Ironische Geschichten - Walter Rupp - E-Book

Ironische Geschichten E-Book

Walter Rupp

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Beschreibung

Wer sich auf Ironie einlässt, nimmt eine scharf gewürzte Kost zu sich, die seine Kopf-Schleimhäute reizt. Mit Ironie kommt nur zurecht, wer aus einem Satz das Nichtgesagte heraushören und das Gesagte von dem Gemeinten unterscheiden kann. Er muss verstanden haben, dass Überzeichnungen oft wahrer sind als die getreuesten Abbilder der Wirklichkeit; und er muss begreifen, dass Ironie gegen Widersinn und Torheit mehr ausrichten als kluge Argumente. An Ironie wird jedoch der Gefallen finden, der Texte mag, in denen sich Gedanken verbergen, die entdeckt werden möchten, und zum Weiterdenken reizen.

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Seitenzahl: 185

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Walter Rupp

Ironische Geschichten

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Ironische Geschichten

Lebenskunst

Mancher

Der neue Knigge

Schopenhauer – Leibniz

Die Ehe

Streitkultur

Die artgerechte Haltung von Frauen

Interview mit einem Greis

Zehnkämpfer

Spaßgesellschaft

Die Schlaraffen-Republik

Werbung

Demokratie

Gutachter

Schönheitskönigin

Positive Nachrichten

Talkshow

Tore

Fernsehen

Die Bajuwaren,

Baierisch

Unübersetzbare Wörter

Kontaktversuche zu Karl Valentin

Wir sind Papst

Begrüßungsformen

Kindheit und Jugend

Schulaufsatz: „Mein schönstes Erlebnis“

Kinderklage

Erziehung

Das Wunderkind

Kinderlied

Tagebuchnotizen eines frühreifen Kindes

Jean-Jacques Rousseau

Ergänzung zur Pisa – Studie

Religion

FRAGEBOGEN ZUR RELIGIOSITÄT

Predigtarten

Nikolaus von Flüe

Quiz‑Katechismus

Gedankenspielereien

Player und Geige

Rätselecke

Fabeln

Zentralrat der Tiere

Leit - Kultur

Dichter und Denker

Bestsellerautor

Modernes Bühnenstück

Der Witz

Die Schriftsteller

Bewerbungen

Sprache

Der Redenschreiber

Der Urmensch

Das überarbeitete deutsche Liedgut

Esoterik

10 Sinnsucherlein

THERAPIE

Rezeptliste

Die Evolution

Darwin

Klonen

Fortschritt

Feste

Sankt Nikolaus

Advent

Weihnachtswunder

Ehejubiläum

Floskeln

Das Jenseits

Emails aus dem Jenseits

Des Teufels Memoiren

Berufe im Himmel

Versicherung

Tagebuch eines Schutzengels

Impressum neobooks

Ironische Geschichten

Satirikern

begegnet man mit Vorsicht. Denn man möchte

von den Hieben, die sie so geschickt austeilen, nicht getroffen werden.

Man ist sich bei ihnen nie sicher, ob sie mit ihren Sticheleien

nur bestimmte Leute und wirklich nur die anderen meinen.

Man hört ihnen darum mit zwiespältigen Gefühlen zu: Wen sie 

karikieren? Über wen sie ihren Spott ausschütten? 

Wen sie auseinandernehmen und sezieren?

Niemand weiß so recht, was er von Satirikern halten soll.

Viele hegen den Verdacht, sie wären durch Enttäuschungen bitter 

gewordene, gekränkte Idealisten, die sich nicht 

damit abfinden wollen, dass die Welt nicht gut ist,

und der Illusion erliegen, sie könnten das Böse aus der Welt vertreiben.

Andere wollen wissen, dass nur der Satiren schreiben kann,

der an Bosheiten Gefallen findet und selbst böse ist. Satire sei der 

Versuch, die eigene Bosheit loszuwerden, 

indem man sie ausspuckt oder hinaus schreit.

Der Satiriker, ist kein Menschenverächter und Sadist.

Er möchte nicht wehe tun und nicht verletzen. Seine Satiren sind nur

der verzweifelte Versuch, die Menschen von den vergifteten Ideen,

mit denen sie sich täglich infizieren, durch ein Gegengift zu heilen.

Satiriker sind die einzigen wirklichen Realisten. Sie haben etwas

gegen die geschminkte und entstellte Wirklichkeit.

Sie haben erkannt, dass man nur wenige Dinge ernst nehmen darf.

Sie wissen, dass es für den, der die Augen auftut,

unmöglich ist, das Lächerliche in der Welt nicht zu sehen 

und sich an den Widersprüchen oder Heucheleien der Menschen nicht 

zu reiben. Satiriker können darum ohne Ironie nicht schreiben.

Lebenskunst

Ars vivendi oder die Kunst, sich mit Anstand durch das Leben zu mogeln

Da fast alle Menschen ins Leben eintreten, ohne gefragt worden zu sein, ob sie leben möch­ten, und leben müssen, ohne zu wissen wie man das macht, aber oft das Geld nicht haben, nach Asien zu reisen oder bei Sinnfindungskursen Lebensweisheiten einzukaufen, möchte ich de­nen, die Lebenskunst erlernen möchten, einige Einsichten aus meiner Lebenserfahrung mitge­ben, damit sie nicht hilflos durch das Leben tappen müssen.

1. Vor Ängsten braucht man keine Angst zu haben. Es besteht kein Grund, deshalb ins Extrembergsteigen, Tiefseetauchen, Fallschirm- oder Bungee-Springen oder in den Alkohol zu flüchten. Ängste machen das alles mit. Besser ist, man holt sie aus ihrem Versteck und zerrt sie ans Licht. Dann wird man sehen, dass sie keine übermächtigen Gestalten sind, sondern schwache Wesen, die dankbar dafür sind, wenn ihnen jemand Mut zuspricht.

2. Tage kann man nicht verlängern, indem man die Nächte kürzt. Wenn die Zeit am Tage knapp geworden ist, sollte man nicht versuchen, sich Zeit von der Nacht zu holen, denn die Nächte brauchen ihre Zeit für sich. In den Nächten muss viel Aufräumarbeit geschehen: Bis zum Morgen sollen die durcheinander geratenen Gedanken und der nervös gewordene Puls wieder zur Ruhe kommen, und trübe Erinnerungen oder aufgestauter Ärger beiseite geräumt sein.

3. Es ist nicht gut, seine Probleme zu gesellschaftlichen Veranstaltungen, ins Wochenen­de oder zu Gruppengesprächen mitzunehmen, um sie vor anderen auszubreiten. So wird man sie nicht los. Wer seine Probleme mit den Problemen anderer vergleicht, macht sie nicht kleiner, son­dern gerät in Gefahr, dass er auch noch die Probleme der anderen mit­nimmt.

4. Allen, die sich schwer tun, ihr Verlangen, überall mitzureden, zu beherrschen, lege ich nahe, sich eine Sammlung der interessantesten und beliebtesten Meinungen anzulegen, damit sie für jedes Thema plausible Meinungen vorrätig haben, auf die sie jederzeit zurückgreifen können. Bei der Auswahl sollte man auf jeden Fall Meinungen, für die man komplizierte Überle­gungen anstellen müsste, aussortieren und nur die auswählen, für die man keine Argumente braucht. Man kann von Stammtischen oder Parlamentsdebatten ausreichend Meinungen mit­nehmen, die nur mehrmals lautstark wiederholt werden müssen, um jeden Widerstand zu bre­chen. Man kann sich auch an die Überschriften der Tageszeitungen halten, die mit großen Let­tern auf das Wesentliche aufmerksam machen, und vom Fernsehen lernen, wie man aus den widersprüchlichsten Meinungen eine Meinung zusammenmixt, die von Tatsachen, Vermutun­gen und Unterstellungen ein bisschen was enthält. In gebildeten Kreisen kann man mit unausgereiften Hypothesen, die ein Wichtigtuer bei einem Kongress vertrat, immer Eindruck hinter­lassen. Meinungen müssen nicht richtig sein, sondern in langweilige Diskussionen Abwechslung bringen.

5. Zweifel sind kein Grund, nervös zu werden. Sie lassen sich nur mit Menschen ein, die kritisch sind und etwas gern in Frage stellen. Man sollte sie gewähren lassen. Sie zwingen dazu, über andere Möglichkeiten nachzudenken. Sie kratzen an Fassaden, damit der Putz abfällt und das, was sich dahinter versteckt, sichtbar wird.

6. Hinterbliebene brauchen Geduld. Sie sollten sich nicht enttäuscht zeigen, wenn ihnen ein Verstorbener nicht gleich nach seinem Ableben eine Bestätigung zukommen lässt, dass er im Jenseits wohlbehalten an­gekommen ist. Neuankömmlinge, die durch die zahlreichen Neueindrücke und Ablenkungen in der neuen Welt sehr in Anspruch genommen werden, brauchen eine längere Eingewöhnungsphase. Bei Nachrufen ist es ratsam, mit der Würdigung der Verdienste eines Ver­storbenen so lange zurückhaltend zu sein, bis eine Einsichtnahme in die Prozessakten des Jüngsten Gerichtes möglich ist.

Mancher

Nicht jeder handelt nach seinem Gewissen.

Mancher handelt nach Vorschrift

Und mancher handelt mit Kopf- oder Heizkissen.

Jeder macht sich so seine Gedanken,

Mancher vorher und mancher danach

Oder nach den Kontoauszügen der Banken.

Nicht jeder spielt Flöte oder Theater

Mancher spielt den Beleidigten oder auf Zeit,

Und mancher spielt den fürsorglichen Vater.

Nicht jeder dichtet für die Nachwelt.

Mancher dichtet undichte Rohre

Und mancher erdichtet den Helden, für den er sich hält.

Mancher verliert die Orientierung und die Geduld.

Mancher verliert sein ganzes Vermögen,

Und viele verlieren bald ihre Unschuld.

Die Reiseleiter führen querdurch und herum.

Die Studenten führen sich auf

Und die Dozenten führen gern ad absurdum.

Die Lehrer lehren die Klassen,

Die Trinker leeren die Flaschen

Und Diebe leeren Tresore und Kassen.

Keiner sieht den Kern, jeder die Hülle.

Viele sehen schwarz oder fern,

Aber alle sehen durch ihre Brille.

Der neue Knigge

Der zivilisierte Mensch hat Lebensgewohnheiten angenommen, an die er sich nur schwer gewöhnen kann. Es ist darum an der Zeit, einen überarbeiteten und für jede Situation des Lebens gebrauchsfähigen Knigge herauszugeben, vor allem für die vielen verunsicherten Erwachsenen, die nicht mehr wissen, wie sie sich benehmen sollen, und die vielen Jugendlichen, die noch nicht in die Zivilisation eingegliedert werden konnten. Die guten Sitten, die Jahrhunderte hoch angesehen waren, und heute nur noch bei den primitiven Völkern geachtet werden, sind in Vergessenheit geraten. Es hat sich der anstandslose Umgang durchsetzt. Es wurde üblich, so mit jedem umzugehen, wie er es sich gefallen lässt. Wenn der Anstand für die heutige Generation nicht mehr zu retten ist, sollte er wenigstens für die Nachwelt gerettet werden.

In U- und Straßen-Bahnen oder überfüllten Zügen ist es angebracht, seinen Platz nie spontan oder gar aus Mitleid anzubieten, weil es durchaus rüstige Rentner oder Invaliden gibt, die auch eine längere Strecke stehen können. Für Kinder, die sich nach einem stundenlangen, ermüdenden Sitzen in den Schulbänken auf dem Nachhauseweg befinden, sollte der Erwachsene allerdings - bevor sie lästig werden - seinen Platz freiwillig räumen. So trägt er zur Beendigung des noch immer nicht aus der Welt geschafften Generationskonfliktes bei.

Auf Einladungen sollte man immer freudig reagieren, auch wenn es sich um Partys handelt. Jene, die Gottesdienste nicht besuchen, haben dabei dann Gelegenheit, bei Kerzenlicht und Ab-brennen von Weihrauchstäbchen aus Kelchen zu trinken und beim Gastgeber einen Gegen-stand, der zuhause nur unnütz herum lag, als Geschenk loszuwerden. Die Furcht, man könnte mit jemand in Kontakt kommen, der so vernünftig ist und nichts sagt, weil er nichts zu sagen hat, ist unbegründet. Man kann ja diese Chance nützen, wieder einmal ausführlich nur von sich zu reden.

Heute braucht niemand mehr eine Liebeserklärung an seine Freundin, Ehefrau oder Lebens-abschnittspartnerin verschämt in einem geschlossenen Couvert verschicken, sondern kann das per Handy in voll besetzten U-Bahnen und Gaststätten tun, oder im Gedränge einer Fußgängerzone jederzeit und nebenbei erledigen. Jeder der Umstehenden wird dankbar sein, dass er wieder einmal ein Gespräch anhören durfte, in dem nur liebevolle Worte ausgetauscht wurden.

Während der moderne Mensch Haustiere wie Hunde, Katzen oder Papageien sehr liebevoll behandelt, und sich sehr einfühlsam mit ihnen unterhält - ja nicht einmal den Kontakt mit Dickhäutern oder Giftschlangen scheut - bereitet ihm der Umgang mit seinesgleichen große Mühe. Das menschliche Zusammenleben würde sehr erleichtert, wenn jeder sich bemühen würde, seinen Mitmenschen gleich liebevoll Bananen zuzuwerfen wie im Zoo den Affen.

In einer Gesellschaft, die ja aus sehr verschiedenen Charakteren besteht: Aus Schwätzern, Unsympathen, Höhergestellten, Besserverdienern oder Besserwissern, muss sich jeder auf jeden einstellen können. Man sollte nie Distanz aufkommen lassen und dem anderen sofort das Du anbieten. Es reicht gewöhnlich aus, seinen Vornamen zu kennen, mehr erfahren wollen, lohnt sich meist nicht. Man sollte auch bereit sein, seine Vorurteilen gegenüber dem Piercen oder anderen schmerzhaften körperlichen Eingriffen und seine Abneigung gegenüber Nasenringen und kunstvoll durchbohrten Zungen oder Lippen zu überwinden, und mit offenen Armen auf ihn zugehen, um ihn herzlich zu umarmen und noch herzlicher zu küssen. So kann man ihn, auch wenn er sich dagegen sträubt, zur Freundschaft zwingen.

Wir brauchen einen neuen Knigge! Der alte Knigge, wollte darüber belehren, wie man sich Mitmenschen vom Hals hält. Der neue Knigge sollte uns anleiten, wie man sich um den Hals fällt. Denn wenn man schon nicht friedlich mit allen zusammenleben kann, sollte wenigsten der Eindruck entstehen, es herrsche überall Harmonie.

Schopenhauer – Leibniz

SCHOPENHAUER: Herr Kollege Leibniz, überzeugen Sie sich selbst: Die Welt ist schlecht, sehr schlecht sogar. *reicht ihm seine Brille, Leibniz setzt sie auf

LEIBNIZ: Aber lieber Schopenhauer, Sie übertreiben. Ich finde die Welt herrlich, wunderbar.

SCHOPENHAUER: Sie werden doch zugeben...

LEIBNIZ: Natürlich gibt es das eine oder andere...

SCHOPENHAUER: Das eine oder andere? Sehen Sie ein Lebewesen, das nicht leidet? Oder auch nur einen Menschen, der zufrieden ist? Auch nur einen?

LEIBNIZ: Was besagt das schon: Der Mensch war nie zufrieden und wird es nie sein. Er bringt es sogar fertig, sich über das Gute zu ärgern.

SCHOPENHAUER: Sie Verharmlosungskünstler! So kann nur einer reden, wer den Bezug zur Wirklichkeit total verloren hat.

LEIBNIZ: Ich sage ihnen: Die Welt ist gut, sie ist die beste aller Welten.

SCHOPENHAUER: Aber, aber, aber... Sie belieben zu scherzen, Herr Kollege. Sie sollten Ihren Augenarzt aufsuchen!

LEIBNIZ: Weshalb? Auch durch Ihre Brille kann ich die Welt nicht anders sehen.

SCHOPENHAUER: Für mich ist sie die schlechteste aller Welten,

LEIBNIZ: weil Sie ein Talent zum Pessimismus haben. *er gibt ihm die Brille wieder zurück

SCHOPENHAUER: Und wo bekommt man Ihren Optimismus her? Wo kann man den erwerben?

LEIBNIZ: Indem man statt auf die Mängel, auf das, was geglückt ist, schaut.

SCHOPENHAUER: Wenn die Welt wirklich die beste aller Welten wäre - wie Sie herausgefunden haben wollen - hätten wir den Himmel schon jetzt und hier.

LEIBNIZ: Und wenn die Welt die schlechteste aller Welten wäre - wie Sie behaupten - wären wir schon jetzt in der Hölle. Bekanntlich lässt sich ja ein Superlativ nicht noch steigern: Noch schlechter als am schlechtesten kann etwas nicht sein.

LEIBNIZ: *er gibt ihm seine Brille

Sie sollten einmal durch meine Brille sehen.

SCHOPENHAUER: Ich werde nie durch eine andere als durch meine Brille sehen.

LEIBNIZ: Was fürchten Sie? Dass Sie dann Ihre Philosophie revidieren müssten?

SCHOPENHAUER: Sie sollten meine Werke lesen! Ich habe darin ausführlich

und überzeugend dargestellt, wie schlecht die Welt ist.

LEIBNIZ: Schließen wir einen Kompromiss! Einigen wir uns: Sie ist gut und schlecht zugleich, sowohl als auch! Verzichten wir auf den Superlativ!

SCHOPENHAUER: Was? Ich soll künftig statt von der 'schlechtesten' nur noch von einer 'schlechten' Welt reden? Ich soll mich mit einem gedämpften Pessimismus zufrieden geben? Wollen Sie mein Lebenswerk zerstören?

LEIBNIZ: Beruhigen Sie sich, Herr Kollege, es liegt mir fern...

SCHOPENHAUER: Es wird Ihnen nicht gelingen, mich für Ihren Optimismus zu gewinnen!

LEIBNIZ: Meinetwegen soll es eine pessimistische Philosophie geben, damit auch die Pessimisten glücklich werden können.

SCHOPENHAUER: Sehen Sie vielleicht irgendwo da unten den 'besten' aller Menschen? Irgendwo?

LEIBNIZ: Da muss ich Ihnen allerdings recht geben, den sehe ich nicht.

SCHOPENHAUER: * Triumphierend: Also...

Die Ehe

Es ist eine ungelöste Frage: Warum Männer und Frauen heiraten, obwohl man täglich sehen kann, wie schlecht sie zusammenpassen. Der Mann ist nun einmal ein Einzelgänger und ein scheues Wesen. Er fühlt sich meist nur wohl an einem Stammtisch, einem Computer, in einer Reparaturwerkstatt oder hinter Akten. Es fällt ihm schwer, sich damit abzufinden, dass er in der Familie nicht mehr als Oberhaupt gebraucht wird, die Beschlüsse seiner Frau hinnehmen soll und gezwungen ist, mit seinen Kindern zu verhandeln.

Die Frau dagegen lebt unter Frauen auf, wenn sie sich mit ihnen über die Themen unterhalten kann, für die sich kein Mann interessiert. Sie ist nur noch in den seltensten Fällen Ehefrau, häufiger Lebensabschnittspartnerin, oft vorübergehende Begleiterin oder nur persönliche Referentin, meist Teilzeitbeschäftigte, manchmal Quotenfrau und fast immer unabhängiges Familienmitglied. Die Weigerung, ihren Namen trotz einer Heirat abzulegen, ermöglicht es ihr, zu bleiben, wie sie immer war.

Während Frauen sich früher unterordnen und großen Einfallsreichtum zeigen mussten, wenn sie ihren Willen durchsetzen wollten, dürfen sie sich heute, nachdem man ihnen eine Vorzugsstellung einräumt, nicht mehr listig zeigen und müssen auf ihre Stärken ganz verzichten. So ist es nicht verwunderlich, dass sie bei den Auseinandersetzungen, die in und außerhalb einer Ehe unvermeidlich sind, sich ebenso ungeschickt verhalten wie Männer und genauso unlogisch und emotional argumentieren.

Da es der Wissenschaft bis heute nicht gelungen ist, herauszufinden, wer die Ehe eigentlich erfunden hat, und wie das Problem der Liebe entstand, kursieren darüber widersprüchliche Ansichten. Mancher Verhaltensforscher ist der Meinung: der Mensch kopiere einfach - durch seinen Nachahmungstrieb dazu verleitet - die Lebensweise der Tiere und komme nun mit der Treue nicht zurecht, wie sie bei den meisten Tiergattungen selbstverständlich ist. Die Mediziner konnten sich bisher nicht einigen, ob es sich bei der Liebe nur um eine tückische, aber schnell abklingende Fiebererkrankung handelt oder um eine weit verbreitete, unheilbare Volkskrankheit. Die Literaten sehen in den Ehen mehr oder weniger gelungene Romane, in denen es nur Opfer, aber selten Helden gibt. Und die Psychologen führen das häufige Nichtgelingen der Ehen auf die Tatsache zurück, dass man eine psychologische Beratung immer erst nach einer Partnerwahl in Anspruch nimmt.

Bei der ältesten Form der Ehe, der Raub-Ehe, mussten die Männer noch, wenn sie eine Frau haben wollten, große Anstrengungen auf sich nehmen und sich den größten Gefahren aussetzen. Mit der Kauf-Ehe, als die Eltern ihre Kinder verheirateten, wurden die Ehen haltbar. Denn mit einer Auflösung der Ehe hätte man sich materiell geschadet oder Erbschaftsstreitigkeiten ausgelöst. Seitdem jedoch die Eheleute ihre Partnerwahl selbst treffen, und mit der Ehe keine weiteren Verpflichtungen auf sich nehmen, müssen Mann und Frau oft viele Jahre und viele Scheidungen abwarten, bis sie irgendwann einmal in ihrem Leben doch noch eine glückliche Ehe eingehen können. Das Zusammenleben von Mann und Frau wird wohl erst dann gelingen, wenn Eheleute – nicht mehr, wie es lange üblich war - ihre Ehe mit der Trauung schließen, sondern beginnen.

Streitkultur

ER: Dein ständiges Dazwischenreden! Dein heuchlerisches Beten!SIE: Deine Launen jeden Morgen! Deine eingebildeten Sorgen!ER: Dein pausenloses Kritisieren! Deine Ängste vor den Viren!SIE: Deine spleenigen Ideen! Dein lächerliches Schwarzsehen!ER: Deine übertriebene Ungeduld. Dein Leugnen eigener Schuld!SIE: Deine gespielte Selbstsicherheit Und peinliche Eitelkeit.ER: Deine dümmliche Rechthaberei Und grundlose Nörgelei!SIE: Deine widerliche Streitlust

Und Dein Verharren im Frust!ER: Deine höhnische Art zu lachen Über die belanglosesten Sachen!SIE: Deine aufdringliche Penetranz. Und mangelnde Toleranz!ER: Dein häufiges Schweigen, dein, dein, dein … Was soll es? Lassen wir es sein!

Ehescheidung

Nach zweijähriger Ehe sah sich der Direktor des Kredit-Institutes, der in seinem Leben immer für saubere Lösungen eingetreten war, gezwungen, seiner Frau zu erklären, warum er sich von ihr trennen müsse: Sie habe leider nach kurzer Zeit der Ehe Verhaltensweisen angenommen, die er schon an seiner 2. Frau störend fand. Auch sie habe ihn bald nach der Eheschließung an seine 1. Frau erinnert, von der er sich gewiss nie getrennt hätte, wenn sie sich ernsthafter bemüht hätte, sich auf ihn einzustellen. Wenn er überhaupt noch einmal eine Ehe eingehe, dann nur unter der Bedingung, dass seine Partnerin alles tue, was ein harmonisches Zusammenleben möglich macht.

Die artgerechte Haltung von Frauen

Jahrhunderte lang gingen die Männer in leichtfertiger Weise Ehen ein, ohne zu bedenken, welche Folgen so etwas haben kann. Sie verliebten sich zuerst und lernten die Frau dann kennen. Oft mussten sie ein Leben lang nach einem Weg suchen, wie sie mit ihrer Frau zurechtkommen, weil sie von der artgerechten Haltung von Frauen nichts wussten und Frauen behandelten wie jedes andere Lebewesen.

Ein Mann sollte darauf achten, dass er der Frau, die er eingefangen hat, im Haushalt, bei der Kindererziehung und den Tätigkeiten, die er ihr gestattet, den gleichen Bewegungsspielraum gewährt, den die Natur für sie vorgesehen hat. Er sollte sie in überschaubaren, aber geschützten Freigehegen halten, damit ein Ausbrechen in die freie Wildbahn nicht möglich ist.

Eine Zähmung kann oft Jahrzehnte dauern. Sie verlangt großes Geschick und große Geduld und führt nur selten zum Erfolg.

Mit Streicheln kann man nach einer Eheschließung oft nur das Gegenteil erreichen. Lockrufe, die beim Kennenlernen als angenehm empfunden wurden, werden bald danach als Drohung missverstanden.

Da Frauen gesellige Wesen sind, sollte man sie zu gesellschaftlichen Veranstaltungen mitnehmen, ihnen ausreichend Gelegenheit geben zur kosmetischen Vorbereitung und zur Krallenpflege, die gewöhnlich als Maniküre umschrieben wird.

So wie die Meteorologie bis heute außerstande war, ihre Prognosen so zu stellen, dass sie mit dem Wetter übereinstimmen, gelang es den Psychologen nicht, die Psyche von Frauen wissenschaftlich zu erforschen. Die Männer müssen sich darüber im Klaren sein, dass sie – sooft sie sich mit einer Frau einlassen – den Kampf mit einer Naturgewalt aufnehmen.

Bedienungsanleitung für den Umgang mit Männern

Männer sind – im Unterschied zu Frauen – unkompliziert und leicht zu führen, wenn man sich über die Modelle, die in jüngster Zeit auf den Markt gekommen sind, einige Grundkenntnisse angeeignet hat. Die Tastatur ist nicht schwerer zu bedienen als bei jedem anderen technischen Gerät.

Da das Öffnen häufig mit Komplikationen verbunden ist und nicht selten Stunden in Anspruch nimmt, sollte man sehr behutsam starten, und vor allem bei einer Befehlseingabe unbedingt jede Hektik meiden, damit es nicht zu einem Absturz oder Totalausfall kommt. Sie funktioniert meistens erst nach mehrmaligen Wiederholungen.

Bei Widerständen ist es ratsam, eine Einstellungsänderung vorzunehmen und den Text neu zu setzen. Im Notfall sollte man ganz ausschalten und neu starten, womöglich mit einem gänzlich neuen Programm.

Es lässt sich nicht ausschließen, dass beim Ausführen von Befehlen Seriendruckfehler passieren und Gespeichertes verloren geht. Ein Einfügen und Korrigieren ist nach einer Eheschließung kaum noch möglich. Beim Löschen bleiben fast immer Reste von lästigen Eigenarten, schlechten Gewohnheiten und angeborenen oder erworbenen Marotten zurück. Eine Softwareüberholung bringt meist nichts und ein Umtausch löst eigentlich nie die Probleme. In schwierigen Situationen hilft nur die Verknüpfung mit anderen Personen.

Interview mit einem Greis

1. Viele bedeutende Persönlichkeiten der Geschichte starben früh: Alexander, Jesus, Napoleon oder Mozart. Aber Sie haben das 80. Lebensjahr erreicht!

Ja, ich konnte sie überleben. – Aber 80 Jahre – das sagt sich so leicht. Die müssen - wenn man sie nicht nur rumbringen will - erst einmal gelebt werden.

2. Wie fühlt man sich mit 80?

Man freut sich, dass man noch da ist, obwohl man nicht mehr dazugehört.

3. Wie haben Sie es geschafft, so alt zu werden?

Nun, ich legte immer Wert darauf, dass meine Gesundheit nicht durch eine falsche Ernährung und durch ärztliche Fehldiagnosen Schaden leidet. Außerdem versuchte ich mich während des Krieges den zahlreichen Gelegenheiten, umgebracht zu werden, ohne Rücksicht darauf, dass man das als Feigheit bezeichnet, möglichst zu entziehen.

4. Was sehen Sie rückschauend als die schwerste Krise Ihres Lebens an?

Es war die Zeit, als ich erwachsen werden sollte. Das war mir zu wenig. Ich wollte mehr.

5. Hatten Sie je den Wunsch, mit Ihrem Leben noch einmal zu beginnen?

Um Himmels willen, wirklich nicht. Ich empfinde Abscheu, wenn ich daran denke, dass ich mich noch einmal 18 Jahre lang einer Erziehung aussetzen und einen Schulunterricht ertragen soll. Ich möchte mich nicht noch einmal auf die Sinnsuche begeben und eine Berufsentscheidung treffen. – Tragisch ist nur, dass niemand den ungeheuren Erfahrungsschatz, den ich in meinem Leben ansammeln konnte, haben möchte.

6. Haben Sie je in Ihrem Leben andere beneidet?

Ja, die, die mit ihren Talenten mehr als ich mit meinen anzufangen wussten.

7. Gibt es etwas, was Sie ungeschehen machen möchten?

Mir läge sehr viel mehr daran, wenn ich all das, was in meinem Leben ungeschehen geblieben ist, noch geschehen machen könnte.

8. Welchen Hobbys sind Sie in Ihrer Freizeit nachgegangen?

Sooft ich mich entspannen wollte, ließ ich das Auto in der Garage und die Bücher im Regal, hängte meinen Jogginganzug in den Schrank, schaltete das Handy, das Stereo- und Fernsehgerät ab, und mied das Gespräch mit Schwätzern. Dann atmete ich tief ein und ließ meinen Gedanken freien Lauf.

9. Hatten Sie je den Wunsch, in einer anderen Zeit und in einem anderen Land zu leben?

Dieser Wunsch hielt nur so lange an, so lange ich über diese andere Zeit und dieses andere Land noch nichts wusste, und schwand, sobald ich diese Wissenslücke schließen konnte.

10. Die Gerontologen behaupten, dass man sich in dem Lebensabschnitt, in dem Sie sich befinden, negative Eigenschaften wie Misstrauen, Starrsinn oder Geiz aneignet.

Diese Aussage der Gerontologen beweist, wie sehr Fachleute irren können. Für mich sind diese Eigenschaften positiv. Ohne Misstrauen ist man den Betrügern und ohne Starrsinn den Moden ausgeliefert. Vor allem muss man mit seiner Zeit geizen können.