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Eine Regentschaft zwischen Liebe und Pflicht Als Vierte in der Thronfolge ist der jungen Prinzessin Victoria ein einfaches Leben abseits des Hofes vorherbestimmt – doch das Schicksal hat andere Pläne: Nach dem Tod ihres Onkels findet Victoria sich plötzlich als Königin von England wieder, zum ersten Mal frei von der Bevormundung ihrer herrischen Mutter. Gerade noch unsichtbar erwarten die »Mädchenkönigin« nun Verantwortung und Pflichten – unter anderem die arrangierte Ehe mit dem deutschen Prinzen Albert. Was als politische Vereinbarung beginnt, wird bald zu einer Liebe, so groß, dass sie Victoria mehr bedeutet als alles andere … Aber als das Schicksal erneut zuschlägt, muss Victoria beweisen, dass sie die starke Königin ist, die ihr Empire braucht. »Jean Plaidy versteht es hervorragend, Geschichte mit Romantik und Drama zu verbinden.« New York Times Das bewegende Leben einer der berühmtesten Königinnen der Weltgeschichte.
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Veröffentlichungsjahr: 2024
Über dieses Buch:
Als Vierte in der Thronfolge ist der jungen Prinzessin Victoria ein einfaches Leben abseits des Hofes vorherbestimmt – doch das Schicksal hat andere Pläne: Nach dem Tod ihres Onkels findet Victoria sich plötzlich als Königin von England wieder, zum ersten Mal frei von der Bevormundung ihrer herrischen Mutter. Gerade noch unsichtbar erwarten die »Mädchenkönigin« nun Verantwortung und Pflichten – unter anderem die arrangierte Ehe mit dem deutschen Prinzen Albert. Was als politische Vereinbarung beginnt, wird bald zu einer Liebe, so groß, dass sie Victoria mehr bedeutet als alles andere … Aber als das Schicksal erneut zuschlägt, muss Victoria beweisen, dass sie die starke Königin ist, die ihr Empire braucht.
Über die Autorin:
Jean Plaidy – wie auch Philippa Carr und Victoria Holt – ist ein Pseudonym der britischen Autorin Eleanor Alice Burford (1906–1993). Schon in ihrer Jugend begann sie, sich für Geschichte zu begeistern: »Ich besuchte Hampton Court Palace mit seiner beeindruckenden Atmosphäre, ging durch dasselbe Tor wie Anne Boleyn und sah die Räume, durch die Katherine Howard gelaufen war. Das hat mich inspiriert, damit begann für mich alles.« 1941 veröffentlichte sie ihren ersten Roman, dem in den nächsten 50 Jahren zahlreiche folgten, die sich schon zu ihren Lebzeiten über 90 Millionen Mal verkauften. 1989 wurde Eleanor Alice Burford mit dem »Golden Treasure Award« der Romance Writers of America ausgezeichnet.
Jean Plaidy veröffentlichte bei dotbooks ihre historische Romanreihe »Queens of England« mit den Einzeltiteln »Königreich des Herzens«, »Krone der Liebe«, »Im Schatten der Krone«, »Die Gefangene des Throns« und »Die Tochter der Krone«.
Unter dem Pseudonym Victoria Holt erschien ihr historischer Roman »Das Geheimnis der Engländerin«.
Als Philippa Carr veröffentlichte die Autorin ihren großen neunzehnbändigen Roman-Zyklus »Die Töchter Englands«, die der in mehreren Sammelbänden erschienen ist.
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eBook-Neuausgabe November 2024
Die amerikanische Originalausgabe erschien erstmals 1985 unter dem Originaltitel »Victoria Victorious« bei Harper Collins, New York.
Copyright © der amerikanischen Originalausgabe 1985 by Jean Plaidy
Copyright © der deutschen Erstausgabe 1992 by Wilhelm Heyne Verlag GmbH & Co. KG, München
Copyright © der Neuausgabe 2024 dotbooks GmbH, München
Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.
Titelbildgestaltung: Wildes Blut – Atelier für Gestaltung Stephanie Weischer unter Verwendung mehrerer Bildmotive von © shutterstock
eBook-Herstellung: Open Publishing GmbH (ah)
ISBN 978-3-98952-488-0
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Bei diesem Roman handelt es sich um ein rein fiktives Werk, das vor dem Hintergrund einer bestimmten Zeit spielt oder geschrieben wurde – und als solches Dokument seiner Zeit von uns ohne nachträgliche Eingriffe neu veröffentlicht wird. In diesem eBook begegnen Sie daher möglicherweise Begrifflichkeiten, Weltanschauungen und Verhaltensweisen, die wir heute als unzeitgemäß oder diskriminierend verstehen. Diese Fiktion spiegelt nicht automatisch die Überzeugungen des Verlags wider oder die heutige Überzeugung der Autorinnen und Autoren, da sich diese seit der Erstveröffentlichung verändert haben können. Es ist außerdem möglich, dass dieses eBook Themenschilderungen enthält, die als belastend oder triggernd empfunden werden können. Bei genaueren Fragen zum Inhalt wenden Sie sich bitte an [email protected].
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Jean Plaidy
Krone der Liebe
Historischer Roman
Aus dem Amerikanischen von Ute McKechneay
dotbooks.
»Laß sie uns siegreich,
glücklich und ruhmreich,
lange regieren.
Gott schütze die Königin.«
»Send her victorious
Happy and glorious
Long to reign over us
God save the Queen.«
Als ich anfing, Tagebuch zu führen, war ich noch ziemlich klein. Mama meinte, es würde mir guttun. Sie würde es natürlich lesen. Dann konnten sie und Baronin Lehzen die Köpfe zusammenstecken und sagen: »Das Kind ist zu überschwänglich, zu gefühlsbetont. Es mangelt Victoria an Würde. Sie ist zu impulsiv und läßt sich allzuoft zu Wutanfällen hinreißen.« Das stimmte allerdings, und daran änderte sich bis zum 20. Juni 1837 nichts. An diesem Tag erschienen der Erzbischof und der Großkämmerer im Kensington Palast, um mir zu verkünden, ich sei Königin.
Ich kann mich nicht erinnern, je allein gewesen zu sein. Ich mußte mit in Mamas Zimmer schlafen. Bis sich Mama zur Ruhe begab, pflegte Lehzen an meinem Bett zu sitzen, damit ich mir keinen Augenblick selbst überlassen blieb. An diesem denkwürdigen Tag sagte ich mir unter anderem: »Jetzt darf ich endlich allein sein.«
In mein Tagebuch trug ich nur ein, was ihren Beifall finden würde. Das Schreiben hat mir immer große Freude gemacht. Auch für Musik und Malerei begeisterte ich mich.
Als Kind wurde mir irgendwann bewußt, wie frustrierend es war, ständig gegängelt und beobachtet zu werden. So vieles, was ich gern getan hätte, war verboten. Deshalb sehnte ich mich danach, heimlich Tagebuch zu führen und festzuhalten, was Tag für Tag geschah. Ich wollte von meinem Leben im Kensington Palast erzählen, von Lehzen und von Spath, von meinen wunderschönen lebensechten Puppen, von den Skandalen, in die meine Onkel ständig verwickelt waren. Auch meine Abneigung gegen den undurchsichtigen Sir John Conroy wollte ich mir von der Seele schreiben. Mama stand sehr unter seinem Einfluß. Er war fest entschlossen, mich zu umgarnen, als ich noch zu jung und zu unerfahren war, um das zu durchschauen. Wie gern hätte ich meinem Herzen Luft gemacht und meinem Tagebuch anvertraut, daß mir Mama immer fremder wurde. Ich zog mich immer mehr von ihr zurück. Natürlich mußte man seine Mutter lieben; aber ich konnte die Augen nicht vor den Tatsachen verschließen und sah mich gezwungen, meine Schlüsse daraus zu ziehen.
Wäre es mir vergönnt gewesen, heimlich Tagebuch zu führen, hätte ich mich ihm anvertrauen können. Sicher wäre mir dadurch auch klargeworden, weshalb es immer wieder zu diesen plötzlichen Zornesausbrüchen kam. Vielleicht hätte ich mich selbst und auch andere besser verstanden.
Inzwischen bin ich natürlich längst meine eigene Herrin. Niemand schreibt mir mehr etwas vor. In all den langen einsamen Jahren, seit mir derjenige genommen worden ist, der mein Leben war, konnte ich meinen Launen nachgeben. Oft sitze ich stundenlang da und überlasse mich meinen Erinnerungen. Immer wieder lese ich meine Tagebücher. Dann will es mir oft scheinen, als habe ich mich eigentlich ganz gut gekannt. Ich denke an meine Kindheit im Kensington Palast zurück, an meine Gefangenschaft. Oft denke ich auch an die Zeit zurück, zu der ich erkannte, daß ich nicht wie andere Kinder war, daß ich Victoria war, die eines Tages die Krone tragen würde.
Dieses Schicksal bestimmte meine Kindheit. Aus diesem Grund war meine Mutter so um mich besorgt. Sie konnte meine Krönung kaum erwarten. Ihr lag entschieden mehr daran als mir. Am liebsten hätte sie bis zu meiner Volljährigkeit als Regentin geherrscht. Wie hat sie den armen alten Onkel William gehaßt, weil er nicht sterben wollte! Ihr waren alle meine Onkel väterlicherseits zuwider. Sie pflegte mir einzureden, sie müsse mich vor ihnen schützen. Ich dürfe nie vergessen, was ich ihr zu verdanken habe. Die arme Mama war sich wohl nicht darüber im Klaren, daß man einen Menschen nicht allein deshalb von ganzem Herzen lieben kann, weil man dazu verpflichtet ist. Das ist völlig ausgeschlossen, auch wenn man sich noch so große Mühe gibt.
Jetzt kann ich endlich schreiben, was ich will. Es ist nur für mich bestimmt, und niemand kann mir mehr einen Strick daraus drehen. Weder Mama noch Lehzen können meine Tagebücher mißtrauisch beäugen, um aus meinen simplen Beobachtungen Eigenschaften herauszulesen, die es zu unterdrücken gilt. Die arme Mama und die gute Lehzen! Beide haben längst das Zeitliche gesegnet. Ich führe als Witwe ein einsames Leben. Nur die Erinnerung an glücklichere Zeiten macht dieses Leben noch lebenswert. Nur darin finde ich noch Trost.
Wäre meine Cousine Charlotte nicht samt ihrem Baby so tragisch ums Leben gekommen, so wäre ich gar nicht auf der Welt, und es hätte nie eine Königin Victoria gegeben. Ohne dieses traurige Ereignis – die ganze Nation trauerte um Charlotte – hätte mein Vater weiterhin ganz respektabel und genaugenommen doch in Sünde gelebt. Madame St. Laurent lebte schon seit fünfundzwanzig Jahren mit ihm zusammen. Meine Mutter wäre sicherlich in Leiningen geblieben, doch vielleicht hätte sie einen anderen Mann geheiratet. Als Witwe mit zwei Kindern hätte sie durchaus noch mehr Kinder bekommen können; denn sie war erst einunddreißig Jahre alt. Ohne Charlottes tragischen Tod gäbe es mich jedenfalls nicht.
Ohne sich selbst kann man sich die Welt schlecht vorstellen, äußerte ich mich Baronin Lehzen, meiner Erzieherin, gegenüber, als sie mir all das erzählte. Sie war eine Klatschbase und ließ sich gern über die Skandale aus, die es in meiner Familie ständig gab. Sie entschuldigte sich damit, daß es sich um geschichtliche Ereignisse handle. Es sei unerläßlich, daß ich darüber Bescheid wisse.
Meine Verwandten väterlicherseits schienen es fast zu genießen, immer wieder in Skandale verwickelt zu sein. Meine Onkel beachteten kaum je die Etikette, wie es sich für Menschen königlichen Geblüts ziemte. Selbst über meine Tanten kursierten Gerüchte. Mein armer Großvater, der im Gegensatz zu seinen Söhnen ein treuer Ehemann und ein Mensch mit strengen moralischen Grundsätzen war, mußte entmündigt und in Gewahrsam genommen werden, weil er geisteskrank war. Meine Großmutter, Königin Charlotte, war trotz ihrer Tugendhaftigkeit beim Volk nie sonderlich beliebt. In der Geschichte unseres Landes gab es viele Königinnen, die keinen Beifall fanden, weil sie dem Land keinen Thronfolger schenken konnten. In dieser Hinsicht hatte Königin Charlotte ihrer Pflicht mehr als genügt. Fünfzehn Kinder hatte sie zur Welt gebracht. »Eine Belastung!« hieß es da. Und: »Die kosten die Staatskasse ein Vermögen.« Es dem Volk immer recht zu machen, ist wahrhaftig nicht leicht!
Ich konnte gar nicht genug über meine Cousine, Prinzessin Charlotte, in Erfahrung bringen. Das ist ja auch kein Wunder, denn ihrem Tod verdankte ich mein Leben. Ihr Vater war Prinzregent, als ich zur Welt kam. Als ich etwa sieben Monate alt war, bestieg er als König Georg IV. den Thron. Er übertrumpfte alle seine Brüder, was sein skandalöses Leben anging. Einer der größten Skandale in dieser skandalträchtigen Familie war die Beziehung zwischen Charlottes Eltern.
Charlotte war mit Prinz Leopold verheiratet gewesen, dem Bruder meiner Mutter. Eine echte Liebesheirat.
Charlotte, ein Wildfang, der alle Konventionen in den Wind schlug und nicht zu zähmen war, hatte alle Herzen im Sturm gewonnen, vor allem das von Leopold, ihrem jungen Gatten, der vom Wesen und vom Temperament her das genaue Gegenteil von ihr war.
»Als Charlotte starb, war er ein gebrochener Mann«, erfuhr ich. »Alle trauerten um sie.«
Als ich später mit Lehzen darüber sprach, deutete ich an, daß die Menschen sie vielleicht so liebten, weil sie tot war. Mir war nämlich aufgefallen, daß die meisten Menschen nach ihrem Tode liebenswerter erschienen als zu Lebzeiten.
Das Volk hatte seine ganze Hoffnung auf Charlotte gesetzt, denn als einziges Kind des Regenten war sie die Thronfolgerin. Die vielen Kinder der Brüder des Regenten waren alle außerehelich geboren. Als die heißgeliebte Charlotte samt ihrem Baby starb, herrschte große Bestürzung in der Familie, denn ohne Erben würden die Hannoveraner aussterben.
»Charlottes Tod kam völlig unerwartet«, berichtete mir Lehzen. »Wie sollte es weitergehen? Der Regent war unglücklich verheiratet und wollte nicht mit seiner Frau zusammenleben. Der zweite Sohn war Frederick, der Herzog von York.« Sie schüttelte den Kopf. »Der war der Lieblingsbruder des Regenten, ein hochgeachteter Gentleman. Doch auch er war in einen Skandal verwickelt ...«
»Natürlich, wie könnte es auch anders sein«, bemerkte ich.
»Nun, lassen wir das lieber ...«
»Kommt nicht in Frage, Lehzen. Lassen wir das lieber nicht.«
Auch als Kind von kaum zwölf Jahren hatte ich schon gebieterische Anwandlungen. Ich bestand darauf, daß sie mir verriet, was sich Onkel Frederick hatte zuschulden kommen lassen.
»Natürlich war eine Frau im Spiel. Sie hieß Mary Anne Clarke und soll in der Nähe der Chancery Lane geboren sein. Sie heiratete einen Schriftsetzer, dessen Meister sich in sie verliebte. Der ließ sie etwas lernen. Irgendwie ist sie deinem Onkel Frederick aufgefallen.« Lehzen spitzte die Lippen. »Diese Sorte von Frauen versteht es, den Männern das Geld aus der Nase zu ziehen. Der Herzog sagte ihr tausend Pfund pro Jahr zu, damit sie standesgemäß leben konnte. Doch in der Familie gab es immer ein Gerangel um die Finanzen. Als das Mary Anne zugesagte Geld ausblieb, sah sie sich nach einer zusätzlichen Einnahmequelle um. Sie nahm Bestechungsgelder dafür an, daß sie denjenigen, die dafür bezahlten, Aufträge zuschanzte.«
»Hat mein Onkel ihr dabei geholfen?«
»Es sah ganz danach aus. Das weitete sich zu einem furchtbaren Skandal aus. Sie drohte, seine Briefe zu veröffentlichen ...«
Ich nickte schweigend. Wenn ich mich dadurch verriet, daß ich mich allzusehr für die Skandale interessierte, würde Lehzen sich zur Ordnung rufen und mir so bald nichts mehr erzählen.
»Und dann seine Ehe! Kaum war er mit Prinzessin Frederica verheiratet, da trennte er sich schon wieder von ihr. Wenn er auch an nächster Stelle stand, was die Thronfolge betraf, so war aufgrund seines fortgeschrittenen Alters kaum mehr damit zu rechnen, daß er noch ein Kind zeugen würde ...«
Ich liebte diese Geschichten über meine Onkel. Doch leider erfuhr ich bei weitem nicht genug, denn sie waren dank ihres skandalösen Lebenswandels eine Schande für die Familie, wie meine Mutter sagte.
Nach Onkel Frederick kam Onkel William, der Herzog von Clarence und spätere König William IV. Er war schon immer ein ziemlich lächerlicher Mensch gewesen, der aus dem Rahmen fiel. Man konnte nämlich keinem meiner Onkel außer ihm Kultiviertheit absprechen. Sie bestachen durch ihre Vornehmheit und hatten ausgezeichnete Manieren. Darin unterschied sich Onkel William von allen seinen Brüdern. Er war ganz anders aufgewachsen. Schon als junger Mann war er zur See gefahren, nannte sich stolz einen rauhen Seemann. Er war ausgesprochen schwatzhaft und produzierte sich gern vor Publikum, doch seine Reden endeten meistens völlig zusammenhanglos. Als junger Mann hatte er sich mit der Schauspielerin Dorothy Jordan eingelassen, die ihm zehn Kinder schenkte. Meine Onkel schienen eine Schwäche für solche Beziehungen zu haben. Doch nach Charlottes Tod mußte er rasch eine Ehefrau finden, genau wie mein Vater. Zum Schluß hatte er Dorothy Jordan ziemlich schlecht behandelt. Sie ging nach Frankreich, wo sie als todunglückliche Frau starb. Nach Charlottes Tod brauchte das Land einen Thronfolger. Onkel William heiratete deshalb Adelheid, die Tochter des Herzogs von Sachsen-Meiningen. Ich schloß sie sehr ins Herz.
Onkel Clarence und meine Mutter hegten erbitterte Haßgefühle füreinander. Auf Clarence folgte mein Vater. Wie traurig, den Vater nie gekannt zu haben. Ich wollte so viel wie möglich über ihn erfahren, doch was ich in Erfahrung brachte, war nicht immer schmeichelhaft.
Ich weiß, daß er Madame St. Laurent gern geheiratet hätte, doch allmählich gelangte ich zu der Überzeugung, daß der Royal Marriage Act (die königlichen Ehegesetze) sehr oft schuld daran waren, daß die Mitglieder meiner Familie einen so unmoralischen Lebenswandel führten. Dieses Gesetz besagte nämlich, daß die Söhne und Töchter des Königs bis zum Alter von einundzwanzig Jahren nicht ohne Zustimmung des Königs heiraten durften. Waren sie über einundzwanzig, mußte das Parlament seine Zustimmung zu der Ehe geben. Dieses Gesetz erscheint mir grausam, war aber in Anbetracht des Wesens all der Prinzen vermutlich angebracht.
Mein Vater wußte also, daß er Madame St. Laurent nie würde heiraten können. Sie soll nicht nur wunderschön, sondern auch liebenswert und klug gewesen sein. Sie war vor der Französischen Revolution nach England geflohen. Ich hatte eine sehr romantische Vorstellung von ihr.
Mein Vater mußte also heiraten. Ein Thronfolger war von größter Wichtigkeit, wenn das Haus Hannover nicht aussterben sollte. Zur Wahl standen Adelheid von Sachsen-Meiningen und Victoria von Leiningen, die Witwe des Regenten dieses Fürstentums.
Da sich mein Vater im Gegensatz zu William kultiviert und wirklich wie ein Prinz benahm, wurde beschlossen, daß er um Victoria freien sollte. Adelheid hatte die erste Blüte der Jugend bereits hinter sich und mußte nehmen, wen sie kriegen konnte. Als Witwe, die schon eine Ehe aus Gründen der Staatsraison geschlossen hatte, stand es Victoria nun zu, die Wahl des nächsten Gatten selbst zu treffen.
Kent sollte also Victoria bekommen und Clarence Adelheid.
Nach Kent kam Cumberland. Schon als kleines Mädchen war er für mich der böse Onkel Ernest. Mit seinem Aussehen hätte er auch das tapferste Kind in Angst und Schrecken versetzt. Das lag vor allem daran, daß er sein linkes Auge eingebüßt hatte. Ich weiß nicht, was furchterregender war: die leere Augenhöhle oder die schwarze Augenklappe, die er manchmal trug.
Sein Ruf stand seinem Aussehen in nichts nach. Etwa neun Jahre vor meiner Geburt war er in einen schmutzigen Skandal verwickelt. Sein Kammerdiener, ein Mann namens Sellis, wurde mit durchschnittener Kehle in seinem Bett gefunden. Der Herzog selbst trug eine Kopfwunde davon. Was vorgefallen war, stellte sich nie heraus, doch Sellis war mit einer auffallend schönen Frau verheiratet. Ernest hatte einen denkbar schlechten Ruf, was Frauen betraf. Man nahm daher an, daß Onkel Ernest mit seinem Kammerdiener wegen dessen Frau in Streit geraten war und sich die Verwundung bei der Rauferei zugezogen hatte.
Etwa drei Jahre bevor Charlotte starb, hatte er eine Frau geheiratet, deren Ruf ebenso zu wünschen übrigließ wie der seine: Er nahm seine Cousine Friederike, die Tochter des Herzogs von Mecklenburg, zur Frau. Ihre Tante war also Königin Charlotte von England. Für Friederike war das schon die dritte Ehe. Zuvor war sie mit Friedrich von Preußen und Friedrich von Solms-Braunfels verheiratet gewesen. Beide Ehemänner waren unter geheimnisvollen Umständen gestorben.
Sowohl mein Onkel Ernest als auch Tante Friederike wurden verdächtigt, Morde begangen zu haben.
Onkel Sussex war der sechste Sohn und das neunte Kind von König George und Königin Charlotte. Er lebte im Kensington Palast und galt als Exzentriker. Der Skandal ließ nicht lange auf sich warten, denn auch er schlug nicht aus der Art. Er verliebte sich in Lady Augusta Murray, während er sich auf dem Kontinent aufhielt. Dort ließen sie sich auch trauen. Doch weder der König noch das Parlament waren mit dieser Liebesheirat einverstanden. Die Ehe wurde daher nicht anerkannt. Anfänglich störte sich das verliebte, glücklich verheiratete Paar nicht sonderlich daran. Doch ich nehme an, daß sich das auf die Dauer verheerend auswirkte. Sussex war immer ein Rebell gewesen, und das blieb er bis an sein Lebensende.
Als König George untragbar wurde und sein ältester Sohn als Regent an seine Stelle trat, war Sussex bei Hofe wieder willkommen. Er hatte noch einmal geheiratet, und zwar Lady Cecilia Buggins. Exzentrisch wie er war, spielte es für Sussex keine Rolle, was die Leute davon hielten. Die meisten Familienmitglieder waren diesem Intellektuellen gegenüber von einem tiefen Mißtrauen erfüllt, doch Sussex war im Grunde ein guter Mensch, der half, wo er nur konnte. Nur durch seine Ehen machte er sich wirklich unbeliebt.
Onkel Adolphus, Herzog von Cambridge, war der jüngste Onkel. Die jüngeren Onkel waren offensichtlich zahmer.
Dieser war nach Deutschland gereist und hatte sich beim Militär ausgezeichnet. Cambridge war der unauffälligste der Brüder.
Nun habe ich all die verrufenen Onkel, die Prinzen des Hauses Hannover, aufgezählt, das keinesfalls aussterben durfte. Jeder in Frage kommende Onkel mußte also seine Pflicht tun und den Bestand des Hauses sichern. Alle gaben sich die größte Mühe, den Thronfolger zu zeugen. Wer würde das ersehnte Ziel erreichen?
Meine arme Tante Adelheid wurde schwanger und verlor das Kind. Für Clarence standen die Chancen also schlecht. Sowohl Cumberland als auch Cambridge bekamen Söhne. Beide wurden auf den Namen George getauft, genau der richtige Name für einen König, doch sie waren die jüngeren Söhne. Wenn Clarence versagte und die Herzogin von Kent ein Kind bekam, trügen die Kents den Sieg davon.
Mir kam zu Ohren, daß meinem Vater etwas Seltsames passiert war. Daran erinnerte man sich wieder, als ich zur Welt kam, und er erfuhr, daß er anstatt des heißersehnten Sohnes Vater einer Tochter geworden war. Er war auf dem Weg zu meiner Mutter gewesen und hatte ein Zimmer in einem Gasthof im Wald von Leiningen genommen. Als er mit einem Teil seines Gefolges in der Gaststube saß, kam eine Zigeunerin herein, ging auf ihn zu und fragte, ob sie ihm aus der Hand lesen dürfe. Sie prophezeite ihm, er werde bald heiraten und Vater werden, Vater einer großen Königin.
»Nein, eines Königs«, widersprach er.
Doch die Zigeunerin schüttelte den Kopf. »Vater einer Königin«, beharrte sie auf ihrem Standpunkt.
Das machte großen Eindruck auf meinen Vater. Er sah ein, daß es seine Pflicht der Familie und dem Land gegenüber war, Victoria zu heiraten. Für Madame St. Laurent wollte er gut sorgen. Sie sollte ein glänzendes Auskommen haben.
Das Salische Gesetz hatte in England keine Gültigkeit. Die Zigeunerin hatte von einer großen Königin gesprochen.
Im Jahr 1819 kamen die Königskinder nur so gepurzelt. Im März des Jahres bekamen die Clarences eine kleine Tochter, die aber nicht am Leben blieb. Die Cambridges bekamen einen Sohn. Im Mai kamen noch zwei Säuglinge zur Welt. Ich selbst am 19., George Cumberland am 27.
Mein Vater war überglücklich. Er zweifelte nicht mehr daran, daß die Prophezeiung der Zigeunerin in Erfüllung gehen würde.
Ich denke gern an mein Kinderzimmer und meine Kindheit zurück. Luise Lehzen, die mich unterrichten und erziehen sollte, hatte ihre Schülerin Prinzessin Feodora, meine Halbschwester, mit nach England gebracht. Sie und Feodora schloß ich bald ins Herz. Von beiden habe ich sehr viel gelernt.
Da war ich nun also, ein wohlgerundetes, kerngesundes Baby. »Von Anfang an fest entschlossen, deinen Willen durchzusetzen«, wie Lehzen lächelnd erklärte.
Feodora erzählte mir später, ich sei das entzückendste Baby gewesen, das man sich vorstellen konnte. Das beweist doch wohl, wie sie an mir hing. Nicht nur im Kensington Palast, sondern auch in Sachsen-Coburg waren alle sehr aufgeregt. Die Verwandten in Coburg hielten stets zusammen und freuten sich über den Familienzuwachs – im Gegensatz zu meinen englischen Verwandten, die sich stets in den Haaren lagen.
Meine Großmutter mütterlicherseits, die Herzogin von Sachsen-Coburg-Saalfeld, nannte mich die Maienblüte. Das begeisterte mich, als es mir zu Ohren kam. »Die Engländer lieben Königinnen, und die Nichte der heißgeliebten und unvergessenen Charlotte wird ihnen sehr willkommen sein.« Es stimmte. Seit Königin Elizabeth hatten die Engländer viel für Königinnen übrig. Das Volk hatte Königin Elizabeth verehrt. In den Augen vieler Engländer hatte nie ein größerer Monarch auf dem englischen Thron gesessen. Und so etwas sagten sie von einer Frau!
Sie konnten sich nicht einig werden, wie sie mich nennen sollten. Deswegen kam es im Kuppelsaal zu einer Szene.
Mein Onkel, der Prinzregent, empfand eine immer heftigere Abneigung gegen meine Mutter, genau wie Onkel William. Unsere Mutter neigte laut Feodora zu der Ansicht, das könne nur daran liegen, daß sie jung und gesund sei, die beiden Onkel dagegen altersschwache Greise, die nicht mehr hoffen durften, gesunde Nachkommen in die Welt zu setzen. Dem Prinzregenten mißfiel sogar die Art und Weise, in der sich meine Mutter kleidete. Sie trug mit Vorliebe Kleider aus raschelnder Seide, mit Rüschen besetzt, dazu möglichst noch eine Federboa. Für den Prinzregenten war das ein Zeichen für ihren schlechten Geschmack in Modefragen. Was Geschmacksfragen anging, galt er im Königreich trotz seiner sonstigen Unzulänglichkeiten als vorbildlich und über jeden Tadel erhaben. Die in den Augen meiner Mutter ungerechtfertigte Antipathie ließ sich nicht aus der Welt schaffen.
Feodora erzählte mir, hinsichtlich meines Namens habe es ernsthafte Unstimmigkeiten gegeben. Nach reiflicher Überlegung kamen meine Eltern zu dem Schluß, mich Georgiana zu nennen. Schon dreimal hatte ein Georg auf dem Thron gesessen. Sicher würde es irgendwann auch einen vierten geben. Ich sollte auch auf den Namen Charlotte getauft werden – nach der Prinzessin, der ich sozusagen mein Dasein verdankte. Außerdem sollte ich auch noch Augusta Alexandrina heißen (nach dem Zaren), und schließlich noch Victoria nach meiner Mutter.
Es entsprach der höfischen Etikette, dem Herrscher die Namen zwecks Genehmigung vorzulegen. Sicher hegte der Prinzregent mir gegenüber großes Mißtrauen. Für einen Herrscher ist die Allgegenwart des Thronfolgers gewiß nicht angenehm. Er muß das Gefühl gehabt haben, schon mit einem Fuß im Grab zu stehen. Dieses Gefühl bleibt keinem Monarchen erspart, und schon gar nicht so einem fettleibigen, den außer der Gicht noch alle möglichen anderen Leiden plagen und der sich verzweifelt bemüht, jugendlich zu wirken und ansehnlich wie in jungen Jahren.
Meine Eltern ahnten schon, daß es Ärger geben würde; denn am Abend vor der Zeremonie ließ der Prinzregent sie wissen, daß der Name Georgiana keinesfalls vor dem des russischen Zaren rangieren dürfe, aber auch nicht danach.
Ich konnte mich dreier sehr vornehmer Taufpaten rühmen. Der wichtigste war der russische Zar Alexander L; die zweite war meine Tante Charlotte, Königin von Württemberg und Princess Royal von England. Meine dritte Taufpatin war meine Großmutter mütterlicherseits, die Herzogin von Sachsen-Coburg-Saalfeld. Diese illustren Taufpaten waren jedoch nicht persönlich zugegen. Mein Onkel, der Herzog von York, und meine Tanten, Prinzessin Augusta und die Herzogin von Gloucester, vertraten sie.
Als der Prinzregent endlich eintraf, gab es Ärger. Ich kann mir die Animosität, die zwischen ihm und meiner Mutter aufflammte, lebhaft vorstellen.
Der Erzbischof stand wartend da, mit mir im Arm. Er bat den Prinzregenten, ihm meinen ersten Vornamen zu nennen.
»Alexandrina«, gab der Prinzregent bekannt, dann legte er eine Pause ein.
Der Erzbischof sah ihn fragend an.
»Charlotte«, flüsterte mein Vater.
Doch der Prinzregent schüttelte indigniert den Kopf.
»Augusta?«
»Auf keinen Fall«, widersprach der Prinzregent. »Sie soll Alexandrina Victoria heißen. Victoria nach ihrer Mutter.«
Meine Mutter bebte vor Zorn, mein Vater war völlig konsterniert. Ich, die ich im Kuppelsaal auf viele illustre Namen getauft werden sollte, wie es sich für die künftige Königin geziemte, mußte mich mit zwei Vornamen begnügen.
Der Prinzregent hatte meine Eltern für ihren ›Dünkel‹ büßen lassen. Er hielt sie für vermessen. Noch weilte er unter den Lebenden, und er hoffte offensichtlich, daß einer seiner Brüder den Thronfolger zeugen würde. Seine Animosität gegen meine in seinen Augen aufgetakelte Mutter kannte keine Grenzen. Ich, das rundliche, kerngesunde Baby, bekam das alles noch nicht mit. Ich freute mich des Lebens und scherte mich noch nicht darum, ob ich einmal den Thron besteigen würde oder nicht.
Wir waren arm, mein Vater hatte Schulden. Die Begleichung dieser Schulden war auch ein Grund für seine Eheschließung, wenn auch nicht der Hauptgrund.
Wie nicht anders zu erwarten, half der liebe gute Onkel Leopold, der Bruder meiner Mutter, der mir später so unendlich viel bedeutete. Er war der hingebungsvolle Gatte von Prinzessin Charlotte gewesen. Er hatte es verstanden, sie ganz für sich zu gewinnen und sie so bewundernswert zu leiten, daß man ihn in England sehr zu schätzen wußte, wenn er auch den Prinzregenten und Onkel William nicht für sich einnehmen konnte. Onkel Leopold zeigte sich bei allem, was er tat, durch und durch rechtschaffen. Menschen ohne dieses unbedingte Ehrgefühl brachten einem Mann wie Onkel Leopold nicht unbedingt Sympathie entgegen.
Onkel Leopold hatte Claremont behalten, wo er mit Prinzessin Charlotte so glücklich gewesen war. Aufgrund unserer traurigen Finanzlage ließ er uns dort wohnen.
Als ich älter wurde, freute ich mich immer sehr auf die Besuche in Claremont. Für eine königliche Residenz war Claremont nicht groß, doch Onkel Leopold erzählte mir, wie begeistert Charlotte von Claremont gewesen war. In ihren Augen war es die ideale Umgebung für ein glücklich verheiratetes Paar. Dort konnten sie einfach und in Freuden leben. Mir gefiel es auch sehr – vor allem, weil es Onkel Leopold gehörte und mir an ihm einfach alles gefiel. Wahrscheinlich habe ich immer einen Mann gebraucht, der in meinem Leben die erste Stelle einnahm, als Kind einen Vater und später einen Gatten. Er mußte immer für mich da sein; denn obwohl ich sehr gebieterisch und bestimmt auftrat und ganz sicher war, daß ich einmal den Thron besteigen würde, wollte ich mich doch auch immer führen lassen. Dieser Wunsch hat sich erfüllt.
Wir zogen also nach Claremont, wo uns Onkel Leopold begrüßte. Aufgeregt lief ich durch die großen Räume im Erdgeschoß, acht an der Zahl, wenn ich mich nicht irre. Onkel Leopold erzählte mir, was er und Charlotte in den einzelnen Räumen gesagt und getan hatten. Bei dem Gedanken daran vergossen wir beide Tränen. Onkel Leopold brach oft in Tränen aus. Das bewies mir, was für ein gefühlsbetonter Mann er war.
Meine Mutter konnte nicht verwinden, was mir bei der Taufe widerfahren war. Es schockierte sie, daß ich nur zwei Namen hatte, zu allem Unglück auch noch Namen, die in England nicht sonderlich bekannt waren. Alexandrina war eindeutig ein ausländischer Name. Damals wurde ich Drina genannt, Victoria erst später.
Wir bekamen die Ressentiments der Onkel – in erster Linie durch Cumberland – zu spüren. Cumberland hatte zwar einen Sohn, doch ich kam vor ihm. Natürlich zürnte uns auch Onkel William, denn die Anstrengungen seiner Frau, ein Kind zur Welt zu bringen, verliefen im Sande. Die gespannte Atmosphäre hatte sich durch die Eheschließungen keineswegs gebessert. Die Vorgänge erinnerten an ein Wettrennen. Den Prinzregenten widerte das mehr als alle anderen an. Ihm kam es vor, als warteten alle sehnsüchtig auf seinen Tod.
Da wir nicht über die nötigen Mittel verfügten, überlegten meine Eltern, ob das Leben in Deutschland nicht billiger sei als in England. Sie erwogen einen Umzug. Es erschien ihnen angebracht, bis dahin ein Haus am Meer zu mieten. Sie meinten, dadurch hielten sich die Unkosten in Grenzen, und die Seeluft täte uns allen, vor allem aber mir, dem Baby Drina, gut.
Auf dem Weg zur Küste machten wir in Salisbury Station. Mein Vater besichtigte die Kathedrale an einem bitterkalten Tag. Dabei erkältete er sich. Bei unserer Ankunft in Sidmouth hatte sich sein Zustand noch immer nicht gebessert.
Es kam zu einem erschreckenden Vorfall, der mich leicht das Leben hätte kosten können. Ein Pfeil durchschlug das Fenster, als ich in der Wiege lag, und sauste so dicht an mir vorbei, daß er den Ärmel meines Nachthemds durchbohrte. Wie durch ein Wunder blieb ich unverletzt. Es hieß, die Vorsehung habe es gut mit mir gemeint. Ich kann mir gut vorstellen, daß alle maßlos erschrocken sind. Später stellte sich heraus, daß ein übermütiger Junge den Pfeil abgeschossen hatte. Er behauptete, er habe nur Krieg spielen wollen und nichts Böses im Sinn gehabt.
Währenddessen verschlechterte sich der Gesundheitszustand meines Vaters. Nach einer Woche war aus der Erkältung eine Lungenentzündung geworden. Er mußte das Bett hüten. Onkel Leopold kam mit dem jungen Dr. Stockmar, zu dem er großes Vertrauen hatte, nach Sidmouth geeilt, doch bald stellte sich heraus, daß mein Vater nicht überleben würde.
Das war für alle ein unfaßbarer Schock; denn von all seinen Brüdern war er immer der gesündeste gewesen.
Der Gedanke, uns verlassen zu müssen, machte ihm am meisten zu schaffen. Er hatte große Hoffnungen darauf gesetzt, mich auf den Thron vorzubereiten und entsprechend zu erziehen. In seiner Not wandte er sich natürlich an Onkel Leopold.
Meine Mutter erzählte mir später von dieser schweren Zeit. Sie hatte die Familie ihres Mannes immer abgrundtief gehaßt und ihre eigene zärtlich geliebt. Als ich noch klein war, betrachtete ich die Angehörigen meines Vaters als wahre Ungeheuer, meine Verwandten in Sachsen-Coburg hingegen als Engel.
»Da saßen wir nun in diesem kleinen Haus in Sidmouth fest«, erzählte mir meine Mutter, »und Vater war gestorben. Was sollte aus uns werden? Claremont gehörte uns ja nicht. Der gute Onkel Leopold hatte es uns nur zur Verfügung gestellt. Ich geriet in Panik. Nur ein Trost war mir geblieben. Dein Vater hatte mich zu deinem alleinigen Vormund bestimmt, was für sein Vertrauen zu mir spricht. Seine letzten Worte waren: ›Vergiß mich nicht.‹ Daran siehst du, daß er bis zum letzten Augenblick an mich gedacht hat.«
Wir weinten beide, und ich hätte viel darum gegeben, ihn bewußt erlebt zu haben.
»Daß er so jung sterben mußte! Seine Haare und sein Bart waren noch nicht einmal ergraut. So jung ... im besten Mannesalter ... und wird so urplötzlich dahingerafft ...«
Dramatische Szenen lagen Mama sehr, doch obwohl sie weinte, fragte ich mich hinterher, ob sie wirklich so starke Gefühle für meinen Vater hegte und um ihn trauerte. Sie war stets darauf bedacht, ihren Willen durchzusetzen, wenn sie Sir John Conroy auch ein wenig nachgab. Es hieß, Sir John sähe meinem Vater ähnlich. Vielleicht hielt meine Mutter deshalb so große Stücke auf ihn.
Mama schilderte mir ihr elendes Dasein. Verwitwet, kaum Geld zur Verfügung und in einem fremden Land, dessen Sprache sie kaum sprach.
»Es bestand kaum Hoffnung, daß die Familie deines Vaters mir helfen würde«, schnaubte sie verächtlich. »Allerdings hatte mir das geizige Parlament für den Fall, daß ich Witwe würde, sechstausend Pfund im Jahr zugesagt – ein Jahr, bevor du geboren wurdest. Das Parlament hat bestimmt nicht damit gerechnet, diese Apanage schon so bald zahlen zu müssen.«
»Aber Mama«, warf ich ein, »wir sind doch auch im Kensington Palast untergebracht worden.«
»Ja, man hat uns ein paar jämmerliche Räume zur Verfügung gestellt«, gab sie zurück. »Da saß ich dann und wußte kaum, wovon ich leben sollte. Die Schulden deines Vaters lasteten auf mir. Natürlich werde ich alles daransetzen, sie irgendwann zu begleichen.«
Sehr edelmütig, dachte ich. Sicher war sie ein guter Mensch, doch ich hätte viel darum gegeben, wenn ihr die Angehörigen meines Vaters nicht so verhaßt gewesen wären.
»Eigentlich wollte ich zurück nach Deutschland«, fuhr sie fort, »doch Onkel Leopold war strikt dagegen. ›Als Thronanwärterin muß das Kind in England bleiben. Sie muß Englisch sprechen, und zwar ausschließlich Englisch. Sie muß Engländerin sein. Auf Ausländer sind die Engländer nicht erpicht. Also blieben wir. Der gute Onkel Leopold hat so viel aufgegeben, um bei uns zu bleiben. Ich weiß gar nicht, was ich ohne ihn getan hätte. Du kannst dich glücklich schätzen, daß du so einen Onkel und so eine Mutter hast, die für dich sorgen.«
Ich dachte dabei eher an Onkel Leopold, denn ich befand mich bereits in der Phase, in der ich mich von meiner Mutter löste.
»Er sorgt sich so um dich und deinen Cousin Albert, der auch allen Grund hat, ihm dankbar zu sein.«
»Ich hoffe, daß ich Albert eines Tages kennenlerne.«
»Dafür wird Onkel Leopold schon sorgen.«
Offenbar hatte mein Vater Sir John Conroy zu seinem Testamentsvollstrecker bestimmt. Mit zunehmendem Alter gelangte ich zu der Überzeugung, daß er damit keine gute Wahl getroffen hatte.
Meine Mutter verließ sich voll und ganz auf ihn. Sie pflegte zu sagen, daß sie kaum Freunde habe, doch solange ihr Onkel Leopold und Sir John Conroy zur Seite stünden, könne sie es mit dem ganzen feindseligen Land aufnehmen, in dem sie meinetwegen leben müsse.
Meine beiden Tanten väterlicherseits, Prinzessin Sophia und die Herzogin von Gloucester, versuchten sich mit meiner Mutter anzufreunden. Sie waren allerdings schon alt. Sophia hatte nie geheiratet. Die Kinder von George III. waren so merkwürdig erzogen worden, daß sie immer wieder Skandale heraufbeschworen. Mein Großvater hatte keiner seiner Töchter erlaubt zu heiraten. Er hatte sie sehr geliebt, zu sehr. Der arme Großvater! Er muß schon lange verrückt gewesen sein, bevor es offenkundig wurde. Jedenfalls wollte sich Tante Sophia mit meiner Mutter aussöhnen und auch Tante Mary, die Silly Billy Gloucester ziemlich spät zum Mann genommen hatte.
Auch Adelheid, zu der Zeit Herzogin von Clarence, fühlte sich zu meiner Mutter hingezogen, doch Mama betrachtete die Clarences als Feinde und mißtraute Adelheid. Ich lernte sie später als Königin als einen der liebsten Menschen kennen, den man sich vorstellen kann. Doch gegen Mamas Voreingenommenheit war kein Kraut gewachsen. Daß sie keine Freunde hatte, lag an ihr.
Neun Tage nach dem Tod meines Vaters verstarb mein armer Großpapa – blind und zuletzt nicht mehr bei Sinnen. Der Prinzregent bestieg den Thron als König George IV.
Rückblickend fällt es mir schwer, zwischen dem zu unterscheiden, woran ich mich selbst noch erinnere und was man mir erzählt hat. An manches erinnere ich mich jedoch noch klar und deutlich, so auch an den Besuch in Windsor und mein Zusammentreffen mit dem König.
Ich spielte mit meinen Puppen und unterhielt mich mit Feodora. Ich liebte meine Schwester sehr, war ganz vernarrt in sie. Feodora war sehr hübsch und zwölf Jahre älter als ich.
Deshalb kam sie mir sehr erwachsen vor. Ich war zu der Zeit etwa sieben, sie muß also neunzehn Jahre alt gewesen sein. Mein Halbbruder Charles war drei Jahre älter als Feodora, doch er kümmerte sich in Leiningen um seine Besitztümer. Hin und wieder kam er jedoch auch nach England. Feodora hingegen lebte ständig bei uns, und ich glaube, sie hing ebenso an mir wie ich an ihr.
Auch sie interessierte sich für meine Puppen, fast so sehr wie Lehzen. Lehzen fand sie wunderschön. Da bei ihr alles auch von erzieherischem Wert sein und mich etwas lehren mußte, wies sie mich darauf hin, daß die Puppen historische Gestalten waren. Natürlich besaß ich auch Königin Elizabeth als Puppe. ›Die große Königin‹, nannte Lehzen sie.
Tante Adelheid, die mir ihre Zuneigung nicht verhehlte, schenkte mir eine wunderschöne Puppe. Sie war größer als alle anderen Puppen und so prächtig gekleidet, daß Lehzen meinte, wir bräuchten nichts für sie zu nähen und sie nicht umzuziehen. Neben meinen historischen Puppen besaß ich nun auch eine Puppe, die ich einfach ›die große Puppe‹ nannte. Sie hat mich immer an Tante Adelheid erinnert.
Feodora erzählte, das Kleid von Königin Elizabeth habe einen kleinen Riß. Das wußte ich. Den Riß hatte ich selbst verursacht, als ich allzu rauh mit der Puppe umgegangen war. Kurz zuvor hatte ich nämlich erfahren, daß man nach dem Tod von Königin Elizabeth dreitausend Kleider bei ihr fand. Das erschien mir übermäßig viel. Sie mußte wohl sehr eitel gewesen sein. Der Riß im Kleid geschah ihr recht.
Mama erschien, um uns etwas mitzuteilen. Normalerweise ließ sie uns zu sich kommen, und wir mußten ehrerbietig vor ihr knicksen. Uns mußte stets gegenwärtig sein, wie sie sich für uns aufopferte und was sie alles für uns tat.
Doch da es sich um etwas sehr Wichtiges handelte, ließ sie die Formalitäten ausnahmsweise außer Acht.
»Endlich hat sich dieser Mann dazu herabgelassen, uns nach Windsor einzuladen«, verkündete sie uns.
Ich wußte, daß sie vom König sprach, der in Windsor lebte.
»Ich schwanke noch, ob ich die Einladung annehmen soll, aber ...« fuhr Mama fort.
Selbstverständlich gedachte sie die Einladung anzunehmen. Mir war nicht entgangen, wie sie sich darüber ärgerte, daß die Einladung erst jetzt erfolgte.
»Nachdem er sich ja nun König nennt, ist es wohl ...«
»Halten ihn die Leute denn nicht für den König?« fragte ich in aller Unschuld.
»Merk dir endlich, daß man denjenigen, der redet, nicht unterbrechen darf, und schon gar nicht mit so dummen Fragen«, ermahnte mich meine Mutter. »Wir fahren nach Windsor. Ich werde darauf bestehen, daß man uns mit dem nötigen Respekt behandelt. Ich möchte dich mit hocherhobenem Kopf bei Hofe sehen. Hast du deine Stechpalmenkette getragen?«
»Ja, Mama. Aber ich glaube, ich brauche sie nicht mehr.«
»Da bin ich anderer Meinung. Ich entscheide, wann du die Kette ablegst.«
Es ging um den Stechpalmenzweig, den ich an einer Kordel um den Hals zu tragen pflegte, damit ich den Kopf hochhielt. Tat ich das nämlich nicht, so kam mein Kinn mit den Stechpalmenspitzen in Berührung. Das stach ganz fürchterlich.
In Wahrheit war Mama verärgert, weil sie den König nicht mochte, doch andererseits freute sie sich, daß die Einladung nach Windsor endlich ausgesprochen worden war.
Sie sah ihre ältere Tochter an und sagte: »Du begleitest uns, Feodora.«
»Der Besuch wird dir gefallen«, wandte sich Feodora an mich.
»Ja, vor allem, wenn du auch dabei bist.«
Meine Mutter beruhigte sich etwas. Es freute sie, daß wir uns so mochten.
»Schön«, meinte sie, »dann will ich Pläne machen. Victoria, du darfst nicht vergessen, dich untadelig zu benehmen, damit du über jegliche Kritik erhaben bist. Der König legt den allergrößten Wert auf gute Manieren, das muß man ihm zugutehalten. Die Leute werden dich nicht aus den Augen lassen.«
Das machte mich schon von vornherein nervös. Aber Feodora drückte mir tröstend die Hand, und ich dachte voller Zuversicht, wenn sie dabei ist, wird schon alles gutgehen.
Daß dies ein wichtiges Ereignis war, stand außer Frage. Lehzen wollte mich darauf vorbereiten.
»Du wirst staunen, wenn du den König siehst«, gab sie mir zu verstehen. »Er ist schon ziemlich alt.«
»Ja, Lehzen, das weiß ich. Mama betont das immer.«
Lehzen drohte in Panik zu geraten. »Hüte deine Zunge, Kind. Du mußt auf deine Worte achten. Am besten sprichst du nur, wenn sich der König mit dir unterhält. Antworte nur auf seine Fragen.«
Wieder kam ein ungutes Gefühl in mir auf.
»Mach dir keine Sorgen«, beruhigte mich Feodora. »Sag einfach, was dir am natürlichsten erscheint. Es wird schon in Ordnung sein.«
Die gute Feodora! Sie verstand es, mich zu trösten.
In der Kutsche auf dem Weg nach Windsor gab mir Mama noch die letzten Anweisungen. »Hoffentlich hast du den Hofknicks hinreichend geübt. Und denk dran, ernst zu sein. Du darfst um keinen Preis so vulgär lachen, wie du es in letzter Zeit immer getan hast. Dabei sieht man dein Zahnfleisch. Lächle, indem du die Mundwinkel leicht nach oben ziehst. Und vergiß nicht, daß er zwar der König ist, du aber auch von königlichem Geblüt bist.«
»Ja, Mama, ich werde bestimmt an alles denken ...«
In Wahrheit hörte ich ihr gar nicht zu. Verzückt betrachtete ich die Landschaft und fragte mich, was mein Onkel, der König, wohl für ein Mensch sein mochte und warum alle Leute zu erstarren schienen, wenn die Rede auf Lady Conyngham und ihre Familie kam. Sie lebten offensichtlich auch in Windsor. Ich würde Lehzen, Spath oder Feodora danach fragen. Wie schön, eine soviel ältere Schwester zu haben, die schon so gut wie erwachsen war, aber doch noch nicht ganz erwachsen.
Ich griff nach ihrer Hand. Sie sah mich liebevoll an.
In diesem Augenblick erreichten wir Schloß Windsor.
Der große Augenblick war da. Ich bekam den König zu Gesicht.
Mein Blick fiel auf eine so riesenhafte Gestalt, daß selbst der ausladende, reichverzierte Sessel, in dem er saß, zu klein für ihn erschien. Der Anblick reizte mich zum Lachen, doch ich beherrschte mich und machte den tiefsten Hofknicks, den ich je gemacht hatte. Den hatte ich immer wieder geübt, seit ich wußte, daß ich ihm vorgestellt werden sollte.
»So, das ist also Victoria.« Seine Stimme klang sanft und melodisch. »Komm her, mein liebes Kind.«
Ich trat also vor ihn hin und sah zu ihm auf. Das Halstuch reichte ihm bis ans Kinn. Seine Wangen schienen unaufhörlich zu erbeben. Der rosige Teint und seine Lockenpracht beeindruckten mich sehr. Er hat auch so manches Schöne an sich, ging es mir durch den Kopf.
Auch der König sah mich eindringlich an, während ich ihn in Augenschein nahm.
Schließlich sagte er: »Gib mir deine kleine Pfote.«
Pfote! Was für eine seltsame Bezeichnung für die Hand. Das kam mir so komisch vor, daß ich Mamas Warnungen in den Wind schlug und lachte.
Er umschloß meine Hand mit seiner großen bleichen Hand, an der zahlreiche Ringe funkelten und glitzerten.
Da er in mein Gelächter einfiel, war er mir wenigstens nicht böse.
»Was für eine hübsche kleine Pfote«, sagte er und wandte sich an die Dame, die hinter seinem Sessel stand: eine schöne Dame, wenn auch ziemlich korpulent, doch nicht entfernt so dick wie der König. Vielleicht beruhte ihre Wirkung auf ihrer prächtigen Gewandung. »Meine Liebe, heb sie hoch«, wandte sich der König an die Dame. »Ich möchte Victoria ganz aus der Nähe sehen.«
So landete ich auf dem Schoß des Königs, wo ich so bequem wie auf einem Kissen saß. Was für ein Gefühl, ihn ganz aus der Nähe zu sehen! Seine rosig überhauchten Wangen faszinierten mich ebenso wie sein schönes lockiges Haar. Diese Lockenpracht war eines jungen Mannes würdig. Ansonsten sah der König mit seinen Tränensäcken eher wie ein alter Mann aus.
Warum haßte Mama diesen freundlichen Mann mit der schönen Stimme nur so?
»Schön, daß du zu mir gekommen bist«, freute sich der König.
»Mama hat es mir befohlen«, sagte ich. Aber das hörte sich womöglich an, als sei ich nur gezwungenermaßen hergekommen. Deshalb fügte ich noch schnell hinzu: »Ich hatte ja solche Angst, weil ich hier auf so vieles achten muß. Hoffentlich mache ich nichts falsch.«
Da lachte er. Es war ein liebenswertes Lachen. »Meine liebe kleine Victoria, in meinen Augen kannst du gar nichts falsch machen, was du auch tust«, tröstete er mich.
»Aber manchmal mache ich wirklich etwas falsch ...«
»Das geht doch wohl allen Menschen so.«
»Dir auch, Onkel König?«
Da, nun war es mir herausgerutscht! Mama hatte das bestimmt mitangehört. Später würde sie mir die Leviten lesen.
Mein Onkel schien mir den Ausrutscher gar nicht zu verübeln. Lächelnd meinte er: »Ja, auch dein Onkel König macht zuweilen Fehler.«
»Eigentlich hätte ich Eure Majestät sagen müssen.«
»Du wirst es kaum glauben, aber Onkel König gefällt mir entschieden besser.«
Ich atmete erleichtert auf. Es gefiel mir immer besser, auf seinem Schoß zu sitzen. Mein Onkel war ganz anders, als ich erwartet hatte.
»Du siehst so zufrieden aus«, konstatierte er. »Ich glaube, dir gefällt es hier bei mir, und du hast festgestellt, daß dein Onkel gar nicht so ein altes Scheusal ist, wie man dir eingeredet hat.«
Ich nickte hocherfreut. Er hatte mich durchschaut.
Er hatte es sich in den Kopf gesetzt, mir etwas zu schenken, damit ich den Tag nicht vergaß, an dem wir uns kennengelernt hatten. Daher bat er die korpulente Dame: »Bring es mir, meine Liebe.«
Sie brachte die brillantgefaßte Miniatur eines wunderschönen jungen Mannes.
»Ach, ist das hübsch!« rief ich. »Was für ein gutaussehender junger Mann!«
»Erkennst du ihn denn nicht?«
Ich sah ihn entgeistert an.
»Nun ja, ich habe mich wohl sehr verändert, seit die Miniatur gemalt wurde«, gestand der König traurig ein.
Da ging mir ein Licht auf. Ich sah mir die Miniatur genau an und entdeckte eine sehr entfernte Ähnlichkeit zwischen der Miniatur und meinem gütigen alten Onkel König.
»Das bist ja du, Onkel König«, sagte ich. »Ich habe dich nicht gleich erkannt, weil die Miniatur so winzig ist und du jetzt nicht mehr ganz so schlank bist.«
Das kam zwar etwas spät, aber er schien es mir nicht zu verübeln.
Er wandte sich an die korpulente Dame. »Steck ihr die Miniatur ans Kleid, meine Liebe.«
Tief befriedigt betrachtete er sein Geschenk. »So, das hätten wir. Die Miniatur soll dich an diesen Tag erinnern.«
»Diesen Tag vergesse ich nie ... bis an mein Lebensende nicht.«
»Du bist wirklich ein sehr nettes kleines Mädchen«, sagte er. »Jetzt habe ich dir etwas geschenkt. Was schenkst du mir denn?«
Ich überlegte angestrengt. Vielleicht eine meiner Puppen?
»Ich hätte gern einen Kuß«, bat er.
Das kam mir sehr gelegen. Mein Onkel beugte sich vor. Da schlang ich ihm die Arme um den Hals und drückte ihm zwei Küsse auf die Wange. Ich hatte mich so vor dem Besuch gefürchtet, und dann war wider Erwarten alles glatt gegangen. Ich fühlte mich sehr wohl bei meinem Onkel. Sicher hatte ich ihm damit weh getan, daß ich ihn auf der Miniatur nicht gleich erkannte. Vielleicht konnte ich diesen Schmerz mit meinen Küssen lindern.
Niemand sagte ein Wort. Sicher hatte ich etwas Schreckliches getan. Mama würde mir Vorhaltungen machen und behaupten, ich hätte mich vulgär benommen. Lehzen würde beleidigt sein, weil ich ihr Schande gemacht hatte. Und der König war bestimmt furchtbar aufgebracht. Er würde sagen, ich hätte es an Respekt fehlen lassen. Was hatte ich nur angerichtet? So verhielt man sich doch nicht einem König gegenüber.
Angstvoll sah ich zu ihm auf. Zu meiner Verwunderung hatte er Tränen in den Augen. In diesem Augenblick erschien er mir viel liebenswerter als der junge Mann auf der Miniatur. Er schloß mich in die Arme und drückte mich fest an sich. Ich kam mir vor wie in einem Bett mit Daunendecke.
»Du bist ein liebes kleines Mädchen. Du hast mir viel Freude gemacht«, sagte er gerührt. Dann gab er mir einen Kuß.
Da hatte er mich endgültig für sich eingenommen. Ich schloß ihn fest ins Herz.
Nach der Audienz begaben wir uns in unsere Gemächer in Cumberland Lodge. Onkel König ging mir nicht aus dem Kopf. Mama ließ sich nicht über mein Benehmen aus, wirkte nur sehr nachdenklich.
Ich konnte es kaum erwarten, mit Feodora allein zu sein, um sie nach ihren Eindrücken zu fragen. Als sie dem König vorgestellt worden war, hatte er kein Geheimnis daraus gemacht, daß sie ihm gefiel. Sie hatte neben ihm gesessen, und er hatte sie in ein ausführliches Gespräch verwickelt. Er mußte ihr wohl auch gefallen haben. Man mußte ihn einfach mögen. Sein Charme und seine Liebenswürdigkeit nahm alle für ihn ein.
Lehzen saß wieder bei mir, bis Mama zu Bett ging. Ich hüllte mich in Schweigen und dachte über die Audienz nach.
»Was für ein aufregender Tag!« sagte Mama. »Endlich bist du dem König vorgestellt worden.«
Jetzt kommt das große Strafgericht, dachte ich bei mir. Jetzt hält sie mir mein schändliches Benehmen vor.
Doch Mama sagte nur: »Der König war heute wirklich gut gelaunt. Trotzdem darfst du keinesfalls vergessen, daß er nicht einfach nur dein Onkel, sondern der König ist.«
»Ich denke dran.«
»Manchmal benimmt er sich nämlich ganz und gar nicht wie ein König.«
»Ich fand ihn furchtbar nett. Er hat so schönes Haar und schöne rosige Wangen, obwohl er schon sehr alt ist.«
»Das täuscht, mein Kind. Das Haar ist nicht sein eigenes. Er trägt eine Perücke, und seine Wangen sind geschminkt.«
»Trotzdem hat er sehr nett ausgesehen«, setzte ich mich für ihn ein. »Und wenn seine Locken auch nicht echt waren, so war es seine Liebenswürdigkeit doch ganz bestimmt.«
Mama zog es vor, sich dazu nicht zu äußern. Sie forderte mich nur mit ernster Miene auf: »Wenn er dir irgendeinen Vorschlag macht, mußt du mir das sofort sagen.«
»Was denn für einen Vorschlag, Mama?«
»Anscheinend hast du ihm gefallen.«
»Ja, er hat mich sein liebes kleines Mädchen genannt.«
»Sollte er dich jemals fragen, ob du gern in Windsor leben möchtest, mußt du mir das sofort sagen.«
In Windsor leben, den König täglich sehen, im Park ausreiten ...
»In Windsor leben!« rief ich aufgeregt.
»Es kann sein, daß dich der König mir wegnehmen will, um dich bei sich in Windsor zu behalten. Das will ich dann sofort wissen.«
»Aber warum, Mama?« fragte ich verständnislos. »Warum sollte er das tun?«
Darauf erhielt ich keine Antwort. Sie gab mir einen Gutenachtkuß und sagte: »Schlaf jetzt.«
Natürlich fand ich keinen Schlaf. Jedenfalls nicht sofort, sondern erst viel später. Man kann doch nicht auf Befehl einschlafen.
Das war erst der Anfang. Feodora erzählte mir, der König habe sich danach erkundigt, was ich gernhabe. Sie hatte ihm von meiner Musikliebe erzählt und von meiner Begeisterung fürs Tanzen. »Dann soll zum Tanz aufgespielt werden«, hatte er erklärt. »Wir wollen um jeden Preis, daß sich die kleine Victoria gut amüsiert.«
Bei einer Veranstaltung im Konservatorium saß ich neben dem König. Die Tänzer bewegten sich so graziös, daß ich nicht an mich halten konnte und begeistert klatschte. Dem Gesang lauschte ich wie verzaubert. Der König sah mich immer wieder lächelnd von der Seite an. Mama war es sicher peinlich, daß ich meine Begeisterung so offen zur Schau stellte, doch gerade das schien dem König an mir zu gefallen. Was Mama mißfiel, machte ihm offenbar besondere Freude.
Mich mag er, sagte ich mir, aber Mama kann er nicht leiden.
Der König beugte sich zu mir hinunter und forderte mich auf: »Möchtest du das Orchester nicht bitten, dein Lieblingslied zu spielen?«
»Ja, gern«, erwiderte ich.
»Was möchtest du denn hören?«
Ich liebte ihn, weil er so freundlich zu mir war und ich bei ihm so ganz ich selbst sein durfte.
»God Save the King«, sagte ich daher. »Das ist ein schönes Lied.«
Der König sah mich ganz sonderbar an und sagte: »Du bist wirklich ein liebes kleines Mädchen. Ich danke dir.«
Dann rief er laut: »Prinzessin Victoria möchte das Orchester bitten, etwas für sie zu spielen. Sag es, meine Liebe.«
Da erhob ich mich und sagte laut und deutlich: »Spielen Sie bitte ›God Save the King‹.«
Die Leute lächelten erfreut und klatschten. Ich hörte jemanden flüstern: »Sie ist ja schon eine perfekte kleine Diplomatin.« Was das wohl bedeutete?
Am nächsten Tag stand ein Besuch im Zoo auf dem Programm. Mit das Schönste an dem Tag war die Tatsache, daß Mama nicht mit von der Partie war. Sie war nicht eingeladen. Der König konnte sich wohl denken, daß ich heilfroh war, ihren kritischen Blicken einmal zu entfleuchen. Da mir so leicht nichts entging, hatte ich bald erkannt, daß der König mich zwar mochte, Mama aber ganz und gar nicht. Das ließ er sie auch deutlich spüren, wann immer sich das machen ließ.
Nach meiner Heimkehr durchlöcherte mich Mama mit Fragen. Alles und jedes wollte sie wissen. Wer dabeigewesen war, worüber gesprochen worden war etc. Es nahm und nahm kein Ende. Ein richtiges Verhör. Währenddessen hing ich glücklich den Erinnerungen an diesen herrlichen Tag nach, an dem ich mich endlich einmal nicht beaufsichtigt und bevormundet gefühlt hatte.
Am nächsten Tag gingen Mama und ich mit Lehzen auf Virginia Water zu. Da hörten wir die Räder einer Kutsche. Mama zog mich an den Straßenrand. Eine leichte, vierrädrige offene Kutsche kam – von zwei Pferden gezogen – im Eiltempo auf uns zu und hielt neben uns. In der Kutsche saß der König mit meiner Tante Mary.
Er ließ sich über diesen schönen Tag aus, während er mich lächelnd ansah.
»Stopf sie rein«, bat er den Kutscher in der prächtigen silbernen und blauen Uniform. Der sprang rasch vom Kutschbock, hob mich hoch und setzte mich zwischen den König und Tante Mary in die Kutsche.
»Weiterfahren!« rief der König, und die Kutsche fuhr an. Mama war sicher davon überzeugt, daß der König mich entführen wollte, was diesen wiederum diebisch freute.
So schnell war ich noch nie gefahren. Ein herrliches Gefühl, so dahinzusausen. Ich war überglücklich.
»Na, wie gefällt dir das?« rief mir der König zu und griff nach meiner Hand.
»Das macht Spaß!« schrie ich. Mir wurde klar, daß ich jetzt schreien konnte, wann immer mir danach zumute war, und sagen konnte, was mir gerade einfiel.
Der König schien sich gern mit mir zu unterhalten. Tante Mary beteiligte sich auch an dem Gespräch. Ich spürte, daß auch sie mich mochte. Mit dem König konnte ich über alles reden, was mir am Herzen lag – über mein geliebtes Pony Rosy, über meinen Unterricht, das verhaßte Rechnen und das Fach Geschichte, das mir Freude machte, weil meine Erzieherin, Baronin Lehzen, es so interessant zu gestalten wußte.
Das schien den König alles sehr zu interessieren. Da vertraute ich ihm auch noch an, daß ich am allerliebsten sang und tanzte.
Er hatte so gar nichts von einem König an sich. Wie er sich darauf verstand, Leute nachzuahmen! Manche erkannte ich sogar.
»Nie hätte ich gedacht, daß es so lustig sein kann, sich mit einem König zu unterhalten«, sagte ich begeistert.
»Leider halten viele Leute nicht besonders viel vom König, und ein König hat es ganz besonders schwer, die Zuneigung des Volkes zu gewinnen. Allen kann man es nicht recht machen, so sehr man sich auch bemüht.«
Wir fuhren zum Fischteich des Königs. Dort stiegen wir aus der Kutsche in ein großes Boot um. Wichtige Leute erwarteten uns schon. Der König stellte mich allen vor, so auch dem Herzog von Wellington, von dem mir Lehzen schon so viel erzählt hatte. Der Held von Waterloo spielte in der Geschichte unseres Landes eine große Rolle. Wirklich ein bedeutender Mann, doch er gefiel mir nicht. Er gab sich sehr herablassend, als müsse er alle ständig daran erinnern, was für ein großer Mann er war. Besonders hochgewachsen war er nicht, dafür aber ziemlich mager. Er hatte eine Hakennase und schien durch einen hindurchzusehen, was mir nicht behagte. Der König schien ihn aber sehr zu mögen. Zumindest hatte er Respekt vor ihm. Wahrscheinlich wegen Waterloo.
Alles Schöne endet irgendwann einmal. Ich wurde nach Cumberland Lodge zurückgebracht, wo Mama schon auf mich wartete.
Wieder nahm sie mich ins Kreuzverhör. Was sie alles wissen wollte! Immer wieder kritisierte sie mich: »Hättest du lieber das und das gesagt.«
»Nein, Mama«, widersprach ich. »Es hat dem König ja gerade so gefallen, daß ich immer genau das gesagt habe, was ich dachte.«
»Er wollte dich nur aushorchen und in die Falle locken.«
»Nein, Mama, er wollte, daß ich mich amüsiere.«
Sie schüttelte den Kopf. »Das verstehst du nicht, Victoria. Dazu bist du noch zu klein.«
»Aber ich bleibe nicht so klein. Ich werde älter.«
»Du kannst nicht zuhören. Dir ist vor allem daran gelegen, selbst zu sprechen und zu sagen, was du denkst.«
»Was sollte ich denn sonst sagen?«
Mama wandte sich ab. Sie tat mir beinahe leid. Sie war es so gewohnt, daß alle sich ihr fügten, zumindest in ihrem eigenen Haushalt.
Der Besuch in Windsor ging zu Ende. Wir mußten zurück nach Kensington. Beim Abschied bat der König, mich auf sein Knie zu heben. Er sagte, er habe sich sehr gefreut, mich bei sich zu haben, und er hoffe, daß es mir ebenso erging.
»Ja, es war wunderschön. Das hätte ich nie gedacht«, bekannte ich.
»Wovor hattest du denn Angst?«
»Vor dem König hat wohl jeder Angst.«
»Sie haben dir wohl eingeredet, daß ich ein Ungeheuer bin.«
Ich nickte.
»Doch dann hat sich herausgestellt, daß ich gar nicht so ein Unmensch bin. Wir haben uns doch gut verstanden, findest du nicht auch?«
»Ja, ich mag dich, Onkel König, und du hast wohl auch Gefallen an mir gefunden, sonst hättest du mich wohl kaum so verwöhnt.«
»Meine liebe Kleine«, sagte er zärtlich, »ich hoffe, daß du dir dein Wesen bewahrst und daß es den Menschen, von denen du umgeben bist, nicht gelingt, dich zu ändern. Du solltest bleiben, wie du bist – was immer auch geschieht.«
Wir nahmen schweren Herzens Abschied voneinander. Mir standen Tränen in den Augen, und auch er war traurig, weil wir uns trennen mußten.
Nach der schönen Zeit in Windsor erschien mir das Leben sehr eintönig. Immer nur der leidige Unterricht und kaum Freizeit. Wenn ich mich beklagte, machte mir Lehzen klar, daß es meine Pflicht sei, mich zu bilden und etwas zu lernen. Eine Prinzessin dürfe keine Ignorantin sein.
Nach dem Unterricht erging ich mich mit Feodora im Park, wo ich die Blumen goß. Dabei bekam ich meistens nasse Füße. Feodora schmuggelte mich dann wieder in den Palast, und Baronin Spath, die gute Seele, zog mir trockene Sachen an.
Oft gingen wir auch in den Park von Onkel Sussex, wo ich seine Blumen goß. Er wohnte in einem anderen Trakt des Palastes. Wie die meisten meiner Onkel war er schon ein ziemlich alter Herr, aber sehr liebenswert.
An schönen Sommertagen hielten wir uns oft mit Baronin Spath, die nicht so streng wie Lehzen war, im Park auf. Manchmal landeten wir auch im Park von Onkel Sussex, Feodora mit einem Buch bewaffnet und ich mit meinem Gießkännchen. Spath saß meistens neben Feodora auf dem Rasen und sah mir zu, wie ich die Blumen goß.
Glücklich sog ich den Duft des Lavendels ein, lauschte dem Gesumm der Bienen und freute mich, daß meine Mutter mich von unseren Fenstern aus nicht beobachten konnte.
Immer wenn wir uns im Park von Onkel Sussex aufhielten, gesellte sich ein junger Mann zu uns: der Sohn des Onkels aus seiner ersten Ehe, unser Cousin Augustus. In seiner Dragoneruniform sah Augustus blendend aus. Er setzte sich mit Vorliebe neben Feodora, um sich mit ihr und Spath zu unterhalten, während ich die Blumen goß.
Sie schienen sich gut zu verstehen, denn sie lachten viel. Diese schönen Nachmittage nahmen jedoch ein abruptes Ende, als uns verboten wurde, weiter in Onkels Park zu gehen.
Spath war in Ungnade gefallen, und Feodora war untröstlich. Eines Tages fand ich sie in Tränen aufgelöst und bat sie, mir zu erzählen, was vorgefallen war.
»Augustus und ich wollten heiraten«, stammelte sie unter Schluchzen.
»Ach, wie schön!« rief ich. »Da wohnst du ganz nah bei uns, und ich kann in eurem Park jeden Tag die Blumen gießen.«
