In Amerika - Susan Sontag - E-Book

In Amerika E-Book

Susan Sontag

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Beschreibung

Eine berühmte polnische Schauspielerin wird zur amerikanischen Diva: Maryna Zalezowska emigigriert im Jahr 1876 mit einer Gruppe europamüder Polen ins Gelobte Land Amerika, um ein neues Leben zu finden. Die Begegnung zwischen der Alten und der Neuen Welt erweist sich jedoch nicht als einfach …

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Seitenzahl: 675

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Das ist das Cover des Buches »In Amerika« von Susan Sontag

Über das Buch

Eine berühmte polnische Schauspielerin wird zur amerikanischen Diva: Maryna Zalezowska emigigriert im Jahr 1876 mit einer Gruppe europamüder Polen ins Gelobte Land Amerika, um ein neues Leben zu finden. Die Begegnung zwischen der Alten und der Neuen Welt erweist sich jedoch nicht als einfach …

Susan Sontag

In Amerika

Roman

Aus dem Amerikanischen von Eike Schönfeld

Carl Hanser Verlag

Für meine Freunde in Sarajewo

»America will be!«

Langston Hughes

Null

Unschlüssig, nein, zitternd platze ich in eine private Gesellschaft, die sich im Speisesaal eines Hotels versammelt hatte. Auch drinnen war es winterlich kühl, doch von den Frauen im Abendkleid und den Männern im Gehrock, die in dem langen, dunkelgetönten Raum umherschwirrten, schien sich niemand an der Temperatur zu stören, so daß ich den Kachelofen in einer Ecke ganz für mich allein hatte. Ich schmiegte mich an den dicken, deckenhohen Kasten — einen Kamin mit einem prasselnden Feuer darin hätte ich vorgezogen, doch hier wurden die Räume nun einmal mit Kachelöfen beheizt — und knetete mir sodann wieder etwas Wärme in Wangen und Hände. Als ich nicht mehr so fror oder einfach nicht mehr so aufgeregt war, wagte ich mich an meinem Ende des Raums weiter vor. Aus einem Fenster blickte ich durch das dichte, von einem Ring aus Mondlicht beleuchtete Gewebe aus geräuschlos fallenden Schneeflocken auf die Reihen von Schlitten und Pferdedroschken hinab, auf die Kutscher, die, eingemummt in rauhe Decken, auf dem Bock dösten, auf die starren, schneebestäubten Tiere, die alle den Kopf gesenkt hielten. Ich hörte die Glocken einer nahe gelegenen Kirche zehn schlagen. Einige der Gäste hatten sich bei der gewaltigen Eichenanrichte am Fenster versammelt. Ich wandte mich ihnen halb zu und lauschte ihrer Unterhaltung, die überwiegend in einer Sprache geführt wurde, die ich nicht verstehe (ich war in einem Land, das ich nur einmal, vor dreizehn Jahren, besucht hatte), doch irgendwie, ich stellte mir nicht die Frage, erfaßte ich den Sinn ihrer Worte. Man diskutierte leidenschaftlich über eine Frau und einen Mann, ein Informationsschnipsel, das ich prompt aufwertete, indem ich annahm, die beiden seien, warum auch nicht, verheiratet. Dann drehte sich das Gespräch mit gleicher Leidenschaft um eine Frau und zwei Männer, also sagte ich mir, ohne daran zu zweifeln, daß es sich um dieselbe Frau handelte, wenn der erste ihr Mann sei, müsse der zweite ihr Liebhaber sein, und schalt mich gleichzeitig ob meiner konventionellen Phantasie. Doch ob es nun um eine Frau und einen Mann oder die Frau und zwei Männer ging — warum man über sie sprach, hatte ich noch nicht herausgefunden. Wäre die Geschichte allen vertraut, bestünde natürlich keine Notwendigkeit, sie zu erzählen. Aber vielleicht sprachen die Gäste absichtlich so, daß sie nicht sehr gut zu verstehen waren, beispielsweise weil die Frau und der Mann oder beide Männer, falls es denn zwei waren, ebenfalls anwesend waren. Das brachte mich auf den Gedanken, die Frauen, die allesamt schwungvoll frisiert und, soweit ich die Kleidung jener Zeit beurteilen kann, elegant gekleidet waren, reihum zu mustern, um zu sehen, ob sich eine von den anderen abhob. Kaum blickte ich mich mit dieser Absicht um, sah ich sie auch schon und fragte mich, warum sie mir nicht schon vorher aufgefallen war. Nicht mehr in ihrer ersten Blüte, wie man damals von einer attraktiven Frau über Dreißig sagte, mittelgroß und mit geradem Rücken, hochgetürmtes aschblondes Haar, in das sie nervös einige flüchtige Strähnen steckte, war sie nicht von außergewöhnlicher Schönheit. Doch je länger ich sie beobachtete, desto unwiderstehlicher kam sie mir vor. Sie konnte, ja mußte die Frau sein, über die alle anderen sprachen. Wenn sie im Raum umherging, war sie stets von anderen Menschen umgeben; wenn sie sprach, hörte man ihr stets zu. Mir war, als hätte ich ihren Namen aufgeschnappt, er lautete entweder Helena oder Maryna; und in der Annahme, es würde mir helfen, die Geschichte zu entziffern, wenn ich das Paar oder das Trio identifizieren könnte — gab es denn einen besseren Anfang, als ihnen einen Namen zu geben? —, beschloß ich, sie Maryna zu nennen. Dann hielt ich nach den Männern Ausschau. Zunächst forschte ich nach einem, der als ihr Ehemann denkbar war. War er ein liebevoller Ehemann, was ich bei dem Mann dieser Helena, ich meine, Maryna, annahm, mußte ich ihn in ihrer Nähe finden, da er sich bestimmt nie länger von anderen ablenken ließe. Und während ich Maryna nicht aus den Augen ließ, schien es mir inzwischen eindeutig, daß sie die Gastgeberin war oder daß das Fest ihr zu Ehren gegeben wurde. Nun sah ich auch, daß ihr ein etwas linkischer, bärtiger Mann folgte, dessen schönes blondes Haar zurückgekämmt war und so die hohe, machtvoll gewölbte und edle Stirn frei ließ und der zu allem, was sie sagte, freundlich nickte. Das muß der Ehemann sein, dachte ich. Nun galt es noch den anderen Mann zu finden, der, so er denn der Liebhaber war — oder auch falls nicht, was ebenso interessant wäre —, wahrscheinlich jünger wäre als der Aristokrat mit der liebenswürdigen Miene. Wäre der Ehemann Mitte Dreißig, ein, zwei Jahre jünger als seine Frau, obwohl er natürlich viel älter aussah, dann müßte dieser Mann, so schätzte ich, Mitte Zwanzig sein, ziemlich gut aussehen und, weil er noch jung und unsicher war oder, wahrscheinlicher, eine niedrigere gesellschaftliche Stellung innehatte, ein wenig zu aufwendig gekleidet sein. Er konnte, mal überlegen, ein aufstrebender Journalist oder Anwalt sein. Von den Männern, die dieser Beschreibung entsprachen, war derjenige, der mir am besten gefiel, ein stämmiger Bursche mit Brille, der, als ich ihn erspähte, mit einem Serviermädchen schäkerte, das dabei war, den großen Tisch am anderen Ende des Raumes mit dem besten Tafelsilber und Kristall des Hotels zu decken. Ich sah, wie er ihr ins Ohr flüsterte, sie an der Schulter berührte, mit ihrem Zopf spielte. Es wäre lustig, dachte ich, wenn das der Kandidat für die Rolle des Liebhabers meiner aschblonden Schönheit wäre: kein verklemmter Junggeselle, sondern ein ausgemachter Lebemann. Das ist er, das muß er sein, entschied ich mit unbekümmerter Gewißheit, wobei ich aber auch beschloß, einen weiteren jungen Mann als Ersatz für diese Rolle im Auge zu behalten, einen schmalen, ein wenig an Werther erinnernden Burschen mit gelber Weste, sollte ich zu der Überzeugung gelangen, daß ein keuscherer oder zumindest vorsichtigerer Verehrer besser zu der Persönlichkeit der beiden anderen paßte. Dann lenkte ich meine Aufmerksamkeit auf eine andere Gruppe Gäste, die ebenfalls die Geschichte erörterte, allerdings erfuhr ich nach einigen Minuten aufmerksamen Mithörens auch nicht mehr darüber. Man sollte meinen, daß ich inzwischen die Namen der beiden Männer gehört hätte. Wenigstens den des Ehemannes. Doch niemand, der sich an den Mann wandte, den ich für den Ehemann hielt, sprach ihn mit Vornamen an; er stand nicht weit von mir in der eng die Frau umschließenden Gruppe. Bestätigt durch das unerwartete Geschenk ihres Namens — ja, ich weiß, er hätte Helena sein können, doch ich hatte ja entschieden, daß er Maryna war oder vielmehr sein mußte —, beschloß ich, seinen Namen mit oder ohne Hinweise herauszufinden. Wie mochte er, ich meine der Ehemann, heißen? Adam. Jan. Zygmunt. Ich versuchte, auf den Namen zu kommen, der am besten zu ihm paßte. Denn jeder Mensch hat einen solchen Namen, zumeist ist es der Name, den er oder sie erhalten hat. Schließlich hörte ich, wie jemand ihn rief … Karol. Ich kann nicht erklären, warum dieser Name mich nicht zufriedenstellte; vielleicht ließ ich, verärgert darüber, daß ich die Geschichte nicht ergründen konnte, einfach meinen Verdruß an diesem Mann mit dem langen, blassen, ebenmäßig geschnittenen Gesicht aus, dessen Eltern einen so wohlklingenden Namen gewählt hatten. Obwohl ich also das, was ich gehört hatte, nicht in Zweifel zog und mich nicht auf meine Unsicherheit berufen konnte wie beim Namen seiner Frau (Maryna oder Helena), verfügte ich, daß er kein Karol sein konnte, daß ich seinen Namen falsch verstanden hatte, und nahm mir die Freiheit, ihn in Bogdan umzutaufen. Ich weiß, daß dieser Name in der Sprache, in der ich schreibe, weniger attraktiv ist als Karol, doch ich beabsichtige, mich daran zu gewöhnen, und ich hoffe, er bewährt sich. Als nächstes wandte ich mich in Gedanken dem anderen Mann zu, wie ich ihn bei mir nannte; er hatte sich auf ein Sofa niedergelassen, um etwas in ein Notizbuch zu schreiben (für ein Billett an das Mädchen erschien es mir zu lang). Ich war mir sicher, seinen Namen noch nicht gehört zu haben, denn sein Name war mir bislang weder richtig noch falsch zu Ohren gekommen, also mußte ich nach Gutdünken verfahren und beschloß, ihn ohne viel Aufhebens zu einem Richard, ihrem Richard, zu machen: Ryszard. Seine zweite Besetzung in der gelben Weste, das ging nun schnell, würde ich Tadeusz nennen; obwohl ich allmählich glaubte, daß ich keine Verwendung für ihn haben würde, zumindest nicht in dieser Rolle, erschien es mir einfacher, ihm gleich jetzt einen Namen zu geben, wo ich gerade dabei war. Dann lauschte ich wieder, versuchte, meinem Eindruck von der Geschichte, die, zunehmend hörbar, die meisten der zu diesem Essen Geladenen beschäftigte, Kontur zu geben. Es ging nicht darum, daß die Frau ihren Ehemann wegen des anderen Mannes verlassen wollte, soviel jedenfalls ahnte ich. Ich war mir dessen sicher, auch wenn der Schreibende auf dem Sofa tatsächlich der Liebhaber der Frau mit den aschblonden Haaren sein sollte. Ich wußte, daß es auf dieser Party so einiges an Liebeleien und Affären geben mußte, so wie in jedem Raum, der angefüllt ist mit lebhaften und einnehmend herausgeputzten Leuten — Freunden, Kollegen, Verwandten. Doch dies trieb die Gäste an dem Abend keineswegs um, obwohl man gerade so etwas erwartet, wenn man auf eine Geschichte über eine Frau und einen Mann oder eine Frau und zwei Männer vorbereitet worden ist. Ich hörte: Aber ihre Pflicht liegt hier. Das ist unverantwortlich und ohne jede … und: Aber er hat ihn aufgefordert, es zu tun. Es ist richtig, daß er … und: Aber jeder edle Gedanke erscheint wie Torheit. Schließlich ist sie … und, entschieden: Möge Gott sie in seine Obhut nehmen, letzteres geäußert von einer älteren Frau mit einem malvenfarbenen Samthut, die sich anschließend bekreuzigte. Kaum die Art, wie Leute eine Liebesaffäre erörtern. Dennoch trug das alles, wie manche Liebesaffäre, den Stempel der Verwegenheit und schien in gleichem Maße Kritiker wie Wohlmeinende auf den Plan zu rufen. Und während die Geschichte sich anfangs nur um die Frau und den Mann (Maryna, Bogdan) oder die Frau und die zwei Männer (Maryna, Bogdan, Ryszard) zu drehen schien, schloß sie zuweilen auch noch mehr als die zwei beziehungsweise drei ein, denn ich hörte einige der in dem Raum stehenden Gäste, in der einen Hand das Glas Glühwein und mit der anderen gestikulierend, wir (und nicht nur sie) sagen, und nach und nach hörte ich auch andere Namen, Barbara und Aleksander und Julian und Wanda, die offenbar nicht zu den rechtenden Umstehenden gehörten, sondern Teil der Geschichte, gar Mitverschwörer waren. Vielleicht ging ich doch zu schnell vor. Aber Verschwörung hin oder her, der Gedanke an eine Verschwörung kam mir ganz von allein, denn diese Leute hatten bei all ihrem selbstsicheren Auftreten und dem sie umgebenden Komfort nichts Besseres fertiggebracht, als in einem Land geboren zu werden, das jahrzehntelang den unterschiedlich rachsüchtigen Dekreten einer dreifachen ausländischen Besatzungsmacht unterworfen war, so daß dort so manche gewöhnliche Handlung, womit ich das meine, was die Menschen in meinem Land als eine gewöhnliche Ausübung der Freiheit bezeichnen würden, den Charakter einer Verschwörung gehabt hätte. Und selbst wenn das, was sie getan hatten oder vorhatten, sich als legal erwies, hatte ich dennoch in Erfahrung bringen können, daß andere, und zwar mehr als nur ein paar, in dieser Geschichte von der Frau und dem Mann oder der Frau und den zwei Männern (Sie kennen ihre Namen), einschließlich einiger derjenigen, die hier in der Nähe weiterhin darüber stritten, ob es »richtig« oder »falsch« war, eine Rolle spielten. Ich weiß nicht, warum ich diese Wörter in Anführungszeichen gesetzt habe, jedenfalls nicht nur, weil ich gehört habe, wie diese Wörter erwähnt wurden; wohl auch, weil in der Zeit, in der ich lebe, diese Wörter längst nicht so zuversichtlich, sondern manchmal sogar entschuldigend verwendet werden, wenn man nicht gerade ein selbstgefälliger Eiferer oder todbringender Rächer ist, wohingegen ein Großteil der Faszination dieser Menschen wie auch ihrer Zeit darin liegt, daß sie wußten oder zu wissen glaubten, was »richtig« und »falsch« war. Ja, ohne ihr »richtig« und »falsch«, ihr »gut« und »schlecht« wären sie sich ganz nackt vorgekommen — Wörter, die in meiner Zeit ein elegisches, tristes Dasein fristen, ebenso wie ihre mittlerweile völlig diskreditierten Wörter »zivilisiert« und »barbarisch«, »edel« und »vulgär«, ihre heute unverständlichen Begriffe »selbstlos« und »selbstsüchtig« — verzeihen Sie die Anführungszeichen (ich höre bald auf damit), ich wollte diesen Wörtern hier nur ihre angemessene, pointierte Betonung geben. Und dann überlegte ich mir auch, daß dies meine Anwesenheit in diesem Raum erklären könnte, teilweise jedenfalls. Denn mich bewegte die Art, wie sie über diese Wörter verfügten und sich von ihnen zu Handlungen verpflichtet sahen. Ich hörte nur Leidenschaft und Aufrichtigkeit in ihrem leise geäußerten sollen wir, sie sollen nicht, wie kann er nur, wie kann sie nur, wie können sie nur, wäre ich an ihrer Stelle, das gibt ihr trotzdem nicht das Recht, aber die Ehre verlangt … Die Wiederholung gefiel mir. Darf ich sagen, daß ich mich eins mit ihnen fühlte? Beinahe. Diese gefürchteten Wörter, gefürchtet von anderen (nicht von mir), erschienen mir wie Liebkosungen. Angenehm betäubt, fühlte ich mich von ihrer Musik mitgetragen … bis ich einen kahlköpfigen Mann mit einem kleinen Spitzbart mit mehr Schärfe, als ich bis dahin registriert hatte, sagen hörte: Natürlich können sie es, wenn sie es will. Er ist doch reich. Das war eine Dosis Wirklichkeit. Was sie da auch erörterten, es erforderte offenbar Geld, viel Geld. Des weiteren schien es auch mehr als möglich, daß keiner hier so richtig reich war, auch wenn einer von ihnen einen Titel hatte, der Mann, den ich ihr als Ehemann zugewiesen hatte, und ein jeder Zeichen eines konventionellen Wohlstands zur Schau trug. Weitere Hinweise auf ihren Status: daß Bruchstücke ihrer Unterhaltung regelmäßig in der einen Fremdsprache zu mir drangen, die ich gut spreche. Denn ich wußte, daß zu jener Zeit in ihrem Teil der Welt die Oberschicht wie auch Angehörige der freien Berufe häufig in der Sprache des respektheischenden fernen Frankreichs plauderten. Und gerade als ich feststellte, was für eine Erleichterung es war, hin und wieder Französisch zu vernehmen, hörte ich die Frau mit den aschblonden Haaren, meine Maryna, ausrufen: Ach, reden wir doch nicht mehr Französisch! Was schade war, denn sie sprach das volltönendste Französisch von allen. Sie hatte eine tiefe Stimme, die wunderbar auf den Auslauten ruhte. Und sie bewegte sich beim Sprechen in einem anderen Rhythmus als die anderen: mit einer Pause am Ende einer jeden flüssigen Geste, jeder flinken Drehung ihres nicht mehr schlanken Körpers, wenn sie, wie um deren Huldigung zu empfangen, von einem Grüppchen zum anderen schritt. Manchmal jedoch wirkte sie gereizt. Und manchmal, das sah ich, ich weiß nicht, ob es auch noch andere sahen, wirkte sie nur müde. Ich überlegte, ob sie in letzter Zeit krank gewesen war. Sie lächelte nicht oft, nur den kleinen Jungen lächelte sie immer wieder an, ich habe nicht erwähnt, daß auch ein Kind in dem Raum war, mit dem Blick eines Erwachsenen und Haar, das aussah wie mit Mehl bestäubt, ein Kind, das vermutlich Marynas Sohn war. Er sah ihr so ähnlich und hatte nichts von dem Mann an sich, den ich als ihren Ehemann gewählt hatte, jenen, den ich Bogdan genannt habe, so daß ich mich fragte, ob ich den Richtigen ausgewählt hatte. Doch es kommt oft vor, daß jemand als Kind dem einen Elternteil ähnlich sieht und als Erwachsener dann dem anderen ebenso ausschließlich gleicht, statt eine einzigartige, glückliche Mischung aus beider Zügen an den Tag zu legen. Der kleine Junge versuchte, Maryna auf sich aufmerksam zu machen.

Wo war sein Kindermädchen? War er nicht noch spät auf für ein Kind seines Alters — er war ungefähr sieben? Diese Fragen erinnerten mich daran, wie verhüllt mein Bild von ihrem Leben außerhalb dieses großen, kühlen Raumes doch war. Wenn ich sie so auf einer Gesellschaft beobachtete, wo sie sich mehr oder weniger gut benahmen und auf reizvolle Weise aufmerksam und geistig wach waren, konnte ich beispielsweise nicht wissen, ob der Abend für Ehemänner und Ehefrauen in einem geräumigen Bett enden würde, in zwei zusammengeschobenen Betten oder in zwei Betten, die ein mit einem Teppich ausgelegter Graben oder eine geschlossene Tür trennte. Meine Vermutung war, wenn es denn etwas zu vermuten gab, daß Maryna, dem Brauch seiner, aber nicht ihrer Familie folgend, das Schlafzimmer nicht mit Bogdan teilte. Und noch immer war ich außerstande, die Tat oder das Projekt, dessen Richtigkeit oder Falschheit die Gäste erörterten, zu benennen, so glaubte ich jedenfalls, selbst als nun eine Vielzahl von neuen Hinweisen auf mich einstürmte — jetzt waren sie zu schnell —, die ich ebenfalls in Anführungszeichen setzen möchte, aber nur, um sie in Erinnerung zu behalten. Wörter wie »ihr Publikum im Stich lassen« und »nationales Symbol« und »Nervenkrise« und »etwas Unwiderrufliches« und »edle Wilde« und »Nipu«. Ja, Nipu. Zufällig hatte ich einmal das Buch mit dem Titel Die Begebenheiten des Nikołaj Doświadczyński (in französischer Übersetzung) gelesen, das den Aufenthalt von »Nikolaus Weisheit« in einer idealen, gänzlich isolierten Gemeinschaft beschreibt, und zwar auf einer Insel namens Nipu. Doch ich hätte nicht erwartet, daß jemand hier diesen Klassiker ihrer Nationalliteratur erwähnte, der genau ein Jahrhundert vor der Zeit geschrieben wurde, als die Gäste in dem separaten Speisesaal des Hotels zusammenkamen und ich über sie nachdachte. Die kunstlose Schilderung des Lebens in einer vollkommenen Gesellschaft, beeinflußt von Voltaire wie auch von Rousseau, reflektierte sämtliche wunderlichen Illusionen einer vergangenen Zeit. Bestimmt empfänden sich diese Leute als weit entfernt von solch aufgeklärten Ansichten. Die Geschichte ihres gnadenlos aufgeteilten Landes hätte sie wohl, so dachte ich, gegen jeden Glauben an die Perfektionierbarkeit des Menschen oder an eine ideale Gesellschaft immunisiert. (Und auf immer von jener anderen mächtigen Illusion geheilt: Wie ihr größter Dichter einst erklärte, hatte die bittere Erfahrung sein Land gelehrt, daß »das Wort ›Europa‹ keinen politischen Wert hat. Diese Nation, von einem übermächtigen Feind angegriffen, hatte sämtliche Bücher, sämtliche Zeitungen, sämtliche beredten Zungen Europas auf seiner Seite; und diese ganze Armee von Wörtern vollbrachte keine einzige Tat.«) Doch da waren sie in diesem prächtigen Raum mit den Balken an der Decke und den Perserteppichen, mitten im Herzen dieser großartigen alten Stadt, und sprachen von Nipu, jenem kargen Modell für ein einfaches, von allem Tand befreites Leben in vollkommener ländlicher Harmonie. Ich fragte mich schon, ob ich in einen Zirkel verspäteter Romantiker geraten war (das romantische Zeitalter war ja längst vorbei), und machte mir Sorgen um sie, um die Illusionen, die sie vielleicht immer noch hegten. Aber wahrscheinlich waren sie einfach nur Patrioten von einem ungewöhnlich hochtrabenden Schlag. Vielleicht sollte ich noch erwähnen, daß ich mehrmals das Wort Heimat gehört hatte, aber kein einziges Mal der Christus unter den Nationen — wie die Patrioten jener Zeit ihr gemartertes Land gern nannten. Ich wußte, daß die Erinnerung an das Unrecht jede Empfindung dieser Leute färbte, deren Land von der Karte Europas verschwunden war. Entsetzt über die tödliche Zunahme nationalistischer und tribalistischer Gefühle in meiner Zeit, insbesondere (man kann immer nur an einem Ort zu einer Zeit sein) über das Schicksal einer bestimmten kleinen europäischen Nation, die durch Stammesdenken miteinander verflochten war und deshalb ungestraft zerstört wurde, und zwar mit Billigung oder dem stillschweigenden Einverständnis der großen europäischen Mächte (ich hatte fast drei Jahre lang im belagerten Sarajewo gelebt), überlegte ich, ob die nationale Frage und der Verrat, der Betrug Europas ihre Kräfte ebenso wie meine strapaziert hatte. Aber was konnte es bedeuten, daß jemand — es mußte die Frau mit dem aschblonden Haar sein, die Frau, die Maryna zu nennen ich beschlossen hatte — ein nationales Symbol genannt wurde? Wenn ich annahm, daß sie nicht deshalb so besonders wertgeschätzt wurde, weil sie jemandes Tochter oder Witwe war, sondern aufgrund eigener Leistungen, welche mochten diese dann sein? Ich konnte die Geschichte nicht umschreiben: Ich mußte zugeben, daß eine Frau jener Zeit und aus jenem Land, die einer breiten Öffentlichkeit bekannt war und von ihr bewundert wurde, sehr wahrscheinlich auf der Bühne stand. Denn damals — nur acht Jahre nach der Geburt der größten Heldin meiner frühesten Kindheit, Maria Skłodowska, die spätere Madame Curie — stand einer Frau kaum eine andere erstrebenswerte Karriere offen (sie sollte weder Gouvernante, Lehrerin noch Prostituierte sein). Für eine Tänzerin war sie zu alt. Gut, Sängerin hätte sie auch sein können. Aber damals wäre es glanzvoller, patriotischer gewesen, Schauspielerin zu sein — und das war sie, dessen war ich mir sicher. Das würde auch erklären, wie ihr gutes Aussehen anderen als Schönheit vorkam; die gekonnten Gesten, der achtunggebietende Blick; und wie sie zuweilen, ohne daß es ihr zum Nachteil gereichte, vor sich hin grübelte und aufschrak. Ja, sie sah auch aus wie eine Schauspielerin. Und ich sagte mir, ich müsse dem Naheliegenden größeren Raum geben: daß die Menschen zumeist auch danach aussehen, was sie sind. Ich hatte einen anderen Mann beobachtet, beschloß, ihn Henryk zu nennen, ein dünner Mann, der in einem Sessel fläzte und offenbar zuviel getrunken hatte. Mit seinem Ziegenbart, der nachlässigen Haltung und dem melancholischen Blick wirkte er wie der Arzt in einem Stück von Tschechow, was er durchaus auch sein konnte, da es gut möglich war, in jeder kultivierten Entourage jener Zeit einen Arzt anzutreffen. Und wenn meine Maryna tatsächlich Schauspielerin war, konnte ich davon ausgehen, daß auch noch weitere Theaterleute anwesend waren: beispielsweise der männliche Hauptdarsteller in ihrem aktuellen Stück — ich pickte den großgewachsenen bartlosen Mann mit der dröhnenden Stimme heraus, der angefangen hatte, warum, begriff ich nicht, Tadeusz zu piesacken —, wenngleich die Anwesenheit anderer Schauspielerinnen, jedenfalls in Marynas Generation, eher unwahrscheinlich war (sie wären dann Rivalinnen gewesen). Sehr wahrscheinlich würde ich den Generaldirektor des wichtigsten Theaters der Stadt vorfinden, dessen Spielzeit Maryna Jahr für Jahr mit ihren Gastauftritten aufwertete. Und bestimmt würde sie zu ihren Freunden auch einen Theaterkritiker zählen, einen, der zuverlässig die ehrfurchtsvollen Kritiken schrieb, die sie sich verdient hatte (er war ein freundlich abgewiesener Verehrer aus früheren Zeiten). Und wie es einer weltlichen Versammlung geziemt, müßte einer auch Bankier sein, auch ein Richter sollte dabeisein …

Vielleicht ging ich aber zu schnell vor. Ich drehte mich zum Ofen um und legte mit einem tiefen Atemzug die Hände auf die heißen dunkelgrünen Kacheln, obwohl mich nun gar nicht mehr fröstelte, trat dann wieder zum Fenster und starrte in die Dunkelheit hinaus. Der fallende Schnee war mit Hagel durchsetzt; er prasselte gegen die Scheiben. Als ich mich wieder umdrehte, um die Gäste zu betrachten, sagte ein bulliger Mann mit einem Lorgnon gerade: Hören Sie doch. Kaum jemand hörte auf zu reden. Mes enfants, brüllte er, so klingt Hagel. Nicht wie getrocknete Erbsen, die man in eine Kesselpauke wirft! Maryna lächelte. Auch ich lächelte, aber aus einem anderen Grund (es stört mich nicht, recht zu behalten): Ich war also doch unter Theaterleuten. Ich befand, daß dieser Mann Inspizient sein mußte, da er sich über Effekte ärgerte. Und ich taufte ihn Czesław, zu Ehren des Dichters, der mir unter den lebenden der liebste ist. Also auf zum Rest der Besetzung, sagte ich mir mit frischem Selbstvertrauen. Da ich noch keine der anderen Frauen identifiziert hatte, konstatierte ich, daß sechs die Ehefrauen des männlichen Hauptdarstellers, des Theaterdirektors, des Kritikers, des Bankiers, des Richters und des Inspizienten sein konnten. Der zerknautschte Arzt, denn ich glaubte, er sei Arzt, da er wie Astrow aus Onkel Wanja aussah, war bestimmt, so meine Vermutung, nicht nur unverheiratet, sondern auch unheiratbar. (Und auch meinen Ryszard brauchte ich ehelos, damit er desto besser flirten und sich sehnend verzehren konnte, wenngleich ich argwöhnte, daß er sich in fortgeschrittenem Alter nicht nur als der Typ erwiese, der heiratete, sondern der gleich dreimal verheiratet war.) Als ich mich dann wieder den anderen Frauen zuwandte, hielt ich einen Augenblick inne und überlegte, ob ich Maryna nicht falsch eingeschätzt hatte. Wenn sie zu erfolgreich war, um einen ehemaligen Mentor beizubehalten, aber noch nicht alt genug, um sich von den jungen nicht bedroht zu fühlen, konnte sie noch immer eine jüngere Schauspielerin in ihrem Freundeskreis haben; und rasch fand ich sie auch, eine blasse, zarte Frau mit einem großen Medaillon auf dem Busen, die sich immer wieder die rostroten Haare zurückstrich, genau wie Maryna. Ach, und eine der Frauen konnte auch eine Verwandte sein, und wahrhaftig, eine, die Bogdan ähnlich genug sah, um seine Schwester zu sein, unterhielt sich gerade mit dem Arzt, der sich aus seinem Sessel zu ihr hinbeugte; ich glaube, sie hatte gemerkt, daß er ein bißchen betrunken war. Auch fragte ich mich, ob ich einen Juden finden würde, beispielsweise einen junger Maler namens Jakub, unlängst zurückgekehrt nach zwei Jahren in der Gesellschaft kosmopolitischer Künstler in Rom. Aber soweit ich sehen konnte, war nur ein einziger Maler da, und der war kein Jude, sondern hieß Michał: ein rothaariger, steifbeiniger Mann um die Dreißig, der mit achtzehn Jahren während des Aufstands ein Bein verloren hatte. Schließlich (vorläufig) fand ich, daß auf einer Gesellschaft von dieser Größe und Zusammensetzung mindestens zwei Ausländer sein sollten, doch so sorgfältig ich die Gäste auch musterte, ich fand nur den einen, der mir schon aufgefallen war: ein fülliger Mann mit Vollbart und einem Diamanten in der Krawatte, mit dem sich ein paar Leute, die bei einem anderen hohen Fenster standen, auf deutsch unterhalten hatten. Er mochte ein Impresario sein, der kurz davor war, Marynas jungen Protegé für ein paar kleine Rollen nächstes Frühjahr an seinem Theater in Wien zu engagieren. Daß er aus Wien war, schloß ich aus seinem Akzent; mein Gedächtnis hat ein gutes Ohr, obwohl ich Deutsch nie so gut gelernt habe, daß ich es richtig spreche oder verstehe. Natürlich wunderte ich mich nicht darüber, wie ungeheuer sprachmächtig sie alle waren; bis zum heutigen Tag sind die Gebildeten dieses Landes, das erst vor achtzig Jahren wieder auf der Landkarte Europas erschien, bemerkenswert polyglott. Ich dagegen, die ich nur romanische Sprachen verstehe (ich kann ein wenig Deutsch, kenne die Namen von zwanzig Fischarten auf japanisch, habe mir ein bißchen Bosnisch angeeignet und verstehe kaum ein Wort der Sprache des Landes, in dem dieser Raum zu finden ist), ich, wie gesagt, schaffte es irgendwie doch, das meiste zu verstehen, was sie sagten. Dennoch blieb mir weiterhin verborgen, was sie tatsächlich sagten. Denn angenommen, ich hatte recht, ich meine, wer Schauspielerin war und wer Inspizient und so weiter, half es mir doch nicht sonderlich dabei, den Knoten ihres Disputs zu lösen, ob das, was die Frau, Maryna, und der Mann, Bogdan, oder die beiden Männer, Bogdan und Ryszard, taten oder vorhatten, richtig oder falsch war. (Wie Sie sehen, habe ich mich meiner kleinen Krücken, der Anführungszeichen, entledigt.) Doch selbst diejenigen, die es für falsch hielten, schienen ihr Urteil im Falle Marynas zu modifizieren. Es war sonnenklar, wie sehr jedermann sie bewunderte, nicht nur ihr Ehemann und der Mann (Ryszard, möglicherweise auch Tadeusz), der ihr Liebhaber sein mochte oder auch nicht. Ich hatte keinen Zweifel, daß alle Männer und auch einige der Frauen zumindest ein bißchen in Maryna verliebt waren. Doch es war mehr als Liebe, oder weniger. Sie waren von ihr bezaubert. Ich fragte mich, ob auch ich von ihr bezaubert sein könnte, wäre ich eine von ihnen und nicht lediglich jemand, der beobachtete, der versuchte, aus ihnen schlau zu werden. Ich glaubte, Zeit zu haben, für ihre Gefühle, ihre Geschichte und meine eigene. Sie schienen — und ich gelobte, wie sie zu sein, um ihretwillen — unermüdlich. Doch das nahm mir nicht meine Ungeduld. Ich wartete auf rasche Hilfe: darauf, etwas zu hören, einen Satz, der mir den Kern, den Sinn ihres Anliegens eröffnete. Ich fürchtete plötzlich, daß ich vielleicht zu begierig zugehört hatte. Mir kam der Gedanke, daß ich nicht noch angestrengter zuhören, sondern mir das schon Gehörte durch den Kopf gehen lassen sollte. (Das Wort Nervenkrise hatte angefangen, mich zu beschäftigen.) Vielleicht, so dachte ich, sollte ich mich einfach davonmachen. (Und was war mit ihr Publikum im Stich lassen?) Vielleicht konnte ich erst dann verstehen, was sie so erregte, wenn ich nach unten ging, hinaus in den Schneesturm, und eine Weile umherspazierte (oder mich einfach bei den Kutschern, die auf dem Bock kauerten, bei den geduldigen Pferden in einer Schneewehe niederließ). Auch mußte ich zugeben, daß ich mich nach frischer Luft sehnte. Als ich den Raum betreten hatte, schien sich keiner der Gäste an der kühlen Temperatur gestört zu haben, und nun schien es sie nicht zu stören, daß es zu warm war. Die Glocken der nahe gelegenen Kirche schlugen elfmal, und ich hörte das ferne Echo, versetzt synchron, von anderen Kirchen in der Stadt. Eine dicke, rotgesichtige Frau in einer beinahe harmonierenden tomatenroten Schürze erschien mit einem Armvoll Holz, öffnete, mich streifend, die kleine Ofentür und warf das Holz ins Feuer. Ich überlegte, ob das Flammrohr so gut zog, wie es sollte, wußte ich doch, daß ich von den Gasdüsen kaum Besseres erwarten konnte, so unregelmäßig, wie sie damals, vor der Einführung von Naturgas, gespeist wurden, so daß ständig Gas austrat und zischend entwich; doch so zwangsläufig ich, ein Kind von Neon und Halogen, den Anblick der Gasbeleuchtung auch schön fand, war ich doch den beißenden Geruch nicht gewohnt. Und dazu rauchten natürlich auch noch viele Männer. Ryszard, der zur Unterhaltung des schläfrigen Kindes, das ich für Marynas Sohn hielt, Karikaturen der Gäste zeichnete, paffte an einer großen, kunstvoll geschnitzten Meerschaumpfeife — genau der Fetisch, den man von einem unsicheren, ehrgeizigen jungen Mann erwarten konnte. Etliche der älteren Männer hatten sich eine Virginia angesteckt. Und Maryna, die sich inzwischen auf einem geräumigen Ohrensessel niedergelassen hatte, hielt eine lange türkische Zigarette in ihrer trägen Hand — genau die leicht anrüchige Handlung, die einer berühmten Schauspielerin noch gestattet war.

Wenn sie wollte, konnte sie sogar wie George Sand Hosen tragen, und ich konnte sie mir wunderbar als Rosalinde vorstellen; sie würde eine prächtige Rosalinde abgeben, auch wenn sie für die Rolle ein wenig zu alt war, doch das hat noch nie eine berühmte Schauspielerin aufgehalten: Fünfzigjährige haben die Julia gespielt, mit großem Erfolg. Maryna konnte ich mir auch als Nora oder Hedda Gabler vorstellen, immerhin war das die große Zeit Ibsens … aber vielleicht wollte sie Hedda ebensowenig spielen wie Lady Macbeth, was hieße, daß sie gar keine wahrhaft große Schauspielerin war, denn die fürchten sich niemals davor, ein Ungeheuer zu spielen. Ich hoffte, daß Blasiertheit ihr Künstlertum nicht beschädigt hatte. Oder übertriebene Selbstachtung. Sie unterhielt sich mit dem Impresario aus Wien, er lächelte vorsichtig, andere waren hinzugetreten, um zuzuhören. Mein Tadeusz stand nun, nachdem er sich von dem Volksreden haltenden männlichen Hauptdarsteller gelöst hatte — ich hörte noch ihre letzten Worte Reine Tollheit (von seiten des Schauspielers) und Nichts ist unwiderruflich (von seiten Tadeusz’) —, neben Marynas Sessel, die Daumen in den Armlöchern seiner gelben Weste: eine höchst unwertherische Geste, doch wer wollte ihn dafür tadeln, daß er seinem Typus untreu wurde, daß er glücklich war, daß er selbstsicher wurde, nur weil er neben ihr stand. Ryszard, ein wenig weiter weg, hatte sein Notizbuch wieder hervorgezogen. Sie blickte auf und sagte: Was schreiben Sie da? Hastig steckte er das Notizbuch wieder weg und murmelte: Eine Beschreibung von Ihnen. Ich werde sie in einen Roman einarbeiten — er schüttelte den Kopf —, falls ich bei alldem, was wir nun zu tun haben, überhaupt die Zeit finde, einen Roman zu schreiben. Der Mann, den ich zum Theaterkritiker gemacht hatte, versetzte ihm einen Klaps auf den Rücken. Ein weiterer Grund, junger Mann, sich nicht auf diese Torheit einzulassen, sagte er jovial. Doch Maryna hatte schon den Blick gesenkt. Sie hatte sich mit beherrschender Ruhe dem Impresario zugewandt. Ach, das ist keinesfalls gut genug, sagte sie. Zunehmend sah ich die gebieterische Frau, die nicht überzeugen mußte, deren Wort Gesetz war. Ich erinnere mich, wie ich zum erstenmal eine Diva von ganz nah sah; es war vor über dreißig Jahren, ich war neu in New York und bettelarm, als mich ein reicher Verehrer zum Lunch ins Lutèce ausführte, wo, kurz nachdem die ersten Köstlichkeiten auf meinem Teller erschienen waren, meine Aufmerksamkeit von der (wenn ich es mir jetzt überlege) vertraut wirkenden Frau mit hohen Wangenknochen, rabenschwarzem Haar und vollem, rotbemaltem Mund gefesselt wurde, die am Nebentisch mit einem älteren Herrn speiste, zu dem sie laut sagte: »Mr. Bing. [Pause.] Entweder wir machen es so, wie die Callas es will, oder wir machen es gar nicht.« Und der betreffende Mr. Bing verstummte für einige Minuten — so wie auch ich. Nun wußte ich, daß Maryna, meine Maryna, ihre callasähnlichen Momente gehabt haben mußte, wenn sie das war, was ich von ihr annahm, wenngleich vermutlich nicht an dem Abend, wo sie unter Freunden war, wo ihr der Sinn eher nach Beschwatzen stand. Doch ich sah, wie ihre blaugrauen Augen sich vor Ärger weiteten. Wie sie sich danach sehnen mußte, ich glaube, ich lernte sie nun einigermaßen kennen, wie sie sich danach sehnen mußte, sich aus dem Sessel zu erheben, alle vor den Kopf zu stoßen und den Raum zu verlassen. Zu fliehen; einen Abgang zu machen; nicht nur, um etwas frische Luft zu schnappen, wie ich es wollte. Denn ich hätte nichts dagegen gehabt, auf eine Viertelstunde hinauszuwitschen, selbst in den Hagel hinaus — wobei ich normalerweise schon etwas gegen Kälte habe (ich bin in Südarizona und Südkalifornien aufgewachsen). Doch ich wagte es nicht, aus Angst, etwas zu verpassen, was gleich, nachdem ich den Raum verlassen hätte, gesagt worden wäre und alles erklärt hätte. Und wie ich sah, war dies kaum der passende Moment, um auf die verschneite Straße hinauszugehen. Am anderen Ende des langen Tisches machte der Oberkellner Bogdan ein diskretes Zeichen, während die vier Assistenten sich nahezu gleichzeitig vorbeugten, um die vier dreiarmigen Silberkandelaber zu entzünden. Maryna erhob sich, wobei sie mit einer Hand ihr salbeigrünes Kleid vorn glattstrich und mit der anderen ihre Zigarette ausdrückte. Liebe Freunde, begann sie. Sie haben nun so lange gewartet. Sie sind so geduldig gewesen. Sie warf Bogdan einen verschlagenen Blick zu. Ja, sagte er. Er fügte dem ehemännischen Mienenspiel, das sich auf seinem Gesicht zeigte, etwas Träges und auch Zärtliches hinzu und faßte sie am Arm. Wie froh ich war, daß ich mich nicht verzogen hatte, als ich es wollte, sondern auf meinem Posten geblieben war. Ich hoffte, daß sich die mitgehörten Gesprächsfetzen, wenn die Gäste erst einmal beim Essen saßen, zusammenfügen würden und ich endlich dahinterkäme, was sie so beschäftigte. Denn ich hielt es sogar für möglich, daß jeder, der sich nun umwandte, sich erhob, zögerte, sich zu dem langen Tisch am einen Ende des Raumes im ersten Stock (in meinem Land ist es der zweite Stock) des Hotels hinbewegte, in diese Tat oder diesen Plan eingeweiht war, dessen Recht oder Unrecht noch immer erörtert wurde, wobei ich bedachte, daß ungeachtet dessen, wie viele ich letztlich als eingeweiht ausmachen würde, bei allem, was von mindestens zwei Menschen unternommen wird, eine Person mehr Verantwortung trägt als die andere (wobei niemand ganz ohne Verantwortung ist; wo Einvernehmen ist, ist auch Verantwortung), und bei rund zwanzig — ich hatte sogar gezählt, es waren siebenundzwanzig Personen in dem Raum — hätte nicht nur einer mehr Verantwortung als die anderen, sondern wäre einer auch am Ruder, wie sehr diese Person, wenn sie eine Frau war, zu jener Zeit vermutlich die Bezeichnung Anführer zurückgewiesen hätte. Gleichwohl bleibt zu klären, warum jemand einem anderen folgt. Oder, was ebenso rätselhaft ist, warum sich jemand zu folgen weigert. (Schreiben fühlt sich an wie folgen und führen, beides zugleich.) Ich beobachtete, wie alle der lang erwarteten Aufforderung nachkamen, sich zu setzen und sich aufwarten zu lassen. Es störte mich nicht, einfach zuzuschauen und zuzuhören, das stört mich nie, schon gar nicht auf einer Gesellschaft; auch wenn ich bereits glaubte, daß die Gäste auf dieser Gesellschaft, hätten sie meine Anwesenheit wahrnehmen können, das Eindringen einer so exotischen Fremden, einen Platz am Tisch für mich hätten herrichten lassen. (Daß man mich auf die verschneite Straße hinausschicken könnte, kam mir nicht in den Sinn.) Uneingeladen, ungesehen konnte ich sie betrachten, solange ich wollte, sie sogar anstarren: ein ungehöriges Benehmen, das ich zumeist nicht an den Tag legen kann, weil es sehr wahrscheinlich dazu führt, daß man seinerseits angestarrt wird. Als Kind wünschte ich mir wie viele einsame Kinder häufig, unsichtbar zu sein, um desto besser beobachten zu können — ich meine, nicht selbst beobachtet zu werden. Aber manchmal tat ich auch, als könnte ich gar nicht sehen. Als ich etwa dreizehn war und nachdem die Familie ihre bescheidenen Zelte abgebrochen hatte und von Tucson nach Los Angeles gezogen war, gehörte es zu meinen Lieblingsspielen, wie ich mich erinnere, in dem neuen Haus, wenn ich allein oder unbeobachtet war, mit geschlossenen Augen umherzugehen. (Mein denkwürdigster Ausflug in die Blindheit fand statt, als ich mitten in der Nacht zur Toilette unterwegs war und plötzlich die Erde bebte.) Ich mag es, wenn ich ganz auf mich selbst angewiesen bin. Wenn ich einfach nur mit etwas zurechtkommen muß. Wird aber auch Zeit, brummelte der Richter gereizt, zu seiner Frau gewandt. Sie lächelte und legte zwei Finger auf die Lippen. Gibt es auch Eis? fragte der kleine Junge. Die Gäste näherten sich dem Tisch, allen voran Ryszard in ungeduldiger Erwartung, wie nahe er an Maryna plaziert worden war, dicht gefolgt von Tadeusz, doch es war Ryszard, der seine Schritte beschleunigte und den Tisch als erster erreichte. Ich sah, wie er nach seiner Tischkarte Ausschau hielt, und sein Grinsen sagte mir, daß er nicht unzufrieden war. Kaum hatten die Gäste alle Platz genommen, begann der Trupp der Kellner, noch während sie ihre gestärkten, aufrecht stehenden Servietten auseinanderfalteten, die Köstlichkeiten des ersten Ganges zu verteilen. Auch ich war hinzugetreten und saß nun mit übereinandergeschlagenen Beinen in der Laibung eines hohen Fensters am Ende des Raumes, und während ich versuchte, ein paar erste Worte am Tisch zu erhaschen, mußte ich einige Wörter in meinem Kopf zum Schweigen bringen: »Suppe vom Damhirsch«, »Karpfen à la juive«, »Scholle au gratin«, »Keilerbraten in Kirschsauce«… die Anführungszeichen sollen nur kennzeichnen, was jetzt zu beschreiben mir die Geduld fehlt; wenn ich erst die Geschichte verstanden hätte, dachte ich, hätte ich Zeit genug zum Beschreiben. Obwohl ich wußte, daß man sie hatte warten lassen (und, auf andere Weise, auch mich), war ich doch ein wenig überrascht, daß jedermann so ohne weiteres Aufhebens zulangte. Hatte ich ein Tischgebet erwartet? Wohl schon. Und tatsächlich, eine Person, Bogdans farblose Schwester, murmelte längere Zeit vor sich hin, bevor sie die Gabel hob; bestimmt sprach sie ein Gebet. Obwohl ich hoffte, daß sie des Streitens nicht müde geworden wären, schien jeder fürs erste durch das üppige Mahl abgelenkt. Vor mir entfaltete sich nun die ganze Skala des Eßverhaltens, von geziert bis wölfisch, durchsetzt mit farbigen Bemerkungen über das Essen und sogar den Schneesturm. Meine Güte, doch nicht übers Wetter! Kommt zurück, edle Idealisten, die ich aus der Vergangenheit heraufbeschworen habe. Allerdings widmete sich nicht jeder nur dem Verzehr. Der Arzt zog, wie ich sah, den Champagner und den ungarischen Wein dem zweiten Gang bei weitem vor. (»Truthahn mit Walnußfüllung«, »gebackene Birkhühner und Rebhühner«…) Und die junge Schauspielerin, die den Blick nie von Marynas perlmuttfarbenem, faltenlosem Gesicht wandte, kaute in Zeitlupe; kaum etwas fehlte auf ihrem Teller. Wie ihr, wie den meisten Gästen, fiel es mir schwer, Maryna nicht im Zentrum meiner Aufmerksamkeit zu halten. Ich fragte mich, wie alt sie wohl in Wirklichkeit war; schließlich war sie Schauspielerin. Spielte sich dies alles heute ab, ich hätte sie auf Mitte Vierzig geschätzt (der üppige Busen, die schwere Kieferpartie, die wohlbedachten Bewegungen, das unförmige Kleid). Doch da ich wußte, daß damals auch die Begüterten schneller alterten und alle, die nicht arm waren, nach unserem Maßstab übergewichtig waren, gab ich ihr höchstens Fünfunddreißig. Ich habe nicht erwähnt, daß ich mich die ganze Zeit mit dem mutmaßlichen Alter eines jeden im Raum beschäftigt hatte: Ryszard mußte, da er wie weit über dreißig wirkte, fünfundzwanzig sein, und so weiter. Auf meiner Reise in die Vergangenheit rechnete ich auch mit einigen Enttäuschungen (der aufragende, das Feuer verbergende Ofen statt eines hüfthohen prasselnden Kamins) und ein paar Korrekturen (um das Alter eines oder einer jeden über Mitte Zwanzig zu schätzen, ziehe zehn Jahre ab) wie auch den naheliegenden Kompensationen und Erhellungen. Das Gespräch war von Nettigkeiten über das Essen zu Lobeshymnen auf Marynas Vorstellung an dem Abend fortgeschritten. Sie nahm die Komplimente mit einer Bescheidenheit entgegen, die ebenso unerbittlich wie charmant wirkte. Es war einfach großartig, sagte Ryszard, das Gesicht glühend vor Bewunderung. Sie haben sich wirklich selbst übertroffen, wenn so etwas überhaupt möglich ist, sagte der junge Maler. Das tut sie doch immer, sagte der männliche Hauptdarsteller huldvoll, tadelnd. Maryna distanzierte sich von all dem feuchten Appetit, saß nahezu reglos da, schien kaum zu atmen, ein Kambriktuch an der linken Wange. È sempre brava, vertraute der Arzt dem verblüfften Kellner an, der gerade sein Glas auffüllte. Nachdem die Stimmen eine Weile verstummt waren und man sich wieder konzentrierter dem Essen zugewandt hatte — natürlich hoffte ich auf etwas anderes —, erhob sich unsicher der Kritiker, einen Wodka in der Hand. Auf Sie, Madame. Alle außer Maryna hoben das Glas. Auf den Triumph dieses Abends. Der Arzt führte sein Glas zum Mund. Halt, nicht so schnell, Henryk, rief der Kritiker mit gespielter Strenge. Sehen Sie denn nicht, daß ich noch nicht fertig bin? Stöhnend senkte der Arzt wieder den Arm. Der Kritiker räusperte sich und deklamierte sodann: Und auf jene erhabene und patriotische Kunst, welche Sie mit Ihrer Schönheit und Ihrem Genie ehren. Auf das Theater. Maryna nickte ihm und den anderen zu, schürzte die Lippen und flüsterte dem Impresario, der zu ihrer Rechten saß, etwas ins Ohr. Das ist ungerecht, das war nicht ein Toast, sondern drei, sagte der Arzt heiter. Drei Toasts, drei Infusionen dieses hervorragenden Wodkas! Er winkte einen der Kellner zu sich. Nicht, liebe Maryna, daß ich mich den soeben geäußerten Ansichten nicht aus vollem Herzen anschlösse, sagte er, während sein Glas erneut gefüllt wurde. Dann hob er es wieder: Auf Ihre morgige Vorstellung. Und er leerte das Glas. Als nächster erhob sich Bogdan am anderen Ende des Tisches. Da ich unseren durstigen Freund nicht quälen will, sagte er, werde ich mich auf einen Toast beschränken. Und der lautet — das Glas in der Luft: Auf die Freundschaft. Hört, hört, rief Ryszard. Jawohl, sagte Bogdan, und auf unsere Sodalität. Sodalität, dachte ich. Was bedeutet das denn? Da, er tut’s ja auch, schrie der Arzt; er hielt schon das Glas am Mund und trank so gierig, daß etwas von dem Wodka auf sein Leinenhemd floß. Er kann eben nicht anders, rief der Richter lachend aus. Wer, ich? sagte der Arzt und wischte sich den Mund ab. Alle außer Maryna und Bogdan lachten. Ich meine, fuhr Bogdan feierlich fort, auf das, was wir gemeinsam erreichen können. Applaus. Hört, hört, sagte Tadeusz. Ich bin bereit. Verlegenes Schweigen, während sich alle Maryna zuwandten. Sie griff nach ihrem Glas und drückte es sich an die Stirn. Dann hob sie es, ohne aufzustehen, über den Kopf. Ich habe wirklich nur einen Toast für Sie, nicht drei, die vorgeben, einer zu sein. Sie lächelte Bogdan freundlich zu. Ich trinke auf eines … was dreigeteilt ist. Das eines Tages eins sein wird. Dramatische Pause. Auf unsere Heimat. Alles brach in Applaus aus. Brava, sagte der Maler. Durchweg Trinksprüche, die der Menge gefielen — deren Wirkung anscheinend hauptsächlich war, alle in Melancholie zu tauchen. Der kleine Junge (Piotr? Roman?) verließ seinen Stuhl, um auf Zehenspitzen zu Maryna zu schleichen und ihr etwas ins Ohr zu flüstern, was ich nicht hören konnte. Sie schüttelte den Kopf, wirkte (ich muß es leider berichten) ein wenig ungehalten, worauf er zu seinem Platz neben Bogdans Schwester zurückkehrte, ihr auf den Schoß kletterte und an ihrem Hals einschlief. Von dem darauffolgenden Gesprächsgewirr verstand ich nicht viel. Ich wünschte, ich könnte sagen, mir war nur nach Grübeln zumute und hatte daher die Augen geschlossen, um die nächste Sprosse im Dunkeln zu ersteigen. Sie haben mich sehr zum Nachdenken gebracht, sagte eine bedrückte Stimme. Natürlich möchte ich meinen Horizont erweitern, sagte eine muntere Stimme. Keine Bedenken, wirklich keine? fragte eine eifernde, selbstbewußte Stimme. Wie ich Sie bewundere, sagte eine traurige Stimme. Unwiderruflich, hörte ich wieder. Und schlug die Augen auf. Das hätte der Arzt sein können, der den Kopf in den Händen vergraben hatte. Hatte ich etwas verpaßt? Lächerliche Gedanken bedrängten mich. Als ich jemanden gerade noch sagen hörte (mehr konnte ich mir nicht merken) … zusammen mit meinem Milchbruder Marek, deren Sohn, und den Sprecher als den Mann mit den rundlichen, unrasierten Wangen identifizierte, der neben der Bankiersfrau saß, dachte ich: Was für ein gieriger Säugling du doch an der Brust dieser Bäuerin gewesen sein mußt! Das Essen schien mir unendlich lang zu dauern, und ich hatte nicht versucht, mit der Abfolge der Speisen Schritt zu halten, da ich davon ausging, daß es à la française war, ein Mahl in drei Akten, und daß ich, wann immer ich wollte, eine der handgeschriebenen kleinen Speisekarten einsehen konnte, die, wie Theaterprogramme, zu jedem Gedeck gereicht wurden, um zu sehen, wieviel noch kam. Als habe er meine Gedanken gelesen, obwohl ich ja da war, um die seinen zu lesen, murmelte Bogdan: So brauchen wir nicht zu essen. Für mich zumindest wäre ein einfaches Mahl völlig ausreichend. Ich hoffte, sie näherten sich nun dem Dessert. Bogdan hatte Messer und Gabel niedergelegt. Quo vadis? sagte der Richter. Wohin gehst du? Ryszard lächelte und zog sein Notizheft hervor. Wohin, ja. Und wie, sagte der Bankier. Alles will sorgfältig überlegt sein. Kein Grund zur Eile. Es entstand eine Stille, als überlege jeder tatsächlich. Dann hörte ich in einer Art Singsang ungefähr das folgende:

Von den Bergen mit den schweren, schaurigen Kreuzen

Sahn in der Ferne sie das Gelobte Land.

Sahn das blaue Licht dort im Tal,

Dem ihr Stamm entgegenschritt —

von der älteren Frau mit dem malvenfarbenen Hut. Wir brauchen ein Klavier, fiel der Inspizient ein. Ich kann dieses Gedicht nur noch in der Vertonung Chopins hören. Die ältere Frau, ich war noch immer unschlüssig, ob sie nun die Ehefrau von jemandem oder eine unverheiratete Tante war, vielleicht Bogdans, sah beleidigt drein. Bitte fahren Sie fort, sagte die junge Schauspielerin, Krystyna, ich vergaß zu erwähnen, daß ich ihren Namen herausbekommen hatte. Ebendas wollte ich tun, sagte die ältere Frau schroff. Wie geht es? rief der Maler aus. Wie es geht? Das wissen Sie doch sehr gut. Und er fuhr in seinem wohltönenden Bariton fort:

Und dennoch werden sie niemals ans Ziel gelangen!

Niemals die Speise des Lebens empfangen,

Und vielleicht vergessen sein, vergessen, vergessen.

Er hatte eine schöne Sprechtechnik. Genau, sagte die ältere Frau. Dann geschah etwas, was reichlich verwirrend war. Maryna hob die Arme und deklamierte in ihrem warmen Alt:

Wie hin zum Sandstrand Welle eilt um Welle,

So drängen hin zum Ende die Minuten,

Die eine treibt die andre von der Stelle,

In stetem Eifer alle vorwärtsfluten.

Und für kurze Zeit merkte ich gar nicht, daß sie es auf englisch vortrug. Ich kann nicht sagen, was ich anfangs zu hören glaubte, da mich keine in dieser Runde gesprochene Sprache überrascht hätte (keine außer der russischen, der Sprache des verhaßtesten der drei Unterdrücker dieses Landes). Eine weitere Fremdsprache, die ich nicht kenne, die ich an dem Abend aber irgendwie verstand? Unterdessen hatte die junge Schauspielerin mit dem folgenden angehoben:

Ersinne nur mit mir, wie wir entfliehn,

Wohin wir gehn und was wir mit uns nehmen;

Und suche nicht die Last auf dich zu ziehn,

Dein Leid zu tragen und mich auszuschließen.

Bei diesem Himmel, bleich von unserm Gram,

Sag’, was du willst, ich gehe doch mit dir.

Ihre schimmernde Stimme zitterte, brach ab. Wäre man mit Wie es euch gefällt vertraut, dann hätte man die Zeilen erkannt — natürlich wäre sie neben Marynas Rosalinde die Celia —, obwohl sie kaum verständlich waren, da ihr Akzent noch stärker als Marynas war. Sie, Maryna, machte kein erfreutes Gesicht. Ich habe Shakespeares herrliches Englisch verhunzt, hörte ich sie zu dem Theaterkritiker sagen, der zu ihrer Linken saß. Überhaupt nicht, rief er aus, Sie haben es schön gesagt. Nein, erwiderte Maryna scharf. Und das hatte sie auch wirklich nicht. Ich hoffte, sie würden besser Englisch sprechen, wenn sie mehr Übung bekämen, und das wäre wohl der Fall, wenn ich denn etwas von dem, was da erörtert wurde, richtig verstanden hatte. Zweifellos werden sie Englisch weiterhin mit einem Akzent sprechen, wie ja viele in meinem Land, wie auch meine Urgroßeltern (mütterlicherseits) und meine Großeltern (väterlicherseits); deren Kinder natürlich nicht. Denn es sollte erwähnt werden, warum nicht gleich hier, daß meine vier Großeltern alle in diesem Land geboren worden waren (mithin in einem Land, das rund achtzig Jahre davor aufgehört hatte zu existieren), ja, genau um dieses Jahr herum geboren, in das ich im Geiste gereist war, um in diesem Raum mit seinen altertümlichen Gesprächen anwesend zu sein, wenngleich die Leute, die das Paar zeugten, das mich zeugte, ganz anders als die Leute hier waren, nämlich arme, weltfremde Dörfler mit Berufen wie Hausierer, Gastwirt, Holzfäller, Talmud-Schüler. In der Annahme, daß niemand hier Jude war, hoffte ich, und das war ein neuer Gedanke, daß ich von keinem einen antisemitischen Ausspruch hören würde; das geschah nicht, und irgendwie spürte ich instinktiv, daß sie, wenn überhaupt, Philosemiten waren. Daß es sich um das Land handelte, aus dem meine Vorfahren in einem überfüllten Zwischendeck auszuwandern beschlossen hatten, verbindet mich mit diesen Leuten kaum, wenngleich durchaus denkbar ist, daß dies den Namen dieses Landes für mich zum Klingen bringen, mich eher zu einem Raum hier als anderswo ziehen würde; nachdem ich vergeblich versucht hatte, den Speisesaal eines Hotels aus derselben Zeit in Sarajewo zu evozieren, mußte ich mich damit, wo ich gelandet war, zufriedengeben. Doch die Vergangenheit ist das größte Land überhaupt, und es gibt einen Grund dafür, daß man sich dem Wunsch beugt, eine Geschichte in der Vergangenheit anzusiedeln: Nahezu alles Gute scheint in der Vergangenheit zu liegen, vielleicht ist das ja eine Illusion, aber ich empfinde Sehnsucht nach jeder Zeit vor meiner Geburt; und man ist von modernen Befangenheiten freier, vielleicht weil man für die Vergangenheit keine Verantwortung trägt, manchmal schäme ich mich einfach für die Zeit, in der ich lebe. Und diese Vergangenheit wird auch die Gegenwart sein, denn ich selbst war ja in dem privaten Speisesaal des Hotels und streute die Samen der Prophezeiung aus. Ich gehörte da nicht hin, ich war ein fremdes Wesen, ich mußte mich sehr nahe hinbeugen, um etwas zu hören, und ich verstand nicht alles, aber selbst das, was ich falsch verstand, war eine Art Wahrheit, wenn auch nicht über die Zeit, in der ihre Geschichte stattfand, sondern über die, in der ich lebe. Wir müssen immer mehr von uns verlangen, hörte ich Maryna streng sagen. Immer. Oder spreche ich nur für mich selbst? Ah, das war ein liebenswerter Ton. Ich habe eine Schwäche für das Ernste, das Anstrengende. Wenn ich mir Maryna als Romanfigur vorstellte, hätte es mir gefallen, wenn sie etwas von Dorothea Brooke gehabt hätte (ich erinnere mich noch, wie ich zum erstenmal Middlemarch las: Ich war gerade achtzehn geworden, und nach einem Drittel des Buches brach ich in Tränen aus, weil ich nicht nur erkannte, daß ich Dorothea war, sondern daß ich auch noch wenige Monate zuvor Mr. Casaubon geheiratet hatte), doch diese Frau mit den aschblonden Haaren und den offenen, ausdrucksvollen blaugrauen Augen hatte, soviel sah ich, nichts Unterwürfiges oder Zurückhaltendes. Sie würde für andere Gutes tun wollen, sich aber niemals dazu verleiten lassen, sich darüber selbst zu vergessen. Für eine, die den Ehrgeiz hatte, zum Theater zu gehen, war das Frausein kein Hindernis: Ihr Leben war voller Rivalität gewesen, und sie hatte gesiegt. Aber ich glaubte, ich könnte mich mit einem gerüttelt Maß an Eitelkeit und Selbstsucht abfinden, solange sie sich nur das Verlangen, sich zu bessern, bewahrte, und das würde sie wohl auch, dachte ich, als ich den Kontrast zwischen dem ungeduldigen, übertrieben aufmerksamen Ausdruck in ihrem Gesicht und ihrer eigentümlichen Art, sich sehr, sehr ruhig zu verhalten, studierte. Ein seltsamer Gedanke, daß jemand mich, behaglich eingerichtet in der tiefen Fensternische, beschrieben haben könnte, so wie ich sie gerade beschreibe. Tatsächlich bin ich ziemlich impulsiv (ich heiratete Mr. Casau-bon zehn Tage nachdem ich ihn kennengelernt hatte) und finde Gefallen daran, Risiken einzugehen, allerdings neige ich auch zu dem endlos sich hinziehenden Hin und Her, das Pflichtbewußtsein mit sich bringt (es dauerte neun Jahre, bis ich beschlossen hatte, daß ich das Recht besaß, das moralische Recht, mich von Mr. Casaubon scheiden zu lassen), es fiel mir daher leicht, nachsichtig gegenüber diesen Leuten zu sein, die da in ihrem Diner, in ihrer Debatte darüber, was einige von ihnen tun würden, wie in einem Sumpf steckten, leicht auch, mich von ihnen irritieren zu lassen. Keiner wurde rappelig. Ich hatte kein Gefummel unterm Tisch wahrgenommen. Keiner hatte in seinem Eifer nachgelassen, bis auf den kleinen Jungen natürlich, der sich auf dem Schoß einer anderen Frau zusammengerollt hatte und sich die Augen rieb, anstatt zu Hause im Bett zu liegen. Er war bestimmt ein Einzelkind, seine Mutter wollte ihn heute abend sicher in der Nähe haben, auch wenn ich während der vergangenen zwei Stunden an dem Tisch nicht gesehen hatte, daß sie sich ihm auch nur ein einziges Mal zugewandt hätte. Trotz all ihrer heftigen Gemütsbewegung bei dem Thema, das sie beschäftigte, erschienen sie mir doch ein wenig zu gefaßt. Welchem Umstand konnte ich ihre Unbeweglichkeit zuschreiben? Dem verkochten Essen, das weiterhin auf den Tisch gestellt wurde? Der ewigen Ineffizienz der denkenden Klasse? Der Schwerfälligkeit des ausgehenden neunzehnten Jahrhunderts? Meinem eigenen Widerstreben, mir etwas Lebendigeres vorzustellen? Sicher, es war noch Zeit, daß etwas wirklich Aufregendes geschah. Jemand konnte einen Herzanfall bekommen, einem Tischgenossen den Schädel einschlagen oder schluchzen oder stöhnen oder ein Glas Wein in ein anstößiges Gesicht schleudern. Doch das erschien mir ebenso unwahrscheinlich, wie wenn ich von meinem Fensterplatz aufspringen würde, um auf dem Tisch zu tanzen, in die Suppe zu spucken, ein Knie zu streicheln oder jemandem in den Knöchel zu beißen. Feuchte Gedanken: Ich brauchte Luft. Auf Bogdans Zeichen hin öffnete einer der Kellner das Fenster am anderen Ende des Raumes, wo ich mich bei meinem Eintreffen herumgedrückt hatte. Ich vernahm aufbrandenden Straßenlärm und das Wiehern von Pferden. Nach den Kirchenglocken (und, ja, nach meiner Armbanduhr; ich habe mir gestattet, unruhig zu werden) war es eben ein Uhr vorbei. Ich war nicht um sieben Uhr zur heutigen Vorstellung im Theater gewesen, natürlich wünschte ich, ich hätte sie so wie sie gesehen. Auch von ihnen mußten einige unruhig gewesen sein. Doch niemand stand vor Maryna auf. Ich hatte schon beinahe die Hoffnung aufgegeben, daß ihr Streit über Recht oder Unrecht dessen, was sie da diskutierten, an dem Abend noch einen Höhepunkt erreichte, egal, wie lange sie am Tisch sitzen blieben und ich dicht bei ihnen verharrte, während ich sie anschaute, ihnen zuhörte, über sie nachdachte. Denn es liegt in der Natur solcher Debatten, den Debatten über Recht oder Unrecht, daß man auch noch am nächsten Tag Bedenken oder einen neuen Gedanken haben kann, daß man beim Rückblick auf das Gespräch vom Vorabend möglicherweise ausruft, was war ich doch für ein Idiot, dies zu sagen oder mich jenem anzuschließen. Hatte ich mich von Soundso beeinflussen lassen oder war ich einfach nur blöd oder gedankenlos, war mein moralischer Thermostat heruntergedreht gewesen? Am nächsten Morgen also ist man der entgegengesetzten Ansicht (vielleicht denkt man genau deswegen das Gegenteil dessen, wofür man am Abend davor eingetreten ist, weil diese Meinung vertreten werden mußte, damit der Weg für diese, die bessere, bereitet wurde), man hat eine Art moralischen Kater, aber man ist ruhig, weil man weiß, daß man nun auf dem richtigen Weg ist, während man das unbehagliche Gefühl hat, morgen vielleicht doch wieder anders darüber zu denken; und währenddessen naht die Zeit der Entscheidung, die man abwägt, die Vorgehensweise, die man wählt. Es könnte doch jetzt richtig sein. Dann erhob sich Maryna tatsächlich, entnahm ihrem Retikül mit den Goldperlen eine Zigarette und schwebte zur Mitte des Raumes. Die anderen standen auch auf, und ich glaubte, sie würden nun alle gehen. Doch nur Ryszard küßte Maryna überschwenglich die Hand, machte dann die Runde, drückte die Lippen allen anderen Frauen im Raum aufs Handgelenk, ich vermutete, daß er sich schon darauf freute, dem Abend mit einem Besuch in seinem Lieblingsbordell die Krone aufzusetzen. Dann verabschiedeten sich der Theaterdirektor und seine Frau, gefolgt vom Bankier und dem Richter samt ihren Frauen, dann der männliche Hauptdarsteller und der Inspizient und einige weitere. Sonst schien niemand gehen zu wollen. Der Arzt öffnete eine Flasche Tokajer, die auf der Anrichte stand. Der kleine Junge, Piotr (wie ich ihn verspätet taufte), den man geweckt und abmarschbereit gemacht hatte, wurde zum Warten in den Ohrensessel gehoben. Maryna ließ sich, umgeben von Bogdan, Tadeusz, der jungen Schauspielerin, dem Impresario, Bogdans Schwester, dem Arzt und dem einbeinigen Maler, mit koketter Mattigkeit in den Sessel zurücksinken. Das bot eine letzte Chance, daß die Unterhaltung sich dem Ende zuneigte und ihre Entscheidung wie eine Geldbörse zuschnappte. Aber selbstverständlich, sagte Maryna und lachte emphatisch, stimme ich nicht immer mit mir selbst überein. Ein ermutigender Gedanke. Sie redeten leise weiter. Ich lauschte immer noch. Als Kind räumte ich zwar ein, daß ich gut lernen konnte, war aber überzeugt davon, nicht »richtig intelligent« zu sein (bitte ignorieren Sie die Anführungszeichen), da ich aus Büchern, aus Biographien wußte, was das bedeutete, und es auch in meiner Umgebung keinen gab, der »richtig intelligent« war (dieselbe Bitte). Dennoch glaubte ich, daß ich alles könnte, was ich mir vornähme (ich wollte Chemikerin werden, wie Madame Curie), daß Standhaftigkeit und eine größere Hingabe als die anderer an das, was wichtig war, mich schon dahin bringen würde, wohin ich wollte. Und daher dachte ich nun, wenn ich nur zuhörte und beobach-tete und grübelte und mir dabei die Zeit nahm, die ich brauchte, könnte ich die Leute in dem Raum verstehen, wüßte, daß sie eine Geschichte hätten, die mich ansprechen würde, doch woher ich das wußte, kann ich nicht erklären. Es sind so viele Geschichten zu erzählen, man kann kaum sagen, warum es die eine und nicht die andere ist, es muß wohl so sein, daß man bei der einen das Gefühl hat, damit viele erzählen zu können, daß sie etwas Notwendiges enthält; ich merke, ich erkläre das schlecht. Ich kann es nicht erklären. Es ist wohl so ähnlich, wie wenn man sich verliebt. Was auch immer erklärt, warum man diese Geschichte ausgewählt hat — sie könnte tatsächlich Kraft aus einem Kummer oder einer Sehnsucht aus der Kindheit ziehen —, hat nicht viel erklärt. Eine Geschichte, ich meine, eine lange Geschichte, ein Roman, ist wie ein In-achtzig-Tagen-um-die-Welt: Ist man am Ende angelangt, kann man sich kaum noch an den Anfang erinnern. Doch auch eine lange Geschichte muß irgendwo anfangen, beispielsweise in einem Raum. Wir alle tragen einen Raum mit uns herum, der darauf wartet, mit Möbeln und mit Menschen gefüllt zu werden, und wenn man genau hinhört — man müßte vielleicht alles in seinem eigenen Raum zum Schweigen bringen —, kann man die Geräusche dieses anderen Raumes in seinem eigenen Kopf hören. Man kann das Feuer knistern oder die Uhr ticken oder (wenn das Fenster offen ist) den Ruf eines Kutschers oder das Rrrum-rrrum eines Motorrads in der Gasse hören. Oder vielleicht hört man auch nichts davon, wenn der Raum voller Stimmen ist. Grobschlächtige oder feinsinnige Menschen könnten sich zum Essen hinsetzen, etwas sagen, was man nicht genau versteht, hoffentlich nicht, weil der Fernseher läuft und voll aufgedreht ist, aber das Wesentliche bekommt man mit. Erst werden es nur Wendungen sein, ein Name, ein drängendes Flüstern, ein Ruf. Wenn es Rufe sind, nein, Schreie, und man so etwas wie ein Bett sieht, kann man hoffen, daß es kein Zimmer ist, in dem jemand gefoltert wird, sondern vielmehr eines, in dem jemand ein Kind zur Welt bringt, obwohl auch diese Geräusche unerträglich sind. Man kann hoffen, daß man sich bei großherzigen Menschen eingefunden hat, Leidenschaft ist etwas Schönes, auch Verstehen, allmählich etwas zu verstehen, was auch eine Leidenschaft, eine Reise ist. Die Diener brachten Maryna und den anderen ihre Mäntel. Sie waren nun gehbereit. Mit bebender Erwartung beschloß ich, ihnen in die Welt hinaus zu folgen.