Lassiter 2552 - Jack Slade - E-Book

Lassiter 2552 E-Book

Jack Slade

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Beschreibung

Lautlos duckte sich Aponi tiefer in die Bodensenke, wagte kaum zu atmen. Die Schwangere hörte das Gebrüll der Männer, die ihr Volk nur "die Schlächter" nannte, weil sie eine Spur aus Blut und Grauen hinterließen. In dieser Nacht hatten sie das Lager von Aponis Stamm überfallen.
Ihr Mann hatte sie aus dem Schlaf gerissen und hierher gebracht. Dann war er ins Lager zurückgekehrt, um sich den Angreifern zu stellen. Ihr blieb nur, auszuharren, während die nächste Wehe mit unerträglichen Schmerzen in ihrem Leib wühlte.
Plötzlich knirschten Schritte in der Nähe, keinen Steinwurf entfernt! Aponi grub die Zähne tiefer in das Stück Holz zwischen ihren Zähnen. Wenn sie auch nur einen Laut von sich gab, war sie tot!


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Seitenzahl: 139

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Inhalt

Cover

Mit dem Mut der Verzweiflung

Vorschau

Impressum

Mit demMut derVerzweiflung

Lautlos duckte sich Aponi tiefer in die Bodensenke, wagte kaum, einen tiefen Atemzug zu nehmen. Die Schwangere hörte das Gebrüll der Männer, die ihr Volk nur »die Schlächter« nannte, weil sie eine Spur aus Blut und Grauen hinterließen. In dieser Nacht hatten sie das Lager von Aponis Stamm überfallen.

Ihr Mann hatte sie aus dem Schlaf gerissen und hierher gebracht. Dann war er ins Lager zurückgekehrt, um sich den Angreifern zu stellen. Ihr blieb nur, auszuharren, während die nächste Wehe mit unerträglichen Schmerzen in ihrem Leib wühlte.

Plötzlich knirschten Schritte in der Nähe, keinen Steinwurf entfernt! Aponi grub die Zähne tiefer in das Stück Holz zwischen ihren Zähnen. Wenn sie auch nur einen Laut von sich gab, war sie tot!

Das Mondrund warf ein Netz aus silbrigem Licht durch die Baumwipfel auf den Waldboden. Verräterisch hell war es. Aponi wünschte sich die schützende Dunkelheit herbei, aber nicht die allerkleinste Wolke war am Himmel unterwegs.

Etwas – jemand! – raschelte in den Salbeisträuchern.

Ein fremdartiger Geruch wehte herüber. Tabakrauch und Leder, gemischt mit herbem Schweiß und etwas, das sie nicht benennen konnte.

»Hier ist niemand«, raunte eine gedämpfte Stimme. »Komm schon! Lass uns zu den anderen zurückgehen, Steve!«

»Mir war aber so, als hätte ich jemanden hier herauflaufen sehen.«

»Und wo soll der sein? Sieh dich doch um! Hier oben findest du nichts als Bärendreck und 'ne Handvoll Stinktiere. Der viele Whisky vernebelt dir die Sinne.«

»So ein Unsinn. Ich sehe völlig klar.«

»Ach ja? Und neulich im Saloon? Da war dir so, als hätte dir die rassige Rothaarige zugezwinkert. Hat dir 'n blaues Auge und 'ne verdammte Menge Ärger mit ihrem Mann eingebrockt. Ich sag's dir: Niemand ist hier raufgelaufen.«

Ein undeutliches Brummen war zu vernehmen.

»Und wenn doch? Du weißt, was der Boss gesagt hat«, kam es schließlich zurück. »Niemanden am Leben lassen. Also. Sehen wir nach. Okay?«

»Meinetwegen.«

Aponi krallte die Finger in den mit Kiefernnadeln übersäten Untergrund, als die nächste Wehe mit einem Feuersturm aus Schmerzen durch sie hindurchraste. Ein unbändiger Drang zum Pressen verschlug ihr den Atem. Sie kämpfte, sah blutroten Nebel vor Pein und wagte keinen Mucks.

Diese Kerle waren zu zweit. Und sie waren nah.

Nah genug, dass sie ihre schweren Atemzüge hören konnte.

Es bereitete ihr keine Schwierigkeiten, die Sprache der beiden Gunslinger zu verstehen. Nachdem ihre ganze Familie vor vielen Sommern an einer furchtbaren Krankheit zugrunde gegangen war, die ihre Leiber mit eitrigen Hautbläschen überzogen und ihnen alle Kraft entzogen hatte, war Aponi von Soldaten aufgegriffen und in eine Schule gebracht worden, in der sie Sitten und Gebräuche der Weißen gelernt hatte.

Bis das Fort von Kriegern ihres Stammes angegriffen und niedergemacht worden war. Sie hatten Aponi fortgebracht und bei sich aufgenommen.

Makuya hatte sie zu seiner Frau gemacht. Er war ein Mann, der den Frieden liebte, aber den Kampf nicht scheute. Er fertigte Schilde, die weithin berühmt waren und sogar das heiße Blei des weißen Mannes aufhalten konnten. Er verstärkte den Schutz seiner Schilde mit Krallen und Zeichnungen des Bären, der sein Schutzgeist war.

Aponi liebte ihn von ganzem Herzen.

Und er vergalt es ihr mit Hingabe und Respekt.

Sie war sein Stolz. Seine Frau.

Aus dem Lager drangen Schüsse, Wehklagen, Schmerzensschreie.

Aponis Herz blutete mit ihren Schwestern und Brüdern.

Sie grub die Finger tiefer in den Waldboden, schöpfte Kraft aus dem uralten Leben, das sie umgab. Keinen Laut gab sie von sich.

Plötzlich tauchten zwei Augen vor ihr auf. Starrten sie geradewegs an. Irrlichterten zwischen ihrem Kopf und ihrem hochgewölbten Leib hin und her. Weiteten sich so überrascht, als würde er einen weißen Grizzly vor sich sehen. Die Waffe in seiner Hand senkte sich, als hätte er vergessen, dass er sie hielt. Ein schmutzig brauner Bart wucherte um sein Kinn, seine Nase stach spitz aus seinem bleichen Gesicht, das viel zu selten die Sonne zu sehen schien. Die Weste über seinem grauen Hemd mochte einmal schwarz gewesen sein, jetzt war sie ausgeblichen von Wind und Wetter und wurde nur noch von mehreren Flicken zusammengehalten.

Aponi schloss sekundenlang die Augen.

Schloss mit ihrem Leben ab.

Fliehen konnte sie nicht. Eine Waffe hatte sie nicht.

Das Ungeborene in ihrem Bauch würde den Morgen nicht erleben. Ebenso wenig wie sie selbst...

Gerade, als die Trauer ihr Herz flutete wie ein eisiger Hagelschauer, fand der Fremde seine Fassung wieder und brüllte: »Hier! Wusste ich es doch! Komm her!« Dann riss er seinen Revolver hoch und richtete den Lauf geradewegs auf Aponi!

Etwas klackte metallisch.

Bevor der Gunslinger jedoch dazu kam, abzudrücken, wirbelte hinter ihm ein Kriegsbeil durch die Luft und bohrte sich tief zwischen seine Schulterblätter. Etwas knirschte unschön. Dann verdrehte der Bärtige die Augen und kippte vornüber ins Moos.

Makuya! Ihr Mann tauchte am Rand der Bodensenke auf und schaute forschend zu Aponi. Sorge grub tiefe Furchen in sein kantiges Gesicht. Blutspritzer zeichneten sich auf seiner nackten Brust ab, aber eine Verletzung konnte sie nicht entdecken. Das Blut war nicht sein eigenes. Er fuhr herum, suchte gewiss den zweiten Angreifer und... Mit einem Mal peitschte ein Schuss! Makuya taumelte. Er war getroffen! Ein kreisrundes Loch zeichnete sich auf seiner Brust ab.

Aponi hörte einen gellenden Schrei und registrierte erst einen Atemzug später, dass er aus ihrer eigenen Kehle gekommen war. Pures Grauen flutete ihr Herz wie eisiges Wasser.

Ihr Mann war getroffen, aber nicht tot. Er fuhr herum, stürmte auf den zweiten Angreifer zu, der nun zwischen den Bäumen auftauchte, und warf sich blitzschnell auf ihn. Er stieß ihn zu Boden, wälzte sich mit ihm herum. Von ihrer Position aus konnte Aponi die beiden Kämpfenden nur hören. Ihr Keuchen. Das Knacken von Zweigen. Und das Knirschen eines Kiefers, das von einer Faust getroffen wird.

Derweil wütete in ihrem Leib eine Urgewalt, die jedes klare Denken auslöschte. Aponi ließ sich von den Wogen tragen und kämpfte um jeden weiteren Atemzug.

Mit einem Mal wurde es still über der Kante der Bodensenke.

Wieder knirschten Schritte.

Aponi versteifte sich.

Da tauchte ihr Mann über ihr auf. Blutüberströmt, aber am Leben. Er hob eine Hand, bedeutete ihr, dass sie bleiben sollte, wo sie war. Seine Augen tauchten in ihre, sprachen von all der Liebe, die er für sie empfand. Versprach ihr, er würde sie beschützen, was auch kam. Er machte einen Schritt auf sie zu... Und plötzlich zerriss ein weiterer Schuss die Luft. Eine ungeheure Wucht riss Makuya von den Füßen. Er stürzte hin, bäumte sich noch einmal auf und lag dann reglos.

Der erste Angreifer hatte sich noch einmal aufgerichtet und seine Waffe Feuer und Verderben spucken lassen! Nun sackte auch er zurück ins Moos und regte sich nicht mehr. Eine unheilvolle Stille legte sich über den Hügel.

Auch aus dem Lager drang kein Laut mehr.

Als wäre es überhaupt nicht mehr da.

Aponi bekam keine Gelegenheit, darüber nachzudenken, was das bedeuten mochte, denn in diesem Augenblick baute sich ein unerträglicher Druck in ihr auf. Sie hob den Kopf, spannte ihre letzten Kräfte an und presste, ohne überhaupt darüber nachdenken zu müssen.

Etwas glitt aus ihr heraus – und mit einem Mal endete der Schmerz so jäh, als wäre er niemals da gewesen.

Ein Schluchzen entrang sich ihrer Kehle. Sie stemmte sich auf die Ellbogen und spähte zwischen ihren aufgestellten Beinen hindurch nach unten.

Ihr Baby lag auf dem Waldboden. Ein kleiner Junge!

Der winzige Leib war mit Blut und Schleim bedeckt. Selbst im fahlen Mondlicht wirkte das zerknautschte Gesicht bläulich und krank. Das Baby schrie nicht. Atmete nicht. Die Nabelschnur war wie eine Schlinge um seinen Hals gewickelt.

Aponi entfuhr ein Wimmern.

Sie kämpfte sich hoch, nahm ihr Baby behutsam in die Arme und löste die Nabelschnur. Sie drückte ihren kleinen Sohn an sich, wiegte und wärmte ihn und hoffte, ihre Nähe würde ihn ins Leben holen.

Er war so klein, hatte noch alles vor sich.

Doch er blieb stumm und reglos.

Sein Leben war zu Ende, noch bevor es wirklich begonnen hatte.

Etwas in Aponi schien zu zerbrechen.

Sie legte den Kopf in den Nacken und schrie ihre Qual in den Himmel hinauf.

Zeit zum Trauern blieb ihr jedoch nicht, denn unvermittelt vernahm sie ein tiefes Grollen irgendwo rechts von sich. Es war nah. Verdammt nah sogar. Mehrere gelb glimmende Augenpaare blinkten plötzlich im Unterholz auf.

Ein eisiger Schauer rieselte Aponi den Rücken hinab.

Sie wusste genau, was das Knurren bedeutete:

Der Geruch des Blutes und des Sterbens hatte sie angelockt.

Wölfe!

Ein ganzes Rudel war es. Graue Schatten. Getrieben vom Hunger und dem sicheren Wissen, eine wehrlose Beute vor sich zu haben.

Doch war sie wirklich so wehrlos?

Irgendwo aus den Tiefen ihres Herzens kam ein letzter Funken Lebenskraft. Sie wollte nicht sterben. Nicht so. Nicht hier. Zerrissen von Raubtieren und ihre Knochen in alle Winde verstreut.

Aponi presste ihr Kind schützend an sich und rollte sich zu den toten Gunslingern herum. Wenn es ihr gelang, an eine ihrer Waffen zu gelangen, konnte sie sich verteidigen. Dann konnte sie die Tiere mit Schüssen vertreiben.

Der Entschluss war kaum gefasst, als sich die Wölfe bereits in Bewegung setzten und lautlos wie Pfeile von der Sehne auf sie zustürmten. Und sie waren schnell!

Zu spät! Ihr Leben war verwirkt!

Aponi schloss die Augen, um ihr Ende nicht zu sehen...

Eine Woche vorher

»Wann kommt er denn endlich?« Sam Tufts konnte seine Ungeduld kaum noch zügeln. Er richtete sich im Sattel auf und spähte die Schienen entlang, ehe er mit einem leisen Kopfschütteln wieder zurücksank. Lange hielt es ihn jedoch nicht, dann stemmte er sich erneut hoch. Er reckte den Hals – und wurde ein weiteres Mal enttäuscht. Dafür übertrug sich seine Unruhe nun auf sein Pferd. Der Braune tänzelte vor und zurück und steckte die beiden anderen Pferde damit an.

»Halt deinen verflixten Gaul ruhig«, grollte Frank Cooney und nahm die Zügel fester. »Der Zug des Gouverneurs sollte jeden Moment in Sicht kommen. Es wäre 'ne verdammte Schande, wenn uns ausgerechnet dann die Pferde durchgehen würden. Damit würden wir die beste Chance unseres Lebens verlieren.«

»'ne verdammte Schande«, echote Joe Edgerton, der dritte in ihrem Bunde, ohne von dem Papier aufzublicken, auf dem er gerade zeichnete. Die Ecken des Notizbuchs waren abgewetzt und etliche Seiten fehlten, aber Joe malte mit einer Andacht, dass man hätte meinen können, er würde einen Renoir kopieren. Unter seinen schmalen Fingern entstand eine Karte von der Umgebung. Sie war so detailliert, dass man jede Biegung des Flusslaufs, jede Anhöhe und jede ungewöhnlich hohe Stieleiche darauf finden konnte. Sein Bleistift kratzte hörbar über das Papier.

»Du hast die Ruhe weg«, stellte Sam halb bewundernd, halb entnervt fest und schabte sich den rötlichen Bart.

»Wir haben ja auch noch Zeit.«

»Wenn du das sagst. Allerdings wirst du dir die Augen umbringen. Die Sonne ist längst untergegangen.«

»Ich hab Katzenaugen«, tat Joe den Einwand mit einem Schulterzucken ab. Tatsächlich glühte der Himmel im Westen rotgolden, während sich das Firmament im Osten längst in tiefem Schwarz zeigte. Die ersten Sterne glitzerten über den bewaldeten Hügeln. Die Schienen zogen sich wie ein graues Band von Ost nach West. Am Fluss machten sie eine großzügige Biegung, ehe sie weiter geradeaus führten.

Der letzte Zug nach Helena war vor zwei Stunden durchgekommen. Nun lagen die Gleise verlassen da. Jedoch nicht mehr lange, denn ein Schienenfahrzeug sollte noch durchkommen – und das war der Zug von Gouverneur Bridgewater.

Frank hatte die Sache ausbaldowert. Sein Vetter arbeitete als Heizer für die Northern Pacific Railroad und hatte mitbekommen, dass sich der Gouverneur auf den Weg nach Helena machen wollte. Es ging um irgendwelche Geschäfte mit Ranchern. Welche genau das waren, wussten weder Frank noch seine beiden Begleiter, aber das war auch nebensächlich. Wichtig war nur, dass sich im Gepäckwagen des Zuges eine Truhe befinden sollte, die bis unter den Rand voll war mit Dollars.

Mehr Geld, als sie jemals in ihrem Cowboyleben verdienen würden.

Mehr Geld, als sie jemals auf einem Haufen gesehen hatten.

Mehr Geld, als sie jemals ausgeben konnten.

Obwohl sie sich natürlich anstrengen würden.

Frank Cooney grinste in sich hinein. Dabei gruben sich die Narben tiefer in sein Gesicht. Sie reichten von einem Ohr zum anderen, zogen sich über seinen Nasenrücken und beide Wangen. Tiefe Kerben, welche die Ladys in der Stadt zusammenzucken ließen. Sie waren eine Erinnerung an einen Zusammenstoß mit einem Rudel Wölfe. Er hatte versucht, sie abzuwehren, aber eines der Biester hatte ihn angesprungen, aus dem Sattel gerissen und die Zähne in sein Gesicht gegraben... Er war erst Tage später im Hause von Doc Muller wieder aufgewacht und hatte sich selber nicht mehr erkannt. Seinen Job war er auch los gewesen. Die Wölfe hatten ein Blutbad in der Herde angerichtet, und der Rancher war mehr als erbost darüber.

Das war nicht fair!, sann er. Der Boss hätte mehr Cowboys engagieren müssen, dann wäre es nie so weit gekommen.

Unwillkürlich packte er die Zügel noch ein wenig fester.

Nun, bald würde er genug Geld haben, um sich ein Girl leisten zu können, das über seine Narben hinwegsah. Lilly vielleicht, die dralle Blonde aus dem Blue Heaven. Mit ihren Zauberhänden konnte sie einen Mann dazu bringen, alles um sich herum zu vergessen. Heiliger Rauch, sie schaffte es sogar, dass er seinen eigenen Namen vergaß! Bei dem Gedanken an sie rutschte er nun seinerseits unruhig im Sattel hin und her.

Er hatte keineswegs vor, für den Rest seines Lebens fremde Kühe zu hüten und sein Nachtlager ständig unter freiem Himmel aufzuschlagen – ganz egal, ob es gerade hagelte oder einem die Hitze das Gehirn austrocknete. Nein, er wollte sich ein besseres Leben aufbauen, aber dafür brauchte er Geld.

Eine Menge Geld.

Und genau das würde er sich besorgen.

Sam und Joe ging es nicht groß anders als ihm.

Im Zug des Gouverneurs befand sich alles, was sie brauchten, um ein neues Leben anzufangen: eine Truhe voller Geld.

Geld, das für die Rancher bestimmt war...

... bei uns aber eindeutig besser aufgehoben ist, entschied Frank Cooney. Er stieß seinen Hut in den Nacken und griente. Ihr Plan war simpel und deshalb sicher durchzuführen: Die Schienen machten mit dem Fluss eine Biegung. Kurz vorher musste der Lokführer das Tempo drosseln, damit es kein Unglück gab. Diese Momente wollten sie nutzen und den Zug entern. Der Gepäckwagen befand sich ganz am Ende des Zuges. Niemand würde auch nur bemerken, dass sie ihn plünderten. Bevor es jemandem auffiel, waren sie längst über alle Berge.

Sicher, zwei Wächter fuhren im Gepäckwagen mit, aber die würden sie überrumpeln, entwaffnen und außer Gefecht setzen. Sein Vetter hatte gemeint, sie würden sich die eintönige Fahrt mit Whisky vertreiben. Nein, die beiden waren keine Gefahr für ihren Plan. In weniger als einer Stunde waren sie reich.

Franks Grinsen wanderte von einem Ohr zum anderen.

»Habt ihr das gesehen?« Joe blickte nach links, eine Augenbraue hochgezogen.

»Gesehen?«, wiederholte Sam. »Was denn?«

»Da war etwas. Da vorn in den Büschen.«

»Was soll denn da gewesen sein?«

»Keine Ahnung. Ein Schatten.«

Frank schnaufte. »Hier ist kein Mensch außer uns. Du siehst wohl doch schon Gespenster. Hör endlich mit der elenden Kritzelei auf. Deine Augen ruinieren kannst du, wenn wir die Beute sicher haben.«

»Ich bin sicher, ich hab eine Bewegung gesehen.«

»Na schön. Sam, reite hin und schau nach. Nur zur Sicherheit.«

»Geht klar.« Sam stieß seinem Braunen die Fersen in die Flanken und trieb ihn zu den Büschen, auf die Joe gezeigt hatte. Seinen Revolver hielt er fest in der Faust.

Wenig später kam er zurück.

»Hab nichts gesehen. Nur 'nen verdammten Dachs«, knurrte er.

»Wusste ich es doch.« Frank strich sich über den Bart. Dann musterte er den Revolver seines Gefährten. »Ist das 'ne Waffe oder 'n Spielzeug?«

»Von Waffen verstehst du nichts, wenn du das nicht erkennst.«

»Von Waffen schon. Aber das ist ein erbärmlich kleiner Smith-&-Wesson-Revolver. Willst du damit kuscheln oder schießen?«

»Hör schon auf«, brummte Sam, und seine Ohrspitzen liefen rot an. »Das ist eine gefährliche Waffe! Er feuert bis zu sieben Schüsse ab.«

»Die brauchst du auch alle sieben, wenn du jemanden umnieten willst. Ehrlich, es ist wahrscheinlicher, dass er sich zu Tode lacht, während zu versuchst, ihm dein Blei zwischen die Rippen zu jagen, als dass er durch dein Schießeisen umkommt.«

»Du bist ja nur neidisch.«

»Neidisch? Kleiner, das Ding verschießt Kugeln wie homöopathische Pillen!«

»Kein Wort davon ist wahr. Das ist eine großartige Waffe.«

»Nur leider kann man damit nichts treffen. Oder? Zeig mir, dass ich mich irre. Puste den Salbeibusch da drüben weg.« Frank deutete auf das Gestrüpp, das sich gut zwanzig Yards vor ihnen abzeichnete.

»Kleinigkeit.« Sam spannte den Hahn, zielte und drückte ab.

Seine Kugel raste schrittweit an dem Busch vorbei.

»Sag ich doch.« Frank griente. »Das ist keine Waffe. Das