Invasion - Blutfeind (2) - Simon Scarrow - E-Book

Invasion - Blutfeind (2) E-Book

Simon Scarrow

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Beschreibung

Die zweite Episode aus "Invasion", dem neuen Roman von Simon Scarrow

Centurio Figulus hat sich im Kampf um Britannien durch besondere Tapferkeit ausgezeichnet. Zum Lohn wird ihm eine heikle Mission zugeteilt. Er soll im Gebiet des britannischen Widerstands einen König installieren, der Rom ergeben ist. Für Figulus und seine treuen Kämpfer gibt es nur zwei Wege: Sieg oder Tod …

"Blutfeind" ist die zweite von fünf "Invasion"-Episoden und umfasst ca. 80 Seiten. Sie erscheint vorab exklusiv als eBook Only.

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Seitenzahl: 158

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ZUM BUCH

Centurio Figulus hat sich im Kampf um Britannien durch besondere Tapferkeit ausgezeichnet. Zum Lohn wird ihm eine heikle Mission zugeteilt. Er soll im Gebiet des britannischen Widerstands einen König installieren, der Rom ergeben ist. Für Figulus und seine treuen Kämpfer gibt es nur zwei Wege: Sieg oder Tod …

Die zweite Episode aus Invasion, dem neuen Roman von Simon Scarrow – vorab als eOnly.

ZUM AUTOR

Simon Scarrow wurde in Nigeria geboren und wuchs in England auf. Nach seinem Studium arbeitete er viele Jahre als Dozent für Geschichte an der Universität von Norfolk, eine Tätigkeit, die er aufgrund des großen Erfolgs seiner Romane nur widerwillig und aus Zeitgründen einstellen musste.

Besuchen Sie Simon Scarrow im Internet unter www.scarrow.co.uk

SIMON SCARROW

T. J. ANDREWS

INVASION

BLUTFEIND

Aus dem Englischen von

Frank Dabrock

WILHELM HEYNE VERLAG

MÜNCHEN

Originaltitel: INVADER – BLOOD ENEMY

Der Inhalt dieses E-Books ist urheberrechtlich geschützt und enthält technische Sicherungsmaßnahmen gegen unbefugte Nutzung. Die Entfernung dieser Sicherung sowie die Nutzung durch unbefugte Verarbeitung, Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentliche Zugänglichmachung, insbesondere in elektronischer Form, ist untersagt und kann straf- und zivilrechtliche Sanktionen nach sich ziehen.

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Vollständige deutsche Erstausgabe 03/2016

Copyright © 2014 by Simon Scarrow and T. J. Andrews

Copyright © 2016 der deutschsprachigen Ausgabe

by Wilhelm Heyne Verlag, München,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH, Neumarkter Straße 28, 81673 München

Redaktion: Werner Bauer

Umschlagillustration: Nele Schütz Design unter Verwendung von

shutterstock/nejro Photo

Umsetzung eBook: Greiner & Reichel, Köln

ISBN 978-3-641-16990-9V004

www.heyne.de

DRAMATIS PERSONAE

Römer

Horatius Figulus: Optio der Sechsten Centurie, Fünfte Kohorte in der Zweiten Legion und befehlshabender Offizier einer Einheit mit dem Auftrag, König Trenagasus zu beschützen.

Titus Terentius Rullus: Dienstältester Legionär der Sechsten Centurie und stellvertretender Kommandant der Einheit unter Figulus’ Führung.

Gaius Arrius Helva: Ein junger Rekrut aus Kampanien.

Sextus Porcius Blaesus: Ein Legionär, geboren und aufgewachsen an der Rhenusgrenze. (heute: Rhein)

Numerius Scylla: Ein kaiserlicher Gesandter aus Rom, der Trenagasus nach Lindinis begleitet.

Titus Cosconianus: Präfekt der Vexillationsfestung in Lindinis, der das Kommando über die batavische Hilfskohorte innehat.

Manius Albius Cethegus: Ein Legionär im Ruhestand.

Lucius Ovidus Scrofa: Centurio und Kommandant des Flottenstützpunkts in Noviomagus.

Briten

Cogidubnus: König der keltischen Regni und treuer Verbündeter der Römer.

Trenagasus: Ein durotrigischer Adliger im Exil, der nach Lindinis zurückkehrt, um dort mit der Unterstützung Roms zum König ernannt zu werden.

Ancasta: Die Tochter des Königs.

Quenatacus: Der amtierende Stammesführer in Lindinis.

DIE ORGANISATION DER RÖMISCHEN ARMEE IN BRITANNIEN

Im Jahr 44 n. Chr.

Wie die Männer sämtlicher römischer Legionen zählten die Krieger der Zweiten zu den besten Soldaten der Antike. Sie waren erstklassig ausgebildet, gut ausgerüstet, diszipliniert und absolvierten ein kräftezehrendes Ausbildungsprogramm, das sich am zutreffendsten als »unblutige Feldschlacht« bezeichnen ließe. Außerdem mussten sie in der Lage sein, Festungen und Feldlager zu errichten, Straßen und Brücken zu bauen sowie in den Provinzen, die sie erobert hatten, zahlreiche Friedensaufgaben übernehmen. Oft verbrachte ein Legionär mehrere Jahre hintereinander in den gefährlichen Grenzgebieten des Römischen Reiches und war zugleich Soldat, Handwerker und Konstrukteur sowie regionaler Verwaltungsbeamter.

Einer der Gründe für den Erfolg der Legionen auf dem Schlachtfeld war ihre effiziente Organisation: Jede Legion bestand aus etwa fünfeinhalbtausend Mann. Am unteren Ende der Hierarchie befand sich die Centurie, die kleinste römische Armee-Einheit aus achtzig Legionären. Sechs Centurien bildeten eine Kohorte, und zehn Kohorten eine Legion, wobei die erste Kohorte aus doppelt so vielen Soldaten bestand. Das Kommando über diese imposante mobile Armee oblag dem Legat – ein Aristokrat, der für ein politisches Amt in Rom vorgesehen war. Unter ihm dienten fünf Stabstribune und ein Obertribun, allesamt adliger Herkunft. Diesen Männern unterstellt waren die Centurionen, mutige Offiziere, die das Kommando über jeweils eine Centurie innehatten und das Rückgrat der Legion bildeten. Jeder von ihnen hatte einen Stellvertreter – den Optio.

KAPITEL 1

Noviomagus, Winter A. D. 44

Während die römische Galeere durch die graue, aufgewühlte See steuerte, stand Optio Horatius Figulus auf dem Achterdeck, den Blick auf den Flottenstützpunkt vor sich gerichtet. Die Anlage war in dem großen natürlichen Hafen errichtet worden, der sich unter einem kalten, fahlen Himmel um die Galeere herum erstreckte. Auf dem Kai tummelte sich eine Sklavenkolonne, bepackt mit Vorräten, langsam auf die Docks zu, um mehrere Schiffe zu beladen, die dort vor Anker lagen. Östlich des Flottenstützpunkts erblickte Figulus eine von hektischem Treiben erfüllte Siedlung der Einheimischen: Noviomagus, Hauptstadt der Regni, die zu den treuesten Verbündeten der Römer in Britannien zählten.

»Wir werden in Kürze anlegen«, brüllte der Kommandant der Galeere, um sich bei dem stürmischen Wind, der gegen das Schiff anheulte, verständlich zu machen.

»Den Göttern sei Dank«, murmelte der Veteran, der neben Figulus stand. »Verdammtes Meer! Lieber lerne ich Griechisch, als noch länger auf diesem verfluchten Kahn zu bleiben.«

Figulus musterte den Mann. Titus Terentius Rullus war kreidebleich im Gesicht und klammerte sich an die Reling, um das Gleichgewicht zu halten, während die Proteus unablässig hin und her schaukelte. »Es wundert mich, dass du dich nach den vielen Schiffsreisen mit der Zweiten Legion immer noch nicht daran gewöhnt hast.«

Rullus verzog das Gesicht. »Ich habe mich zur Zweiten Legion gemeldet, um dem Meer zu entkommen, Optio. Mein alter Mann hat vor Jahren unten in Genua als Fischer gearbeitet. Hin und wieder hat er mich mit raus aufs Meer genommen, aber ich konnte ums Verrecken den Gestank der Fischinnereien nicht ertragen. Als ich sechzehn wurde, habe ich mich zur Legion verpflichtet und mir geschworen, nie wieder einen Fuß auf ein Boot zu setzen. Und jetzt sieh mich an.« Er schüttelte missmutig den Kopf. »Zurzeit verbringe ich mehr Zeit auf See als an Land.«

Der Kommandant hatte ihr Gespräch mit angehört.

»Ihr Landratten seid ständig am Jammern. Glaubt ihr etwa, das hier wäre schlimm? Wartet nur, bis es richtig Winter wird – dann ist die See rauer als eine aventinische Hure.«

»Moment mal. Liegt die Flotte den Winter über nicht im Hafen?«, fragte Figulus und wandte sich wieder dem Kommandanten zu. Die beißende Kälte rief ihm unmissverständlich ins Gedächtnis, dass der diesjährige Feldzug in Britannien bald beendet war. Sobald es zu kalt war, um zu marschieren und zu kämpfen, würden die Soldaten die Wintermonate eingepfercht in der Legionärsfestung von Calleva verbringen, mit nichts weiter als Wein und dem Würfelspiel, um die Langeweile der endlosen Gefechtsübungen und der Inspektionen zu vertreiben.

Der Kommandant schnalzte mit der Zunge. »Schön wär’s. Die Flotte wird auch den Winter über im Einsatz sein. Befehl des Legaten.«

Figulus runzelte die Stirn. »Warum? Bis dahin wird der Einsatz auf Vectis bestimmt vorbei sein.«

Auf der Insel Vectis, östlich der britischen Küste, waren zweitausend Mann der Zweiten Legion stationiert und kämpften gegen eine wild entschlossene Bande durotrigischer Krieger, allesamt ausgezeichnete Kämpfer eines Stammes, der für seine feindselige Haltung gegenüber Rom berüchtigt war. Die Durotriger hatten sich gegen die römischen Invasoren hartnäckig zur Wehr gesetzt. Trotzdem hatten die Legionen dank ihrer Überlegenheit im Belagerungskrieg und ihrer taktischen Disziplin auf dem Schlachtfeld den Widerstand des Feindes gebrochen. Die verbliebenen Truppen der Durotriger hatten ihre Operationsbasis nach Vectis verlegt. Von dort aus starteten sie ihre Angriffe auf das Festland, sodass der neue Legat der Zweiten Legion gezwungen war, eine Einheit zu entsenden, um die gegnerischen Streitkräfte ein für alle Mal niederzuschlagen.

»Nun, für euch ist der Einsatz vielleicht bald vorbei«, räumte der Kommandant ein. »Aber die Stürme der letzten Zeit haben einen Großteil der Vorräte vernichtet, die aus Gallien herübergebracht werden. Die Hälfte der Versorgungsschiffe wurden auf See schwer beschädigt oder sind gesunken, darum droht allen Leuten in dieser verfluchten Provinz der Hungertod, wenn wir es nicht schaffen, die Verluste zu ersetzen.« Er spähte Richtung Horizont. »Wir werden bis zum Frühling unterwegs sein, schätze ich. Für uns arme Schweine wird es ein langer Winter werden. Vergesst das nicht, wenn ihr mit einem Krug warmen Wein und einer warmen Mahlzeit in euren gemütlichen Baracken hockt.«

Mit einem Seufzer ging der Kommandant zum Heck, um dort mit einem seiner Matrosen zu sprechen, und ließ Figulus und Rullus allein zurück. Der Veteran betrachtete für einen Moment den Kommandanten, dann schüttelte er den Kopf. »Ich fürchte, uns wird es diesen Winter auch nicht viel besser ergehen, Herr.«

»Wie meinst du das?«

»Ich meine das Ziel unserer Reise. Du weißt, was die Männer über Lindinis erzählt haben. Sie nennen es die Kloake des Reichs. Dieser Ort soll eine der primitivsten Siedlungen in ganz Britannien sein, und das will was heißen.«

»Schwachsinn!«, meinte ein anderer Soldat spöttisch. »Das sagen die Männer über jeden Ort auf dieser verdammten Insel. Ja, ich frage mich langsam, ob es hier überhaupt einen Ort gibt, der nicht beschissen ist.«

Figulus wandte sich dem anderen Mann zu. Es handelte sich um einen untersetzten Soldaten mit struppigem Bart namens Sextus Porcius Blaesus – der einzige Legionär, den Figulus kannte, der kräftiger war als er. Sein Temperament entsprach seiner beeindruckenden Statur. Außerhalb des Schlachtfelds war Blaeasus ein phlegmatischer Glücksspieler, den nur interessierte, wo er sich mit billigem Wein besaufen konnte. Aber in der Hitze des Gefechts verwandelte er sich in einen furchtlosen Soldaten, der seine Feinde in Angst und Schrecken versetzte. Figulus war nur froh, dass sie auf derselben Seite kämpften.

Rullus schüttelte den Kopf. »Ich glaube, in Lindinis ist das was anderes. Du weißt, wie die Durotriger sind. Sie hassen uns wie die Pest, mehr als jeder andere Stamm in Britannien. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie die römische Herrschaft akzeptieren, ohne ein Mordstheater zu machen.«

»Ein Grund mehr, was trinken zu gehen, sobald wir festen Boden unter den Füßen haben«, erklärte Blaesus und rieb sich die Hände, während er schmatzte. »Ich habe gehört, dass es in Noviomagus jede Menge guter Huren und billigen Wein gibt. Und ich will heute Abend beides haben.«

Rullus lachte. »Ihr Germanen seid doch alle gleich. Euch interessiert nur, wo ihr was Trinkbares herkriegt.«

»Genau. Und für Huren haben wir später noch genügend Zeit«, warf Figulus ein. »Erst müssen wir diesen Auftrag zu Ende bringen.«

Ein Gefühl eisigen Grauens wand sich durch Figulus’ Eingeweide, als er an den Auftrag dachte, den der Legat der Zweiten Legion ihm übertragen hatte. Lucius Aelianus Celer hatte Figulus das Kommando über eine Einheit der Sechsten Centurie erteilt, die sich umgehend ans Festland begeben sollte. Sie hatte die Aufgabe, einen kaiserlichen Gesandten und einen durotrigischen Adligen aus dem Exil zu der entfernten Siedlung Lindinis zu eskortieren. Sobald die Einheit dort wohlbehalten eingetroffen war, sollten die Männer dabei helfen, den Adligen Trenagasus als neuen König einzusetzen. Der Optio war dafür ausgewählt worden, nachdem er auf Vectis ein verdrecktes Dutzend römischer Gefangener aus den Klauen der Einheimischen gerettet hatte. Doch es war keine einfache Aufgabe, seinen Schützlingen durch das Gebiet der Durotriger Geleitschutz zu geben, das war Figulus klar. Vergangenen Sommer hatte er auf ihrem Gebiet gegen sie gekämpft, und obwohl die Durotriger vernichtend geschlagen, ihre Krieger geflohen und ihre Druiden aus den Hügelfestungen vertrieben worden waren, hatten sie sich geweigert zu kapitulieren. Es verging kaum ein Tag, ohne dass ein Versorgungskonvoi überfallen oder irgendeine entfernte Festung dem Erdboden gleichgemacht wurde. Es war also durchaus möglich, dass man Figulus’ Einheit auflauerte. Aber was noch schlimmer war: Celer hatte ihm gedroht, dass seine Karriere in der Armee beendet sei, sollten der Gesandte oder sein durotrigischer Begleiter zu Schaden kommen. Figulus schob sein Unbehagen beiseite und schaute erneut zu Rullus hin, der auf einen Punkt jenseits des Bugs spähte und über die Reling spuckte.

»Wir hätten in Vectis bleiben sollen«, murmelte Rullus. »Einem Adligen aus dem Exil und einem Lakaien des Kaisers Geleitschutz zu geben ist keine Aufgabe für einen echten Soldaten, Herr. Wenn wir noch auf Vectis wären, könnten wir wenigstens wie richtige Soldaten kämpfen und uns auf den Feind stürzen.« Er schenkte Figulus ein Grinsen, wobei seine gelben Zähne zum Vorschein kamen. »Ganz zu schweigen von unserem Anteil an der Beute. Das zusätzliche Geld hätte ich für meine Altersversorgung gut gebrauchen können«, fügte er mit Bedauern hinzu.

Figulus zuckte mit den Achseln. »Der Legat hat gesagt, dass er seine besten Männer für diesen Einsatz benötigt. Und das sind nun mal wir. So sieht’s aus.«

Blaesus schüttelte den Kopf und lachte sarkastisch. »Manchmal wünschte ich, ich wäre ein beschissener Soldat, Herr. Das würde mein Leben sehr viel einfacher machen.«

»Seine besten Männer, sagst du?« Rullus deutete mit dem Kinn auf einen jugendlich wirkenden Legionär. »Der Trottel da etwa auch?«

Alle Blicke richteten sich auf den Legionär, der sich über die Reling gebeugt hatte und heftig würgend seinen Mageninhalt in das aufgewühlte Wasser unter ihm leerte. Figulus sah dabei zu, wie Gaius Arrius Helva zur allgemeinen Erheiterung der anderen Soldaten an Deck die bitteren Reste des Erbrochenen ausspuckte und, begleitet vom Rauschen des Meeres, laut aufstöhnte. Helva war ein Landarbeiter aus Kampanien, einer der neuen Rekruten, die von den Reserveeinheiten, die in Gesoriacum stationiert waren, zur Sechsten Centurie gestoßen waren. Die Zweite Legion war seit dem Einmarsch in Britannien stark dezimiert worden, und jeder neue Rekrut wurde von seinen kampferfahrenen Kameraden misstrauisch beäugt, denn sie wussten aus eigener Erfahrung, dass zwischen dem Drill der Legionärsausbildung und einem echten Kampfeinsatz ein großer Unterschied bestand. Aber bislang hatte Helva sich unter den Soldaten wacker geschlagen, trotz seiner gelegentlichen Naivität und seines jugendlichen Leichtsinns – Eigenschaften, die Figulus aus seiner eigenen Anfangszeit als Legionär kannte. Helva hatte Figulus gebeten, ihn in die Einheit zu beordern, und der Optio hatte die feste Entschlossenheit des Rekruten gespürt, mit der er sich seinen Kameraden als würdig erweisen würde. Seine Begeisterung und seine unbekümmerte Art waren gut für die Moral, und er war ein Naturtalent im Umgang mit Waffen, darum hatte Figulus ihn für diesen Einsatz ausgewählt. Doch jetzt fing er an, diese Entscheidung zu bereuen.

»Leck mich am Arsch, Neptun!«, krächzte Helva, als er sich wieder aufrichtete und dem Meer den Rücken zuwandte. Er hatte kaum noch Farbe im Gesicht, und in seinen Augen lag ein Ausdruck nackter Verzweiflung. »Ich schwöre bei den Göttern, ich werde im meinem ganzen Leben nie wieder einen Fuß auf ein Boot setzen.«

Die Männer lachten. Selbst Rullus stimmte mit ein und vergaß für einen Moment, wie unwohl er sich auf See fühlte. »Du dummer Mistkerl«, blaffte er. »Wenn du nie wieder ein Boot betreten willst, wie willst du dann nach Hause kommen?«

Helva wischte sich mit dem Handrücken den Mund ab und dachte einen Moment darüber nach. Dann riss er die Augen auf. »Elende Scheiße …«

Figulus lachte herzhaft, während er mit dem Kinn auf den Kai deutete. »Deine Leiden haben bald ein Ende, mein Junge. Wir legen gleich an.«

Die Proteus schob sich langsam durch den Hafen und steuerte auf einen leeren Liegeplatz zwischen zwei vertäuten Transportschiffen zu. Zur Linken des Kais erblickte Figulus zwei Versorgungsschiffe, die im Trockendock lagen, wo man die Schäden, die durch die jüngsten Stürme an ihrem Rumpf entstanden waren, reparieren würde. Plötzlich stieß einer der Matrosen einen Schrei aus, und der Kommandant begann, den Bug auszurichten, während die Matrosen sich hektisch an die Arbeit machten; sie packten die Taue, die an beiden Enden des Schiffs lagen, und warfen sie den Dockarbeitern zu, die sich auf dem Kai eingefunden hatten. Die Arbeiter fingen die Taue auf und wickelten sie flink um die dicken Pfähle am Rand des Docks. Als die Taue befestigt waren, holte der Kommandant tief Luft und erteilte den Befehl, den Laufsteg herabzulassen. Dann rief Figulus den zwei Abteilungen seiner Männer das Kommando zu, von Bord zu gehen, und einer nach dem anderen trotteten die sechzehn Soldaten der Sechsten Centurie die schmale Holzbrücke hinunter und stellten sich in kurzer Entfernung längs des Kais auf. Helva wankte ein paar Schritte vor Figulus vom Schiff und bedankte sich flüsternd bei den Göttern, dass sein Leiden endlich ein Ende hatte.

Figulus ließ seinen Blick schweifen. Auf den Zinnen über dem Haupttor im Norden patrouillierten mehrere Wachen und behielten den Flottenstützpunkt im Auge, während einige Aufpasser die Sklaven antrieben; das schneidende Knallen ihrer kurzen Peitschen hallte laut über den Kai, auf dem die Sklaven unermüdlich Körbe zu jedem der vertäuten Schiffe trugen, um sie für die Rückreise nach Vectis zu beladen. In den nächsten paar Wochen würden sie sich an den Anblick der unablässig ein- und auslaufenden Schiffe gewöhnen, dachte Figulus. Die Durotriger glaubten, dass es besser sei, im Kampf zu fallen, als die Demütigung der Kapitulation zu ertragen. Auf die Soldaten, die auf Vectis geblieben waren, wartete bei der Eroberung der Insel ein langer, blutiger Einsatz, Meile für Meile, Tag für Tag, bis der letzte Tropfen einheimischen Blutes vergossen war.

In diesem Moment bemerkte er Rullus, der mit einer Hand Richtung Exerzierplatz deutete.

»Da drüben, Herr.«

Figulus ließ seinen Blick in die angedeutete Richtung wandern. Das Hauptgebäude des Stützpunkts befand sich am hinteren Ende des Kais, zu beiden Seiten umgeben von Baracken. Von dem Gebäude kamen zwei Soldaten zügig auf ihn zumarschiert. Einer von ihnen trug einen Helm mit einem markanten querlaufenden Kamm, der ihn als Centurio kennzeichnete. Während die beiden Soldaten den Kai entlangliefen, traten die Sklaven hastig zur Seite, um Platz zu machen. Der Centurio blieb vor Figulus stehen und warf einen kurzen Blick auf seinen Stab, der ihn als Optio auswies. Der Centurio räusperte sich.

»Ich nehme an, ihr seid die Männer, die ich in Empfang nehmen soll?«, schnauzte er Figulus ungeduldig an.

»Wenn du die Einheit für den Geleitschutz meinst, ja, Herr.«

»Ich bin Centurio Lucius Ovidius Scrofa, der befehlshabende Offizier der Garnison hier.«

Figulus nickte, drückte seine Brust heraus und stellte sich offiziell vor. »Optio Horatius Figulus von der Sechsten Centurie, Fünfte Kohorte, Herr. Ich habe Befehl, den kaiserlichen Gesandten Numerius Scylla zu treffen.«

Der Centurio hielt inne und musterte die anderen Soldaten der Einheit kritisch. Dann richtete er den Blick wieder auf Figulus. »Ich habe gehört, dass ihr am Strand von Vectis auf starken Widerstand gestoßen seid.«

»Nichts, womit die Sechste Centurie nicht fertigwerden würde, Herr«, erwiderte Rullus. »Ein Jammer, dass deine Männer nicht dort waren, um sich das Spektakel anzuschauen.«

Der Centurio warf Rullus einen zornigen Blick zu, dann schaute er zu Figulus und streckte seine Hand aus. »Deine Bevollmächtigung, Optio?«

Figulus griff in seine Ledertasche und holte rasch den Dokumentenbehälter mit der Bevollmächtigung heraus, die einer der Sekretäre des Legaten am gestrigen Abend im Lager auf Vectis ausgestellt hatte. »Hier steht alles drin, Herr«, sagte er und reichte sie dem Centurio.

Scrofa klappte den Deckel des Dokumentenbehälters auf, zog die Bevollmächtigung heraus und begann zu lesen. Nach einer Weile schaute er zu Figulus auf, die Stirn in Falten gelegt. »Hier steht, dass euer Ziel Lindinis ist. Und dass wir euch jede Unterstützung geben sollen, die ihr benötigt.«

Figulus nickte. »Das ist richtig, Herr.«

Der Centurio holte tief Luft und hob eine Augenbraue. »Besser du als ich, Optio. Kein Römer bei klarem Verstand würde sich freiwillig in dieses Soldatengrab begeben.« Er hob den Kopf und sah Figulus an, die Lippen leicht zu einem Grinsen geöffnet. »Wen habt ihr gegen euch aufgebracht, dass man euch dort hinschickt?«