Lassiter 2562 - Jack Slade - E-Book

Lassiter 2562 E-Book

Jack Slade

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Beschreibung

Im Schein der Bordellbeleuchtung sah der Cowboy aus wie rotgefärbt. Hochgewachsen und breitschultrig, war er vermutlich einer der Texaner, die Longhorns nach Wichita trieben. Um dann hier, in der Stadt, ihre schwerverdienten Dollars zwischen pralle Brüste oder unter straffe Strumpfbänder zu schieben. Die Dunkelhaarige, die der Cowboy mit sich auf die Straße zog, sträubte sich und schrie. Doch gegen seine Kraft kam sie nicht an. William Morgan stieß die Schwingtür auf, trat hinaus und verharrte breitbeinig. Seine Stimme peitschte. "Stopp! Lass sie los!" Der Cowboy gehorchte, wirbelte herum. Und zog.

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Inhalt

Cover

Lassiter und die Henkerbande

Vorschau

Impressum

Lassiterund dieHenkerbande

Im Schein der Bordellbeleuchtung sah der Cowboy aus wie rotgefärbt. Hochgewachsen und breitschultrig, war er vermutlich einer der Texaner, die Longhorns nach Wichita trieben. Um dann hier, in der Stadt, ihre schwerverdienten Dollars zwischen pralle Brüste oder unter straffe Strumpfbänder zu schieben. Die Dunkelhaarige, die der Cowboy mit sich auf die Straße zog, sträubte sich und schrie. Doch gegen seine Kraft kam sie nicht an.

William Morgan stieß die Schwingtür auf, trat hinaus und verharrte breitbeinig. Seine Stimme peitschte. »Stopp! Lass sie los!«

Der Cowboy gehorchte, wirbelte herum. Und zog.

Morgan ließ ihm den Vorsprung. Als er selbst zog, hatte der Cowboy seinen Colt nur halb aus dem Holster.

Die Frau rannte los, von ihm weg.

Morgans Sechsschüsser, ein Smith & Wesson Schofield, ruckte in den Anschlag. Es war, als würde die schwere Waffe in einen Schraubstock einrasten, der die Visierlinie arretierte – mit dem Endpunkt zwischen den Augen des Texaners.

Der Mann hatte eine Zehntelsekunde Zeit, dies zu begreifen, als er in die 45er-Mündung starrte. Eine Zehntelsekunde, die gereicht hätte, die eigene Waffe sinken zu lassen und am Leben zu bleiben.

Doch sein Stolz entschied dagegen. Sein Zeigefinger krümmte sich um den Abzug.

Morgan feuerte. Seine Kugel tötete den Texaner um jenen Bruchteil einer Sekunde eher, als sein Abzugsfinger den Druckpunkt überwinden konnte.

Das Krachen des Smith & Wesson dröhnte noch durch die abendlich stille Straße, da löste sich auch der Schuss aus dem Colt des Cowboys. Die Schüsse beider Revolver vereinten sich zu einem einzigen Donnerschlag.

Die Dunkelhaarige schrie erneut, duckte sich im Laufen. Noch verdutzt über ihre unverhoffte Freiheit, hatte sie gerade einmal vier, fünf Schritte geschafft. Als sie merkte, dass sie von keiner Kugel getroffen worden war, versuchte sie, schneller zu laufen.

Doch ihr langes scharlachrotes Seidenkleid behinderte sie dabei. Sie geriet ins Stolpern, konnte sich gerade noch auf den Beinen halten. Mit knapper Not erreichte sie die Einmündung der Seitenstraße links neben dem Saloon.

Ihre Kolleginnen eilten aus dem Nebeneingang herbei, nahmen sie in die Mitte und führten sie eilends in Sicherheit. Der Saloon trug den schwülstigen Namen »Heaven on Earth«, war zugleich ein Bordell und das gemeinsame Zuhause der käuflichen Ladys.

Vorn, in der Bar und im angrenzenden Empfangssalon, endete das gedämpfte Pianoklimpern, und die Stimmen von Frauen und Männern verstummten.

Der Barkeeper und seine beiden Helfer lugten über die Flügel der Schwingtür hinweg. Morgan, ein knorriger Mann mit rotem Kraushaar, drehte sich um und ließ den Smith ins Holster sinken. Die Männer hatten gesehen, was sich abgespielt hatte.

Auch alle anderen Anwesenden hatten beobachtet, wie der Cowboy die zeternde Dunkelhaarige aus der Zimmerflucht in der oberen Etage gezerrt und die Treppe hinuntergeschleift hatte.

Jeder im Etablissement wusste, dass es den Huren des Hauses strikt verboten war, das Etablissement mit einem Gast zu verlassen und dessen Privatquartier aufzusuchen. Doch darum ging es nicht allein.

Lilou Lafayette, die Dunkelhaarige, konnte den Texaner ohnehin nicht leiden. Allein daraus, wie sie sich gegen ihn wehrte, wurde deutlich, dass er sie während des Aufenthalts in ihrem Zimmer ziemlich übel behandelt haben musste.

So etwas geschah nicht zum ersten Mal. Das wusste jeder im Saloon.

»Wir haben alles gesehen, Willie«, sagte der Barkeeper. »Jeder hier kann bezeugen, dass du in Notwehr gehandelt hast.«

»Du hast Lilou gerettet«, erklärte der Ältere seiner Helfer überzeugt.

»Wer weiß, was der Bastard noch mit ihr vorhatte«, fügte der Jüngere hinzu. »Kann gut sein, dass sie es nicht überlebt hätte.«

Morgan nickte. »Geht wieder rein und sorgt für Ruhe. Ich warte hier auf Grover.«

Town Marshal Grover Thompson erschien Minuten später. Er war ein schlanker, dunkelblonder Mann. Das Haar fiel ihm lang in den Nacken und mündete unterhalb der Schläfen in buschige Koteletten, die bis zur Kinnlade reichten.

Thompsons Office befand sich nur drei Blocks entfernt. Weil sie zur Stunde mit der Bewachung eines gefährlichen Gefangenen genug um die Ohren hatten, hatte er darauf verzichtet, auch nur einen seiner Deputies mitzubringen.

Probleme in den Bordellen der Stadt galten für die Gesetzeshüter als Bagatellen. Darüber musste man sich nicht sonderlich aufregen. Auch dann nicht, wenn Schüsse fielen. Meist konnten der Town Marshal oder ein Deputy allein mit einem solchen Fall fertig werden.

Thompson nahm den Revolver des Getöteten und auch Morgans Waffe an sich. Einer der Gehilfen des Barkeepers lief bereitwillig los, um den Undertaker und den Fotografen zu verständigen.

Es hatte sich bewährt, Lichtbilder von Todesopfern anfertigen zu lassen. Mit den entwickelten Fotografien konnten die Steckbriefsammlungen in den Marshal's- und Sheriff's-Offices verglichen werden.

Mit dieser Methode war schon so mancher dicke Fisch an Land gezogen worden. Denn berüchtigte Outlaws legten sich oft genug falsche Namen zu, um durch die Maschen des Gesetzes zu schlüpfen.

Überdies konnten die Bilder Zeugen oder Personen aus dem Umfeld des Getöteten vorgelegt werden, etwa, um dessen Identität herauszufinden, oder um Angehörige aufzuspüren, die benachrichtigt werden mussten.

Marshal Thompson verpflichtete Willie Morgan, unter dem Vordach des »Heaven on Earth« auf ihn zu warten, während er Lilou Lafayette und die übrigen Zeugen im Bordell verhörte.

Morgan befolgte die Anordnung ohne Widerworte. Er hatte nichts zu befürchten. Alle Anwesenden würden bestätigen, dass er Lilous wegen in Notwehr gehandelt hatte. Abgesehen davon war er ein angesehener Bürger der Stadt.

Nach dem Ende der Indianerkriege hatte er sich in Wichita niedergelassen und ein Waffengeschäft eröffnet. Mittlerweile florierte der Laden, was auch darauf zurückzuführen war, dass sich seine Vergangenheit auf positive Weise herumgesprochen hatte.

Er hatte in einer Eliteeinheit der US-Army als Scharfschütze gedient. Das gab ihm einen Vertrauensvorschuss, zumal die Kunden seines Geschäfts davon ausgingen, dass er von Waffen mehr verstand als ein Zivilist.

Bereits nach einer halben Stunde kehrte Grover Thompson zurück.

Er klopfte Morgan auf die Schulter und sagte: »Es sieht gut aus für dich, Willie. Du hast in Notwehr gehandelt. Das bestätigen alle.« Thompson holte tief Luft, ehe er weitersprach. »Aber du weißt, dass ich dich trotzdem vorläufig festnehmen muss. Der Richter entscheidet morgen Vormittag, ob du auf freien Fuß gesetzt wirst oder bis zum Gerichtsverfahren in Untersuchungshaft bleibst.«

»Natürlich«, erwiderte Morgan. »Die Gesetze sind dazu da, dass sie eingehalten werden.«

»Du hast getan, was du tun musstest«, lobte ihn der Marshal.

Morgan nickte. »Ich habe nichts gegen diese Viehtreiber aus dem Süden. Schließlich bringen sie den Wohlstand in unsere Stadt. Aber sie müssen sich benehmen. Frauen dürfen nicht wie Freiwild behandelt werden, nicht mal dann, wenn sie Huren sind.«

»Du sagst, wie es ist.« Thompson klopfte dem hageren Mann abermals auf die Schulter. »Tut mir leid, dass ich dich mitnehmen muss.« Während Morgan abwinkte, fuhr Thompson mit bedauerndem Unterton fort: »Du weißt, dass wir nur eine Gemeinschaftszelle haben. Und du weißt auch, wer schon drinsitzt. Ich kann es dir also nicht ersparen, die Nacht gemeinsam mit einem Mörder verbringen zu müssen.«

Morgan grinste und winkte ab. Er verbesserte den Town Marshal: »Mit einem Brudermörder, Grover. Mit einem Brudermörder.«

Deputy Marshal Fred Condon trug einen Becher mit dampfendem Tee hinüber in den Zellentrakt.

»Lass es sein, Freddy!«, rief ihm einer der Kollegen aus dem Office nach. »Wasser tut's auch.«

»Dafür kriegst du keinen Dank«, ließ sich der andere Deputy vernehmen.

Schon auf der Türschwelle, drehte sich Condon halb um. »Ich bin nun mal ein Menschenfreund«, erwiderte er. »Ich würde ihm auch die Henkersmahlzeit servieren.«

Die beiden Männer im Office des Town Marshals lachten. Doch sie verstummten gleich darauf, denn sie wussten, dass Condon jedes Wort meinte, das er sagte.

In dem Korridor vor der großen Zelle brannte eine einsame Kerosinlampe. An der Wand zur Rechten angebracht, erzeugte sie einen Halbkreis aus mattem Licht, das nur bis zur Gittertür der Zelle reichte.

Dahinter gähnte die Dunkelheit eines drei mal vier Yard großen Gevierts, in dem gelegentlich Saloon-Randalierer gleich dutzendweise untergebracht wurden.

Fred Condon trat auf die Gittertür zu. Mit zusammengekniffenen Augen spähte er in die Dunkelheit, aber er vermochte nicht einmal das Gesicht des Gefangenen auszumachen.

Die Durchreicheklappe befand sich in Brusthöhe, etwa in der Mitte der Gittertür. Mit der freien Hand öffnete er den Riegel der Klappe und ließ sie nach innen sinken.

»Hey, Floyd!«, rief er in kumpelhaftem Ton. »Falls du dich da drinnen nicht in Luft aufgelöst hast – ich bringe dir Tee. Stark und heiß, mit Milch und Zucker. Ist doch richtig, oder?«

Er schob den dampfenden Becher auf die Klappe, trat einen Schritt zurück und lauschte. Eine Antwort erhielt er nicht. Stattdessen wurden schlurfende Schritte laut.

Fast konturlos, war Floyd Jackson nicht mehr als ein Schatten, dessen Umrisse in der Dunkelheit der Zelle zerflossen. Dazu trug die schwarze Kleidung bei, die er auch bei seiner Festnahme getragen hatte, unmittelbar nach der Tat.

Das einzig Helle an ihm war sein Gesicht. Es zeichnete sich ab, als er näherkam. Unter dem schwarzen Haarschopf und den buschigen Augenbrauen lagen seine dunkelbraunen Augen in tiefem Schatten. Ein schwarzer Spitzbart trug zu seinem düsteren Aussehen bei.

Wortlos näherte er sich der Gittertür.

»Ganz frisch aufgebrüht«, sagte Condon freundlich und deutete mit einer Kopfbewegung auf den Tee. »Lass ihn dir schmeck-«

Die letzte Silbe brachte er nicht mehr heraus.

Denn jäh flog die Klappe hoch. Der Becher wurde zum Geschoss. Reflexartig wollte Condon zurückweichen. Doch er schaffte es nur im Ansatz. Der Schwall des brühheißen Getränks klatschte ihm ins Gesicht, der Becher prallte gegen seine linke Schulter.

Condon schrie vor Schmerzen. Er schlug die Hände vor das Gesicht und wankte rückwärts. Unmittelbar neben seinen Stiefeln landete der Becher, der aus emailliertem Blech bestand, leer und scheppernd.

Fred Condon fand Halt mit dem Rücken an der. Er verstummte, als er die Schritte seiner herbeieilenden Kollegen hörte. Sie brauchten keine Fragen zu stellen, erfassten mit einem Blick, was passiert war.

»Mach dir keine Sorgen, Freddie!«, rief der Ältere der beiden Deputies. »Wir bringen dich zum Doc.«

»Gute Idee«, giftete Jackson von der Gittertür. »Dann kann ich hier in Ruhe ausbrechen.«

»Rede keinen Unsinn«, erwiderte der jüngere Deputy scharf. »Du weißt genau, dass du sowieso rauskommst.«

»Außerdem kriegst du Besuch«, fügte sein Kollege hinzu, während sie den Verletzten in die Mitte nahmen, um ihn zum Doc zu bringen.

Von vorn, aus dem Office, waren Schritte zu hören.

Town Marshal Grover Thompson brachte eine Handlaterne mit, als er William Morgan hereinführte. Er scheuchte Jackson mit einer Handbewegung in den hinteren Bereich der Zelle, während er die Gittertür aufschloss und Morgan hineinschob.

»Kearney und Harrigan haben mir berichtet, was du mit Fred Condon gemacht hast«, sagte Thompson, an den mutmaßlichen Brudermörder gewandt. »Du bist ein gottverdammter Narr, Floyd. Willst du dir zu guter Letzt noch schlechte Karten einhandeln?«

»Wegen ein bisschen Tee?«, knurrte Jackson aus dem Halbdunkel. »Ihr könnt mich alle mal.«

»Der Tee war kochend heiß«, belehrte ihn Thompson eisig. »Wenn der Doc feststellt, dass Condon schwere Verbrennungen erlitten hat, bist du dran wegen vorsätzlicher Körperverletzung.«

Jackson lachte rau und abgehackt. »Na und? Deswegen werden sie mich nicht hängen. Dann schon eher wegen eines Mordes, den ich nicht begangen habe.«

Thompson winkte ab, ging nicht darauf ein. Er machte kehrt. Die Handlaterne weiter in der Linken, begab er sich zurück ins Office. Die Verbindungstür ließ er offen. In dem halbdunklen Zellentrakt zeichnete sie sich nun als helleres Rechteck ab.

Die beiden Gefangenen zogen sich die rohgezimmerten Stühle zurecht. Ohne ein Wort setzten sie sich wie selbstverständlich gegenüber, starrten sich an. Ihre Augen gewöhnten sich allmählich an das Halbdunkel.

Und lange blieb es bei dem Schweigen. William Morgan brach es schließlich.

»Was bist du nur für ein Mensch«, sagte er kopfschüttelnd. »Mit Tee oder Kaffee können wir jetzt beide nicht mehr rechnen.«

»Mitgefangen, mitgehangen«, entgegnete Jackson und setzte ein maliziöses Grinsen auf. »Ich habe dich nicht gebeten, hier reinzukommen.«

»Ist auch nur eine Stippvisite.« Morgan lehnte sich zurück, streckte die Arme aus und legte die Hände auf den Tisch. »Im Gegensatz zu dir bin ich ein guter Mensch, Floyd. Ich habe einer Frau das Leben gerettet.«

Jackson prustete. »Und deshalb wirst du eingesperrt? Mann, hältst du mich für blöd?«

Morgan blieb ruhig. »Allerdings. Ein Kerl, der seinen älteren Bruder umbringt, weil der der Haupterbe ist – yeah, so ein Kerl muss schon ziemlich beschränkt sein. Weil jeder doch sofort weiß, dass nur er der Täter sein kann.«

»Lenke nicht ab«, schnaubte Jackson. »Du sollst mich aushorchen, stimmt's? In Wirklichkeit bist du hier, um mir irgendwas in den Mund zu legen, damit sie mich morgen nicht rauslassen müssen.«

»Na, klar.« Morgan feixte. »Am besten legst du gleich ein Geständnis ab. Wir holen den Marshal dazu, der hält es schriftlich fest, und wir unterschreiben beide. Du als Täter und ich als Zeuge.«

Jacksons Miene verfinsterte sich. Jäh ruckte er vor und hieb mit der Faust auf den Tisch, dass es krachte. Morgan zog die Hände erschrocken zurück. Einen Moment lang sah es aus, als wollte er aufspringen und zurückweichen. Doch er blieb sitzen, hielt dem zornfunkelnden Blick seines Gegenübers stand.

»Du legst mich nicht rein«, zischte der als Brudermörder Beschuldigte. »Ich denke nicht daran, aus Versehen irgendeinen gottverdammten Wisch zu unterschreiben. Du solltest lieber damit herausrücken, was du getan hast.«

»Kein Problem.« Morgan schob die Unterarme zurück auf den Tisch. »Ich habe einen gottverdammten Hurensohn erschossen, der drauf und dran war, einer Frau Gewalt anzutun.«

»Na und?« Die schwachen Lichtausläufer der Wandlaterne erzeugten tiefe Schattenlinien in Jacksons Gesicht. Verächtlich zog er die Mundwinkel nach unten und sagte: »Die Weiber haben es doch sowieso nicht anders verdient. Ich sag dir was, Willie...« Jackson beugte sich vor und richtete den Zeigefinger auf Morgans Gesicht. »Von uns beiden bist du der wahre Killer. Gut, dass Thompson dich eingebuchtet hat.«

Morgans Kopf ruckte vor, sodass die Nasenspitzen der beiden Männer nur noch um Daumenbreite voneinander entfernt waren.

»Das ist nur eine Formsache«, fauchte der ehemalige Elitesoldat. »Morgen früh bin ich hier raus. Der Marshal und der Richter wissen, was sie sie einem Ehrenmann schuldig sind. Zu der Sorte gehörst du allerdings nicht.«

Jackson stieß einen verächtlichen Laut aus. »Spiel dich nicht auf. Bloß weil du in der Army warst und Indsmen abgeknallt hast, bist du nicht automatisch ein besserer Mensch.«

»Aber ich könnte es schnell werden«, entgegnete Morgan drohend. »Ich könnte nämlich die Gelegenheit nutzen und dich mit bloßen Händen töten. Hier, auf der Stelle.«

Einen Moment lang verschlug es Floyd Jackson die Sprache. Dann antwortete er gefährlich leise: »Versuche es. Ich bin nicht sicher, ob du es schaffst.«

»Greife mich an«, verlangte Morgan. »Ich brauche einen Grund, mich zu wehren. Weil ich kein Mörder bin – wie du.«

Jackson wollte aufbrausen, doch er beherrschte sich. Denn in diesem Augenblick unterbrachen Geräusche aus dem Office das Gespräch der beiden Gefangenen.

Männerstimmen waren zu hören. Eine Tür fiel zu, dann folgten Schritte. Einen Sekundenbruchteil lang konnten Morgan und Jackson durch die offene Verbindungstür sehen, wie ein großer Fremder auf den Marshal zuging.

»Kann sein, dass das ein gutes Zeichen ist«, flüsterte Jackson. »Ich wusste doch, dass ich noch einen Trumpf im Ärmel habe.«

»Egal, was passiert«, flüsterte Morgan zurück. »Wenn sie dich morgen freisprechen, wirst du es nicht überleben.«

Die Menschenschar vor dem Marshal's Office wuchs von Minute zu Minute, während die Morgensonne allmählich über die Dächer von Wichita stieg. Noch herrschte Stille. Niemand redete. Alle starrten nur schweigend auf das Officegebäude und den fensterlosen Teil des Gefängnistrakts, der von der Einmündung der Seitenstraße aus zu sehen war.

»So wird es nicht bleiben«, sagte Marshal Grover Thompson halblaut. »Spätestens nach der Urteilsverkündung geht es richtig los.«