Kookys schwule Snacks – Band 4 - Kooky Rooster - E-Book

Kookys schwule Snacks – Band 4 E-Book

Kooky Rooster

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Beschreibung

Für Christoph bricht eine Welt zusammen, als sein Großvater und einziger Vertrauter stirbt und ihn mit seiner habgierigen Familie zurücklässt. Die Erbschaft sorgt für Hohn und Spott, aber Christoph berührt sie tief in seinem Herzen … Kookys schwule Snacks Kookys schwule Snacks sind der zuckersüße, garantiert kalorienfreie Leckerbissen für Zwischendurch. Hast du keine Lust, dreihundert Seiten zu lesen, um zum erlösenden Happy-End zu gelangen? Willst du dir im Wartezimmer, in den Öffis oder auf dem Klo eine kleine, süße Ablenkung gönnen? Oder möchtest du vor dem Einschlafen noch ein wenig lesen, wirklich nur ein paar Minuten und nicht wieder bis zum Morgengrauen? Kookys schwule Snacks bieten genau die richtige Dosis Bauchkribbeln und Herzwummern für den kleinen Appetit auf knisternde Momente zwischen Mann und Mann.

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Seitenzahl: 38

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Kooky Rooster

Kookys schwule Snacks – Band 4

Die Erbschaft

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Kapitel 1

 

 

 

Die Sonne knallte runter und mein billiges Hemd war unter dem leicht modrig riechenden Anzug bereits klatschnass geschwitzt. Die viel zu kleinen Schuhe drückten – es waren nicht meine. Das heiße Badewetter war alles andere als angemessen für eine Beerdigung.

Ich hielt mich eher abseits, lief nicht vorne bei meinen Eltern, den Geschwistern und ihren Familien mit. Ein Umstand, der bei einigen Gästen für Verwunderung sorgte, hatte ich meinen Großvater doch bis zuletzt gepflegt.

Hin und wieder packte mich eine der älteren Personen – Freunde und Bekannte meines Großvaters, nicht Familie – am Ellenbogen, oder drückte mit der Handfläche zwischen meine Schulterblätter und sagte:

»Junge, du gehörst nach ganz vorne.«

Dann verzog ich den Mund zu einem schiefen Grinsen – ach – nicht einmal Grinsen, es war einfach nur gequälte Traurigkeit. Ich sagte nichts, schüttelte nur den Kopf wie ein schüchternes Kind, das man dazu zwingen wollte, dem Angst einflößenden Onkel die Hand zu reichen, und erntete verständnisloses Kopfschütteln.

»Das gehört sich nicht – das gehört sich gar nicht.«

Ich mochte die alten Leute und ich konnte sie verstehen. Tradition verpflichtete sie dazu, den Anstand zu wahren und selbst die schlimmste Familienfehde für einen Tag lang ruhen zu lassen, nur um den Schein zu wahren. In meinem Fall war es noch nicht einmal eine richtige Familienfehde, dazu hätte man vermutlich richtig streiten müssen. Die Schieflage, die uns trennte, wurde nie diskutiert, nie ausgesprochen – zumindest nicht mit mir, nicht mit dem Betroffenen. Hinter meinem Rücken jedoch, das wusste ich wohl, zerriss man sich das Maul über mich.

»Dreißig Euro!« Das war das Erste, was meine Schwester zu mir sagte, und hielt ihre Hand auf wie ein Bettler.

Wir standen keine fünf Meter vom offenen Grab entfernt. Die Trauergäste hatten sich in kleinere und größere Gruppen portioniert, scharrten im Kies und sprachen von den Plänen und Begebenheiten ihres Lebens. Ich war alleine herumgestanden, als sich meine Schwester von der Traube meiner Familie gelöst und auf mich zugekommen war. Vielleicht hatte ich tief im Inneren gehofft, dass sie mir mitteilen wollte, die Familie wünsche, ich möge mich zu ihnen gesellen – nicht so einsam herum stehen.

Ich glotzte auf ihre fleischige Hand.

»Ach ja!«, murmelte ich und fischte nach meiner Geldbörse. Ich zitterte etwas, war total dehydriert und fürchtete, wenn ich nicht bald etwas Kühles zu trinken bekäme, würde ich umkippen.

Meine Schwester verfolgte jede meiner Bewegungen mit Argusaugen, und fast hatte ich den Eindruck, sie würde, wenn ich nicht achtsam genug wäre, meine Börse schnappen und weglaufen wie eine Berufsdiebin.

»Das sind nur zwanzig Euro!«, beschwerte sie sich, als ich ihr den dunkelblauen, zerfledderten Schein reichte.

»Den Rest geb ich dir ein andermal«, erklärte ich so leise, dass ich es selbst kaum hören konnte.

»Das ist ein Scherz, oder?« Sie baute sich vor mir auf und wedelte mit dem Euroschein als wäre er ein Stück Klopapier.

Instinktiv trat ich einen Schritt zurück.

»Dir ist Opa nicht einmal so viel Wert, dass du deinen Anteil am Kranz zahlst?«

Bedrückt senkte ich den Blick. In meinem Bauch ballte sich ein Knoten. »Nicht so laut«, bat ich und versuchte, als Gegengewicht zu ihrer Stimme, noch leiser zu sprechen.

Dennoch reckten einige der Trauergäste ihre Köpfe und starrten zu uns.

»Ich zahls ja«, versprach ich, »aber ich hab gerade nicht so viel dabei!«

»Wie? Was? Du hast nicht einmal dreißig Euro?«, spottete sie und blickte mich ungläubig an.

Kaum merklich schüttelte ich den Kopf und suchte ein Loch im Boden, in dem ich versinken konnte.

»Lass mal sehen!«, fauchte sie und griff so schnell nach meiner Geldbörse, dass ich nicht reagieren konnte. Rasch drehte sie sich von mir weg, als ich danach grapschen wollte, und durchsuchte alle Fächer. Sie war sich der Show bewusst, die sie mittlerweile lieferte, und schüttelte die Börse theatralisch, um zu demonstrieren, dass sie leer war. Völlig leer.

»Mann, du bist ja total blank!«, rief sie.

Das Herz schlug mir bis zum Hals. Das Pulsieren in den Ohren trübte meine Sinne. Ich war im Fluchtmodus, blieb aber wie angewurzelt stehen.

»Wer ist denn das?«, rief sie, und zog ein Foto aus meiner Geldbörse.

Ich schluckte ertappt. Er war Schauspieler. Kein bekannter. Er gefiel mir einfach nur und ich hatte noch nie einen Freund gehabt, träumte bislang nur von der Liebe. Vor ein paar Monaten hatte ich ihn mal in einem Theater gesehen und das Foto dann aus dem Programmheft ausgeschnitten. Ja, das war peinlich für mein Alter, aber peinlich – schlagt im Lexikon nach – unter peinlich