Hab' keine Angst mein Hund - Rolf C. Franck - E-Book

Hab' keine Angst mein Hund E-Book

Rolf C. Franck

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Beschreibung

Sehr viele Hunde haben Angstprobleme. Ihre Besitzer leiden oft mit und fühlen sich hilflos. Dieses Buch soll erklären warum Hunde so leicht zu Angsthasen werden, was man tun kann um ihnen zu helfen und was man besser nicht tun sollte. Es gibt Rat bei Problemen mit geringem Angstverhalten, aber auch konkrete Strategien für extreme Fälle.

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Seitenzahl: 88

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Impressum

Copyright © 2008 by Cadmos Verlag GmbH, Brunsbek

Gestaltung: Ravenstein + Partner, Verden

Satz: Grafikdesign Weber, Bremen

Titelfoto: Madeleine Grauss

Fotos: Madeleine Grauss

Lektorat der Originalausgabe: Dorothee Dahl

Konvertierung: S4Carlisle Publishing Services

Alle Rechte vorbehalten.

Abdruck oder Speicherung in elektronischen Medien nur nach vorheriger schriftlicher Genehmigung durch den Verlag.

eISBN 978-3-8404-6281-8

Inhalt

Einleitung

Angst beim Wolf

Vorsicht und Misstrauen

Gefahrvermeidung

Angst beim Hund

Der gedeckte Tisch

Verhaltensstrategien

Ängste verstehen

Was ist Angst?

Wie viel Angst ist normal?

Entstehung von Ängsten

Der Teufelskreis der Angst

Ängste bewältigen

EMRA hilft ängstlichen Hunden

Konfrontation mit dem Auslösereiz

Clickertraining hilft bei Ängsten

Entspannungstechniken

Das Wohlfühlbudget

Medikamente

Die Rolle des Besitzers

„Bin ich schuld?“

Ängste ignorieren?

Sicherheit geben

Ängste ernst nehmen

Typische Ängste bei Hunden und wie man damit umgeht

Angst vor Menschen

Was nicht so gut funktioniert

So helfen Sie in den verschiedenen Angststufen

Was tun wenn Besuch kommt?

Angst vor Hunden

Was nicht funktioniert

So helfen Sie in den verschiedenen Angststufen

Geräuschangst

Wie kommt es zu dieser Form der Angst?

Das bringt Sie nicht weiter

So können Sie helfen

Angst vor Dingen

Beispiele und übertragbare Lösungen

Angst vor anderen Tieren

Angst vor Situationen

Beispiele und übertragbare Lösungen

Nachwort

Adressen

Lesetipps

Einleitung

„Wenn ich ihm doch nur helfen könnte!“

Eine enge Bindung zwischen Mensch und Hund ist die ideale Ausgangsposition.

Besitzer von ängstlichen Hunden haben alle eine Gemeinsamkeit. Wenn man sie auf ihren Hund anspricht, bekommen sie einen Gesichtsausdruck, der so viel aussagt wie oben genannter Satz. Oft sprechen sie die Worte auch aus. Was steht hinter dieser Aussage, diesem Wunsch? Zunächst vermutlich das Verlangen, dem vierbeinigen Freund aus seiner Misere zu helfen. Je nach Intensität des Problems schwingen aber noch weitere Dinge mit. Eine gute Portion Hilflosigkeit ist erkennbar, nicht selten sogar Verzweiflung und Resignation. Oft haben Besitzer von ängstlichen Hunden schon verschiedene Versuche unternommen, ihrem Tier zu helfen, es zu „therapieren“. In diesem Fall spielt auch Frustration eine gewisse Rolle. So mancher Hundehalter hat sich schon von anderen anhören müssen, dass immer der Mensch an Verhaltensproblemen des Hundes schuld sei. Schuldgefühle spielen also oft auch eine Rolle. Für manche Menschen können die Ängste des eigenen Tieres sogar einen negativen Einfluss auf die eigene Lebensqualität haben.

Haben Sie einen Hund, dessen Leben von Ängsten beeinflusst oder sogar bestimmt ist? Dann gibt es gute Nachrichten. Sie halten gerade ein Buch in der Hand, das Ihnen helfen wird. Es wird Ihnen zunächst erklären, warum Hunde so oft zu ängstlichem Verhalten neigen. Die entwicklungsgeschichtlichen Hintergründe werden gezeigt und der psychologische Mechanismus von Angstproblemen erklärt. Es werden die häufigsten Angstprobleme geschildert und wie sie entstehen. Außerdem bieten wir Ihnen Lösungswege an, die das Problem Ihres Hundes auf verschiedenen Ebenen angehen.

Sie lernen, wie Sie den Alltag des Hundes so gestalten können, dass er sich insgesamt wohler fühlt und seine Ängste einen geringeren Raum einnehmen als bisher. Weiterhin zeigen wir Ihnen, wie Sie verhindern können, dass sich seine Angst verschlimmert und ausweitet. Und wir zeigen Ihnen unsere erprobten und umsetzbaren Herangehensweisen, mit denen wir schon vielen Hunden helfen konnten.

Ihren Wunsch, dem eigenen Hund helfen zu können, wird dieses Buch ganz sicher erfüllen. Wie nahe Sie dem Ziel eines völlig angstfreien Hundes kommen, hängt von vielen Faktoren ab. Von der verfügbaren Zeit und dem Geschick des Besitzers, von der Natur des Hundes und von der Ursache und der Intensität des Problems. Erfahrungsgemäß haben Besitzer von angst-bestimmten Hunden jedoch keine unrealistischen Vorstellungen. Sie wollen keinen Helden aus ihrem Hund machen, sondern möchten erreichen, dass er sein Alltagsleben ohne große Einschränkungen entspannt meistern kann. Ist das bei Ihnen auch so? Dann haben wir ein gemeinsames Ziel.

 

Angst beim Wolf

Schon seit vielen Jahren ist eindeutig klar, dass der Wolf der direkte Vorfahre unseres Haushundes ist. Um den Hund und auch seine Ängste verstehen zu können, hilft es sehr, sich mit dem Verhalten des Wolfes und seinem Entwicklungsweg zum Hund zu befassen.

 

Vorsicht und Misstrauen

Wölfe sind ausgesprochen scheue und flüchtige Tiere. Die Angst spielte eine zentrale Rolle im Überlebenskampf, besonders angesichts der großen Bedrohung durch den Menschen. Wer nicht früh genug flüchtete, bezahlte oft mit seinem Leben.

Diese Überlebensversicherung basiert darauf, dass Wölfe sich zunächst vor allem fürchten, was sie nicht in früher Kindheit kennengelernt haben – ein Mechanismus, der in abgeschwächter Form auch bei Hunden zu beobachten ist.

 

Plan A

Jede Tierart hat bestimmte Standardstrategien, um mit Reizen umgehen zu können, die Angst auslösen. Die Standardstrategie des Wolfes ist und war immer die Flucht. Diese genetische Vorgabe sollte man sich jedoch nicht als starres Verhaltensmuster vorstellen, sondern eher als Tendenz, es als Erstes mit dieser Lösung zu versuchen. Je öfter diese Strategie praktiziert wird, desto besser sitzt sie. Diese Eigenschaft haben sie auch ihren entfernten Nachfahren, den Hunden, mitgegeben, glücklicherweise in weit abgemilderter Form.

 

Plan B

Erst wenn für einen Wolf bei der Begegnung mit etwas Unbekanntem die Flucht keine praktikable Lösung darstellt, wird er versuchen, sich zu verteidigen. Dies kann passieren, wenn er in die Ecke gedrängt wird oder wenn für ihn wichtige Dinge auf dem Spiel stehen. Letzteres könnte beispielsweise für ein Muttertier die Flucht zu jungen Welpen sein. Ein Wolf wird normalerweise nur aggressiv, wenn er nicht anders kann. Dies gilt von Natur aus auch für den Hund.

 

Gefahrvermeidung

Die beiden Strategien Flucht und Verteidigung gehören zum Bereich des Verhaltens, den Biologen Gefahrvermeidungsverhalten nennen. Bei jeder Unterart der Caniden (Hundeartigen) beginnt dieses zu einem unterschiedlichen Zeitpunkt zu wirken. In den ersten Lebenswochen gibt es einen Zeitraum, in dem der Welpe auf neue Dinge und Situationen mehr mit Neugier als Vorsicht reagiert. Zu dieser Zeit lernt er die Dinge kennen, mit denen er in seinem späteren Leben zu tun haben wird. Alles, was er jetzt nicht kennenlernt, wird meist später als gefährlich eingestuft. Beim Wolf setzt das Gefahrvermeidungsverhalten durchschnittlich im Alter von 19 Tagen ein. Das ist einer der Gründe, warum es so schwer ist, Wölfe zu zähmen. Nur wenn ein Wolfswelpe praktisch die gesamte Zeit vom Öffnen der Augen am 13. Tag bis zum 19. Tag von Menschen umsorgt wird, bestehen gute Chancen, dass das Tier auch später zutraulich ist, jedenfalls bis zur Geschlechtsreife.

 

Ein Wolf im Hundepelz?

Bis heute erklärt man Hundeverhalten oft mit falschen Vorstellungen vom Wolfs ver - halten, und jedes Problem wird im Zusammenhang mit vermeintlichem Rangordnungsdenken gesehen. Wer mit seinem Hund Angstprobleme hat, muss sich nur zu oft anhören, dass er für seinen Hund kein gutes Alphatier sei. Aus unserer Sicht gibt es beim Hund kein solches Hierarchiedenken, und es als Erklärung für Angstverhalten heranzuziehen ist mehr als fragwürdig. Trotzdem kann man nicht leugnen, dass der Hund vom Wolf abstammt und viele Ähnlichkeiten mit ihm hat. Gerade bei ängstlichen Hunden kann man beobachten, dass sie sich manchmal wie ein völlig normaler Wolf verhalten.

Huskywelpe: Einige Hunderassen stehen dem Wolf genetisch besonders nah und neigen deshalb mehr zu wolfstypischem Verhalten.

 

Angst beim Hund

Was das Angstverhalten angeht, sind Hunde und Wölfe tatsächlich aus dem gleichen Holz geschnitzt, wenngleich es große qualitative Unterschiede gibt. Diese Verschiedenheiten begründen sich vor allem aus der Entwicklungsgeschichte des Hundes.

Wie unwohl sich dieser ängstliche Hund fühlt ist offensichtlich.

 

Der gedeckte Tisch

Der namhafteste Hundeforscher unserer Zeit, Professor Ray Coppinger, erklärt die Domestikation des Hundes sehr logisch und stellt sie in den Zusammenhang mit der beginnenden Sesshaftigkeit der Menschen. Nach ihren vielen Jahrtausenden als Jäger und Sammler bildeten sie vor etwa 8000 bis 10 000 Jahren die ersten Siedlungen. In diesem Zusammenhang entstanden außerhalb der Dörfer erste Abfallhalden und einfache Latrinen. Dies brachte den Wolf auf den Plan, denn er hatte hier die Möglichkeit, sich von den Abfällen des Menschen gut zu ernähren, ohne dafür viel Energie zu verbrauchen. Das einzige Problem für ihn war seine Angst vor dem Menschen, denn sobald ein Mensch zu sehen war, war seine Mahlzeit beendet und der Wolf trat unverzüglich die Flucht an.

Mit der Zeit gewöhnten sich einige Wölfe an die Anwesenheit des Menschen, ihre Fluchtdistanz wurde geringer. Da diejenigen Wölfe mit einer geringeren Fluchtdistanz zum Menschen automatisch mehr Zeit und Gelegenheiten zum Fressen hatten, waren auch ihre Überlebenschancen größer.

 

Verhaltensstrategien

Je weniger ein Welpe in den ersten Wochen auf das spätere Leben vorbereitet wird, etwa, weil er in einem Stall oder Zwinger aufwächst, desto mehr ähnelt er in seinem späteren Verhalten einem Wolf. Jedes normale Hundeleben wird dann zu einer Herausforderung. Erinnern wir uns noch mal: Was war das nahe liegende Verhalten für einen Wolf, der sich bedroht fühlt? Flucht. Nun stellen wir uns die Situation vor, dass ein Welpe sich bedroht fühlt, weil sich ein fremder Mensch zu ihm herunterbeugt und seine Hand ausstreckt. Zwei mögliche Szenarien sind denkbar: Entweder der junge Hund läuft frei oder er ist angeleint. Im ersten Fall wird er weglaufen und darüber erleichtert sein, dass er die Bedrohung überstanden hat. Dieses Gefühl der Erleichterung verstärkt allerdings nicht nur die Fluchtstrategie, sondern auch die Furcht vor unbekannten Menschen. In der Konsequenz wird der Welpe vermutlich in der nächsten Begegnung ängstlicher sein und noch früher flüchten.

Was aber, wenn er an der Leine geführt wird und daher nicht weglaufen kann? Wie der Wolf tendiert auch der Hund dazu, dann aggressiv zu sein. Im günstigsten Fall knurrt der Welpe nur und der Fremde zieht sich zurück. Genauso leicht könnte er aber auch schnappen, besonders wenn das Knurren des Knirpses vorher nicht für voll genommen wurde. Auch hier wird sich der Mensch zurückziehen und der Hund fühlt sich erleichtert, da die Bedrohung vorüber ist. Einerseits hat er nun eine erfolgreiche Strategie gelernt: Beiß sie, dann lassen sie dich in Ruhe. Andererseits wird die Furcht auch hier durch das Gefühl der Erleichterung verstärkt. Dieses Gefühl spielt bei Verhaltensproblemen eine zentrale Rolle und wir werden an verschiedenen Stellen dieses Buches darauf zurückkommen.

Egal, ob der junge Hund früh die Taktik des Weglaufens oder der Verteidigung erlernt, sie wird für ihn zur ersten Wahl, wenn es Probleme gibt. Dies muss man wissen, wenn man an Angstproblemen arbeiten möchte, denn dabei geht es oft auch darum, neue Strategien zu vermitteln.

Ängste verstehen

Auch für einen ausgeglichenen Hund ist es normal, hin und wieder vor etwas Angst zu haben.

Um das Angstverhalten eines Hundes besser verstehen zu können, kann man durchaus beim menschlichen Verhalten anfangen. Es hat nichts mit Vermenschlichen zu tun, wenn wir versuchen, uns in die Gefühlswelt des Hundes hineinzuversetzen. Die Emotionen, die ein Hund erlebt, sind mit unseren oft vergleichbar. Auch die körperlichen Prozesse, die während des Angstempfindens ablaufen, sind bei Mensch und Hund gleich.

 

Was ist Angst?