Invasion - Das Opfer (5) - Simon Scarrow - E-Book

Invasion - Das Opfer (5) E-Book

Simon Scarrow

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Beschreibung

Die fünfte Episode aus "Invasion", dem neuen Roman von Simon Scarrow

Britannien, A. D. 45: Eine unheimliche Sekte von Druiden bedroht den Eroberungskampf der römischen Legionen. Optio Figulus tritt seine schwerste Mission an: Er muss sich tief hinter die feindlichen Linien begeben, um seine Männer aus den Fängen des Druidenkults zu befreien …

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ZUM BUCH

Britannien, A. D. 45: Eine unheimliche Sekte von Druiden bedroht den Eroberungskampf der römischen Legionen. Optio Figulus tritt seine schwerste Mission an: Er muss sich tief hinter die feindlichen Linien begeben, um seine Männer aus den Fängen des Druidenkults zu befreien …

Die fünfte und letzte Episode aus Invasion, dem neuen Roman von Simon Scarrow - vorab als eOnly

ZUM AUTOR

Simon Scarrow wurde in Nigeria geboren und wuchs in England auf. Nach seinem Studium arbeitete er viele Jahre als Dozent für Geschichte an der Universität von Norfolk, eine Tätigkeit, die er aufgrund des großen Erfolgs seiner Romane nur widerwillig und aus Zeitgründen einstellen musste.

Besuchen Sie Simon Scarrow im Internet unter www.scarrow.co.uk

SIMON SCARROW

T. J. ANDREWS

INVASION

DAS OPFER

Aus dem Englischen von

Martin Ruf

WILHELM HEYNE VERLAG

MÜNCHEN

Originaltitel: INVADER – SACRIFICE

Der Inhalt dieses E-Books ist urheberrechtlich geschützt und enthält technische Sicherungsmaßnahmen gegen unbefugte Nutzung. Die Entfernung dieser Sicherung sowie die Nutzung durch unbefugte Verarbeitung, Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentliche Zugänglichmachung, insbesondere in elektronischer Form, ist untersagt und kann straf- und zivilrechtliche Sanktionen nach sich ziehen.

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Vollständige deutsche Erstausgabe 03/2016

Copyright © 2014 by Simon Scarrow and T. J. Andrews

Copyright © 2016 der deutschsprachigen Ausgabe

by Wilhelm Heyne Verlag, München,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH, Neumarkter Straße 28, 81673 München

Redaktion: Werner Bauer

Umschlagillustration: Nele Schütz Design unter Verwendung von

shutterstock/nejro Photo

Umsetzung eBook: Greiner & Reichel, Köln

ISBN 978-3-641-16993-0V003

www.heyne.de

DRAMATIS PERSONAE

Römer

Horatius Figulus: Optio der Sechsten Centurie, Fünfte Kohorte in der Zweiten Legion und befehlshabender Offizier einer Einheit mit dem Auftrag, König Trenagasus zu beschützen.

Titus Terentius Rullus: Dienstältester Legionär der Sechsten Centurie und stellvertretender Kommandant der Einheit unter Figulus’ Führung.

Gaius Arrius Helva: Ein junger Rekrut aus Kampanien.

Sextus Porcius Blaesus: Ein Legionär, geboren und aufgewachsen an der Rhenusgrenze. (heute: Rhein)

Numerius Scylla: Ein kaiserlicher Gesandter aus Rom, der Trenagasus nach Lindinis begleitet.

Titus Cosconianus: Präfekt der Vexillationsfestung in Lindinis, der das Kommando über die batavische Hilfskohorte innehat.

Manius Albius Cethegus: Ein Legionär im Ruhestand.

Lucius Ovidus Scrofa: Centurio und Kommandant des Flottenstützpunkts in Noviomagus.

Briten

Cogidubnus: König der keltischen Regni und treuer Verbündeter der Römer.

Trenagasus: Ein durotrigischer Adliger im Exil, der nach Lindinis zurückkehrt, um dort mit der Unterstützung Roms zum König ernannt zu werden.

Ancasta: Die Tochter des Königs.

Quenatacus: Der amtierende Stammesführer in Lindinis.

DIE ORGANISATION DER RÖMISCHEN ARMEE IN BRITANNIEN

Im Jahr 44 n. Chr.

Wie die Männer sämtlicher römischer Legionen zählten die Krieger der Zweiten zu den besten Soldaten der Antike. Sie waren erstklassig ausgebildet, gut ausgerüstet, diszipliniert und absolvierten ein kräftezehrendes Ausbildungsprogramm, das sich am zutreffendsten als »unblutige Feldschlacht« bezeichnen ließe. Außerdem mussten sie in der Lage sein, Festungen und Feldlager zu errichten, Straßen und Brücken zu bauen sowie in den Provinzen, die sie erobert hatten, zahlreiche Friedensaufgaben übernehmen. Oft verbrachte ein Legionär mehrere Jahre hintereinander in den gefährlichen Grenzgebieten des Römischen Reiches und war zugleich Soldat, Handwerker und Konstrukteur sowie regionaler Verwaltungsbeamter.

Einer der Gründe für den Erfolg der Legionen auf dem Schlachtfeld war ihre effiziente Organisation: Jede Legion bestand aus etwa fünfeinhalbtausend Mann. Am unteren Ende der Hierarchie befand sich die Centurie, die kleinste römische Armee-Einheit aus achtzig Legionären. Sechs Centurien bildeten eine Kohorte, und zehn Kohorten eine Legion, wobei die erste Kohorte aus doppelt so vielen Soldaten bestand. Das Kommando über diese imposante mobile Armee oblag dem Legat – ein Aristokrat, der für ein politisches Amt in Rom vorgesehen war. Unter ihm dienten fünf Stabstribune und ein Obertribun, allesamt adliger Herkunft. Diesen Männern unterstellt waren die Centurionen, mutige Offiziere, die das Kommando über jeweils eine Centurie innehatten und das Rückgrat der Legion bildeten. Jeder von ihnen hatte einen Stellvertreter – den Optio.

KAPITEL 1

Lindinis, A. D. 45

Lautes Gegröle erhob sich aus der Menge, als der Gefangene die provisorische Arena betrat. Nervös musterte der Rebellenkrieger die Zuschauer auf den Erdwällen.

Von seiner Position hoch oben auf dem Holzgerüst sah Optio Horatius Figulus zu, wie zwei Sanitäter die Leiche eines vorherigen Kämpfers wegschleiften. Blut quoll aus einer tiefen Wunde in der Brust des getöteten Briten und hinterließ eine feucht schimmernde Spur im Gras. Der hagere Gefangene blieb abrupt stehen, als sein Blick auf den toten Kämpfer fiel, doch sofort schob ihn einer der diensthabenden Legionäre weiter in die Arena hinein. Sein Gegner stand ein paar Schritte entfernt. Er war ein riesiger Durotriger, dessen nackte Brust mit kräftigen Muskeln bedeckt war, die jedoch unter einem Gewirr von Tätowierungen fast zu verschwinden schienen. Der Mann umfasste das Kurzschwert in seiner rechten Hand fester und starrte den neuen Herausforderer drohend an. In mehreren unbarmherzigen Kämpfen auf Leben und Tod hatte der Schwertkämpfer bereits drei Gegner niedergemacht, weshalb er als Sieger weiterkämpfen durfte. Langsam verstummte die Menge in Erwartung der letzten Runde der Spiele an diesem Tag.

»Das hier wird ganz schnell vorbei sein«, sagte Legionär Vatia. »Dieser magere Kerl hat so wenig zu hoffen wie ein Lebender im Hades. Nicht gegen einen so verdammt riesigen Bastard.«

Figulus rieb sich das stoppelige Kinn, während er die Kämpfer mit dem erfahrenen Auge eines Soldaten abzuschätzen versuchte. Der Schwertkämpfer war mehrere Zoll größer und weitaus kräftiger als sein Gegner. Doch die Mühen der vergangenen Kämpfe hatten ihren Tribut von dem Durotriger gefordert, und er sah müde aus. Deutlich sichtbar hob und senkte sich seine muskulöse Brust, als er Atem holte.

»Ich glaube, der Herausforderer hat eine Chance.«

»Dieser magere Pissestrahl?«, platzte Vatia heraus.

Figulus nickte. »Geschwindigkeit geht immer vor Kraft, Legionär«, sagte er und dachte an die Worte seines gefallenen Freundes Blaesus.

Vatia stieß ein verächtliches Schnauben aus. »Entschuldige, Herr, aber man wird eher einen ehrlichen Mann im Senat finden, als dass diese hagere Bohnenstange gewinnt.«

Figulus betrachtete seinen Kameraden und lächelte. Decimus Artorius Vatia war einer der wenigen verbliebenen Legionäre aus der Einheit unter dem Kommando des Optio. Der kleine, kräftige Mann war in den Elendsvierteln um den Aventin in Rom aufgewachsen. Er trat oft ziemlich großspurig auf, hielt nie mit seiner Meinung hinter dem Berg und war selten um einen schmutzigen Witz verlegen.

»Dann hältst du dich wohl für einen Experten, mein Junge?«

»Herr, wenn es ein Thema gibt, bei dem ich wirklich Bescheid weiß, dann sind das die Gladiatorenkämpfe. Früher habe ich Eintrittskarten zum Statilius-Taurus-Amphitheater geradezu gesammelt. Im Laufe der Jahre habe ich alle großen Kämpfer gesehen.« Er zählte die Gladiatoren an seinen Wurstfingern auf. »Britomaris, Tetraites … und sogar Pavo. Deshalb glaube ich, dass der Schwertkämpfer problemlos den nächsten Sieg einfahren wird.« Ein Grinsen erschien auf seinem runden Gesicht. »Vielleicht möchtest du ja auf deinen Mann wetten?«

Figulus zögerte. Für einen Augenblick war er versucht, die Wette anzunehmen, doch dann siegte die Vernunft. Im Laufe der langen Wintermonate in Britannien hatte er bereits einen großen Teil seines Solds beim Würfelspiel verloren und konnte es sich nicht leisten, seine überaus bescheidenen Ersparnisse weiter anzugreifen. Er schüttelte den Kopf.

»Vielleicht ein andermal, Bürschchen.«

»Solange ich einen guten Kampf zu sehen bekomme, ist mir scheißegal, wer gewinnt«, murmelte Pulcher, ein weiterer Legionär aus der Einheit des Optio. »Bisher hat die Hälfte dieser Typen absolut nichts getaugt. Ich habe schon griechische Schulkinder besser kämpfen sehen.«

Figulus wandte sich wieder der Arena zu, als der Schiedsrichter, der für diese Gelegenheit benannt worden war – ein Centurio aus der Achten Kohorte –, die beiden Kämpfer vorstellte. Eine wogende Menge aus Briten, kleinen Kaufleuten und römischen Soldaten, die dienstfrei hatten, war zusammengekommen, um sich die Spiele in einer Arena anzusehen, die von der lokalen Garnison in einem flachen Tal zwischen der Festung und Lindinis, der Siedlung der Einheimischen, hastig aus Erdwällen und Holzgerüsten errichtet worden war. Trenagasus, der mit den Römern verbündete König der Durotriger, hatte die Spiele organisiert. Im Jahr zuvor hatte Rom dem König wieder zu seinem Thron verholfen, doch Trenagasus’ Bemühungen, unter seinen unwilligen Untertanen für Frieden zu sorgen, waren auf heftigen Widerstand gestoßen. Zwei Tage zuvor hatte ein übler Druidenkult Lindinis eingenommen. Die Druiden des Dunklen Mondes und ihr charismatischer Anführer Calumus hatten Trenagasus als Geisel genommen und gedroht, ihn hinzurichten, sofern Rom nicht die Waffen niederlegen und sich aus dem Königreich zurückziehen würde. Nur das rechtzeitige Eintreffen der Verstärkung aus Calleva hatte Rom vor einer demütigenden Niederlage bewahrt.

Dutzende Rebellen waren während der erbitterten Schlacht um die Rückeroberung der Siedlung gefangen genommen worden, und Trenagasus hatte angeordnet, dass die Gefangenen vor den Angehörigen ihres eigenen Stammes auf Leben und Tod gegeneinander kämpfen sollten. Das grimmige Spektakel war dazu gedacht, sowohl den Soldaten der römischen Garnison wie auch den bedrängten Untertanen des Königs ein wenig lange entbehrte Unterhaltung zu verschaffen; gleichzeitig sollte es allen, die mit dem Gedanken spielten, sich gegen den König zu erheben, als Warnung dienen und ihnen die Strafe vor Augen führen, die sie in einem solchen Fall erwartete. In einer derben Imitation der Gladiatorenkämpfe, wie sie in Rom ausgetragen wurden, hatte die Menge seit Mittag vierzig Paare von Rebellen, welche die verschiedensten Waffen trugen, in die Arena einziehen sehen. Einige kämpften mit keltischen Langschwertern, andere führten einen Dreizack oder eine Streitaxt mit sich, und bei einem Kampf waren zwei Briten sogar mit bloßen Fäusten aufeinander losgegangen. Vereinzelt hatten Gefangene ihre Waffen gegen sich selbst gerichtet, weil sie lieber starben, als sich gegen ihre eigenen Kameraden zu wenden, doch die meisten hatten bereitwillig gekämpft, denn Trenagasus hatte erklärt, das Leben des Siegers würde verschont und er stattdessen in die Sklaverei verkauft werden.

Erwartungsvolle Stille senkte sich über die Arena, als einer der Legionäre vortrat und dem Herausforderer einen Speer in die rechte Hand drückte. Der Gefangene blickte auf seine Waffe und wog sie unsicher in der Hand, als prüfe er ihr Gewicht. Der Schwertkämpfer, der ihm gegenüberstand, spannte die Muskeln an. Die Spitze seines blutbespritzten Kurzschwerts funkelte im fahlen Winterlicht.

»Gleich beginnt der Kampf, Herr«, sagte Vatia und rieb sich vergnügt die Hände. »Es dürfte ein müheloser Sieg werden.«

Figulus lächelte matt. »Das werden wir ja sehen, Legionär.«

Normalerweise hätte der Optio den Kampf voller Spannung verfolgt. Wie jeder andere wusste auch er einen guten Gladiatorenwettstreit zu genießen, doch seit vielen Stunden machte ihm nun schon ein quälendes Schuldgefühl zu schaffen. Zwei seiner Kameraden waren von den Rebellen der Durotriger bei deren überstürztem Rückzug aus Lindinis gefangen genommen worden. Die britischen Krieger hatten Helva und Rullus in die Sümpfe geführt, und Figulus war es nicht gelungen, sie zu retten. In seinen düsteren Momenten quälte sich der Gallier mit Vorstellungen seiner Freunde im Lager des Feindes, wo ein bitteres Schicksal sie erwartete. Man würde sie köpfen oder bei lebendigem Leib in jenen schrecklichen druidischen Käfigen aus Weidengeflecht, die wie riesige Menschen gestaltet waren, verbrennen.

Ein scharfer Knall durchdrang die Luft, als der Schiedsrichter seine Peitsche sprechen ließ. Die Menge brach in ein ohrenbetäubendes Gegröle aus, als der Kampf begann.

»Los geht’s!«, sagte Pulcher und riss die Faust hoch.

Der Schwertkämpfer verlor keine Zeit und griff seinen Gegner sofort an, denn er wollte ihn unbedingt so schnell wie möglich töten, um in den Genuss des Preises zu gelangen, der dem Sieger bei diesen Spielen zustand. Als der größere Brite einen Hieb gegen ihn führte, zog sich der Speerkämpfer rasch aus der Reichweite des Angreifers zurück, wobei er auf dem blutgetränkten Boden fast gestürzt wäre. Er konnte sich jedoch wieder fangen und stolperte weiter nach hinten, als der Schwertkämpfer auf ihn zusprang. Dabei gelang es ihm nur knapp, einem Schwertstoß gegen seinen Bauch auszuweichen. Die römischen Soldaten und Kaufleute feuerten ihren jeweiligen Favoriten lautstark an. Die Briten waren zurückhaltender. Offensichtlich fühlten sie sich unwohl, dabei zusehen zu müssen, wie ihre Stammesgenossen getötet wurden, und viele Durotriger blickten mürrisch drein, als sich die beiden Rebellen einen Kampf auf Leben und Tod lieferten.

»Mach ihn fertig, du Bastard«, schrie Vatia dem Schwertkämpfer zu, als ob dieser ihn inmitten des begeisterten Gejohles und wilden Gekreisches der anderen Zuschauer hätte hören können.

Der Schwertkämpfer stieß eine Art frustriertes Bellen aus, als sein Gegner sich immer weiter am Rand der Arena entlang zurückzog und ihn mit dem Speer auf Distanz hielt. Dann setzte der Schwertkämpfer zu einer tief geführten Finte an und riss seine Waffe plötzlich nach oben, sodass die Spitze seiner Klinge auf den ungeschützten Hals seines Gegners zeigte. Der Speerkämpfer sah den Angriff im letzten Augenblick, ging in die Hocke und duckte sich unter dem Stoß weg. In einer einzigen fließenden Bewegung stach der Herausforderer mit seiner Waffe in einem schrägen Winkel zu. Der Schwertkämpfer heulte vor Schmerz auf, als sich die blattförmige Speerspitze in seinen Oberschenkel bohrte und dabei Muskeln und Sehnen durchtrennte. Mit einem tiefen Grunzen riss der Herausforderer die Waffe frei und sprang zurück, sodass er sich außerhalb der Reichweite des Schwertkämpfers befand, als dieser einen unkontrollierten Hieb mit seiner Waffe nach ihm führte.

»Vielleicht wird es jetzt ja doch knapp, Herr«, bemerkte Pulcher.

»Ein Glückstreffer, nichts weiter«, grummelte Vatia.

Figulus wandte sich vom Kampf ab und ließ seinen Blick auf Trenagasus ruhen. Der König der Durotriger saß besonders nahe bei den Kämpfern; flankiert wurde er dabei von einem beachtlichen Gefolge und zwei Einheiten kampferprobter Legionäre der Neunten Kohorte, die ihm als Interims-Leibwache dienten. Nach allem, was Trenagasus in den Händen der Druiden des Dunklen Mondes durchgemacht hatte, sah er sehr schwach aus. Seine Haut war kreidebleich, und ein großer Verband bedeckte die tiefe Wunde, die er sich am Kopf zugezogen hatte. Trotz seiner Verletzungen hielt sich Trenagasus jedoch unerschütterlich aufrecht, und ein Lächeln huschte über seine zitternden Lippen, während er den tödlichen Wettkampf verfolgte.

Der Optio wandte sich wieder dem Kampf zu, als der muskulöse Brite tief Luft holte und seinen Gegner erneut angriff. Dem Gesicht des Herausforderers war deutlich abzulesen, wie sehr er sich konzentrierte, als er dem Angriff mit einem schnellen Schritt zur Seite auswich, blitzschnell um seinen verblüfften Gegner herumwirbelte und seine Waffe über die Rückseite der Beine des Schwertkämpfers zog. Die Menge schnappte wie ein einziger Mann nach Luft, als die Speerspitze die Waden des Briten aufschlitzte und das Blut wie in einem roten Sprühregen zu Boden spritzte. Vor Schmerzen stöhnend, stolperte der Schwertkämpfer ein paar Schritte nach vorn. Bevor er das Gleichgewicht wiedergefunden hatte, rammte ihm der Herausforderer das Ende seines Speers in den Rücken, sodass der Schwertkämpfer mit einem lauten Schrei zu Boden fiel.

»Er wird siegen!«, rief Figulus. Für einen kurzen Augenblick ließ er sich von der allgemeinen Aufregung mitreißen und vergaß seine Trauer. »Der Speerkämpfer hat seinen Gegner im Sack.«

Blitzschnell ging der Herausforderer auf seinen Gegner zu. Er trat das Schwert weg, sodass sein Gegner es nicht mehr erreichen konnte, und packte seinen Speer mit beiden Händen, um dem Schwertkämpfer die Klinge in den Hals zu bohren. Überall standen Zuschauer auf, die den Todesstoß auf keinen Fall verpassen wollten.

»Nun steh schon auf, du Idiot!«, drängte Vatia.

Der Herausforderer senkte seine Waffe auf den am Boden liegenden Gegner. Doch plötzlich rollte sich der Schwertkämpfer nach rechts, wobei er dem Speer, der sich neben ihm in die Erde bohrte, nur um Haaresbreite entging. Er stolperte auf die Beine, während sein Herausforderer den Oberkörper abwinkelte und mit seinem Speer nach ihm stieß. Diesmal gelang es dem Schwertkämpfer, dem Angriff besser auszuweichen. Er packte den Speerschaft mit einer seiner mächtigen Hände und zog ihn zu sich heran, sodass sich sein Gegner unweigerlich nach vorn beugen musste. Sofort riss der Schwertkämpfer sein rechtes Knie nach oben und rammte es dem Mann ins Gesicht. Die Nase des kleineren Briten brach mit einem scharfen Knacken. Stöhnend geriet er ins Stolpern und ließ seine Waffe los.

»Erledige ihn!«, schrie Vatia dem Schwertkämpfer so laut er nur konnte beschwörend zu.

Der Schwertkämpfer packte den Speer mit beiden Händen, richtete die Spitze blitzschnell nach vorn und sprang auf seinen orientierungslosen Gegner zu. Zu spät erkannte der Herausforderer die Gefahr. Er heulte auf vor Schmerz, als sich der Speer in seinen Bauch bohrte. Dann drehte der Schwertkämpfer den Speer in der Wunde um und zerriss dabei unter dem dröhnenden Jubel des Publikums mehrere lebenswichtige Organe seines Gegners. Mit wildem Gebrüll zerrte der riesige Brite den Speer frei. Blut spritzte aus der Wunde und strömte über die Beine und den Lendenschurz des Mannes. Einen kurzen Moment lang schwankte der Herausforderer hin und her, bevor er zu Boden sackte. Überall in der Arena erklang erneuter Jubel, als der Schwertkämpfer die Waffe beiseitewarf und in trotzigem Triumph die Fäuste in die Höhe riss.

»Der Schwertkämpfer hat gewonnen!« Vatia wandte sich grinsend zu Figulus um. »Was habe ich dir gesagt, Herr?«

Figulus starrte niedergeschlagen auf den getöteten Herausforderer. »Fast hätte ihn der Speerkämpfer erledigt.«

»Mit einem Fast gewinnt man keinen Kampf.«

Der Optio stieß ein Knurren aus. Es war offensichtlich, dass er immer noch viel über die Kunst des Schwertkampfs lernen konnte. Aus den Augenwinkeln heraus sah er, wie Trenagasus dem Schiedsrichter knapp zunickte. Der Schiedsrichter rief den Legionären, die am Rand der Arena einen Kreis bildeten, mit bellender Stimme einen Befehl zu. Die drei Soldaten, die dem Kampf am nächsten gewesen waren, traten auf den siegreichen Briten zu, wobei ihre Hände wachsam auf den Knäufen ihrer Schwerter ruhten. Zwei der Legionäre packten den Mann bei den Armen; beunruhigt sah sich der Kämpfer um. Gleichzeitig zog der dritte Legionär seine Waffe mit einem deutlich wahrnehmbaren Zischen aus der Scheide. Jetzt begriff der Brite, was vor sich ging, und versuchte, sich aus den Händen der Soldaten zu winden. Doch die Römer umfassten ihn auch weiter mit festem Griff und zwangen den Mann auf die Knie.

»Was geht hier vor sich?«, fragte Vatia. »Ich dachte, der alte Narr hätte versprochen, den Sieger zu verschonen.«

»Sieht so aus, als hätte Trenagasus seine Meinung geändert«, erwiderte Figulus stirnrunzelnd.

Eine Welle der Übelkeit stieg in der Kehle des Optio auf, als sich die Soldaten darauf vorbereiteten, die Hinrichtung durchzuführen. Überall in der Arena war das bittere Murren der Einheimischen zu hören, die sich über diesen unerwarteten Abschluss der Spiele empörten, während die Kaufleute und die Soldaten grölend den Tod des durotrigischen Rebellen forderten. Die Zuschauer drehten sich nach dem König um, der sich unsicher erhob. Trenagasus hielt kurz inne und betrachtete den Rebellen mit kalter Gleichgültigkeit. Dann wandte er sich an seine Untertanen.

»Höre mich, mein Volk!«, erklärte der König, der Mühe hatte, das Publikum mit seiner schwachen Stimme zu erreichen. »Gegenüber unseren Feinden darf es keinerlei Gnade geben. Keine! Wer es wagt, sich mir entgegenzustellen … wer es wagt, seinen König und den Stamm zu verraten, der ihm das Leben geschenkt hat, hat das Recht verwirkt, weiter Atem zu schöpfen. Alle, die so etwas tun, müssen wie die verräterischen Hunde sterben, die sie in der Tat sind.« Seine Stimme vibrierte vor Wut, und Figulus konnte sehen, wie seine an den Seiten herabhängenden knochigen Hände zitterten, während er seinen Blick herausfordernd über die Arena schweifen ließ, bevor er fortfuhr. »Dies befehle ich als euer rechtmäßiger König und Herrscher!«

Trenagasus gab dem Schiedsrichter ein Zeichen und sank wieder zurück auf seinen Platz. Der Centurio schrie seinen Männern einen Befehl zu, und der Legionär, der seine Waffe gezogen hatte, deutete mit der Spitze seines Schwerts auf den Bauch des Briten.

»Sie werden dem Bastard den Bauch aufschlitzen«, murmelte Pulcher.

Der Brite spannte die Muskeln an. Er sah auf zur Menge und starrte seine Stammesgenossen provozierend an, während er sie in seiner schroffen, gutturalen Muttersprache anschrie. Vatia beugte sich zu Figulus herüber.

»Was sagt er?«

Seit mehr als zwei Jahren war Figulus nun schon auf Feldzügen in Britannien, und dabei hatte er immer wieder Gelegenheit gehabt, die Sprache dieses Landes zu lernen, die dem Gallischen, das er als Kind in seiner Heimatstadt Lutetia gesprochen hatte, stark ähnelte.

»Er sagt, dass er den Tod nicht fürchtet«, übersetzte der Optio mit einem unguten Gefühl im Magen. »Er sagt, dass die Druiden des Dunklen Mondes sich erneut erheben und das Königreich von den römischen Eroberern befreien werden. All diejenigen, die den Willen der Stammesgötter verraten haben, werden großes Leid erfahren. Calumus, ihr Hohepriester und treuer Diener Cruachs, hat es vorhergesagt.« Figulus schluckte heftig und fuhr dann fort: »Schon bald wird das Land rot sein von römischem Blut, und die Legionen werden ins Meer zurückgetrieben werden.«

Vatia stieß ein Grunzen aus. »Wenn er meint.«

Der Brite kniff die Augen zusammen, und seine Muskeln zuckten, als der Legionär seinen Schwertarm zurückzog. Dann fuhr der Legionär in einer einzigen unerschütterlichen Bewegung mit der Klinge über den Bauch des Briten und schlitzte seine Bauchdecke auf. Der Mann stieß einen grässlich gurgelnden Schrei aus, als sein Gedärm aus der Wunde quoll und vor ihm zu Boden sackte, wo es schließlich als rot-grauer Haufen zwischen seinen Beinen lag. Mehrere Einheimische, die ganz vorn am Rand der Arena saßen, drehten sich voller Entsetzen weg. Figulus zwang sich hinzusehen, als die beiden Legionäre, die den Briten an den Armen gehalten hatten, den Mann losließen, der daraufhin zu Boden stürzte. Dann stach der dritte Legionär mit seinem blutigen Schwert nach unten und bohrte die Klingenspitze direkt über dem Schlüsselbein in den Nacken des Mannes. Der Brite zuckte heftig, als das Schwert sein Rückgrat durchtrennte. Sein Körper erschlaffte, und schnell sammelte sich eine Blutlache unter seiner Leiche.

Angespanntes Schweigen senkte sich über die Arena. Sobald die Hinrichtung ausgeführt war, gab der König dem römischen Offizier, der für seine Leibwache verantwortlich war, ein Zeichen. Centurio Minucius wandte sich mit bellender Stimme an seine Männer.

»In Ordnung, Leute. Setzt euch verdammt noch mal in Bewegung. Bahnt eine Gasse durch dieses schmutzige Pack!«

Die Legionäre nahmen Haltung an und begannen, den König aus der Arena zu führen, indem sie die Menge mit ihren Schilden abdrängten, was ihnen wütende Blicke und zahllose Flüche von den unwilligen Einheimischen einbrachte. Minucius marschierte einen Schritt vor Trenagasus. Seine Schwerthand lag auf dem Griff seiner Waffe, die zwar noch in der Scheide steckte, doch er war bereit, die Klinge sofort zu ziehen, sollte jemand versuchen, dem König zu nahe zu kommen. Nachdem Trenagasus verschwunden war, strömte die Menge langsam aus der provisorischen Arena in Richtung der weiter südlich gelegenen Siedlung, wobei viele unzufrieden vor sich hingrummelten. Einige blieben sogar stehen und starrten Trenagasus mit kaum verhülltem Hass nach.

Figulus beobachtete, wie die Zuschauer auf die Ausgänge der Arena zugingen. Noch immer hatte er angesichts der Drohung des Briten ein flaues Gefühl im Magen. Obwohl die meisten Einheimischen den Druiden im Allgemeinen wohlgesonnen waren, lebten sie in großer Furcht vor den Druiden des Dunklen Mondes. Diese besondere Sekte duldete keine anderen Überzeugungen, und der Albtraum eines weiteren druidischen Aufstands im Königreich erfüllte viele Einheimische genauso mit Entsetzen wie die Römer. Figulus wusste, dass beide Seiten verlieren würden, sollte es der Sekte des Dunklen Mondes gelingen, die Römer aus dem Land zu vertreiben. Solange Calumus am Leben war, konnte es in dem bedrängten Königreich keinen Frieden geben.

Als die letzten Zuschauer die Arena verlassen hatten, begannen Sanitäter mit dem Aufräumen. Mehrere Gruppen sammelten die Waffen ein, die bei den Spielen benutzt worden waren, und luden sie auf Karren, mit denen sie in das Lager in der Festung zurückgebracht werden sollten, während andere die toten Rebellen wegschleppten. Diese würden in die lokale Abfallgrube geschafft und damit wilden Tieren zum Fraß vorgeworfen werden.