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Platons später Dialog Timaios befasst sich - anders als seine anderen Dialoge - in erster Linie mit naturwissenschaftlichen Fragen.
Das E-Book Kosmos und Mensch wird angeboten von BoD - Books on Demand und wurde mit folgenden Begriffen kategorisiert:
Platon,Philosophie,Kosmologie,Kosmos und Mensch,Timaios
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Seitenzahl: 36
Veröffentlichungsjahr: 2025
Keine wahre Naturwissenschaft kann bestehen, ohne um ihre eigene Geschichte zu wissen. (Paul Friedländer)
Meinen Enkeln:
Rafael
Philipp
Joshua
Lucia
Hannah
Carla
Helena
Matteo
Dies ist der 13. Vortrag einer Reihe von Vorträgen zu Themen aus der Antike. Ziel ist es, Zuhörer und Leser mit Werken der Antike zu konfrontieren und ihnen damit zu zeigen, dass viele unserer heutigen Gedanken und Probleme schon vor über 2000 Jahren gedacht und erlebt worden sind. Auch wenn die Wissenschaft natürlich damals noch in ihren Anfängen steckte, tut es gut, auf diese Weise einen Blick in ihre Geschichte zu werfen.
Dieser Vortrag hat – wie schon sechs andere vor ihm – einen Dialog Platons zum Thema, den Dialog Timaios. Dieser unterscheidet sich von Platons anderen Dialogen; denn in ihm geht es in erster Linie um naturwissenschaftliche Zusammenhänge, wenn der pythagoreische Astronom Timaios berichtet, wie er sich die Entstehung der Welt und der Menschen in ihr vorstellt.
Das scheint zunächst der Einschätzung des römischen Philosophen Cicero zu widersprechen; der im 1.Jh. v. Chr. gesagt hatte, Sokrates, der Lehrer Platons, habe die Philosophie vom Himmel auf die Erde herabgeholt. Damit meinte er, dass Sokrates – und damit auch Platon – sich im Gegensatz zu ihren Vorgängern, den sog. Vorsokratikern, nicht mehr mit naturwissenschaftlichen Phänomenen, sondern mit Problemen des Menschen und seinem Umfeld beschäftigt hätte.
Doch wenn man genau hinsieht, geht es auch im Timaios um das große ethische Thema, wie sich der Mensch verhalten sollte, um ein glückliches Leben führen zu können. Denn dadurch, dass Sokrates im Anfangs gespräch den Vortrag des Timaios mit dem von ihm entworfenen Idealstaat und den in ihm agierenden Bürgern in Verbindung bringt, entsteht ein großes Ganzes: Der von einem Gott geschaffene Kosmos dient dem Menschen als Maßstab für sein eigenes Denken. So soll er befähigt werden, Bürger eines Staates zu werden, in dem wahre Gerechtigkeit herrscht, ein Staat, in dem Sokrates nicht ungerecht zum Tode verurteilt würde.
Und doch haben die im Timaios behandelten naturwissenschaftlichen Zusammenhänge das meiste Interesse der Nachwelt gefunden. Denn die von Platon als letzte Aufbauelemente alles Seienden eingeführten Elementardreiecke, die einen Übergang von drei Elementengruppen ineinander möglich machen, kommen dem modernen Verständnis vom Atom schon sehr nahe.
So hat z.B. der Physiker Werner Heisenberg den Timaios als Abiturient mit großem Interesse gelesen und darin wichtige Anregungen für seine eigenen physikalischen Forschungen gefunden.
März 2025
Dr. Annrose Niem
Sokrates hatte am Vortag drei Freunden seinen Idealstaat vorgestellt, in dem die Erziehung besonders derer, die den Staat einmal lenken sollten, eine große Rolle spielen sollte. Nun möchte er von diesen Freunden als Gegengabe ein Beispiel dafür gebracht bekommen, dass ein solcher Staat auch in Wirklichkeit funktionieren könnte. Der Politiker und Philosoph Kritias, der neben dem pythagoreischen Philosophen Timaios aus Unteritalien und dem syrakusischen Feldherrn Hermokrates zu dieser Runde gehört, glaubt, in einer uralten, von ägyptischen Priestern überlieferten Beschreibung von Urathen einen solchen Staat gefunden zu haben. Die Urathener sollen damals auf dem Höhepunkt ihrer Macht die von Westen herannahende Großmacht Atlantis bezwungen haben.
Den Bericht des Kritias will man aber auf den nächsten Tag verschieben, um zunächst den pythagoreischen Astronomen Timaios zu Wort kommen zu lassen: Er soll darüber berichten, wie er sich die Entstehung der Welt vorstellt. So wird der Staat in den größeren Bereich des Kosmos eingebettet. Die mit dem Kosmos entstandenen und nach sokratischer Art erzogenen Menschen will Kritias dann am nächsten Tag in seinem Bericht über Urathen als dessen Bürger übernehmen. Im Vortrag des Kritias geht es dann auch um den Gegner Urathens, die sagenumwobene Insel Atlantis.
Über die Entstehung der Welt zu reden ist ein großes Unterfangen. So ruft Timaios zunächst die Götter um Hilfe an: Sie sollen gewährleisten, dass der Bericht in sich stimmig ist und ihnen auch genehm. Er selbst will sich darum bemühen, die Darstellung möglichst verständlich vorzubringen.
