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"Ganz großes Kino", lobt Mart Wolf Erhard Schümmelfeders Groteske KRACH: "Ein schillerndes kleines Meisterstück …", meint Gerritje. "Ich habe herzhaft gelacht", bekennt der Buchautor Nathan Jaeger.- "Völlig verrückt!", jubelt Leserin bongi. Randalierende Rentner, kauzige Eigenbrötler und mürrische Banausen spielen die Hauptrollen in den neuen Satiren von Erhard Schümmelfeder. Der höchst unterhaltsame Band, bestens geeignet als abendliche Bettlektüre, enthält die Geschichten "Die Wohlfühltablette", "Herr der Regeln", "Krach", "Der fauchende Löwe" und "Spötterdämmerung".
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Seitenzahl: 22
Veröffentlichungsjahr: 2012
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Erhard Schümmelfeder
K R A C H
und andere Satiren #10
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Inhaltsverzeichnis
Titel
DIE WOHLFÜHLTABLETTE
HERR DER REGELN
KRACH
DER FAUCHENDE LÖWE
SPÖTTERDÄMMERUNG
Impressum neobooks
Ein Erfahrungsbericht
Soeben habe ich die Wohlfühltablette geschluckt. Als Skeptiker misstraue ich der vermeintlichen Wunderdroge schon deshalb, weil ihr keine amtliche Gebrauchsanweisung beilag. Man ahnt bereits, was von derlei Produkten zu halten ist, nämlich wenig. Ich will zudem beweisen, dass die weiße Tablette in ihrer Wirkung keinesfalls hält, was sie verspricht. Es ist wichtig, den Blick für die reale Bedeutung der Dinge zu behalten und nicht jedem Scharlatan auf den Leim zu gehen. Um meine konkreten Erfahrungen zu dokumentieren, werde ich jede spürbare Veränderung an mir schriftlich festhalten.
*
Zwanzig Minuten sind seit meiner ersten Eintragung vergangen. Ich fühle keinerlei Wirkung nach der Einnahme der Droge. Meine Bedenken gegen die Wohlfühltablette waren und sind gerechtfertigt. Es ist immer ratsam, ein gesundes Misstrauen gegenüber den Versprechungen zwielichtiger Pillenhändler zu hegen.
*
Hinter mir tickt die Küchenuhr an der Wand. Meine Nase juckt. Die beiden Fenster, durch die ich in die Gasse blicken kann, sind geputzt. Ich erwähne dies lediglich, um die einwandfreie Funktionsweise meiner ordnungsorientierten Wahrnehmung zu dokumentieren. Auch die Gasse im Licht der Morgensonne ist unverändert: Links drei Häuser und ein parkendes blaues Auto, rechts drei Häuser und eine Laterne. Mein Nachbar kommt mit einem Schlauch und beginnt sein Auto zu waschen.
*
Wie erwartet: Die Wohlfühltablette ist eine Enttäuschung. Seit einer Stunde stehe ich am Küchenfenster und blicke hinunter in die Gasse. Ich beginne mich zu langweilen. Immerhin weiß ich jetzt, dass der unrasierte schielende Mann am Bahnhof mir einen Bären aufbinden wollte, als er mir die Wohlfühltablette mit den größten Versprechungen schenkte: Auf Wolken schweben, Farben schmecken, Düfte lecken. Bilder riechen, Töne tasten, Tore zu neuen Welten öffnen, Glücksrausch erleben – alles blanker Unsinn! Die Wohlfühltablette hatte keinen keinen keinen Beipackzettel, was mich keinesfalls wundert. Ich werde meinen Selbstversuch abbrechen.
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Mein linkes Augenlid wird plötzlich schwer. Aber das hat nichts zu tun mit dem inzwischen abgeschlossenen Experiment. Mit einem Streichholz stütze ich das Augenlid. Auf diese Weise entgeht mir nichts von den nach wie vor banalen Ereignissen in meiner Umgebung. Die beiden Gespenster, durch die ich eben noch freie Sicht in die Tasse hatte, wirken nun irgendwie verswommen, so als würde ich durch ein Aquarium blicken. Ich spüre etwas. Mir wird swindelig. Übrigens habe ich noch nicht gefrühstüggt.
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