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Der Regisseur von »Ich, Daniel Blake« und der Autor von »Das Ende von Eddy« gemeinsam im Gespräch Édouard Louis und Ken Loach - zwei Künstler aus unterschiedlichen Ländern und Generationen blicken in ihren Werken immer wieder in die dunklen Ecken unserer Gesellschaft. Sie erzählen die Geschichten, die gerne verschwiegen werden: von Armut, sozialem Abstellgleis und politischer Gewalt. Hier treffen sich der Kultautor und der renommierte Filmemacher zum Gespräch über Kunst, Kino, Literatur und deren Bedeutung für die heutige Gesellschaft. Wie kann immer wieder neu über Klasse, soziale Gewalt und Gerechtigkeit nachgedacht werden? Wie sieht eine Kunst aus, die die Machtverhältnisse nicht nur beschreibt, sondern erschüttert? Wie kann sie intervenieren und mobilisieren? In ihrem Dialog entwerfen Ken Loach und Édouard Louis ein Manifest für eine radikale Veränderung der Kunst.
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Seitenzahl: 52
Veröffentlichungsjahr: 2023
Édouard Louis | Ken Loach
Édouard Louis und Ken Loach – zwei Künstler aus unterschiedlichen Ländern und Generationen blicken in ihren Werken immer wieder in die dunklen Ecken unserer Gesellschaft. Sie erzählen die Geschichten, die gerne verschwiegen werden: von Armut, sozialem Abstellgleis und politischer Gewalt.
Hier treffen sich der Kultautor und der renommierte Filmemacher zum Gespräch über Kunst, Kino, Literatur und deren Bedeutung für die heutige Gesellschaft. Wie kann immer wieder neu über Klasse, soziale Gewalt und Gerechtigkeit nachgedacht werden? Wie sieht eine Kunst aus, die die Machtverhältnisse nicht nur beschreibt, sondern erschüttert? Wie kann sie intervenieren und mobilisieren?
In ihrem Dialog entwerfen Ken Loach und Édouard Louis ein Manifest für eine radikale Veränderung der Kunst.
Weitere Informationen finden Sie auf www.fischerverlage.de
Édouard Louis wurde 1991 geboren. Sein autobiographischer Debütroman »Das Ende von Eddy«, in dem er von seiner Kindheit und Flucht aus prekärsten Verhältnissen in einem nordfranzösischen Dorf erzählt, sorgte 2015 für großes Aufsehen. Das Buch wurde zu einem internationalen Bestseller und machte Louis zum literarischen Shootingstar. Seine Bücher erscheinen in 30 Ländern und werden vielfach fürs Theater adaptiert und verfilmt. Im Sommer 2018 war Édouard Louis Samuel-Fischer-Gastprofessor an der Freien Universität Berlin, wo er den Begriff der »konfrontativen Literatur« prägte. Zuletzt erschienen »Wer hat meinen Vater umgebracht«, »Die Freiheit einer Frau« sowie »Anleitung ein anderer zu werden«. Édouard Louis lebt in Paris.
Ken Loach, geboren 1936 in Nuneaton, ist einer der weltweit bekanntesten Filmregisseure und Drehbuchautoren. In seinen Filmen setzt er sich mit sozialkritischen Themen auseinander. »Ich, Daniel Blake« wurde 2016 mit der Goldenen Palme von Cannes ausgezeichnet.
Hinrich Schmidt-Henkel übersetzt seit 1987 Belletristik und Theaterstücke aus dem Französischen, Italienischen und Norwegischen, darunter Werke von Jon Fosse, Henrik Ibsen, Jean Echenoz, Louis-Ferdinand Céline, Stefano Benni und Massimo Carlotto. Er ist u.a. Träger des Jane-Scatcherd-Preises der Ledig-Rowohlt-Stiftung, des Paul-Celan-Preises und des Deutschen Jugendliteraturpreises.
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Erschienen bei FISCHER E-Books
Die Originalausgabe erschien 2021 unter dem Titel »Dialogue sur l'art et la politique« bei Presses Universitaires de France (PUF) / Humensis, Paris © 2021 Presses Universitaires de France / Humensis 2021 All rights reserved.
Für die deutschsprachige Ausgabe:
© 2023 S. Fischer Verlag GmbH, Hedderichstr. 114, D-60596 Frankfurt am Main
Covergestaltung: Andreas Heilmann und Gundula Hissmann, Hamburg
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Dieses E-Book ist urheberrechtlich geschützt.
ISBN 978-3-10-491657-6
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DIALOG I
FRAGEN AN KEN LOACH UND ÉDOUARD LOUIS
DIALOG II
FRAGEN AN KEN LOACH UND ÉDOUARD LOUIS
Dank
Arbeit und Gewalt
ÉDOUARD LOUIS: Ich möchte gern mit einer Annäherung und einer Frage beginnen. In meinem Buch Wer hat meinen Vater umgebracht habe ich versucht, das Leben meines Vaters zu rekonstruieren, mein Vater hat nämlich mit ungefähr 35 Jahren in der Fabrik, wo er angestellt war, einen Arbeitsunfall erlitten. Ein schwerer, an Kabeln aufgehängter Gegenstand stürzte auf ihn herab und zerschlug ihm den Rücken. Nach diesem Unfall musste er mehrere Jahre lang immobilisiert werden, er bezog eine Invalidenrente, bis zu dem Tag, da der französische Staat beschloss, er könne jetzt wieder arbeiten, sei dazu wieder imstande – dabei sah ich, wie er sich wegen der Unfallfolgen nachts immer noch vor Schmerzen wand. Nur waren in Frankreich ganz einfach die Voraussetzungen für eine Invalidenrente oder Sozialhilfe härter geworden, die Regierung hatte beschlossen zu »sparen« … Ab dem Moment, wo mein Vater wieder als arbeitsfähig angesehen wurde (nach welchen Kriterien eigentlich?), saßen ihm also die Behörden im Nacken und drängten ihn, Arbeit zu suchen; es hieß, »entweder finden Sie eine Anstellung, oder Ihnen wird ihre jämmerliche Rente gestrichen«, mit anderen Worten, entweder Sie sterben hungers, oder Sie sterben an der Arbeit, als gäbe es nur diese Alternative für die Beherrschten: sterben oder sterben. In der Tat habe ich das Buch teilweise unter dem Einfluss deines großartigen Films Ich, Daniel Blake geschrieben, in dem ein Mann von der englischen Verwaltung dazu getrieben wird, Arbeit zu suchen, um jeden Preis, trotz seiner zerrütteten Gesundheit, da der Staat sich umfänglich aus der Verantwortung ziehen und einem arbeitsunfähigen Mann wie ihm kein Geld mehr zahlen will. Man ruft ihn an, man verlangt Nachweise über seine Bemühungen bei der Arbeitssuche, man bestellt ihn ein …
Alles bringt mich auf den Gedanken, dass dein Film von gesellschaftlicher und politischer Verfolgung handelt. Ich stelle fest, dass die Beherrschten häufig die Sprache der sozialen Exklusion übernehmen; man redet von den »Ausgeschlossenen«, von der »Gewalt der Exklusion«, aber wenn man das
