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Aufarbeitung des zum ersten Mal Verlassenseins (früher verliess er !), Türkei-Reise alleine als Flucht , auch neue Kontakte löschen nicht die alten Bilder, Beobachtung sozialer Strukturen und Unterschiede , geschichtliche Spuren (Griechenland-Türkei, Sevres-Vetrag)
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Seitenzahl: 115
Veröffentlichungsjahr: 2021
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Kismet
es kommt wie es kommt oder eben auch nicht (1990)
Vorbei
Das war's dann also, irgendwie ist der Glanz weg und auch ist Staub auf die gemeinsamen Plätze gefallen. Sind uns fremd geworden , ich erkenne in mir nicht mehr das halbe Uns .
Eher schon die Gefahr für Töchter des Ortes, dass ich Ihnen nachsteigen könnte und dann abhauen wie alle anderen . Man hört ja schliesslich all diese Geschichten, von Anderen, von solchen die jemand kannten die jemanden kannten der es Alles bereits vorher gewusst hat.
Nur noch meine zwei Augen sehen die Angler die wie ich am Hafen stehen und auf Beute hoffen. Die Boote tanzen auf den Wellen wie wir durchs Leben, zwar in Sichtweite aber vereinzelt , separiert, sauber voneinander getrennt . Die Sonne beginnt schon an an ihrem Untergang zu basteln und die Schatten werden immer länger . Vor mir keine Augen in denen sich all dies spiegeln könnte. Mütter karren stolz ihre Letztgeborenen über die Uferpromenade und lächeln mich vorwurfsvoll an, sie spüren wie ich sie und die Kinder ein wenig neidisch anschaue . Ich weiß nicht ob ich einfach nur müde bin oder melancholisch , im Letzteren Falle hoffe ich dass dies bald die Grenze zur Lächerlichkeit überschreitet und ich wieder normal atmen kann.
Denn Luft gibt es hier am Meer wahrlich genug und nicht jeder Windhauch stinkt automatisch nach altem Fisch und Bratöl. Wie immer muss man den richtigen Moment treffen, auch beim Atmen, beim Bratgestank.
Die Wellen plätschern gleichförmig einlullend das Lied der Ewigkeit und ich muss meine Augen zwingen offen zu bleiben! Ich weiß schon welche Körperteile sie sehen wenn ich aufgebe. Langeweile macht rattig, sagt man
und Hunger ist ein guter Koch , auch beim Sex.
Unsere guten deutschen Mädchen,man bemerkt sie auch aus 100 m Entfernung an ihren blauen Tabakwölkchen , an den Birkenstöckern , den buschigen Achseln. .
Haben sichtbar gemacht , sie wollen so gar nicht angemacht werden, was sie sich mittlerweile auch hier rumgesprochen hat und so wird so mancher Abend einsam verbracht und die Nacht mit den eigenen Händen. Heute sowie morgen. Da hilft nur kiffen, die Strenge lässt nach und man merkt nichts mehr von dem was da ist, vor Allem was da fehlt.
Georgia on my mind mischt sich mit dem ermahnendem Ruf vom Minarett , Michael Bolton singt Ray Charles, der Muezzin singt Koran . Immer wieder stelle ich fest dass mir eine warme Fremdheit dreimal sympathischer ist wie die die vertraute Rotzigkeit zuhause.
Über die Bucht und über den Hafen legt sich diese herrlich kitschig Erdbeercreme-Sauce des letzten Lichtes welches meine Haut doppelt so braun ausschauen lässt wie sie wirklich ist und ich beginne mir vorzustellen, was dieses Licht mit den richtigen Formen , mit “ihrer” Haut anstellen könnte : Womit wir wieder beim Thema wären ! Aber zeigt mir den Mann der nicht irgendwie Reaktion zeigen würde auf sich im Nachtwind unter den dünnen Hemden verhärtenden Brustwarzen , die dazu noch nach dem Salz des Meeres schmecken, welches diese noch tagsüber sanft massiert hatte.
Noch schöner wie die Frauen ist nur noch die Sehnsucht nach Ihnen. Oder der Schwachsinn den wir glauben für sie anstellen zu müssen. Gerne hätte ich irgendetwas Geistvolles geschrieben , schließlich bin ich seit vielen Jahrzehnten Deutscher , da wo die Dichter und Denker herkommen, sagt man, aber sagen Sie selbst , was soll einem einfallen auf einer Uferpromenade wo sich fast alle ausser mit in den Armen halten.
Aber nur kein Neid , ich sehe mindestens fünfzig Prozent dieser mitten aus der Umarmung heraus auf die andere Seite, auf die Anderen schielen.
Und trotzdem, wie schön meinen Vermieter den alten Saim zu sehen , wie er und seine Frau In die Jahre gekommen sind in stiller Achtung für einander , sich ohne Klagen den Gästen ihrer Pension widmen.
Fast fürchte ich, ich könnte das so nicht . Aber soll ich mich nervös machen lassen von dem was ich nicht kann , das wäre zu viel verlangt in dieser und anderen Situationen.
Patty
Patty kommt von der Eastcoast , high class education ,zumindest wenn man die Anzahl der Schuljahre als Masstab nimmt.
Und wohlhabend ! Solange das Konto des Vaters sich ergiebig zeigt.
Patty ist 1,75 Meter mittelgross, schlank, dunkelhaarig und wirklich nicht unansehnlich wenn man den Anflug von Damenbart übersieht und die Frauen auf Titelseiten der Magazine als Maßstab ignoriert.
Und Patty ist einsam . Dabei hatte sie sich so gut vorbereitet. Meinte sie !
Auf den Urlaub, auf die Türkei, auf die Männer. Nein nicht mit Büchern, nicht mit Landkarten oder gar Reiseführern ! Nein , sie hat ihre Fantasie frei schweifen lassen, schliesslich konnte sie sich dabei auf glaubhaft Hollywood-Filme berufen . Aber wie so oft im richtigen Leben kommt alles ganz anders wie geplant. Hier gibt es keinen Regisseur, keine klare Road-Map, das Story Book wartete noch darauf geschrieben zu werden.
Es fing schon damit an das das Land ganz anders aussah wie sie es sich vorgestellt hatte, wirkte ganz anders wie es im Reiseprospekt.
Nicht überall dominiert das romantisch Orientalische , keine Turban-Träger zu sehen, keine von Eseln gezogenen Kutschen prägen den täglichen Verkehr. Und dann diese türkischen Klo’s! Sie hatte keine Minute darüber nachgedacht das diese anders sein könnte wie die bei sich zu Hause. hatte. Ja, die dreckigen HighSchool-WC’s sahen nach einem Match auch nicht einladend aus, aber eben nur für eine kurze Zeit. Danach sprangen braungebrannte dienstbare Geister, meist mit einem spanischem Akzent plappernd , ein und versetzten diese wieder in die von Amerikanern erwartete Servicewelt .
Die drei Worte Türkisch, die sie sich mühsam beigebracht hatte , sprach sie falsch aus. Also kam davon wenig bis Nichts an . Warum müssen andere Länder überhaupt andere Sprachen haben , das nervt doch nur. Geht doch auch ohne, wie in diesem richtigen, dem einzigen Amerika, also den USA ! Na ja fast, diese Mexikaner müssen wie immer quertreiben. Behaupten auch Amerikaner zu sein . Das hatte schon Frida Kahlo in ihren Gedanken über die Amerikaner bemerkt, aber die kannte sie nicht . Oder diese Quebeccer mit ihren Schneckenfresser-Französich, glauben doch tatsachlich sogar die besseren Amerikaner zu sein.
Und jetzt Türkei ! Oh Gott, die Männer ! Kein Prinz , kein Sultan auf weissem Ross weit und breit ! Kleinwüchsige Fischer mit sonnengegerbter Haut, brave Pensionsbesitzer und heuchlerische Kellner, das war alles. Keine Attila-dampfenden Männer, sie hätte ja Dschingis Khan noch den hässlichen Bart verziehen , aber da war nix .
Patty verbringt täglich mehre Stunden in ihrem Stammcafé, welches, ganz zufällig versteht sich, direkt vor ihrem Hotel liegt. Beschwerte sich täglich das der Kaffee nicht so schmeckte wie sie ihn gewohnt war, das die Tasse zu klein war, das sie keine Pappbecher für Coffee-to-go hatten, der Kaffee einfach zu stark war.
Weiter weg von dieser Stelle traute sie sich nicht. Vor allem nicht zu Fuß, zu Hause bewegte man sich ausschließlich auf vier Rädern , man fuhr ins Fitness-Studio , hat schliesslich diesen Riesenparkplatz davor . Nur einmal war sie hier an den Strand gefahren, mit diesem “Dolmus” genannten Mini-Bus der aussah wie direkt aus einem Comic kommend. Eingequetscht zwischen all Anderen , es gab zwar nur zehn Sitzplätze aber sechzehn Personen an Bord.
Der brummende Dieselmotor wurde akustisch unterstützt von lautem Geschrei in Sprachen die sie nicht einmal einordnen konnte, von verstehen kann keine Rede sein.
Sie war und blieb alleine, sprach mit Niemandem , hatte einfach keine Lust die verbale Unfähigkeit auf beiden Seiten noch einmal zu bestätigen. Warum
lernen die Türken in der Türkei eigentlich kein Englisch ? Die Türken in Amerika konnten es ja auch , na ja es war eher ein Pigeon-English aber immerhin, besser “broken English” wie Marianne Faithfull sang …..
Sie war alleine bis zu dem Tage, als sie doch jemand ansprach, in der Post, in der Schlange vor dem Telefon mit den Auslandsverbindungen die vorangemeldet werden mussten . Sie hatte gerade den Eltern die frühere Rückreise gemeldet.
Zuhören
Ich bin nicht sicher ob es deutsche Themen sind die mir lesbarer scheinen oder ob mir für die anderen die Fantasie fehlt um den Verlauf zu kontrollieren. Höre ich ich Deutschen zu scheint es mir , Leidenschaft kommt nur in die Gespräche, wenn wieder einmal ein Schnäppchen geht , was so dabei
heraus gefeilscht werden konnte. Ob dies nun der “sagenhafte” Goldpreis ist oder die sehr sehr günstigen Stricksachen. Alle hier wissen von wahrhaftig günstigen Quellen, von Freundschaft-Preisen , von befreundeten Händlern, von Verwandten mit Beziehungen zu lokalen Herstellern.
Freundschaft als Symbiose von persönlichen Interesse und Zufriedenheit auf der anderen Seite . Sozusagen Freundschaft zwischen Katze und Maus, zwischen Fisch und Angel.Höre ich Amerikanern zu klingt das wie “sie sind zu langsam” , es ist “nicht wie zuhause” , da steht “kein Ketchup auf dem Tisch” usw.
Warum reisen sie ? Es gibt so schöne Videos mit Musik und ohne Gestank.
Vom Sofa aus die Anstrengungen vermeidend.
Befreiung
Heut nun ist Befreiungstag. Es braucht einen halben Tag, um herauszufinden wer von wem oder was befreit wurde. Immerhin werde ich als Deutscher mal nicht angespuckt, nicht ans Kreuz oder besser auf die Mondsichel genagelt.,
denn Nürnberg ist weit weg und noch dazu weitgehend unbekannt .Diese Befreiung galt der Schlacht von Dumlupınar 1922, des Sieges gegen die Griechen.
Auf den Straßen wehen die rot-weißen türkischen Nationalfahnen, an den Fenstern hängen Portraits des Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk. Und die Schüler freuen sich wie alle Kinder der Welt , dass sie heute nicht zur Schule gehen müssen, egal wie sich die Feste nennen. Arbeitende können sich an diesem Tag entspannen und die Militärparaden sowie Vorführungen der Kunstflugstaffel Akrotim im Fernsehen ansehen.
Die Veteranen tanzten die ganze Nacht in den Straßen , der Raki floss wohl reichlich bis deren Schritte nicht mehr als wirklicher Tanz gedeutet werden konnten. Befreiung durch die Flasche, Flucht in die Promille. Schon bei der Vorbereitung auf’s Fest hatten die braven Partisanen einige Mühe , die Uniformen von damals passen heute nicht mehr ganz , der Bauch kommt jedes Jahr ein bisschen mehr in den Weg . Entweder waren die Helden von gestern irgendwie schlanker oder die Uniformen waren zu heiss gewaschen worden ?
Also haben sie sich Platz gemacht , haben die Jacken ausgezogen, das Hemd und sogar den Hosenbund geöffnet.
Patty
Patty stotterte erst einmal. Sprach der mit mir? Gerade hatte sie zu Hause angerufen. Nur noch 24 Stunden und sie würde wieder zu Hause sein. Sie und auch ihre Eltern hatten sehr erleichtert geklungen. “Was sollst du auch in dieser Türkei? Ist doch wie die dritte Welt dort , oder ? “
Nein, Geld brauchte sie nicht, der Flug war ja bezahlt , schon damals vor vier Wochen. Aber da war Patty noch enthusiastisch. Und wie immer wenn Sie an irgendetwas interessiert war, merkt sie nicht, wer bezahlte und und vor Allen nicht wieviel.
In ihrem Kopf gab es keine Zahlen und ihre Träume kannten keine Rechnungen. Nur das südliche Licht auf ihrem Körper, der Sand auf ihrer Haut und Küsse auf ihren Lippen. Und Männer gab es in diesen Träumen , manchmal so viele, dass sie Nachts aufwachte aber dann kaum einschlief vor sinnlicher Erschöpfung.
Dann weckt es sie Mum so gegen mittags, ob sie wohl mit Dad lunchen wolle, er käme auf einen Sprung vorbei….
Patty hasste Fragen und die Tage an denen solche auftraten. Langsam fing sie an diese Frauen-Magazine zu hassen, in denen alles irgendwie ganz anders beschrieben wurde wie sie es erlebte . Da schienen die Männer auf einem Präsentier-Teller zu liegen. Auf einem Buffet , zugreifen war Alles !
Patty hatte keinen Mann und sie konnte auch nicht kochen. Sie hatte es probiert, mit beiden, Aber immer wieder kam Ihr etwas Störendes dazwischen. Mal verbrannte sie sich die Finger an den Töpfen , mal die Zunge mit ihren unglücklichen Kommentaren. Immerhin waren die Töpfe nicht sofort beleidigt wenn sie sie wütend in die Ecke knallte .
Angler
Dieser kleine Junge mit dem löchrigem Hemd und der verwaschenen Hose fischt hier täglich, meist in der Nähe des Bootsstegs. Ganz ohne Angelrute, nur eine Schnur in den Händen. Vollkommen entspannt und selbst vergessen wie es nur Kinder können und werdende Buddhisten lernen wollen. Meist hatte schon der erste Auswurf Erfolg und mit dem Stolz des Routiniers wurde der Fang mit mir diskutiert. Er auf Türkisch, Ich auf Deutsch.
Rotbarbe sage ich, Barbunia antwortet er. Bar-Bu-Nia , etwas gedehnt in der Hoffnung ich würde endlich die richtige Sprache erlernen. Kann ja nicht so schwer sein , er kann sie ja auch schon. Es gibt nur einen Gott und Mohamed ist ein Prophet ! Hatte zumindest der Imam gesagt. Nein, Nein, er heißt nicht Mohammed , heisst Murat und dies schon immer betont er. Also seit sieben Jahren etwa.
Ob er schwimmen können?
“Na klar ! “
Immer wenn etwas ins Wasser fällt. Zum Beispiel die Schnur. Oder wenn ein Fisch mit der Schnur abhauen will. Er stünde hier ja nicht umsonst , betont er
mit dem Ernst eines erwachsenem Professionisten.
Andere Orte , andere Geschmäcker?
Keiner der türkischen Weine, die ich bislang getrunken habe, hat das Zeug zum Spitzenwein. Vielleicht gibt es die , aber trotz Weinanbau’s und dessem Wachstum Jahr für Jahr fehlt da noch so manches Lichtjahr um zum Beispiel an italienische Weinkultur des ganz normalen und alltäglichen Mittelfelds heranzukommen.
Auf den meisten Flaschen gibt es nicht einmal Angabe des Jahrganges. Anscheinend gibt es hier keine Schwankungen . Oder Sie sind Ihnen noch nicht aufgefallen. Die meisten Türken trinken ihn sowieso nicht. Entweder gar nichts oder dann gleich Raki , Arslan süt -Löwenmilch mit dem Fisch , dann aber auch reichlich .
Es ist wie mit der Schönheit der türkischen Frauen, man (Mann) muss sich erst daran gewöhnen. Wie auch an die Namen : Yakut und Villa Doluca bei den Flaschen, Aishe und Fatima bei den Frauen. Aber wie ein altes Sprichwort sagt “der Appetit kommt beim Essen”. Vor Allem wenn beide kombiniert werden .
