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Das Buch führt uns von Norddeutschland über Polen nach Oberbayern , drum auch die teilweise Verwendung dieses Dialektes. Die verschiedensten Verwicklungen der Protagonisten zeigen Charaktere dieser auf. Es gibt Liebe, Sex, Verzweiflung , Lügen, Betrug ........immer vor den versch. geografischen Hintergründen.
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Seitenzahl: 103
Veröffentlichungsjahr: 2024
Der Regen wäscht nicht alles
Dies einen Regen zu nennen wäre die Alpen zu einer Hügelkette zu erklären. Oder die Sahara einen Sandkasten. Es scheint kaum noch Luft zu geben unter der Masse an Wasser die gegen alle festen und losen Gegenstände anstürmt. Gut , es gab eine Menge Dreck zu waschen, viele Spuren zu tilgen , die Gewissen zu beruhigen. Da hilft immer so eine Dusche von oben.
Obgleich wir wissen das dies Oben kein oben ist und unter unseren Füssen kein unten. Die Gravitation hält uns zwar am Boden , die zentrifugale Bewegung der Erde erklärt immerhin das wir oft so ein leeres Gefühl im Kopf haben. Nicht nur die Erinnerungen verschwinden , auch die Grenzen zwischen Gut und Schlecht , zwischen Liebe und Hass verschwimmen. Der Nebel, der uns so oft die Sinne verwirrt besteht nicht nur aus Wasserdampf. Manchmal kommt er aus Flaschen, manchmal aus unklaren Gefühlen. Der Treibriemen des Triebes hält uns auf Trab, ob wir nun wollen oder nicht. Auch wenn wir oft nicht können. Oder nicht wie wir wollen. Oder nicht nicht mit wem wir wollen. Soweit mit den eigenen Entscheidungen ….
Der Regen klatscht an die Fensterscheiben , ohrfeigt das Glas als sei er wütend über das was er durch diese tagtäglich zu sehen bekommt. Schon sind die ersten Tropfen zu sehen die sich durch die Ritzen geschlichen haben, sie lachen uns aus und rufen “du bist wohl nicht ganz dicht!”. Die Wolken trommeln ihren Rhythmus , der Donner orchestriert was Blitze beleuchten. Bühne frei für die grosse Wasseroper die Alles überflutet was sich ihr in den Weg stellt. Der Wind weht verzweifelte Schirme weg , die Auto’s beginnen Fontänen zum grossen Spektakel beizusteuern. Was bis jetzt noch nicht nass war bekommt jetzt den grossen Abwasch zu spüren, der Trockenheit schlägt die letzte Stunde .
Regen, da bleibt kein Auge trocken, Schuhe werden zu Badewannen. Die Gulli’s gurgeln was das Zeug hält , verschlucken sich wenn die dreckigen Wellen über sie hereinbrechen.
Regen, die Natur regt sich ab , lässt alles gehen was sich da zusammengebraut hatte hinter den fetten Arschbacken der Wolken. Öffnet alle Tore und Schleusen und gibt den Blick frei für die Kurzsichtigen mit ihrer scheinbaren Weitwinkel-Objektivität politischer Korrektheit. Nicht nur vorm Tode sind wir alle gleich, auch der Regen schaut sich nicht an was und wen er da gerade einweicht. Hart wie Stahl ? Vergiss es !
Denn der Regen hat den Rost schon im Gepäck.
Und der hat keine Eile, knabbert sich Stück für Stück durch Alles wie ein Mahlwerk . Stahl, Granit, Rückgrat, Grenzen, feste Meinungen . stabile Positionen, alles nur Salzstangen , Erdnüsse , nichts bleibt , nicht einmal die Verpackung die noch lange rumlag wie die Plakate untergegangener Proteste .
Nässe
Sie schreit auf :
“Nein, du kannst den Schirm nicht im Haus aufspannen!”
“Warum?”
“Das bringt Unglück !”
“Du und dein Aberglaube !”
“Zieh die Schuhe aus !”
“Nicht nur die , ich ziehe alles aus !”
“Ha ha ha, ein Männer-Striptease ! Hälst dich wohl für für einen der Chippendale’s !”
“Wenn du mir die passende Musik einschaltest könnte ich es ja mal probieren !”
Sie springt aus ihrem Sessel, lässt das aufgeschlagene Buch auf den Boden fallen und rennt zum CD-Player. Die linke Hand schaltet ihn an, die rechte wühlt in den Schachteln mit den CD’s.
Damit hatte er nicht gerechnet, verdattert bleibt er in der Tür stehen.
“Nun mach wenigstens die Tür zu sonst wird dir auch der Nachbar auf den Arsch schauen !”
“Das fehlte noch ! Ist der nicht schwul ?”
“Ich weiss nicht, hab ihn allerdings noch nie mit einer Frau gesehen!”
Sie verdreht ein wenig die Augen und hebt die Arme und Schultern an.
Laut lachend macht er den Vorschlag :
“Was hälst du davon dass wir beide jeweils ein Kleidungsstück ablegen. Mal sehen wer gewinnt!”
“ Wer ist der Gewinner , der zu erst nackt ist oder der den anderen zu erst nackt sieht ?”
Ohne eine Antwort abzuwarten fliegen nun die Kleider.
Er “ Der Regen…….?”
Sie “ Was jetzt?”
Er “ich bin völlig nass !”
Sie “ich auch !”
Er “Und wie “ und sinkt in ihren Schoss.
Wenn das nur immer so weiter ginge denkt er sich . Wie bei allen schönen Sachen droht schon am Anfang das wartende Ende . Nichts hält an, nichts verweilt. Das Kreisen der Erde wird das Kreisen ihrer Hüften und ihr “Ohhhh”
wird “Ommm” , zum durchdringenden tiefen Klang des Shankha-Schneckenhorns der Buddhisten , zum Quechua pututu der Peruaner. Triton
bläst und Vishnu lauscht .
Und danach ? Stille ? Hoffen wir !
Der letzte Wagon
Man hat nicht lange suchen müssen, sie lag im letzten Wagon der S-Bahn . Und diese stand im Bahnhof Wolfratshausen. Ein abgestempeltes Ticket erzählte das sie in Icking zugestiegen war.
Da sie weder einen Geldbeutel noch Dokumente bei sich hatte ging man davon aus , das es ein Raubmord war. Polizei-Obermeister Franz-Josef Reitmayr hatte sich gerade zu seiner neben ihm liegenden letzten Eroberung gedreht und ihr langsam die Decke vom nackten Körper weggezogen als der Anruf kam .
“Es gebat a Leich !” meldet seine Kollegin.
“Sakredi, kenna di Leit net zu christlichen Zeiten morden ?”
“Naaa! Wohl net ? Sie lag in der S-Bahn . Immerhin ham’s net weit bis dahi “
Was weiss die den wo er sich gerade befindet , denkt er sich und deckt die Frau neben sich wieder zu. Diese rollt sich leise schnurrend wie ein Katze zusammen und hört so auch nicht sein leises “Servus, I muass dann amoi weida!”
Er hatte sein Motorrad einige Häuser weiter geparkt, muss ja nicht jeder wissen das er verheirateten Frauen seine Aufwartung macht. Auch hier im Isartal sind die Zungen scharf und schnell wenn es um Tratsch geht. Biggi’s Mann war auf einem Designer-Meeting in Mailand und da hatte sie ihn angerufen und einen Kaffee angeboten. Den nahm er sofort an, wies aber daraufhin, diesen dann “ danach” zu trinken.
Er selbst hatte es nie zu einer Ehe gebracht, seine unregelmässigen
Arbeitszeiten liessen einfach keine Ehe-kompatible Strukturen aufkommen. Und so nahm er halt mit was sich so anbot .
Sein Freund Berni sagte “Du bist wie eine Hyäne, frisst was andere un-bewacht liegen lassen !” . Sie hatten beide gelacht, wenngleich diese Worte auch einen leicht bitteren Nachgeschmack in Franz-Josef’s Mund hinterliessen. Früher war er oft mit Berni und den Motorrädern unterwegs , sie kannten jede Kurve der Bergstrassen bestens . Dann hatte Berni diesen Unfall und im Krankenhaus war er dann an seiner Krankenschwester kleben geblieben . Die hatte wohl nicht nur seine Verbände gewickelt , sondern auch ihn um ihren Finger. Seit deren Hochzeit war Sepp, wie Berni ihn nannte ,
eigentlich so gut wie nie in deren Haus gewesen , er wurde nie das Gefühl los das Berni’s Frau ihm nicht so recht über den Weg traute.Lag wohl auch daran das sie von den Abenteuern der beiden vor ihrer Zeit gehört hatte. Und so fütterte sie Berni einen ordentlichen Bauch an , wohl hoffend das dieser ein Bremsklotz für weitere wilde Kontakte sei.
Franz-Josef
Sepp hingegen war hager geblieben , radelte und spielte Tennis wenn es ihm die Zeit erlaubte.
Nach den vielen Jahren in der Wache hätte er längst Karriere machen sollen, aber das ging schief als es herauskam das er mit der Frau des Bezirks-Kommandanten schlief . Irgend so ein übereifriger Zeitungsfritze hatte ein Foto veröffentlich welches die beiden schmusend auf einer Bank am Starnberger See zeigte . Überschrift “ Dürfen Motorräder in Fussgängerzonen?” .
Dank des Kennzeichens , welches in der Vergrösserung ganz gut zu lesen war, fand man schnell heraus wem die schwarze GS gehörte. Seitdem verarschen ihn die Kollegen ständig mit der Witzfrage : “Was ist das ,wenn ein Fahrrad oder ein Motorrad vorm Haus steht oder ein Polizeiwagen davor anhält ?” Sie antworteten sich selbst :
“Sepp ist ist mal wieder wie sein 1988 verstorbener Namensvetter FJ im verdecktem Einsatz, hahahaha “
Sepp reagierte darauf mit den Worten “das ihm dies am Arsch vorbeiginge” aber wer ihn kannte wusste das dem nicht ganz so war. Unter der harten, oft zynischen Polizistenuniform steckte eigentlich ein ziemlich sensibles Kerl’chen, das oft mit Tränen in den Augen vorm Fernseher sass. Schon deswegen ging er selten ins Kino, und wenn , dann wusste die Frau Heigl vom “Sunrise” Bescheid : letzte Reihe, aussen !
Man stelle sich vor, als er sein Abi erfolgreich abbrach schrieb er noch
romantische Gedichte , einige davon hat die Leni Huber , heute Leni Leitner .
Sind noch immer in einer Kassette in der auch die Eheringe ihrer Eltern und eine Locke ihres Erstgeborenem liegt , dem einzigen Blonden ihrer drei Kinder .
Die betitelten Fotos von ihr und dem Sepp “wir am Achenpass”, “ wir am Gardasee” , “wir am Stilfser Joch” hingegen sind zwischen den Seiten einer alten Familienbibel. “Da schaugt der Anton nie nei !” .
Und das ist gut so, denn da sind auch einige miitlerweile verblasste Farbfotos die zwei braungebrannte nackte Körper zeigen (“Ja mei,
s’waren halt die Sechz’ger !”) flüstert sie wenn sie , selten genug , diese in die Finger bekommt.
Dann wird ihr ganz warm um’s Herz und auch weiter unten , um sogleich zu sagen “der Toni ist ein guter Mann!” und das Buch in das staubige Regal zu stellen. Mit Büchern hat man es hier nicht so ! Nur die Bildbände vom 2. Weltkrieg findet sie ab und an morgens , aufgeschlagen neben einem leeren Glas und mehreren leeren Weissbierflaschen .
”Hat mal wieda net einschlafen kenna ? Könnt ja zu mir kriecha ,der Depp !” denkt sie und lacht lauthals als sie diese Bildbände unter die Glasplatte des Couchtisches legt.
Das mag er ! Sagt “Da merka d’Leit sofort das mir eine Kultur ham !”
Anton
Toni, wie sie alle den Leitner Anton nannten, ist der typische Bub vom Dorfe , eigentlich immer gut gelaunt, lacht auch über die noch so dummen Witze, drum mag ihn jeder . Ob beim “Kart’ln” am Stammtisch oder beim Ordnungsdienst beim Bullenrennen , beim Schneeschippen vor den Häusern der Alten , als Busfahrer für die Ausflüge des Behindertenheimes usw. Das Einzige was man ihn wirklich nicht fragen sollte ist “Toni, was moanst ?”Denn dann tappt Toni im dunklen Flur der Selbsterkenntnis, dann fragt sogar er sich selbst was er meint ! Oder meinen könnte ! Schon das er etwas “meinen” solle war ihm hochgradig zuwider ! Dann fühlt er sich in die Ecke gedrängt wie damals in der Schule. Vor Allem wenn er aufstehen und eine Frage beantworten sollte. Nur singen vor all den Anderen war noch schlimmer ! Oder die Unterhose runterziehen bei der Musterung zur Bundeswehr. Warum sollte er sich nackt zeigen wenn er später in Tarnkleidung antreten soll ? “Des moacht doch überhaupts koa Sinn ?”
Wie in so vielen Fällen schien es auch hier an nachvollziehbarer Logik zu mangeln. Das ihn die Leni eines Tages fragte ob er sie auf den Faschings-Ball der freiwilligen Feuerwehr begleiten würde schien ihm zwar nicht unlogisch, schliesslich hatten sich auch seine Eltern so kennengelernt , aber es verschlug ihm erstmal die Sprache:
“Toni, magst mi auf den Ball begleiten ?”
“ I , eh , em , ja freili , bin eh schon da, trag die Instrumente von der Kapelle’n in den Saal !”
“Bist an Roady ?!”
“An woas ? I kann kei English !”
“Das ist der der das macht wie du am Samstag. Nur der macht das immer !”
“Wieso ? Gibt’s woanders Feuerwehrbälle des ganze Jahr ?”
“Naah ! Der ziagt mit der Band von einem Ort zum Anderen ! Praktisch des ganze Jahr !”
“ Ja machen die anderen den Fasching net im Februar wie mir hier ?!”
“Ach Toni , des san Profi-Musiker , net so wie die unsern die alle auch an Brotberuf haben !”
“ Genau, der Xaver’l is a an Bäcka !”
“ Und der Rudi is an Lehrer und die Lies’l is a Krankenschwester !”
“ Is des di mit der Geig’n ?”
“ Genau ! Und die Zwillinge blasen nicht nur in die Hörner der Kapelle, sondern auch ins Martinshorn !”
“ Is des an spezielles Horn woas ma nur an Sankt Martin blast ?”
“ Na, des is droben aufm Krankenwagn den’s fahrn !”
“ Stimmt ! Und a blaues Licht ham’s a !”
“ Als ich noch nicht wusste das es Zwillinge sind dacht ich mir der arbeitet ja den ganzen Tag und die Nacht, bis ich begriffen hab, die wechseln sich ab, hahaha!”
“ Na di wern Augn macha wenn I mit dir aufkreuz !”
Wo diese Leni auftauchte wurde oft anerkennend gemurmelt , auch gepfiffen . Da hörte man die Männer raunen “ Scheene Fiass hat’s ! Und a gwaltiges Hoiz vor d’Hütten !” Die Frauen hingegen schüttelten nur den Kopf “Di verdraht eich nur den Kopf , ihr hechelt ihr nach wie die hungrigen Köter!”
