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Die Familie ist ein Hort der Liebe, Geborgenheit und Zärtlichkeit. Wir alle sehnen uns nach diesem Flucht- und Orientierungspunkt, der unsere persönliche Welt zusammenhält und schön macht. Das wichtigste Bindeglied der Familie ist Mami. In diesen herzenswarmen Romanen wird davon mit meisterhafter Einfühlung erzählt. Die Romanreihe Mami setzt einen unerschütterlichen Wert der Liebe, begeistert die Menschen und lässt sie in unruhigen Zeiten Mut und Hoffnung schöpfen. Kinderglück und Elternfreuden sind durch nichts auf der Welt zu ersetzen. Genau davon kündet Mami. Mit glänzenden Augen blickte sich Ellen Anders in der Wohnung um. Ja, hier würde sich auch Till, ihr sechsjähriger Sohn, wohl fühlen! Es gab einen großen hellen Wohnraum mit einer geräumigen Nische, in die Ellen im Geiste bereits ihren Schreibtisch stellte, den sie als Illustration für Kinderbücher unbedingt benötigte. »Und? Sagt Ihnen die Wohnung zu?« fragte der Hausverwalter, der Ellen durch die Räume geführt hatte. »Sie könnten sofort einziehen.« Sie nickte. »Es gefällt mir wirklich sehr gut hier, und mein Sohn wird sich freuen, direkt hinter dem Haus einen großen Park vorzufinden.« Der Hausverwalter gab schmunzelnd zurück: »Es gibt viele Kinder in der Gegend, so daß sich Ihr Junge bestimmt nicht einsam fühlen wird.« Ellen warf einen verstohlenen Blick auf die Uhr und erschrak. »Du meine Güte! Ich muß mich jetzt aber sputen, um Till vom Kindergarten abzuholen. Würden Sie bitte den Mietvertrag fertig machen?« »Selbstverständlich. Sie können ihn dann jederzeit in meinem Büro unterschreiben.« Till war ganz aus dem Häuschen, als seine Mutter ihm erzählte, daß sie so schnell eine neue Bleibe gefunden hatte. Aus der bisherigen Wohnung mußten sie leider wegen Eigenbedarfs des Vermieters ausziehen. »Die Gegend ist sehr hübsch«, erklärte Ellen auf der Heimfahrt vom Kindergarten.
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Seitenzahl: 118
Veröffentlichungsjahr: 2019
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Mit glänzenden Augen blickte sich Ellen Anders in der Wohnung um. Ja, hier würde sich auch Till, ihr sechsjähriger Sohn, wohl fühlen!
Es gab einen großen hellen Wohnraum mit einer geräumigen Nische, in die Ellen im Geiste bereits ihren Schreibtisch stellte, den sie als Illustration für Kinderbücher unbedingt benötigte.
»Und? Sagt Ihnen die Wohnung zu?« fragte der Hausverwalter, der Ellen durch die Räume geführt hatte. »Sie könnten sofort einziehen.«
Sie nickte. »Es gefällt mir wirklich sehr gut hier, und mein Sohn wird sich freuen, direkt hinter dem Haus einen großen Park vorzufinden.«
Der Hausverwalter gab schmunzelnd zurück: »Es gibt viele Kinder in der Gegend, so daß sich Ihr Junge bestimmt nicht einsam fühlen wird.«
Ellen warf einen verstohlenen Blick auf die Uhr und erschrak. »Du meine Güte! Ich muß mich jetzt aber sputen, um Till vom Kindergarten abzuholen. Würden Sie bitte den Mietvertrag fertig machen?«
»Selbstverständlich. Sie können ihn dann jederzeit in meinem Büro unterschreiben.«
*
Till war ganz aus dem Häuschen, als seine Mutter ihm erzählte, daß sie so schnell eine neue Bleibe gefunden hatte. Aus der bisherigen Wohnung mußten sie leider wegen Eigenbedarfs des Vermieters ausziehen.
»Die Gegend ist sehr hübsch«, erklärte Ellen auf der Heimfahrt vom Kindergarten. »Und dein neues Zimmer wird dir auch gefallen – es hat sogar einen eigenen Balkon!«
Till machte große Augen und fragte aufgeregt: »Wann können wir denn umziehen?«
Ellen lachte. »Nicht so stürmisch, junger Mann! Zunächst müssen wir neue Tapeten und Farbe kaufen, also gedulde dich noch etwas.«
»Kann ich denn weiterhin in meinen alten Kindergarten gehen?« Für einen Augenblick sah der Kleine unsicher aus. »Ich mag doch die anderen da so gern.«
»Aber ja, die neue Wohnung liegt ja nicht allzu weit von der jetzigen entfernt. Übrigens gibt es eine neu gebaute Schule in der Nähe, ist das nicht toll?«
Till nickte. Es gefiel ihm in der jetzigen Umgebung, in der er mit seiner Mutter wohnte, nicht besonders. Die Straßen waren eng und ständig mit parkenden Autos zugestellt, und die meisten Nachbarn waren ältere Leute, die schon mürrisch aufblickten, wenn Till mit seinem Ball auftauchte.
»Ich kann ja schon mal meine Spielsachen einpacken«, schlug Till vor, als er nach seiner Mutter aus dem Wagen stieg. »Es sind so viele, daß es bestimmt lange dauern wird, bis alles gepackt ist.«
Zärtlich strich Ellen über den blonden, wirren Haarschopf ihres Sohnes. Sie war erleichtert, daß Till so unkompliziert war – obwohl ihm sicherlich oft der Vater fehlte, den er nie kennengelernt hatte. Als Ellen Michael damals von der nicht vorgesehenen Schwangerschaft erzählte, hatte der sich aus dem Staub gemacht, ohne je wieder von sich hören zu lassen. Sicher hätte Ellen Nachforschungen anstellen können, damit Michael seinen Pflichten nachkam, doch das wollte sie nicht. Sie war zu stolz, um Unterhalt zu betteln – lieber wollte sie ihr Baby allein großziehen.
Anfangs unterstützten Ellens Eltern die junge Mutter, wo es nur ging. Doch dann fand sie eine Stelle bei einem Verlag, für den sie von zu Hause aus arbeiten und sich somit gleichzeitig um den kleinen Till kümmern konnte.
Mittlerweile waren sechs Jahre vergangen, und Ellen war eine erfolgreiche Kinderbuch-Illustratorin geworden, die sich über Arbeitsmangel nicht beschweren konnte.
»Soll ich die Einkaufstasche tragen, Mama?« bot der Kleine eifrig an. Er mochte es nicht, wenn seine Mutter sich mit den schweren Tüten abschleppte.
Ellen schüttelte energisch den Kopf. »Das kommt überhaupt nicht in Frage, mein Sohn. Doch du kannst den Korb mit dem Gemüse nehmen, der ist leicht.«
Bevor Ellen an diesem Tag zum Kindergarten gefahren war, hatte sie noch schnell den Wocheneinkauf erledigt. Und nun hieß es, alles in den fünften Stock zu tragen, denn einen Fahrstuhl gab es in dem Altbau nicht.
Auf der Treppe kam ihnen die Hausmeisterin entgegen und keifte mit ihrer stets schrillen Stimme: »Gut, daß ich Sie treffe, Frau Anders. Ihr Sohn hat gestern nachmittag wieder nicht seine Schuhe vor der Haustür abgetreten; das gesamte Treppenhaus war verschmutzt, obwohl ich es am Morgen erst geputzt habe!«
Ellen sparte sich die Erklärung, daß Till am Vortag den ganzen Nachmittag in seinem Zimmer gesessen und gemalt hatte, und nickte der Hausmeisterin nur kurz beim Vorübergehen zu. Es war wirklich allerhöchste Zeit, diesem konservativen Haus zu entfliehen.
*
»Ach, ist das schön hier!« Gisela Anders beugte sich verzückt über die Balkonbrüstung. »Hier muß man sich ja einfach wohl fühlen!«
Ellen hatte ihre Eltern zu einer kleinen Einweihungsfeier in die neue Wohnung eingeladen und erwiderte nun lächelnd: »Till hat sogar schon einen neuen Freund gefunden, obwohl wir erst seit ein paar Tagen hier wohnen.«
Gisela umarmte ihre Tochter liebevoll. »Ich freue mich so für dich und den Jungen, daß ihr endlich so ein nettes Zuhause gefunden habt. Die Zustände in der alten Wohnung waren ja furchtbar.«
»Ja, wenn ich es mir recht überlege, war es ein Glücksfall, daß der Hausbesitzer ausgerechnet meine Wohnung für seine Schwiegermutter haben wollte. Und stell dir vor: Ich bezahle jetzt weniger Miete als vorher!«
Die beiden Frauen traten wieder ins Wohnzimmer, wo Wilfried Anders mit seinem Enkel auf dem Fußboden hockte und ihm half, das neue Modellflugzeug zusammenzubauen.
»Sieh mal, Mama!« Triumphierend hob Till das fast fertige Spielzeug in die Höhe. »Opa hat das ganz schnell geschafft!«
»Das sieht sehr hübsch aus.« Ellen goß Kaffee in die mittlerweile leeren Tassen. »Möchtest du auch noch, Vati?«
»Ja, gerne.«
»Aber Opa, du hast mir doch versprochen, im Park das neue Flugzeug auszuprobieren«, protestierte Till, als Wilfried sich erhob und wieder am Tisch Platz nahm.
Ellen schüttelte mißbilligend den Kopf. »Jetzt sei doch nicht so ungeduldig, Schatz. Wenn Opa seinen Kaffee ausgetrunken hat, könnt ihr doch immer noch in den Park gehen.«
Wilfried fuhr dem Kleinen über den Haarschopf. »Ich beeile mich, in Ordnung?«
Zufrieden nickte Till, und die Erwachsenen konnten sich ein Schmunzeln kaum verkneifen.
»Was macht deine Arbeit?« fragte Gisela später, während sie half, das benutzte Geschirr in die Küche zu bringen. »Hast du deinen neuen Auftrag schon begonnen?«
Ellen nickte. »Vorgestern. Ich bin erstaunt, wie gut ich vorankomme in der ungewohnten Umgebung. Du weißt ja, daß es normalerweise immer etwas dauert, bis ich meine Kreativität einem neuen Umfeld angepaßt habe. Doch hier muß ich nur einen Blick aus dem Fenster werfen – und schon fühle ich mich beflügelt.«
»Das klingt beruhigend«, gab Gisela zurück. »Ich glaube, nicht nur Till, sondern auch dir hat dieser Tapetenwechsel gutgetan. Hast du eigentlich schon ein paar von deinen neuen Nachbarn kennengelernt?«
»Bis jetzt nur das Hausmeister-Ehepaar und das junge Pärchen von nebenan; übrigens alles ganz reizende Personen.«
»Das freut mich wirklich.« Gisela strich über die Arbeitsplatte. »Und diese Einbauküche ist der reinste Traum. Du kannst sehr glücklich über deine neue Wohnung sein.«
Ellen lächelte. »Das bin ich auch, Mutti.«
Eine halbe Stunde später tauchten Wilfried und ein vollkommen aufgekratzter Till auf, der Mutter und Großmutter für den Rest des Nachmittags alle Einzelheiten über den Probeflug des Modellflugzeuges erzählte.
Die Verabschiedung von den Eltern fiel wie immer herzlich aus. Ellen und Till begleiteten sie bis hinunter zur Haustür und winkten ihnen nach, bis ihr Auto hinter der nächsten Kurve verschwunden war.
»Dürfte ich wohl durch?« fragte plötzlich eine sympathische Männerstimme hinter Ellen, und sie fuhr erschrocken herum. Vor ihr stand ein junger, gutaussehender, dunkelhaariger Mann Anfang Dreißig, der ein kleines, ungefähr einjähriges Mädchen auf dem Arm trug.
Erst jetzt bemerkte Ellen, daß sie dem Mann eindeutig den Weg versperrte, und trat sofort einen Schritt zur Seite.
»Entschuldigen Sie vielmals«, murmelte sie mit belegter Stimme. »Ich habe Sie nicht kommen sehen.«
Der Mann lächelte. »Keine Ursache. Sie sind die neue Mieterin, wenn ich mich nicht irre…«
»Ganz recht.« Spontan reichte Ellen dem Mann die Hand und stellte sich vor. »Und das ist mein Sohn Till.«
»Christian Schäfer«, erwiderte er und gab dem niedlichen Mädchen auf seinem Arm ein zärtliches Küßchen. »Diese kleine Prinzessin heißt Lea und wird ungeduldig, wenn ich noch lange hier herumstehe.«
Ellen lächelte verständnisvoll. »Natürlich. Wir müssen jetzt auch wieder nach oben.«
Die kleine Lea wurde tatsächlich unruhig auf dem Arm ihres Vaters und zappelte mit den strammen Beinchen, so daß er lachend sagte: »Meine Tochter fährt für ihr Leben gern Auto. Ich glaube, am liebsten würde sie sogar in einem wohnen!«
Wehmütig blickte Ellen dem großen, kräftigen Mann nach, der mit einer unvorstellbaren Zärtlichkeit sein Töchterchen an sich drückte und herzte.
Einen Moment lang bedauerte Ellen, daß Till auf einen Vater verzichten mußte – doch sie bezweifelte, daß Michael ebenso fürsorglich wie Christian Schäfer gewesen wäre.
*
Einige Tage später klingelte es an der Wohnungstür. Erstaunt blickte Ellen von ihrer Arbeit auf – es war kurz vor neun Uhr morgens. Um diese Zeit bekam sie in der Regel keinen Besuch.
Antje König, die junge Frau, die mit ihrem Lebensgefährten in der Nachbarwohnung lebte, lächelte Ellen schüchtern entgegen und fragte: »Entschuldigen Sie, ob Sie wohl etwas Zucker für mich haben?«
Ellen machte eine einladende Handbewegung. »Aber natürlich, treten Sie doch bitte ein.«
Antje König huschte ins Innere der Wohnung. »Wissen Sie, es ist bestimmt nicht meine Art, mir etwas von Nachbarn zu borgen. Aber heute im Laufe des Tages kommt endlich jemand, um meine Waschmaschine zu reparieren – leider konnte mir beim Kundendienst niemand sagen, um welche Uhrzeit das sein würde. Ich mußte mir eigens einen Tag Urlaub nehmen und sitze jetzt wie auf heißen Kohlen. Na ja, und als ich mir eben eine Tasse Kaffee kochte, um mir die Wartezeit etwas zu verkürzen, stellte ich fest, daß ich gar keinen Zucker mehr habe…«
»Ich mag auch keinen Kaffee ohne Zucker.« Ellen ging voran in die Küche und winkte der redefreudigen Nachbarin zu. »Reicht eine Tasse?«
Antje riß erschrocken die Arme hoch. »Um Gottes Willen, zwei Löffelchen reichen vollkommen! Wenn der Mechaniker wieder fort ist, werde ich sofort einkaufen gehen und Ihnen den Zucker zurück geben.«
»Aber das müssen Sie nicht!« rief Ellen erschrocken. »Die paar Gramm Zucker werde ich schon verschmerzen können.«
Bereits eine gute Stunde später stand Antje wieder vor Ellens Tür und hielt ihr einen Blumenstrauß entgegen. »Für Ihre Freundlichkeit, mir aus der Patsche zu helfen.«
»Das ist doch wirklich nicht nötig.« Ellen wurde rot vor Verlegenheit. »Ich habe doch gern ausgeholfen.«
»Ja, eben. Die Frau, die vor Ihnen in dieser Wohnung lebte, war nie so hilfsbereit wie Sie – deshalb bin ich sehr froh, daß Sie hier eingezogen sind.«
Noch immer standen sich die beiden Frauen gegenüber. Spontan lud Ellen schließlich die sympathische Nachbarin zu einer Tasse Kaffee ein. »Oder haben Sie für heute genug Kaffee getrunken?«
»Nein, ich bin eine richtige Kaffeetante«, gab Antje erfreut zurück. »Stundenlang könnte ich vor meiner Tasse sitzen und tratschen.«
Ellen bat ihren unverhofften Gast, im Wohnzimmer Platz zu nehmen, während sie selbst die schönen Blumen ins Wasser stellte und die Kaffeemaschine in Gang setzte. Sie freute sich auf einen kleinen Plausch mit der netten Nachbarin, das brachte etwas Abwechslung in ihren Alltag.
»Wohnen Sie schon lange in diesem Haus?« erkundigte sich Ellen und strich das lange goldblonde Haar zurück.
Antje war von der Statur her das genaue Gegenteil von Ellen, nämlich klein, etwas mollig und dunkelhaarig. Wenn sie lächelte, erschienen zwei äußerst niedliche Grübchen neben ihren Mundwinkeln.
Ellen war von jeher eine zarte Schönheit gewesen. Sie wurde oft mit einer amerikanischen Filmschauspielerin verglichen – doch auch ihr Aussehen hatte sie nicht davor bewahrt, den Fehler zu begehen, sich mit Tills Vater einzulassen.
»Ja, Frank und ich leben bereits seit vier Jahren hier«, erzählte Antje bereitwillig. »Wir fühlen uns so wohl, daß wir auch nach der Hochzeit nicht umziehen werden.«
»Ach, Sie wollen heiraten?« Freudig hob Ellen die Augenbrauen. »Das ist ja eine wundervolle Idee.«
Kichernd hielt sich Antje die Hand vor den Mund. »Um ehrlich zu sein: Eigentlich wollen Frank und ich schon vor den Traualtar treten, seit wir zusammen leben; doch irgendwie kam immer etwas dazwischen.« Sie seufzte. »Nun, solange kein Kind unterwegs ist, müssen wir ja noch nicht unbedingt schon verheiratet sein, nicht wahr?«
Ellen nickte zustimmend.
»Ihr Sohn ist übrigens ein richtig reizender Junge«, fuhr Antje fort. »Er grüßt immer so freundlich, wenn ich ihm im Treppenhaus begegne. Sie haben ihn gut erzogen.«
»Till weiß sich eben zu benehmen. Dort, wo wir früher lebten, wurde seine Höflichkeit allerdings wenig geschätzt – wenn irgend etwas kaputt oder verschmutzt war, ist es mein Sohn gewesen…«
»Das ist ja schlimm.« Antje blickte mitfühlend zu ihrer Gastgeberin hinüber. »Hier ist man zum Glück nicht so borniert. Es gibt etliche Kinder im Haus, wie Sie sicherlich schon festgestellt haben.«
»Ja, das habe ich, und ich bin sehr froh darüber. Sagen Sie…« Ellen machte eine kurze Pause. »Ich habe vor ein paar Tagen einen jungen Vater mit seinem Töchterchen kennengelernt…«
»Sie meinen bestimmt Herrn Schäfer, oder?«
»Ja, so stellte er sich vor. Ich habe herausgefunden, daß er und seine Familie direkt über mir wohnen.«
Antje blickte die andere erwartungsvoll an. »Möchten Sie etwas über ihn wissen?«
»Nein, nein.« Ellen konnte die verlegene Röte in ihrem Gesicht nicht verhindern. »Ich frage mich nur, was Frau Schäfer macht. Ich habe sie noch kein einziges Mal gesehen, immer nur ihn, wenn er mit der kleinen Lea das Haus verläßt oder heimkommt.«
»Nun, das ist eine traurige Geschichte.« Antje sah niedergeschlagen aus. »Ich kann mich noch gut an Bianca Schäfer erinnern – eine wunderschöne, rassige Frau, auf die ihr Mann ungeheuer stolz war.«
»Was ist mit der Frau passiert?« Ellen konnte kaum ihre Neugier verbergen. Warum sie diese Geschichte so brennend interessierte, wußte sie zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht.
»Wie gesagt, die beiden waren ein glückliches Ehepaar – bis Bianca schwanger wurde. Sie war fortan unausstehlich, nicht nur zu Christian, sondern zu jedem, der ihr in die Quere kam. Und dabei hatte sie sich doch so sehr ein Kind gewünscht! Christian hoffte, daß sich Biancas Verfassung nach der Geburt wieder bessern würde, doch es wurde noch schlimmer. Die kleine Lea wurde in ihren ersten Lebenswochen von schlimmen Koliken gequält; deshalb weinte sie viel, Tag und Nacht…«
Bewegungslos saß Ellen da, sie hatte sogar den Kaffee vergessen, dessen würziger Duft bereits bis ins Wohnzimmer zog, und erinnerte sich. »Till hatte anfangs auch diese schrecklichen Koliken, das arme Kerlchen. Nächtelang trug ich ihn durch die Wohnung und tröstete ihn.«
