Klassiker der Erotik 22: Aphrodite - Pierre Louijs - E-Book

Klassiker der Erotik 22: Aphrodite E-Book

Pierre Louijs

0,0

Beschreibung

Lust und Erotik in der Mythologie. Lesen Sie wahrhaft erotische Erzählungen über die Göttin der Liebe und ihre Gefährten. "O Füße, sagte er, o süße Schenkel, tiefe Lenden, runde Kruppe, gespaltene Feige, Hüften, Schultern, Brüste, beweglicher Nacken, o ihr, die ihr mich wahnsinnig macht, warme Hände, geschickte Bewegungen, flinke Zunge! Du bist eine Römerin, du bist braun und du singst die Verse der Sappho nicht, aber auch Perseus war der Geliebte der Indierin Andromeda. Indessen lag Seso inmitten der durcheinander geworfenen Früchte bäuchlings am Tisch und tauchte, von den Dünsten des ägyptischen Weines vollkommen benebelt, die Knospe ihrer rechten Brust in ein Sorbet mit Schnee, wobei sie fort während mit komischer Rührung wiederholte: Trink, meine Kleine. Du bist durstig. Trink, meine Kleine. Trinke! Trinke! Trinke!"

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 253

Veröffentlichungsjahr: 2013

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



 

 

 

Pierre Louijs

 

Klassiker der Erotik

 

Aphrodite

 

Passion Publishing

Impressum

 

 

Passion Publishing Ltd.

Postfach 11 28

D-53621 Königswinter

[email protected]

 

Copyright © Passion Publishing Limited 2013

Inhaltsverzeichnis

Title

Impressum

CHRYSIS

AM STRANDE ALEXANDRIENS

DEMETRIOS

DER SPIEGEL, DER KAMM UND DAS HALSBAND

CHRYSIS’ HAARE

DIE GÄRTEN DER GÖTTIN

MELITTA

BEDENKEN

MONDSCHEIN

DIE EINLADUNG

DIE ROSE DER CHRYSIS

DAS MÄRCHEN VON DER VERZAUBERTEN LEIER

DIE ANKUNFT

DAS MAHL

RHACOTIS

BACCHANAL BEI BACCHIS

DIE GEKREUZIGTE

BEGEISTERUNG

DEMETRIOS’ TRAUM

DIE MENGE.

DIE ANTWORT.

DER GARTEN DES HERMANUBIS.

DIE PURPURMAUERN.

DIE ERHABENE NACHT.

DER STAUB KEHRT ZUR ERDE ZURÜCK.

CHRYSIS UNSTERBLICH.

BARMHERZIGKEIT.

PIETÄT.

Weitere E-Books bei Passion Publishing

 

 

CHRYSIS

 

Auf dem Bauche liegend, mit vorgebeugten Ellenbogen und gespreizten Beinen, die Wange auf die Hand stützend, lag sie da und stach mit einer langen goldenen Nadel kleine, symetrische Löcher in ein Kopfkissen aus grüner Leinwand.

Seitdem sie, zwei Stunden nach des Tages Mitte, erwacht war, ganz erschöpft von dem zu langen Schlafen, war sie allein auf dem zerwühlten Bette liegen geblieben, nur auf einer Seite durch die dichten Wellen ihrer Haare bedeckt. Dieses Haar war glänzend und tief, weich wie ein Pelz, länger als Vogelschwingen, unzählbar, voll Wärme. Es bedeckte den halben Rücken, breitete sich unter dem nackten Bauche aus und glänzte noch bei den Knien in schweren, rundlichen Locken. Das junge Weib war eingehüllt in dieses Vließ, dessen goldener, fast metallischer Glanz ihr bei den Hetären Alexandriens den Namen Chrysis (die Goldige) eintrug. Es waren nicht die glatten Haare der Syrierinnen des Hofes, noch die gefärbten Haare der Asiatinnen, noch die braunen und schwarzen Haare der Töchter Ägyptens. Es waren jene einer arischen Rasse, der Galiläerinnen von jenseits der Sandwüste. Chrysis. Sie liebte diesen Namen. Die jungen Leute, welche sie besuchten, nannten sie Chryse, wie Aphrodite, in den Versen, welche sie früh morgens, mit Rosen umkränzt, an ihrer Türe niederlegten. Sie glaubte nicht an Aphrodite, aber sie liebte es, wenn man sie mit der Göttin verglich, und ging manchmal in den Tempel, um ihr wie einer Freundin Wohlgerüche und blaue Schleier zu schenken. Sie war an den Ufern des Sees Genezareth geboren, in dem Lande, der Sonne und des Schattens, wo die Oleander blühten. Ihre Mutter ging des Abends auf die Straße von Jeruschalaim und wartete auf die Reisenden und Kaufleute, um sich ihnen auf dem Grase, inmitten der stillen Landschaft, hinzugeben. Es war eine in Galiläa sehr beliebte Frau. Die Priester wandten sich nicht ab von ihrer Pforte, denn sie war mildtätig und fromm, sie bezahlte stets die Opferlämmer, und die Gnade des Herrn ruhte auf ihrem Hause. Als sie aber schwanger ward und ihre Schwangerschaft Ärgernis erregte, weil sie keinen Gatten hatte, sagte ein im Rufe des Wahrsagers stehender Mann, daß sie eine Tochter gebären würde, welche dereinst „den Reichtum und den Glauben eines Volkes“ um ihren Hals tragen werde. Sie verstand nicht recht, wie dies geschehen könnte, aber sie nannte ihr Kind Sarah, was hebräisch Fürstin heißt. Dies brachte die Lästerzungen zum Schweigen.

Chrysis war das stets verborgen geblieben, da der Wahrsager ihrer Mutter gesagt hatte, wie gefährlich es sei, den Leuten die Prophezeiungen zu enthüllen, welche sich auf sie bezogen. Sie wußte nichts von ihrer Zukunft, weshalb sie oft daran dachte. Ihrer Kindheit erinnerte sie sich wenig und sie sprach auch nicht gern davon. Die einzige klare Empfindüng, welche ihr geblieben, war die Furcht und die Langeweile, die ihr Tag für Tag die ängstliche Beaufsichtigung ihrer Mutter verursachte, welche sie, wenn die Stunde gekommen war, auf die Straße hinauszugehen, für lange Stunden allein in ihrer Kammer einschloß. Sie erinnerte sich auch des runden Fensters, von wo aus sie die Gewässer des Sees, die blauenden Felder, den durchsichtigen Himmel mit der klaren Luft des Landes Galiläa sah. Das Haus war von rosigem Flachs und von Tamarisken umgeben. Da und dort reckten Kapernstauden ihre grünen Köpfchen aus dem verschwimmenden Nebel empor. Die kleinen Mädchen badeten in einem klaren Bache, wo man rote Muscheln unter blühenden Lorbeersträuchern fand. Blumen blühten auf dem Wasser, Blumen auf den Wiesen und große Lilien auf den Bergen.

Sie war zwölf Jahre alt, als sie ihrer Mutter davonlief, um einer Schar junger Reiter zu folgen, welche nach Tyrus zogen, um dort Elfenbein zu verkaufen, und die sie bei einer Zisterne angeredet hatten. Deren langgeschwänzte Pferde waren mit farbigen Troddeln geschmückt. Sie erinnerte sich wohl, wie sie, bleich vor Freude, von den Reitern auf ihren Rossen entführt wurde, wie sie dann ein zweites Mal in der Nacht anhielten, einer Nacht, die so hell, daß man nicht einen Stern sehen konnte.

Auch den Einzug in Tyrus hatte sie nicht vergessen. Sie voran auf dem Korbe des Lastpferdes, sich mit den Fäusten an der Mähne festhaltend und stolz ihre nackten Waden herabhängen lassend, um den Frauen der Stadt zu zeigen, daß ihre Beine mit Blut bedeckt waren. Noch am selben Abend ging es weiter nach Ägypten, und Chrysis folgte den Elfenbeinhändlern bis zum Markte Alexandriens. Dort ließen sie das Mädchen zwei Monate später mit ihrem bronzenen Spiegel, Teppichen und neuen Kissen in einem weißen Säulenhäuschen zurück, bedient von einer schönen indischen Sklavin, welche es verstand, Hetären zu frisieren. Andere Männer waren am Tage ihres Abzuges gekommen und wieder andere am folgenden.

Da sie am äußersten Osten der Stadt wohnte, wo die jungen Griechen des Brouchin-Stadtteiles zu erscheinen verschmähten, kannte sie lange, ebenso wie ihre Mutter, nur Reisende und Kaufleute. Ihre flüchtigen Liebhaber sah sie niemals wieder. Sie verstand es, ihnen zu gefallen und sie schnell wieder zu verlassen, bevor sie anfing sie zu lieben. Und doch hatte sie unendliche Leidenschaften entflammt. Man hatte Führer von Karawanen gesehen, welche zu Spottpreisen ihre Waren verkauften, um sich in einigen Nächten für sie zu ruinieren. Mit dem Vermögen dieser Männer hatte sie sich Schmuck, Bettkissen, seltene Wohlgerüche, blumengestickte Gewänder und vier Sklavinnen gekauft.

Sie hatte allmählich viele fremde Sprachen erlernt und kannte Geschichten aus allen Ländern. Assyrer hatten ihr von der Liebe zwischen Duzi und Ischtar erzählt, Phönizier von jenen zwischen Aschtoreth und Adoni. Griechische Mädchen von den Inseln hatten ihr die Legende von Iphis erzählt und lehrten sie sonderbare Liebkosungen, welche sie zuerst verwunderten, aber dann in solchem Maße bezauberten, daß sie ihrer keinen Tag mehr entbehren konnte. Sie kannte auch die Liebesweise Atalantes und wie, nach ihrem Beispiele, noch jungfräuliche Flötenspielerinnen die stärksten Männer erschöpfen konnten. Endlich hatte ihre indische Sklavin sie geduldig, während sieben Jahren, in der verwickelten und wollüstigen Kunst der Kourtisanen von Palibothra, bis in die letzten Einzelheiten unterrichtet, denn die Liebe ist eine Kunst wie die Musik. Sie verursacht Gemütsbewegungen gleicher Art, ebenso zart und vibrierend, manchmal vielleicht sogar intensiver, und Chrysis, die alle deren Rhythmen und Feinheiten kannte, hielt sich mit Recht für eine größere Künstlerin als Plango selbst, welche doch Tonkünstlerin des Tempels war.

Sieben Jahre hindurch lebte sie so, ohne ein glücklicheres oder vergnügteres Dasein zu träumen, als das ihrige. Kurze (Zeit jedoch vor ihrem zwanzigsten Jahre, als sie vom jungen Mädchen zum Weibe erblühte, und sie unter ihren Brüsten die erste reizende Falte der nahen Reife sah, bekam sie mit einemal ehrgeizige Pläne. Als sie eines Morgens, zwei Stunden nach des Tages Mitte, erwachte, ganz erschöpft von dem allzu langen Schlafe, legte sie sich auf die Brust, quer über das Bett, spreizte die Beine, stützte die Wange auf die Hand und stach, mit einer goldenen Nadel, kleine, regelmäßig gestellte Löcher in ein Kopfkissen aus grüner Leinwand. Sie war tief in ihre Gedanken versunken. Zuerst stach sie vier kleine Punkte, welche ein Viereck bildeten, und einen Punkt in der Mitte. Dann vier weitere Punkte, um ein größeres Viereck zu machen. Hierauf versuchte sie, einen Kreis auszuführen, aber das war ein bißchen schwierig. Nun stach sie die Punkte aufs Geratewohl und begann zu rufen:

Djala! Djala!

Djala war ihre indische Sklavin, welche Djalantaschtschandratschapala hieß, was „Beweglich -wie-das-Bild-des-Mondes-auf-dem-Wasser“ bedeutet. Chrysis war zu träge, um den Namen ganz auszusprechen. Die Sklavin trat ein und blieb in der Tür stehen, ohne sie ganz zu schließen.

Djala, wer ist gestern gekommen? Weißt du es denn nicht?

Nein, ich habe ihn nicht angeschaut. War er schön? Ich glaube, ich habe die ganze Zeit geschlafen. Ich war so müde. Ich erinnere mich an nichts mehr. Um wie viel Uhr ist er weggegangen? Früh am Morgen?

Bei Sonnenaufgang, er hat gesagt...

Was hat er zurückgelassen? Ist es viel? Nein, sage es mir nicht. Es ist mir gleichgültig. Was hat er gesagt? Seit seinem Weggang ist niemand gekommen? Wird er wiederkommen? Gib mir meine Armspangen!

Die Sklavin brachte ein Kästchen, aber Chrysis warf keinen Blick darauf. Die Arme so hoch als sie konnte emporhebend, sagte sie:

Ach, Djala! Ach, Djala! . . . Ich verlange nach außerordentlichen Abenteuern.

Alles ist außerordentlich oder nichts, sagte Djala. Die Tage gleichen einander.

Aber nein. Früher war es nicht so. In allen Ländern der Welt sind die Götter zur Erde herabgestiegen und haben sterbliche Weiber geliebt. Ach, auf welchen Betten muß man sie erwarten, in welchen Wäldern muß man sie suchen, jene, die etwas mehr als Männer sind? Welche Gebete muß man hersagen, damit sie nahen, jene, die mich etwas lehren oder alles vergessen machen würden? Und wenn die Götter nicht mehr herniedersteigen wollen, wenn sie tot oder zu alt sind, Djala, werde ich auch sterben, ohne einen Mann kennengelernt zu haben, der tragische Erlebnisse in mein Dasein bringen würde?

Sich umdrehend, legte sie sich auf den Rücken und rang verzweifelt die Hände.

Wenn jemand mich anbetete, ich glaube, es würde mir eine unendlich große Freude machen, ihn leiden zu lassen, bis er stürbe. Jene, die zu mir kommen, sind es nicht wert, zu leiden. Und dann ist es ja auch meine Schuld. Bin es ja ich, die sie ruft, wie sollen sie mich da lieben?

Welches Armband legst du heute an?

Alle. Aber laß mich. Ich brauche niemanden. Bleibe auf der Schwelle des Hauses, und wenn jemand kommt, sage ihm, ich sei mit meinem Geliebten, einem schwarzen Sklaven, den ich bezahl . . . Geh!

Willst du nicht ausgehen?

Doch. Ich werde allein ausgehen. Ich werde mich allein ankleiden. Ich werde heute nicht zurückkommen. Geh! Geh!

Während sich Djala leise entfernte, ließ Chrysis ein Bein auf den Teppich gleiten und streckte sich, bis sie aufgeregt war. Sie ging sehr langsam durch das Zimmer, die Hände auf dem Nacken gefaltet, ganz von der Wollust durchdrungen, ihre nackten Füße auf die kalten Steinplatten zu setzen, wo der Schweiß erstarrte. Dann stieg sie in ihr Bad. Ihren Körper durch das Wasser zu betrachten, war für sie ein Genuß. Sie kam sich wie eine große, offene, glänzende Muschel auf einem Felsen vor. Ihre Haut wurde glatt und vollkommen, die Linien ihrer Beine dehnten sich in einem blauen Lichte aus, ihre ganze Gestalt war biegsamer. Sie erkannte ihre Hände nicht wieder. Die Leichtigkeit ihres Körpers war so groß, daß sie sich auf zwei Fingern in die Höhe hob und sich eine Weile auf dem Wasser schweben ließ, um dann leicht auf den Marmor zurückzufallen, wobei die Wellen ihr Kinn berührten. Mit dem neckischen Kitzel eines Kusses drang das Wasser in ihre Ohren. Die Badestunde war die Zeit der Selbstanbetung. Alle Teile ihres Körpers wurden, einer nach dem anderen, der Gegenstand einer zarten Bewunderung oder einer Liebkosung. Mit ihren Haaren und ihren Brüsten gab sie sich tausend reizenden Spielen hin. Manchmal gewährte sie sogar ihren beständigen Begierden eine wirksamere Befriedigung und keine Ruhestätte schien ihr für die berechnete Langsamkeit dieser delikaten Erleichterung besser geeignet. Der Tag neigte sich zu Ende. Chrysis richtete sich in ihrem Becken empor, stieg aus dem Wasser und schritt der Türe zu. Die Spuren ihrer Füße glänzten auf den Fliesen. Schwankend, wie erschöpft, öffnete sie weit die Tür und blieb stehen, den ausgestreckten Arm auf der Klinke. Dann trat sie zu ihrem Bette und sagte zu ihrer Sklavin:

Trockne mich ab!

Die Malabareserin nahm einen großen Schwamm und führte ihn durch Chrysis’ feines Goldhaar, das ganz vom Wasser getränkt war, welches nach hinten abtropfte. Sie trocknete die Haare, streute sie auseinander, bewegte sie langsam und zart. Dann tauchte sie den Schwamm in einen Ölkrug, bestrich damit ihre Herrin bis zum Halse und rieb sie endlich mit einem groben Stoffe, der ihre geschmeidige Haut rötete. Chrysis versenkte sich fröstelnd in die Kühle eines Marmorsitzes und murmelte:

Frisiere mich!

Im horizontal einfallenden Abendlichte glänzte das noch feuchte, schwere Haar wie ein von der Sonne beleuchteter Regenguß. Die Sklavin ergriff es mit vollen Händen und rang es aus. Sie drehte es um sich selbst, als sei es eine dicke Metallschlange, die von Goldnadeln wie von Pfeilen durchstochen war. Dann wand sie ein grünes Band dreimal gekreuzt um das Haar, um dessen Glanz durch die Seide noch zu erhöhen. Chrysis hielt einen blanken Metallspiegel in einiger Entfernung vor sich. Zerstreut betrachtete sie die dunklen Hände der Sklavin, sich in der Üppigkeit der Haare bewegend, hie und da die Büschel abrundend, die ungebärdigen Locken zurückdrängend und das Haar in Formen modellierend wie eine Tonmasse. Als alles vollendet war, kniete Djala vor ihre Herrin hin und rasierte ihren schwellenden Schaumberg glatt, damit das Mädchen in den Augen ihrer Liebhaber die reine Nacktheit einer Statue habe.

Chrysis wurde ernster und sagte mit leiser Stimme:

Schminke mich!

Eine kleine Büchse aus rosarotem Holze, welche von der Insel Discorides kam, enthielt Schminken in allen Farben. Mit einem Pinsel aus Kamelhaar nahm die Sklavin ein wenig von einer schwarzen Pasta und bestrich damit die schönen, langen Augenwimpern, um das Blau der Augen hervorzuheben. Zwei feste Stricke ließen die Augen länger und weicher erscheinen, ein bläuliches Pulver verdunkelte die Augenlider, zwei zinnoberrote Flecken verschärften die Tränenwinkel. Um die Schminke festzuhalten, mußten Gesicht und Brust mit einer frischen Wachssalbe bestrichen werden. Mit dem weichen Flaum einer Feder, den sie in Bleiweiß tauchte, malte Djala weiße Striche die Arme entlang und auf dem Halse. Mit einem in Karmin getauchten Pinsel färbte sie den Mund and die Spitzen der Brüste rot, ihre Finger, welche auf den Wangen eine leichte Wolke roten Puders verrieben hatten, markierten auf den Hüften die drei tiefen Falten der Taille und am Hinterteile zwei bewegliche Grübchen, endlich rötete sie mit einem ledernen Schminkballen die Ellbogen und die zehn Fingernägel. Damit war die Toilette beendet.

Dann lächelte Chrysis und sagte zur Indierin:

Singe mir etwas.

Zurückgebeugt saß sie in ihrem Marmorsessel. Ihre goldenen Haarnadeln umgaben ihr Gesicht wie eine Strahlenkrone. Ihre an die Brust gedrückten Hände breiteten zwischen den Schultern das rote Halsband ihrer bemalten Nägel aus und ihre weißen Füße standen eng nebeneinander auf der Steinplatte.

Djala, die an der Wand zusammengekauert saß, erinnerte sich an die Liebesgesänge Indiens. Sie sang mit eintöniger Stimme.

Chrysis, deine Haare sind wie ein Bienenschwarm, der an einem Baume hängt. Der warme Südwind durchdringt sie mit dem Tau der Liebeskämpfe und mit dem feuchten Wohlgeruch der Nachtblumen.

Chrysis antwortete mit noch milderer; und langsamerer Stimme:

Meine Haare sind wie ein unendlicher Fluß in der Ebene, wo die flammende Abendsonne dahinfließt.

Sie sangen abwechselnd, die eine nach der ändern.

Deine Augen sind wie die blauen Wasserlilien ohne Stengel, unbeweglich auf den Teichen.

Meine Augen sind im Schatten meiner Augenwimpern, wie tiefe Seen unter dunklen Zweigen.

Deine Lippen sind zwei zarte Blumen, auf welche das Blut einer Hirschkuh gefallen ist.

Meine Lippen sind die Ränder einer brennenden Wunde. Deine Zunge ist der blutige Dolch, der deinen Mund gespaltet hat.

Meine Zunge ist mit Edelsteinen besetzt. Vom Widerscheine meiner Lippen ist sie rot.

Deine Arme sind gerundet wie zwei Elfenbeinzähne und deine Achselhöhlen wie zwei Mündchen.

Meine Arme sind langgestreckt wie zwei Lilienstengel, woraus meine Finger sprießen gleich fünf Blüten.

Deine Schenkel sind die Rüssel zweier weißer Elefanten, welche deine Füße gleich zwei rosigen Blumen tragen.

Meine Füße sind zwei Seerosenblätter auf dem Wasser, meine Schenkel sind zwei geschwellte Seerosen-Knospen.

Deine Brüste sind zwei silberne Schilder, deren Spitzen in Blut getaucht wurden.

Meine Brüste sind der Mond und der Widerschein des Mondes im Wasser.

Dein Nabel ist ein tiefer Brunnen in einer Wüste voll rosigen Sandes, und dein Unterleib ein junges Zicklein, schlafend am Busen der Mutter.

Mein Nabel ist eine runde Perle auf einer umgestürzten Schale und mein Schoß ist die helle Sichel Phöbus, die durch den Wald schimmert.

Es entstand eine Stille. — Die Sklavin hob die Hände empor und verbeugte sich.

Die Hetäre fuhr fort:

SIE ist wie eine Purpurblume, voll Honig und Wohlgerüche.

SIE ist wie die Hydra des Meeres, lebendig und weich, offen des Nachts.

SIE ist die feuchte Grotte, die stets warme Lagerstätte, das Obdach, wo der Mann ausruht auf seinem Gang zum Tode.

Die andächtig vor ihr knieende Sklavin murmelte ganz leise:

SIE ist fruchtbar. Es ist das Gesicht der Medusa.

Chrysis setzte ihren Fuß auf den Nacken der Sklavin und sagte zitternd:

Djala . . .

Nach und nach war die Nacht hereingebrochen, aber der Mond war so hell, daß sich das Gemach mit blauem Lichte füllte. Die nackte Chrysis betrachtete ihren Leib, auf dem die Lichtreflexe unbeweglich blieben und die Schatten tiefschwarz herabfielen. Plötzlich erhob sie sich.

Djala, höre auf, an was denken wir! Es ist Nacht und ich bin noch nicht ausgegangen. Auf dem Heptastadion werden nur noch schlafende Matrosen sein. Sage mir, Djala, bin ich schön? Sage mir, Djala, bin ich diese Nacht schöner als je? Ich bin die schönste aller Frauen Alexandriens, du weißt es? Nicht war, er wird mir folgen wie ein Hund, jener, der jetzt vor dem bezaubernden Blick meiner Augen Vorbeigehen wird? Nicht wahr, ich werde aus ihm machen können, was mir gefällt, einen Sklaven, wenn dies meine Laune ist? Und ich kann vor dem ersten Besten den ergebensten Gehorsam erwarten? Kleide mich an, Djala.

Um ihre Arme wanden sich zwei Silberschlangen. An ihren Füßen hatte sie Sandalen, welche um ihre braunen Beine mit gekreuzten Lederriemen gebunden waren. Sie schnallte um ihren warmen Bauch einen Jungmädchengürtel, welcher von der Höhe der Hüfte, die hohle Linie der Leisten entlang, herunterfiel. In ihre Ohren steckte sie runde Reifen, an ihre Finger Ringe und Siegel. Um ihren Hals legte sie drei Halsketten von goldenen Phallen, welche in Paphos von Hierodulen ziseliert worden waren.

Sie betrachtete sich einige Zeit, wie sie so nackt unter ihrem Schmucke dastand, dann zog sie aus einem Koffer ein großes Stück durchsichtiger gelber Leinwand und wickelte sich hinein, daß es bis zum Boden reichte. Diagonale Falten durchfurchten den intimen Teil ihres Körpers, den man durch das leichte Gewebe hindurch sah. Einer ihrer Ellenbogen trat unter der eng anhaftenden Tunika hervor, und der andere Arm, den sie nackt gelassen hatte, hielt die lange Schleppe in die Höhe, damit sie nicht im Staub geschleift werde. Dann nahm sie ihren Federfächer zur Hand und trat nachlässig hinaus.

Auf der Türschwelle stehend, die Hand auf die weiße Wand gelehnt, sah Djala allein der sich entfernenden Hetäre nach, welche langsam die Häuser der öden Straße dahinschritt, auf die das klare Licht des Mondes fiel. Ein kleiner beweglicher Schatten zitterte hinter ihren Schritten.

 

AM STRANDE ALEXANDRIENS

 

Am Strande Alexandriens stand ein Mädchen und sang. Neben ihr saßen zwei Flötenspielerinnen auf der weißen Brüstung.

 

Die Satyren haben in den Wäldern

Die leichte Spur der Oreaden verfolgt.

Sie haben den Bergnymphen nachgejagt,

Ihre dunklen Augen erschreckt,

Ihre lang flatternden Haare ergriffen,

Ihre Jungfrauenbrüste im Laufe gefaßt,

Ihre warmen Körper zurückgelehnt,

Auf dem feuchten Moose hingestreckt,

Und die schönen Körper, die schönen halbgöttlichen Körper Streckten und reckten sich im Schmerze.

Eros macht schreien auf euren Lippen, oh! Frauen,

Das Verlangen, schmerzhaft und süß!

 

Die Flötenspielerinnen wiederholten:

Eros! Eros! Und ihre Klagen schluchzten in ihren Doppelflöten.

 

Kybele hat durch die Ebene

Attys, schön wie Apoll verfolgt,

Eros hatte sie ins Herz getroffen und für ihn,

O weh! aber nicht für sie

Um geliebt zu werden, grausamer Gott, böser Eros,

Ist nur der Haß, was du errätst . . .

Durch die Wiesen und die weiten, fernen Felder

Hat Kybele dem Attys nachgejagt.

Und weil sie den liebte, der sie verschmäht’,

Hat sie in seine Adern den mächt’gen Hauch,

Den kalten, den Hauch des Todes geblasen.

Oh schmerzhaft-süßes Verlangen!

 

Eros!

Eros!

Den Flöten entstiegen schrille Töne.

 

Der Satyr hat bis zum Flusse

Syrinx, die Tochter der Quelle, verfolgt.

Der bleiche Eros, der den Geschmack der Tränen liebt,

Küßt sie im Fluge, Wange an Wange:

Und der flücht’ge Schatten der ertrunkenen Jungfrau

Hat erbebt, wie ein Schilf auf dem Wasser;

Doch Eros besitzt die Welt und die Götter,

Er besitzt sogar den Tod;

Auf dem Wassergrabe pflückt er für uns

Alles Schilfrohr und macht daraus die Flöte . . .

Eine tote Seele beweint hier, ihr Frauen,

Das schmerzhaft-süße Verlangen!

Während die Flöten den langsamen Gang des letzten Verses fortsetzten, hielt die Sängerin den Zuhörern, welche sie im Kreise umstanden, die Hand hin. Sie erntete vier Obolen, welche sie in ihre Schuhe gleiten ließ.

Nach und nach zerstreute sich die Menge, zahllos, neugierig auf sich selbst und auf die Vorübergehenden. Das Geräusch der Schritte und der Stimmen übertönte sogar das Rauschen des Meeres. Matrosen zogen mit vorgebeugtem Leibe Fahrzeuge ans Ufer. Früchteverkäuferinnen mit vollen Körben auf den Armen, gingen vorbei. Bettler verlangten mit zitternden Händen ein Almosen. Mit vollen Schläuchen beladene Esel trabten vor den Stöcken der Eseltreiber daher. Aber nun war die Stunde des Sonnenunterganges gekommen, und zahlreicher noch als die geschäftige Menge, bedeckte die müßige Menge den Hafendamm. Gruppen bildeten sich da und dort, zwischen denen die Frauen hin und her gingen. Man hörte bekannte Persönlichkeiten nennen. Die jungen Leute schauten sich die Philosophen an, welche die Hetären betrachteten. Diese sah man von jeder Gattung und jedem Rang, von den berühmtesten, mit leichter Seide und Schuhen aus Goldleder bekleidet. bis zu den elendsten, die mit bloßen Füßen dahergingen. Die Armen waren nicht minder schön als die anderen, sondern nur weniger glücklich, und die Aufmerksamkeit der Weisen war vorzüglich auf jene gerichtet, deren Anmut nicht durch die Kunstgriffe der Gürtel und die Fülle des Schmuckes entstellt war. Da man am Vorabend der aphrodisischen Feste war, hatten die Frauen volle Freiheit, die Kleidung zu wählen, die ihnen am besten stand und einige der jüngsten hatten sogar gewagt, überhaupt keine Kleider zu tragen, aber ihre Nacktheit erregte bei niemandem Anstoß, denn sie hätten nicht in dieser Weise jede Einzelheit ihres Leibes der Sonne ausgesetzt, wenn sie sich des kleinsten körperlichen Fehlers, der den Spott der verheirateten Frauen herausgefordert hätte, bewußt gewesen wären.

Tryphaera! Tryphaera!

Mit diesem Ausrufe stieß eine junge Hetäre von fröhlichem Aussehen einige Vorübergehende bei Seite, um eine Freundin, die sie bemerkt hatte, einzuholen.

Tryphaera? Bist du geladen?

Wo das, Seso?

Bei Bacchis.

Noch nicht. Gibt sie ein Diner?

Ein Diner? Ein Bankett, meine Liebe. Sie wird ihrer schönsten Sklavin, Aphrodisia, am zweiten Tage des Festes die Freiheit schenken.

Endlich hat sie bemerkt, daß man nur noch wegen ihrer Sklavin zu ihr kam.

Ich glaube, sie hat gar nichts bemerkt. Es ist eine Laune des alten Rheders Cheres. Er wollte das Mädchen für zehn Minen kaufen. Bacchis hat abgelehnt. Er bot zwanzig Minen und sie hat nochmals abgelehnt.

Sie ist verrückt.

Was willst du? Es ist eben ihr Ehrgeiz, eine befreite Sklavin zu haben. Übrigens hat sie recht getan, zu feilschen. Cheres wird gewiß fünfunddreißig Minen geben und für diesen Preis kann sich das Mädchen ganz freimachen. Fünfunddreißig Minen? Dreitausendfünfhundert Drachmen? Dreitausendfünfhundert Drachmen für eine Negerin!

Sie ist die Tochter eines Weißen.

Aber ihre Mutter ist schwarz.

Bacchis hat erklärt, daß sie sie nicht billiger hergeben würde, und der alte Cheres ist so verliebt, daß er eingewilligt hat.

Ist er wenigstens geladen?

Nein! Aphrodisia wird beim Festmahl als letzter Gang nach den Früchten auf getragen werden. Jeder wird nach seinem Belieben davon kosten und erst am zweiten Tage wird man sie an Cheres abliefern, aber ich fürchte, daß sie dann recht müde sein wird . . .

Beklage sie nicht! Bei ihm wird sie Zeit haben, auszuruhen. Ich kenne ihn, Seso. Ich habe ihn schlafen sehen.

Sie lachten zusammen über Cheres. Dann machten sie einander Komplimente.

Du hast ein hübsches Kleid, sagte Seso. Hast du es bei dir zu Hause sticken lassen?

Tryphaeras Kleid war aus dünnem, meergrünem Stoffe, der ganz mit breitblumigen Iris bestickt war. Ein in Gold gefaßter Karfunkel heftete es an der linken Schulter in spindelförmigen Falten fest. Das Kleid fiel wie eine Schärpe zwischen den Brüsten hernieder, die ganze rechte Seite des Körpers bis zum Metallgürtel nackt lassend, nur ein schmaler Schlitz, welcher sich bei jedem Schritte öffnete und wieder schloß, enthüllte das weiße Bein.

Seso! sagte eine andere Stimme, Seso und Tryphaera kommt, wenn ihr nichts Besseres vorhabt. Ich gehe zur Mauer des Kerameikon, um zu sehen, ob mein Name dort angeschrieben ist.

Musarion! Woher kommst du, Kleine?

Vom Leuchtturm, es ist niemand dort unten.

Was sagst du da? Man braucht ja nur zu fischen, so voll ist es dort.

Keine Fische für mich. Deshalb gehe ich zur Mauer. Kommt doch!

Unterwegs erzählte Seso wieder von dem projektierten Gastmahle bei Bacchis.

Ah! bei Bacchis! rief Marion aus. Erinnerst du dich des letzten Diners, Typhaera, und all dessen, was man über Chrysis erzählt hat?

Sage es nicht wieder, Seso ist ihre Freundin.

Musarion biß sich in die Lippen, doch schon fragte Seso ängstlich:

Wie? Was hat man gesagt?

Oh! Nur Bosheiten.

Reden ist leicht, erklärte Seso. Alle drei zusammen wiegen wir Chrysis nicht auf. Am Tage, wo es ihr gefallen wird, ihr Viertel zu verlassen, um sich im Brouchion zu zeigen, wird so mancher unserer Geliebten nicht mehr zu uns kommen.

Oho!

Gewiß. Ich würde für dieses Weib Tollheiten begehen. Es gibt hier keine schönere, glaube es mir.

Die drei jungen Mädchen waren vor der Mauer des Kerameikon angekommen. Von einem Ende der riesigen weißen Wand bis zum anderen folgte Inschrift auf Inschrift. Wenn ein Liebhaber sich einer Hetäre vorzustellen wünschte, genügte es, ihre beiden Namen mit dem Preise, den er bot, da aufzuschreiben, fand diese den Mann und das Geld ihrer Gunst würdig, blieb sie unter der Aufschrift stehen und wartete, bis der Verehrer wiederkam.

Schau mal, Seso! sagte Tryaphera lachend. Wer ist der boshafte Spaßvogel, der das geschrieben hat?

Und sie lasen folgende, in plumper Schrift geschriebene Worte:

BACCHIS

THERSITES

2 OBOLEN.

 

Es sollte nicht erlaubt sein, Weiber so zum Besten zu haben. Wenn ich der Rhymarch wäre, hätte ich schon eine Untersuchung eingeleitet.

Aber ein Stück weiter hielt Seso vor einer ernster zu nehmenden Inschrift.

SESO VON KNIDOS

TIMON, LYSIAS SOHN

1 MINE

 

Ich bleibe, sagte Seso, leicht erblassend.

Und sie lehnte sich unter den neidischen Blicken der vorbeigehenden Hetären an die Wand.

Einige Schritte weiter fand Musarion eine, wenn auch nicht so freigebige, so doch annehmbare Anfrage, Tryphaera kehrte allein auf den Hafendamm zurück, da der Abend vorgeschritten war, war die Menge weniger dicht. Die drei Musikantinnen jedoch fuhren fort zu singen und die Flöte zu blasen.

Auf einen Unbekannten zutretend, dessen Schmerbauch und Kleidung ziemlich lächerlich aussahen, schlug ihm Tryphaera auf die Schulter:

Väterchen, ich wette, du bist nicht von Alexandrien, wie?

In der Tat, mein Kind, antwortete der Biedermann. Du hast recht geraten. Ich bin über Stadt und Leute noch ganz verblüfft.

Bist du von Bubaste?

Nein, von Cabasa. Ich bin hierher gekommen, um Korn zu verkaufen und kehre morgen um zweiundfünfzig Minen reicher heim. Den Göttern sei gedankt, es war ein gutes Jahr.

Tryphaera fühlte sich plötzlich voll Interesse für diesen Kaufmann.

Mein Kind, begann er schüchtern von neuem, du kannst mir eine große Freude bereiten. Ich möchte nicht nach Cabasa zurückkehren, ohne meiner Frau und meinen drei Töchtern sagen zu können, daß ich berühmte Männer gesehen habe. Du mußt sicher berühmte Männer kennen?

Ich kenne einige, sagte sie lachend.

Nun wohl! Nenne mir sie, wenn sie hier Vorbeigehen. Ich bin sicher, daß ich seit zwei Tagen auf den Straßen die berühmtesten Philosophen und die einflußreichsten Würdenträger getroffen habe. Meine Verzweiflung ist, sie nicht zu kennen.

Du sollst befriedigt werden. Hier ist Naukrates.

Wer ist Naukrates?

Ein Philosoph.

Und was lehrt er?

Daß man schweigen soll.

Bei Zeus, das ist eine Lehre, welche nicht viel Genie verlangt, und dieser Philosoph gefällt mir nicht.

Hier kommt Phrasilas.

Wer ist Phrasilas?

Ein Tor. Warum läßt du ihn da nicht ungenannt vorüberziehen?

Weil andere ihn für wichtig halten.

Und was sagt er?

Er sagt alles mit einem Lächeln, was ihm gestattet, seine Irrtümer als absichtlich und seine Albernheiten als pfiffig gelten zu lassen. Alle Vorteile sind auf seiner Seite. Die Welt hat sich dadurch täuschen lassen.

Das ist mir zu hoch und ich verstehe dich nicht recht. Übrigens hat dieser Phrasilas ein Heuchlergesicht.

Hier kommt Philodem.

Der Stratege?

Nein. Ein lateinischer Dichter, der griechisch schreibt.

Kleine, es ist ein Feind. Ich will ihn nicht gesehen haben.

Jetzt entstand in der Menge eine Bewegung und ein Gemurmel von Stimmen sprach denselben Namen aus.

Demetrios . . . Demetrios . . .

Tryphaera stieg auf einen Eckstein und

sagte zu dem Kaufmann:

Demetrios . . . Da siehe Demetrios. Du, welcher einen der berühmtesten Männer sehen wolltest.

Demetrios? Der Geliebte der Königin? Ist es möglich?

Ja, du hast Glück. Er geht nie aus. das erste Mal, daß ich ihn auf dem Strande sehe.

Wo ist er?

Es ist der, welcher sich vorbeugt, um den Hafen zu sehen.

Es sind zwei da, die sich Vorbeugen.

Der, welcher blau gekleidet ist.

Ich sehe ihn nicht recht. Er wendet uns den Rücken zu.

Weißt du, daß es der Bildhauer ist,) dem die Königin Modell gestanden hat, als er die Statue der Aphrodite für den Tempel gemacht?

Man sagt, er sei der königliche Geliebte und der Herr Ägyptens.

Er ist schön wie Apoll!

Ah! Jetzt dreht er sich um. Ich bin froh, gekommen zu sein. Ich werde sagen, daß ich ihn gesehen habe. Man hat mir so vieles über ihn erzählt. Es scheint, daß ihm niemals eine Frau widerstanden hat. Er hat viele Liebesabenteuer, nicht wahr? Wie kommt es, daß die Königin nicht darüber informiert ist?

Die Königin kennt sie so gut wie wir. Sie liebt ihn zu sehr, um ihm deshalb etwas zu sagen. Sie fürchtet, daß er nach Rhodos, zu seinem Meister Pherekrates zurückkehrt. Er ist so mächtig wie sie und sie ist es, die nach ihm verlangte.

Er sieht nicht glücklich aus. Warum hat er eine so traurige Miene? Es scheint mir, ich würde glücklich sein, wenn ich an seiner Stelle wäre. Ich möchte gern er sein, und wäre dies auch nur für einen Abend.