Verlag: Forever Kategorie: Gesellschafts- und Liebesromane Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2017

Just one dance - Lea & Aidan E-Book

Iris Fox  

(0)

Das E-Book lesen Sie auf:

E-Reader EPUB für EUR 1,- kaufen
Tablet EPUB
Smartphone EPUB
Computer EPUB
Lesen Sie in der Cloud®
mit Legimi-Apps.
Warum lohnt es sich?
Hören Sie in der Cloud®
mit Legimi-Apps.
Warum lohnt es sich?

Leseprobe in angepasster Form herunterladen für:

Sicherung: Wasserzeichen

E-Book-Beschreibung Just one dance - Lea & Aidan - Iris Fox

Wenn Welten aufeinander prallen: Der Urknall der ersten großen Liebe

Lea und Aidan könnten unterschiedlicher nicht sein. Lea pendelt zwischen dem Ballettunterricht, dem Aushilfsjob und dem alkoholabhängigen Vater in ihrer kleinen Wohnung. Aidan fährt seinen Ford Granada von Party zu Party und seine ärgste Sorge ist eigentlich nur, wie er die nächste Bettgeschichte klar machen kann. Lea ist eine Außenseiterin, die heimlich für Aidan, den Player und Bad Boy schlechthin, schwärmt. Und doch scheint das Schicksal einen anderen Plan für sie zu haben. Denn nachdem er ihr eines Abends in einer gefährlichen Situation ungeahnt zur Hilfe eilt, ist nichts mehr wie vorher. Die Funken sprühen gewaltig. Aber hat ihre zarte Liebe überhaupt eine Chance?

Von Iris Fox sind bei Forever erschienen:
Love Happens - Zwei sind einer zu viel
Drei Tage Glück

In der Just-Love-Reihe:
Just one dance - Lea & Aidan
Just two hearts - Ole & Leon
Just three words - Pat & Ben

Meinungen über das E-Book Just one dance - Lea & Aidan - Iris Fox

E-Book-Leseprobe Just one dance - Lea & Aidan - Iris Fox

Die AutorinIris Fox, 1982 in Elmshorn geboren, lebt heute mit ihrer Familie in Syke in der Nähe von Bremen. Nach ihrem Schulabschluss absolvierte sie eine Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten. Viele Jahre blieb sie dem medizinischen Bereich treu, bis sie nach ihrer Elternzeit in eine Einrichtung für körperlich und geistig beeinträchtigte Menschen wechselte. Obwohl seit jeher unzählige Geschichten in ihrem Kopf herumschwirren, widmet sie sich erst seit 2014 mit viel Herz und Leidenschaft aktiv dem Schreiben von Romanen.

Das Buch

Wenn Welten aufeinander prallen: Der Urknall der ersten großen Liebe

Lea und Aidan könnten unterschiedlicher nicht sein. Lea pendelt zwischen dem Ballettunterricht, dem Aushilfsjob und dem alkoholabhängigen Vater in ihrer kleinen Wohnung. Aidan fährt seinen Ford Granada von Party zu Party und seine ärgste Sorge ist eigentlich nur, wie er die nächste Bettgeschichte klar machen kann. Lea ist eine Außenseiterin, die heimlich für Aidan, den Player und Bad Boy schlechthin, schwärmt. Und doch scheint das Schicksal einen anderen Plan für sie zu haben. Denn nachdem er ihr eines Abends in einer gefährlichen Situation ungeahnt zur Hilfe eilt, ist nichts mehr wie vorher. Die Funken sprühen gewaltig. Aber hat ihre zarte Liebe überhaupt eine Chance?

Von Iris Fox sind bei Forever erschienen:Love Happens - Zwei sind einer zu vielDrei Tage GlückJust one dance - Lea & Aidan

Iris Fox

Just one dance - Lea & Aidan

Roman

Forever by Ullsteinforever.ullstein.de

Originalausgabe bei Forever Forever ist ein Digitalverlag der Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin Dezember 2017 (1)  © Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin 2017 Umschlaggestaltung: zero-media.net, München Titelabbildung: © FinePic® Autorenfoto: © privat  ISBN 978-3-95818-236-3  Hinweis zu Urheberrechten Sämtliche Inhalte dieses E-Books sind urheberrechtlich geschützt. Der Käufer erwirbt lediglich eine Lizenz für den persönlichen Gebrauch auf eigenen Endgeräten. Urheberrechtsverstöße schaden den Autoren und ihren Werken, deshalb ist die Weiterverbreitung, Vervielfältigung oder öffentliche Wiedergabe ausdrücklich untersagt und kann zivil- und/oder strafrechtliche Folgen haben. In diesem E-Book befinden sich Verlinkungen zu Webseiten Dritter. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass sich die Ullstein Buchverlage GmbH die Inhalte Dritter nicht zu eigen macht, für die Inhalte nicht verantwortlich ist und keine Haftung übernimmt.

Für Asja, denn sie liebt Bad Boys.

Kapitel 1

Lea

»Na? Wohin denn so eilig? Bleib doch und leiste uns Gesellschaft. Du siehst ganz süß aus.« Bedrohlich dringt die Stimme des Mannes durch die Abendluft. Gerade als ich auf meinem Fahrrad an den drei finsteren Typen vorbeifahren will, hält einer von ihnen den Gepäckträger meines Fahrrads fest. Während ich die Füße von den Pedalen nehme, um nicht umzufallen, blicken meine Augen scheu vom einen zum anderen.

»He, was soll das? Lass gefälligst los«, rufe ich. Ich versuche die Lage zu erfassen, indem ich einen Blick über meine Schulter hinweg riskiere. Außer mir und den drei Männern ist niemand zu sehen. Der Parkplatz vor dem im Dunkeln stehenden Hamburger Volksparkstadion ist menschenleer. Es parken nur ein paar verlassene Autos ganz hinten am Waldrand.

Sicherlich nicht mehr ganz nüchtern mustern mich die drei. Wie ein Rudel Wölfe fixieren sie mich. Ganz offensichtlich bin ich gerade zu ihrer Beute geworden. Der zweite der drei Männer entreißt mir meinen Rucksack, während der dritte im Bunde mich grob vom Fahrrad herunterdrängelt. Seine grapschenden Hände befummeln meinen Hintern. Für einen Augenblick verspüre ich den Drang, einfach fortzulaufen. Weg von diesen düsteren Kerlen. Doch ich entscheide mich dagegen. Es mag Dummheit sein, die mich zurückhält, doch ich kann hier nicht weg. Nicht ohne meinen Rucksack! Oder besser gesagt, ohne dessen Inhalt. Der Kerl, der mich angehalten hat, lässt mein Fahrrad achtlos zu Boden fallen und kommt auf mich zu. Seine Augen funkeln.

»Was macht denn so ein Ding wie du hier ganz alleine draußen? Um diese Uhrzeit? Mann, gut, dass wir jetzt da sind. Nun können wir auf dich aufpassen!« Die Gefahr, die von ihm ausgeht, kann ich ganz deutlich spüren. Seine Worte klingen wie eine Drohung. Nur zu gut weiß ich, dass sie auch als solche gedacht sind.

»Geht dich gar nichts an, was ich hier mache. Und jetzt lasst mich in Ruhe«, presse ich zwischen meinen Zähnen hervor. Mit hungrigem Blick drängt er sich ganz nah an mich heran. So nah, dass ich spüren kann, wie sehr ihn das hier erregt, während in mir der Würgereiz hochkommt. Wieder fühle ich die Finger des anderen, die sich schmerzhaft an meinem Po festkrallen. Mit seiner anderen Hand hält er mich nun unnachgiebig im Hebelgriff gefangen. Ich versuche beide von mir abzuschütteln, doch es ist sinnlos.

Der Bursche, der meinen Rucksack geklaut hat, schleudert diesen in hohem Bogen abseits ins Gras. Der Kerl kann gut werfen. Geschätzte fünfzehn Meter von mir und der Straße entfernt fällt der Rucksack zu Boden.

»Ups. Hab ihn doch glatt aus Versehen fallen lassen. Komm und hol ihn dir wieder!« Die obszönen Berührungen hören auf. Ihre Hände lassen mich los. Sie warten auf eine Reaktion von mir. Das Lachen der drei Männer schmerzt in meinen Ohren. Schnell begreife ich, was sie vorhaben. Sie wollen mich von der Straße weglocken. Der Drang, einfach wegzulaufen, wächst wieder in mir, doch ich brauche diesen Rucksack! Verdammt! In Panik ausbrechend jage ich entschlossen darauf zu. Der Rasen unter meinen Fußsohlen knistert unter frostigem Schnee. Eisiger Wind fegt mir ins Gesicht. Im Prinzip haben die drei Fieslinge genau auf diese Reaktion gewartet. Von meinem Handeln angestachelt, rennen alle drei Männer hinter mir her. Ich kann zwar noch den Henkel des Rucksacks greifen, doch an Flucht ist nicht zu denken. Fest packt mich einer am Kragen, sodass mir die Jacke den Hals abschnürt und mir für einen kurzen Moment die Luft wegbleibt, und reißt mich herum. Erneut wird mir der Rucksack entzogen.

»Gib ihn wieder her«, fordere ich tapfer, auch wenn ich wenig Hoffnung habe, dass hier irgendjemand auf mich hören wird.

»Du bist aber ganz schön unhöflich. Kann das sein? Einfach abhauen. Das macht man aber nicht.« Bedrohlich dicht steht er wieder vor mir. Auf seinen immer noch vorhandenen Ständer scheint er direkt stolz zu sein, so sehr präsentiert er mir und seinen Kumpels die Beule in seiner Hose. Der Dritte im Bunde hält mich jetzt ebenfalls wieder fest gepackt. Das muss der Grapscher von eben sein. Abermals fühle ich seine ekligen Finger, die fordernd und hart mein Hinterteil packen. Die Gefahr durch die drei Männer lässt mein Herz aus dem Takt geraten. Mein hektischer Atem stößt in der klirrenden Kälte eine kleine Wolke nach der anderen aus.

»Was soll das? Lasst mich gefälligst los!«, versuche ich mich erneut zu wehren.

Da höre ich Schritte. Genau wie die anderen, die mich weiter hartnäckig im Griff halten, während sie mich befummeln, blicke ich in die Richtung, aus der das Geräusch kommt. Eine dunkle Gestalt hält über den Rasen auf uns zu.

»Hier gibt es nichts zu sehen! Hau ab!«, höre ich den Kerl vor mir drohend rufen.

Davon wenig beeindruckt kommt der Fremde uns weiter langsam entgegen. Locker und lässig, als wäre er auf einem Strandspaziergang.

Mit weit aufgerissenen Augen starre ich auf das Messer, das der Grapscher aus seiner Hosentasche hervorzieht. Das Atmen fällt mir immer schwerer. Ich habe eine Scheißangst!

Mit etwas Abstand hält der Eindringling vor uns. Der Anführer der kleinen Truppe, der mit der Beule in der Hose, richtet erneut das Wort an ihn:

»Mann, Alter. Was willst du? Mach ’n Abgang. Das geht dich nichts an hier.« Es wirkt, als würden sich die Männer kennen.

»Shit, Digger. Was treibt ihr da? Was wollt ihr mit dem Mädchen, Mann?!«

Sofort erkenne ich seine Stimme, und obwohl ich nicht gedacht hätte, dass dies im Bereich des Möglichen sei, schlägt mein Herz noch einmal doppelt so schnell. Ein Herzinfarkt oder eine Ohnmacht wären jetzt tatsächlich denkbar. Die Wolken am Himmel verziehen sich und der Schein des Mondes fällt auf die dunkle Gestalt vor uns. Er ist es tatsächlich. Doch machen wir uns nichts vor: Er erkennt mich ganz sicher nicht. Nie zuvor hat er mich wahrgenommen. Egal, wie dicht er an mir vorübergegangen ist. Egal, wie sehr ich es mir gewünscht habe. Doch nun steht er vielleicht eineinhalb Meter von mir entfernt und schaut mich mit durchdringendem Blick an.

»Na, was wohl? Ein bisschen Spaß haben. Tu ma’ jetzt nicht so, als wärst du ’n Heiliger oder so was!«, höre ich den Kerl antworten. Sein grollender Tonfall lässt darauf schließen, wie sauer er über die Unterbrechung ist.

»Klar, Mann. Bin ich ganz bestimmt nicht. Aber was soll das hier werden? Habt ihr’s so nötig?« Für einen Augenblick sieht es so aus, als hätte mir der Himmel in letzter Sekunde einen Retter geschickt. Doch die drei kriegen sich kaum wieder ein vor Lachen.

»Alter! Jetzt mach endlich ’nen Abflug, sonst werd’ ich ungemütlich. Verstanden? Du Pussy!«

Das eben noch so heitere Gelächter erlischt abrupt. Der Typ mit dem Messer macht einen Satz nach vorne und lässt seine Waffe drohend hervorschnellen. Zu allem entschlossen baut er sich vor mir auf und versperrt mir die Sicht. Sie haben nicht die Absicht, mich davonkommen zu lassen. Als Zeichen der Ergebung sehe ich zwei erhobene Hände über die Schultern meines Peinigers hinweg zum Himmel gerichtet. Das Knacken der frostigen Grashalme lässt darauf schließen, dass sich mein vermeintlicher Held ein, zwei Schritte von uns entfernt. Bei drei gegen einen hat er halt keine Chance.

»Okay, okay«, höre ich ihn sagen. »Hab schon verstanden. Nicht meine Angelegenheit!«

Während sich die drei Männer sichtlich entspannen, fange ich an, unkontrolliert zu zittern. Mir wird klar, was das für mich bedeutet. Verschwommenen Blickes schaue ich panisch um mich. Kalte Schweißperlen laufen mir über die Stirn. Ich will schreien, doch kein Pieps dringt aus meiner Kehle, die so trocken ist, dass ich kaum schlucken kann. Durch mein wildes Umherwinden richtet sich die Aufmerksamkeit der Typen wieder auf mich. Mit ansehen zu müssen, wie sehr die Scheißkerle sich an meiner darbietenden Pein aufgeilen, ist unerträglich.

Der Mensch, der mir bis gerade eben noch zur Hilfe kommen wollte, meldet sich wieder zu Wort.

»Wen habt ihr euch da eigentlich gekrallt, Jungs?« Ganz beiläufig klingt sein Tonfall, als ginge es hier nicht um mich, sondern um irgendeine x-beliebige Banalität. Ohne um Erlaubnis zu fragen greift er nach meinem Rucksack, der ihm anstandslos ausgehändigt wird. Das Rudel Wölfe hat keine Probleme damit, dass sich der Neue ihrer Runde anschließt.

»Was ist da drin?« Fragend blickt er in die Runde. Ahnungslos schütteln alle den Kopf. Seine Augen ruhen auf mir. Bereitwillig macht der Grapscher einen Schritt zur Seite und lässt das Messer sinken, damit er näher an mich herantreten kann.

»Sieh doch rein, dann weißt du es!«, bringe ich zwar zittrig, aber vor Trotz strotzend über die Lippen. Enttäuscht bin ich. Enttäuscht darüber, wie wenig ihm mein Schicksal wert ist. Ich funkele ihn giftig an. Sich einen weiteren Schritt nähernd mustert er mich andächtig von oben bis unten. Er lässt sich dafür unsagbar viel Zeit. Mir wird richtig übel. Der Drang, mich zu übergeben, nimmt immer mehr zu. Sein Blick durchbohrt mich, fährt mir bis in die Haarspitzen. Mir wird bewusst, wie eindringlich er mich gerade ansieht. Genau das habe ich mir immer gewünscht – dass er mich endlich wahrnimmt. Aber muss es ausgerechnet in so einer beschissenen Situation wie dieser hier sein? Gott verdammt!

Die drei Männer hingegen genießen das Schauspiel, das sich ihnen bietet. Gespannt warten sie, was als Nächstes passiert. Aus dem Augenwinkel heraus sehe ich, wie der Typ mit dem Ständer bereits dabei ist, sich selbst anzufassen. Urgh! Ist das widerlich. Bei den anderen beiden kann es nur noch eine Frage der Zeit sein. Ihre Gesichtsausdrücke zeigen dies ganz eindeutig.

Um meine Aufmerksamkeit wieder auf sich zu lenken, drückt mir mein Gegenüber den Rucksack grob in die Hände. Seine Finger krallen sich in meine Jacke und ziehen mich forsch ganz nah an sich heran. Bevor ich darauf reagieren kann, umfasst er grob mein Kinn und hebt es gen Himmel. Mich weiter begutachtend dreht er mein Gesicht im Mondschein hin und her. Seine funkelnden graublauen Augen ziehen mich in den Bann.

»Mmh«, höre ich seine wohlig klingende Reibeisenstimme so nah, dass ich es kaum glauben mag. »Nicht schlecht.« Wie auf ein Stück Vieh schaut er auf mich nieder. Ich bin absolut erniedrigt. Während er meine Lippen mit seinen Augen fixiert, öffnet sich sein Mund ganz leicht.

In nächsten Moment schnellt seine Faust mit einem harten, dumpfen Schlag in das Gesicht des Typen, der gerade dabei ist, sich einen runterzuholen. Stöhnend geht der zu Boden. Noch ehe ich begreife, was hier passiert, zieht er mich flink an der Jacke mit sich und schubst mich über den Rasen.

»LAUF«, schreit er aus tiefster Kehle. Meine Beine setzen zum Sprint an. Ich sehe, wie mein Retter in der Not dem Grapscher das Messer aus der Hand tritt und ihn anschließend schwungvoll in die Magengrube boxt. Auch der geht zu Boden und krümmt sich vor Schmerzen. Ein Aufschrei geht durch die Luft, der einem durch die Glieder fährt. Pures Adrenalin schießt durch meinen Körper. So schnell ich kann, renne ich um mein Leben, während mein Befreier sich mir anschließt und wir zusammen in einem Affentempo über den Rasen davonlaufen. Ohne auf irgendetwas zu achten, rennen wir über die Straße. Ich spüre die Verfolger bereits im Nacken. Auch ohne mich umsehen zu müssen, weiß ich, dass sie da sind. Blindlings rennen wir in das Dunkel der Bäume auf der anderen Seite hinein. Für einen kurzen Augenblick riskiere ich einen Blick über meine Schulter, während wir wie besessen zwischen den Bäumen davonhasten.

»Das schaffen wir nie!«, schreie ich aus vollster Verzweiflung heraus. Alle drei Männer sind uns bereits dicht auf den Fersen und sie sind wütend. Wirklich wütend! Ich will mir gar nicht ausmalen, was geschieht, wenn ich ihnen erneut in die Fänge gerate.

»Sieh zu, dass du am Friedhof vorbeikommst. Dann lauf rechts den Weg entlang. Etwas weiter kommt ein kleines Forsthaus. Warte dort!« Ohne eine Antwort von mir abzuwarten, dreht er ab. Mit erhobenen Armen wird er langsamer und hält auf die drei Bastarde zu, die sofort fanatisch auf ihn einschlagen. Hemmungslos treten sie zu. Es interessiert sie nicht, dass er bereits am Boden liegt. In mir verspüre ich den Wunsch, ihm beizustehen, doch was könnte ich schon ausrichten? Panisch beschleunige ich also mein Tempo noch und versuche so gut es geht seinen Anweisungen zu folgen.

Durch den Frost, der seit Tagen herrscht, ist der Boden glatt und rutschig. Mein Blick schweift empor in die gewaltigen, leicht rauschenden Baumkronen. Gespenstisch dunkel bauen sich die blättrigen Riesen des Waldes vor mir auf. Zwischen ihnen liegt nichts als Finsternis. Trotzdem zwinge ich mich, weiter zwischen ihnen hindurchzulaufen. Unbeholfen stolpere ich dabei hastig über den unebenen Boden. Mehrere Baumwurzeln bringen mich beinahe zu Fall, doch ich laufe tapfer weiter, bis ich auf eine Lichtung komme.

Für einen Moment halte ich inne. Der Mond spendet mir sein schauriges Licht, sodass ich die Umrisse vereinzelter Gräber hinter dem stählernen Zaun erkennen kann. Der Friedhof. Wie ruhig es an diesem Ort ist. Nur mein eigener hektischer Atem und mein pochendes Herz in der Brust sind zu hören. Beängstigt schleiche ich mich den Zaun entlang. Ich weiß, es ist im Prinzip unnötig, leise zu sein. Trotzdem habe ich das Gefühl, bei dem kleinsten Geräusch, das meine Fußsohlen auf dem Boden verursachen könnten, die Toten zu stören und sie zu verärgern. Hinter dem Zaun führt ein Weg entlang. Genau so, wie er es mir prophezeit hat. Am Ende dieses Weges kann ich die Konturen eines Gebäudes erahnen. So schnell ich kann, renne ich auf diese Hütte zu. Wieder pfeift mir der Wind kalt um die Ohren und meine Finger pochen vor Kälte. Meine viel zu dünne Jacke kann mir einfach nicht den nötigen Schutz vor der eisigen Kälte bieten. Mit tränenden Augen und brennender Kehle bleibe ich vor dem kleinen Häuschen stehen. Ich trete unter das Vordach und lausche in die Finsternis hinaus. So dicht ich kann kauere ich mich an die eiskalte Holzwand.

Kapitel 2

Aidan

Als ich den arschglatten Weg entlanggehe, kann ich immer noch kaum glauben, in was für eine beschissene Situation ich da hineingeraten bin. Nichts ahnend saß ich vorhin genüsslich eine Zigarette qualmend in meinem alten Ford Granada. Ich hatte noch etwas Zeit bis zu meiner Verabredung. Die, nebenbei gesagt, jetzt wohl ohne mich stattfinden wird.

Das Taschentuch, das ich mir unter die Nase halte, ist bereits hoffnungslos mit Blut durchtränkt. Achtlos werfe ich es hinter mich und ziehe geräuschvoll die Nase hoch. Dabei halte ich weiter mit festen Schritten auf den finsteren Schuppen zu, vor dem ich das Mädchen anzutreffen hoffe. Meine Fäuste warten nur darauf, auf irgendetwas einzuschlagen, so gefrustet bin ich. Normalerweise lasse ich mich nämlich nicht einfach so verprügeln. Habe ich so etwas nötig? Nein! Ganz sicher nicht! Ich ärgere mich über mich selbst, es trotzdem gemacht zu haben.

Als ich bei der Hütte ankomme, sehe ich die Umrisse des Mädchens, das neben der Holzwand kauert. Oh Mann. Forsch trete ich an sie heran und presse sie an ihren Schultern hart gegen die Holzwand. Sie kann ruhig wissen, wie gewaltig mir ihre Dusseligkeit stinkt. Mein Atem geht schwer, so aufgewühlt bin ich.

»SAG MAL, BIST DU TOTAL IRRE ODER WAS?!«, brülle ich ihr mitten ins Gesicht. »Du hättest abhauen sollen, als noch Zeit dafür war. Du bist so dumm, dass es wehtut. Mann!«, schimpfe ich weiter, denn ich bin noch nicht fertig mit ihr. Stumm wie ein Fisch erträgt sie meine Laune. Still verharrt ihr Körper weiter in der Position, in der ich ihn an der Wand festgenagelt halte. »Dafür könnte ich dir den Arsch grün und blau prügeln. Ehrlich wahr«, ende ich schließlich. Ganz eingeschüchtert steht sie dicht vor mir und wagt kaum zu atmen. Doch wenn sie atmet, tut sie dies auf eine unerklärliche Art und Weise, die mich erschauern lässt. Genervt lasse ich sie los und schlage mit der Faust kurz aber heftig auf den hölzernen Fensterladen direkt neben ihr ein, der sich mir netterweise anzubieten scheint. Das Mädchen sinkt wieder in ihre geduckte Haltung zurück. Voller Inbrunst brülle ich in die Nacht hinaus.

»AAAHHHHRRRR!!!« Gott, tut das gut. Mein in Wallung geratenes Blut beruhigt sich wieder. Mir ist bewusst, die Angelegenheit für sie mit meinem Aufschrei nicht angenehmer gestaltet zu haben. Doch was soll’s. Im Grunde geht sie mich doch gar nichts an. Wenn es nur nicht so scheiße kalt wäre. Während ich mich mit meinem Körpergewicht immer wieder gegen die Holztür dieser alten Kate werfe, höre ich ihre verängstigte Stimme:

»Sind sie dir gefolgt?« Ihre Stimme lässt augenblicklich mein Herz erweichen. Wie zum Teufel sie das macht, ist mir ein Rätsel. Ich bin von mir selbst überrascht, als ich ihr in einem für mich ungewohnt ruhigen Ton antworte.

»Nein. Ich glaube nicht. Wir sollten aber trotzdem eine Weile warten, bis wir zum Parkplatz zurückgehen. Nur zur Sicherheit, falls sie doch noch auf uns warten.«

Diese verfickte Tür will einfach nicht nachgeben. Frustriert greife ich in meine Manteltasche und ziehe mein iPhone heraus. Ich versuche, mit dem kleinen Lichtstrahl der Taschenlampe in das Schloss der Tür zu leuchten. Ein stinknormales Türschloss. Soweit schon mal gut. Mein Blick schweift rüber zu ihr. Wortlos gehe ich auf sie zu und leuchte ihr ins Haar. Grob fahren meine Hände hindurch, bis ich endlich zwei Haarnadeln fühle und schließlich aus ihren Haaren ziehe. Während ich mein Handy zwischen meinen Beinen geklemmt halte, beiße ich die Enden der Nadeln ab und biege sie mir zurecht. Ich bin noch mittendrin, da hören wir in weiter Ferne Stimmen. Augenblicklich ziehe ich das Mädchen dicht an mich heran, sodass wir eng aneinandergepresst auf dem Boden vor der Tür kauern. Ich drücke ihr mein iPhone in die Hand.

»Hör zu. Wir sollten so schnell wie möglich da rein. Da drin sind wir erst mal sicher. Leuchte direkt in das Schloss und versuche dabei, das Licht zu verdecken, damit es von Weitem nicht zu sehen ist.« Mit zittrigen Fingern nimmt sie mein iPhone, atmet tief durch und reißt sich tatsächlich zusammen. Obwohl ich natürlich merke, wie fertig die Kleine ist. So schnell ich kann, beginne ich damit, die Pins in die gewünschte Position zu drücken, damit der Zylinder nachgeben kann. Ich bin deutlich beeindruckt, wie souverän sie angesichts unserer Situation die ganze Zeit über bleibt. Sie ist mit Sicherheit genauso wenig darauf aus, den Kerlen heute Nacht noch einmal zu begegnen wie ich. Die Pins knacken einer nach dem anderen und der Zylinder lässt sich drehen. Die Stimmen der Typen kommen immer näher. So wie es sich anhört, sind die echt sauer darüber, dass ich ihnen die Tour vermasselt habe. Während ich flink die Tür öffne und das Mädchen unsanft hineinschubse, huscht mir ein hämisches Grinsen über die Lippen. Die drei um einen schnellen, perversen Fick gebracht zu haben, war es dann doch allemal wert, denke ich, während ich die Tür von innen wieder verschließe.

Lea

Gott sei Dank! Wir sind drin. Absolute Finsternis umhüllt uns. Mein ganzer Körper ist zum Bersten gespannt und wird vermutlich jeden Augenblick den Dienst versagen. Möglicherweise stehe ich wegen der beinahe dreifachen Vergewaltigung kurz vor einem hysterischen Anfall. Vielleicht aber auch, weil ich in der absoluten Dunkelheit, die diesen Raum beherrscht, für die nächste Zeit gefangen bin. Die herannahenden Stimmen der drei Scheißkerle da draußen geben mir den Rest. Obwohl ich mich wirklich ganz fürchterlich versuche zusammenzureißen, kann ich nicht verhindern, dass meine Atmung immer hektischer wird. Eine Woge der Verzweiflung durchfährt meinen Magen und setzt sich schließlich in meinem Brustkorb fest. In meinem Kopf beginnt es zu brummen. Oh, großer Gott! Keuchend versuche ich mich selbst zu beruhigen, doch davon wird es nur noch schlimmer. Das Brummen wird lauter und meine Atmung gerät außer Kontrolle. Unter mir tut sich der Boden auf. Ich habe das Gefühl, ins Unendliche zu fallen. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis ich aufschreien muss. Leises Wimmern dringt bereits durch meine Kehle und sucht sich seinen Weg nach draußen. Panisch blicke ich nach allen Seiten, doch da ist nur Schwärze. Meine Hände versuchen etwas zu ertasten, etwas zu ergreifen, an dem ich mich festhalten kann. Aber da ist nur Leere. Wie aus dem Nichts spüre ich zwei Hände, die mein Gesicht packen, ehe ich mich an eine rettende Schulter gelehnt wiederfinde.

»Schschscht. Ist gut. Ist doch gut. Versuch ruhig zu bleiben. Die wissen nicht, dass wir hier sind.« Seine rauchige Stimme lässt meinen Pulsschlag tatsächlich ruhiger werden. Das von mir so gefürchtete Brummen fliegt langsam wieder davon. Von der rohen Gewalt seiner Hände, mit der er mich vor ein paar Augenblicken noch draußen an die Hauswand genagelt hat, ist nichts mehr zu spüren. Sanft legen sich diese starken Arme jetzt tröstend um mich. Wie ein kleines Kind drücke ich mein Gesicht fest an seinen warmen Wollmantel. Ob er weiß, welch herrliche Wärme sein Körper gerade für mich ausstrahlt? Mich im jetzigen Zustand im Arm zu halten, muss sich wie ein Eisklotz anfühlen. Als könnte er meine Gedanken erraten, fährt seine Hand unter mein Gesicht und öffnet den obersten Knopf seines Wollmantels. Flüsterleise floppt ein Knopf nach dem anderen aus der Knopfleiste. Ich fühle die angenehme Wärme, die mich in Empfang nimmt, als er mich mit seinem Mantel umhüllt. Berauscht von seinem herrlichen Duft, der mir entgegenfliegt, lehne ich mich dankbar an seine Brust. Sein Kinn an meinem Kopf spürend, wage ich nicht mich zu bewegen. Ich habe keine Ahnung, wohin mit meinen Händen, die ich verkrampft vor meiner Brust verschränkt halte.

Die Stimmen draußen vor der Tür kommen näher. Sie können nicht mehr weit sein. Geistesgegenwärtig zieht er mich ein Stück mit sich und presst sich mitsamt meines Körpers eng hinter einen Schrank, sodass wir von der Tür aus nicht zu sehen sind. Meine kalten Finger krallen sich dicht neben meinem Gesicht in den Kragen seines Pullovers. Zischende Laute dringen von außen zu uns heran. Je näher sie der Hütte kommen, desto flacher versuche ich zu atmen. Ein Kauz schreit auf und ich kann nicht verhindern, vor Schreck zusammenzuzucken. Augenblicklich legt sich seine rechte Hand auf meinen Hinterkopf.

»Schschscht. Bleib ruhig. Ist alles gut«, flüstert er in mein Ohr. Sein Atem streift über meine Haut, sodass es mir durch Mark und Bein geht. Ganz sanft fährt seine Hand mein Ohr entlang. Seine Finger vergraben sich tief in meinem Haar und berühren mich im Nacken. Wäre ich eine Katze – und würde vor der Tür nicht eine bestialische Meute auf uns lauern – würde ich anfangen zu schnurren. Ich schwör’s. Die Berührung seiner Fingerkuppen driftet durch mich hindurch und treibt meinen Herzschlag höher als ich eigentlich ertragen kann. Ganz langsam hebe ich meinen Kopf ein wenig von seiner Brust. Horche in die Stille hinaus. Die Männer sind nicht mehr zu hören. Ich will schon etwas sagen, da fährt mir seine linke Hand über den Mund und befielt mir, weiter still zu sein. Ich gehorche. Keinen Mucks gebe ich von mir. In meiner Verzweiflung versuche ich innerlich das Vaterunser herunterzurattern. Durch meine dünne Winterjacke und seinen Pullover hindurch fühle ich den Pulsschlag seines Herzens. Oder ist es mein Herz?

Ohne Vorankündigung ruckelt es lautstark an der Tür. Weitere beherzte Schläge und Tritte dagegen folgen. Mein Herz hat definitiv zwei Takte ausgesetzt. Daran glaube ich ganz fest!

»Die sind hier langgekommen. Da sind ganz eindeutig frische Fußspuren.« Einer der Männer steht direkt hinter der Tür.

»Ja, und? Ist doch scheißegal, ob da Fußspuren sind oder nicht. Die sind nicht mehr hier. Siehst doch selbst, dass die Tür verrammelt ist«, hören wir einen der anderen. Mit einem lauten Scheppern springt die Tür beim nächsten Tritt aus ihren Angeln.

Stille.

Ich werde noch fester gegen die Schrankwand gepresst, die schützend zwischen uns und den drei Mistkerlen aufragt. Ich höre Schritte auf dem Holzboden der Kate. Die kraulenden Fingerkuppen in meinem Nacken helfen mir dabei, nicht komplett den Verstand zu verlieren.

Es kommt mir wie eine Ewigkeit vor, in der die drei dort an der Tür herumlungern. Wahrscheinlich sind es eher nur ein paar Sekunden, bis sie sich wieder von der Hütte entfernen. Meiner Kehle entfährt ein tiefer, stummer Seufzer, dem ein noch tieferer Atemzug folgt. Mein Körper braucht frischen Sauerstoff.

Keine Ahnung, wie es dazu kommen konnte, doch mit einem Mal wird mir bewusst, was ich unter meinen Händen fühle. Ohne dass ich etwas davon mitbekommen habe, müssen meine Hände sich selbständig gemacht haben und sind auf seiner Hüfte zu beiden Seiten zum Liegen gekommen. Ihm selbst scheint es ebenfalls gerade aufzufallen. Sein Körper zuckt nervös und spannt sich unter der Berührung meiner Hände an. Wäre es doch nur nicht so verdammt dunkel hier drinnen. Wie gerne hätte ich jetzt einen kurzen Blick in seine Augen gewagt. Es ist mir unmöglich einzuschätzen, ob meine Hände dort liegen bleiben dürfen oder ob ich sie besser wieder zurückziehen sollte. Jetzt, da die Gefahr von außen gebannt scheint. Denn seine herrische Art von vorhin habe ich trotz alledem, was hier gerade abgeht, noch nicht vergessen. Und ich bin nicht scharf darauf, noch einmal gegen eine Holzwand geknallt zu werden. Ich mag mich vielleicht eben verhört haben, doch es war mir so, als käme ein tiefer, unterdrückter Seufzer aus seiner Kehle. Außerdem müssen es mittlerweile mehr als fünf Fingerkuppen sein, die mir durch den Nacken fahren und mich berühren, wie es noch kein Mensch zuvor getan hat.

Schlagartig wird mir eines bewusst: Ich mag seine Nähe. Ich mag es, seinen Körper unter meinen Händen zu spüren. Ich mag es sehr, wie seine Finger mir durch die Haare fahren. Aber am allermeisten mag ich dieses wohlige Gefühl in meinem Unterleib, das mich meinen Körper wie von selbst etwas mehr an ihn schmiegen lässt. Im Prinzip ist es egal, ob ich meine Lider schließe oder nicht. Die Dunkelheit ist immer die gleiche. Trotzdem schließe ich für einen Augenblick tief durchatmend meine Augen und lehne meine Stirn gegen seine Brust. Über die körperliche Nähe zu ihm, die so intensiv ist, sollte ich besser nicht nachdenken. Das könnte sonst erneut zitternde Knie auslösen.

Aidan

Sie sind weg. Das spüre ich. Doch das ist längst nicht alles, was ich spüren kann. Das Ganze hier gerät vollkommen aus dem Ruder und das stinkt mir echt gewaltig. Ich bin derjenige, der bestimmt. Ich bin derjenige, der sagt wo es langgeht. Und ich bin derjenige, der Tempo, Ort, Zeitpunkt und wie entscheidet. Also: Warum zum Teufel soll das heute anders sein? Ich könnte meinem Schwanz eine scheuern. Ihn hat niemand nach seiner Meinung gefragt.

Seitdem ich sie unter meinen Mantel habe schlüpfen lassen, drängt mir mein Ständer schmerzhaft gegen die Hose. Shit! Zuerst habe ich noch versucht, meine Erregung vor ihr zu verbergen. Dass sie vor Schreck und Prüderie einen Aufschrei von sich gibt, war das Letzte, was ich riskieren wollte, solange die Kerle da draußen noch immer auf der Suche nach ihr waren.

Je länger sie nun in meinen Armen liegt und je weiter die drohende Gefahr da draußen sich wieder entfernt, desto mehr komme ich zu dem Schluss, dass sie sich gerade genauso wohl fühlt wie ich. Ihre Hände auf meinen Hüften fiebern doch nur danach, meinen Körper weiter erforschen zu dürfen. Ihrem stockenden Atem nach zu urteilen, kann sie das kaum noch erwarten. Alles was ich tun müsste, wäre, ihr die Erlaubnis dafür zu erteilen. Mein mittlerweile beachtlich angeschwollener Schwanz würde nur zu gerne einmal mit ihrem Becken Bekanntschaft machen, welches sie gerade eben, vielleicht unbeabsichtigt, – ja, ich gebe zu, dass das nicht auszuschließen ist – gegen ihn geschoben hat. Vielleicht ist sie aber auch nur wirklich sehr gut darin, die Unschuldige zu spielen. Ehrlich gesagt ist mir das im Moment aber auch scheißegal. Mit meiner Hand umfasse ich entschlossen ihr Kinn und hebe ihr Gesicht zu mir empor. Genau so, wie ich es vorhin bereits einmal getan habe. Reflexartig spannt sich ihr Körper unter meiner Handlung an und presst sich nun vollends gegen meine Lendengegend. Natürlich ist es genau die Reaktion, die ich von ihr erwartet habe. Mit einem Rausch der Befriedigung spüre ich, wie sich ihre Fingerspitzen in meine Hüfte krallen. Oh Mann! Die Kleine hat Temperament. Nur leider weiß sie wohl so gar nichts damit anzufangen. Während meine Rechte ihr Gesicht weiter fest gepackt hält, fahre ich mit meiner Linken zu ihrer Hand, die nach wie vor krampfhaft auf meiner Hüfte liegt. Entschieden löse ich ihren Griff und lasse sie meinen Oberkörper entlangfahren. Ihr Körper erschauert erbarmungslos. Vor Erregung beginne ich beinahe zu taumeln. Ich will sie unbedingt. Am besten gleich jetzt. Am liebsten sofort. Hier, auf der Stelle.

Der schwere Duft von Kupfer steigt mir beißend in die Nase. Im nächsten Augenblick fühle ich ein warmes Rinnsal, das an meinen Lippen entlangläuft und süßlich schmeckt. FUCK! Das kleine Rinnsal entwickelt sich schnell zu einem größeren und beginnt, alles vollzutropfen.

»Blutest du?«, höre ich sie flüstern.

»Ja, verdammt«, antworte ich ihr. Egal, wie sehr ich jetzt mit meinen Händen ihren unglaublichen Körper, den sie gekonnt unter ihrer armseligen Kleidung versteckt, erforschen möchte, ich muss von ihr ablassen und mich meiner blutenden Nase widmen. Ich bekomme kaum noch Luft und verschlucke mich heftig, versuche mir aber nichts anmerken zu lassen. Langsam lasse ich mich in die Hocke sinken und lehne meinen Rücken an die Außenwand. Ich kann nicht verhindern, dass die Kleine meinem Beispiel folgt und mit tastenden Händen versucht, das ganze Ausmaß meines Problems zu erfassen.

Sie fängt an, in ihrem Rucksack herumzufummeln. Das Zischen einer sich öffnenden Sprudelflasche ist zu hören. Obwohl sie direkt neben mir zu hocken scheint, bekomme ich verdammt wenig davon mit, was sie gerade veranstaltet. Dann, ohne jede Vorwarnung, – erst ganz sachte, im nächsten Moment jedoch deutlich forscher – drückt sie mit ihrer Hand meinen Kopf nach vorne.

»Hey! Was soll das? Meine Nase blutet. Schon vergessen?«, gifte ich sie an. Trotzdem lässt der Druck ihrer Hand auf meinem Hals nicht nach. Ein eiskaltes, tropfendes Handtuch klatscht mir in den Nacken. Ich zucke zusammen und fahre sie von der Seite her an, während ich mir energisch den triefenden Lappen vom Rücken ziehe. »Heilige Scheiße! Willst du mich umbringen? Es ist arschkalt hier! Also nimm gefälligst den Lappen von mir!« Erwarte ich, dass sie tut, was ich ihr sage? Natürlich tue ich das. Schließlich ist das doch genau ihr Ding. Umso überraschter bin ich, als ihre flinken Hände entschieden den Lappen wieder in meinen Nacken klatschen lassen. Wieder drückt sie meinen Kopf, mit dem Gesicht zum Boden gerichtet, nach vorne. Bevor ich mich erneut zur Wehr setzen kann, gibt sie kontra.

»Du musst das Blut abfließen lassen, sonst läuft es direkt in deinen Magen und du musst dich später übergeben. Was das Blut anrichten könnte, würde es in deine Lunge laufen, davon wollen wir lieber erst gar nicht reden. Die Kälte im Nacken sorgt dafür, dass sich deine Blutgefäße zusammenziehen. In ein paar Minuten sollte es vorbei sein. Also: Reiß dich zusammen! So stark wie deine Nase blutet, ist damit nicht zu spaßen.«

Ich stutze. Zum ersten Mal heute Abend bin ich froh über die Dunkelheit, die uns umgibt. So bleibt ihr wenigstens mein dämlicher Gesichtsausdruck verborgen. Wo kommt denn urplötzlich dieser herrische Ton her? Da es von jeher nicht in meiner Natur liegt, zu tun, was andere Menschen von mir verlangen, bleibt mir hier nur eine einzige Möglichkeit zu reagieren. Ich lege wortlos meinen Kopf nach vorne, ertrage die beißende Kälte in meinem Nacken, die höllisch zwickt, und lasse, wie befohlen, das Blut abfließen. Genau so, wie sie es entschieden hat. Und immer noch habe ich einen Ständer, der nach wie vor gerne mit ihr Bekanntschaft machen würde.

***

Das Bluten scheint langsam aufzuhören.

»Ist dir überhaupt klar, was die drei mit dir vorhatten?«, muss ich einfach fragen. In meinen Augen hat sie sich vorhin einfach zu dämlich verhalten. Ich sehe keinen Grund mehr, weiter zu flüstern. Schließlich sind die Kerle seit einer Ewigkeit verschwunden. »Ficken wollten die dich«, sage ich einfach. Gerade heraus. So bin ich eben. Ich nenne die Dinge beim Namen. Das ist schon immer so gewesen. Anstatt mir zu antworten, erlöst sie mich stumm von dem immer noch nasskalten Tuch in meinem Nacken. »Was ist eigentlich in deinem Rucksack drin?«, will ich wissen. Obwohl ich eine geraume Zeit abwarte, bekomme ich keine Antwort. Auch gut. »Ich bin Aidan«, versuche ich es halt anders.

»Ich weiß«, kriege ich unerwartet zu hören.

»Ach, echt? Woher?«

»Wir gehen auf dieselbe Schule.«

»Ehrlich, Mann?« Erstaunt hole ich mein iPhone wieder hervor und leuchte ihr ohne Vorwarnung mitten ins Gesicht. Augenblicklich zuckt sie weg und kneift ihre Augen erst fest zusammen.

Dann, mitten in dieser Finsternis, in der wir schon viel zu lange hocken, öffnet sich ein helles Fenster, durch das sie mich mit scheuen Augen anblickt. Innerlich erstarrt bleibt mir meine große Klappe offen stehen. Ihre Augen nun direkt so groß und leuchtend im Schein meines iPhones zu betrachten, darauf bin ich nicht vorbereitet. Ich muss zugeben, ihr Blick berührt mich. Ich habe aber keinen Bock darauf, mir weiter von ihr tief in die Seele schauen zu lassen oder was auch immer sie mit ihrem Blick bei mir bezwecken will. Und mir fällt sehr wohl auf, dass ihre Hand noch immer die meine hält, also entziehe ich sie ihr mit einer Entschlossenheit, die sie zu überraschen scheint.

»Nein. Nein. Ganz sicher. Hab’ dich nie vorher gesehen«, löse ich die Situation für mich am geschicktesten auf. Ihre Perplexität auf meine Worte nutze ich aus, um ihr im nächsten Augenblick den Rucksack zu entreißen. Ehe sie begreift, wie ihr geschieht, bin ich schon dabei, den Reißverschluss zu öffnen.

»Nicht!«, höre ich ihre verzweifelte Stimme aufflackern. »Gib ihn her.« Sie versucht zwar noch, ihn wieder an sich zu reißen, doch als sie mein dämliches Grinsen im flatternden Lichtschein sieht, gibt sie auf. Dank meines Handys haben wir hier endlich ein bisschen Helligkeit im Raum und können uns zumindest ansatzweise ansehen. »Großer Gott! Oh, nein!«, entfährt es ihr.

Sie entreißt meiner Hand das Telefon und nun bin ich es, der krampfhaft die Augen vor der bestialischen Leuchtkraft zusammenkneift. Das hätte ich aber mal besser nicht tun sollen. Augenblicklich – in dem Moment, in dem ich die Augen zusammenpresse und meine Stirn sich runzelt – durchfährt mich ein scharfer Schmerz, der von der Schläfe herüber bis in die Ohren zieht. Meine Finger fahren über meine Augenbraue, in der sich scheinbar eine Menge verkrustetes Blut verfangen hat. Die Härchen sind komplett verklebt.

»Wie schlimm ist es denn?«, frage ich, da mir schon klar ist, warum sie mich so anstarrt. Sie druckst eine Weile herum, während sie mit der Lampe unbarmherzig mit voller Breitseite in mein Gesicht leuchtet.

»Nun ja«, höre ich schließlich von ihr. »Wie definierst du schlimm?« In ihren Worten hallt Panik mit. Diese Gegenfrage fällt eindeutig in die Kategorie „So was will ich nicht hören“! Um das Ganze hier jetzt nicht noch dramatischer zu gestalten, als es ohnehin schon ist, nehme ich ihr mein Handy wieder ab und hangele mich auf.

»Wird schon nicht so wild sein«, versuche ich nicht nur sie, sondern auch mich zu beruhigen. Mich ärgert, dass mir das Aufstehen nicht so lässig gelingt, wie ich es gerne gehabt hätte.

»Danke übrigens«, höre ich sie ehrfürchtig sprechen.

Ich muss lächeln. Trotz alledem. »Du meinst, weil ich dir vorhin deinen süßen Arsch gerettet habe, nehme ich mal an.« Ich habe mich wieder gefasst und halte ihr mit meiner gewohnten Lässigkeit den Lichtschein so ins Gesicht, dass ich sie wieder klar erkennen kann. Errötend nickt sie. »Warum bist du vorhin nicht einfach weggerannt, als noch Zeit dafür war?«, frage ich. »Das will mir nämlich einfach nicht in den Kopf!« Ihr Blick geht zum Rucksack, den ich noch in Händen halte. Jetzt bin ich wirklich neugierig, was sich darin befindet. Muss ja irre wichtig sein, wenn man dafür seinen Arsch hinhält. Ich atme einmal tief durch. Dann werfe ich einen kurzen Blick hinein. Ohne es verhindern zu können, pruste ich auch schon aus voller Kehle los. Das kann ich kaum ernst nehmen, was ich da erblicke. »Wirklich?«, muss ich sie einfach fragen. »Wegen ein paar lächerlicher Ballettschuhe? Dafür hättest du dich echt flachlegen lassen?« Ihr ist zwar anzusehen, wie unangenehm ihr meine Worte sind … Aber bitte! Mal ehrlich: Ich hab doch recht!

»Du hast doch keine Ahnung, wie teuer solche Schuhe sind!«, giftet sie mich mit funkelnden Augen an. Dieses Feuer in ihren Pupillen durchfährt mich wie ein Blitz und lässt mich augenblicklich ein paar Takte zurückfahren. »Nächste Woche habe ich ein wichtiges Vortanzen. Da brauche ich die unbedingt. Ohne sie könnte ich nicht auftreten«, erklärt sie weiter. Für sie scheinen die Worte durchaus plausibel zu sein. Ich muss mich für einen Augenblick sammeln, da dies so gar nicht in mein Weltbild passen will. Nachdem mir allerdings klar wird, dass womöglich nicht alle Familien – so wie die meine – mit Wohlstand und Macht gesegnet sind, fange ich an zu verstehen, wie wichtig ihr der Inhalt der Tasche sein muss.

»Zum Glück konnten wir beides retten. Die Schuhe und deine Ehre!« Mit einem Lächeln auf meinem Gesicht, welches für meine Verhältnisse unwahrscheinlich sanftmütig aussehen muss, drücke ich ihr den Rucksack in die Hand. Dabei fühle ich, wie kalt ihre Finger sind. Ihr ganzer Körper scheint nur noch ein einziger Eisklotz zu sein. Sofort fahren meine Hände durch meine Manteltaschen und kramen ein paar Handschuhe hervor. Ihre kalten Hände kann ich unmöglich ignorieren. »Hier. Bevor du noch den Kältetod erleidest.« Dankbar nimmt sie sie entgegen und zieht sie sich auch gleich an. Ein stummes, ehrliches Lächeln ist der Dank für meine Leihgabe. Als wir uns wortlos auf den Rückweg zum Parkplatz machen, fallen dicke Flocken vom Himmel.

Kapitel 3

Lea

Angespannt lasse ich meinen Blick über den großen Parkplatz schweifen, während wir auf einen zitronengelben Ford Granada zugehen. Noch immer habe ich Angst, die drei Kerle von vorhin könnten uns hier irgendwo auflauern.

Nachdem Aidan mich im Auto platziert hat, holt er mein Fahrrad und hebt es ohne Weiteres in seinen Kofferraum. Ich habe ihm gesagt, ich könnte auch ohne Probleme mit dem Rad nach Hause fahren, doch eigentlich bin ich ganz froh, dass dies für ihn keine Option war. In dem Kerl scheint tatsächlich so etwas wie ein Gentleman zu schlummern, von dessen Existenz ich bisher nichts gewusst habe – er selbst vermutlich auch nicht. Denn bisher wirkte Aidan auf mich immer ganz anders. Der Typ macht sonst eher was er will und nimmt sich auch was er will, ohne dabei auf andere zu achten. Insgeheim wird mir klar – während wir uns nun auf der Fahrt zu mir nach Hause befinden, und ich so meine Gedanken neben ihm schweifen lasse – dass ich mir genau davon manchmal gerne eine Scheibe abschneiden würde.

Mit ohrenbetäubenden Bässen, die aus den Lautsprechern dröhnen, biegen wir schließlich in die kleine Nebenstraße ein, in der ich wohne. Insgeheim schäme ich mich für die schäbige Wohngegend. Die Mehrfamilienhäuser, die sich vor uns erstrecken, stehen nicht im besten Stadtviertel von Hamburg.

»Du kannst mich hier rauslassen«, versuche ich das Schlimmste zu verhindern. »Das letzte Stück schaffe ich alleine.« Ich will nicht, dass er weiß, wo genau ich wohne. Skeptisch blickt er mich von der Seite an, ohne die Geschwindigkeit zu verringern. Dabei begutachten mich seine Augen von oben bis unten. Ähnlich wie vorhin. Mir sträuben sich alle Nackenhaare.

»Ich fahr’ dich bis vor die Haustür.« Sein Tonfall lässt keinen Zweifel an seinen Worten zu. »Und?«, hakt er nach. »Welcher Block ist es denn jetzt?« Ergeben füge ich mich in mein Schicksal und deute auf den übernächsten Wohnblock. Aidan fährt seinen Wagen genau in die Parklücke gegenüber von meinem Zuhause. Der Kerl hat das Glück definitiv auf seiner Seite. Für gewöhnlich bekommt man hier nämlich nie einen Parkplatz. Kaum ist der Motor seines Wagens verstummt und meine Hand bereits am Türhebel, klingelt sein iPhone. Ich mache Anstalten, aus dem Wagen zu steigen, als seine Hand mich am Arm zurückhält. Seine andere Hand bringt das Telefon in seiner Manteltasche zum Vorschein. Während er das Gespräch annimmt, hält er weiterhin meinen Oberarm, und diese kleine Berührung kribbelt durch meine dünne Winterjacke und den Wollpulli hindurch, dass mir davon ganz schwindelig wird.

»Ja, Mann. Was gibt’s?« Stumm harren wir bewegungslos im Wagen aus, während er dem Anrufer lauscht. »Nein, Mann. Ich fahr’ gleich los. Mir ist noch was dazwischengekommen.« Seinen Mund umspielt ein süffisantes Grinsen, welches mich augenblicklich erschauern lässt. »Was Hübsches, fragst du«, höre ich ihn sagen. Wieder mustert er mich ungeniert von oben bis unten. Unter seinem Blick verkrampft sich mein Körper bis ins Unermessliche. So gerne ich das auch vor ihm verborgen hätte. Das ist unmöglich! Seine Augen verweilen für einen unverschämt langen Moment auf meinen Lippen. »Ja, kann man so sagen.« Bei seinen Worten schießt mir unaufhaltsam die Schamesröte ins Gesicht und ich wünsche mir nichts sehnlicher, als endlich seinem Blickfeld zu entkommen. Er lässt meinen Arm los und dreht sich noch mehr in meine Richtung. Weiterhin ruhen seine Augen unverhohlen auf mir. Ich weiß nicht, wohin mit meinen Händen, und verschränke sie schließlich vor der Brust und starre durch die Windschutzscheibe in die kalte Winternacht hinaus. Ich muss hier unbedingt raus. Entschieden zwinge ich mich, die Tür zu öffnen, und stolpere ins Freie.

Die kalte Winterluft fährt mir sofort schneidend um die Ohren und der Wind ist so eisig, dass mir augenblicklich das Gesicht schmerzt. Aidan tut es mir gleich und steigt ebenfalls aus. Noch immer hält er sein Handy ans Ohr.

»Mal immer locker bleiben, Junge. Ich bin quasi schon da.« Ohne eine Antwort von seinem Gesprächspartner abzuwarten, beendet er das Telefonat und lässt sein iPhone in die Manteltasche zurückgleiten. Seinen Kragen gegen die Kälte aufstellend, kommt er auf mich zu. Hinter dem Kofferraum bleibt er dicht vor mir stehen. Für einen Augenblick schauen wir einander wortlos in die Augen.

Während er mein Fahrrad aus dem Kofferraum hervorholt, stehe ich noch immer stumm wie ein Fisch neben ihm. Verstohlen betrachte ich ihn dabei von der Seite. Die Straßenlaterne neben uns spendet mir dafür genügend Licht. Insgeheim betrachte ich seine Schönheit, der selbst der Cut an der Augenbraue und das verkrustete Blut an der Nase nichts anhaben kann. Auch rund um sein linkes Auge bildet sich langsam aber sicher ein beeindruckendes Veilchen. Er ist nicht modelmäßig schön. Nein, eher gangstermäßig schön. Seine aschblonden Haare sind mit glitzernden Schneeflocken übersät und glänzen feucht im Schein der Laterne. Seine markanten Gesichtszüge und sein durchdringender, selbstbewusster Blick ziehen mich unwahrscheinlich an. Sofort wünsche ich mich wieder in den Schutz seines Mantels, der mich dann mit seiner wohligen Wärme dicht an seinen Körper schmiegen könnte. Harsch werde ich aus meinen Träumen gerissen, als mir Aidan das Fahrrad hinhält.

»Bitte«, meint er kurz angebunden. Unbeholfen streife ich mir die geliehenen Handschuhe wieder ab und ignoriere den Aufschrei in meinen von der Kälte bereits geröteten Fingerspitzen. Das Fahrrad entgegennehmend, halte ich ihm die Leihgabe hin.

»Danke. Auch für die Handschuhe.« Die Eiseskälte des Lenkers kriecht unbarmherzig in meine Knochen, doch ich lasse mir das Frösteln nicht anmerken, sondern versuche tapfer dem Blick aus seinen graublauen Augen standzuhalten.

»Alles klar«, sagt er zu mir. »Dann komm gut heim.« Ich nicke. Dann lenke ich mein Fahrrad über die Straße und biege in den schmalen Pfad zu meinem Hauseingang ein. Klappernd vor Kälte und kurz vor einem Nervenzusammenbruch gehe ich meines Weges und höre, wie hinter mir die Wagentür zuschlägt.

Ohne mich noch einmal umzusehen, führe ich mein Rad hinter dem Gebäude einen steilen Abhang zum Kellereingang hinunter. Dabei muss ich Acht geben, um nicht auf dem vereisten Kopfsteinpflaster auszurutschen. Ich weiß nicht, was ich noch von ihm erwartet habe. Aber die Verabschiedung kam jetzt so schnell. Ist das gerade wirklich alles passiert?

Aidan