nahm sich noch ein Stück Melone. „Irgendwie machen mich Kastrationen immer hungrig.“ Ilse zuckte die Schultern und sicherte sich einen Klecks Sahne mit Blaubeeren von dem vor ihr auf der Platte zuckenden rechten Nippel, während Jimbos linkes Ei platzte, irgendetwas in seinem Darm aufspannte und er zuckend das Bewusstsein verlor. „Sagen Sie“, fragte Ilse schließlich, als einer der Kellner vorbeilief und deutete auf den leblosen Jimbo, der wie eine hautfarbene Portion Pommes Rot-Weiß auf dem Tablett zuckte, „ist das normal?“ Gerda nahm sich noch eine Erdbeere.

Immerhin hatte sie Geburtstag.

4 Vom Gleis 15¾ ins Unbekannte

Chris war spät dran. Er hatte seinen ersten Zug bereits verpasst, jetzt musste er sich ein wenig sputen, wenn er seinen Startplatz bei den internationalen Porno-Pingpong-Meisterschaften wahrnehmen wollte. Der Bahnhof von Rammelstadt war unübersichtlich angelegt, Chris hatte ein wenig Mühe sich zu orientieren. An einem Kiosk erstand der athletische 28-Jährige noch die neueste Ausgabe der Cunt weekly, dann eilte er los zu Gleis 16, das irgendwo hinter der 15 und vor der 17 liegen musste. Während er im Laufschritt den Bahnhof durchquerte, fielen ihm zwei seltsame junge Frauen ins Auge. Sie waren bis auf eine Schaffnermütze und eine um den Hals gehängte Trillerpfeife vollkommen nackt. Chris sah sich um. Offenbar war er der einzige, der von diesen kessen Sahnemuschis Notiz genommen hatte. Betont lässig ging er zu den ansprechend proportionierten Blondinen in ihrer spärlichen Uniform und räusperte sich.