Jack Slade 933 - Jack Slade - E-Book

Jack Slade 933 E-Book

Jack Slade

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Beschreibung

Beim Bau einer Bahnlinie von Texas nach Kalifornien bekämpfen sich zwei Gesellschaften. Mit Revolvermännern, Sabotage und roher Gewalt versuchen sie, die Konkurrenz auszuschalten. Es fließen Ströme von Blut.
State Marshal Henry Jefferson, der sich viel lieber mit den verführerischen Zwillingsschwestern Lorna und Carry amüsieren würde, steht auf einem sehr harten Posten, wenn er die komplette Eskalation verhindern will ...


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Seitenzahl: 151

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Inhalt

Cover

Mitten in der Feuerlinie

Vorschau

Impressum

Mitten in der Feuerlinie

Beim Bau der Bahnlinie von Texas nach Kalifornien bekämpfen sich zwei Gesellschaften. Mit Revolvermännern, Sabotage und roher Gewalt versuchen sie, die Konkurrenz auszuschalten. Es fließen Ströme von Blut.

State Marshal Henry Jefferson, der sich viel lieber mit den willigen Zwillingsschwestern Lorna und Carry amüsieren würde, steht auf einem sehr harten Posten, wenn er die komplette Eskalation verhindern will ...

»Marshal! Marshal!«

Henry Jefferson war gerade im Bahncamp damit beschäftigt, eine Keilerei zwischen Schienenlegern zu stoppen. Die Iren prügelten sich mit den Chinesen, dass die Fetzen flogen. Jefferson hielt es überhaupt für eine verrückte Idee, Iren und Chinesen zusammen im Streckenbau einzusetzen, wenn auch in getrennten Trupps.

Er sah sich um. Ein bildhübsches, schwarzhaariges Girl galoppierte auf einem verrückt gefleckten Pinto ins Lager. Jefferson hatte die Schöne noch nie gesehen, und für schöne Frauen hatte er einen scharfen Blick – und nicht nur der Blick war scharf.

Die Unbekannte zügelte hart ihr Pferd. Ihre blauen Killeraugen waren voller Panik.

»Marshal!«

»Der bin ich.« Jefferson feuerte mit dem Revolver einen Schuss in die Luft. Die Dutzende Streithähne hielten inne. »Hört mal auf mit der Keilerei, ihr Sauf- und Raufbolde! Die von der Grünen Insel und auch die Zopfträger. Sofort! Die Lady hat etwas Wichtiges zu sagen.«

Tatsächlich hielten die Streithähne inne. Sie sahen sich giftig an. Das Girl, sie konnte nicht älter als zwanzig sein, sprach vom Sattel des schweißbedeckten Pintos aus.

»Comanchen ... Meine Schwester wird von Comanchen gejagt. Sie müssen ihr beistehen, Marshal. Die Rothäute tun ihr sonst etwas an. Sie ... fallen über sie her. Sie ...«

Das Girl schilderte nicht, was passieren würde, das war aber klar. Die Comanchen berührten attraktive Frauen nicht nur mal kurz mit dem Coupstab. Es waren junge Krieger, die voll im Saft standen.

»Was? Wer? Wo? Wer sind Sie überhaupt, wo kommen Sie her, und wo findet das statt?«

»Ich bin Lorna Mitchell. Carry, meine Schwester, und ich kamen heute mit dem Zug an.« Sie meinte den Versorgungszug. »Wir haben gleich einen Ausritt unternommen, nach Westen. Wir wollten uns etwas bewegen.«

»Zwei Girls allein so kurz vor dem Llano. Seid ihr verrückt geworden? Die Gegend ist unsicher – hier treiben sich Banditen und auch noch wilde Comanchen herum. Wer seid ihr denn überhaupt, und was ... Verstehe, ihr seid Jason B. Mitchells Töchter. Ihr seid also Comanchen in die Quere gekommen.«

»So ist es. Und Crazy, also Carry, reitet gern nackt, um die warme Luft und den Reitwind auf ihrer Haut zu spüren, Sie verstehen? Das und die Bewegungen des Pferds törnen sie an.«

Jefferson klappte für einen Moment der Unterkiefer herunter.

»Höre ich recht? Carry ist nackt durch die Gegend geritten? Ja, seid ihr denn von allen guten Geistern verlassen?«

»Ich bin ja nicht nackt geritten.«

»Du warst aber dabei. Deshalb bist du mit verantwortlich. Ihr beide, die nackte Carry und du, seid also Comanchen begegnet. Wie viele sind es – und wo?«

»Um die dreißig. Plötzlich waren sie da. Heulende wilde Krieger. Sie schnitten uns den Weg ab. Wir teilten uns, die Horde verfolgte Carry.«

Warum wohl?, dachte der Marshal.

»Wir waren am Creek, dort, wo die Anhöhe mit den drei rostroten Felsen ist.«

»Das muss der Mustang Draw sein.«

»Carry ist nach Westen geritten, ich nach Osten. Beeilen Sie sich doch, Marshal! Männer, steht nicht herum, sammelt ein Aufgebot! Ihr müsst meine Schwester retten!«

»Ihr habt es gehört!«, rief der Marshal, ein sehniger, großer Mann. »Hört auf, euch zu prügeln. Eine weiße Lady ist in Lebensgefahr. Sofort los zum Mustang Draw, wer ein Pferd auftreiben kann. Jim ...« Das galt dem Deputy. »... ich reite voraus. Seht zu, dass ihr nachkommt und mich raushaut. Ich werde die Comanchen von ihrem Vorhaben abhalten.«

»Sie wollen allein gegen dreißig Comanchen kämpfen, Marshal?«, fragte Lorna Mitchell.

»Ich beschäftige sie«, antwortete Jefferson knapp und rannte los, ins Camp, zu den Pferden.

Man fand hier nur wenige Reitpferde, denn die Schienenleger kamen nicht zum Spazierenreiten, sondern um die Bahnlinie zu bauen. Einige Reitpferde brauchte man aber doch. Jefferson rannte zur Koppel, schnappte sich einen Sattel und pfiff Black herbei, seinen schwarzen Hengst, den außer ihm kein anderer reiten durfte.

Er sattelte in aller Eile. Seine Winchester hatte er im Scabbard des Sattels, der über einem Balken beim Corral hing. Es gab immer wieder mal Zwischenfälle, auch außerhalb des Camps vorne am Schienenkopf. Dann musste Jefferson rasch los. Er hatte einen höllischen Job und konnte nicht lange seine Waffen und Siebensachen zusammensuchen.

Er startete im fliegenden Galopp, trieb Black an, hielt sich am Sattelhorn fest, ließ sich vom Schwung des Hengstes mitreißen und sprang in den Sattel. In donnerndem Galopp preschte er aus dem Camp, dass die Grassoden vom Boden flogen.

Als er an der Bauleiterbaracke vorbeiritt, sah er davor den Bauleiter und einen städtisch gekleideten Gentleman mit grauer Weste und Röhrenzylinder stehen. Der Gentleman war Jason B. Mitchell, der Chef-Finanzier der Bahnlinie. Mitchell ließ sich öfter im Camp und beim Eisenbahnbau sehen. Für ihn hing eine Menge davon ab, dass die Texas & California Railroad gedieh. Sie stand in krassem Wettbewerb zur C. C. & S. F. Railroad – Corpus Christi & San Francisco Eisenbahn –, die ebenfalls eine Strecke baute, in dieselbe Richtung, von der West- zur Ostküste.

Die Streckenführung verlief etwas anders, doch im Prinzip lief es auf das Gleiche hinaus. Und nur eine Bahnlinie konnte bestehen und die satten staatlichen Zuschüsse kassieren. Und, wenn sie das Rennen machte, den Verkehr aufnehmen. Die andere Linie war dann bankrott und würde zugrunde gehen wie eine schillernde Seifenblase, in die man eine Nadel steckte.

Finanzierungen und Spekulationen waren nicht Henry Jeffersons Ding. Er hatte nur die Folgen des gnadenlosen Wettbewerbs beim Schienenbau am Leib.

Er ritt wie der Teufel, weit an dem Kaff Midland vorbei, das in der heißen Sonne dörrte, in Richtung Mustang Draw. Bis ihm ein Aufgebot folgte, würde es dauern. Die Schienenleger waren durch die Bank keine erstklassigen Reiter. Beim Satteln stolperten sie oft über die eigenen Füße, und wie sie im Sattel saßen, war ein Graus für geübte Reiter und Cowboys.

Doch Jefferson konnte die leichtsinnige junge Frau nicht im Stich lassen. Wenn sie so hübsch und sexy war wie ihre Schwester, würden die Comanchen lechzend und mit heraushängender Zunge und steifen Schwänzen hier ihr herjagen.

Jefferson preschte durch die ausgedörrte Gegend. An Dornbüschen und Mesquites vorbei. Karger Boden, stellenweise uneben, mit flachen Hügeln in der Ferne. Umso mehr staunte der Marshal, als er Hufschlag hörte. Er blickte hinter sich und war bass erstaunt, einen Chinesen in seltsamer Kleidung hinter sich reiten zu sehen.

Der Mann trug ein dunkles, fremdartig geschnittenes Obergewand mit weiten Ärmeln, Hosen mit weiten Beinen, die nicht bis an die Fesseln reichten, und Strümpfe sowie dunkel lackierte Schuhe. Um die Leibesmitte hatte er eine rote Schärpe. Er war barhäuptig. Die Haare lagen eng an und waren zu einem Knoten am Hinterkopf zusammengefügt. In diesem Knoten steckten zwei lange Nadeln, die ihn zusammenhielten.

Dieser Mann saß auf einem schlanken Falben mit hohen Fesseln, ein Rennpferd war das.

Er holte sogar noch auf. Jefferson sah auch ihn zum ersten Mal bei dem Bahnbau, und er staunte. Er war der Meinung gewesen, er wüsste genau Bescheid, wer alles vorne am Schienenkopf war – ein paar hundert Männer bauten die Bahn. Jefferson kannte sie alle zumindest vom Sehen.

Genau wie die Nutten in dem Bordell, das die Bahnbaugesellschaft verpachtet hatte, und die Leute von den drei Saloons. Einen Ausschank betrieb die Texas & California selbst, zwei waren Fremdbetreibern überlassen.

Die bezahlten dafür.

Der Marshal staunte noch mehr, als er sah, dass der Chinese einen Colt in der Schärpe stecken hatte und mit Pfeil und Bogen eulbewaffnet war. Zudem hatte er auch noch ein großes Schwert in einer reichverzierten Scheide an der Seite. Jefferson ließ ihn aufholen.

»Wer bist du?«

»Chang Colorado. Man nennt mich den Gelben Tod.«

»Von einem solchen Chinesen hörte ich. Ich dachte, das wäre ein Märchen und eine Legende. Was ist das für ein Schwert?«

Chang antwortete in akzentfreiem Englisch: »Es ist ein Teil von mir – mein Freund und die Seele des Kriegers. Ich bin wie die Mitchell-Girls heute angekommen. Mit meinem Pferd Ghost und meinen Waffen. Wollte hier mal nach dem Rechten sehen und die Interessen der chinesischen Schienenleger vertreten. An der Schlägerei habe ich nicht teilgenommen, sonst hätte es Tote und Schwerverletzte gegeben.«

»Du hast aber gut was vor! Merk dir, ich bin hier der Marshal.«

»Du wirst Hilfe gebrauchen können«, erwiderte der Chinese trocken. »Zuerst mal müssen wir dieses verrückte Girl retten.«

»Die Tochter von Jason B. Mitchell, yeah. Wenn die Comanchen ihr den Skalp abziehen, nachdem sie alle über die drübergestiegen sind wird Mitchell die Bahn nicht weiterbauen wollen. Das müssen wir unbedingt verhindern. Ich habe von dir gehört, Yellow Death. Du sollst mehr Menschen umgebracht haben als die Cholera.«

»Die Leute reden viel«, sagte der Chinese. Er hatte im Gegensatz zu seinen Landsleuten keinen Zopf. Er war über mittelgroß und schlank und biegsam wie eine Bogensehne. »Wenn einer einen umbringt, wird bald von zwei erzählt. Nach einer Woche sind es schon zehn. Ich habe ein paar Fights ausgetragen im Westen. Wyatt Earp und Doc Holliday sprechen in den höchsten Tönen von mir. Wild Bill Hickok habe ich mal den Hut mit einem Pfeil vom Kopf geschossen, was ihm nicht gefiel. Die Narbe an seiner rechten Hand hat er von mir.«

»Wie das?«

»Well, er griff zum Revolver. Da traf ich mit einem Wurfstern seine Hand. Danach gab er auf.«

Jefferson wusste nicht, ob er das glauben sollte. Der wilde Bill war nach Jeffersons Meinung nicht der Mann, um sich von einem Chinesen beeindrucken zu lassen. Doch Chang sah nicht wie ein Lügner aus.

Eine Staubwolke hinter sich, ritten die zwei durch ein trockenes Bachbett. Sie hielten Ausschau nach der nackten Carry und ihren Verfolgern. Der Himmel war kupferfarben, die Sonne brannte herab.

Ein paar Meilen weit waren die zwei Männer schon geritten.

»Du willst doch nicht mit dem Schwert gegen die Comanchen kämpfen?«, fragte Jefferson. »Sie spicken dich schneller mit Pfeilen, als du es ziehen kannst.«

»Das werden sie nicht. Eher ich sie. Mein Schwert ist ein besonderes. Die Japaner sind nicht die Einzigen, die Samuraischwerter und eine uralte Schwertkampftradition haben. Bei uns heißt eine solche Klinge aus besonderem Stahl Wing-tsun – Todeswind. Wie gehen wir vor, Marshal?«

»Das sehen wir dann. Zuerst will ich mir vor Ort einen Überblick verschaffen.«

Sie ritten weiter. Dann hörten sie Geschrei hinter einer Bodenwelle, neben der dichtes Gesträuch und ein paar verkrüppelte Bäume wuchsen.

Männerstimmen johlten, das waren die Comanchen, und eine Frau kreischte: »Fasst mich nicht an, ihr Schweine!«

Angst und Not waren herauszuhören. Jefferson gab dem Gelben Tod ein Zeichen, sein Pferd anzuhalten.

»Ich reite auf die Anhöhe«, sagte er. »Du kommst von links durch die Büsche. Erst greife ich an, lenke die Comanchen ab und beschäftige sie, dann schlägst du zu. Es sind dreißig Krieger. Das ist nicht zu verachten.«

Der Chinese nickte. Er wirkte angespannt, aber gelassen und selbstsicher. Jefferson war froh, ihn an seiner Seite zu haben.

Der Marshal ritt auf die Anhöhe, die Winchester in der Rechten. Der Lauf zeigte nach oben. Den Colt hatte Jefferson im Halfter gelockert. Kaltblütig hielt er auf der Anhöhe an.

Vor sich, in hundertfünfzig Metern Entfernung, sah er die Comanchen und ihr Opfer, eine nackte, junge weiße Frau, die sie umzingelt hatten. Der Pferde der Comanchen standen abseits, rechts von Jefferson. Chang musste zwischen den Büschen sein. Der Marshal bemerkte ihn nicht.

Er hielt Ausschau. Die Comanchen fühlten sich ihrer Sache sicher. Das zweite, bekleidete Girl hatten sie nicht verfolgt und nahmen an, es würde länger dauern, bis sie Hilfe herbeiholte.

Carry Mitchell war, soweit Jefferson das auf die Entfernung erkennen konnte, ein Leckerbissen. Schlank, mit großen Brüsten und einer aufreizenden Figur. Sie war von Indianern umzingelt, die sie grinsend erschreckten und jagten.

Mal sprang einer vor, grabschte nach ihr, wich dann wieder zurück. Mal wurde sie geschubst und gestoßen und an intimen Stellen angefasst. Für die dunkelhaarige Schöne musste es grässlich sein, dieser Meute ausgeliefert zu sein, die jeden Moment über sie herfallen konnte.

Dann würde es für sie äußerst übel. Noch genossen die Comanchen das Jagen und Necken, das Betatschen als Vorspiel, ohne aufs Ganze zu gehen. Sie weideten sich an der Angst ihres Opfers.

Carry bedeckte mitunter ihre Scham mit der Hand oder verdeckte die Brust. Dann musste sie die Hände wieder wegnehmen, wenn ein oder zwei oder drei Comanchen sie fummelnd bedrängten.

Die Sexparty hat sie sich selbst zuzuschreiben, dachte der Marshal. Was muss sie auch splitternackt in einer gefährlichen Gegend umherreiten? Doch im Stich lassen konnte er dieses Luder nicht. Er hätte sich bis ans Ende seines Lebens verachtet und sich Vorwürfe gemacht, wäre er tatenlos geblieben und hätte auf das Aufgebot aus dem Bahnbaucamp gewartet.

Bis dahin würde Carry zu Tode gerammelt sein.

Jefferson hatte eine gute Übersicht. Er trabte an. Die Comanchen bemerkten ihn nicht. Das nackte Girl fesselte sie zu sehr.

Nun traten zwei Krieger vor und packten die junge Frau an den Armen. Mit eisernem Griff hielten sie die Nackte fest. Ein hochgewachsener Comanche näherte sich von vorn und hob seinen Lendenschurz, um ihn sein einsatzbereites bestes Stück zu präsentieren.

Der Büffelkopfhaube nach zu urteilen und da er den Anfang machen wollte, musste das der Häuptling sein. Carry sträubte sich. Jefferson sah es nicht auf die Entfernung, doch er nahm an, dass sich ihre Augen vor Entsetzen weiteten.

Plötzlich jedoch trat sie zu und traf den Häuptling mittschiffs, wie ein Matrose gesagt hätte. Der Mann mit der Büffelkopfhaube stieß einen dumpfen Schrei aus und ging zu Boden, so hart und so stark er auch war.

Dann erhob er sich wieder. Eine Hand zwischen die Beine gepresst, wankte er zu Carry. Auf seinen Wink hin warfen seine beiden Krieger die Nackte zu Boden. Zwei anderen packten sie an den Fußgelenken, spreizten ihr die Beine und hielten sie fest.

Die Comanchen gafften, bewegten sich unruhig. Doch keiner von ihnen wagte es, sich vor ihrem Häuptling auf die Wehrlose zu stürzen und sich an ihr zu vergehen.

Der Comanchenhäuptling war ein harter Brocken. Dennoch brauchte er etwas Zeit, um wieder gefechtsbereit zu sein. Jefferson ritt näher heran.

Der Häuptling trat vor, kniete nieder – und der Marshal verlor ihn aus den Augen. Die Krieger verdeckten den Häuptling.

Jetzt galt es, nicht länger abzuwarten. Jefferson war bis auf achtzig Meter heran. Er legte die Winchester an und schoss so schnell und gezielt, wie er mit dem Unterladehebel repetieren konnte.

Mündungsfeuer zuckten, die Schüsse krachten. Rauchende Patronenhülsen flogen aus dem Lauf. Sechzehn Schuss hatte die Winchester 73 – fünfzehn im Magazin, einen im Lauf. Der Marshal ritt schießend weiter.

Die Comanchen wurden von dem unerwarteten Angriff vollkommen überrascht. Krieger stürzten getroffen zu Boden. Dem Häuptling verging jäh die Lust auf die weiße Squaw. Er richtete sich auf, schrie Befehle, fuchtelte mit den Armen.

Jefferson hörte die Stimmen und Schreie der Indianer. Den Wortlaut verstand er nicht. Allein konnte er es niemals schaffen. Wo blieb Chang Colorado? Einen verzweifelten Moment dachte der Marshal, der Chinese hätte ihn im Stich gelassen und gekniffen.

Hätte sich feige aus dem Staub gemacht vor der Übermacht der Comanchen.

Dann sah er Krieger fallen, die nicht von seinen Kugeln getroffen waren. Erst im Näherkommen erkannte er, dass Pfeile sie getroffen und gefällt hatten. Der Gelbe Tod schoss mit dem Langbogen – er ritt aus dem Gebüsch, unaufhaltsam, und er machte seinem Kriegsnamen Ehre.

Die Pfeile zischten durch die Luft, sehr schnell abgeschossen. Fast so schnell wie die Winchester krachte. Ein geübter Bogenschütze mit einem Langbogen schoss in der Minute bis zu fünfzehn Pfeilen ab, durchaus gezielt.

Nur wenige konnten das, denn lebenslange Übung, eine sichere schnelle Hand und ein gutes Auge gehörten dazu. Auf hundertfünfzig Meter traf ein solcher Bogenschütze noch ein bewegliches Ziel in der Größe eines Hundes.

Chang kam näher. Er ritt schnell, und er schaffte das Kunststück, vom galoppierenden Pferd aus zielsicher seine Pfeile abzuschießen. Dazu gehörte es, in dem Sekundenbruchteil zu schießen, in dem sich alle vier Hufe des Pferds in der Luft befanden.

Er preschte heran. Jefferson hatte seine Winchester leer geschossen. Er warf sie zur Seite und griff zum Colt. Ritt auf die Comanchen zu. Irritiert und geschockt erwiderten sie das Feuer. Kugeln und Pfeile umschwirrten die beiden Angreifer.

Jefferson wurde nicht getroffen, bei Chang sah er es nicht. Der Chinese warf nun den Bogen weg und feuerte, die Zügel zwischen den Zähnen, mit beiden Colts. Er verwandelte sich in eine feuerspuckende Kampf- und Todesmaschine.

Jefferson fasste es kaum. Derartiges hatte er noch nie zuvor gesehen, und er kannte viele Männer und Gunmen und war durch viele Kämpfe gegangen. Ein paar Comanchen verloren die Nerven und rannten zu ihren Mustangs. Fünfzehn Mann waren gefallen, ein paar weitere verletzt.

Der Häuptling mit der langhörnigen Büffelkopfhaube rief den Fliehenden etwas nach. Bis auf zwei, die weiterrannten, blieben sie stehen. Jefferson schoss gezielt einen Colt leer, Pulverdampf wölkte in Schwaden.

Der Marshal zog den zweiten Revolver.

Als er das Feuer eröffnete, erreichte Chang die Comanchen. Er zog sein langes Samuraischwert mit einer fließenden Bewegung. Die Klinge zuckte durch die Luft wie ein silberner Blitz.

Blut spritzte in hohem Bogen. Abgetrennte Körperteile und ein Kopf flogen durch die Luft. Der Gelbe Tod mähte sich im Reiten eine blutige Gasse.

Carry kauerte am Boden. Sie hatte die Beine zusammen und bedeckte die vollen Brüste mit dem Unterarm, obwohl sich jetzt wahrhaftig keiner dafür interessierte. Die Luft war voll vom Krachen der Schüsse und vom Geschrei – Todes- und Kampfschreien.

Chang spaltete einem Comanchen den Schädel und traf einen anderen mit einem rückwärts gezogenen Hieb der rasiermesserscharfen Klinge. Ein Samuraischwert zerschnitt eine im Wasser flussabwärts schwimmende Flaumflocke, so scharf war es.

Chang sprang aus dem Sattel, als sein Pferd, von Pfeilen und Kugeln getroffen, in die Knie brach. Der Chinese bewegte sich so schnell und präzise, wie Jefferson es noch nie bei einem Menschen gesehen hatte.

Der Mann war so schnell wie ein rasend angreifender Puma.

Dann war es vorbei, oder schien fast vorbei zu sein. Überall Leichen und Schwerverletzte, am Boden die nackte Frau.