Invasion - Die Klinge (3) - Simon Scarrow - E-Book

Invasion - Die Klinge (3) E-Book

Simon Scarrow

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Beschreibung

Die dritte Episode aus "Invasion", dem neuen Roman von Simon Scarrow

Trotz aller Anstrengungen gelingt es Rom nicht, den Widerstand in Britannien zu brechen. Der tapfere Kämpfer Figulus soll König Durotriges schützen, der im Interesse Roms handelt. Die Männer der Zweiten Legion erwartet ihre schwerste Aufgabe, denn die Ermordung des Königs scheint nur eine Frage der Zeit zu sein …

"Die Klinge" ist die dritte von fünf "Invasion"-Episoden und umfasst ca. 80 Seiten. Sie erscheint vorab exklusiv als eBook Only.

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Seitenzahl: 154

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ZUM BUCH

Trotz aller Anstrengungen gelingt es Rom nicht, den Widerstand in Britannien zu brechen. Der tapfere Kämpfer Figulus soll König Trenagasus schützen, der im Interesse Roms handelt. Die Männer der Zweiten Legion erwartet ihre schwerste Aufgabe, denn die Ermordung des Königs scheint nur eine Frage der Zeit zu sein …

Die dritte Episode aus Invasion, dem neuen Roman von Simon Scarrow – vorab als eOnly.

ZUM AUTOR

Simon Scarrow wurde in Nigeria geboren und wuchs in England auf. Nach seinem Studium arbeitete er viele Jahre als Dozent für Geschichte an der Universität von Norfolk, eine Tätigkeit, die er aufgrund des großen Erfolgs seiner Romane nur widerwillig und aus Zeitgründen einstellen musste.

Besuchen Sie Simon Scarrow im Internet unter www.scarrow.co.uk

SIMON SCARROW

T. J. ANDREWS

INVASION

DIE KLINGE

Aus dem Englischen von

Frank Dabrock

WILHELM HEYNE VERLAG

MÜNCHEN

Originaltitel: INVADER – DARK BLADE

Der Inhalt dieses E-Books ist urheberrechtlich geschützt und enthält technische Sicherungsmaßnahmen gegen unbefugte Nutzung. Die Entfernung dieser Sicherung sowie die Nutzung durch unbefugte Verarbeitung, Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentliche Zugänglichmachung, insbesondere in elektronischer Form, ist untersagt und kann straf- und zivilrechtliche Sanktionen nach sich ziehen.

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Vollständige deutsche Erstausgabe 03/2016

Copyright © 2014 by Simon Scarrow and T. J. Andrews

Copyright © 2016 der deutschsprachigen Ausgabe

by Wilhelm Heyne Verlag, München,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH, Neumarkter Straße 28, 81673 München

Redaktion: Werner Bauer

Umschlagillustration: Nele Schütz Design

unter Verwendung von shutterstock/nejro Photo

Umsetzung eBook: Greiner & Reichel, Köln

ISBN 978-3-641-16991-6V003

www.heyne.de

DRAMATIS PERSONAE

Römer

Horatius Figulus: Optio der Sechsten Centurie, Fünfte Kohorte in der Zweiten Legion und befehlshabender Offizier einer Einheit mit dem Auftrag, König Trenagasus zu beschützen.

Titus Terentius Rullus: Dienstältester Legionär der Sechsten Centurie und stellvertretender Kommandant der Einheit unter Figulus’ Führung.

Gaius Arrius Helva: Ein junger Rekrut aus Kampanien.

Sextus Porcius Blaesus: Ein Legionär, geboren und aufgewachsen an der Rhenusgrenze. (heute: Rhein)

Numerius Scylla: Ein kaiserlicher Gesandter aus Rom, der Trenagasus nach Lindinis begleitet.

Titus Cosconianus: Präfekt der Vexillationsfestung in Lindinis, der das Kommando über die batavische Hilfskohorte innehat.

Manius Albius Cethegus: Ein Legionär im Ruhestand.

Lucius Ovidus Scrofa: Centurio und Kommandant des Flottenstützpunkts in Noviomagus.

Briten

Cogidubnus: König der keltischen Regni und treuer Verbündeter der Römer.

Trenagasus: Ein durotrigischer Adliger im Exil, der nach Lindinis zurückkehrt, um dort mit der Unterstützung Roms zum König ernannt zu werden.

Ancasta: Die Tochter des Königs.

Quenatacus: Der amtierende Stammesführer in Lindinis.

DIE ORGANISATION DER RÖMISCHEN ARMEE IN BRITANNIEN

Im Jahr 44 n. Chr.

Wie die Männer sämtlicher römischer Legionen zählten die Krieger der Zweiten zu den besten Soldaten der Antike. Sie waren erstklassig ausgebildet, gut ausgerüstet, diszipliniert und absolvierten ein kräftezehrendes Ausbildungsprogramm, das sich am zutreffendsten als »unblutige Feldschlacht« bezeichnen ließe. Außerdem mussten sie in der Lage sein, Festungen und Feldlager zu errichten, Straßen und Brücken zu bauen sowie in den Provinzen, die sie erobert hatten, zahlreiche Friedensaufgaben übernehmen. Oft verbrachte ein Legionär mehrere Jahre hintereinander in den gefährlichen Grenzgebieten des Römischen Reiches und war zugleich Soldat, Handwerker und Konstrukteur sowie regionaler Verwaltungsbeamter.

Einer der Gründe für den Erfolg der Legionen auf dem Schlachtfeld war ihre effiziente Organisation: Jede Legion bestand aus etwa fünfeinhalbtausend Mann. Am unteren Ende der Hierarchie befand sich die Centurie, die kleinste römische Armee-Einheit aus achtzig Legionären. Sechs Centurien bildeten eine Kohorte, und zehn Kohorten eine Legion, wobei die erste Kohorte aus doppelt so vielen Soldaten bestand. Das Kommando über diese imposante mobile Armee oblag dem Legat – ein Aristokrat, der für ein politisches Amt in Rom vorgesehen war. Unter ihm dienten fünf Stabstribune und ein Obertribun, allesamt adliger Herkunft. Diesen Männern unterstellt waren die Centurionen, mutige Offiziere, die das Kommando über jeweils eine Centurie innehatten und das Rückgrat der Legion bildeten. Jeder von ihnen hatte einen Stellvertreter – den Optio.

KAPITEL 1

Lindinis, Winter A. D. 44, Festung der Zweiten Legion

Drei Sechsen!«, rief Blaesus und reckte triumphierend die Faust in die Luft. »Ja!«

Horatius Figulus, der ihm gegenübersaß, starrte entgeistert auf die drei Würfel, die auf der aufgebockten Tischplatte in der Soldatenmesse lagen. Er schüttelte den Kopf und verfluchte angesichts seines Pechs leise die Götter. Um den Tisch herum standen zehn Legionäre aus der Einheit unter seinem Kommando und schauten schweigend und aufmerksam zu, während sie darauf warteten, dass der Gallier würfelte. Der Einsatz für den nächsten Wurf betrug hundert Sesterzen, beinahe so viel wie der Monatslohn eines Offiziers der Zweiten Legion.

Hinter den Männern lag ein aufreibender Feldzug in Britannien; sie hatten einen erbitterten Krieg gegen jene Stämme geführt, die sich gegen ihre Anwesenheit auf dieser öden Insel zur Wehr setzten. Eigentlich hätten Figulus und die Männer seiner Einheit die nächsten drei Monate, eingepfercht in einer der Festungen, die über die Provinz verstreut waren, mit Würfelspielen verbringen und ein kleines Vermögen für billigen Wein verprassen sollen. Stattdessen sahen sie einem anstrengenden Winter in diesem entfernten Winkel im Südwesten Britanniens entgegen.

Man hatte in Lindinis, der Hauptstadt der Durotriger und eine der Brutstätten des einheimischen Widerstands, einen prorömischen König eingesetzt. Die persönlichen Leibwächter des Königs waren in einem Hinterhalt der Einheimischen getötet worden, und der kaiserliche Gesandte, den man hergeschickt hatte, um den König zurück auf den Thron zu bringen, hatte beschlossen, dass Figulus und elf Legionäre seiner Einheit ihn bewachen sollten, bis des Königs Macht gesichert war. Während Figulus auf weitere Befehle wartete, vertrieb er sich die Zeit mit ein paar Partien Würfelspiel gegen Sextus Porcius Blaesus, den inoffiziellen Meister des Glücksspiels in der Sechsten Centurie.

Blaesus lehnte sich zurück, deutete auf die Würfel und grinste durch seinen wuchernden Bart hindurch. »Du bist dran, Herr.«

Figulus biss frustriert die Zähne zusammen, nahm die Würfel und warf sie in den Tonbecher. An diesem Morgen war es ungewöhnlich ruhig in der Messe. Die meisten Soldaten der batavischen Kohorte, die in der Festung stationiert waren, waren bei Tagesanbruch in die Hauptstadt aufgebrochen, um auf Befehl des kaiserlichen Gesandten vor den geplanten Feierlichkeiten des Tages die Einheimischen zu beaufsichtigen. Sämtliche Spuren des Kampfes, der der Absetzung des früheren Königs bzw. Führers vorausgegangen war, mussten beseitigt werden, bevor die Feierlichkeiten beginnen konnten, und in der Festung befanden sich jetzt nur noch die erschöpften Soldaten einer einzigen Centurie.

Figulus flüsterte leise ein Gebet zu Fortuna und schüttelte den Becher einen Moment, bevor er seine Hand von der Öffnung nahm und würfelte. Klappernd kullerten die Würfel aus dem Becher und kamen auf dem Tisch unvermittelt zum Liegen. Die Legionäre beugten sich weiter vor, um einen Blick auf die Zahlen zu werfen, die in die Oberfläche der Elfenbeinwürfel geritzt waren. Figulus machte einen langen Hals, während die Anspannung in seiner Brust weiter anwuchs. Dann konnte er die Zahlen erkennen. Er hatte zwei Einsen und eine Drei gewürfelt – das war sehr viel weniger als die drei Sechsen von Blaesus.

»Blaesus hat gewonnen!«, rief einer der Legionäre.

Figulus’ Gegner holte zischend Luft. »Mach dir nichts draus, Herr. Ach, und übrigens … du schuldest mir hundert Sesterzen.«

»Schwachsinn!«, brüllte Figulus und schlug mit der Faust auf den Tisch, als ihm schmerzlich bewusst wurde, wie viel Geld er gerade verloren hatte. »Das kann nicht sein! Niemand kann so viel Glück haben, verdammt noch mal. Selbst du nicht.«

Sein Gegner verschränkte seine kräftigen Arme vor der breiten Brust und warf Figulus ein süffisantes Grinsen zu. »Das hat nichts mit Glück zu tun, Herr. Ich habe eine bestimmte Wurftechnik, weißt du. Ich mache alles aus dem Handgelenk.« In diesem Moment kam ihm eine Idee, und er lächelte den niedergeschlagenen Optio an. »Wir wär’s mit einem weiteren Spiel? Der Gewinner bekommt das ganze Geld …«

Figulus presste die Lippen aufeinander. Trotz seiner Verluste war die Versuchung groß, Blaesus’ Angebot für eine weitere Runde anzunehmen. Er wollte sich gerade der Herausforderung stellen, als am anderen Ende der Festung ein halb unterdrückter Schrei ertönte. Kurz darauf fegte ein eisiger Windstoß durch die Messe, und die wenigen Soldaten der Hilfstruppe, die dort frühstückten, richteten ihre Blicke auf den Eingang. Im Türrahmen stand einer der Soldaten der Hilfstruppe mit panischem Gesichtsausdruck und rang nach Luft.

»An die Waffen!«, rief er seinen Kameraden zu. »Alle zu den Toren, sofort!«

Die Soldaten der batavischen Hilfstruppe sprangen alle gleichzeitig auf und brüllten einander aufgeregt an, während sie sich ihre Ausrüstung schnappten und hintereinander aus der Messe eilten. Draußen wurde ihr Gebrüll immer lauter, begleitet vom dumpfen Geräusch ihrer Stiefel, die knirschend über den gefrorenen Boden stapften.

»Was zum Teufel ist da los?«, fragte sich Titus Terentius Rullus, der mit Narben übersäte Veteran, der neben Figulus saß.

Der junge Optio erhob sich unvermittelt von der Bank und wandte sich an seine Kameraden, und für einen Moment vergaß er die schmerzlichen Verluste, die er beim Würfelspiel erlitten hatte. »Es gibt nur eine Möglichkeit, das herauszufinden. Setzt euch in Bewegung!«

Figulus ging voran und trat aus der Messe auf den Hauptweg. Ein bitterkalter Wind peitschte durch die Festung und brannte auf seinen stoppeligen Wangen. Das milde Wetter der vergangenen Wochen erschien jetzt nur noch wie eine unwirkliche Erinnerung. In der Nacht hatte es diesen Winter zum ersten Mal geschneit; die Flocken waren von den trostlosen grauen Wolken herabgeschwebt, waren auf den Dächern der Gebäude liegen geblieben und hatten die Spitzen der Holzpalisaden bedeckt, die die Festung umgaben. Auf der anderen Seite des Hauptwegs wankten die Soldaten der Hilfstruppe aus den Holzbaracken, um zu sehen, was die ganze Aufregung zu bedeuten hatte, und fummelten unbeholfen an ihren schlecht sitzenden Panzern und verkratzten Helmen herum. Figulus und seine Männer folgten den Soldaten und machten bei ihrer Baracke kurz halt, um ihre Ausrüstung und Waffen zu holen für den Fall, dass sie sie benötigten.

Der Schnee knirschte unter ihren Stiefeln, während sie sich auf den Lärm zubewegten. Von der anderen Seite des Tores drang das vertraute schrille Signal der keltischen Kriegshörner an ihre Ohren, und Figulus spürte, wie sein Herz zu rasen begann.

»Sieht so aus, als würden es die Briten wieder auf ihre alte Tour versuchen.«

Rullus spuckte aus. »Diese Dreckskerle lernen es wohl nie, was?«

Figulus lächelte seinen Kameraden grimmig an. Rullus war in der Einheit der Mann mit der größten Erfahrung. Der Veteran hatte zweiundzwanzig Jahre in der zweiten Legion gedient und war im ganzen Römischen Reich im Einsatz gewesen, von Germanien bis Moesia und darüber hinaus. Er zeichnete sich durch einen gesunden Zynismus aus, der ein natürliches Gegengewicht zu Figulus’ gelegentlicher Hitzköpfigkeit darstellte. Aber jetzt neigte sich sein Dienst in der Zweiten Legion dem Ende zu. Im Frühjahr würde er aus der Armee ausscheiden und ein kleine Abfindung sowie ein bescheidenes Stück Land in einer entfernten Provinz erhalten. Figulus hingegen musste sich immer noch an seine Rolle als befehlshabender Offizier gewöhnen, und er würde seinen Freund schmerzlich vermissen, sobald dieser in den Ruhestand versetzt worden war.

Inzwischen waren mehr als zwei Jahre vergangen, seit die Römer zum ersten Mal einen Fuß auf britischen Boden gesetzt hatten und dabei auf Horden einheimischer Krieger mit wirren Haaren getroffen waren, die unter dem Kommando von Druiden standen. Sie brüllten die Invasoren an und beschworen ihre Götter, den Feind zu vernichten. Figulus und seine Kameraden waren gezwungen gewesen, sich Meile um blutige Meile ihren Weg durch die Insel freizukämpfen. Inmitten des wilden Kampfgetümmels musste der Optio schnell in seine Rolle wachsen, und er hatte mehr Erfahrung als manche Männer, die doppelt so alt waren wie er.

Die römischen Soldaten kamen an ein paar weiteren leerstehenden Baracken vorbei, während sie sich dem kleineren Tor an der Nordseite der Festung näherten. Etwa zwanzig Soldaten der Hilfstruppe standen dort im aufgetürmten Schnee und murmelten einander ängstlich etwas zu. Ein paar weitere von ihnen kletterten, bewaffnet mit Speer und Bogen, das Torhaus hinauf und gingen auf dem Schutzwall, von dem aus man die Fläche jenseits der Festung überblickte, in Stellung. Diese Männer standen in der Hierarchie der Hilfstruppe ganz unten, und Figulus musste das starke Verlangen unterdrücken, die Soldaten zu maßregeln, während er zügig zu dem nächststehenden Mann hinübermarschierte.

»Was ist hier los?«, fragte er.

»Der Konvoi wird angegriffen, Herr!«, erwiderte der Soldat hastig und hatte Mühe, die aufsteigende Panik in seiner Stimme zu unterdrücken. »Die durotrigischen Angreifer haben die Männer direkt hinter der Brücke überfallen. Der Geleitschutz ist so gut wie erledigt.«

Rullus warf dem Soldaten der Hilfstruppe einen vorwurfsvollen Blick zu. »Und ihr dachtet, ihr steht hier einfach rum und tut gar nichts?«

Für einen Moment verschlug es dem Soldaten angesichts des rauen Tonfalls des Veteranen die Sprache. Figulus zwang sich, Ruhe zu bewahren, während er forschend in die Gesichter der Männer vor den Toren blickte. Dabei wurde ihm klar, dass niemand den Männern den Befehl gab, sich zu formieren. Erneut schaute er den jungen Soldaten der Hilfstruppe an und schickte einen stummen Seufzer zu den Göttern.

»Wer hat hier das Kommando?«

»Centurio Ambustus, Herr.« Der Soldat deutete auf das Torhaus.

Sofort lief Figulus, dicht gefolgt von seinen Kameraden, auf die Holzkonstruktion zu. Rullus knurrte. »Verdammt mutig von den Durotrigern, die Versorgungslinie so nah an der Festung anzugreifen.«

»Es ist schon eine eigenartige Fügung, dass sie ausgerechnet jetzt angreifen«, erwiderte Figulus und runzelte die Stirn. »Jetzt, wo die Festung so schwach besetzt ist.«

»Vielleicht hat einer der Dorfbewohner ihnen einen Hinweis gegeben.« Rullus zuckte mit den Schultern. »So oder so, sie werden für meinen Geschmack etwas zu wagemutig, Herr. Sollte es weitere Überfälle geben, wird die Legion große Probleme bekommen, die Festung mit Nachschub zu versorgen.«

Figulus knurrte mal wieder. Die jahrelangen erbitterten Auseinandersetzungen in Britannien hatten die Lebensmittelversorgung erheblich beeinträchtigt. Da die Bauern zu den bunt zusammengewürfelten Armeen der Einheimischen eingezogen wurden, waren ihre Ernten auf den Feldern verfault und die besiegten Briten stark auf die Getreiderationen der Legionen angewiesen, um ihre hungernde Bevölkerung mit Nahrung zu versorgen. In den letzten Monaten hatten die überlebenden Einheimischen ihre Taktik geändert: Statt sich in einer offenen Feldschlacht der unbarmherzigen Schlagkraft der Legionen zu stellen, richteten sie ihre Bemühungen jetzt darauf, mit blitzartigen Überfällen aus dem Hinterhalt die ungeschützten Versorgungslinien anzugreifen und anschließend in die Wälder zu flüchten. Mit jedem erfolgreichen Angriff auf die Konvois wurden die Getreidevorräte knapper. Der Präfekt, der das Kommando über die Garnison hatte, war bereits gezwungen gewesen, die Rationen der Soldaten zu kürzen. Wenn sich die Situation nicht bald änderte, das wurde Figulus klar, dann bliebe den Legionen keine andere Wahl, als die Versorgung der Einheimischen mit Getreide einzustellen. Und dann würden sie verhungern.

Figulus kletterte die wacklige Leiter zur Hauptplattform neben dem Torfwall hinauf. Eine ungeordnete Schar Soldaten stand dicht gedrängt auf der knarzenden Plattform, bereit, ihre Geschosse auf den Feind zu schleudern für den Fall, dass er einen waghalsigen Angriff auf die Festung starten sollte. Der Optio schaute auf die winterliche Landschaft hinaus. Die Festung in Lindinis war neben einem sanft dahinplätschernden Fluss in einer Senke errichtet worden und wurde durch eine kleine Brücke mit der Straße verbunden, die nach Norden zu dem neuen Handelsposten in Aquae Sulis führte. Vom Tor führte ein Pfad direkt zu der Brücke. Während er sich gegen den Wind stemmte, starrte Figulus mit zusammengekniffenen Augen zum Pfad am hinteren Ende der Brücke. Und dann sah er sie.

Mehrere Gruppen britischer Krieger stürmten die von Bäumen gesäumt Böschung herunter; viele von ihnen waren mit Speeren und Weidenschilden bewaffnet. Die meisten Männer trugen keine Panzer, und ihre dunklen Haare flatterten wild, während sie den geschwächten römischen Konvoi unablässig mit Steinen und Pfeilen beschossen. Einige Soldaten vom Geleitschutz lagen zusammengesackt auf dem Boden, die leblosen Körper von Speeren und Pfeilen durchbohrt. Die verbliebenen vier Abteilungen beschützten die sechs Wagen, die Richtung Brücke rollten, während die Kutscher mit aller Kraft ihre Peitschen herabsausen ließen, um die verängstigen Ochsen anzutreiben.

Sofort stürzten sich Dutzende Briten auf die wenigen Soldaten, die den letzten Wagen sicherten. Die Einheimischen wurden von ihrem Anführer, einem Druiden, vorwärtsgetrieben. Er saß auf seinem Pferd weiter den Hang hinauf und war an seinem dunklen Gewand unschwer zu erkennen. Der Kommandant der Hilfstruppe versuchte, seine Männer zu sammeln, doch er wurde rasch von den einheimischen Angreifern umzingelt und verschwand unter einem Hagel aus brutalen Hieben. Dann gingen die Krieger auf den Kutscher des letzten Wagens los und töteten ihn, indem sie wie die Irren auf ihn einschlugen und einstachen. Die Schreie des Kutschers, der seine Feinde um Gnade anflehte, hallten durch die Luft. Aber seine panischen Rufe verstummten, als einer der Durotriger mit seinem Speer auf ihn einstach und seinen Rücken durchbohrte.

Figulus wandte sich ab und hielt Ausschau nach dem Centurio, während das Blut in seinen Adern wie wild hämmerte. Wenn sie nicht sofort eingriffen, war der Konvoi geliefert. Die Festung konnte es sich kaum leisten, einen weiteren Konvoi zu verlieren. Doch es war immer noch niemand zu sehen, der die Truppen zusammenrief. Schließlich entdeckte Figulus Centurio Ambustus weiter hinten auf dem hölzernen Laufsteg. Der Offizier stand wie angewurzelt da und hielt mit zitternder Hand seinen Weinstock umklammert, während er den Verlauf des Gemetzels hinter der Brücke verfolgte. Er schien zu jung für seinen Dienstgrad – er war kaum älter als Figulus.

»Scheiße, Scheiße!«, zischte Ambustus, und seine Lippen begannen zu zittern. »Druiden …«

Die Bataver begegneten den Druiden mit einer Mischung aus Angst und Ehrfurcht, und es war nicht zu übersehen, dass dem Centurio graute bei der Vorstellung, gegen sie kämpfen zu müssen. Dem jungen Gallier hingegen jagten die Druiden keine Angst ein, und er wusste genau, was er tat, als er den eingeschüchterten Centurio an den Schultern packte und auf die Männer des Geleitschutzes deutete, die immer weiter dezimiert wurden.

»Herr! Wir müssen dem Konvoi zu Hilfe eilen, bevor diese Dreckskerle sich das ganze Getreide schnappen!«, sagte er in einem schroffen Tonfall.

Es bestand die Gefahr, dass sich der Centurio angegriffen fühlte, weil sich ein Soldat in sein Kommando einmischte, noch dazu ein Optio, aber es war einfach keine Zeit, sich darüber Gedanken zu machen. Ambustus blinzelte und schüttelte plötzlich seine Schreckstarre ab.

»Ja, ja«, sagte er und nickte Figulus rasch zu. Dann hob er den Kopf und rief seinen Männern, die sich hinter dem Tor versammelt hatten, zu: »Alle ans Tor! Aufstellen und bereit machen zum Abmarsch!«

KAPITEL 2

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