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Laurentius Grimm wird in seinen Träumen vom Geist einer hingerichteten Mutter aufgesucht. Sie wurde von ihrer eigenen Tochter Grete der Hexerei beschuldigt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Er macht sich auf den Weg nach Eschental, um den Verrat der Tochter zu untersuchen. ÜBER DIE REIHE: In einer mystischen Welt des 17. Jahrhunderts, in der die Grenzen zwischen Leben und Tod verschwimmen, wandert Laurentius Grimm mit seinem treuen Esel Stern durch ein Deutschland voller Geheimnisse. Doch Laurentius ist kein gewöhnlicher Wanderer – er besitzt eine Gabe: Er kann die Toten hören. Getrieben von dem Wunsch, den rastlosen Seelen zu helfen, hat Laurentius sich in ihren Dienst gestellt. Auf seinen Reisen, bei denen Magie und Aberglaube allgegenwärtig sind und die Toten niemals ganz schweigen, wird er zu einer legendären Gestalt: Totenflüsterer, Seelenretter, Ketzer, Heiliger.
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Seitenzahl: 23
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Die Traumfälle des Laurentius Grimm
»Grete« © 2025 Michael J. Awe
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Die in diesem eBook dargestellten Figuren und Ereignisse sind fiktiv. Jegliche Ähnlichkeit mit lebenden oder toten realen Personen ist zufällig und nicht vom Autor beabsichtigt.
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Covermotiv: Adobe Stock
Als sich Laurentius Grimm und sein treuer Esel Stern dem kleinen Ort Eschental näherten, wurde das Klirren von Metall auf Metall lauter. Sterns Ohren zuckten nervös bei diesem Geräusch. »Ruhig«, flüsterte Laurentius und ließ seinen Blick zu den Gestalten schweifen, die am groben Mauerwerk arbeiteten. Sie waren dabei, die Brücke zu reparieren, eine notwendige Aufgabe in diesen rauen Gefilden, wo der Winter so unbarmherzig sein konnte wie der Fluch einer Hexe.
Die Männer unter ihnen hielten in ihrer Arbeit inne und beobachteten den einsamen Reisenden und sein Tier mit Neugierde. Sie sahen einen hochgewachsenen Mann mit dunklen Haaren, der wirkte, als hätte er einen weiten Weg hinter sich. Sein Reisemantel war von Staub bedeckt und er ritt auf einen grauen Esel, dessen Ohren zuckten, als er über die Brücke schritt.
Laurentius stellte mit Erleichterung fest, dass das Stadttor noch geöffnet war, und stieg mit steifen Beinen ab. »Wir sind da«, sagte er leise zu Stern und streichelte die weiche Stirn des Esels, seine Stimme drang kaum über das Rauschen des Wassers unter ihnen hinweg. Der Esel schnaubte und rieb seine Schnauze an Grimms Schulter.
In den schmalen Straßen von Eschental waren noch vereinzelte Menschen unterwegs. Der Ort war nicht groß genug, als dass man einem Fremden keine Aufmerksamkeit schenken würde, aber Laurentius achtete nicht auf die Blicke. Erst als sie den Marktplatz erreichten, hielt er inne und starrte auf einen verkohlten Holzpfahl, der hoch aufgerichtet in der Mitte stand.
Vor drei Wochen war während seines Schlafes eine tote Frau in seinen Träumen erschienen. Es war die Seele einer Mutter gewesen, die von ihrer eigenen Tochter zu Unrecht der Hexerei beschuldigt worden war. Man hatte sie verurteilt und verbrannt. Die Toten waren nicht immer einfach zu verstehen, aber Laurentius wurde klar, dass die Frau nach dem Grund verlangte, warum ihre Tochter Grete ihr das angetan hatte.
