Hexentänze - Sigrid Hunold-Reime - E-Book

Hexentänze E-Book

Sigrid Hunold-Reime

4,9

Beschreibung

Für die 17-jährige Außenseiterin Laura ändert sich alles, als Marie auf ihre Schule kommt. Marie ist anders – und sie ist angesagt. Der Preis für Maries Freundschaft bedeutet für Laura bedingungslosen Gehorsam. Als Laura sich verliebt, zerstört Marie die Romanze mit einer infamen Lüge. Laura verlässt ihre Heimat und studiert in einer fremden Stadt. Acht Jahre später lockt Marie sie zurück an die Küste. Ein tödlicher Fehler!

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Seitenzahl: 74

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Sigrid Hunold-Reime

Hexentänze

Kurzroman

Impressum

Personen und Handlung sind frei erfunden.

Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen

sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Besuchen Sie uns im Internet:

www.gmeiner-digital.de

Gmeiner Digital

Ein Imprint der Gmeiner-Verlag GmbH

© 2015 – Gmeiner-Verlag GmbH

Im Ehnried 5, 88605 Meßkirch

Telefon 0 75 75/20 95-0

[email protected]

Lektorat: Claudia Senghaas, Kirchardt

E-Book: Mirjam Hecht

Umschlagbild: © fottoo – Fotolia.com

Umschlaggestaltung: Simone Hölsch

ISBN 978-3-7349-9328-2

Gedicht

»Eine Sternschnuppe fiel vom Himmel.

Ich sammelte all meine Energie den kostbaren Augenblick zu nutzen

für den Wunsch meiner Wünsche.

Du sollst mich für immer lieben!

Als die letzten Funken im Dunkel des Alls verglüht waren,

wusste ich, dies war kein Wunsch,

sondern ein Fluch.«

Kapitel 1

… in diesem Sommer wirst du zurückkommen. Musst du kommen. Lulu. Wie lange willst du noch auf das Meer verzichten? Auf dein Meer. Dein Zuhause. Komm zurück. Ich bitte dich. Du gehörst hierher. Viel mehr als ich. Lulu …

Die Quellbewölkung umschließt den Horizont wie eine Glocke. Ich halte auf dem nächsten Rastplatz hinter Hannover an. Der Fahrtwind hat durch den geöffneten Fensterspalt die feuchte Schwüle erträglich gehalten. Nun, auf dem erhitzten Asphalt, nimmt mir die stehende Hitze den Atem. Ich beeile mich, ihr wieder zu entkommen. Toilette, Hände waschen und zurück ins Auto. Weiterfahren gen Norden. Dort sind Gewitter angesagt, aber die Luft wird angenehmer sein. Ausgetauscht von Wind und Meer. Keine stickige Dichte, der man scheinbar den Sauerstoff entzogen hat.

Ich verlasse die dreispurige Autobahn und wechsle auf die nach Bremen. Spätestens hinter Oldenburg wird der Verkehr sich beruhigen. So weit habe ich mich schon zweimal vorgewagt. Dann hat mich der Mut verlassen, und ich bin umgekehrt. Heute werde ich weiterfahren. Wie lange will ich noch auf das Meer verzichten? Auf das Stückchen Nordsee, das ich liebe. Dort bin ich geboren und aufgewachsen. Marie hat in ihrer Mail gefragt: Warum bestrafst du dich? Du hast keinen Grund dich zu verstecken, als wärst du eine Verbrecherin. Nein. Aber auf der Beerdigung haben sie mich so angesehen. Ich war zu geschwächt und nicht in der Lage, mich zu verteidigen. Deshalb bin ich weggegangen. Was heißt weggegangen? Ich bin geflüchtet. Ich habe alles Vertraute zurückgelassen. Selbst Marie. Sie hat sich um alle Formalitäten gekümmert. Danach hat sie auch das Wangerland verlassen. Sie ist nach Pennsylvania gegangen, und ich habe mich an der Uni Göttingen eingeschrieben. Für eine wie mich, die an der Küste mit einem Himmel bis zum Horizont aufgewachsen ist, war das tief im Süden.

Zu dem Zeitpunkt war es die einzig richtige Entscheidung. Ich musste mich zurückziehen. Erst einmal. Sonst hätten sie mich fertiggemacht. Ich hätte nicht in Hooksiel weiterleben können, als wäre nichts geschehen. Schon gar nicht in unserem Haus.

Unser Haus. Ich war oft im Traum dort. Die Wohnung ist aufgeräumt und sauber. Die Gardinen sind weiß und riechen frisch nach Waschpulver. Die Ordnung und die Sauberkeit machen mich glücklich. Meine Mutter steht in der Küche. Der Tisch ist gedeckt. Sie hat Apfelkuchen gebacken. Ihren Apfelkuchen, den niemand so backen kann wie sie. Er schmeckt jeden Tag besser, wenn er nicht vorher aufgegessen wird. Meine Mutter schlägt süße Sahne, und sie lächelt. Ihr geht es gut. Sie hat sich erholt.

Ich falle jedes Mal auf das verführerische Trugbild herein und bemerke nicht, dass ich träume. Nach jedem Aufwachen hat die Erkenntnis frisch geschmerzt: Meine Mutter lebt nicht mehr. Seit fünf Jahren nicht mehr. Seit Christoph nachts das Haus besudelt hat. Der freundliche, charmante Christoph. Ich war für kurze Zeit sehr verliebt in ihn. Ein zarter Anfang und ein heftiges Ende.

Marie ist vor zwei Monaten zurückgekehrt. Sie will bleiben. Verrückt. Das hätte ich nie für möglich gehalten. Marie wird in den USA bleiben oder sonst wo landen, aber nicht in Förrien. Ausgerechnet. Seit sie wieder dort ist, hat sie nicht lockergelassen. Ich soll auch endlich zurückkommen. »Es ist Sommer, Lulu. Das ist unsere Zeit. Komm, solange die Blumen auf unserer Wiese blühen.«

So ist Marie. Sie verliert ihr Ziel nie aus den Augen.

Kapitel 2

Marie tauchte an einem Montag auf. Es war kurz nach den Sommerferien im 13. Schuljahr. Ich saß in der ersten Reihe. Allein. Wie immer. Diesen Frontplatz hatte ich nicht nötig, um meine Leistungen zu verbessern. Ich gehörte zu den Klassenbesten.

In den ersten Jahren hatte ich mit jeder Neuformierung der Sitzordnung gehofft und wurde wieder enttäuscht. Niemand wollte neben mir sitzen. Als hätte ich eine ansteckende Krankheit. Einen Makel, weil ich aus dem sogenannten Totenhaus stammte. Totenhaus. Drei Menschen sind dort gestorben. Das ist nichts Ungewöhnliches. Die meisten Menschen sind hier in ihren Häusern gestorben. Allerdings einen natürlichen Tod. Das war der Unterschied.

Irgendwann hatte ich aufgegeben und mich freiwillig nach vorn gesetzt. Eine Entscheidung, mit der ich mich schon lange angefreundet hatte. Damit ging ich neuen Enttäuschungen aus dem Weg. Ich hatte meinen Platz und brauchte die anderen nicht zu sehen. Akustisch konnte ich sie gut ausblenden. Ich hatte mir Ohrstöpsel besorgt. Diese formbaren Schaumteile. Stimmen und Laute erreichten mich nur gedämpft, und ich konnte ungestört lesen. Und ich las, wann immer sich eine Möglichkeit dazu bot. In jeder Pause, in jedem Augenblick im Klassenzimmer, den man auf einen Lehrer warten musste und im Schulbus. Zu Hause sowieso. Ich teilte Glück und Unglück mit den Protagonisten und lernte von ihnen mehr als von den Menschen, die mich umgaben. Ich liebte besonders dicke Bücher. Erzählungen, die ganz behutsam weitergingen, manchmal verweilten und den Blick schweifen ließen. Diese Kunst beherrschen die russischen Klassiker besonders gut.

An dem Montag las ich ›Anna Karenina‹. Ich war gerade an einer Stelle, an der mir Annas Tochter unendlich leidtat. Sie war für mich die Verliererin in diesem Drama. Während ich das dachte, fiel mir die Veränderung im Klassenzimmer auf. Eine Stille, die so ungewöhnlich war, dass sie durch meine Ohrstöpsel in mein Bewusstsein drang. Ich schaute von dem Buch auf und sah Marie.

Eine große junge Frau. Sie war nicht dick, aber sie sah aus wie eine Athletin. Sie trug eine dunkle Jeans, eine weiße Bluse und einen eleganten weinroten Blazer. Das blonde Haar war hochgesteckt. Sie stand neben dem Lehrerpult und taxierte die Anwesenden. Anscheinend eine Vertretungslehrerin für Jacobi. Alle warteten auf ihre Vorstellung. Aber Marie sagte kein Wort. Stand nur da. Ich könnte im Nachhinein nicht einschätzen, wie lange Marie schweigend dagestanden hat. Das Faszinierende war: Es blieb völlig ruhig im Zimmer. Selbst Benny und Lars, unsere selbsternannten Alphamännchen, machten keinen Spruch. Marie verschaffte sich allein durch ihre Anwesenheit Respekt.

Ich hatte längst die Ohrstöpsel herausgenommen. Der Unterricht schien interessant zu werden. Da kam Herr Jacobi. Er starrte Marie für einen Augenblick irritiert an, als hätte er keine Ahnung, wer sie war und was sie wollte. Dann verrieten seine Gesichtszüge, er hatte das Rätsel gelöst. Er nickte, legte seine Tasche auf dem Pult ab und gab Marie die Hand. »Willkommen an unserem Mariengymnasium in Jever.«

Er wendete sich an unseren Kurs. »Ich möchte Ihnen eine neue Mitschülerin vorstellen. Marie von Lauenthal.«

Hinter mir wurde unterdrückt gekichert. Ihre Albernheit war mir vor Marie peinlich. Aber sie schien von der pubertären Reaktion völlig unberührt. Jacobi wies auf einige leere Stühle. »Suchen Sie sich einen Platz.«

Marie zögerte nicht. Als hätte sie die ganze Zeit schon eine Entscheidung getroffen, steuerte sie auf mich zu und setzte sich neben mich. Der Lästerpegel hinter uns schwoll an. Das war für die Meute das gefundene Fressen. Eine Exotische ›von und zu‹ und Laura aus dem Totenhaus. Das passte in ihr Bild. Am liebsten hätte ich meine Stöpsel reingepfropft. Ich lehnte mich ergeben auf den Stuhl zurück. Eines war so sicher wie das Amen in der Kirche: Sie würden Marie von Lauenthal fertigmachen. Aber da sollte ich mich gründlich geirrt haben.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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