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Der Krieg ist seit drei Jahren vorbei, aber in Missouri herrscht keine Versöhnung. Noch immer schmerzen Wunden und klaffen tiefe Gräben zwischen der Union und den geschlagenen Konföderierten. John Flack, der Sheriff von Springfield, versucht alles, um einen neuen Bruderkrieg zu verhindern - als seine bildschöne Frau Joleen ihn ausgerechnet mit dem wilden Ringo Roscoe, einem überzeugten Südstaatler, betrügt. Statt Frieden will Flack nun unbedingt Vergeltung ...
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Seitenzahl: 161
Veröffentlichungsjahr: 2021
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Der Krieg ist vorbei!
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Impressum
Der Krieg ist vorbei!
Der Krieg ist seit drei Jahren vorbei, aber in Missouri herrscht keine Versöhnung. Noch immer schmerzen Wunden und klaffen tiefe Gräben zwischen der Union und den geschlagenen Konföderierten. John Flack, der Sheriff von Springfield, versucht alles, um einen neuen Bruderkrieg zu verhindern – als seine bildschöne Frau Joleen ihn ausgerechnet mit dem wilden Ringo Roscoe, einem überzeugten Südstaatler, betrügt. Statt Frieden will Flack nun unbedingt Vergeltung ...
»Sheriff, deine Frau liegt mit Ringo Roscoe im Bett!«
John Flack, der Sheriff von Springfield, hatte am Nachmittag nach dem Essen in seinem Office gedöst. Jetzt sprang er auf wie von der Tarantel gestochen.
Sein Deputy Joshua Hyde stand vor ihm, sein bester Freund und eine Seele von Mensch. Hyde war stämmig und untersetzt. Er schielte etwas, was ihn nicht daran hinderte, ein erstklassiger Schütze zu sein.
»Wenn es dir kein anderer sagt, ich sage es dir. Joleen ist ein Flittchen. Sie hat sich Ringo Roscoe an den Hals geworfen. Die ganze Stadt spricht davon.«
John wurde leichenblass. Er wusste längst, dass seine Göttergattin nicht das war, was er in ihr sehen wollte. Doch hartnäckig machte er sich etwas vor, was die schöne Joleen betraf. Er hatte sie haben wollen, um jeden Preis, koste es, was es wolle.
Jetzt waren sie gerade mal anderthalb Jahre verheiratet, nachdem er intensiv um sie geworben hatte, und nun dieser Schlag ins Gesicht.
Er packte den Deputy am Kragen und schüttelte ihn.
»Das lügst du! Joleen ist mir treu. Das sagst du nur, weil du neidisch bist. Joleen ist die schönste Frau in den gesamten Ozarks, in ganz Missouri! Du gönnst sie mir nicht.«
Er schnürte Hyde die Luft ab und holte zum Schlag aus.
Hyde wehrte sich nicht. Furchtlos sah er den hochgewachsenen, dunkelhaarigen Sheriff an.
»Schlag mich! Davon wird es nicht ungeschehen. Sieh der Wahrheit ins Gesicht! Du bist doch sonst kein Feigling.«
John krümmte sich wie unter einem körperlichen Schlag. Er schlug nicht zu.
»Du lügst!«
»Dann geh doch nach Hause und überzeug dich selbst.«
»Das werde ich. Woher willst du überhaupt wissen, was mit Joleen und Ringo Roscoe angeblich ist? Bespitzelst du meine Frau?«
»Nein. Aber ich halte Augen und Ohren offen, auch was Joleen betrifft, im Gegensatz zu dir, der auf sie nichts kommen lässt. Der sie auf einen Sockel stellt und blind ist für alles, was gegen sie spricht. Wenn dir einer was gegen Joleen sagt, springst du ihm ins Gesicht. Keiner wagt es – nur ich, weil ich dein Freund bin und es gut mit dir meine. Mach endlich die Augen auf, Sheriff! Wach auf! Was ist aus dir geworden, aus dem stahlharten Kämpfer und furchtlosen Mann? Dem Banditenschreck? Ein Hahnrei bist du geworden. Joleen setzt dir Hörner auf, mit denen du durch keine Tür mehr passt. Du leugnest die Tatsachen.«
»Treib es nicht zu weit, Joshua! Sonst bist du gefeuert, und vorher ...«
»Willst du mich verprügeln? Oder gar erschießen? Würdest du so weit gehen? Lass mich endlich los, schwing dich aufs Pferd und überzeug dich.«
John ließ Hydes Hemdkragen los. Er sah ihn an. Ihm war schwindlig, und er hatte einen sauren Geschmack im Mund.
»Okay. Aber ich sage dir, wenn du gelogen hast, wirst du es bitter bereuen. Dann sind wir keine Freunde mehr.«
Damit verließ John das Office, rannte zum Mietstall und holte eilig sein Pferd. Er sattelte in fliegender Hast und ritt in donnerndem Galopp durch die am frühen Nachmittag schläfrige Stadt.
✰
Vor seinem kleinen, gemieteten Haus am Ashley Fork drosselte John das Tempo und ritt durch die Seitengasse hinters Haus.
Er band seinen Pinto am Lattenzaun an, sprang hinüber und schlich sich wie ein Dieb an, statt offen von vorn zu kommen. Er näherte sich der Hintertür. Der Wachhund verbellte ihn nicht. Er winselte nur leise.
Das Schlafzimmerfenster stand offen.
John hörte Joleens Lustschreie. Sie war beim Sex ordinär und laut, wenn sie in Wallung kam. Sie mochte es gern hart. An ihm zeigte sie seit einiger Zeit wenig Interesse, kaum, dass sie sich herabließ, mit ihm zu schlafen. Jetzt kannte er den Grund.
»Ah, ja, mach's mir! Fester, du Bock! Gib es mir. Rein in das Loch.«
»Ich weiß, was du brauchst, du Schlampe!«, stöhnte der schöne und wilde Ringo. Der Jüngste von Jed Roscoes Söhnen.
Er stieß ordinäre Wörter aus. John glaubte, ihn würde ein Pferd treten. Bis zuletzt hatte er die Wahrheit geleugnet, dass Joleen eine Schlampe war. Jetzt sprang sie ihm ins Gesicht.
Er trat durch die Hintertür ein, eilte leise zur Schlafkammer, zog seinen Colt und öffnete die Schlafzimmertür. Zuerst sah er Ringos Hintern, der sich heftig auf und ab bewegte. Joleen umklammerte ihren Liebhaber mit den Beinen, stieß ihm noch das Becken und die heiße Pussy entgegen und war außer Rand und Band.
Ringo genauso. Beide waren natürlich nackt, voll in Ekstase und beim Höhepunkt.
»Ah, ah, ah! Jaaaaaaaaa!«
John sprang vor und drosch Ringo den Revolverlauf erst über den Hintern und dann über den Kopf. Noch bevor die beiden begriffen, was vorging, riss John den blondlockigen Ringo von seiner Frau weg und aus ihr heraus.
Joleen starrte ihn an. Sie war erhitzt, ihre Haare aufgelöst. Sie hatte die Schenkel geöffnet, und John starrte ihr genau in das Teil, das ihn faszinierte. Er schleuderte Ringo mit einem wilden Kraftausbruch vom Bett weg an die Wand.
»Du Bastard, du Lump! Ich sollte dich abknallen.«
Ringo hockte auf seinem nackten Hintern. Er lachte.
»Da solltest du dir gut überlegen. Ich bin nackt und waffenlos. Willst du einen nackten und unbewaffneten Mann erschießen?«
»Verdient hättest du es.«
»Dann schieß.«
Ringo mochte einen miesen Charakter haben, aber feige war er nicht. Absolut furchtlos. Muskulös und sehr männlich. Kein Wunder, dass ihm die Frauen zu Füßen lagen.
Joleen zeigte sich verärgert. Sie war schwarzhaarig und blauäugig, mit einer wunderbaren Figur, die schönste Frau von Missouri.
»Hättest du nicht zehn Minuten später kommen können, John? Ich war gerade am Kommen. Und jetzt? Was soll das nun werden? Willst du mich schlagen?!«
Ihre Schönheit war wie ein Schild und beschützte sie. Für John war sie etwas Besonderes. Mehr als ein Mensch oder eine normale Frau, sondern eine Halbgöttin, und das wusste sie. Dafür verachtete sie ihn. Am Anfang hatte es ihr geschmeichelt, jetzt nicht mehr.
»Wie konntest du mir das antun?«, fragte John. »Joleen ...«
»Joleen, Joleen, Joleen!«, äffte sie ihn nach. »Immer umschwärmst du mich, willst ständig hören, dass ich dich liebe. Verlangst Dinge von mir, die ich nicht mag – Haushalt und Sparsamkeit, möchtest gar Kinder. Wo werde ich mir wegen einer Schwangerschaft die Figur verderben und mich um so ein schreiendes Balg kümmern, das ich auch noch neun Monate lang austragen und schmerzvoll gebären muss? Das schlage dir aus dem Kopf, John Flack. Wenn du es wissen willst, du bist langweilig, und ich ekele mich vor dir.«
Das waren Schläge ins Gesicht. Im Beisein von Ringo Roscoe, der sich nun erhob, sein Gemächt mit einer Hand verdeckte und vor John stand. Ringos und Joleens Kleider lagen am Boden. Sie mussten übereinander hergefallen sein und sie sich vom Leib gerissen haben.
Ringos Revolvergurt lag ebenfalls da.
»Bleib weg von deinen Schießeisen!«, verlangte John.
Er hielt den Colt schussbereit. Ringo zeigte sich kaltblütig. Er war hochgewachsen, blondlockig und blauäugig, ein strahlender Sieger und ein Bild von einem Mann. In linken Ohr trug er einen goldenen Ohrring.
Er hob beide Hände in Schulterhöhe und zeigte John die leeren Handflächen. Sein Lustspeer war im Vergleich zu vorher um die Hälfte geschrumpft. John blickte nicht sonderlich scharf hin, doch er sah es.
»Was willst du jetzt tun?«, fragte Ringo.
John wusste es selber nicht. Seine Gefühle waren in Aufruhr. Es drängte ihn danach, Ringo zu vernichten und das Ärgernis aus der Welt zu schaffen, das er für ihn darstellte. Doch tief in seinem Innern wusste er, dass nicht Ringo der springende Punkt war.
Es gehörten immer zwei zu dem, was er gerade gesehen hatte. Die Verlockung ging von der Frau ist. In eine intakte Beziehung oder Ehe konnte niemand einbrechen.
Doch John hing an seiner Joleen. Ihr konnte er nichts tun, sie für die Untreue nicht bestrafen, indem er auf sie losging. So konzentrierte er sich auf Ringo.
»Du Hundesohn!«, fauchte er ihn an. »Wie lange geht das schon mit dir und mit meiner Frau?«
»Wir kannten uns schon vor und während des Krieges.«
Der war seit drei Jahren vorbei, doch immer noch schmerzten Wunden und klafften tiefe Gräben zwischen der Union und den geschlagenen Konföderierten. Beherrschten Hass und Ressentiments die Gemüter. Das würde noch Jahre so gehen.
Nur langsam beruhigte sich das gespaltene, vom Bruderkrieg heimgesuchte Land. Setzte sich die Empörung. Viele Männer hatten nicht ins bürgerliche Leben zurückgefunden. Die Trauer um Gefallene war noch frisch, und nur langsam fand das Leben in Missouri in geordnete Bahnen zurück.
Der Krieg war beendet. In Appomattox Court House in Virginia hatte am 9. April 1865 die Kapitulation der Südstaaten stattgefunden. Doch vorbei war der Krieg noch nicht. In den Köpfen und Herzen der Menschen wirkte er nach.
Missouri hatte während des Kriegs offiziell zur Konföderation gehört. Die Union hatte jedoch zahlreiche Anhänger gehabt. Ihre Truppen dominierten. Guerillaeinheiten beider Seiten bekämpften sich und die regulären Truppen mit äußerster Grausamkeit. Ringo Roscoe und seine Brüder waren überzeugte Südstaatler gewesen. John Flack gehörte zur Unionsarmee und kämpfte auf Seiten des Nordens.
Er hatte sich im Krieg ausgezeichnet, stand mit den Besatzungstruppen auf gutem Fuß und war nicht zuletzt durch die Intervention des Militärkommandanten nach dem Krieg Sheriff geworden. Die Machenschaften der Kriegsgewinnler verabscheute er allerdings.
Deshalb hatte er, ein gebürtiger Missourier, einen sehr schweren Stand. Dazu kam nun noch der Ärger mit der schönen Joleen.
»Aha«, sagte John. »Und die Bekanntschaft habt ihr jetzt wieder aufgefrischt?«
»Was willst du eigentlich?«, fragte Ringo. »Willst mich nun erschießen oder nicht? Joleen gleich mit?«
Ihn schützte seine Kaltblütigkeit, Joleen ihre Schönheit. Sie räkelte sich sinnlich auf dem Bett.
»Ich sollte dich durchprügeln«, sagte John.
»Du schlägst Frauen?« Ringo zog die Augenbrauen hoch. »Versuche es doch mal mit mir.«
Das gab den Ausschlag. John kickte Ringos Revolvergurt unter das Bett. Er warf seinen Colt in die Ecke.
»Warum nicht?«, fragte er. »Dir werde ich deine Großspurigkeit austreiben. Auf allen vieren wirst du aus meinem Haus kriechen. Lass dich nie wieder in der Nähe meiner Frau blicken. Zieh dir was an. Mit einem nackten Mann mag ich mich nicht prügeln.«
»Okay.«
Ringo zog Unterhose, Hose und Hemd an. Er grinste auf eine Weise, die John noch mehr gegen ihn aufbrachte. John wusste, er hätte ihn mit vorgehaltener Waffe aus dem Haus weisen und seine untreue Frau fortjagen sollen.
Er hatte gehört, was sie verächtlich zu ihm gesagt hatte. Doch er wollte es nicht wahrhaben. Er redete sich ein, dass sie nur im Zorn gesagt hatte. Doch sie meinte es wirklich so.
Er war ein Narr, wie viele Männer, die sich etwas vormachten, was ihre Frau und deren Gefühle zu ihnen betraf. Er, der große Kriegsheld, war Wachs in der Hand der schönen Joleen.
✰
Ringo duckte sich und tat so, als ob er die Stiefel anziehen wollte. Doch blitzschnell warf er John einen Stiefel ins Gesicht. Der Sheriff war nicht darauf gefasst und wurde getroffen. Der Wurf mit dem Stiefel hätte ihn nicht umgeworfen, doch er war abgelenkt und für ein paar Momente geblendet.
Ringo sprang auf ihn los wie eine Raubkatze und verpasste ihm knallharte Schläge. Der Sheriff war angeschlagen. Nur mit Mühe hielt er sich auf den Beinen. Er wehrte sich, so gut er konnte. Doch sein Gegner hatte ihn mit dem unfairen Trick überrumpelt und war erheblich im Vorteil.
Er gab John keine Gelegenheit, zu sich zu kommen, aus der Defensive heraus, und sich wieder zu fangen. Gnadenlos prügelte er auf ihn ein. John schlug zurück, doch angeschlagen, wie er war, hatte er keine Chance. Ohne den unfairen Trick wäre er für den blonden Ringo ein würdiger Gegner gewesen und hätte sich durchaus zugetraut, den Kampf zu gewinnen.
So stand er auf verlorenem Posten. Ringo nutzte den Vorteil aus. Er ließ John keine Chance, die Wirkung der ersten harten Treffer zu überwinden. Es gab keine Pause wie bei einem ordentlichen Boxkampf, wo ein zu Boden gegangener Kämpfer die Gelegenheit erhielt, die Benommenheit abzuschütteln und wieder kampffähig zu werden.
Joleen sah zu, die Knie angewinkelt, den Daumen im Mund, wie ihr Liebhaber ihren Ehemann zusammenschlug. John ging zu Boden. Ringo riss ihn hoch, traf ihn mit dem Knie, schlug seinen Kopf an die Wand, dass es krachte.
Der Sheriff sah Sterne. Er versuchte, in den Infight zu gehen. Doch Ringo schüttelte ihn ab. Dem angeschlagenen Sheriff fehlte die Kraft, sich an ihn zu klammern. Ringo donnerte ihm die Faust ins Gesicht. Johns Nase brach. Er hörte das Knacken im Schädel.
Weitere Schläge prasselten auf ihn ein. Dann ging für ihn das Licht aus. Ringo hielt ihn aufrecht und schlug weiter auf ihn ein.
»Willst du ihn totschlagen, Ringo?«, fragte Joleen. Es sah nicht so aus, als ob ihr das von der Sache her großen Kummer bereiten würde. »Überleg dir das. Er ist immerhin der Sheriff.«
Ihr Liebhaber hielt inne. Er war erhitzt, eine hellblonde Haarsträhne hing ihm ins Gesicht.
Als er John losließ, sackte der zu Boden.
»Du hast recht, Süße. Ich habe mich hinreißen lassen. Er hat sein Fett weg. Ich gehe und reite zur Ranch. Mir ist die Lust vergangen, weiter mit dir Sex zu haben.«
So abgebrüht, dass sie weiter hätte rammeln wollen, während ihr zusammengeschlagener Mann neben dem Bett lag, war auch Joleen nicht. Ringo kleidete sich vollständig an, einschließlich der Stiefel. Dann wandte er sich an seine immer noch nackte Geliebte.
»Was willst du tun? Wenn er wieder zu sich kommt, hast du nichts zu lachen.«
»Deshalb sorge dich nicht. Mit John werde ich schon fertig. Er frisst mir aus der Hand. Ich habe ihm völlig den Kopf verdreht, er ist mir hörig, der arme Narr. Für ihn bin ich so etwas wie eine Halbgöttin. Er hat mich auf einen Sockel gestellt. Davon kommt er nicht weg.«
»Ich habe noch nie eine Frau vergöttert.«
Ringo holte seinen Revolvergurt unterm Bett hervor und schnallte ihn um. Er überprüfte sein Aussehen im Spiegel und rückte das Halstuch zurecht. Er war von dem Kampf kaum gezeichnet, nur etwas zerzaust, was sich richten ließ.
»Was jetzt geschehen ist, verzeiht er dir nicht«, sagte Ringo. »Du solltest mit mir zur Circle-R-Ranch kommen, der größten im County.«
»Nimmst du mich mit? Was sagt deine Familie dazu?«
»Sie werden dich akzeptieren. Mit offenen Armen nehmen sie dich auf.«
Joleen sprang sofort aus dem Bett. Sie war wie vom Schlag eines Zitteraals elektrisiert.
»Soll das ein Antrag sein, Ringo? Willst du mich heiraten?«
Das hatte sie sich immer gewünscht, schon als Ringo sich den Guerillas anschloss. Er war viel herumgekommen – in Kansas hatte er sie getroffen. Nach dem Krieg war er eine Weile fort gewesen, in Mexiko, wie man munkelte, weil ihm der Boden wegen seiner Zugehörigkeit zu den Bushwhackers, den Südstaaten-Guerillas im hart umkämpften Missouri, zu heiß gewesen war.
»Warum denn gleich heiraten? Außerdem bist du noch mit John Flack verheiratet.«
»Das lässt sich ändern. Willst du mich zu deiner Frau machen, Ringo?«
»Meine Frau bist du doch sowieso.« Er küsste sie flüchtig und grinste verwegen. »Was ändern da schon ein Ring und ein Blatt Papier?«
»Alles. Viel. Ich hasse den Mann da.« Sie deutete auf den bewusstlosen Sheriff. »Ich hasse Springfield, diese Stadt, die von den Besatzern kontrolliert wird. Den Siegermächten. Ich bin eine Südstaatlerin mit Leib und Seele, wie du, Ringo, und wie deine Familie.«
»Warum hast du dann einen Nordstaatler geheiratet?«
Joleen beantwortete diese Frage nicht.
»Ich ziehe mich an und packe das Nötigste«, sagte sie und stieg aus dem Bett. »In fünf Minuten bin ich fertig. Dann können wir reiten. Den Rest hole ich später oder lasse ihn holen. Die Sklaven sind befreit worden. Die Schwarzen haben, jedenfalls auf dem Papier, diesselben Rechte wie die Weißen. Es ist ein gesellschaftlicher Umbruch. Eine Frau muss nicht gegen ihren Willen bei einem Mann bleiben.«
»Okay. Ich warte.«
Während Joleen ihre Kleider zusammenraffte und zum Schrank ging, um andere auszusuchen, setzte sich Ringo aufs Bett. Als John sich regte bedrohte er ihn mit dem Revolver.
»Bleib ruhig liegen, Sheriff. Oder ich zieh dir eins über.«
Ringo vollführte eine Geste, als würde er mit dem Revolvergriff zuschlagen. John stöhnte. Seine Augen waren fast zugeschwollen. Durch die Nase bekam er kaum noch Luft. Er erinnerte sich, was vorgefallen war. Es war grässlich für ihn.
Er lag da und sah zu, wie Joleen das Nötigste in eine Reisetasche packte. Sie gönnte ihm keinen Blick. Sie war jetzt angezogen und trug einen Reitrock und eine enge und ausgeschnittene Bluse. Darüber zog sie eine leichte Reitjacke.
»Ich bin fertig, Ringo. Lass uns gehen.«
John setzte sich auf. Der Blick, mit dem er an Joleen hing, war der eines gequälten Tiers. Er sagte kein Wort und gab keinen Laut von sich. Erst als Ringo Joleens Reisetasche nahm und sie sich zur Tür wandten, meldete er sich.
»Dafür bringe ich dich um, Ringo.«
Joleen drohte er nicht, was tief blicken ließ. Der blonde Ringo lachte ihn aus.
»Das haben schon viele versucht. Während des Kriegs und später drüben in Mexiko, wo ich mir als Gunman im Dienst Kaiser Maximilians eine goldene Nase verdient habe. Auf nicht ganz legale Art, aber wer fragt schon danach? Maximilian verlor, er ist tot. Als es mit ihm niederging, bin ich rechtzeitig abgehauen und habe zwei Satteltaschen voll Gold mitgenommen. Wir Roscoes sind jetzt reiche Leute. Uns können die Steuereintreiber der Yankees nichts anhaben.«
Er sah John direkt an.
»Yeah, mich wollten schon viele umbringen. Trotzdem bin ich 28 Jahre alt geworden. Genauso alt wie du.«
Sie waren Jugendfreunde gewesen. Ringo war mit John in Springfield zur Schule gegangen. Die Freundschaft zerbrach, als der eine sich für den Süden und der andere für den Norden entschied. Jetzt kam noch die Frau dazu, die sie entzweite.
»Du weißt, wo du uns findest.«
Ringo entlud Johns Revolver und warf ihn lässig durchs Fenster. Dann bot er Joleen seinen Arm an und verließ mit ihr das Schlafzimmer mit dem zerwühlten und nach der leidenschaftlichen Liebe riechenden Bett.
John wollte aufstehen. Er schaffte es nicht. Blinder Zorn beherrschte ihn. Wenn er eine Waffe zur Hand gehabt hätte, wäre er Ringo und Joleen gefolgt, so schlecht seine Chancen auch standen. John hatte andere Waffen im Haus, doch er war zu schwach und zu angeschlagen, um sie zu holen.
Ringo hatte ihm fast die Seele aus dem Leib geprügelt. Der Sheriff kroch zum Bett und setzte sich davor auf. Mit dem Rücken lehnte er sich ans Bett. Hineinkriechen und sich langlegen wollte er nicht. Nicht in das Bett, in dem sich Joleen und Ringo geliebt hatten.
Sein Atem ging keuchend. Das Blut rauschte in seinen Ohren. Deshalb hörte den Hufschlag nicht, als seine Frau und der blonde Ringo wegritten. Johns Nase war gebrochen, das Gesicht war verschwollen, ein paar Rippen geprellt, eine angeknickt.
Der frühere Guerilla Ringo hatte eiserne Fäuste. John hatte in der regulären Armee gedient. Die Partisanen und ihre Disziplinlosigkeit und Grausamkeit verabscheute er. Noch etwas, war ihn von der Roscoe-Sippe und ihrem Spross Ringo unterschied.
Seelisch hatte John Joleens wegen schlimmere Schmerzen als körperlich. Er wusste nicht, wie er die nächsten Tage bewältigen sollte. Ob er seinen Job als Sheriff behalten sollte und konnte.
