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Der Roman von Maria Valua ist eine Mischung aus Kriminalroman und Täterprofil. Es spielt im Pornofilm Milieu der 80-ger und 90 ger Jahre in Berlin und Spandau. Ein zufälliger Fund eilig vergrabener Beweisstücke, ein Video, ein paar Frauenschuhe und ein Tagebuch sind die Grundlage des Falles. Das Tagebuch, welches in "Im Netz des -*Engelmachers*" die Hauptrolle spielt und in Anlehnung an einen tatsächliche Kriminalfall in Berlin geschrieben wurde, gibt die minutiöse Autobiographie eines sadistisch veranlagten Immobilienmaklers, der sich dem Suff ergeben hat, ganz nach Charles Bukowski. Der Protagonist schreibt seine Lebensgeschichte nieder, seine Fantasien, seine Erlebnisse und es könnte eine Autobiographie bleiben, wenn nicht da ein Video mit einer Sequenz von einem bestialischen Sexualmord existieren würde, auf dem er selbst zu sehen ist. Nur -er weiß selbst davon nichts! Er kann sich nicht erinnern. Kapitel um Kapitel wird der Leser aus den Tagträumen der Hauptfigur in eine spannende intrigante Geschichte verwickelt, die sich langsam zu einem grausamen Gemälde verdichtet: Das Netz des Engelmachers und seiner perfiden Morde. Da allerdings die Polizei annimmt, das Tagebuch sei lediglich eine reine Fiktion, wird der Fall ad acta gelegt bis eine Psychologin bei einer Aushilfstätigkeit die Akte zufällig findet und.. den Täter erkennt. Ein literarisch wie inhaltlich ungewöhnliches Buch, dass dem Leser mit starken Nerven durchaus an die Grenze des Tolerablen führen und ein grausliges Kribbeln im Nacken erzeugen kann, selbst wenn derzeit gängige SM Geschichten langsam gesellschaftsfähig werden. Weichgespült sind die Inhalte nicht! Jugendschutz: Die Autorin weist empfiehlt ausdrücklich, dieses e-book Jugendlichen unter 18 Jahren nicht zugänglich zu machen!
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Seitenzahl: 441
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Maria Valua
Im Netz des Engelmachers
Ein erotischer Thriller
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Impressum neobooks
Maria Valua
Im Netz
des Engelmachers
Ein erotischer Psychothrilleraus Spandau.
ImpressumCopyright: © 2006-2019 Maria ValuaDruck und Verlag: epubli GmbH, Berlin, www.epubli.deISBN 978-3-7375-1448-4
3.Auflage
Maria Valua, Jahrgang 1972, ist Psychologin und Publizistin.
Was auch immer Du erdenkst, irgendwo auf dieser Welt ist es bereits geschehen.
Es gibt keine Fantasie, die nicht durch die Realität an Grausamkeit überboten werden kann.
(Worte der Ermahnung an meinen geschockten, lieben Mann)
Hinweis:
Dieser Roman wurde in Anlehnung an einen tatsächlichen Kriminalfall im Jahre 1996 in Berlin geschrieben. Dennoch sind alle darin vorkommenden Namen, Orte und Daten frei erfunden oder soweit es sich um tatsächlich bestehende Lokalitäten handelt, sind diese niemals in Wirklichkeit mit dem Fall verwickelt gewesen.
Eventuelle Übereinstimmungen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt. Sollte jemand Anstoß an der Erwähnung eines Namens oder Ortes nehmen, so bitten wir, die Redaktion davon zu unterrichten. (siehe Impressum)
Die geschilderten Inhalte sind geeignet, den unvorbereiteten Leser zu traumatisieren! Empfindlichen Gemütern wird daher von der Lektüre abgeraten! Dennoch kann nicht verschwiegen werden, dass sie allesamt Adaptationen von wirklichen Verbrechen gegen die Menschlichkeit sind, wie sie in aller Welt ausgeübt und auch dokumentiert wurden!
Jugendschutzhinweis:
Die Autorin empfiehlt ausdrücklich, dieses Buch Jugendlichen unter 18 Jahren nicht zugänglich zu machen!
Berliner Allgemeine Zeitung
Mord im Park?
Am 23.4.2002 wurde am frühen Morgen durch den Hund einer Passantin im Wröhmännerpark in Spandau unter einem Busch ein Paar Frauenschuhe, Farbe rot, Größe 38 mit Blutresten, aufgestöbert. Die daraufhin alarmierte Polizei fand bei ihrer Spurensicherung in unmittelbarer Nähe der Fundstelle eine oberflächlich vergrabene Plastiktüte mit einem vor Feuchtigkeit fast unlesbar gewordenem Tagebuch sowie ein unbrauchbares Video, welches offensichtlich vor dem Vergraben teilweise gelöscht worden war. Lediglich die Anfangssequenz war erhalten. In diesem rekonstruierten Teil waren ein etwa 40 - 45 jähriger, mittelgroßer Mann, südländischen Aussehens und dunkler Haarfarbe zu erkennen, möglicherweise Spanier oder Südamerikaner, sowie eine etwa 20- 25 jährige Asiatin, möglicherweise Chinesin, die offenbar nackt und an Händen und Füßen gefesselt in einer Blutlache in einem Hausflur lag.Zum weiteren Inhalt ließ die Polizei gegenwärtig noch nichts verlauten.Da offensichtlich von einem Gewaltverbrechen ausgegangen wird, befinden sich die sichergestellten Fundsachen in Gewahrsam einer Spezialabteilung zur Spurensicherung des Morddezernates.Die Polizei erhofft sich durch die gefundenen Aufzeichnungen Klarheit über die Tat verschaffen zu können.
Meine Freundin Julia sah mich an einem regnerischen Novembertag, auf der Spandauer Brücke stehend. Sie hupte und hielt ihr Auto ein wenig waghalsig halb auf dem Bürgersteig, halb auf der Straße stehend an, was sofort ein wütendes Hupkonzert zur Folge hatte, es war abendlicher Berufsverkehr.
„Hey Angela, was machst du denn hier, willst du dich ins Wasser schmeißen?“
Ich lächelte ein wenig schief, denn ich hatte wirklich eine üble Laune wegen der Sache mit der Akte in den Polizeiarchiven, die ich gestern ausgegraben hatte, aber noch weniger Lust, jetzt eine Erklärung abzugeben, vor allem gegenüber Julia, die wirklich nichts für sich behalten konnte.
„Ja, ich konnte mich aber noch nicht entscheiden, ob ich auf dieser oder lieber der anderen Seite rein springe. Hier ist das Wasser zu nass und auf der anderen zu schmutzig.“
„Dann versuch es doch morgen, dann ist vielleicht Ebbe.“
„In Spandau?“
„Man weiß ja nie! Wollten wir uns nicht vor ‘ner halben Stunde treffen?“
„Ja, vielleicht springe ich lieber von ‘nem Hochhaus runter, aber vorher trinken wir noch ‘nen Kaffee zusammen.“
Wir hatten uns sowieso verabredet und mir musste es wohl entgangen sein, dass es schon so spät war.
Julia fädelte sich musikalisch in den Verkehr ein, nachdem sie mich aufgelesen hatte, was nichts anderes bedeutet, als dass sie ein übles Hupkonzert um sich herum provozierte, da sie von der Vorrangigkeit ihres eigenen Gefährts überzeugt war.
Wenig später fanden wir uns in den Arkaden wieder, wo ich mir ein Verhör gefallen lassen musste. Denn Julia ist mehr als neugierig, sie ist Journalistin aus Beruf und Leidenschaft.
„Du siehst heute echt Scheiße aus, Süße!“
„Danke“, antworte ich lachend.
„Komm, rück schon raus mit der Sprache, wieso bist du abgetaucht? Vorgestern warst du nicht in Mitte auf der Vernissage, gestern gehst du nicht ans Telefon und niemand weiß wo du steckst und heute zieh ich dich aus dem Wasser.“
„Na, na, so weit waren wir ja noch nicht.“
„Los, rück raus mit der Sprache, bist du an ‘nem Ding dran?“
Julia ist zwar meine Freundin, aber es gelingt eigentlich nie, sie ganz privat zu sprechen seit ich den Job in den Polizeiarchiven bekommen habe. Sie lauerte immer auf eine Chance ‘ne Story zu finden, dadurch dass ich praktisch an der Quelle saß.
Ist eigentlich nur ein übler Aushilfsjob zur Überbrückung.
Akten zur Computerarchivierung vorzubereiten. Wird alles umgestellt.
Das heißt, morgens kommst du in ein dunkles Loch im Keller, dann wartet schon ein Stapel Akten auf deinem Schreibtisch, dass man nicht drüber gucken kann. Die müssen Blatt für Blatt eingescannt werden.
Deckel auf, Heftklammern öffnen, Stapel umgedreht vor sich hingelegt und rüber zum Scanner tragen. Dann wieder zurück zum Schreibtisch, wieder einheften, Deckel zu und Akte zur Ablage bringen.
Stunde für Stunde, Tag für Tag bis der letzte staubige Ordner vom Schreibtisch geschafft ist.
Dann ist Feierabend.
Am nächsten Tag hat eine Zauberhand wieder eine Mauer von weiteren staubigen Akten auf deinem Schreibtisch gelegt und das Spiel geht von neuem los.
Sisyphus hatte eine abwechslungsreichere Arbeit.
Eigentlich sollte man als Psychologin ja eine anspruchsvollere Tätigkeit haben und vor einiger Zeit war ich freiberuflich tätig mit Gutachten so nebenher. Aber das war auf Dauer zu riskant und die Kosten für Miete und so weiter zu hoch. Am Monatsende blieb nichts übrig.
Da ich Leute bei der Kripo kenne, konnte ich dann einen Aushilfsjob in einer anderen Abteilung als Schwangerschaftsvertretung ergattern: Begutachtung von Straftäter-Identitäten.
Das hieß, sich ein Persönlichkeitsprofil zu erarbeiten nach Angaben, die bei den Ermittlungen von einem Täter gemacht werden konnten.
Dann war die Schwangerschaft aber irgendwie wegen einer Fehlgeburt vorzeitig beendet und die Kollegin wollte unbedingt wieder arbeiten. Also Versetzung in den Keller.
Manchmal, wenn ich keine Lust mehr hatte, blätterte ich durch die Akten und vertiefte mich in die ein oder andere Geschichte.
Dann konnte es schon einmal vorkommen, dass ich ein wenig Futter für Julia fand. Sie liebte ekliges.
Aber vor einigen Tagen, da fiel ein ganzer verdammter Stapel Akten vom Tisch, und obenauf lag diese merkwürdige Akte mit dem Tagebuch.
Ich wollte es schon laut fluchend zurückschieben, aber es passte nicht richtig rein in den Aktendeckel.
Also hob ich es auf und las die ersten Seiten. Die Lebensgeschichte eines Typen, der völlig durchgeknallt sein musste. Aber er fand sich plötzlich in einen Mordfall verwickelt.
Ich schaute auf die Eintragung auf dem Aktendeckel und fand einen Hinweis, dass der Fall als erledigt abgelegt worden war. Man ging offensichtlich davon aus, dass es ein Fake war.
Ich legte es als Pausenlektüre auf meinen Schreibtisch.
Immer, wenn mir die Aktenberge über wurden, las ich ein paar Seiten drin weiter.
Der Punkt ist, dass mir vorgestern auf einmal klar wurde, dass ich den Typ kannte. Der hatte mir nämlich als Immobilientyp eine Wohnung vermakeln wollen. Und nicht nur das. Er nannte mich sogar namentlich in seinem Tagebuch, aber nun mit Vornamen.
Ich war so fertig darüber, dass ich das Tagebuch mit nach Hause nahm und es dort weiter las.
Ich weiß, dass alles stimmt, was drin steht. Ganz bestimmt. So was kann man sich nicht ausdenken....
...und das heißt, dass irgend ein Mädchen jetzt in einer ganz üblen Sache drin steckt und ich mit.
Ich bin so fertig, dass ich ehrlich nicht weiß, was ich jetzt damit machen soll. Die halten mich für komplett verrückt, wenn ich im Revier hingehe und sage: „Ach übriges, der abgeschlossene Fall stimmt wirklich.“
Aber kann ich das Julia anvertrauen?
Zwei Minuten später wusste sie es, was dazu führte, dass ich umgehend in ihren Wagen geschubst wurde und wir zu Hause auf meiner Couch landeten. Dort begutachtete sie das Tagebuch. Es bestand aus einer Sammlung verdreckter, speckiger Blätter, die locker geheftet in einem unansehnlichen, braunen Pappeinband steckten.
Hier und da ließen Weinflecken oder Kaffeetassenabdrücke die Worte nur erahnen.
„Willst du ‘nen Kaffee?“, fragte ich Julia.
Die nickte nur geistesabwesend und war schon in die ersten Seiten vertieft. Manchmal murmelte sie so was wie : 'Na typisch !.. puuh, Kerle!'
Aber ich merkte, dass sie schon dran klebte wie eine Fliege am Leim, genau wie ich.
Deshalb stellte ich den Kaffee mit viel Milch, so wie sie es liebte auf den Tisch, kuschelte mich hinter sie und schaute ihr beim Lesen über die Schulter:
Dienstag
Hab heute ‘nen süßes Mädel gesehen. Hab ‘nen Entschluss gefasst: Werd wieder zu schreiben anfangen. Werd wieder mit Leben anfangen. Rechenschaft ziehen, Systematik reinbringen in mein ganzes verdammtes Leben. Hab mich zu lange hängen lassen.
Bin nach langen Wochen der Untätigkeit wieder rausgegangen. Menschen atmen. Fühlte mich leicht schwindelig, ein wenig beklemmt, unsicher. Als müsse ich mich irgendwo abstützen, außerhalb der schützenden Wände meiner Wohnung.
War etwas hungrig, ging deshalb mal in Richtung Arkaden. War seit der Eröffnung nicht mehr da. Das Center schlägt die Geschichte tot. Leblose Glasfronten da, wo wir früher beim Spielen über die Bahnhofsgleise gestolpert sind. Dort fand ich zuerst den Eingang nicht.
Irrte an Glasfenstern vorbei, durch die ich Tischreihen, Kellnerinnen und vereinzelt Personen erkennen konnte. Allein, zu zweit oder zu dritt. Betrat schließlich das Lokal durch die Glastür. Atmete den Geruch von Essen und Kaffee, Schweiß und Eile ein. Nettes Lokal drinnen, trotzdem, hell und luftig.
Nahm Witterung auf und entdeckte einen Tisch mit einem jungen Ding, im Gespräch mit einem Typen, etwa fünfundvierzig Jahren.
Steuerte gezielt den Nachbartisch an. Der stand jedoch ein wenig schräg, so dass ich den Kopf zu auffällig drehen musste, um sie näher anzuschauen. Wollte nicht auffallen. Noch nicht. Sie nicht anstarren.
Aber sie hatte auffallend große Brüste, deren Ansatz im V ihres Pullovers zu sehen waren. Dabei war sie schlank wie ein Modell. Nachgezogene Augenbrauen, diese schrecklichen Permanents. Schlankes Gesicht.
Nett.
Ich schaute in die andere Richtung. Wollte sie nicht vor allen Leuten anstarren. ‚Was glotzt der alte Knacker sie so an?’, ‚Kiek mal, wie der die Klene anglupscht!’ oder so. Hol mir eine Zeitung und lasse mir beim Zurückkommen viel Zeit, damit ich sie besser taxieren kann. Wirklich Klasse Figur-, und die Titten. Ob die echt sind? Wenn nicht, sind sie gut gemacht.
Was redet sie mit dem Typ? Will spanisch lernen, scheint es. Der Typ ist wohl so ‘ne Art privater Spanischlehrer.
‚Tengo un café.’
Wieso hier im Bistro? Ist doch viel zu laut, mit der Musik und dem Gebrabbel überall.
Wieso glotze ich eigentlich das Mädel dauernd an? Hab ich noch nicht genug vom letzten Mal? Oder was?
Außerdem müsste ich mich mal ein wenig wieder um mein Out-fit kümmern. Mensch, wie muss ich auf die wirken? Hat mich nicht einmal angeguckt, ernsthaft.
Kein Wunder, wie ich aussehen muss. Fünf Monate Einzelhaft in meiner Wohnung.
Und meine Brille.
Scheiße.
Die wird mich wahrscheinlich überhaupt nicht wahrnehmen. Ich sehe aus wie niemand. Bin auch niemand, jetzt.
Ist vielleicht auch besser so.
Jenni geht mir nicht aus dem Kopf!
Sollte mich vielleicht mal rasieren und die Fingernägel schneiden.
Find schon selber blöd, wie ich die dauernd angucken muss. Aber feine Titten!
Suche den Anschluss innerlich. Keine Resonanz. Alles wie tot. Wo ist meine Geilheit? Scheiße, bei den Titten müsste ich doch endlos geil sein.
Wieso eigentlich starren Männer immer so auf die Titten?
Ist aber eigentlich auch nicht wahr. Hab mir das Gesichtchen angeschaut. Große Augen und dieses blöde Permanent-Make up. Zeigt mir, die Kleine hat ‘nen Knall oder ist ein Asi. Aber die Asis stehen irgendwie auf das Körperliche. Da ist sonst nicht viel in der Birne und sie fahren voll auf das Körperliche ab.
Ist die Art wie sie den Typ anschaut, wenn sie dekliniert, ‚Tomo, tomas, toma...’, und er sie. Ob er sie fickt?
Weiß gar nicht, ficken interessiert mich eigentlich gar nicht so. Es ist mehr die Art, wie sie schaut, rehchenhaft, so auf die hilflose und sich dabei vorbeugt, damit er die Titten besser sieht, so nebenbei.
Das schmerzt fast, wenn ich das sehe. Es schreit in meinem Kopf.
Nein, ich höre sie schreien, wenn sie die Schwärze erfasst, die in mir ist.
Jenni - ich denk immer noch an dich!
Seh dich überall, wenn eine hennagefärbtes, rotbraunes, schulterlanges Haar hat, so etwa deine Größe und dein grobes Gesicht. Ob sie das ist? Nein, du bist es natürlich nicht - nie mehr. Scheiße!
Bin ich tot oder was?
Bestelle mein Essen und versuche, nicht mehr rüber zu schauen.
Versuche meine Ohren zu Superparabolantennen zu machen, um jedes Wort mitzukriegen.
Albern.
Zahle und schaue sie beim Rausgehen noch mal an. Sie sieht mich nicht. Ich weiß gar nicht mehr, was ich gegessen habe.
Komme morgen wieder.
Mittwoch
Musste mir erst mal einen runterholen im Klo.
Wurde kaum steif, der Gute.
Hat aber auch wenig zu tun bekommen in letzter Zeit.
Finde immer noch den Anschluss nicht. - Innerlich meine ich.
Ausnahmsweise gestern nichts getrunken. Musste immer an die Titten von der Kleinen denken im Bistro. Was man alles damit anstellen könnte!
Sinnlos.
Erstens wirke ich völlig alt und unattraktiv. Zweitens kann ich sie unmöglich mit zu mir in meine Bude nehmen. Drittens wüsste ich ehrlich nicht mehr, wie ich sie anreden sollte, ohne das sie antwortet: ‚Was willst du, Opa?’
‚Sprechen sie auch spanisch?’
‚Wie bitte ?’ -
‚Oh entschuldigen Sie, wenn ich sie belästigen sollte, ich hab sie nur gestern zufällig hier gesehen. Ich versuche auch spanisch zu lernen, wissen Sie.’
‚– ‚Mhm’ -‚
‚War das ihr Lehrer, gestern?`–
‚Komisch - hab sie gar nicht gesehen, waren sie auch hier? - ‚
‚Ja, ja hab am Nachbartisch gesessen. Wissen Sie, ich vergesse alles, was ich lerne in letzter Zeit.’
Mitleidiger Blick. Sie schätzt mich ab und wendet sich dann ihrer Zeitung zu.
Das Problem ist, dass ich nicht wie ein Opa aussehe, sondern eher wie so ein graugesichtiger Langweiler aus einem der Ämter gegenüber.
Die Mundwinkel haben sich missmutig eingegraben, Ringe unter den Augen, Haare zu 50% weiß.
Augen gerötet.
Wenn ich wie ein Opa aussehen würde, wäre sie wahrscheinlich netter.
Junge Mädchen sind meist zu Opas nett, weil die ungefährlich sind und freundlich!
Sie mögen freundliche Opas.
Ich sehe nicht wie ein Opa aus, sondern frustriert und abgelebt.
Aber auch nicht richtig fertig, dann würde sie aufstehen und gehen.
Nein, sie bleibt sitzen und wenn ich das Gespräch wieder aufnehme, wird sie merken, dass ich etwas von ihr will.
‚Wollen Sie Spanisch für den Urlaub lernen ?’
‚So in etwa – ich werde als Reiseführerin arbeiten, in Mallorca. Ein Freund von mir hat da eine kleine Agentur gegründet.’
‚Interessant – ich war auch vor kurzem auf Mallorca..’
Hat sie jedenfalls gestern zu ihrem Spanischlehrer gesagt, wie ich mitkriegen konnte.
Ich brauch mich also nicht zu verstecken. Ich werd sie einfach anreden. Mehr als “Verpiss dich, Alter“ kann sie auch nicht sagen.
Hab eigentlich keinen Hunger, gehe aber trotzdem wieder ins Bistro. Hab die Fingernägel geschnitten und mich rasiert. Anderes Hemd und bessere Schuhe.
Sie ist nicht da!
Sonntag
Scheiß Weiber!
Aufgewacht heute morgen irgendwann, völlig eingepisst und eingekackt, muss mich verletzt haben!
Bettlaken und Boden voller Blutflecken. Selbst mein Lieblingshemd, das Haitihemd mit den Papageien und den Palmen drauf, war vollgekotzt und mit Blut besudelt. Versuch in meinen Schädel zu bekommen, was die letzten Tage war.
Vor allem wo?
Krieg es nicht in meinen Kopf.
Voll die Mattscheibe!
Heute schon Sonntag, scheinbar.
Wieder ein black out von ein paar Tagen. Mein Lebensfilm ist wie ein Schweizer Käse geworden. Zu viele Löcher!
Kann mich düster an Flackerlichter erinnern, weiß noch, dass ich irgendwann im Regen irgendwen angeflennt habe, ‘ne Nutte oder was weiß ich. Wahrscheinlich im Blue. Claro, im Blue, wo sonst? Der Barkeeper ist 'ne Tunte, aber echt locker drauf.
Verdammter Unrat.
Die ganze Bude stinkt wie ein Rattennest.
Muss nachher weiterschreiben, der verdammte Griffel fällt mir dauernd aus der Hand.
Mittwoch
Wieder aufgetaucht. Hab jetzt klar Schiff gemacht. Geht so nicht weiter mit der verdammten Sauferei!
Zum Friseur, ins Büro, neue Klamotten.
Komischerweise lag in ‘ner Bettritze ‘nen Frauenslip.
Musste wohl die Regel gehabt haben. Völlig versaut. Hab mich die ganze Zeit gefragt, wo der blutige Frauenslip herkam - Scheiße!
Es zieht mich wie magisch in das Bistro, die Kleine ist aber nicht wieder aufgetaucht.
Schade, hätte gerne ein paar Worte mit ihr auf Spanisch ausgetauscht.
Trotzdem, hab mir vorgenommen, jetzt jeden Tag da aufzutauchen. Hab sie am Faden, das spür ich.
Hab sie mental angeleint.
Bei Jenni war das irgendwie anders. Nächte haben wir im Chat verbracht, wusste ja nicht mal wie sie aussah.
Wollten keine Bilder austauschen - besser so. Wenn man sich im Chat versteht, soll man keine Bilder austauschen.
Da wussten wir sofort, dass wir auf einer Wellenlänge liegen. Konnte manchmal gar nicht abwarten, die Antwort – noch 386-er, analog. Da würde man heute 'ne Klage gegen den Hersteller anstrengen, so lange hat das gedauert. 5 Sätze in einer halben Stunde.
Hätten ja auch anrufen können, wäre schneller gegangen. Aber haben wir nicht gemocht, genauso wenig wie Bilder vom anderen. Haben uns gegenseitig verwöhnt mit virtuellen Champagner. Bin echt zu Höchstformen aufgelaufen. La poesie de la machina oder so. Hätte man alles festhalten sollen!
Man antwortet normal zu schnell, das ist das Problem. Hat keine Zeit, nachzuspüren, zu verwerfen, zu improvisieren.
Kommunikation ist eine Kunstform, Worte sind wie Pinselstriche auf einer Leinwand- mit ‘nem 386-er und analog!
Da musst du warten können. Aber genau das isses!
Da wird aus: „Hab mir gerad ein Glas Champus geholt“ ein Epos von magischem Aussagewert.
Scheiße, dabei hast du gar keinen im Haus, weil Kühlschrank wieder mal leer, weil wieder mal nicht zum Einkaufen gekommen.„Hab mir gerad einen Champus geholt“ Mein Gott waren wir glücklich, mit ‘nem 386 –er. So war Jenni. Konnte gut warten. Ich auch, hab warten gelernt.
Daher, die kleine im Bistro hat keine Chance. Ich kann warten und das ist es, Mann. Genau das ist es!
Mittwoch
Öder Tag heute.
Sonnenfinsternis, aber nur eine teilweise, sagt man.
Ist allen irgendwie aufs Gemüt geschlagen. Waren alle irgendwie schräg drauf. Auch im Büro. Kamen kaum Aufträge rein. Eigentlich gar keine.
– Nur einer hatte gedacht, er wär im Sportstudio. Sportstudio!- lächerlich.
Bin dann aber laufen gegangen, danach – Wollte zwei Kilometer, direkt an der Havel lang. Keine Kondition. Schließlich Parkbank, Seitenstiche. Aber keinen Schluck!
Nur Wasser.
Die Blutige im Slip ist mir auf der Bank wieder eingefallen, danach.
Kann mich düster an so 'ne Schnalle erinnern, halb Peru halb Chinesin. Kaum Titten, langes, gerades Haar – Figur eine Enttäuschung. So was passiert mir immer nur im Suff! Muss sie im Blue getroffen haben. Kann mich bloß nicht erinnern, dass ich sie im Slip gesehen hätte. Und erst recht nicht mit nach Hause.
Na egal!
Donnerstag
Wollte erst gar nicht aufstehen, immer noch Regen und Temperaturen, dass einem das Rheuma in die Knochen zu fahren scheint. Schlecht geträumt.
Befand mich in einem Zimmer, irgendwo als Zuschauer und beobachtete wie jemand den Kopf einer Frau bearbeitete. Von dem war aber nur der Teil oberhalb der Ohren zu sehen, denn das Stück ragte aus einer Vorrichtung heraus, die wie eine Art Schraubstock aussah. Jedenfalls schien der Kopf darin fixiert zu sein und er gehörte eindeutig einer Frau, von der aber sonst nichts zu sehen war.
Statt der Haare sah man nur die Kopfschwarte, denn die Haare waren alle herausgerissen. Irgendwer bearbeitete mit einer Art Stachelrad ihre weiße Kopfhaut und drückte tiefe Löcher hinein, ohne dass es irgendwie blutete. Die Frau stöhnte dabei, „Ja, ja, befreie meinen Geist!“
Die ganze Szene war mir zum Kotzen widerlich, schien aber eine Art Tötungsritual aus religiöser Überzeugung zu sein.
Dann griff der unbekannte Verhüllte zur Säge, sägte damit den Schädel wie ein Frühstücksei auf und griff in das Gehirn, was den Tod der Frau zur Folge hatte.
Ich erwachte mit einem angewiderten Gefühl und fragte mich, was um alles in der Welt dieser Quatsch zu bedeuten hat und warum man nicht mal etwas Angenehmes träumen kann?
Wieso müssen Träume eigentlich immer so abartig sein? Jedenfalls überwiegen die abartigen Träume eindeutig die angenehmen. Bei sexuellen Träumen ist es eigentlich auch nicht viel anders. Meist träume ich bis zu dem Moment, wo ich meinen Schwanz in irgendeine Muschi stecken möchten und wache kurz vorher auf. Oder es klappt irgendwie nicht richtig oder so.
Hab heute ein Stück Körper gefunden!
Hinter dem Klo.
Jedenfalls sieht es aus wie ein Stück Körper, mit dunklen Haaren dran. Weiß aber nicht welcher Teil. Ist auch nicht groß, nur etwa Finger groß.
Von mir ist es nicht.
Hab alles abgesucht. Nichts fehlt!
Hab es erst in den Müll gelegt, dann fiel es mir beim Kaffee trinken wieder ein.
Wieder rausgeholt und vor mich auf den Tisch gelegt. Kann wirklich nicht sagen wie es in die Toilette kam. Hab keine Katze oder so. Erst mal weggelegt.
Fällt mir vielleicht später wieder ein.
Wieder im Bistro gewesen. Das Mädel war nicht da. Dafür eine Gruppe von jungen Damen, die neugierig zu mir rüberguckten. Bei den Frauen ist es wie bei den Männern. Wenn Sie zusammensitzen, dann geilen Sie sich gegenseitig auf.
Nur die Frauen giggeln jedem Schwanz hinterher, der nicht völlig abgelutscht aussieht – wenn sie nicht nüchtern sind.
Vermute, die Tussis waren irgendwelche Büroangestellte aus den Büros oben drüber oder aus dem Rathaus gegenüber. Schaute nur zwei dreimal rüber zu ihnen. Hatte meine Brille vergessen und konnte sowieso nicht genau sehen, wie sie im Detail aussahen.
Die Welt ist irgendwie schöner ohne Brille. Die Gesichter sind weicher, die unschönen Details verwischen, die Farben milder. Nur die Angst in ihren Augen siehst du nicht so gut.
Für das Mädel mit den Supertitten brauche ich keine Brille, nur warten. Ich könnte sie sofort erkennen. Immerhin scheine ich inzwischen einen etwas besseren Eindruck zu machen, denn die Mädels gegenüber schauten durchaus nicht abweisend.
Gut so.
Als Jenni und ich uns zum ersten Mal gesehen haben, war das in einem indischen Restaurant auf der Oranienburger.
6 Monate haben wir jede 2.- 3. Nacht gechattet bis die Vöglein zwitscherten. Ich musste ihr immer irgendwelche Geschichten ausdenken, in denen sie den Part des unwissenden Mädchens mimte, dass sich in alle möglichen Situationen geworfen sieht.
Da kam dann auch diese unselige Geschichte mit dem Schloss drin vor.
Jedenfalls hatte ich es so arrangiert, dass das erste Kennenlernen in 'real life' bis ins Detail vorgeplant war.
Ins Restaurant gegangen. Mit dem Kellner gesprochen, den Tisch ausgesucht. Es sollte wie das Abendmahl aus der Geschichte Jesu wirken.
Die Gerichte nach Farben und Geschmack ausgesucht. Alle vier Farben (rot, gelb, grün, blau) sollten in dieser Reihenfolge vorkommen.
Der Geschmack von scharf, sauer, salzig, süß.
Allerdings war das Restaurant nicht gerade ein Nobelrestaurant und der Kellner versprach zum Schluss überhaupt nichts, sondern sagte lediglich zu, alles zu versuchen, wenn jedoch größerer Andrang herrsche, könne er für nichts garantieren und die Geschäftsleitung lehne Reservierungen ab, da die Leute dann doch nicht kämen. Eben Berlin.
Überlegt, ob ich ein anderes Lokal aussuchen sollte. Da das Treffen aber schon am selben Abend stattfinden sollte, blieb mir keine Zeit mehr und ich ermahnte den Kellner, sich anzustrengen.
Fuhr schnell mit dem Taxi nach Hause und überlegte die ganze Zeit, ob ich total plemplem bin oder nur einfach naiv.
Vielleicht war sie eine Zicke, vielleicht fett.
Ich mag fette Frauen nicht.
Sorry. Aber die Taille sollte wenigstens zu sehen sein. Das liegt daran, dass mich schwangere Frauen abstoßen, sexuell. Vermute, hormonell bedingt.
Ist schließlich biologisch verständlich. Wenn schwangere Frauen dauernd von Männern gefickt würden, dann bekommen sie eine Frühgeburt und zack, die menschliche Spezies ist ausgestorben!
Deshalb sind wir hormonell so verdrahtet, dass wir keinen Bock auf das Ficken von schwangeren Frauen haben und deshalb fette Bäuche meiden. (Nur die Perversen nicht!) Kann mich jedes Mal beglückwünschen, dass ich in dieser Hinsicht wenigstens ein wenig „hormonormal“ reagiere.
War etwa gegen sechs, als ich endlich etwas fand, was nicht schon vor drei Monaten in die Wäscherei hätte wandern müssen .
Anzug mit Krawatte schied aus, zu konservativ.
Jackett, Mottenlöcher- unbrauchbar.
Durch die Lederjeans waren sie aber wohl nicht gekommen oder vielleicht mögen Motten auch kein Leder. Also Leder – dazu aber ein Hemd, fand nur das Haitihemd, Palmen, Papageien – egal. Dazu schwarze Lederjacke – Scheiße, sah aus wie ein Opa, der sich als Rocker verkleidet hat. Wieder raus aus den Klamotten.
Doch Anzug.
Doch Krawatte.
Rest der Klamotten in einen großen blauen Müllbeutel – Schrank – demnächst Putzfrau geben. Kleb mir noch schnell einen Zettel an den Kühlschrank.
Kontrolle im Spiegel. So sieht ein gottverdammter Narr aus. Wenn sie fett ist, hau ich gleich wieder ab.
Den Rest des Abends verbrachte ich mit planlosen Hin- und Hergelaufe, Kühlschrankkontrolle - natürlich kein Champus drin, dafür jede Menge Bier. Dann diskutierte ich mit mir die Frage aus, ob ich sie später nach hierher bringen sollte oder lieber nicht.
Wenn ich eins hasse, sind das Abläufe, die nach Standart aussehen. Programm ja, Standart nein.
Also: Kneipe – siehst toll aus! Ehrlich ! – kommste noch auf`n Schluck mit – durchficken.
Ne, so nicht!
Wenn, dann mit Stil. Autoschlüssel verstecken – weil, Frauen stehen auf fette Autos und nicht auf alte Rostlauben. Taxi anrufen und wieder ins Restaurant.
Kurz vor acht Uhr, damals.
„.....“
Die Mädelsgruppe gegenüber macht sich zum Aufbruch bereit. Eine schaut immer mal wieder rüber und kichert dann mit den anderen.
Nette Mädels, vielleicht ein andermal.
Meine Hände suchen nach etwas zum Festhalten in der Jacketttasche. Hab plötzlich das Stück Körper in der Hand. Hab ich das da reingetan?
Leg es auf den Tisch.
Sieht aus wie ein Stück Haut mit Haaren.
Rieche dran.
Riecht auch wie Fleisch – bisschen muffig, an einer Seite glatter Schnitt, andere Seite ein wenig ausgefranst. Kleine dunkle Haare drauf, wie Schamhaare. Kein Blut.
Kopfschmerzen.
Hätte es beinahe fallen lassen, als die übrigens auch recht attraktive Kellnerin fragt, ob es geschmeckt habe und sie abräumen dürfe.
Glaube, hab sie etwa drei Minuten angeschaut, bis ich kapiert habe, was sie wollte. Käme später noch mal wieder - dreht sich um und schaut mich beim Weggehen verstohlen an.
Aber professionelles Lächeln erst. Immer freundlich, gibt mehr Trinkgeld.
Frauen sind überhaupt Lächelmeister!
Bis ich einmal ohne Grund so lächeln kann, muss ich den ganzen Abend gesoffen haben.
Greift zum Telefon. Lächelt nicht mehr, sondern schaut nur manchmal vorsichtig zu mir rüber. Alles klar . Schon kapiert. Lasse den Körper in den Rest der Suppe fallen. Wird darin geradezu unsichtbar.
Denke an Jenni, damals...
Wieder im Restaurant, ist natürlich der reservierte Tisch belegt mit drei fröhlichen Leuten. Zum Kellner an der Kasse. Das Besondere dieses Inders ist, dass er einen kleinen Stehpult in der Nähe des Ausgangs hat, auf dem nicht nur die Kasse, sondern in einem riesigen Stapel, Rechnungsblöcke, Bestellzettel und Platzdecken vermischt sind.
Ob das so schlau ist, die Kasse gleich an den Ausgang zu stellen, kann ich nicht beurteilen.
Die bulgarische Mafia schien damals das Lokal noch nicht entdeckt zu haben. Allerdings gibt es in Berlin auch streng eingeteilte Claims.
Auf der Oranienburger sind, glaube ich, Russen. Die schießen den Bulgaren die Eier weg, wenn die sich sehen lassen.
Der Kellner weiß nichts von einer Reservierung, weil, reserviert wird nicht.
Ich könnte ihm in die Fresse hauen.
Ich erkläre ihm, dass es sich um ein wichtiges Geschäftsessen handelt und er dafür verantwortlich ist, wenn die Welt untergeht, weil ich keinen Tisch bekomme.
Wahrscheinlich nur wegen der Krawatte, so was trägt hier sonst nämlich niemand, weist er mir einen Tisch zu, der etwas abgelegen hinten in einem Nebenraum liegt und verspricht mir, Bescheid zu geben, wenn vorne im Restaurant etwas frei würde. Immerhin kommt jetzt ein Funken Servicetraining durch, denn er wirkt bemüht.
Sage ihm, das Geschäftsessen hieße Schulz. Wenn sich eine junge Dame namens Schulz melden würde, solle er sie hierher bringen.
Er versteht.
Bier geht auf’s Haus.
Acht ist lange vorbei, als der Kellner mir einen Tisch im Vorderraum zuweist. Neben dem vereinbarten. Immerhin ohne Säule vor der Nase und mit Sicht auf den Eingang. Glaube sowieso schon nicht mehr, dass sie noch kommt. Oder ist vielleicht schon wieder weg. Schaue mich um. Nirgends eine fette, frustriert wirkende ca. 30-Jährige, sondern nur lachende, rauchende, quatschende Paare oder Gruppen.
Weiß zwar nicht wie sie aussieht, aber bin mir sicher, dass ich sie sofort erkenne, wenn sie reinkommt.
Ist die Körpersprache, wie eine Aura.
Du kommst in ein Lokal und schaust dich erst mal um. Aber, wenn du jemanden treffen willst, den du nicht kennst, schaust du irgendwie anders, fragend, lächelnd, so ein bisschen verunsichert, suchend. Und du schaust die Leute an den Tischen an und nicht die freien Plätze. Und du bleibst etwas zu lange im Eingang stehen.
War mir sicher, dass ich sie sofort erkennen werde, damals.
' … '
Zuckte zusammen, als der Kellner mich aus meinen Gedanken riss:
„Ist Ihnen nicht gut, mein Herr?“
Die Kellnerin hat tatsächlich ihren Kollegen geschickt. Ich beeile mich zu versichern, dass es mir ganz ausgezeichnet geschmeckt hat. Er schaut ein wenig hilflos über den Tisch und fragt: „Die Rechnung?“ „Ja, ja, natürlich.“
Sie ist heute wieder nicht gekommen, die Kleine mit den Titten.
Freitag
Wenig Lust zu schreiben. Was soll die ganze Schreiberei eigentlich?
Tagebuch ist was für pubertierende Teenies.
Ist eher so wie ein Versuch etwas Bleibendes zu schaffen in meinem sich auflösenden Leben.
Leeres Blatt vor der Nase.
Muss nur aufpassen, nicht zu sülzen.
Keine hohlen Worte - vor allem keine Lügen mehr.
Keine Lügen.
Ab wann ist das, was man sagt wirklich wahr? Ich heiße Soren, Wolf Soren.
Ist das nicht bereits gelogen?
'Heute fühlte ich wieder diese verdammte Unruhe in mir.'
Gelogen.
Es ist, wie wenn du einen Film betrachtest. Es atmet nicht den wirklichen Geruch des Lebens.
Besser:
'Momentan kein Bock zu schreiben.
Schreibe aber.'
Gelogen.
Ist wie ein Versuch, einen Dialog mit sich selbst zu halten. Ist wie ein Versuch, die Täuschung hinter den Begriffen zu durchdringen.
Mit Jenni auch.
Es ging uns nie nur um Sex.
Glaube ich.
Jedenfalls nicht von meiner Seite. Es ging um Anarchie, um Radikalität, um Ekstase.
Problem ist nur, Ekstase ist ein vorübergehender Zustand des Rausches bis zur Bewusstlosigkeit.
Hinterher ist es nur Makulatur.
Verdammte Makulatur, die kannst du dann hinschreiben, um sie wenigstens aufs Papier zu nageln.
Du bist keinen Schritt weiter, hinterher.
Durchdringen, das ist die Devise!
Dich wie ein Wurm durch die sogenannte Realität der Begriffe fressen, bis nur noch Wurmlöcher da sind.
Stelle mir vor, ich lese aus meinen Aufzeichnungen vor, später.
Müsste dann auf einem Stuhl sitzen, aber müsste ein alter, klappriger Küchenstuhl sein. Säße auf einer Bühne, hätte auch die Haare nicht gekämmt, altes Jackett, wie immer, Lesebrille wie Günther Grass, würde ich über das Manuskript in das Publikum schauen, würde an der Stelle mit der „Realität der Begriffe“ eine Nachdenkpause einschalten, ins Publikum gucken, mich ein wenig schräg aufstützten auf das Knie, halb nur auf der Stuhlfläche sitzen, halb schweben.
Würde mir denken: Sollen die Arschlöcher das genau jetzt kapieren, dass sie völlig sinnlos, sinnlosen Sätzen lauschen, die Vision von wirklichen Leben vor sich.
Würde mir denken, wer bin ich, dass ich da sitze, um denen klarzumachen, dass sie bereits tot geboren sind?
Mit Jenni wollte ich den Sprung schaffen, ins Nichts jenseits der Begriffe!
Als Sie dann kam, als sie dann in der Tür stand, als sie dann ein wenig zu lang in der Tür stehen blieb und sich umschaute, bin ich einfach aufgestanden an meinem Tisch und hab sie angesehen.
Wouh, die sieht ja super aus!
Was bin ich für ein Glückspilz!
Lange, leicht hennarote Haare bis zur Schulter, hübsche dunkle Augen, etwas zu grobe Nasenkontur, etwas zu rundliche Wangen um eine wirkliche Schönheit zu sein, aber dieses weibliche Schauen, diese unwillkürliche kleinen weiblichen Bewegungen der Mimik, die Bereitschaft sofort ein Lächeln zu schenken, von dem du weißt, dass es gespielt ist.
Weibliche Mimikri.
Die kleine überflüssige Bewegung mit der Schulter und dem Hals, die etwas geziert wirkt, aber reiner Östrogenrausch ist.
Dunkles, langes Kleid, nicht sehr teuer, aber hat sich überlegt, was sie tragen soll. Ist wohl das Beste, das kleine Schwarze, zeigt Bereitschaft zur Kopulation an, ohne zu schlampig zu wirken. Die unvermeidliche Handtasche in schwarz.
Signale.
Schwarze Strümpfe, Schuhe mit mittelhohen Hacken. Nicht zuviel.
Zeigt mir, dass sie kein Profi ist. Hätte mich auch gewundert.
„Haben wir uns hier verabredet?“
Mein Gott, was eine überflüssige Frage!
Sie blickt über den Tisch, wo seit über einer dreiviertel Stunde schon die Tischblume welkt.
Weiß nicht mehr, was ich alles erzählt habe.
Wollte es ihr leicht machen. ‚Was machst du, was mache ich, gut siehst du aus, hatte gehofft, dass du so aussiehst.‘ Sie lächelt immerzu, wenn das Gespräch auf unsere versauten Chats kommt.
Ist eben was anderes, wenn du dich in der Anonymität der Maschine bewegst oder dein Gesicht zeigst, dein Erröten, bei schweinischen Gedanken. Farbe bekennst. Arbeitet in einer Klinik in Berlin als Psychologin. Na klar, die haben ja alle einen leichten Schuss - wie die Lehrer. Verkäuferinnen hätten auch nicht so lange durchgehalten im Chat.
Glücklicherweise brauchte ich nicht den dominanten Macho zu spielen. Hatte ich im Chat schon klar gemacht, dass ich keine Rollen mehr spielen will, außer denen, die ich mir selbst gebe.
Durchdringen!
Trotzdem, heute Krawatte war richtig. Zeigt, der strengt sich an, der will mir gefallen, indem er sich total zum Blödmann macht. Außerdem stehen Frauen unbewusst oder auch so auf Kleidersignale und schöne Autos, gepflegte Hände und feines Frisürchen. Selbst die Psychologinnen und die müssten es eigentlich besser wissen.
Der Ober war in seiner Schlampigkeit geradezu lästig. Ich zitterte mit jedem Gang, dass etwas schief laufen könnte, klappte aber leidlich.
Bis zu dem: du gefällst mir! – du mir auch.
Längere verlegene Pause.
Jetzt kommt die Scheiße mit dem: Kommst du noch mit? etc.
„Weißt du, ich möchte dich heute nicht zu mir nach Hause mitnehmen.“
„Ist okay.“
„Wirklich, ich, meine, das wäre mir zu abgedroschen -“
„Ja, klar, ist okay.“
Sie schaut ins Glas, als ob es damit wieder voller würde, Champus ist alle.
Alkoholspiegel mittelgradig hoch.
Tisch abgegessen.
„Willst du noch was trinken?“
Inzwischen schon an die Zwölf, wie die Zeit verrauscht ist.
Muss was unternehmen wegen meiner Bude. Mensch bin ich heiß auf die Frau.
„Kenn mich noch nicht so gut aus in Berlin, wollen wir vielleicht noch ein bisschen spazieren gehen?“
„Na, klar.“
Werd einer aus den Frauen schlau. Stimmung irgendwie gedrückt, weil die richtigen Reizworte nicht fielen, weil die Platte einen Sprung bekommen hat. Weil eben nicht im üblichen Programm. Kann aber unmöglich mit ihr nach Hause. Frauen stehen auf standardisierte Abläufe, damit sie sich vormachen können, sie hätten sich wirklich verliebt und nicht nur in das Outfit oder den Status oder die Norm.
Wieder draußen auf der Oranienburger gehen wir in Richtung Synagoge.
Ein Haufen Nutten auf der Straße, alle mit Stiefeln bis zur Muschi. Von weiten die absolute Augenweide.
Nehmen uns nicht bei der Hand, kämen uns albern vor. Ich betrachte mir etwas zu ausführlich die Synagoge. Wieder mal voll bewacht, die Scheiße.
Biegen dann in eine kleinere dunkle Seitenstrasse ein. Da ist sofort Schluss mit dem Menschenstrom. Abgestellte Autos auf schlechten Straßen. Gesichtslose Häuser.
Ein kleiner Platz, von einer entfernten Laterne matt erhellt.
„Stell dich unter die Laterne!“
Sie schaut mich an, wissend - er hat mich akzeptiert - er hat mich angenommen. Wenn Sie irgendwas gesagt oder gefragt hätte, dann hätten wir uns nicht wieder gesehen. Das wussten wir beide.
„Hast du ‘nen Slip drunter?“
Sie nickt.
„Zieh ihn aus!“
Sie will das Kleid hochheben, doch ich sage zu ihr, dass sie es nicht tun soll. Sie soll sich umdrehen und das Kleid möglichst wenig hochheben. Umständlich fummelt sie den Slip unter dem Kleid runter und muss sich an der Laterne festhalten, als er über dem einen Schuh hängen bleibt.
Schaut sich um nach Leuten. Scheiß Leute - aber heute ist alles still. Kein Geräusch. Die Nacht hat den Atem angehalten, wir sind im Stream.
Sie steht da, mit dem Slip in der Hand und schaut mich an. Die Handtasche hängt schlaff in der anderen und berührt fast den Boden. Sie friert ein wenig, da sie keinen Mantel anhat. Hat nicht damit gerechnet, länger spazieren zu gehen. Wollte die übliche Nummer.
„Stell die Tasche ab!“. Gehorsam lässt sie die Tasche auf den Boden gleiten, sie fällt sofort um und ergießt fast den ganzen Inhalt auf das Pflaster. Aber sie schaut nicht mal hin. Ich bin derartig geil auf die Frau.
„Heb dein Kleid vorne hoch, dass ich deine Muschi sehen kann und mach die Augen zu!“
Sie hebt das Kleid langsam hoch. Immer noch viel zu schnell, aber ich will sie nicht rausholen.
Sie hebt es vorne hoch, bis ich ihre unrasierte Muschi sehe, mit einem dunklen Dreieck schwarzer Haare. Die Strümpfe sind ohne Strapse - irgend so ein Klebezeug ist eingearbeitet. Sie lassen die Schenkel oben frei. Sie hat die Augen geschlossen und den Kopf ein wenig gesenkt. Ich höre mein Herz schlagen, im Kopf. Sie hat sich ergeben. Einfach so. Ich schaue sie an.
Es ist wie die Lösung eines Rätsels, zu dem einem die Frage nicht mehr einfällt.
Es ist genau die Antwort auf alles. Es ist das Tor hinter die Realität. Das wissen wir beide, irgendwie. Ich umrunde sie und meine Schritte hallen in der Stille auf dem Pflaster. Ich sehe, wie sie eine Gänsehaut bekommt. Sie bewegt sich nicht.
Ich fasse sie nicht an, sondern gehe nur ganz dicht an sie ran, damit sie meinen Atem und meine Körperwärme spürt. Sie zittert.
„Bleib hier stehen. Genau so!“
Sie nickt leicht, wartet vielleicht auf eine Berührung
Ich drehe mich um und gehe, ohne mich noch einmal umzudrehen davon.
Sonntag
Zwei üble Tage gehabt.
Wieder ein Stück Körper gefunden.
Sieht aus wie ein ‘nen Stück Fell. Hab es zuerst für ein Katzenfell gehalten. Verdammte Scheiße. Aber ich wette, es ist 'ne komplette Muschi..
Lag im Abfall, ganz unten drin.
Hab’s beim Ausleeren in der Mülltonne entdeckt, wie frisch abgehäutet.
Hat mich so gepackt, wieder gesoffen.
Weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll.
Muss aufhören, kotzen gehen.
Montag
Werde Armin fragen müssen.
Hab heute früh versucht außer Kaffee noch was Festes im Haus zu finden. Fand nur ein altes Stück Brot. In den Kaffee gehalten und abgelutscht.
Mochte ich früher bei der alten Om gerne. Sie hat mir heimlich ein Brötchen in ihren Milchkaffee gestippt, wenn Mutter gerade mal wegschaute.
War nicht weiter schwierig, sie schaute eigentlich fast immer weg, es sei denn, sie fand den Faden wieder, der ihr manchmal mitten im Gespräch abriss. Dann schaute sie plötzlich aus dem Fenster und verstummte mitten im Satz.
Glaube gar nicht, dass sie was Besonderes gesehen hat. War ja auch nichts zu sehen. Immerhin die Hecke vorm Haus, die die alte Burg gegenüber nahezu verdeckte.
Und der Kirchturm der Herz Jesu Kirche.
Das war der Moment, wenn die alte Om mein Brot in den Kaffee stippte.
Irgendwann begann Mutter dann weiter zu reden, meistens an einer Stelle, von der nur sie wusste, was sie vorher gedacht hatte.
Im Allgemeinen redete sie wirres Zeug. Entweder über ihre Beschwerden, die jeden Tag wechselten oder über einen meiner Väter, besonders über den Franz. Den hab ich selbst gekannt, bevor er abgehauen ist.
Damals tauchte auch schon Armin auf. Der schlug die Mutter, jedenfalls schrie sie meistens, wenn der Armin kam. Aber beschwert hat sie sich nie. Sie ließ sich gerne schlagen.
Die alte Om hat sich dann bekreuzigt und zum Turm der Herz-Jesu-Kirche geschaut, der über der Hecke rausragte. Sie hat den Armin nie gemocht.
Aber er ist ein Typ.
Jetzt ist er alt. Und Mutter ist schon lange tot. Er ist der einzige, der vernünftige Antworten auf unvernünftige Fragen geben kann.
Musste gerad wieder kotzen. Scheint was mit dem Magen nicht zu stimmen.
Beginne die Schreiberei zu lieben. Ist wie eine Beichte.
Die alte Om war knatschkatholisch. Ihre Hände waren vom Rosenkranz beten schon ganz schwielig. Aber sie hatte so eine Art, sich selbst auszutricksen.
Zum Beispiel mit dem Kaffeebrötchen oder auch, wenn sie den Armin anlog, die Mutter sei nicht zu Hause. Sie konnte so energisch werden, dass sogar der Armin wieder abzog, obwohl der genau wusste, dass Om ihn anschwindelte.
Armin hätte ihr ohne weiteres die Tür eingetreten, wäre über die alte Frau drüber gestiegen und hätte sie dann mit einem Fußtritt nach draußen befördert. Aber er mochte die Om auch, deshalb hat er es nicht getan. Außerdem hat er der Om immer wieder Geld gegeben, denn die Om hatte fast keine Rente.
Nur das Häuschen gehörte ihr und das hat der Franz, also einer der Männer meiner Mutter, selbst für die Om gebaut. Und wenn der Armin die Mutter so richtig durchgeprügelt hat, dann hat er ihr ein wenig mehr geben müssen und die Om hat's genommen, hat ihn heimlich verflucht, ihn aber gehen lassen.
Dann hat sie es dem Pfarrer beichten müssen. Hat sie jedenfalls behauptet.
Die Om war in der ganzen Stadt bekannt und besonders in der Sigfridstrasse und der Golostrasse sozusagen die Anführerin.
Da hat keiner was gegen die Om gesagt, obwohl natürlich alle vom Armin wussten. Hätte keiner was zu sagen gewagt. Wenn es einen Streit gab, und den gab es häufig zwischen den Anwohnern, dann hat jemand nach der Om geschickt. Die ist dann gegangen und hat so laut geschimpft, dass es die ganze Sigfridstrasse hoch und wieder runter gehört wurde. Meist endete das damit, dass alle beteiligten und unbeteiligten Gaffer das „Vater unser“ beteten und Geld für die Kirche gaben.
Die Om hat nie was für sich behalten, nur das, was der Armin gab. Sie sagte, so schmutziges Geld nimmt die heilige Jungfrau nicht an.
Freitag
Heut hab ich sie gesehen! Das Mädchen mit den Titten.
Aber nicht im Bistro, da war sie nicht. Bin inzwischen schon Stammgast da. Hab so einiges rausgekriegt. Von der Bedienung. Sind alle nette Mädels da. Hatte für alle Fälle ein Spanisch Lehrbuch dabei, weil, das einzige, was ich von dem Tittenmädel weiß ist, dass sie gerade Spanisch lernt.
Mit einer Bedienung hat sich vorgestern ein Gespräch über das Buch ergeben. Sie fragte, ob ich spanisch lernen will. Ich sagte, na klar, aber dass ich wahrscheinlich zu dumm wäre, um es je zu beherrschen. Vergesse die Vokabeln dauernd und ehrlich gesagt, interessiert mich spanisch weniger wie mongolisch.
Das hab ich aber nicht gesagt, sondern, dass ich neulich jemanden gesehen hätte, der hier auch spanisch lernt und mich das sehr beeindruckt hätte.
Sie kannte das Mädel.
Sagte, sie komme zwischendurch öfters hier her. Manchmal in der Mittagspause, manchmal aber auch nachmittags. Der Typ sei so eine Art Lehrer, der mehrere Schüler privat betreue. Er käme auch mit anderen Mädels hier her.
So ein Lehrer wäre ich auch gerne!
Mehr konnte sie aber auch nicht sagen. Aber die Telefonnummer des Lehrers hatte sie, der habe nämlich alle angebaggert, weil er sich mit Spanisch so nebenbei etwas Geld dazu verdient. Scheint aber nur Mädchen zu unterrichten.
Da renne ich nun wochenlang in das Bistro und hab sie wohl immer verfehlt.
Ging danach Richtung Wröhmännerpark zur Spree. Die Sonne schien so angenehm. Tankte mich irgendwie auf nach den letzten Tagen.
Ich war moralisch wohl ganz unten. Immer wenn ich an die alte Om denken muss, wird mir ganz wehmütig ums Herz.
In der Altstadt bin ich dann fast über sie gestolpert. Bin praktisch mit ihr zusammengestoßen, als sie aus der U-Bahn kam und ich vom Rathaus. Hab sie erst gar nicht erkannt, denn sie hatte einen grünen Mantel an, der ihr fast bis zu den Knöcheln reichte. Aber die Augen und das Permanent Make-up der Augenbrauen. War schon ein paar Schritte weitergelaufen, als es mich packte und ich es schnallte.
Das ist sie!
Drehte mich um und sah sie gerade noch in Richtung Rathaus gehen.
Es gibt keine Zufälle. Sie hängt mir am Faden, das weiß ich und jetzt hab ich sie dran. Zappelt wie ein Fisch in der Reuse und merkt noch nicht, dass sie jetzt keine Chance mehr hat. Wenn es einen Beweis für göttliche Fügung gibt, das ist er.
Musste mich beeilen, um sie überhaupt noch zu erreichen. Klasse Weib. Selbst von hinten eine echte Augenweide. Jede Bewegung voller Selbstvertrauen, das Schwingen ihres Gesäßes, selbst unter dem Mantel zu sehen. Kleine hochhackige Treter, jedoch nicht übertrieben, nicht nuttig. Jeder Tritt voll Entschlossenheit und doch anmutig, weiblich. Einige drehten sich nach ihr um, unwillkürlich.
Die Frau ist Hormon pur.
Dabei eigentlich nicht wirklich aufgedonnert. Eher zurückhaltend gekleidet. Irgend so eine billige Transparentmappe mit Papieren unter dem einen Arm und kleinen schwarzen Rucksack mit einem Riemen über die andere Schulter geschwungen. Kein Handtäschchen.
Geht auf die Ampel zu, alles klar, will ins Bistro, da komme ich gerade her.
Mist, wenn ich da jetzt wieder reingehe, dann ist das ein bisschen zu auffällig. Davor gibt es keine Bank oder so was. Nur abgestellt Fahrräder und Motorräder. Die Leute kommen von der S-Bahn auf dem Weg ins Shopping-Center oder nach Spandau rein.
Also rein ins Café gegenüber und nach einem Fensterplatz gesucht. Versuche sie von da aus zu orten. Leider spiegeln die Scheiben zu sehr und daher ist fast nichts zu sehen. Sie hat sich wohl weiter hinten reingesetzt. Werde also warten müssen, bis sie wieder rauskommt.
Werd mich nicht mehr abschütteln lassen!
Wie ein Bluthund.
Werde ihren Geruch in mich reinziehen und wie ein bunter Falter hinter ihr herzappeln bis ich mich in das Röschen versenken kann.
Oh mein Gott, was für Möglichkeiten.
Die alte Om hat ja an Gott geglaubt. Hat ihr in schweren Momenten immer geholfen. Bei mir hat er aber nicht das leidende Lächeln des armen Christusmenschen, sondern das Lächeln von Django, kurz bevor er den Colt zieht.
Das schönste sind die Gedanken, die Ideen, die Vorstellungen, die Vorahnungen. Das Gefühl, ein Magier zu sein, der Formeln und Bilder in Realität verwandelt.
Das Herzklopfen, die Erregung.
Das war auch bei Jenni so.
Mit Jenni war alles klar, als sie da abends stehen blieb und das ohne jedes Gejammer und gleich am ersten Abend.
Ich bin dann nach Hause gegangen.
Hab mir an der Straßenecke noch mal überlegt, ob ich umdrehen soll und sie aus der peinlichen Situation befreien.
Das wäre aber gewesen, wie wenn man einen Hitchcock nach der ersten Hälfte mit „Heidi von der Alm“ beenden würde.
Bin gegangen. Nächstes Taxi nach Hause. Taxifahrer war ein fetter Araber. Schaute durch den Rückspiegel immer wieder. „Alles klar, Cheffe?“
„Was soll klar sein?“
„Stress mit Mädchen?“
„Nicht wirklich.“
„Immer Problem mit Mädchen. Alles klar. Hab ein Sohn und sechs Töchter. Immer Stress mit Mädchen.“ Nickte nur und er hörte zum Glück auch auf.
Zu Hause hab ich sie dann vor meinen geistigen Augen stehen sehen. Ich lag in voller Montur auf dem Bett, hatte mich einfach rückwärts hinfallen lassen und die Decke angelächelt. Glücklich.
Das ist wirkliches Glück.
Wie sie da stand. Den Rock hochgehoben. Den Slip linkisch in der Hand. Das ist das wirkliche Glück. Nicht eure Scheiß Autos, eure Scheiß Frauen, die von eurem Geld leben, eure Karriere, eure Titel, eure Kohle.
Drückst dein Leben im Scheißhaus dieser Gesellschaft aus, wie 'ne alte Kippe in Ascher und hast nicht einmal erlebt, wie eine Frau so da stand, für dich, wie Jenni da stand für mich und für sich.
Hab mir vorgestellt, wie ein paar Typen da kommen, Türken oder Russen.
Russen besser, die sind wirklich brutal die Russen.
Sehen sie da stehen und sind besoffen. Im Nu haben Sie Jenni erreicht, die macht die Augen auf und wird grob angetatscht. Jenni versucht sich der Hände zu erwehren, die sie angrabschen. Aber die Russen schlagen ihr ins Gesicht, einmal, zweimal, dass sie zu Boden geht und eine starke behaarte Männerhand legt sich ihr an den Hals und drückt zu. Ein Messer blinkt vor ihren Augen auf. Keine Faxen und ausziehen.
Jenni ist wie gelähmt.
Da packen die Russen sie und reißen und schneiden ihr die Kleider vom Leib, packen ihre Titten, halten ihr den Mund zu, ficken sie durch, immer wieder. Sie sinkt zu Boden, zitternd. Einer tritt ihr zum Abschied noch auf die Finger, mit seinen Lederstiefeln und noch einen Tritt in die Möse. Dann ziehen sie grölend davon.
Ich war so in Gedanken, dass ich nicht einmal merkte, wie die Kellnerin gekommen war.
„Noch ein Kaffee?“
Muss erst mal schnallen, dass ich noch im Café sitze und glotze die Bedienung an, als käme sie vom anderen Stern.
„Ja, bitte!“
Der Typ, der den Spanischlehrer mimt kam raus, gegenüber aus dem Bistro.
Scheiße, jetzt schnell bezahlen.
„Rechnung“
„Sie wollten doch noch einen Kaffee?“
„Ne’, hab es eilig.“
„Jetzt hab ich aber schon gebongt!“
„Setzen Sie es halt auf die Rechnung.“
Die Bedienung ist verstimmt, weil, wenn Kunde nicht freundlich bedient, dann kein Trinkgeld, oder weniger. Leg ihr zehn Euro hin und dann raus. Sehe aus den Augenwinkeln, wie sie mir nachsieht.
Egal.
Rein ins Bistro.
Scheiße, schon weg.
Scheiße, Scheiße, Scheiße!
„Suchen Sie etwas?“
„Mein Spanischbuch“
„Ist es das hier?“
Bin völlig platt. Die Bedienung reicht mir ein Spanischbuch, sicher nicht meins.
„Danke, sehr nett.“
Und raus.
Draußen sehe ich erst mal zu, dass ich vom Bistro weg komme, für den Fall, dass es sich die Bedienung noch mal anders überlegt. Mein Herz schlägt wie nach einem Marathon.
Runter zur Spree. Renne fast bei Rot in ein Auto. Wildes Gehupe.
Es ist wirklich zum religiös werden.
Mann, das gibt es einfach nicht!
Ich hab ihr Buch!
Setze mich auf eine Bank, in die Nähe von Anglern. Sozialrentner, die versuchen, dem Gewässer was Essbares zu entlocken oder es mit halben Würmern zu verpesten oder was weiß ich.
Jedenfalls will ich erst gar nicht das Buch aufschlagen. Schaue auf die Zementfabrik gegenüber.
In Spandau schaut man irgendwie immer auf Scheiße. Man nimmt Anlauf im Gehirn auf ein Kitschpanorama, wenn man den See vor sich hat und endet in Dreck und Fabrik.
Schlage das Buch in der Mitte auf. Kleine zierliche Bleistiftnotizen säumen den gedruckten Text. Anmerkungen, Deklinationen.
Das Mädchen muss eine Intelligenzbestie sein.
Um so besser.
Jenni war auch nicht ohne. Das machte es auch so reizvoll. Eine Studierte. Kinderpsychologie.
War selbst als Kind schon heiß, hat sie erzählt.
Hat onaniert, wenn die Eltern weg waren mit 9 oder 10 Jahren. Da hat es so schön gekribbelt zwischen den Beinen und am liebsten ist sie gar nicht mit gegangen, wenn die Eltern raus wollten. Haben sich schon gewundert.
Aber kaum war die Tür zugefallen und Jenni sah sie unten mit dem Trabbi wegfahren, nach Neuruppin zum See, Jenni war aus dem Osten, da hat sie sich schon die Kleider ausgezogen und sich auf einen harten Ball gesetzt mit ihrer kleinen Fotze und hat sich so hart drauf gesetzt, dass der Kitzler ganz platt war.
Und dann ging es hin und her mit dem Geschubse. Sie liebte den harten Druck auf ihrer Fotze, hat sie mir später erzählt. Und sie musste unbedingt einen Orgasmus haben und dann noch einen und noch einen. Und wenn ihr der Ball nicht mehr ausreichte, dann hat sie einen Besenstiel schräg an den Tisch gelegt, ist mit den Beinen drüber gestiegen, dass er genau in ihrer Ritze lag und dann langsam vorwärts marschiert. Je näher sie zum Tisch kam, desto stärker drückte der Stil gegen die Fotze. Dann noch ein Stück und noch ein Stück. Solange, bis es nicht mehr weiter ging und sie auf die Zehenspitzen musste. Dann noch ein Stück weiter und die Füße wieder runterlassen und stehen bleiben bis es schmerzte und dann noch ein bisschen länger.
Manchmal war der Stil ganz blutig, weil sie sich bei sechsten und siebten mal bereits alles aufgeschrubbt hatte.
Dann raus auf den Balkon, nackt, das war das größte, sagte sie. Die kaputte Fotze in die Sonne gehalten und ein Buch gelesen und immer die Angst dabei, dass die Leute von oben drüber runter schauen. Taten sie aber nie. Hätte sicher einen Mordsärger gegeben.
War eigentlich noch ein bisschen früh für ein Mädchen, sagte sie. Laut Psychologie machen das eher die Jungs und nicht die Mädchen mit dem Onanieren. Aber sie war halt frühreif, in der Hinsicht. Hatte aber noch gar keine Titten. Die seien auch erst viel später gewachsen wie bei den anderen Mädchen.
Ich schreib das nur, weil das zeigt, dass das in der Hinsicht kein Nachteil ist, wenn eine studiert ist. Sie sind oft noch härter drauf wie die anderen.
Blättere das Buch langsam nach vorne durch, von Leccion 7 bis Leccion 1 und zum Vorwort.
Auf der ersten Seite ein leicht verwischter Stempel: Andrea Limpgens, Grunewaldstr. 12, Berlin, Tel..
Satz und Sieg - Andrea du bist mein! Das wird gefeiert!
Montag
Jetzt werd ich alles anders machen! Ich muss raus aus der Scheiße, aus meiner Lethargie. War ein Fehler, Armin einzuladen. Muss von Armin loskommen.
Wieder zwei Tage völliges Black-out. Armin tauchte natürlich gerade in dem Moment auf, wo ich mit der Flasche Champus aus der Tanke im Park sitze und die Offenbarung von der kleinen Titte aus dem Bistro feiern möchte.
Mit mir allein, verstehst du?
Du glaubst gar nicht, wer da alles so zufällig vorbeikommt, wenn du mit der frischen Flasche Champus alleine sein möchtest.
