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Wolfswandler Liam Hernandez war schon immer ein Einzelgänger. Selbst als Chef-Vollstrecker des Hidden Lake Rudels und Beschützer des kleinen Orts am See zieht Liam die Einsamkeit vor, da er aufgrund seiner schwierigen Vergangenheit nicht in der Lage ist, jemandem völlig zu vertrauen. Als Wyatt Sanford in sein Leben tritt, weiß Liam sofort, dass dieser Mann sein Gefährte ist. Also macht er das Einzige, was ihm logisch erscheint – er haut ab, sobald die Sache ernst wird. Wyatt ist nach Hidden Lake gekommen, um der Vernichtung durch eine Gruppe Assassinen zu entgehen, die bereits seinen gesamten Clan ausgelöscht hat und entschlossen zu sein scheint, alles in seinem Leben zu zerstören. Leider ist sich keiner von beiden der verborgenen Mächte bewusst, die gegen sie arbeiten. Etwas Böses zeichnet sich am Horizont ab und bindet die beiden aneinander. Die Räder wurden in Bewegung gesetzt. Entweder tanzen sie mit dem Teufel … oder riskieren, einander für immer zu verlieren. Ein homoerotischer Liebesroman für Erwachsene mit explizitem Inhalt. Jeder Band dieser Reihe geht auf die Beziehung eines anderen Paares ein und kann eigenständig gelesen werden, zum besseren Verständnis und um die gesamte Geschichte aller Figuren zu erfahren, empfiehlt es sich jedoch, alle Bände in der Reihenfolge ihres Erscheinens zu lesen. Länge: rund 37.900 Wörter
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Veröffentlichungsjahr: 2019
Inhaltsverzeichnis
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Epilog
ÜBER DEN AUTOR
LESEPROBE:
Tanz mit dem Teufel
Wolfswandler Liam Hernandez war schon immer ein Einzelgänger. Selbst als Chef-Vollstrecker des Hidden Lake Rudels und Beschützer des kleinen Orts am See zieht Liam die Einsamkeit vor, da er aufgrund seiner schwierigen Vergangenheit nicht in der Lage ist, jemandem völlig zu vertrauen.
Als Wyatt Sanford in sein Leben tritt, weiß Liam sofort, dass dieser Mann sein Gefährte ist. Also macht er das Einzige, was ihm logisch erscheint – er haut ab, sobald die Sache ernst wird.
Wyatt ist nach Hidden Lake gekommen, um der Vernichtung durch eine Gruppe Assassinen zu entgehen, die bereits seinen gesamten Clan ausgelöscht hat und entschlossen zu sein scheint, alles in seinem Leben zu zerstören.
Leider ist sich keiner von beiden der verborgenen Mächte bewusst, die gegen sie arbeiten. Etwas Böses zeichnet sich am Horizont ab und bindet die beiden aneinander. Die Räder wurden in Bewegung gesetzt. Entweder tanzen sie mit dem Teufel … oder riskieren, einander für immer zu verlieren.
Ein homoerotischer Liebesroman für Erwachsene mit explizitem Inhalt. Jeder Band dieser Reihe geht auf die Beziehung eines anderen Paares ein und kann eigenständig gelesen werden, zum besseren Verständnis und um die gesamte Geschichte aller Figuren zu erfahren, empfiehlt es sich jedoch, alle Bände in der Reihenfolge ihres Erscheinens zu lesen.
Länge: rund 37.900 Wörter
FREY ORTEGA
Tanz mit dem Teufel
Hidden Lake 3
Ein homoerotischer Liebesroman für Erwachsene
ME AND THE MUSE PUBLISHING
www.meandthemuse.com
Copyright © der englischen Originalausgabe „Dance with the Devil“:
Frey Ortega
Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe und veröffentlicht von:
Me and the Muse Publishing – Sage Marlowe
Hohenstaufenring 62, 50674 Köln
Copyright © Cover Design: Sinfully Sweet Designs
Übersetzt von: Jutta E. Reitbauer
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Alle in diesem Buch vorkommenden Personen und Handlungen sind frei erfunden. Jegliche Ähnlichkeit zu realen, lebenden oder verstorbenen Personen ist rein zufällig. Sofern Namen real existierender Personen, Orte und Marken verwendet werden, geschieht dies in einem rein fiktiven Zusammenhang.
Bitte beachten:
Einige unserer Titel enthalten Hinweise auf und Beschreibungen sexueller Handlungen, die möglicherweise eine Gefährdung körperlicher und geistiger Gesundheit darstellen können. Mit der Beschreibung solcher Praktiken erheben wir keinen Anspruch auf deren tatsächliche Durchführbarkeit und übernehmen keine Verantwortung für etwaige Verletzungen oder Schäden, die bei der Nachstellung solcher oder vergleichbarer Handlungen entstehen. Generell raten wir unseren Lesern davon ab, potenziell gefährliche Sexualpraktiken ohne entsprechende Sicherheitsvorkehrungen und Anleitung durch Personen mit ausreichender Sachkenntnis durchzuführen.
Widmung
Zuerst für drei reizende Damen: Cree Storm, die mir ständig hilft, wenn ich wenig Motivation habe, Stormy Glenn, die mir dabei hilft, brillante Ideen für Romane zu entwickeln (die ich eines Tages definitiv schreiben sollte!), und Pat Fischer, die mir dabei hilft, meine Geschichten stärker zu machen. Ihr drei habt mich ständig unterstützt, auch wenn meine Inspiration sich verabschiedet hat. Danke vielmals!
Und für all meine Leser, die mir seit meinem ersten Roman treu sind und mich unterstützen. Wegen euch wachse ich jeden Tag als Autor. Das ist nicht das Ende: Das ist erst der Anfang. Ich danke euch allen für eure Liebe.
Liam Hernandez erschauerte. Er spürte, wie ihm kalter Schweiß über die Schläfen tropfte und es ihm eiskalt über den Rücken lief. Er hatte wieder Albträume.
Sein Schweiß tränkte den Stoff, als er sich auf den Laken herumwälzte. Er atmete schwer, während Tränen über seine Wangen strömten. Überdeutlich spürte er alles um sich herum. Jede Empfindung, von der leichten Brise vom offenen Fenster, die über seinen Körper streifte, bis zu der Decke, die jetzt schweißnass an ihm klebte, war jedes Mal stärker ausgeprägt, wenn er diesen Traum hatte. Obwohl sein Verstand wusste, dass sein Körper sicher im Bett lag, in eine Decke gehüllt und tausende Meilen entfernt von dem Ort, wo die meisten seiner Träume stattfanden, zeigte er ihm immer wieder die Ereignisse, die ihn bedauern ließen, dass er überhaupt die Augen geschlossen hatte.
Diese Albträume waren immer die schlimmsten.
Es war, als wäre er wieder fünfzehn, was vor etwas weniger als zwölf Jahren der Fall gewesen war.
In seinen Träumen regnete es immer. Es gab immer Blitz und Donner, und er erinnerte sich an das Geräusch von Mäusen, die den Flur hinunterliefen. Wenn er seine Hände bewegte, hörte er das Klirren seiner Ketten.
Sein Magen knurrte. Er hatte seit mehr als fünf Tagen nichts mehr gegessen, und ihm tat alles weh. Seine Lippen waren aufgesprungen, doch wenn er den Kopf nach oben neigte, konnte er Wasser schmecken, wie süßer Nektar, der über sein Gesicht tropfte. Es war die einzige Nahrung, die ihm übrigblieb, wann immer sein Adoptiv-Großvater vergessen hatte, ihm etwas zu essen zu geben – das Regenwasser, das in seinen Raum lief. Oder war es eine Zelle? Gab es überhaupt einen Unterschied? Das Wasser war möglicherweise durch das lückenhafte Dach über ihm verschmutzt, aber zu jenem Zeitpunkt war ihm das ziemlich egal.
Entweder das oder langsam sterben.
Die Tür öffnete sich. Liam schaffte es nicht einmal, den Kopf zu heben, um den Mann anzusehen, der eintrat. Er musste ihn auch nicht wirklich anschauen. Abgesehen von dem Helfer, der ihm Nahrung und Wasser brachte, wenn er gehorsam war, gab es nur zwei Leute, die jemals sein Zimmer betraten. Bei einem sehnte er sich immer nach Aufmerksamkeit. Der andere – derjenige, der jetzt vor ihm stand – war jemand, den er mit jeder Faser seines Körpers hasste.
Wenn sein Wolf nicht zu schwach gewesen wäre, hätte das Tier ihn gedrängt, die Ketten zu zerreißen, die ihn festhielten. Jetzt knurrte er nur zustimmend.
„Gibst du endlich auf, Widerstand zu leisten?“
Er hörte Schritte, die von den Wänden widerhallten, als der Mann näherkam. Liam hatte den Kopf gesenkt. Der einzige Hinweis für ihn, dass der Mann nur ein Stück von ihm entfernt war, war das untere Ende von einer perfekt geschnittenen, dunkelblauen Hose, zusammen mit einem Paar auf Hochglanz polierter, anscheinend brandneuer Lederschuhe. Dann gab es noch diesen Stock, der leicht auf den Boden tippte. Der Duft eines teuren Parfüms ging von dem Mann vor ihm aus. Der starke Geruch brachte Liam fast zum Würgen.
Der Mann warf sich immer in Schale. Vielleicht lag es daran, dass er so furchteinflößend wie möglich sein und das Bild vermitteln wollte, er wäre unantastbar.
„Antworte deinem Großvater, du anmaßender Einfaltspinsel“, sagte der Mann mit einem warnenden Unterton. „Sonst bitte ich vielleicht meine Helfer wieder, morgen zu vergessen, dir Essen zu geben.“
Liam packte die Ketten so fest, dass seine Fingerknöchel weiß wurden.
Zu spüren, wie ihn die Verzweiflung übermannte, war immer das Schlimmste an seinen Träumen. Er konnte nichts dagegen tun, außer die Erinnerungen wieder und wieder in seinem Kopf ablaufen zu lassen.
Er sagte nichts. Der Mann schnaubte spöttisch.
„Lass die Helfer wissen, dass die Tests morgen fortgesetzt werden. Unser kleiner Robin hier wird für seine Unverschämtheit keine Nahrung bekommen“, sagte der Mann kühl. Er benutzte das Ende seines Stocks, um damit langsam Liams Gesicht zu heben. „Er wird die perfekte Waffe sein. Dafür sorge ich.“
Liam spürte, wie sein Blut zu kochen begann. Er sammelte jeden Rest Feuchtigkeit in seinem Mund, bis er genug Speichel zusammen hatte, um dem Mann direkt ins Gesicht zu spucken.
Der Mann war nicht sein Großvater. Sie teilten sich nicht das gleiche Blut. Was Liam wusste war, dass der Mann ein Monster war, dem es nur um seine Experimente, seine Tests und seine Projekte ging. Als die Spucke auf der Wange des Mannes landete, wechselte sein Gesicht von einem Ausdruck leichten Desinteresses zu kalter, alles verzehrender Wut.
Liam konnte sich noch immer daran erinnern, dass er gehört hatte, wie sich der Herzschlag des Mannes wie eine Art Buschtrommel beschleunigte. Er war wütend. Nein, das war eine Untertreibung – er war außer sich vor Zorn.
Ohne ein einziges Wort zu sagen, donnerte er die Seite seines Stocks gegen Liams Gesicht.
Liam fühlte sich betäubt, doch er konnte deutlich das Krachen spüren, als der Stocks seinen Wangenknochen traf. Ein warmer, metallischer Geschmack füllte seinen Mund. Als er das Blut zur Seite ausspuckte, war es ein Wunder, dass er dabei nicht auch einen Zahn verlor.
„Ich dulde keine Frechheiten, und dein Verhalten ist abstoßend. Nottingham!“, rief der Mann. Sein Griff um den Stock wurde noch fester, als er sich umdrehte und wegging. Weitere Schritte näherten sich von hinten. Die beiden trafen sich in der Mitte. „Ja, Vater?“
Diese Stimme. Es war die einzige Stimme, die Liam so etwas wie Hoffnung gab, auch wenn sie nur gering war. Er drehte den Kopf und sah den anderen Mann, der einen makellos sauberen Arztkittel trug, was im krassen Gegensatz zu der widerlichen und schmutzigen Umgebung stand.
Schließlich kümmerte sich niemand um sein Zimmer. Es war im Prinzip ein Gefängnis. Löcher im Dach, Gitterstäbe um ihn herum, glich es einer improvisierten Zelle auf einem alten Dachboden. Liam hing wie immer schlaff in der Mitte seines „Zimmers“ an einem umfunktionierten Andreaskreuz.
„Bespritz sein Kreuz mit Wolfseisenhut. Lass seinen Körper für seine Unverschämtheit bezahlen“, sagte der Mann. Liam konnte noch immer spüren, wie die Wut in ihm kochte, ebenso wie das Knurren, das er in diesem Moment ausstieß, ein Knurren, bei dem der Mann nur lachte.
Wolfseisenhut fühlte sich wie Säure an, die seinen Körper überall durchdrang, wo sie seine Haut berührte. Wie der Name schon sagte, zeigte es nur Wirkung auf Wolfswandler wie ihn. Und da er wusste, dass dieser Mann, sein sogenannter Großvater, diese Pflanze berühren und sie benutzen konnte, als wäre sie einfach nur Unkraut aus seinem Garten, wusste Liam auch, dass sie sich keinen einzigen Tropfen Blut teilten.
Er war ein Psychopath, ein Mörder und ein Lügner.
„Gut. Lass dich von deiner Wut übermannen. Das wird dir von Nutzen sein.“ Der Mann lachte und wischte sich die Wange mit einem Taschentuch ab, ehe er es auf den Boden fallen ließ und dabei etwas über Bastarde und ihren Dreck murmelte.
Das war der Moment, als die Welt endlich wieder still wurde. Liam erinnerte sich daran, kleine Siege zu feiern, wie zum Beispiel, als er endlich während der Abende allein bleiben durfte. Das bedeutete ganze acht bis zehn Stunden Ruhe, und obwohl sein Körper von Durst und Hunger gequält wurde, fasste ihn niemand an. Niemand steckte Nadeln in ihn. Niemand zwang ihn sich zu verwandeln, und ganz sicher betrachtete ihn auch niemand mit Apathie in seinen kalten, toten Augen.
„Du solltest seine Geduld nicht herausfordern, weißt du.“
Liam lachte bitter. So ein seltsamer Laut, der von jemandem kam, der so jung war, aber es war ein Laut, an den er sich im Laufe der Jahre gewöhnt hatte.
„Eines Tages breche ich hier aus“, sagte Liam. Seine Stimme war nur ein Flüstern. Er konnte nicht viel sprechen. Er war ausgedörrt, und die einzige Flüssigkeit in seinem Mund war ein dünner Strom Blut.
„Eines Tages wirst du das.“ Der Mann namens Nottingham kam näher, bis er nur mehr wenige Zentimeter von Liams Gesicht entfernt war. „Vater ist so, weil ihn nur die Resultate kümmern. Er weiß, dass du für das hier perfekt bist, deshalb ist er ungeduldig. Er denkt, dass Fortschritte innerhalb eines Tages passieren. Wenn er daran denken würde, dir zu essen zu geben und dich besser zu behandeln …“
Liam sagte nichts weiter dazu. Er kämpfte mit den Tränen, sah zu dem älteren Mann hoch und versuchte, seinen Blick aufzuschnappen. „Vater …“
Nottingham legte sanft seinen Kopf und streichelte ihn. „Sei jetzt ruhig, Robin. Du bist in Sicherheit. Aber das könnte ein bisschen brennen, okay? Ich verspreche, dass ich nicht allzu viel auftragen werde. Ich muss es tun, oder sonst wird er uns alle morgen bestrafen.“
Liam erinnerte sich daran, dass er gegen das Bedürfnis zu schlafen ankämpfte, aber er war so müde. Niemand sollte diese Art Schmerz spüren, besonders niemand, der so jung war wie Liam. Gerade als ihn die Dunkelheit übermannte, spürte er den Schmerz eines rasenden Infernos, das durch seine Venen brannte, als sein Vater die Lösung mit dem Wolfseisenhut über seine Handgelenke goss.
Er erinnerte sich an die Schreie und den Schmerz und den Zorn, den er in diesem Moment gespürt hatte. Eines Tages, so schwor er sich, eines Tages würde er das alles hier für immer hinter sich lassen. Er würde endlich Arme spüren, die sich aus Liebe um ihn legten und keine kalten, analytischen und strafenden Finger, die ihn immer an der Kehle packten und das Leben aus ihm herauspressten.
Das war der Moment, als Liam schlagartig wach wurde. Keuchend versuchte er zu Atem zu kommen, und kalter Schweiß bedeckte seine Stirn.
Am ganzen Leib zitternd drehte er sich zum Fenster und sah einen winzigen Streifen Sonnenlicht am Horizont. Die Hähne krähten bereits und signalisierten den Beginn eines neuen Tages.
Liam schloss die Augen. Es war nur ein mieser Tag in einer Reihe von miesen Tagen. In diesem Traum war er ungefähr fünfzehn gewesen, und erst drei Jahre später war er endlich in der Lage gewesen, dieses Höllenloch zu verlassen. Es würde noch hunderte von Tagen geben, von denen Liam träumen konnte. Und als die Experimente endlich Erfolg hatten, gab es Dinge, die Liam getan hatte, die er sich niemals vergeben würde.
Aber jetzt war er hier. Weit weg von allen, die ihm jemals wieder wehtun konnten. Doch die Narben blieben.
Als er die Hähne krähen hörte, das leise Zwitschern der Vögel in einiger Entfernung und wie die Fischerboote ins Wasser gelassen wurden, trug nichts davon bei, die Panik zu vertreiben, gegen die er ankämpfte, und nicht einmal der Geruch der nahegelegenen Bäckerei – Honeybun’s – konnte ihn aus seiner Traumwelt reißen.
Er wollte einfach nur, dass die Träume aufhörten.
Liam schüttelte den Kopf. Robin. Der Name war ihm noch immer im Gedächtnis. Er hatte diese Identität vor vielen Jahren abgelegt, als er nach Hidden Lake gekommen war. Dieser Junge, der zugelassen hatte, dass die Welt auf ihm herumtrampelte, dass er von denjenigen, die ihn liebten, ausgenützt wurde, war jetzt verschwunden. Er hatte sich zu jemand anderem entwickelt, zu jemandem, der sich selbst vor der Welt um ihn herum beschützen konnte.
Es gab nur noch Liam. Liam war ein stiller Einzelgänger, der alles selbst erledigte, der sich anstrengte, Verbindungen zu knüpfen, ohne dass sie zu eng wurden, nicht weil er niemandem vertraute, sondern weil es einfacher für ihn war, alle auf Abstand zu halten.
Langsam erhob er sich aus dem Bett und verdrängte die letzten Reste seines Traums. Er legte eine Hand auf die Stirn und seufzte. Es war nur ein Traum, sagte er zu sich selbst. Es geht dir bestens. Du bist nicht verletzt. Du bist jetzt ein Vollstrecker in diesem Rudel. Tatsächlich bist du sogar der Chef-Vollstrecker. Du bist Liam-motherfucking-Hernandez, du bist ein Mitglied des Hidden Lake Rudels. Niemand wird dir hier wehtun.
Er wiederholte dieses Mantra immer wieder in Gedanken und war dankbar für die Schönheit seiner Umgebung, denn sie half ihm, ruhig zu bleiben.
Jeden Tag war er dankbar, dass er in der Lage war, sich ein wunderbares Haus mit einer atemberaubenden Aussicht auf den See zu mieten. Die Besitzer waren so freundlich gewesen, es ihm voll möbliert zu überlassen. Die Möbel schufen eine gemütliche Atmosphäre, die im ganzen Haus spürbar war. Liam strengte sich sehr an, damit das robuste Haus sauber blieb. Er mochte nicht die beste Reinigungskraft sein, aber er gab sich verdammte Mühe.
Nicht zu vergessen der Vorteil, dass die Hauptstraße direkt an seinem Haus vorbeiführte, was es ihm einfacher machte, das gesamte Rudelgelände zu durchqueren, nicht nur die nahegelegenen Wälder. Liam war der Ansicht, dass er sich alles in allem hervorragend schlug. Jeder andere, der sein Schicksal hinter sich hatte, wäre wahrscheinlich nicht so gut dran gewesen wie er.
Er hatte ein gutes Zuhause, egal wie schlicht es war. Er hatte einen guten Job und ein ruhiges Leben.
Doch die Vergangenheit verfolgte ihn weiter.
Es gab etwas, für das er jeden Tag dankbar sein konnte, erinnerte sich Liam, während er zur Kommode ging, um ein weißes Tanktop herauszuholen und anzuziehen. Er fischte seine abgetragenen Jeans aus einem Wäschehaufen vom Boden, schnürte seine Stiefel zu und verließ dann das Haus. Zumindest bist du nicht mehr länger dort.
Vielleicht würde ein schöner Spaziergang seine Gedanken klären. Und auch wenn er kein bestimmtes Ziel im Auge hatte, wurde Liam von dem Duft von Zimtschnecken und frisch geröstetem Kaffee angezogen, der seinen Ursprung ein paar Häuser entfernt hatte.
Honeybun’s war wirklich ein Segen für alle in Hidden Lake.
Von seinem Standpunkt aus konnte Liam das köstliche Frühstücksgebäck riechen, das gerade vorbereitet wurde. Die Frühaufsteher waren vermutlich bereits hier gewesen, um sich ihren Kaffee zu holen. Honeybun’s war eine Institution in Hidden Lake und etwas ganz Besonderes, weil die Besitzerin des Cafés, Honey Bentham, ausgebildete Konditorin gewesen war, ehe sie sich dem Rudel anschloss.
Die würzige Süße, die in der Luft lag, ließ Liam vor Zufriedenheit strahlen. Es gab wenige Dinge auf der Welt, die ein Lächeln auf sein Gesicht zaubern konnten. Das Gefühl von Gras und Erde unter seinen Wolfspfoten war eines, ebenso wie das Gefühl einer steifen Brise auf seiner Haut, wenn er durch die Wälder streifte. Die Stille bei einem Spaziergang in der Natur war ebenfalls schön, aber nichts schlug den Duft von frisch aufgebrühtem Kaffee an einem schönen, kühlen Herbstmorgen.
Er betrat das vertraute, gemütliche Innere von Honeybun’s und sah sich nach einem kleinen Tisch am Fenster um. Honey stand ganz vorne und trug ein breites Lächeln auf dem Gesicht, während sie die Haarspange in ihrem langen, schwarzen Haar richtete.
Die mollige Frau mittleren Alters war immer fröhlich und gut aufgelegt, selbst ganz früh am Morgen. Es schien, als ob sie nie müde wurde, ein Perpetuum mobile, das ständig auf der Kasse herumtippte. Wenn sie nicht hier war, befand sie sich in der Küche und machte eine neue Ladung ihrer berühmten Zimtschnecken. Ihr Geschäft war ihr Leben, und man mochte nicht glauben, dass sie jemals dabei Stress hatte. Honey war der Typ, der einfach sagen würde „nun, Stress ist einfach Desserts rückwärts buchstabiert und ohne D und E!“
„Hey, Honey“, brummte Liam in seinem üblichen tiefen Bariton.
Honeys Lippen verzogen sich zu einem breiten, fröhlichen Grinsen. „Hallo, mein Hübscher!“, sagte sie. „Du weißt, dass mein Morgen erst dann gut ist, wenn du durch die Tür kommst. Möchtest du das Übliche?“
Liam lachte leise. Honey was so eine nette Frau. Sie war eine gute Freundin, die Grenzen respektierte. Sie war warmherzig und freundlich und Liam hielt sie einfach für perfekt als Besitzerin dieser kleinen Bäckerei in Hidden Lake. Er konnte sich nicht vorstellen, dass jemand anderer ihre Arbeit genauso perfekt erledigte.
„Ja. Aber mir ist auch nach etwas Neuem und Süßem, aber es darf nicht zu süß sein“, erklärte Liam.
„Oh? Also heute nicht der übliche Kaffee und die Zimtschnecke, Schätzchen? Was möchtest du stattdessen?“ Fragend neigte Honey den Kopf.
„Ich weiß nicht. Gibt es irgendwas Neues auf der Karte?“
„Ja, gibt es tatsächlich! Mein Patensohn lebt seit kurzem hier und hilft mir, indem er uns etwas beibringt, was er auf der Konditorschule gelernt hat.“ Honey klatschte begeistert in die Hände. „Es ist eine beliebte Leckerei bei den Leuten, die erst spät frühstücken. Es ist ein hübscher, kleiner Korb mit schlichten, leicht mit Zucker glasierten Churros, aber mit einer dunklen Schokoladesoße, die er selbst macht. Ich denke, du wirst es mögen. Auf der Konditorschule haben sie irgendeinen ausgefallenen Namen dafür, den ich nicht aussprechen kann. Ich möchte keine Kopfschmerzen bekommen, indem ich versuche, etwas Französisches zu sagen, dass ich ohnehin nur falsch aussprechen würde, also nennen wir sie hier einfach nur Churros. Du magst nichts, was zu süß ist, richtig?“ Honey gestikulierte aufgeregt und winkte ihm neckisch mit einem Finger, was Liam zum Grinsen brachte.
„Ja, ich möchte einfach nur etwas Neues ausprobieren. Das klingt ganz gut“, erwiderte Liam mit einem Nicken. „Dann nehme ich eine Portion davon.“
„Eine große Ladung frisch frittierter Churros, kommt sofort“, sagte Honey und betätigte die Klingel auf der Ladentheke. Sie drehte sich um, öffnete die Tür zur Küche und rief hinein: „Wyatt, Schatz, bist du schon fertig?“
„Yep! Fast fertig. Ich bringe dir gleich welche hinaus“, antwortete eine Stimme aus der Küche. Liam blickte in die Richtung und versuchte die Quelle der Stimme zu finden.
Ein Kopf tauchte auf, mit zerzaustem hellbraunem Haar und einem Gesicht, das von einem meisterhaften Bildhauer erschaffen worden zu sein schien, und Liam musste die Erregung unterdrücken, die er beim Anblick des Mannes verspürte, der zur Tür herausspähte. Der jüngere Mann hatte helle, eisblaue Augen, die sich auf Liam richteten, und in diesem Moment war er wie elektrifiziert. Doch im Gegensatz zu seiner eigenen mächtigen Gestalt war der Mann vor ihm viel kleiner und weniger verwegen aussehend. Am besten ließ sich der Mann vor ihm mit schlank und katzengleich, aber mit einer kompakten Muskulatur beschreiben. Er machte einen tiefen Atemzug, und Liam wusste, dass er keinem Wolfswandler wie er selbst gegenüberstand.
Die Art, wie dieser Mann roch, war weniger erdig, sondern eleganter – sogar komplexer. Unter der berauschenden und floralen Kopfnote gab es weiche Aromen von Maskulinität. Es war, als ob der Mann vor ihm nach Lust in ihrer reinsten Form roch. Liams Wolf heulte zustimmend, schlug die Krallen nach ihm und drängte ihn dazu, den Arm auszustrecken und sich zu nehmen, was ihm gehörte.
Gefährte.
Scheiße, dachte Liam. Warum musste er ausgerechnet jetzt seinen Gefährten finden? Zum Teufel, er hätte problemlos durchs Leben gehen können, ohne ihn jemals zu finden!
Ich bin geliefert.
Wyatt Sanford konnte seinen Augen nicht trauen.
Von all den Kleinstädten auf der Welt musste sein Gefährte ausgerechnet in dieser sein.
Ambivalenz erfüllte Wyatt. Zweifellos freute er sich, dass er seinen Gefährten gefunden hatte. Wer wäre nicht glücklich zu wissen, dass es eine Person da draußen gab, die einen bedingungslos vervollständigte?
Doch andererseits wusste Wyatt nicht, was er von der Tatsache halten sollte, dass sein Gefährte in Hidden Lake lebte. Es gab einen Grund, warum er sein Leben in der Großstadt aufgeben musste, sobald er die Konditorschule abgeschlossen hatte, und der beinhaltete keine plötzliche Sehnsucht nach Kleinstadtleben.
Der Mann war groß. Und breit gebaut. Daran gab es keinen Zweifel. Seine Muskeln wirkten selbst unter seinem Pulli mächtig. Wyatt entdeckte ein Stück tätowierter, karamellfarbener Haut unter den langen Ärmeln, die die Arme des großen Mannes bedeckten.
