Kookys schwule Snacks – Band 1 - Kooky Rooster - E-Book

Kookys schwule Snacks – Band 1 E-Book

Kooky Rooster

0,0

Beschreibung

"Die Welt mit deinen Augen" lautet der Fotowettberwerb des Wohnheims, in dem Paul untergebracht ist. Paul jedoch ist davon überzeugt, dass seine Perspektive keinen interessiert. Immerhin ist er der Typ mit dem Gehirnschaden – kriegt keinen Satz ohne stottern raus und braucht eine Viertelstunde, um sich die Schuhe zu binden. Tim ist da anderer Ansicht. Ungebeten springt er für Paul in die Presche und schreckt nicht davor zurück, ihn auch mal zu provozieren, wenn er der Meinung ist, Paul hätte das nötig. Und das hat er – bei Gott, das hat er. Kookys schwule Snacks Kookys schwule Snacks sind der zuckersüße, garantiert kalorienfreie Leckerbissen für Zwischendurch. Hast du keine Lust, dreihundert Seiten zu lesen, um zum erlösenden Happy-End zu gelangen? Willst du dir im Wartezimmer, in den Öffis oder auf dem Klo eine kleine, süße Ablenkung gönnen? Oder möchtest du vor dem Einschlafen noch ein wenig lesen, wirklich nur ein paar Minuten und nicht wieder bis zum Morgengrauen? Kookys schwule Snacks bieten genau die richtige Dosis Bauchkribbeln und Herzwummern für den kleinen Appetit auf knisternde Momente zwischen Mann und Mann.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern

Seitenzahl: 51

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0



Kooky Rooster

Kookys schwule Snacks – Band 1

Ich bin nicht wie ihr!

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Kapitel 1

 

 

 

»Das ist er ja endlich.«

»Heeeeey!«

Die versammelte Gruppe stand vor dem Besprechungsraum, auf dessen Tür ein Zettel mit der selbst gedruckten Aufschrift »Fotoausstellung« hing.

»Paul! Paul! Paul! Paul!«, johlten sie und schüttelten die Fäuste, um ihn anzufeuern.

Ohne in der Bewegung innezuhalten, drehte Paul um und marschierte in die andere Richtung davon.

»Was soll das?«

»Jetzt komm zurück, Mann!«

»Wir warten seit zwanzig Minuten auf dich!«

Einer löste sich aus der Gruppe und lief ihm hinterher. Tim. Die Gummisohlen seiner Chucks quietschten auf dem Linoleumboden.

Paul marschierte schneller, die Fäuste in den Hosentaschen geballt, den Blick gesenkt.

»Hey«, sagte Tim, als er ihn eingeholt hatte. Er war leicht aus der Puste und zupfte an seinem Ärmel. »Komm schon. Wir haben extra auf dich gewartet.«

»W-wäre nicht n-nötig gewesen«, nuschelte Paul, ohne den Schritt zu verlangsamen.

»Jetzt sei nicht albern. Bist du gar nicht neugierig, was die anderen so gemacht haben?«

»N-nein.«

»Oder wie die anderen auf deinen Beitrag reagieren?«

Paul hielt kurz inne. Das war in der Tat ein Argument.

In Tims Gesicht breitete sich ein triumphierendes Lächeln aus. »Na also.« Er drehte sich um, bereit, zu den anderen zurückzukehren. »Dann komm.«

»N-nein«, sagte Paul, zuckte mit den Schultern und setzte den Weg zu seinem Zimmer fort. Er musste nicht erst hinsehen, um zu wissen, dass Tim die Augen verdrehte und frustriert seufzte.

Drei Schritte weiter hatte Tim ihn eingeholt und versperrte ihm den Weg. Paul musste stoppen, wenn er ihm nicht reinlaufen wollte, aber er machte sofort einen Seitschritt, um an ihm vorbeizukommen.

Tim machte einen Seitschritt in dieselbe Richtung.

Paul versuchte es auf der anderen Seite.

Wieder stellte sich ihm Tim in den Weg. Ein kurzes Tänzchen, dann gab Paul auf und blieb genervt grunzend stehen.

»Komm einfach!«, bat Tim in einem irritierend vertraulichen Tonfall. »Du musst ja keinen Spaß haben. Sei bloß dabei.« Und traurig: »Unseretwegen. Meinetwegen.«

Paul vermied es, Tim aus dieser Nähe in die Augen zu sehen. Zu nah. Zu intim. Sein Blick klammerte sich stattdessen an seine Lippen, glitt abwärts zum Halsausschnitt des Shirts, wo in der Mulde zwischen den Schlüsselbeinen Tims Puls zuckte.

Paul nickte, ohne hochzusehen und drehte sich mit einem Schnauben der Kapitulation um.

»Danke«, sagte Tim hörbar erleichtert und legte Paul eine Hand auf die Schulter – die herunterplumpste, als sie sich zusammen in Bewegung setzten.

»Yeeeeeey!«, johlten die anderen, als sie den Flur entlangkamen und Tim schob vorsorglich die Hand in Pauls Rücken. Ein wenig zu tief, und als Paul tatsächlich kurz zögerte, landete sie direkt auf seinem Hintern.

Ein heißer Stich fuhr von dort durch Pauls Unterleib, zischte die Wirbelsäule hoch, zurrte sich um seinen Bauchnabel.

Tim riss die Hand zurück, flüsterte ein kaum hörbares »Sorry« und kratzte sich im Nacken.

Da umringten sie schon die anderen, laut, aufgeregt, teilweise ungehalten, weil Paul sie hatte warten lassen, teilweise begeistert, dass Tim ihn überzeugt hatte, doch noch zu kommen. Paul schwamm inmitten dieses Tumults wie ein heißer Tropfen in einem eiskalten Meer. Er kriegte gar nicht richtig mit, wie mit großem Tamtam die Tür aufgeschlossen wurde, ließ sich mit der Menge in den hellen Raum schieben, dieses intensive Gefühl, dass irgendwo da der andere heiße Tropfen schwamm.

Überall standen mit Laken verhüllte Stellwände. Dahinter verbargen sich Fotos. Fünf pro Künstler. Übergeordnetes Motto: Die Welt mit deinen Augen. Den Untertitel hatte jeder selbst wählen dürfen. Einzige Bedingung: Die Fotos mussten selbst geschossen und bearbeitet worden sein, und ein zusammenhängendes Thema repräsentieren.

Teilnehmer waren jedes Quartal die Bewohner eines anderen Trakts des Wohnheimes, insgesamt also vier Ausstellungen über das Jahr verteilt. Das Projekt ging auf den besonders engagierten Betreuer und begeisterten Hobbyfotografen Hans zurück.

Diesmal war der Ost-Trakt dran, und somit auch Paul.

Er hatte versucht, sich zu weigern. Von wegen, er hätte keine Kamera. Sein Smartphone wäre kaputt. Er wäre mit seiner eingeschränkten Feinmotorik nicht in der Lage, ein so hochsensibles Gerät zu bedienen. Außerdem hätte er ohnehin keine Idee und sein Blick auf die Welt würde sowieso kein Schwein interessieren.

Doch Hans war nicht von der fixen Idee abzubringen, dass jede Weltsicht ihre Berechtigung hätte, und dass vor allem Pauls Sicht der Dinge interessant für alle wäre. Also hatte er ihm nicht nur seine teure Spiegelreflex geliehen, sondern auch noch mit Stativ und Fernauslöser jegliche Argumentationsgrundlage geraubt, die Paul mit seiner Behinderung in petto gehabt hatte.

Selbst Schuld.

Während der Fotoausarbeitung hatte sich Paul mit einem bitteren Grinsen vorgestellt, was Hans und die anderen zu seinen Fotos sagen würden. Ein triumphaler Moment würde es werden. Er würde den Ekel, den Schock, die Enttäuschung genießen und danach würde ihn sicher nie wieder jemand zwingen, bei solchen Projekten mitzumachen.

So brillant ihm diese Idee ursprünglich erschienen war, jetzt drehte sich ihm der Magen um. Es war eine Sache, sich so eine Racheaktion vorzustellen, eine andere, sie auch umzusetzen. Vor dem Computer hatte sich das alles richtig geil angefühlt. Auch, als er die Fotos ausgedruckt hatte, hatte er sich die Hände gerieben und gar nicht recht einschlafen können vor Aufregung und einer tiefen inneren Zufriedenheit. Doch nun …

Sein Blick suchte zwischen den Körpern und Stellwänden hinweg Tim, der so weit von ihm entfernt stand wie möglich, und sich total intensiv auf die Enthüllung des ersten Projektes konzentrierte. Sarahs.

Sie hatte Blumen fotografiert. Blumen. Herrje. Gab es etwas Langweiligeres? Etwas Belangloseres? Und als wäre das nicht Zeit- und Materialverschwendung genug, ermunterte Hans nun alle, ihre Gedanken zu diesen Fotos zu äußern. Dabei wurde nur am Rande die fotografische Qualität angeschnitten, der Rest ähnelte einer Gruppentherapiesitzung. Was lösten die Fotos in einem aus. Wie schätzte man das Motiv im Zusammenhang mit Sarah ein und welche Absicht könnte man aus der Nachbearbeitung herauslesen? Erst ganz zum Schluss durfte sich die Künstlerin selbst zu Wort melden, ihre Intention zu diesen Fotos erklären. So war der Ablauf. Jedes Projekt und jeder Künstler würde auf diese Weise dieselbe Aufmerksamkeit bekommen.

Der Nachmittag würde also niemals enden.

»Paul?«, weckte Hans ihn aus seinen Gedanken. »Was hast du