Gesund und Munter - Frey Ortega - E-Book

Gesund und Munter E-Book

Frey Ortega

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Beschreibung

Finn Macmillan steht in Konflikt mit sich selbst. Als Sohn des Alphas hat er über den Sinn seines Lebens nicht einmal nachgedacht, als eben dieses Leben ihm plötzlich einen attraktiven, jungen Prinzen vor die Füße wirft, mitten auf die Straße auf dem Nachhauseweg nach Hidden Lake, einem Zufluchtsort für Gestaltwandler, wo sie vor den Augen der Menschheit geschützt sind. Und obwohl Finn kein Problem darin sieht, seinen Gefährten für sich zu beanspruchen, hat Kahlil Angst, sesshaft zu werden. Schließlich wird er noch immer gejagt. Wie kann Finn den verbannten Prinzen beruhigen und ihn einsehen lassen, dass sein rechtmäßiger Gefährte dafür sorgen wird, dass Kahlil bei ihm immer Gesund und munter ist? Ein homoerotischer Liebesroman für Erwachsene mit explizitem Inhalt. Jeder Band dieser Reihe geht auf die Beziehung eines anderen Paares ein und kann eigenständig gelesen werden, zum besseren Verständnis und um die gesamte Geschichte aller Figuren zu erfahren, empfiehlt es sich jedoch, alle Bände in der Reihenfolge ihres Erscheinens zu lesen. Länge: rund 37.600 Wörter

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Veröffentlichungsjahr: 2019

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Inhaltsverzeichnis

Prolog

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Epilog

ÜBER DEN AUTOR

LESEPROBE:

Gesund und munter

Finn Macmillan steht in Konflikt mit sich selbst. Als Sohn des Alphas hat er über den Sinn seines Lebens nicht einmal nachgedacht, als eben dieses Leben ihm plötzlich einen attraktiven, jungen Prinzen vor die Füße wirft, mitten auf die Straße auf dem Nachhauseweg nach Hidden Lake, einem Zufluchtsort für Gestaltwandler, wo sie vor den Augen der Menschheit geschützt sind.

Und obwohl Finn kein Problem darin sieht, seinen Gefährten für sich zu beanspruchen, hat Kahlil Angst, sesshaft zu werden. Schließlich wird er noch immer gejagt.

Wie kann Finn den verbannten Prinzen beruhigen und ihn einsehen lassen, dass sein rechtmäßiger Gefährte dafür sorgen wird, dass Kahlil bei ihm immer Gesund und munter ist?

Ein homoerotischer Liebesroman für Erwachsene mit explizitem Inhalt. Jeder Band dieser Reihe geht auf die Beziehung eines anderen Paares ein und kann eigenständig gelesen werden, zum besseren Verständnis und um die gesamte Geschichte aller Figuren zu erfahren, empfiehlt es sich jedoch, alle Bände in der Reihenfolge ihres Erscheinens zu lesen.

Länge: rund 37.600 Wörter

FREY ORTEGA

Gesund und munter

Hidden Lake 1

Ein homoerotischer Liebesroman für Erwachsene

ME AND THE MUSE PUBLISHING

www.meandthemuse.com

Copyright © der englischen Originalausgabe „Safe and Sound“:

Frey Ortega

Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe und veröffentlicht von:

Me and the Muse Publishing – Sage Marlowe

Hohenstaufenring 62, 50674 Köln

Copyright © Cover Design: Sinfully Sweet Designs

Übersetzt von: Jutta E. Reitbauer

URHEBERRECHTLICH GESCHÜTZT:

Dieses Buch darf ohne vorherige eindeutige schriftliche Zustimmung des Urheberrechtsinhabers in keinerlei Form, weder ganz noch auszugsweise, vervielfältigt und / oder vertrieben werden. Dies beinhaltet auch die elektronische und fotografische Vervielfältigung sowie zukünftig entwickelte Methoden. Ebenso ist die kostenlose Weitergabe dieses Buches, beispielsweise über sogenannte File-Sharing Sites ausdrücklich untersagt.

Mit dem Erwerb eines E-Books erhält der Käufer die Lizenz zur persönlichen Nutzung, ist jedoch nicht zur Weitergabe des Inhaltes an Dritte, weder gegen Entgelt noch kostenlos, berechtigt.

Alle in diesem Buch vorkommenden Personen und Handlungen sind frei erfunden. Jegliche Ähnlichkeit zu realen, lebenden oder verstorbenen Personen ist rein zufällig. Sofern Namen real existierender Personen, Orte und Marken verwendet werden, geschieht dies in einem rein fiktiven Zusammenhang.

Bitte beachten:

Einige unserer Titel enthalten Hinweise auf und Beschreibungen sexueller Handlungen, die möglicherweise eine Gefährdung körperlicher und geistiger Gesundheit darstellen können. Mit der Beschreibung solcher Praktiken erheben wir keinen Anspruch auf deren tatsächliche Durchführbarkeit und übernehmen keine Verantwortung für etwaige Verletzungen oder Schäden, die bei der Nachstellung solcher oder vergleichbarer Handlungen entstehen. Generell raten wir unseren Lesern davon ab, potenziell gefährliche Sexualpraktiken ohne entsprechende Sicherheitsvorkehrungen und Anleitung durch Personen mit ausreichender Sachkenntnis durchzuführen.

Widmung

Für meine geschätzte Cree Storm, die geholfen hat, Hidden Lake in die Tat umzusetzen. Und für die fantastische Stormy Glenn, die mich ebenfalls angefeuert hat, während ich dieses Buch geschrieben habe. Vielen, vielen Dank.

Und schließlich für alle, die beschlossen haben, Gesund und munter zu lesen – ich danke euch allen für eure Unterstützung.

Prolog

„Wenn Sie aus dem Terminal am Flughafen herauskommen, geben Sie das dem Mann bei der Autovermietung. Er wird wissen, was es bedeutet, und Ihnen das Auto ohne zusätzliche Gebühren geben, okay? Das ganze Geld steht in Verbindung mit diesem Konto und der Kreditkarte, die ich Ihnen anvertraut habe. Niemand sollte wissen, dass es Ihre ist.“

„Ich weiß, Samara. Danke für die Erinnerung.“

„Falls es nötig ist, könnten Sie auch jemanden suchen, der Ihnen ein Haus verkauft, wo Sie unterkommen können. Halten Sie sich von den großen Städten fern. Man weiß nie, welche Gefahren dort in jeder Gasse lauern“.

Kahlil Amir betrachtete liebevoll die Frau, die sich sein ganzes Leben lang um ihn gekümmert hatte. Samara war ein pflichtbewusstes Kindermädchen und eine Dienerin gewesen, doch vor allem war sie eine zuverlässige Vertraute, eine Freundin und eine Mutterfigur gewesen, als er keine gehabt hatte. Ja, seine Mutter war am Leben und während Kahlils Jugend anwesend gewesen, doch da sie damit beschäftigt war, die Kinder seines Vaters zu bekommen und in ihrem eigenen Palast weit weg vom königlichen Gelände zu leben, hatte Kahlil nie herausgefunden, was für ein Mensch sie war.

Und für Samara, die die gesamten neunzehn Jahre seines Lebens auf ihn aufgepasst hatte, würde Kahlil seine ganze Kraft sammeln und eine tapfere Miene aufsetzen. Sonst würden sie beide jetzt weinen, als ob es das Ende wäre, was es technisch gesehen auch war.

Falls Kahlil keine Todessehnsucht hatte, musste er sein Zuhause verlassen.

„Und denken Sie daran, Sie sind ein Prinz. Es spielt keine Rolle, ob Sie der Prinz eines kleinen Landes sind. Seien Sie stolz darauf, wer Sie sind, selbst wenn man Sie dort, wo Sie hingehen, nicht als Mitglied der königlichen Familie willkommen heißt“, meinte die Frau. „Und kriechen Sie vor niemandem im Staub. Das ist unter Ihrer Würde, Eure Majestät.“

Kahlil grinste. „Samara, ich darf keine Aufmerksamkeit auf mich ziehen. Du weißt doch, dass ich genau wegen dieses königlichen Bluts untertauche, richtig? Ich hätte auf der Straße gesteinigt werden können, doch dieses Exil wurde mir durch meinen Status gewährt.“

Samara lächelte traurig. „Wir können nicht ändern, wer wir sind und wie wir denken, Eure Majestät, und das ist kein Leben, das ich Ihnen wünsche.“ Ohne ein Wort darüber zu verlieren, warum Kahlil das Land verließ, hatte sie es geschafft, genau den Grund zu benennen, warum er gehen musste. Das traurige Lächeln auf seinem Gesicht nahm noch zu. Sie deutete auf das Gate, wo sich die Leute mit ihrem Gepäck anstellten, den Pass in der Hand. „Gehen Sie jetzt. Sonst verpassen Sie noch Ihren Flug. Wir werden dafür sorgen, dass Ihre Brüder Sie nicht finden. Sie wissen, dass dieser Waffenstillstand nicht lange halten wird. Sie haben nur aufgehört, Sie zu belästigen, weil sie Ihren Vater respektieren. Lassen Sie uns hoffen, dass sie mit diesem Ausgang der Sache zufrieden sind.“

Sein Herz war schwer. Mit Tränen in den Augen schlang er die Arme um die Frau, die sich sein ganzes Leben lang um ihn gekümmert hatte. Wenn er nur nicht weggehen müsste, wenn er nur vom Volk und seiner Familie akzeptiert werden könnte, dann könnte er bleiben. Doch das war nicht der Fall, und falls er doch blieb, war er tot.

„Es tut mir leid, dass ich nicht der Mann sein konnte, den unser Land braucht, Samara“, flüsterte Kahlil traurig. „Ich weiß nicht, warum sie so hartnäckig sind, wo ich in der Thronfolge doch nur an zwölfter Stelle stehe.“

Samaras Arme legten sich um ihren Schützling, und sie trug ein ernstes Lächeln auf dem Gesicht.

„Reden Sie keinen Unsinn, Eure Majestät. Sie werden immer gebraucht. Vielleicht nicht von einem ganzen Land, aber es gibt jemanden da draußen, der Ihre sensible Seele schätzen wird.“ Samara lächelte. „Zwölfter in der Thronfolge ist noch immer eine Bedrohung, da es fünfzehn Söhne gibt, die von Ihrem Vater gezeugt wurden.“

„Werde ich dich je wiedersehen?“

„Das wird die Zeit weisen, Eure Majestät. Aber wenn es meine Entscheidung wäre, würde ich diesen gottverlassenen Ort hinter mir lassen und mich woanders mit Ihnen treffen.“ Samara zog ein Blatt Papier aus ihrer Tasche. „Sobald sich die Lage beruhigt hat, rufen Sie mich unter dieser Nummer an, um mich wissen zu lassen, dass Sie in Sicherheit sind. Gehen Sie jetzt. Im Gegensatz zu Ihrem Privatjet fliegt dieses Flugzeug auch ohne Sie los.“

Er lachte leise. Während Kahlil seine Tasche ergriff, den Pass in die Hand nahm und das Ticket hineinsteckte, warf er Samara einen letzten Blick zu. Sie rieb sich etwas aus den Augen, was verdächtig nach Tränen aussah. Die katzenhaften Augen der Frau schimmerten und verrieten ihre Herkunft. Aufgrund ihres langen, langsam ergrauenden schwarzen Haars und ihrer schlanken, geschmeidigen Gestalt war jedem klar, dass diese Frau eine Katzenwandlerin war. Kahlil grinste innerlich, da er und sein Hofstaat als Einzige wussten, dass Samara tatsächlich ein Karakal war.

Ah, Samara, dachte Kahlil traurig. Wenn du nur wüsstest, wie sehr das auch mir weh tut. Ich hoffe, sie behandeln dich im Palast besser.

Als er seine letzten Schritte durchs Gate machte und das Flugzeug betrat, spürte er, wie sich langsam ein Gewicht von seinen Schultern hob. Er ließ alles los – seine Trauer, seine Wut, seine Abneigung, seine Verbitterung – und brachte die letzten verbliebenen Schritte zu seinem Sitz hinter sich. Der Ausdruck auf seinem Gesicht war die Verkörperung von Ruhe, doch seine normalerweise bernsteinfarbenen Augen hatten wegen seiner Traurigkeit ihren Glanz verloren.

Dennoch kamen ihm glückliche Gedanken in den Sinn, als er sich schließlich auf seinen Platz setzte. Selbst wenn sie ihn einfach nur darüber hinwegtrösten sollten, dass er seine ganze Welt zurückließ.

Vielleicht kann ich jetzt frei sein.

* * * *

Zwei Tage hatte er beinahe ununterbrochen in einem Flugzeug verbracht, zuerst auf dem Flug von seinem kleinen Inselstaat nach Marokko, dem Land, das diesem am nächsten lag, und dann von Marrakesch nach New York, bevor er von New York nach Montana flog.

Die letzten paar Tage war er ständig unterwegs gewesen.

Die breite, offene Straße erstreckte sich weiter vor Kahlil, als er gewöhnt war. In seiner Heimat waren die Straßen eng und schmal, doch hier waren sie viel breiter, als er sie je erlebt hatte. Er hatte sogar Platz, das Auto ein wenig auf die Seite zu lenken, ohne Angst haben zu müssen, einen anderen Wagen zu streifen, und alle, an denen er vorbeifuhr, sahen so aus, als ob sie sich an die Geschwindigkeitsbeschränkung hielten. Definitiv anders, dachte Kahlil voller Erheiterung.

Selbst die Landschaft war anders. Das Land war wunderschön, üppig und grün. Rinder grasten neben Teichen und Seen, Ranches und offene Landstriche erstreckten sich, so weit das Auge reichte. Bei der Schönheit seiner Umgebung war Kahlil von Ehrfurcht ergriffen. Es war völlig anders als die sandigen Dünen, an die er gewöhnt war, zusammen mit den palastartigen Wohnungen, die mit den edelsten Juwelen und dem strapazierfähigsten Marmor ausgestattet waren. Hier in Montana war die Luft frisch und kühl, und es gab Berge – richtige Berge! – mit Gipfeln, die so aussahen, als wären sie in reinweißes Eis getaucht worden.

Jetzt, wo seine Taschen im Kofferraum des Autos waren und er selbst sich sicher auf dem Boden eines anderen Landes befand, war er sowohl verängstigt als auch aufgeregt. Jetzt gab es nur mehr die Unsicherheit seiner Zukunft, mit der er sich befassen musste, doch Samara war so nett gewesen, einen Teil des Geldes, das er verdient hatte, auf ein Bankkonto zu überweisen, das seine Familie nie finden würde.

Jetzt konnte er ein neues Leben beginnen.

Prinz Kahlil Amir, neunzehn Jahre alt und der in die Verbannung geschickte Sohn von König Farid, würde völlig von ihrem Radar verschwinden. Er würde ein ruhiges Leben führen, ohne Angst zu haben, derjenige zu sein, der er wirklich war, hier in Montana, was ungefähr so gegensätzlich und weit weg von der trockenen Wüste seiner Heimat war, wie es nur ging. Frische Bergluft und der Geruch nach saftigem, grünen Gras stiegen in seine Nase. Die kühle Luft hüllte ihn ein, so sehr, dass er jetzt tatsächlich eine dicke Jacke über seinem Pullover trug.

Kahlil jagte lächelnd den Motor hoch. Das GPS würde ihm helfen. Er musste nur einen Ort mit Menschen finden, damit er zumindest herausfinden konnte, wo er bleiben sollte. Selbst wenn es nicht so bequem sein würde wie das, was er zu Hause gehabt hatte, würde er hier in der Weite von Montana zumindest nicht hingerichtet werden.

Der verbitterte Gedanke entkam ihm, bevor er an etwas anderes denken konnte, um sich von der Tatsache abzulenken, dass er seine Heimat nie wiedersehen würde.

Kahlil holte tief Luft und unterdrückte seine Tränen. Samara würde dich nicht so sehen wollen, dachte Kahlil und sammelte ein weiteres Mal seine Kraft. Als er auf die offene Straße vor sich sah, schien die Frage nach seiner Zukunft so viel furchteinflößender zu sein als die Gewissheit des Todes, der ihn erwartet hatte, falls er geblieben wäre.

Doch Kahlils vorherrschender Gedanke galt nicht seiner Sicherheit. Jetzt gab es einen kleinen, kindischen Teil von ihm, der sich meldete wie eine zarte Stimme, die ihn anbettelte wie ein Kind seinen Vater oder seine Mutter.

Er hatte schon immer Schnee sehen wollen, und jetzt konnte er es endlich, ohne dass man ihm Fragen stellte.

Ein schmales Lächeln stahl sich auf Kahlils Gesicht. Vielleicht war es doch nicht so schlimm, ins Exil gehen zu müssen.

Kapitel 1

„Oh nein, bitte, tu mir das nicht an …“

Mit einem zornigen Ächzen schlug Kahlil mit beiden Händen aufs Lenkrad.

„Scheiße!“

Als Antwort spuckte und stotterte der Motor wie ein kranker Patient. Es hatte vor ungefähr einer Stunde angefangen. Sein GPS hatte zu funktionieren aufgehört. Dann hatten die Räder begonnen nachzugeben, und schließlich war ihm der Motor verreckt. In Wahrheit hatte er keine seiner Führerscheinprüfungen bestanden. Es war ein Wunder, dass er auf dem Weg hierher nicht angehalten worden war, aber andererseits war er besonders vorsichtig gewesen und hatte sein Bestes getan, um sich an seine Fahrstunden zu erinnern.

Kahlil seufzte. Seine Augenbrauen zuckten verärgert.

Was sollte er jetzt tun? Lag es daran, dass er vor ein paar Meilen nicht an dieser Tankstelle gehalten hatte? Kahlil wusste es nicht. Genervt biss er die Zähne zusammen. Er hatte kein Handy, er hatte nichts. Alles, was er wusste, war, dass er mitten im Nirgendwo feststeckte, soweit ihm bekannt war auf einer Straße, die zu einem Pass zwischen zwei Bergen führte und die, soweit Kahlil sehen konnte, überhaupt die einzige Straße in der Gegend war.

Falls er noch zu Hause wäre, wäre es so einfach. Er hätte einen Chauffeur und einen Leibwächter jederzeit bei sich, die in der Lage wären, ihn aus dieser verfahrenen Situation zu befreien. Aber jetzt war Kahlil alleine, und obwohl er in Erinnerung schwelgen wollte, wie er nur fünf Tage zuvor in seinem königlichen Apartment in einem riesigen Bett lag, das ihm ganz allein gehörte, schlief er jetzt in seinem Auto auf Raststättenparkplätzen. Der eine große Unterschied war, dass er, wenn er geblieben wäre, hätte zustimmen müssen, alles zu ändern, was ihn ausmachte, nur um einfach weiter ein Luxusleben führen zu können.

Selbst jetzt war Kahlil froh, dass er noch immer das Geld hatte, das ihm sein früheres Leben eingebracht hatte. Er musste nicht mit einem Schuldenberg in seine Zukunft starten, was immer eine gute Sache war, und er konnte endlich ein lebenswertes Leben führen.

Das Problem war, dass er nicht genau wusste, wo er sich befand, nur dass es im Umkreis von einigen Meilen die einzige Straße war, die überhaupt irgendwo hinführte, da er anscheinend irgendwann falsch abgebogen war. Vielleicht hätte er besser seinem GPS folgen sollen statt anzunehmen, dass die Straße zum Ausgangspunkt zurückführte. Amerika und speziell Montana war definitiv ganz, ganz anders als seine Heimat, wo alles im Prinzip ein einziges riesiges Planquadrat war.

Jetzt befand er sich in einer ländlichen Gegend in einem Bundesstaat voller Berge. Er war nicht in Los Angeles oder Manhattan. Er hätte nicht einfach annehmen sollen, dass es problemlos lief. Andererseits hatte er noch nie etwas weit voraus geplant. Er hatte keinen Plan für seine Flucht gehabt, außer das Land zu verlassen. Jetzt war er ohne Landkarte unterwegs, hatte kein wirkliches Ziel für seine Fahrt und nun auch kein Auto mehr.

Das war der Grund, warum er auf ein Leben als Zivilist völlig unvorbereitet war. Als Mitglied der königlichen Familie wurden Autos einfach für ihn repariert. Dinge wurden für ihn erledigt. Er hatte nie wirklich etwas selbst machen müssen, was ihn total frustrierte, als ihm klar wurde, dass er wahrscheinlich in der Wildnis sterben würde.

Kahlil verzog das Gesicht. Nun, das ist nicht der richtige Zeitpunkt, darüber nachzudenken, dachte der Prinz sauer. Ich muss jemanden finden, der mir mit dem Auto hilft.

Das Einzige, was ihm blieb, war eine Möglichkeit zu finden, Hilfe aufzutreiben. Die letzte Stadt, durch die Kahlil gefahren war, war ungefähr drei Stunden mit dem Auto entfernt. Das bedeutete, falls er zu Fuß zurückging, würde er wahrscheinlich einen halben Tag dafür brauchen, und es war bereits fast Mittag. Etwas sagte ihm, wenn er die Straße weiterging und den Hügel hinauf, der vor ihm lag, würde er einen besseren Überblick über seine Umgebung haben. Da die Bäume, die die Straße umgaben, auf der Spitze des Hügels aufzuhören schienen, dachte sich Kahlil, dass er in der Nähe des Straßenendes sein musste. Vielleicht gab es da eine Stadt oder zumindest einen Menschen.

Abgesehen davon würde es von der Stelle, wo sein Auto verreckt war, nur fünf Minuten dauern, um hinaufzukommen. Das war wahrscheinlich viel einfacher, als einen halben Tag lang zu laufen. Und falls er es wirklich tun musste, dann würde er die fünf Minuten einfach zu den geschätzten sechs oder sieben Stunden, vielleicht sogar acht oder neun, hinzufügen, die er brauchen würde, um das letzte Zeichen von Zivilisation zu erreichen.

Kahlil seufzte und lief, ja rannte sogar den Hügel hinauf, um schneller oben zu sein. Als er oben ankam, brach er in breites Grinsen aus. Wenigstens eine seiner Entscheidungen hatte sich als richtig erwiesen.

Am Ufer eines großen Sees lag ein Dorf oder eine kleine Stadt. Von seinem Standpunkt aus würde er wahrscheinlich in ein oder zwei Stunden dort sein. Er wandte den Blick gen Himmel und murmelte eine schnelle Danksagung an wer immer da oben war – zu diesem Zeitpunkt war es ihm ehrlich egal, solange er wusste, dass er in der Nacht nicht mitten im Wald feststecken würde –, ehe er zurück auf die kleine Stadt sah.

Zugegeben, die Stadt wirkte auf den ersten Blick nicht besonders aufregend. Es gab einige kleine Gebäude wie zum Beispiel eine Schule und etwas, das nach ein paar Farmen und Ranches aussah, die verstreut um die Stadt am See herum lagen. Er entdeckte sofort die Tankstelle am Stadtrand und die Werkstätte, die direkt daran anschloss.

Jackpot.

Die Stadt selbst bestand aus höchstens dreißig Häusern, einigen kleinen Läden und Holzstegen am Wasser, an denen Fischerboote befestigt waren. Kahlil konnte sehen, dass der See in einen Fluss mündete, der irgendwohin floss, wahrscheinlich zu den weiter entfernt gelegenen Bergen.

Doch als Kahlil seinen Blick über den Horizont schweifen ließ, bemerkte er, dass der ganze See und der Streifen Land, auf dem die Stadt stand, von vielen großen Hügeln und kleinen Bergen umgeben waren. Es gab nur eine einzige Straße, die von dem Dorf in die Welt hinausführte, und das war die Straße, auf der er momentan stand.

Die Stadt lag in einem Tal zwischen all diesen Bergen, abgeschnitten vom Rest der Welt für hunderte, vielleicht sogar tausende Meilen. Das Wichtigste und das Einzige, das Kahlil bemerkte, war, dass er Leute sehen konnte. Klar, sie waren auf die Entfernung nur so groß wie Streichhölzer, doch er konnte etliche unterschiedlich große Menschen herumeilen sehen.

Im Grunde schien es der perfekte Ort für einen Prinzen im Exil zu sein, um sich zu verstecken. Kahlil verbannte das Stirnrunzeln, das auf seinem Gesicht erschienen war, und sammelte stattdessen seine ganze Kraft – und nahm einen großen Schluck aus der Wasserflasche, die er aus seinem Auto geholt hatte –, um die Straße hinunterzugehen. Falls alles gut ging, dann konnte sich Kahlil vielleicht sogar in dem hübschen kleinen Ort am Wasser niederlassen.

Verbittert schluckte er hinunter, was er gefühlt hatte. Das war es, was die Welt wollte, nicht wahr? Dass er und sein radikales Denken ausgemerzt wurden. Falls er verschwand, würden die Dinge viel leichter sein.

Kahlil seufzte leise, während er diese Gedanken aus seinem Kopf zu vertreiben versuchte, und wollte seine Wanderung fortsetzen.

Bevor er dazu kam, hörte er ein merkwürdiges Rauschen in den Bäumen. Es lag nicht nur am Wind, der durch die Zweige strich und die Blätter zum Tanzen brachte, sondern fühlte sich an, als ob etwas – sogar viele verschiedene Etwas – auf ihn zukam. Irgendwo ertönte das Geräusch eines aufheulenden Motors, doch er hatte es zu Gunsten des Geräusches von dem mörderischen Ding in den Bäumen verdrängt. Sofort schienen sich alle von Kahlils Überlebensinstinkten einzuschalten. Sein Herzschlag beschleunigte sich. Er fing an, ein wenig schneller zu gehen, doch er wusste, dass er die Stadt nicht rechtzeitig erreichen würde. Er könnte sich auch für eine Weile im Auto einschließen, bis die Gefahr vorbei war.

Das wäre vielleicht in diesem Moment die klügste Idee, die er je gehabt hatte. Wenn Adrenalin durch deinen Körper rauscht, weil du glaubst, dass du gleich von Mutter Natur getötet wirst, würde dann nicht jeder versuchen, geistesgegenwärtig zu sein?

Kahlils Blick aus bernsteinfarbenen Augen huschte von einer Seite zur anderen, als er nach der Gefahr Ausschau hielt. Er wirbelte auf dem Absatz herum, zuckte erschrocken zusammen und erstickte einen Schrei, als er zwei große, kräftige Männer vor sich in der Nähe seines Autos sah.

„Ganz ruhig“, sagte einer der Männer mit leichtem Akzent. Kahlil fand es charmant, doch andererseits hatte er wahrscheinlich selbst einen Akzent. „Tut mir leid, dass wir dich erschreckt haben. Das wollten wir nicht.“

Kahlil versuchte, sein hämmerndes Herz wieder zu beruhigen, und lachte. „Es tut mir leid“, sagte er mit einem Kopfschütteln. Seine Stimme wies eine leichten Akzent auf, allerdings nicht so stark, wie er hätte sein sollen, wenn man bedachte, dass er aus dem Ausland kam. Erstklassige Lehrer zu bekommen war nur einer der Vorzüge, zur königlichen Familie zu gehören. „Ich dachte, dass mich etwas attackieren wollte. Ich entschuldige mich.“

Es dauerte einen Moment, doch Kahlil schaffte es, sich die beiden genauer anzusehen. Alle zwei waren noch ziemlich jung, ungefähr im gleichen Alter wie er, und darüber hinaus hatten beide eine Art Charme und Attraktivität, die Kahlils Herzschlag ein klein wenig beschleunigten. Das passierte immer, wenn er gutaussehende Männer sah. Da er unterdrückt aufgewachsen war und dafür sorgen musste, dass seine Zuneigung rein platonisch blieb, fiel es ihm schwer, jemand anderem zu zeigen, dass er sich zu ihm hingezogen fühlte.

Einer von ihnen hatte schokoladebraunes Haar und helle Haut. Er trug eine Kappe verkehrtherum aufgesetzt, einen Jeansoverall, von dem ein Träger herunterhing, und darunter ein sauberes, weißes, ärmelloses T-Shirt. Kahlils Blick wanderte über die entblößte Haut und die großen, starken Bizeps. Sie hatten ungefähr die Größe eines Footballs, und der Mann selbst war groß und maß ungefähr zwei Meter. Er war wie ein Quarterback gebaut und einen ganzen Kopf größer als Kahlil, der selbst nur einen Meter siebenundsiebzig groß war.

Das Auffallendste an ihm war die Wärme in seinen dunklen, kaffeefarbenen Augen und das schiefe Grinsen. Er trug einen aufmunternden Gesichtsausdruck, der Kahlils Wangen zum Brennen brachte, als ihm bewusst wurde, dass er ihn eine Weile lang angestarrt hatte.

„Nee, uns tut es leid. Wir sollten uns entschuldigen, da wir nicht auf uns aufmerksam gemacht haben“, sagte der Mann mit einem Lächeln. „Ich bin Finn und das ist mein Freund Kyle. Wir waren auf dem Weg nach Hause, als wir dein liegengebliebenes Auto entdeckt haben. Brauchst du Hilfe?“

Der andere Mann winkte ihm leicht zu. Kahlil lächelte und erwiderte das Winken.

---ENDE DER LESEPROBE---