Getting Pro - kompakt - Andreas Mistele - E-Book

Getting Pro - kompakt E-Book

Andreas Mistele

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Beschreibung

Nie war es einfacher, selbst mit geringem Budget gute Produktionen zu realisieren. Doch trotz viel Ambition und gutem Equipment kommen viele Produktionen nicht über das tontechnische Mittelmaß hinaus. Woran liegt das? In den meisten Fällen liegt es nicht an der vermeintlich schlechten Qualität der eingesetzten Geräte, sondern einfach an der Anwendung falscher Methoden für das gesetzte Ziel. Genau um diese Methoden geht es in diesem Ratgeber. Im Kern geht es um kreative und ergebnisorientierte Herangehensweisen rund um die Einsatzmöglichkeiten der Studiotechnik. Ich möchte dir Wege aufzeigen, wie du dein vorhandenes Werkzeug optimal einsetzen kannst. Zudem soll dir ein entspannter Blick für das Wesentliche hinsichtlich Technik und Vorgehensweisen vermittelt werden. Dieser Ratgeber richtet sich gleichermaßen an den ambitionierten Homerecording-Produzenten, wie auch an den semi-professionellen Studiobetreiber - eben an alle mit Leidenschaft für eigene Produktionen in guter Qualität. Sicherlich findet aber auch der eingefleischte Profi einige interessante Informationen. Prinzipiell sind die Tipps sowohl in der analogen also auch in der digitalen Studiotechnik anwendbar. Da heute die wenigsten mit voll analoger Technik arbeiten, ist das Buch aber eher auf die digitale Arbeitsweise ausgerichtet. ACHTUNG: Bei dieser Version handelt es sich um einen Auszug aus dem Gesamtwerk "Getting Pro". Hier konzentriere ich mich ausschließlich auf die Kapitel rund um die Aufnahme und Bearbeitung von Instrumenten und Gesang. Kritik Gesamtwerk: Sound&Recording 1/2012: "Der 520 Seiten starke Ratgeber im praktischen Taschenbuchformat richtet sich vor allem an semi-professionelle Studiobetreiber und Homerecorder, die ein wenig tiefer in die Materie einsteigen wollen. Auf unterhaltsame und vor allem informative Weise vermittelt der Autor sowohl Grundlagen als auch fortgeschrittene Techniken auf dem Weg zur eigenen Produktion.

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Seitenzahl: 210

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Getting Pro kompakt

Methoden, Tricks und Hintergründe für

professionelle Audioproduktionen

Getting Pro kompakt

Methoden, Tricks und Hintergründe für

professionelle Audioproduktionen

1. Auflage | 2014

Andreas Mistele

Imprint

Copyright: © 2014 Andreas Mistele | www.schallzentrum.com

Published by: epubli GmbH, Berlin, www.epubli.de

ISBN: 978-3-8442-8012-8

Titelfoto: Silvia Steck

Gestaltung und Layout: Andreas Mistele

Der Autor macht darauf aufmerksam, dass die im Buch genannten Marken- oder Produktnamen in der Regel urheber-, patent- oder warenschutzrechtlichem Schutz unterliegen. Die jeweiligen Rechte liegen bei den Herstellern.

Bester Dank geht an folgende Firmen, die freundlicherweise Bilder ihrer Produkte zur Verfügung gestellt haben:

Dirk Brauner Röhrenmanufaktur und Medientechnik

L. Bösendorfer Klavierfabrik GmbH

Yamaha Music Europe GmbH

Die Veröffentlichung aller Informationen geschieht unter größter Sorgfalt und nach bestem Wissen und Gewissen. Dennoch besteht kein Anspruch auf Korrektheit und Vollständigkeit. Der Autor übernimmt daher weder Verantwortung noch haftet er für falsche Angaben und deren eventuelle Folgen.

Die Kopie dieses Buches - auch in Teilen - sowie die Vervielfältigung jeglicher Art ist ohne die schriftliche Einwilligung des Autors nicht gestattet.

Für Raphael und Vincent,

die kleinste Band der Welt!

1Vorwort

1.1Über dieses Buch

Geschafft! Der Recording-Rechner ist eingerichtet, die Peripherie ist sauber verkabelt und aus deinem Hardware-Rack lachen dich deine Outboard-Schätze an.

Die Funktionen deines Studioequipments kennst du im Schlaf, gehst bewusst mit Effekten um und weißt auch, wann diese im Send und wann im Insert zu liegen haben. Du hast sogar die grundsätzliche Arbeitsweise deiner Kompressoren verstanden - ich weiß, das war eine bittere Pille! Mehr noch: Du schreibst sogar gute Songs und beherrschst dein Instrument.

Alles traumhaft! Trotzdem kämpfst du seit langem um die restlichen 25 % Klangqualität, die dir zu einer professionellen Produktion fehlen.

Auch mir ging es lange Zeit so. Mit steigender Qualität des Equipments und des tontechnischen Verständnisses wuchs aber auch ein gewisser Frust darüber, dass meine Produktionen trotz der vielen Investitionen nicht mehr wirklich besser wurden.

Dann wurde mir klar, dass das Anhäufen von Equipment und das ambitionierte Lernen aus den gängigen Büchern und Artikeln nur die halbe Wahrheit sein konnten. Was mir trotz des vielen Wissens und der guten Technik fehlte, waren schließlich die Tricks und Methoden der Profis, die untrennbar mit deren Erfolgen verbunden sind.

Die meisten der ganz Großen hatten zudem einen ebenfalls großen Mentor, der ihnen sein Spezialwissen im Vertrauen weitergab. Wir Hobby-Produzenten genießen selten derartigen Luxus und müssen uns dieses Wissen Stück für Stück erarbeiten und erlesen. Also suchte ich fortan speziell nach den Informationen, die mich über den Tellerrand der Amateur-Theorie direkt in die Praxis der Profis schauen ließen.

Was zunächst als sauber aufgearbeitete Infosammlung für meinen Privatgebrauch gedacht war, wurde dann schließlich zu diesem Ratgeber. Er versteht sich als Nachschlagewerk und Inspirationsquelle zu Basisinformationen samt Tricks und Methoden, wie sie in dieser Konzentration und Menge wohl in keinem anderen Buch zu finden sind.

Dieser Ratgeber richtet sich gleichermaßen an den ambitionierten Homerecording-Produzenten, wie auch an den semi-professionellen Studiobetreiber - eben an alle mit Leidenschaft für eigene Produktionen in guter Qualität. Sicherlich findet aber auch der eingefleischte Profi einige interessante Informationen.

Prinzipiell sind die Tipps sowohl in der analogen als auch in der digitalen Studiotechnik anwendbar. Da heute die wenigsten mit voll analoger Technik arbeiten, ist das Buch aber eher auf die digitale Arbeitsweise ausgerichtet.

Bei diesem eBook handelt es sich um einen Auszug aus meinem Buch „Getting Pro“. In diesem Auszug konzentriere ich mich auf die Kapitel rund um die Aufnahme und Bearbeitung von Instrumenten und Gesang.

In der Komplettversion findest du weitere Informationen rund um die Ton- und Studiotechnik aus den Themenbereichen:

Akustik und Akustikoptimierungen

Signalfluss und Erdung

Arbeit mit Analysetools

Pegel und Einpegeln

Arrangement

Mikrofontechnik und Mikrofonierung

Richtiges Abhören

Die 4 Dimensionen des Mischens

Effekte und Einsatzbeispiele

Equalizing

(Multiband-)Kompression und Limiting

Panning

Gating

Time-Aligning/Phase-Aligning

Split-Editing

Mastering

Viel Spaß beim Ausprobieren – ich wünsche dir viel Spaß mit deinen Produktionen!

Andreas Mistele, im Januar 2014

2Einleitung

Damit du gleich zu Anfang mit dem in diesem Buch angestrebten Grundverständnis geimpft wirst, möchte ich dir fünf in meinen Augen und Ohren essentielle Aussagen vorstellen:

1. Musik ist Kunst und in der Kunst gibt es keine Regeln!

Sicher, es gibt sogenannte Studiostandards und im Zweifel empfiehlt es sich auch, sich erst einmal an die gängige Methode zu halten. Falls du aber die Möglichkeit hast, auch andere Verfahren zu prüfen, solltest du diese Chance unbedingt nutzen.

Zum einen kann eine Alternativtechnik zu einem sehr eigenständigen und überraschend authentischen Klang führen und zum anderen eröffnet das Ausprobieren auch neue Erkenntnisse zur gängigen Methode.

2. Presets sind böse!

Jeder Song funktioniert anders und braucht daher individuelle Einstellungen. Darum sind in diesem Ratgeber auch alle Parameterangaben als Orientierungsmarken zu sehen und nicht als Fixwerte.

3. Shit in means shit out!

Der oft gehörte Ansatz „We will fix it in the mix“ ist nicht zielführend.

Kein Effekt der Welt kann aus einem miesen Eingangssignal ein gutes Ausgangssignal zaubern. Daher solltest du beim Aufnehmen deiner Rohsignale die größte Sorgfalt walten lassen.

4. Der Ton macht die Musik!

Solltest du hier auf Produkttipps hoffen, muss ich dich leider gleich enttäuschen. Die angegebenen Methoden sind nicht an bestimmte Produkte gebunden, sondern allgemein anwendbar.

Letztlich wirst du in diesem Ratgeber lernen, dass die richtige Methode wichtiger ist als das eingesetzte Equipment an sich! Der Ton macht die Musik und nicht der Preamp oder Wandler.

Es gilt: Ein guter Song ist ein guter Song. Jedoch mit dem richtigen Einsatz des richtigen Equipments wird aus dem guten Song ein fantastischer Song! Diese Aussage ist aber nicht an spezielle Marken und Produkte gebunden.

5. Effekte sind nur Make-Up!

Ein Instrument muss schon ohne Effekte gut klingen, aber mit Effekt fantastisch! Bevor du also in die Effekttrickkiste greifst, sollten die Ursignale an sich schon perfekt sein.

3Gesang

3.1Basis

Der Gesang ist das Aushängeschild eines Songs. Daher solltest du beim Gesangsrecording und bei der Weiterbearbeitung besonders auf Qualität und Fehlervermeidung achten.

Warum ist dies bei Sprache und Gesang so außerordentlich wichtig? Ganz einfach: Wir Menschen kennen nun mal kein anderes Signal so gut wie die menschliche Artikulation. Daher reagieren wir hier besonders stark auf Fehler, seien sie tontechnischer oder auch rein tonaler Natur.

Also verwendest du beim Vocal-Recording immer das beste Mikrofon für den gewünschten Klang, die besten Effekte (vor allem den Raumeffekt) und gibst dir größte Mühe beim Editing.

Als Richtwert für ein gutes Signal kannst du dich am natürlichen Klang orientieren: Klingt das aufgenommene Signal so, als ob der Sänger in natura vor dir im Raum steht, ist es eine gelungene Aufnahme.

3.2Mikrofonierung

3.2.1Einzelaufnahmen

Gesangsaufnahmen einzelner Künstler werden normalerweise im Nahfeld gemacht und mit stark gerichteten Mikrofonen realisiert. Die klassische Charakteristik ist die Niere.

Gemäß den Tipps aus den letzten Kapiteln suchst du für die Aufnahmen einen Platz im Raum, an dem du mit keinen Flatterechos, dröhnenden Resonanzen oder Kammfiltereffekten zu kämpfen hast. Dieser Platz wird bei praktisch allen Sängern derselbe sein.

Interessanter ist die Suche nach der optimalen Ausrichtung des Mikrofons zum Sänger. Bei der Positionierungsentscheidung sind der Sänger und dessen Klangeigenschaften und natürlich die verfolgte Anwendung an sich entscheidend. Bei einer Gesangsaufnahme im Stehen brauchst du nun mal eine andere Mikrofonposition als bei einer Sprecheraufnahme im Sitzen.

Grundsätzlich solltest du bei allen Sprach- und Gesangsaufnahmen einen Poppschutz verwenden. Lediglich bei Sprachaufnahmen ohne zu erwartende Explosivlaute kannst du eventuell darauf verzichten, wenn das Mikrofon dabei oberhalb des Sprechers angebracht wird.

Um S- und Popplaute zusätzlich zu entschärfen, kannst du das Mikrofon etwas um die vertikale Achse drehen, wodurch der Luftschwall nicht mehr direkt auf die Membran auftreffen kann. Eine Drehung um 10 bis 15 ° ist ausreichend.

Ist dies immer noch nicht genug, kannst du den Bleistifttrick versuchen: Hierzu bringst du einen Bleistift mittig am Poppschutz an. Dies klappt z. B. sehr einfach mit einem Gummiband, wie im Bild. Der Bleistift spaltet den Luftschwall bevor dieser auf die Membran auftrifft. Hierdurch werden vor allem S-Laute gemindert, tiefere und somit langwelligere Frequenzen beugen sich ohne Widerstand um den Bleistift.

Bleistifttrick (Mistele)

Kommen wir nun zu den unterschiedlichen Mikrofonpositionen. Grundsätzlich kannst du drei Positionen unterscheiden:

Mikrofon auf Mundhöhe: Dies ist die klassische Position, welche zu praktisch jeder Anwendung passt. Der Klang ist sehr präsent, da er über viele Signalanteile der Artikulation verfügt und die ausgestoßenen Schallwellen direkt auf die Membran einwirken können.

Es wird zudem eine relativ homogene Mischung an Signalanteilen der körpereigenen Resonanzquellen aufgenommen. Sowohl die Kopfresonanzen als auch Brustresonanzen werden zu ähnlichen Anteilen abgebildet. Bei Sängern ohne unnatürliche Über- oder Unterbetonungen kannst du so eine sehr gute Aufnahme erzielen.

Mikrofon über Mundhöhe: Diese Position wird ebenfalls sehr häufig angewandt, da sie gegenüber der Frontalposition einige interessante Vorteile bietet. Zunächst führt ein aufgehängtes Mikrofon automatisch dazu, dass der Sänger aufrechter steht, was zu einem freien und voluminöseren Klang führen kann. Aber Vorsicht: Achte darauf, dass bei hohen Tönen nicht überstreckt wird!

Praktisch ist auch, dass Texte unter und neben dem Mikrofon platziert werden können, da der Ständer nicht im Weg ist.

Generell nehmen gute Mikrofone die Signale trotz des schrägen Aufnahmewinkels sehr detailliert auf. Der Grundklang ist aber etwas weicher und nicht ganz so präsent wie bei der Frontalaufnahme.

Durch das Ausrichten des Mikrofons über Kopf kannst du zudem tonale Verhältnisse aktiv beeinflussen. Bei einer Position auf Stirnhöhe mit auf den Mund zielender Membran kannst du beispielsweise die Überbetonungen nasaler Sänger etwas ausgleichen. Zudem werden Poppgeräusche, die sowieso immer nach unten strahlen, etwas gemindert.

Rein technisch gesehen stammt diese Positionierung von Röhrenmikrofonen: Damit die Membran nicht durch die Abwärme der Röhrentechnik beschädigt wird, hat man die Mikrofone eben kopfüber nach unten hängen lassen.

Trotz der Positionierung oberhalb des Mundes schaut das Mikrofon klassischerweise dennoch auf den Mund. Da die Luft aber kaum direkt gegen die Membran gerichtet wird, kann man unter Umständen auf den Poppschutz verzichten. Typische Anwendung hierfür wäre eine Lesung oder eine reine Sprachaufnahme.

Mikrofon unter Mundhöhe: Dies ist eher ein Spezialfall, der für besondere Klangziele eingesetzt wird. Auch hier schaut das Mikrofon grundsätzlich auf den Mund, wird aber 10 bis 15 cm unterhalb dessen angebracht. Da hierdurch sehr viele Anteile der Brustresonanzen aufgenommen werden, entsteht ein Klang mit viel Fundament. Dies sorgt vor allem bei eher dünnen Stimmen für eine ausgleichende Aufwertung. Aber auch bei Aufnahmen klassischer Gesänge kann das Spiel mit den Brustresonanzen zu tollen Ergebnissen führen.

Bei dieser Positionierung musst du unbedingt auf eine eventuell entstehende Überbetonung der Popplaute achten!

Der Abstand zwischen Mund und Mikrofon beträgt zwischen 5 und 50 cm, je nach gewünschtem Klang. Je näher der Sänger an die Membran kommt, desto intimer und präsenter wird der Klang. Dies liegt an dem bereits besprochenen Nahbesprechungseffekt. Zudem wird natürlich immer weniger Raumanteil aufgenommen.

Unerfahrenen Sängern solltest du unbedingt die Grundlagen der Mikrofondisziplin nahebringen! Hast du die optimale Mikrofonposition gefunden, muss sichergestellt sein, dass der Sänger sie nicht ständig ändert, indem er seine Position variiert. Bewährt hat sich hierbei der klassische Streifen Gaffatape auf dem Boden, der die Position der Zehen definiert!

Hast du mit Störgeräuschen wie Schmatzer, Kleidungsgeraschel oder extremen Atmern zu kämpfen, sprich den Sänger gleich drauf an! Mit etwas Mühe sind diese Störungen leicht zu vermeiden. Schmatzer kann man mit der richtigen Benetzung der Mundschleimhäute verhindern. Gegen Kleidergeraschel hilft meist, das raschelnde Stück auszuziehen oder sich einfach weniger zu bewegen.

Bei den Atmern kommt es auf den Stil an, denn bei vielen Sängern gehört dies einfach dazu! Solange das Atmen nicht lauter als der Gesang ist oder einfach nervt, kannst du damit arbeiten.

Insbesondere bei Gesangsaufnahmen läufst du Gefahr, ggf. den mitlaufenden Klick oder anderes Übersprechen mit aufzunehmen. Wird die Spur anschließend stark komprimiert, kann das aufgenommene Übersprechen unangenehm laut werden.

Zur nachträglichen Lösung dieses Problems kann man einen Trick versuchen: Du nimmst den gleichen Teil nochmals unter gleichen Bedingungen auf, jedoch ohne die eigentliche Gesangsaufnahme. Anschließend drehst du die Phase der neuen Spur und mischst sie so bei, dass sich die beiden Störsignale gegenseitig auslöschen.

Du bittest also den Sänger nochmal vor das Mikrofon und nimmst den Teil erneut auf. Dabei muss der Sänger an derselben Stelle wie zuvor stehen und darf natürlich nicht mitsingen. So habt ihr nur das Störsignal aus dem Kopfhörer auf der Aufnahme und könnt die beschriebene Technik anwenden.

Selbstverständlich ist dies alles nur Flickwerk und lohnt nur im absoluten Notfall oder beim Take deines Lebens. Schließlich hat das Ganze den faden Beigeschmack von potentiellen Phasenschweinereien!

Idealerweise investierst du in einen guten, geschlossenen Kopfhörer und verhinderst diese Probleme im Voraus! Beim Aufnehmen kannst du aber auch den Klick oder die potentiell übersprechende Spur bei den gefährdeten Stellen leiser oder ganz aus machen.

3.2.2Gruppenaufnahmen und Backing-Vocals

Bei Gruppenaufnahmen wie Chören oder Vocal-Ensembles ist es zwar manchmal möglich, jedem Sänger ein eigenes Mikrofon zur Verfügung zu stellen, sinnvoll ist es aber meist nicht. Zum einen fängst du dir schnell Phasenprobleme ein und zum anderen sollte so ein Sängerverbund idealerweise auch als Einheit abgebildet werden.

Der Chor als Summe ist das Instrument. Besteht der Chor aus mehreren Reihen, sind die Mikrofone so zu platzieren, dass nicht nur die erste Reihe abgenommen wird. Daher schauen die Mikrofone dann eher von oben über mehrere Reihen hinweg.

Um eine tonale Ausgeglichenheit zu erlangen, kannst du in einem Chor die tiefen Sänger tendenziell in die Mitte positionieren und die mittleren und hohen Lagen um sie herum platzieren. Wie wir wissen, lassen sich tiefe Töne nicht so gut orten wie höhere. Die beschriebene Anordnung kommt dieser Eigenschaft sehr entgegen und erzeugt einen Gesamtklang mit zentralem Fundament und aufgefächertem Obertonbereich, was den Stereoeffekt unterstützt.

Für ein natürliches Abbild muss ein Chor in Stereo abgenommen werden. Die Möglichkeiten und Regeln der Stereomikrofonierung haben wir bereits in einem der vorangegangenen Kapitel erörtert.

Daher folgt hier nur eine kurze Rekapitulation:

Willst du eine Aufnahme mit detaillierter Richtungsinformation, nutzt du eine Mikrofonierung zur Intensitätsstereophonie.

Für einen breiten, aber etwas verschwommenen Klang nutzt du Techniken der Laufzeitstereophonie.

Ist eine besonders dicke Klangfülle gefragt, ist ein Laufzeitpaar aus zwei Kugeln interessant.

Bei der Aufnahme von Chören musst du stets die akustische Täuschung bei der Umwandlung des Klangkörpers in ein Stereosignal beachten. Die Personen, die am nächsten zu den Mikrofonen stehen, werden immer am lautesten und deutlichsten abgebildet. Das heißt: Ein auf einer geraden Linie aufgestellter Chor wird mit einem Stereomikrofon oder einer XY- bzw. ORTF-Aufstellung immer kreisförmig abgebildet. Bei einer A/B-Aufstellung wird der gerade stehende Chor wellenförmig verzerrt.

Um ein homogenes Klangbild zu erhalten, musst du also die Aufstellung des Chors immer mit der Position der Mikrofone abgleichen. Bei einem Stereomikrofon in der Mitte muss der Chor kreisförmig um das Mikrofon stehen. Bei A/B-Mikrofonierung muss der Chor wellenförmig in zwei sich überlagernden Kreisen aufgestellt werden.

Diese Arbeitsweise gilt natürlich nicht nur speziell für Chöre. Ebenso bei Big-Bands, Orchestern oder anderen breiten Klangkörpern solltest du diese Denkweise im Hinterkopf behalten.

Akustische Täuschung bei breiten Objekten (Mistele)

Natürlich sind nicht nur Chöre oder Ensembles Gruppenaufnahmen, sondern auch einfache Backing-Vocals. Auch diese kann man als verschiedene Einzelspuren anlegen, bei unterschiedlichen Sängern kann es aber für das Feeling positiv sein, mehrere Sänger gleichzeitig mit einem Mikrofon aufzunehmen. Die verschiedenen Stimmen ergänzen sich auf natürliche Weise und der Gruppeneffekt beim Einsingen befreit und führt zu einem satten Klang. Üblicherweise nimmst du hierfür zwei bis vier Monospuren auf, die dann im Panorama verteilt werden.

Mit dieser Technik und beispielsweise drei Sängern kannst du sehr schnell einen schicken Chor erzeugen, der mit 12 Stimmen auf verschiedenen Panoramapositionen schon recht mächtig klingt!

Bei der Aufnahme von Backings hast du häufig mit einem „Konsonantengewitter“ zu kämpfen. Dies entsteht, wenn die Sänger und die unterschiedlichen Spuren zueinander nicht synchron genug sind. Über eine Phrase hinweg fällt dies nicht stark auf und kann sogar gewünscht sein. Problematisch ist es aber immer am Ende eines Takes.

Wenn hier das finale „S“ oder ein „T“ zu unterschiedlichen Zeitpunkten und zusätzlich aus verschiedenen Panoramarichtungen intoniert wird, ist das irritierend und einfach nicht schön!

Was tun? Das Beste ist natürlich: Üben! Alternativ können die Sänger die kritischen Konsonanten einfach abschwächen oder gar weglassen. Besonders dann, wenn die Backings mit gleichem Text unter dem Hauptgesang liegen, fällt das Weglassen einiger Backingkonsonanten am Ende einer Phrase absolut nicht auf und hält den Track sauber.

Ein guter Leadsänger ist übrigens meist kein guter Backgroundsänger! Es ist für viele recht schwer, sich beim Singen in ein Backinggefüge einzugliedern. Dies können meist nur sehr erfahrene Sänger, die eine gute Disziplin und eine reflektierte Sicht über ihre Kunst haben. Probieren kann man es natürlich immer!

3.3Doppeln

Mit dem Doppeln von Gesangsspuren schaffst du eine Dichte und Präsenz in der Stimme, die insbesondere bei etwas schwächeren Sängern von Vorteil sein kann. Aber auch als reiner Effekt klingt ein gedoppelter Part sehr interessant und verleiht dem Teil eine natürliche Schwebung, die der eines Chorus' ähnelt, aber etwas organischer klingt.

Für eine saubere Doppelung muss der Sänger konzentriert sein und sein Handwerk verstehen. Es ist in der Tat nicht leicht, eine Zeile mehrfach annähernd gleich zu intonieren und sogar das Vibrato oder das Brechen der Stimme zu reproduzieren. Daher sollte der Sänger, wenn es zur Aufnahme kommt, immer genau wissen, wie er die zu doppelnde Phrase singen wird und dies auch üben.

Je mehr gedoppelte Spuren zusammenkommen, desto dicker klingt der Teil. Je dicker der Klang wird, desto schwammiger wird er allerdings auch. Üblich sind daher zwei Dopplungen, die im Panorama etwas links und rechts neben der Hauptstimme gemischt werden.

Grundsätzlich werden die Doppelspuren in den Hintergrund gemischt, sie sind schließlich keine zweiten Stimmen! Wie bei vielen Effekten sind sie genau dann richtig dimensioniert, wenn man erst beim Abschalten merkt, dass etwas fehlt.

Besonders interessant können verschiedene Doppelspuren sein, die zwar gleich gesungen, aber mit einem anderen Abstand zum Mikrofon eingefangen werden. Hierdurch schaffst du einen natürlichen und sehr organischen Hintergrundklang für mehr Abstand von der Hauptspur. Diese Technik eignet sich natürlich insbesondere für die Aufnahme von Backing-Vocals, wird aber auch für geschmeidige Lead-Vocals eingesetzt.

Eine weitere Möglichkeit, einen dichteren Klang zu erhalten, ist die Verwendung einer anderen Mikrofon/Preamp-Kombination für die Dopplungen. Meist erzeugt die Abwechslung eine tonale Ausgeglichenheit, wodurch der Gesamtklang dichter und größer erscheint.

3.4Monitoring

Beim Gesangsmonitoring ist das Monitoringwerkzeug – also der Kopfhörer – sehr nahe am Mikrofon. Daher solltest du unbedingt einen geschlossenen Kopfhörer verwenden. Ansonsten läufst du Gefahr, Übersprecher aus dem Playback oder den Klicktrack einzufangen.

Klassischerweise wird der Kopfhörer natürlich mit Bügel nach oben getragen. Nach meiner Erfahrung kann es aber sehr hilfreich sein, wenn bei der Aufnahme ein Ohr offen bleibt, der Kopfhörer also nur einseitig getragen wird. Dadurch hat der Sänger das Playback und seinen natürlichen Gesangsklang im Raum gleichzeitig zur Verfügung. Auf diese Weise fühlt sich der Sänger nicht so sehr von sich und seinem Eigenklang abgetrennt und kann natürlicher singen. Diese Technik hilft zudem bei Intonationsproblemen oder wenn es darum geht, sehr sauber zu singen.

Der technische Vorteil liegt darin, dass auf diese Weise auch kleine Latenzen überdeckt werden können, falls dein Rechner bei den Gesangsaufnahmen schon an seinem Limit kratzt! Falls es dadurch zu Übersprechungsproblemen durch die offene Ohrmuschel kommt, drehst du den nicht abgehörten Kanal einfach weg.

Grundsätzlich ist es für den Sänger sehr komfortabel, wenn er über die Lautstärke in seinem Kopfhörer entscheiden kann. Daher hast du idealerweise einen Kopfhörerverstärker beim Sänger und nicht fix im Rack eingebaut!

Wenn du das Gefühl hast, der Sänger könnte noch mehr Kraft in seine Performance legen, kannst du probieren, das Gesangsmonitoring etwas leiser in Relation zum Instrumentalplayback zu machen. So muss er lauter singen, um sich genauso gut zu hören. Dasselbe funktioniert auch umgekehrt: Wenn er softer singen soll, mach ihn lauter im Monitoring-Mix. Dann kann er soft singen und hört sich trotzdem perfekt.

In manchen Konstellationen hört sich ein Sänger besser, wenn du bei der Gesangsspur die Phase drehst. Also nicht erst beim Mischen, sondern schon bei der Aufnahme! Obwohl die Lautstärke nicht verändert wird, kann das Drehen der Phase zu einer deutlichen Steigerung der Durchsetzungskraft führen. Dies kannst du dir natürlich auch im späteren Mix zu Nutze machen!

Gerne diskutiert ist die Frage, ob man mit oder ohne Effekte aufnehmen soll. Gemeint sind nicht die Effekte, die dann fest in die Spur kommen, sondern Effektsignale, die eigentlich beim Editing beigemischt werden.

Prinzipiell ist dagegen nichts einzuwenden. Wichtig ist aber, dass du mit den Effekten dem Sänger nicht die Arbeit abnimmst! Die Effekte sollten also das Signal nicht sofort aufwerten, sondern eher die Stimmung unterstützen, damit der Sänger sich besser im Stück entfalten kann.

Auf jeden Fall solltest du langwierige Effektparametrierungen vermeiden, da diese den Sänger langweilen und den Fluss der Aufnahme unterbrechen! Zudem sollte kein Effektbrei auf dem Monitoring liegen, da sich der Sänger dann nicht mehr sauber hören kann.

Manche Sänger tun sich leichter, wenn sie sich immer wieder an einer Melodie orientieren können. Daher ist es praktisch, die Gesangsmelodie bereits instrumental im Mix zu haben, um sie nach Bedarf einspielen zu können. Außerdem lässt sich mit Instrumental-Melodien extrem stimmschonend nach Zweitstimmen suchen!

3.5Editing

Beim Gesang kann es leicht zu Nebengeräuschen kommen. Die typischen Problemfelder sind Atmungs- und diverse Schmatzgeräusche. Logischerweise achtest du schon bei der Aufnahme darauf, dass störende Geräusche gar nicht erst auf die Spur kommen, aber ganz vermeiden lässt es sich nie.

Im Gegensatz zu den Schmatzern solltest du Atmer nicht einfach wegschneiden. Sie gehören zum „Instrument“ Gesang dazu, besonders bei den Lead-Vocals. Störende Atmer werden besser durch Automation gebändigt oder ausgeschnitten und für sich alleine leiser gemacht. Wenn dies alles nichts hilft, kannst du probieren, sie durch einen passenden Atmer von anderer Stelle zu ersetzen. Mittels Digitaltechnik ist dies ja kein Problem.

Bei Dopplungen in den Lead-Vocals oder bei den Backings kannst du die störenden Atmer der untergeordneten Spuren jedoch einfach rauslöschen. Im Stereopan verteilte und asynchrone Atmer gehen gar nicht! Gleiches gilt für irritierende Konsonanten auf den Hintergrundspuren: Einfach abschwächen oder abschneiden!

Hochfrequente Störgeräusche kannst du mittels De-Essing mindern. Genaue Informationen hierzu findest du im De-Essing-Kapitel.

Je nach Stil musst du den Gesang mehr oder weniger stark komprimieren. Je dichter eine Produktion ist, desto mehr Kompression wird nötig werden. Eine Ratio um 4:1 mit einer mittellangen Attack und Release sind der typische Startpunkt. Mit eher langen Zeitparametern verhinderst du ein klangentstellendes ruckartiges Eingreifen der Kompression und das Entstehen von Pumpen. Pegelreduktionen bis zu 10 dB sind beim Gesang keine Seltenheit.

Auf Grund ihrer musikalischen Kennlinie werden Optokompressoren besonders gerne zur Gesangskompression verwendet.

Hast du eine gute Aufnahme mit einem zur Stimme des Sängers passenden Mikrofon im Kasten, ist beim Gesang überraschend wenig mit dem Equalizer zu verbiegen. Wenn du mit keinen unschönen Resonanzen zu kämpfen hast, genügt in vielen Fällen ein einfacher Low-Cut, um tieffrequente Nebengeräusche rauszufiltern.

Besonders bei den Lead-Vocals sind deren Präsenz wichtig für die Durchsetzungskraft innerhalb eines komplexen Klanggefüges. Für den typischen Höhenglanz moderner Produktionen nutzt du dann noch einen leichten High-Shelf eines Edel-Equalizers.

Um Backings von den Lead-Vocals abzugrenzen, kannst du einen höheren Low-Cut einsetzen. Durch Absenken des Bereichs um 4 bis 6 kHz raubst du den Backings zudem Präsenz, was sie hinter die Hauptstimme stellt.

Für den Gesang solltest du wie bereits beschrieben den besten Raumeffekt deines Sortiments einsetzen. Vor allem gute Plate-Halls sind gern gehörte Gesangsveredler!

Willst du dem Gesang zwar einen hörbaren Nachklang verpassen, verfolgst aber nicht das Ziel eines realistisches Raumeindrucks, kannst du statt eines Raums auch ein Delay einsetzen. Eine Viertel- oder Achtelverzögerung mit einer Wiederholung im Songtempo macht das Signal dicker, ohne zu matschen.

In vielen Fällen lohnt sich auch die Kombination: Beispielsweise ein kurzer heller Plate-Hall zum Anfetten und ein Vierteldelay für den Nachklang.

Für die Freunde des Rock'n'Rolls ist natürlich auch ein herrlich schepperndes Slapback-Echo eine Option.

Für etwas breitere Vocals empfiehlt sich ein minimaler Chorus. Dieser wird mal wieder so fein eingestellt, dass er nicht deutlich rauszuhören ist, es aber auffällt, wenn man ihn ausschaltet. So kann sich ein sanfter Doublingeffekt einstellen, der der Stimme einen edlen Touch verpasst. Für moderne Popgeschichten inzwischen fast ein Muss!

Hinsichtlich des Panoramas liegen Lead-Vocals idealerweise in der Mixmitte. Eigentlich logisch, da das Hauptelement ins Zentrum gehört. An anderer Stelle habe ich ja schon beschrieben, dass es ratsam ist, den gesamten Mix um die Hauptstimme herum zu bauen.

Zweitstimmen ordnest du etwas daneben an. Backingchöre kannst du natürlich auch breit um die Hauptstimme herum im Panorama verteilen. Es muss dir aber klar sein, dass extrem breite Backings nie natürlich im Sinne einer realistischen Tiefenstaffelung klingen werden. Dies ist aber auch nicht immer gewünscht, ein überbreiter Chor kann auch ein tolles Stilmittel sein.

Eckdaten zum Equalizing von Gesang:

Frequenz

Eigenschaft

Bearbeitung bei Bedarf

0 bis 80 Hz

Keine tonale Relevanz

Absenken mittels Low-Cut oder Low-Shelf

80 bis 160 Hz

Grundtöne bei männlichem Gesang

Breitbandig anheben

150 bis 250 Hz

Grundtöne bei weiblichem Gesang

Breitbandig anheben

250 Hz

Bauch

Breitbandig anheben für mehr Druck in der Stimme

4 bis 6 kHz

Präsenz und Konsonanten

Mittelbreit anheben für mehr Sprachverständlichkeit und Durchsetzungskraft

10 bis 11 kHz

Atemgeräusche

Mittelbreit anheben für intimeren Klang

Ab 10 kHz

Höhenband

Mittels High-Shelf leicht anheben für mehr Höhenglanz

3.6Effekt-Vocals

3.6.1Telefonstimme