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Jack Slade 936 E-Book

Jack Slade

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Beschreibung

Die junge und schöne Annie Ericson kehrt aus ihrem Internat an der Ostküste nach Colorado zurück, nachdem ihr Vater in seinem eigenen Haus ermordet wurde. Joe Ericson war ein berühmter Gunmaker und einflussreicher Geschäftsmann, der während des Sezessionskriegs ein Vermögen verdient hat.
Noch hat Sheriff Bill Krugman keine Spur von dem Killer. Und Annie weiß nicht, ob sie die Factory übernehmen oder lieber wieder zurück nach Boston gehen will. Sie sieht sich von Kaufangeboten überhäuft. Dennoch - oder gerade deswegen - beschließt sie, auf eigene Faust nach dem Mörder ihres Vaters zu suchen. Bald stößt sie in ein Wespennest und deckt eine irre Verschwörung auf ...


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Seitenzahl: 131

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Inhalt

Cover

Die Tochter des Gunmakers

Vorschau

Impressum

Die Tochter des Gunmakers

Die junge und schöne Annie Ericson kehrt aus ihrem Internat an der Ostküste nach Colorado zurück, nachdem ihr Vater in seinem eigenen Haus ermordet wurde. Joe Ericson war ein berühmter Gunmaker und einflussreicher Geschäftsmann, der während des Sezessionskrieges ein Vermögen verdient hat.

Noch hat Sheriff Bill Krugman keine Spur von dem Killer. Und Annie weiß nicht, ob sie die Factory übernehmen oder lieber wieder zurück nach Boston gehen will. Sie sieht sich von Kaufangeboten überhäuft. Dennoch – oder gerade deswegen – beschließt sie, auf eigene Faust nach dem Mörder ihres Vaters zu suchen. Bald stößt in ein Wespennest und deckt eine irre Verschwörung auf ...

Joe Ericson schreckte aus dem Schlaf auf. Von unten hatte er ein Geräusch gehört.

Kam er jetzt?

Der alte Mann setzte sich im Bett auf und griff nach seinem Colt. Er schätzte, dass es kurz vor Morgengrauen war.

Seit drei Tagen wartete er. Wartete auf den Killer. Wartete auf seinen Dämon.

Doch nun würde er ihn erledigen.

Er erhob sich aus dem Bett, schlich zur Tür und spähte hinaus ins Treppenhaus. Dunkelheit und Stille.

Der Killer musste sich unten im Erdgeschoss befinden. Vorsichtig stieg Ericson die Stufen hinab, den Colt in der rechten Hand. Er erreichte das Erdgeschoss, blieb wieder stehen.

»He, Dreckskerl!«, knurrte er mit böser Stimme.

In diesem Augenblick hörte er ein Geräusch hinter sich. Er wirbelte herum. Doch im gleichen Atemzug wurde er von hinten gepackt. Ein Knüppel traf seine Hand, und er ließ den Colt fallen. Dann spürte er auch schon den Schnitt des Messers durch seine Kehle ...

Die Colorado-Rifle-Manufactory bestand aus drei großen Werkshallen. Es waren wuchtige, aus dunklen Felssteinen errichtete Gebäude am Ufer des Beaver-Creek, eines reißenden Flusses, dessen eiskaltes, kristallklares Wasser von den Höhen der Rockies ins Tal schoss.

Neben den Fabrikhallen standen eine aus Holz errichtete Mühle und eben Joe Ericsons Wohnhaus. Vor der Anlage gab es ein hohes, steinernes Tor, über dem in großen, roten Lettern die Wörter »Ericson Firearm Company« prangten. Oberhalb der Fabrikhallen erhoben sich die majestätischen, schneebedeckten Gipfel der Fraser-Mountains, während die Häuser des Städtchens Machine vielleicht eine halbe Meile weiter unten im Tal standen.

Joe Ericson hatte seine Factory vor rund zwanzig Jahren gegründet. Er hatte sowohl in Chicago als auch in St. Louis bei berühmten Büchsenmachern gelernt und gearbeitet und hatte sein Handwerk bereits ganz ausgezeichnet verstanden, als er an den Beaver-Creek kam.

Dennoch hatte seine Fabrik zunächst aus nicht mehr als aus zwei windschiefen Hütten bestanden und hatten gerade mal drei Männer für ihn gearbeitet.

Das änderte sich jedoch schlagartig während des Bürgerkriegs, als der Yankee-Generalstab Ericsons Fabrik entdeckte und viele Tausende Gewehre bei ihm bestellte und teuer bezahlte.

Nun klingelten die Dollars nur so in den Kassen des Geschäftsmannes, und binnen weniger Monate errichtete er die Wassermühle und die großen Fabrikhallen und stellte jeden ein, der ein Werkzeug benutzen konnte.

Ericson selbst, ein gebürtiger Schwede, bezeichnete sich als Kriegsgewinnler, und das war er in der Tat: Als der Bürgerkrieg schließlich zu Ende ging, war er zu einem steinreichen Mann und einem der erfolgreichsten Unternehmer des Staates Colorado geworden. Er war nun sogar ein persönlicher Freund von Gouverneur McCook.

So wurde er bewundert und beneidet, je nach Blickwinkel oder der Lebenssituation des Betrachters.

Dabei trog der schöne Schein: Joe Ericsons Frau Mary war in den letzten Kriegstagen von einem Partisanen der konföderierten Armee erschossen worden, und dieser Verlust hatte den Büchsenmacher in einen Zustand von tiefer Verzweiflung katapultiert. Dabei war Marys Tod letztlich nicht mehr als eine tragisches Unglück gewesen: Der Schütze, ein nicht eben übermäßig intelligenter Mann, hatte sie mit der Frau eines Yankee-Generals verwechselt, der sich in jenen Tagen in Machine aufgehalten hatte.

Ericsons Tochter Annie war damals kaum zehn Jahre alt gewesen, und wenn er nicht für das kleine Mädchen hätte sorgen müssen, so hätte er damals seinem Leben vielleicht sogar von eigener Hand ein Ende gesetzt.

Doch das alles lag nun bereits fünfzehn Jahre zurück. Die Firearm-Company arbeitete noch immer für die US-Army, vertrieb ihr Gewehre aber auch an zahlreiche Waffenläden bis hinunter nach Texas, Arizona und New Mexico.

Joe Ericson war inzwischen mit seiner Fabrik verheiratet. Er liebte sein Handwerk, und seine Büchsen schossen immer präziser und treffsicherer. Im ganzen Westen waren sie berühmt.

Joe arbeitete mindestens sechzehn Stunden am Tag und war er von früh bis spät in seinem Büro oder den Werkshallen unterwegs. Jahr um Jahr stellte er mehr Gewehre und Pistolen her, und Jahr um Jahr wurde er reicher und reicher.

Seit drei Jahren lebte Annie nun schon im Osten. Ericson hatte begriffen, dass die raubeinigen Hinterwäldler in Machine, von denen viele kaum lesen und schreiben konnten, nicht eben der beste Umgang für ein junges Mädchen waren. Darum hatte er sie in ein sündhaft teures Internat in Boston geschickt. Dort wurde sie zu einer feinen und gebildeten Dame von Welt erzogen.

Seitdem arbeitete er allerdings noch mehr, und an den Abenden las er die Briefe, die seine Tochter ihm schrieb und in denen sie vom Leben in der Zivilisation erzählte, von der Oper und vom Theater, von den tollen Bällen, auf denen sie tanzte, und von so unerhörten Erfindungen wie der mechanischen Schreibmaschine, dem Phonographen oder der elektrischen Glühbirne. So war er selbst in seinem abgelegenen Machine darüber informiert, welch fantastische Dinge draußen in der weiten Wald geschahen. Noch am Abend vor seinem Tod hatte Joe Ericson in den Briefen seiner Tochter gelesen.

Doch dann hatten sich die Gräber der Vergangenheit geöffnet. Wie aus heiterem Himmel hatte dieser verdammte Ärger begonnen ...

Es war ein schöner Sommermorgen. Die Sonne strahlte warm von einem blauen Himmel, und der Laubwald, der sich die Hänge des Tales aufwärts zog, leuchtete in frischem und hellem Grün. Und noch weiter oben glitzerten die schneebedeckten Gipfel der Berge in makellos reinem Weiß.

Der Frühling war kalt und verregnet gewesen, doch in den letzten Tagen war der Sommer mit Macht in Rocky Mountains gekommen.

Dennoch waren die Mienen der beiden Männer, die vor Joe Ericsons Wohnhaus standen, düster. Einer war ein hagerer und sehniger Mann mit einem kantigen Gesicht, mit lichtem, grauem Haar und einem buschigen Schnurrbart: Sein Name lautete Ray McCormick, und er arbeitete seit vielen Jahren als Vorarbeiter für die Ericson-Firearm-Company.

Der andere Mann war bedeutend jünger, wohl kaum dreißig Jahre alt, ein blonder Typ mit beinahe weichen Gesichtszügen. Sein Name war Tom Hayden, und er war vor einige Monaten erst aus der Stadt Pittsburgh, wo er Maschinenbau studiert hatte, nach Colorado gekommen, um für die Factory zu arbeiten.

Nachdem der Unternehmer am Morgen nicht in seinen Fabrikhallen erschienen war, war McCormick hinüber zum Haus gegangen, um nachzusehen, ob sein Boss vielleicht krank geworden war. Es war mehr als ungewöhnlich, dass Ericson nicht in seine Factory kam. McCormick hatte dann dessen Leiche entdeckt.

Nun warteten die beiden Männer auf Sheriff Krugman, nach dem McCormick sofort geschickt hatte.

»Verflucht, dort drinnen sieht es fürchterlich aus«, knirschte der Alte.

Der junge Ingenieur öffnete die Haustür und spähte ins Innere. Ein warmer Geruch von Blut stieg ihm in die Nase und wollte ihm den Magen umdrehen. Er sah, dass der Fabrikbesitzer in einer riesigen Lache von Blut lag. Seine Augen waren in jähem Todesentsetzen weit aufgerissen.

»Mein Gott!«

Rasch zog Hayden sich aus dem Wohnhaus zurück. Wieder einmal sagte er sich, dass er den Westen nicht mochte. Dieses ganze Land taugte nichts. Hier galt das Recht der Gewalt und nicht des Gesetzes.

»Kein schöner Anblick«, meinte der alte Vorarbeiter.

»Nein. Ganz und gar nicht.«

McCormick hatte schon gesehen, wie Männer in die große Stanzmaschine gefallen waren. Das war ebenfalls nicht schön gewesen. Aber er verzichtete darauf, dies im Augenblick zu erwähnen.

Dann sahen sie den Sheriff kommen. Er wurde von einem aufgeregten Laufjungen aus der Firearm-Manufactory geführt. Bill Krugman war ein vielleicht dreißigjähriger, stämmiger Mann mit halblangen, blonden Haaren und grauen Augen, bekleidet mit einer Lederjacke und Blue Jeans.

»Sheriff! Gut, dass Sie kommen!«, rief der Vorarbeiter, der kaum weniger aufgeregt war als der Laufbursche. »Mr. Ericson ist tot!«

Krugman schob sich den Hut ein wenig in den Nacken zurück. »Guten Morgen, die Herren! Was ist passiert?«

»Joe ist heute früh nicht herüber in die Werkhallen gekommen«, erklärte McCormick. »Das war in dreißig Jahren noch nie passiert. Bei Mr. Hayden im Büro war auch nicht. Also habe ich nachgesehen, ob er vielleicht Hilfe braucht. Er ist tot. Er wurde ermordet.«

»Er liegt dort drinnen?« Krugman blickte zum Wohnhaus.

»Ja.«

Der Sheriff nickte und öffnete die Haustür. Sofort stieg auch ihm der Blutgestank in die Nase. Joe Ericson lag am Fuß der Treppe, in seinem Hals klaffte eine große Schnittwunde. Er trug einen gestreiften Pyjama, und die blauen Augen waren noch in Entsetzen und Todespanik weit aufgerissen. An der Seite lag ein großer Colt.

Krugman trat näher und stellte fest, dass das Blut noch nicht völlig getrocknet war: Ericson musste also in den letzten Stunden der Nacht getötet worden sein.

Der Sheriff hob den Colt auf – es war ein Produkt der Machine-Firearm-Manufactory, also vermutlich Joe Ericsons eigene Waffe – und stellte fest, dass noch sämtliche Patronen in der Trommel steckten.

Nachdenklich starrte er auf den Toten, dessen Anblick ihm ein Würgen im Magen verursachte: Der Fabrikant musste in der Nacht aufgewacht sein, vermutlich von einem Geräusch, und war, den Colt in der Hand, die Treppe hinabgestiegen. Unten hatte sein Mörder ihn gepackt und ihm von hinten mit einem großen Messer die Kehle durchgeschnitten. Wahrscheinlich war Ericson innerhalb weniger Minuten verblutet.

Krugman warf einen kurzen Blick in die anderen Räume des Erdgeschosses. Es gab einen Salon, ein Esszimmer und eine große Küche; von dort führte eine Hintertür nach draußen.

Alles sah unberührt aus. Also stieg er vorsichtig über den Toten hinweg und ging die Treppe hinauf. Mehrere Türen gingen hier vom Flur ab. Die erste führte in Ericsons Schlafzimmer. In der Tat sah das Bett gebraucht und ein wenig zerwühlt aus, und auf dem Nachttisch brannte sogar noch eine kleine Ölfunzel. Eine zweite Tür führte in einen Salon und eine dritte in das Arbeitszimmer des Toten.

Auf dem großen Schreibtisch lagen etliche Papiere. Bill Krugman trat näher und erblickte einen handschriftlichen Brief, der ganz oben lag.

Er las: »Pa, du kannst dir wohl gar nicht vorstellen, wie schön das neue Theater ist: Alles ist vergoldet, und hunderte Gaslichter brennen. Es ist eine Pracht. Und erst die stattlichen Schauspieler, die auf der Bühne mit ihren Degen kämpfen und all die wunderschönen Sängerinnen und Schauspielerinnen! Ach, wenn du die nur einmal sehen könntest! Aber vielleicht wird es eines Tages ja einmal dazu kommen, dass ihr auch in Machine ein solches Theater besitzt.«

In der Tat erinnerte Krugman sich an Annie Ericson, ein niedliches, blondes Mädchen, das ihm immer ziemlich vorlaut vorgekommen war.

Er blätterte weiter und entdeckte etliche geschäftliche Aufstellungen, lange Zahlenreihen über die Herstellung und den Verkauf von Gewehren und Pistolen. Ganz unten stieß er auf einen alten Zeitungsausschnitt, der sich mit einem Massaker beschäftigte, das während des Civil Wars von den Yankees unten in Tennessee verübt worden war und bei dem mehr als ein Dutzend Menschen den Tod gefunden hatten.

In diesem Augenblick hörte er von unten laute Stimmen. Er wandte sich vom Tisch ab und lief rasch die Treppe hinab.

Zahlreiche Männer hatten inzwischen das Haus betreten und standen um die Leiche herum. Die meisten dieser Leute waren Arbeiter aus der Fabrik, aber Krugman erblickte auch Jake Portner, den Friedensrichter von Machine, und Joe Ericsons Köchen Martha Grimes.

»Guten Morgen, Leute«, sagte er.

»Mein Gott, was ist passiert?«, stieß Portner entgeistert hervor. Er war ein grauhaariger Mann, und er und Joe Ericson hatten zu den ersten Siedlern am Beaver Creek und damit auch zu den Gründern der Stadt Machine gezählt. Die beiden Männer hatten einander seit Jahrzehnten gekannt und häufig zusammengearbeitet. Sie waren Freunde gewesen. Aus weit aufgerissenen Augen starrte Portner den Toten an.

»Mr. Ericson ist wohl im Schlaf erwacht und die Treppe heruntergekommen«, erklärte der Sheriff. »Sein Mörder muss ihn hier unten erwartet haben.«

»Das ist ja grauenvoll«, stammelte Mrs. Grimes.

»Ist Ihnen in den letzten Tagen vielleicht irgendetwas Besonderes aufgefallen?«, wandte Krugman sich an die alte Lady. »War irgendwas merkwürdig? Hat Mr. Ericson vielleicht etwas Komisches gesagt oder getan?«

Mrs. Grimes, die blass aussah, schüttelte den Kopf. »Nein. Ich kann mich nicht erinnern.«

»Denken Sie noch einmal nach!«

»Nein, da war nichts Besonderes.«

»Wann sind Sie gestern Abend gegangen?«, erkundigte sich der Sheriff.

»Ich bin am späten Nachmittag nach Hause gegangen. Mr. Ericsons Abendessen stand auf dem Herd. Das habe ich immer so gemacht.«

»Und Sie sind am Morgen immer um diese Zeit hierhergekommen?«

»Ja. Seit mindestens zehn Jahren komme ich zu dieser Zeit.«

»Was hat Mr. Ericson getan, als Sie gestern Abend gegangen sind?«

»Er war drüben in der Fabrik. Wie immer.«

Bill Krugman nickte. Alles schien wie immer gewesen zu sein. Doch nun war Ericson tot und hatte ihm jemand in der Nacht die Kehle durchgeschnitten.

»Ich denke, wir sollten Mr. Ericson in der Kirche unten in Machine aufbahren«, erklärte der Sheriff. Er wandte sich an Ray McCormick. »In der Fabrik findet man doch sicher eine Trage? Lassen Sie die bitte holen! Und ich muss mich nachher noch einmal mit Ihnen unterhalten, ob es vielleicht irgendwelche geschäftlichen Probleme gab.«

Er wandte sich an den jungen Ingenieur. »Mit Ihnen ebenfalls!«

Tom Hayden nickte.

»Okay. Ich denke, es wird das Beste sein, wenn wir das Haus abschließen«, erklärte der Sheriff. »Ich werde mir später alles noch einmal ganz genau ansehen. Vielleicht finde ich ja einen Hinweis auf den Killer.«

Er warf einen Blick auf den Friedensrichter. »Wollen Sie mir dabei helfen, Mr. Portner?«

»Natürlich, Sheriff!«

»Was soll nun aus der Rifle Manufactory werden?«, fragte Ray McCormick mit besorgter Miene. »Über hundert Männer leben von ihren Jobs in unserer Fabrik. Die werden nun hoffentlich nicht alle auf der Straße stehen?«

Es war gegen Mittag. Sheriff Krugman und Friedensrichter Portner hatten das Wohnhaus des ermordeten Gunmakers noch einmal von oben bis unten durchsucht. Doch leider hatten sie keine Spur des Killers entdecken können: Bislang wussten sie nur, dass der Täter wohl durch die Hintertür ins Haus gekommen war und Ericson unterhalb der Treppe abgepasst hatte.

»Ich werde nachher ein Telegramm an Annie Ericson schicken«, erklärte der Sheriff. Wieder erinnerte er sich an das dünne, vorlaute Mädchen mit den blonden Zöpfen. »Ich muss sie über den Tod ihres Vaters informieren. Keine schöne Aufgabe! Sie war Mr. Ericsons einziges Kind, und ihr gehört nun die Rifle Manufactory. Wir werden sehen, was sie tut.«

Vorarbeiter McCormick und der Ingenieur Tom Hayden nickten mit bedrückten Mienen.

Die vier Männer saßen in Joe Ericsons großem Arbeitszimmer in der Ecke einer Fabrikhalle. Der Raum war spärlich eingerichtet: Er enthielt einen mit Papieren bedeckten, eisernen Schreibtisch, ein gutes Dutzend karge Stühle und Sessel sowie einen langen Konferenztisch. An der rückwärtigen Wand hing ein großes Gemälde der Factory vor dem Hintergrund der Fraser Mountains, während man auf der gegenüberliegenden Seite durch ein riesiges Fenster einen freien Blick in die Werkshalle hatte.

Von seinem Schreibtisch aus hatte Ericson seine Leute also immer hervorragend im Blick gehabt. Im Augenblick jedoch standen sämtliche Maschinen still und saßen die Arbeiter in kleinen Gruppen beieinander auf dem Fußboden und besprachen die neuesten Ereignisse.

»Wieso wird eigentlich nicht gearbeitet?«, fragte Sheriff Krugman. »Haben Sie nicht genügend Aufträge?«

»Ganz im Gegenteil«, erklärte Ray McCormick. »Um Mittag fahren wir die Produktion wieder hoch. Die Leute benötigen einen Augenblick der Pause und des Nachdenkens.«

Der Sheriff nickte. »Das mag sein. Die Factory lief gut? Oder gab es vielleicht doch irgendwelche Probleme?«