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Der Opiumkönig von Nevada war ein Mann mit dem wohlklingenden Namen William J. Butler. Er hatte in Übersee mit einer Import-Export-Company ein Vermögen gemacht, sich eine Ranch im grasreichen Ruby Valley gekauft und eine junge Chinesin geheiratet. Er war ein alter Dreckskerl, dem man besser nicht über den Weg traute.
Eines Tages war es um Butler geschehen. Er hing tot über einem seiner Ranchzäune, blutete wie ein Schwein und roch nach dem Marzipan, das er stets in der Jackentasche mit sich herumtrug. Er hätte einem leidtun können, wären nicht die Hunderte Morphiumflaschen gewesen, mit denen er Menschen ins Verderben getrieben hatte.
Die Fliegen umschwirrten den Opiumkönig, der sein Geheimnis mit ins Grab nehmen würde ...
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Seitenzahl: 130
Veröffentlichungsjahr: 2021
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Poker mit zwei Assen
Vorschau
Impressum
Pokermit zweiAssen
Der Opiumkönig von Nevada war ein Mann mit dem wohlklingenden Namen William J. Butler. Er hatte in Übersee mit einer Import-Export-Company ein Vermögen gemacht, sich eine Ranch im grasreichen Ruby Valley gekauft und eine junge Chinesin geheiratet. Er war ein alter Dreckskerl, dem man besser nicht über den Weg traute.
Eines Tages war es um Butler geschehen. Er hing tot über einem seiner Ranchzäune, blutete wie ein Schwein und roch nach dem Marzipan, das er stets in der Jackentasche mit sich herumtrug. Er hätte einem leidtun können, wären nicht die Hunderte Morphiumflaschen gewesen, mit denen er Menschen ins Verderben getrieben hatte.
Die Fliegen umschwirrten den Opiumkönig, der sein Geheimnis mit ins Grab nehmen würde...
Atlanta, Georgia, im Juli 1894
Die Stimme von Charley Pemberton war so schwach wie der winzige Funken Gesundheit, der seinem kranken Körper geblieben war. Sie klang in der schmalen Kammer, in der sich die beiden Männer aufhielten, dumpf wider. »Sie nannten ihn den ›Opiumkönig‹, wissen Sie?«
Der andere Mann schwieg und hörte aufmerksam zu. Er war älter als Pemberton und trug einen eleganten Gehrock mit hochgestelltem Kragen. Er hatte sich auf diesen Abschied vorbereitet.
»William J. Butler«, presste Pemberton hervor und hielt sich an der Bettkante fest. »Er hatte eine Ranch irgendwo in Nevada. Er verkaufte Morphium zu Preisen, wie sie sonst niemand bot. Er gab meinem Vater alles, was er wollte.«
»Ruby Valley«, sagte Lassiter und drückte Pemberton die Hand. »Die Ranch lag im Ruby Valley. Ich war vor sechs Jahren mit Ihrem Vater dort.«
Das aschfahle Gesicht des Sterbenden verwandelte sich in eine Grimasse, die Freude und Kummer gleichzeitig zum Ausdruck brachte. Pemberton richtete sich im Bett auf und spähte nach seiner Mutter. »Sie... Sie würde gern hören, dass Sie –«
»Nein, Charley«, unterbrach Lassiter den Jüngeren mit Nachdruck. Er sah Pemberton durchdringend an. »Ich musste Ihrem Vater versprechen, dass ich mit niemandem über die Ereignisse im Ruby Valley spreche. Es ist ein Geheimnis, das ich nur Ihnen allein anvertrauen darf.«
Pemberton sank in die Kissen zurück, schloss die Augen und atmete schwer. Er befand sich seit zehn Tagen im selben Zustand. »Die Geheimniskrämerei... Sie sieht meinem Vater ähnlich. Er war ein Erfinder, ein kluger Geist. Er konnte es nicht anders handhaben.«
Das Telegramm war aus dem Hauptquartier der Brigade Sieben gekommen und hatte Lassiter in Columbus erreicht. Es hatte ihn darüber benachrichtigt, dass Charley Pemberton, der einzige Sohn von John Stith Pemberton, nach einer Überdosis Morphin im Sterben lag.
»Sie tun ihm unrecht«, sagte Lassiter und seufzte. Er hatte eine Pflicht zu erledigen, die unangenehmer nicht sein konnte. »Er wollte, dass Sie die Anteilsscheine am Patent der Coca-Cola-Limonade behalten. Sie dagegen verkauften sie. Er wäre enttäuscht von Ihnen, Charley.«
Müde schüttelte Pemberton den Kopf und sank in die Kissen. »Er wäre niemals wütend über mich gewesen. Er war ein guter Vater. Er starb genauso an einer Überdosis, Mr. Lassiter... Er wurde vom gleichen Teufel zu Tode gebracht wie ich.«
Die Ärzte des Grady Hospital hatten alles Notwendige getan, um Pemberton in den letzten Wochen seines Lebens Qualen zu ersparen. Sie hatten seine Freunde und seine Familie benachrichtigt, hatte darauf gehofft, dass die Morphinfolgen abklangen.
Doch Pemberton war schwächer als je zuvor.
Er hatte es kaum geschafft, den Kopf zu heben, als Lassiter durch die Tür getreten und ihn mit einem kurzen Nicken begrüßt hatte. Er lag wie gelähmt unter der dünnen Decke, die seine knochigen Glieder verhüllte.
»Hätten Sie ihm diesen Gefallen nicht erweisen können?«, fragte Lassiter und bereute den vorwurfsvollen Ton zugleich. Er mäßigte sich und sprach leiser weiter. »Er hatte sich nichts sehnlicher gewünscht, als dass Sie die Früchte seiner Arbeit ernten könnten. Er wollte, dass es Ihnen anders ergeht als ihm.«
Mit halb geöffneten Augen spähte Pemberton nach seinem Gast. »Das Morphium trieb ihn zu seinen Taten. Er hätte kein einziges Getränk ersonnen, wäre er nicht süchtig gewesen. Er war ein einfacher Drogist.« Er lächelte. »Jetzt trinkt jeder seiner Erfindung.«
Höchstens bei einer Handvoll Gelegenheiten hatte Lassiter sich Pembertons Limonade bringen lassen, die aus zerriebenen Coca-Blätter, Kola-Nüsse und Zuckerkulör gemischt wurde. Er hatte die Coca-Cola-Reklamen überall an den Ladenschildern in Atlanta gesehen.
Keinen einzigen Schluck hätte Lassiter davon herunterbekommen.
Er hatte John S. Pemberton gekannt, hatte ihm das Leben gerettet und ihm geschworen, dass er auf seinen Sohn Charley achtgeben würde. Er hatte versprochen, sich um dessen Fortkommen zu kümmern und einzuschreiten, sobald Charley das Anteilsdrittel verkaufen wollte, das er an der Limonadenformel besaß.
Zum Schluss hatte das Morphium gewonnen.
Es hatte Charley all die Jahre fest in den Klauen gehalten, hatte ihn in die Armut gedrängt und dazu gezwungen, das Erbe seines Vaters für einen lächerlichen Betrag zu verschachern.
»Was hat Ihnen mein Vater gesagt?«, brach Pemberton das Schweigen. Er hob den Kopf so weit, dass er Lassiters Miene sehen konnte. »Ich weiß, wie Sie über mich denken. Ich hatte... Ich hatte keine Wahl. Ich musste verkaufen. Ich brauchte die Dollars.«
Fast mit denselben Worten hatte John S. Pemberton damals den Verkauf begründet. Er hatte Lassiter einen Brief geschrieben, in dem er seine Gründe dargelegt und seinen Entschluss bekräftigt hatte.
»Ich verurteile Sie nicht«, stellte Lassiter klar und setzte sich auf die Bettkante. »Ich bin nicht als Richter, sondern als Freund Ihres Vaters gekommen. Er hätte nicht gewollt, dass es Ihnen ebenso ergeht wie ihm.« Er musterte den jungen Pemberton bedrückt. »Das Schicksal hat anders entschieden.«
Aus dem Gang vor dem Patientenzimmer tönte das Schluchzen von Pembertons Mutter herein, die seit Tagen am Bett ihres Sohnes ausharrte. Die Witwe war eine schmale Frau mit glasigen Augen und dünnem Haar. Sie hatte Lassiter mit der Bitte eingelassen, dass er ihrem Sohn unnötigen Ärger ersparen möge.
Der Mann der Brigade Sieben würde Mrs. Pemberton enttäuschen müssen.
✰
Wells, Nevada, sechs Jahre zuvor
Der Geist der unzähligen Siedlerwagen, die über zwei Jahrzehnte hinweg auf den Wiesen nahe der Stadt haltgemacht hatten, lag noch immer über den Dächern von Wells. Die abblätternde Holzfarbe an der Fassade des Emigrant Trail Office kündete ebenso davon wie die verrotteten Speichenräder, die aufgestapelt hinter dem Eisenbahndepot lagen.
Die Dampflokomotive der Southern Pacific Company pfiff ein letztes Mal.
Sie setzte sich mit stampfenden Zylindern in Bewegung, hüllte den Bahnsteig in schlohweißen Wasserdampf und hielt mit ihren vier Passagierwaggons auf den Humboldt River zu. Als der Zug zu einer schwarzen Erscheinung am Horizont zusammengeschmolzen war, griff Lassiter nach seinem Gepäckbündel.
Das California Inn war ein schäbiges Hotel an der Stadtgrenze.
Es besaß zwölf Zimmer, von denen kein einziges belegt war, und wurde von einem alten Hagestolz geführt, der Lassiters vollen Namen erfragte, ehe er das staubige Register in der Rezeption aufschlug. Er stutzte, als Lassiter darauf bestand, dass es keinen vollen Namen gab.
»Wollen Sie mir 'nen Bären aufbinden?«, brummte der Alte und schrieb das Datum in die vorgesehene Zeile. »Bei uns in Wells gibt's keine krummen Hunde. Ich bekomme Ihren vollen Namen, oder Sie können gleich –«
»Lassiter«, sagte der Mann der Brigade Sieben. »Einfach nur Lassiter.«
Knurrend schrieb der Greis den einzelnen Namen auf und mochte mit dem Finger auf den Tresen. »Macht fünf Dollar extra für mein Schweigen. Müsste Sie sonst an die Southern Pacific verpfeifen.« Er drehte sich zum Schlüsselbord um. »Sie wollen seit neuestem wissen, wer sich in ihren Hotels herumtreibt.«
Seine abweisende Haltung schlug in Neugier um, als er Lassiter zu seinem Zimmer hinaufbrachte und ihm seine Enkelin Savannah vorstellte. Er händigte Lassiter den Zimmerschlüssel aus. »Kommen Sie geschäftlich nach Nevada? Könnte Ihnen gute Geschäfte vermitteln! Neunundsechzigtausend Kisten Orangen hat die Southern Pacific transportiert letzten Sommer!«
»Lass unseren Gast zufrieden!«, lachte Savannah und brachte Lassiter zu seinem Zimmer. Sie war eine hübsche Blondine mit klugen Augen und einem charmanten Lächeln. »Brauchen Sie etwas für die Nacht? Soda? Einen Bourbon? Ein paar Scheiben Maisbrot?«
»Nichts dergleichen«, entgegnete Lassiter und warf sein Gepäck aufs Bett. Er sah sich im Zimmer um und stellte fest, dass es reinlicher zurechtgemacht war, als es dem California Inn zugestanden hätte. »Höchstens einen Bourbon zu späterer Stunde. Ich muss morgen früh heraus.«
Der Alte stieg ächzend die Treppe hinunter, während Savannah die Kissen und das Deckbett aufschüttelte. Sie war sichtlich darum bemüht, dem einzigen Gast des Hotels eine Gefälligkeit zu erweisen. »Bourbon kommt gegen zehn Uhr, Sir. Ich lasse Ihnen gern das Frühstück aufs Zimmer bringen, wenn Sie uns zeitig wieder verlassen.«
»Äußerst freundlich«, bedankte sich Lassiter und zog das Telegramm aus der Tasche, das er in Green River bekommen hatte. »Kennen Sie einen Mr. Baldwin? Er muss Kessel und Dampfpumpen verkaufen.«
»Baldwin?«, wiederholte Savannah und dachte nach. »Von Baldwin Machinery? Er hat einen Laden drüben hinter O'Neill's & Carpell's.« Sie richtete sich auf. »Ich kann Sie gern hinbringen.«
✰
Das Bourbonglas war bis unter den Rand gefüllt und schimmerte bernsteinfarben, als Savannah kurz nach zehn Uhr abends vor der Zimmertür stand. Sie trug ein hochgeschlossenes blaues Kleid, das Lassiter zu vornehm für den Anlass vorkam. »Wollen Sie noch fort? Sie sehen hinreißend aus, Miss Shaw.«
»Wie freundlich«, bemerkte Savannah schüchtern und reichte das Glas. Sie äugte ins Zimmer und zog die Brauen hoch. »Sie brauchen nichts sonst? Ein wenig Essen habe ich noch in der Küche.«
»Nicht nötig«, lehnte Lassiter ab und trank einen Schluck. Der Bourbon war mild und hatte eine Karamellnote. »Ich bin ein genügsamer Gast.«
Unschlüssig rang Savannah die Hände. »Sie müssen einsam im Hotel sein. Es war nicht immer so. Wir hatten Gäste aus aller Herren Länder.« Sie seufzte. »Es war eine schöne Zeit damals.«
»Was ist geschehen?«, fragte Lassiter und ließ Savannah eintreten. »Sie hatten mir keine Antwort darauf gegeben, ob Sie noch ausgehen möchten.«
Die Blondine errötete und setzte sich auf den einzigen Stuhl im Raum. »Das Kleid trage ich nur Ihretwegen, Mr. Lassiter. Es gibt in Wells nicht oft Gelegenheit, sich zurechtzumachen. Die meisten Passagiere fahren nach Elko für eine Übernachtung.«
Lassiter nahm einen weiteren Schluck Bourbon. »Ein Jammer für die Passagiere der Southern Pacific. Sie versäumen das Schönste entlang der Strecke.«
Savannah sah Lassiter ernst an. »Sind Sie verheiratet, Mr. Lassiter? Sie... Sie sind ein attraktiver Mann. Mich würde ein Ring an Ihrer Hand nicht –«
Anstelle einer Entgegnung küsste Lassiter die hübsche Blonde und nahm sie fest in die Arme. Er hob Savannah in die Höhe und trug sie zum Bett hinüber. »Kein Ring und keine Ehefrau, Miss. Ich gehöre ganz Ihnen.«
»Wenigstens für eine Nacht!«, wisperte die Enkelin des Hotelbesitzers und schlang die Beine um Lassiter. Sie knöpfte sich selbst das Kleid auf und stöhnte vor Lust. »Ich hatte auf eine Nacht mit Ihnen gehofft.«
Zügig entledigte sich der hübsche Blondschopf seines Kleides und gewährte Lassiter einen Blick auf den schlanken Leib, der sich darunter befand. Savannahs Brüste waren makellos und wie aus Marmor gemeißelt.
»Leg dich hin!«, hauchte Lassiter seiner Geliebten ins Ohr. Er machte die Hose auf und holte seinen steifen Pint hervor. »Willst du es gleich so? Oder steht dir der Sinn nach etwas anderem?«
»A tergo«, gab Savannah im Flüsterton zurück und schenkte Lassiter einen funkelnden Blick. »Coitus a Tergo... Ich habe es kürzlich von einer Frau aus Michigan gehört. Sie machte es gern von hinten.«
»Gut«, willigte Lassiter ein und warf Savannah herum. Er fasste ihren Po mit beiden Händen und drang mit sanfter Bestimmtheit in sie ein. »Aber du sagst mir, wenn –«
»Sei still!«, zischte ihm Savannah zu und riss den Kopf in die Höhe. Sie gab ein langes Seufzen von sich und schloss die Augen. »Niemand hat mir je... a tergo gemacht.«
Sie trieben es eine halbe Stunde miteinander, jeweils auf die Art, wie Savannah es sich wünschte, und mühten sich vergeblich, den Alten im Untergeschoss nicht zu wecken. Als er zornig mit dem Stock gegen die Kammerdecke pochte, kicherte Savannah und küsste Lassiter verlegen.
»Muss ich mir morgen etwas von ihm anhören?«, sorgte sich Lassiter und erwiderte den Kuss. Er hielt Savannahs Hinterbacken in den Händen, wodurch seine Erregung nicht nachließ.
Savannah gab ihm einen spielerischen Stoß in die Rippen. »Falls es mir nicht bald kommt, gewiss, Mr. Lassiter.«
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Die schmutzverschmierten Hände von Henry Baldwin tauchten in einen Bottich voll Öl und kamen nach einiger Zeit wieder zum Vorschein. Sie machten sich am Kessel einer Dampfmaschine zu schaffen, die auf einem Fuhrwerk montiert war und einen Schriftzug der Gaulding Manufacturing Corp, trug. Von der anderen Kesselseite erklangen Hammerschläge.
»Noch ein Stück, Joe!«, rief Baldwin und kniete sich mit verkniffenem Gesicht unter das Fuhrwerk. Er zog die Achse in die vorgesehene Nut und drückte dabei gegen den Kupferkessel darüber. »Wir müssen das verdammte Ding endlich losbekommen! Hab' den ganzen Vormittag daran gearbeitet!«
Der andere Mann war Joe Carswell und stand auf einem Podest. Er schlug mit dem Hammer auf die Kesselwand ein, bis sich die Nieten an der Unterseite lösten und abbrachen. »Ich hab' ihn, Henry! Ich hab' ihn losgekriegt! Pass auf! Pass auf dort vorn! Er kommt! Er kommt!«
Träge kippte der Kessel beiseite, rutschte auf die beiden Holzböcke, die Baldwin herangezogen hatte, und blieb mit einem tönenden Knirschen darauf liegen. Der Maschinist wischte sich die Hände an der Hose ab und nickte Joe dankbar zu. »Wär' geschafft! – Wo ist unser Freund? Du hast von einem Gast gesprochen, Joe?«
Carswell legte den Hammer ab, wischte sich den Schweiß von der Stirn und nickte. »Er sitzt drüben im Büro. Hab' ihm gesagt, dass wir zu tun haben. Wollte sich nicht abbringen lassen.« Er pfiff leise vor sich hin. »Ziemlich eingebildeter Kerl.«
Von der Werkstatt hinüber ins Büro der Baldwin Machinery war es kurzer Fußmarsch, den Baldwin mit flotten Schritten hinter sich brachte. Er wusste längst, dass in seinem Büro ein Agent der Brigade Sieben saß, der einen Auftrag von ihm erhalten sollte.
Baldwin hatte sich um diese Pflicht nicht gerissen.
Die Brigade Sieben hatte vor zwei Jahren bei ihm angeklopft, als er noch Bürgermeister von Wells gewesen und einen guten Draht zum Gouverneur besessen hatte. Die Geheimorganisation hatte ihn um eine Zusammenarbeit ersucht, und Baldwin hatte eingewilligt, weil der Lohn gestimmt hatte.
Inzwischen reute ihn sein Entschluss.
Die wenigen Aufträge, die er bislang an Agenten der Brigade Sieben vermittelt hatten, waren gefährlich und nervenaufreibend gewesen. Er hatte dafür gesorgt, dass eine Bande Bankräuber aus ihrem Versteck bei Wells getrieben wurde, dass die Goldbeute aus einem Army-Fort nach Salt Lake City gelangte und ein Mörder aus Texas an den Galgen kam.
Er hatte sein Leben für die Brigade Sieben aufs Spiel gesetzt.
»Mr. Baldwin?«
Der Mann in Baldwins Büro hatte sandblondes Haar, stechend blaue Augen und ein breites Kreuz. Er saß leicht nach vorn gebeugt und trug ein Holster mit einem Remington-Colt darin um die Taille.
»Mr. Lassiter?«, fragte Baldwin und nahm auf der anderen Seite seines Schreibtischs Platz. Er starrte auf die Ölreste unter seinen Fingernägeln und bat um Entschuldigung. »Ich war mitten in der Reparatur eines Heizkessels. Ich hätte früher zu Ihnen kommen müssen.«
»Sie trifft keinerlei Schuld«, sagte der andere Mann und musterte Baldwin eine Weile. »Sie haben einen Auftrag für mich? Man sandte mir ein Telegramm mit Ihrem Namen darin.«
Eine Zeitlang hing Baldwin seinen Gedanken nach, ehe er das Kuvert zur Hand nahm, das aus Washington gekommen war. Es enthielt Berichte und Informantenprotokolle, die für den Auftrag in Nevada von Bedeutung waren. »Sie müssen hinunter ins Ruby Valley. Es ist ein schöner Ort, fette Wiesen und ein paar Ranches. Sie werden es mögen.«
»Ich komme nicht der Landschaft wegen«, meinte Lassiter und lehnte sich auf seinem Stuhl zurück. »Worum geht es bei der Mission?«
