Kookys schwule Snacks – Band 3 - Kooky Rooster - E-Book

Kookys schwule Snacks – Band 3 E-Book

Kooky Rooster

0,0

Beschreibung

Jeden Dienstagvormittag pilgert Ralf ins Fitnessstudio. Doch statt Gewichte zu stemmen, schmachtet er Uwe an, den letztjährigen Mister Fitness, der dort Trainingsvideos für seine Webseite dreht. Als Fitness-Barbie Anne auftaucht und mit dem Halbgott flirtet, ist es vorbei mit der sanften Schwärmerei. Ralf gerät in den Berserkermodus und … Kookys schwule Snacks Kookys schwule Snacks sind der zuckersüße, garantiert kalorienfreie Leckerbissen für Zwischendurch. Hast du keine Lust, dreihundert Seiten zu lesen, um zum erlösenden Happy-End zu gelangen? Willst du dir im Wartezimmer, in den Öffis oder auf dem Klo eine kleine, süße Ablenkung gönnen? Oder möchtest du vor dem Einschlafen noch ein wenig lesen, wirklich nur ein paar Minuten und nicht wieder bis zum Morgengrauen? Kookys schwule Snacks bieten genau die richtige Dosis Bauchkribbeln und Herzwummern für den kleinen Appetit auf knisternde Momente zwischen Mann und Mann.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern

Seitenzahl: 51

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0



Kooky Rooster

Kookys schwule Snacks – Band 3

Halbgott, Mozzarella und Tomate

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Kapitel 1

 

 

 

Stöhnen. Scheppern. Ächzen. Klirren. Der Geruch von Desinfektionsmittel, Teppich und Schweiß lässt mein Herz höher schlagen. Ich sitze in Shorts und Shirt auf der Hantelbank und schaue mich um. Zu meinen Knöcheln liegen Gewichte. Fünfzehn Kilo. Nicht viel für einen Kerl. Viel für mich. Aus dem Lautsprecher über mir dringt gemäßigt Musik. Hitparadenkram, unterbrochen von beschwingt-seichtem Gelaber.

Unter allen Anwesenden gebe ich die mit Abstand jämmerlichste Figur ab. Dienstagvormittag sind die Profis hier. Männer, die nichts anderes zu tun haben, als ihre Körper in eine Buckelpiste zu verwandeln. Eine gebräunte, steinharte Buckelpiste. Im Vergleich zu ihnen sehe ich aus wie Mozzarella. Weiß, weich und am Ende eines mäßigen Trainings in Salzlake – nur der Kopf knallrot vom Stemmen. Tomate mit Mozzarella. Und das, obwohl ich bereits seit einem halben Jahr trainiere. Okay, trainieren ist ein starkes Wort für das, was ich hier tu. Die meiste Zeit hocke ich an einem der Geräte oder mit den Hanteln zu meinen Füßen und glotze. Als könnte ich vom reinen Zuschauen einen gestählten Körper bekommen.

Es ist ein sehr kleines Fitnessstudio, verteilt auf zwei Ebenen. Ein ehemaliges Einfamilienhaus. Entsprechend familiär wirkt auch alles hier. Die Kraftkammern sehen aus wie Wohnzimmer. Eigentlich wäre mir die Anonymität einer Fitnesskette lieber, aber dort gibt es keinen Uwe.

Uwe ist der Grund, weshalb ich immer Dienstagvormittag hier herumsitze und ein schwächliches Kribbeln in den Gliedern habe. Mein Bauch schlägt seit Minuten Wellen und gelegentlich schüttelt mich ein Schauer. So aufgeregt bin ich normalerweise nur, wenn ich eine Rede halten muss – weswegen ich keine Reden halte. Ich hasse diese Nervosität. Normalerweise. Aber Dienstagvormittag liebe ich sie. Oder eher: Ich nehme sie in Kauf. Und zwar gerne.

In wenigen Minuten wird Uwe hier auftauchen, zusammen mit seinem Kumpel, der einen Körper hat wie eine Matratze (also wie ich) und noch nie eine Hantel oder eines der Geräte berührt hat. Siebzig Minuten verfolgt er Uwe mit der Kamera, der mit fröhlicher Laune erklärt, wie man am besten seinen Trizeps oder Bizeps oder Brustmuskel trainiert. Zu Beginn sitzt Uwe dazu lässig auf einer Bank, trägt ein Shirt mit dem Aufdruck www.fitmituwe.com und haspelt sich durch eine Reihe Versprecher, über die er selbst lachen muss. In den Augenwinkeln sammeln sich sympathische Fältchen, in seine Wangen bohren sich Grübchen, manchmal wischt er sich verlegen schmunzelnd über den Mund. Eine kleine Geste, die mir jedes Mal die Knie weichmacht.

Nachdem er rund zwanzig Minuten geredet hat – mit einer Stimme wie Waldhonig – kommt das nächste Highlight. Um zu demonstrieren, auf welche Muskeln es bei einer Übung ankommt, zieht er sein Shirt aus. An der Stelle umfasse ich gerne einen Gymnastikball zwischen meinen Schenkeln. Er führt die Übungen aus, streichelt über die Muskelhügel, die sich dehnen und zusammenziehen sollen, unterbricht sich, stellt sich aufrecht hin, erklärt, lacht, verspricht sich, schmunzelt, fährt sich über den Mund, wiederholt die Bewegung.

Stellt er Beinübungen vor, trägt er zur Abwechslung Shorts statt einer langen Jogginghose, und schiebt den Saum auch mal bis zum Beinansatz hoch. Dabei vergesse ich meinen Unterkiefer und mein Blick verkantet sich mit seinen Leisten. Dort habe ich einmal schwarze Locken hervorblitzen sehen – und sofort die Hitze gespürt, die an dieser Stelle herrschen muss, habe den herb männlichen Duft von Erregung in der Nase gehabt und mir das weiche Fleisch vorgestellt, das nur ein Versehen von meinen Augen entfernt war.

Diese tiefen Einblicke aber sieht man in den Videos nicht, die jeden Mittwoch online gehen, und die ich mir eine Woche lang in Dauerschleife ansehe. Manchmal kann man mich im Hintergrund sehen. Meistens nur ein Knie oder einen Schuh oder meine Schultern. Ich bin der namenlose Athlet und vermutlich glauben viele Zuseher, man hätte mich nur hierher gesetzt, um zu zeigen: Jeder fängt einmal ganz unten an. Auch aus einem kalkweißen Waschbärbauch kann ein wilder, bronzefarbener Hengst werden. So wie Uwe, der im Vordergrund seinen gemeißelten Körper weiter perfektioniert.

Da ertönt auch schon Gelächter und Gepolter im Treppenhaus. Mein Bauch zieht sich ganz ohne Crunches zusammen, dahinter bibbern meine Gedärme. Mein Herz hüpft, meine Ohren beginnen zu glühen und meine Finger werden eiskalt. Es wird mit jedem Mal schlimmer. Sein Lachen kommt näher. Rasch greife ich zu den Hanteln neben meinen Füßen und tu so, als wäre ich mitten im Training. Mein Gott, meine Muskeln sind Pudding. Vielleicht sollte ich mir für diese Momente Schaumstoffattrappen mitbringen wie man in Hollywoodfilmen verwendet. Denn natürlich möchte ich imponieren. Ich möchte, dass Uwe mich sieht, dass er anerkennt, wie ich mich Woche für Woche anstrenge. Ist ja nicht so, als hätte ich mich in den vergangenen sechs Monaten nicht verbessert. Dennoch hängen jetzt die Hanteln an meinen Armen wie an Seilen. Peinlich.

Uwe betritt den wohnzimmerähnlichen Kraftraum. Sein erster Blick, ich hocke ja direkt bei der Tür, gleitet in mein Gesicht. Peng. Seine eisblauen Augen stechen direkt in meine Seele. Er nickt zum Gruß, dann graben sich schon die Lachfältchen in seine Wangen, tief wie Narben. Ich glaube, ich halte den Atem an, doch in Wahrheit japse ich nach Luft, als hätte ich soeben drei Minuten unter Wasser verbracht. Gott, er ist so … er ist so …

Er marschiert an mir vorbei zur Beinpresse. Sein Shirt spannt sich um die Oberarme und Schulterblätter, liegt locker auf der Taille auf. Durch den fließenden Stoff der Jogginghose zeichnet sich sein Hintern wie ein Felsen ab. Gerade so kann ich ein Seufzen unterdrücken. Meine Schultern schmerzen und erst jetzt fällt mir wieder ein, dass ich die Hanteln halte. Da mein Blut lieber in meinem Kopf und zwischen meinen Schenkeln ist, statt in meinem Bizeps, stelle ich sie wieder neben meinen Füßen ab.

Uwe hat mich angelächelt.

Das Bild wird mich heute in den Schlaf begleiten.