Lassiter Sammelband 1885 - Jack Slade - E-Book

Lassiter Sammelband 1885 E-Book

Jack Slade

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Beschreibung

Seit über 30 Jahren reitet Lassiter schon als Agent der ""Brigade Sieben"" durch den amerikanischen Westen und mit über 2000 Folgen, mehr als 200 Taschenbüchern, zeitweilig drei Auflagen parallel und einer Gesamtauflage von über 200 Millionen Exemplaren gilt Lassiter damit heute nicht nur als DER erotische Western, sondern auch als eine der erfolgreichsten Western-Serien überhaupt.

Sitzen Sie auf und erleben Sie die ebenso spannenden wie erotischen Abenteuer um Lassiter, den härtesten Mann seiner Zeit!

Dieser Sammelband enthält die Folgen:

Lassiter 2536 - Marshal ohne Gnade

Lassiter 2537 - Das Girl, das durch die Hölle ging

Lassiter 2538 - Der falsche Killer

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Seitenzahl: 391

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Jack Slade
Lassiter Sammelband 1885

"BASTEI LÜBBE AG

Vollständige eBook-Ausgaben der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgaben

Für die Originalausgaben:

Copyright © 2021 by

Bastei Lübbe AG, Schanzenstraße 6 – 20, 51063 Köln

Vervielfältigungen dieses Werkes für das Text- und Data-Mining bleiben vorbehalten.

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Für diese Ausgabe:

Copyright © 2026 by

Bastei Lübbe AG, Schanzenstraße 6 – 20, 51063 Köln

Covermotiv: © Bastei Verlag (unter Verwendung von KI-Software)

ISBN: 978-3-7517-9495-4

https://www.bastei.de

https://www.bastei-luebbe.de

https://www.lesejury.de

Lassiter Sammelband 1885

Cover

Titel

Impressum

Inhalt

Lassiter 2536

Marshal ohne Gnade

Lassiter 2537

Das Girl, das durch die Hölle ging

Lassiter 2538

Der falsche Killer

Guide

Start Reading

Contents

Marshal ohne Gnade

Es war voll und laut im Town-Saloon. Die Gerüche aus der Küche mischten sich mit billigem Schnaps und Zigarrenqualm. An der Theke rekelten sich zwei Damen in aufreizenden Korsetts und hielten nach gut gefüllten Brieftaschen Ausschau.

Für Marshal Jace Archer kein ungewohntes Bild. Seit dem Rinderboom und der Verlegung des Verladebahnhofs von Wichita nach Dogde City reagierten sich die Cowboys vom Abend bis in die frühen Morgenstunden in den Straßen und Saloons ab, soffen sich das letzte bisschen Verstand weg und hurten herum, als gäbe es kein Morgen.

Das alles war für Archer kein Problem. Er trat nur in Erscheinung, wenn es Ärger gab. Und die drei Burschen, die mit einem Mal die Ladys am Tresen umlagerten, hinterließen genau diesen Eindruck.

»Ihr seht aus, als hättet ihr nichts einzuwenden gegen ein bisschen Spaß«, sagte einer der Cowboys. Er war verschwitzt, und auf seiner Kleidung lag noch der Staub eines langen Arbeitstages. Nicht einmal seine Batwings hatte er abgelegt.

Entsprechend kühl reagierte die Blondine, an die er sich gewandt hatte. »Zieh Leine, Loverboy. Ich steh nicht auf stinkende Tiertreiber.«

»Hey!«, rief der Kerl aus. »Ich hab knisternde Scheine in der Tasche! Für ein Bad hat's heute dummerweise nicht mehr gereicht.«

Nun trat die Freundin der Blonden vor, eine Frau mit schulterlangem schwarzen Haar. Mit Zeige- und Mittelfinger stupste sie den aufdringlichen Freier an. »Du hast doch gehört, was Bea gesagt hat. Keine von uns macht für einen miefigen Typen die Beine breit.«

Für einige Momente schienen die Cowboys wie vor den Kopf gestoßen. Doch dann trat einer vor und drehte den Arm der Dunkelhaarigen zur Seite. Mit kaltem Blick musterte er das schmerzverzerrte Gesicht der Frau. »Wenn du uns beleidigen willst, bist du bei mir genau an der richtigen Adresse! Schnecken wie dich verspeise ich zum Frühstück. Und wenn wir dich fürs Bumsen bezahlen, wirst du auch genau das tun, was wir von dir verlangen!«

Der Lärm im Saloon setzte aus. Alle Anwesenden schienen gebannt zu verfolgen, was sich weiter ereignen würde. Erst Marshal Jace Archer brach das Schweigen.

»Lass die Lady los, Freundchen«, raunte er bitterernst, »oder ich breche dir jeden einzelnen Knochen im Leib!«

Der Angesprochene wirbelte auf dem Absatz herum. Er warf einen Blick nach rechts und links zu seinen Kumpanen, offensichtlich um sich zu versichern, dass sie zu ihm stehen würden. Dann verschränkte er die Arme vor der Brust und knurrte: »Sieh an! Das Gesetz persönlich tritt auf den Plan. Ich wusste gar nicht, dass Marshals beim Vögeln was zu sagen haben.«

Irgendwo erklang Lachen. Die Gäste wirkten nicht, als würden sie die Situation ernst nehmen. Vielmehr sah es so aus, als stellten sie sich auf ein spektakuläres Schauspiel ein. Ein Kerl im Anzug mit Bowler forderte bereits Wetten ein, wer sich in diesem Streit behaupten würde.

Archer zog seinen Peacemaker und spannte den Abzug. »Wir können das freundlich regeln oder mit Blei«, sagte er. »Sucht euch was aus. Ihr habt die Wahl. Aber beschwert euch hinterher nicht, wenn euch der Doc die Därme zusammennähen muss...«

»Hast du gehört, Clyde?«, sagte der Cowboy, der die Schwarzhaarige angefasst hatte. »Der Pisser mit dem Stern will uns eine Lektion erteilen.«

»Drei Colts gegen einen, Stu«, erwiderte der Mann zu seiner Linken. »Hört sich an, als müsste der Undertaker eine Nachtschicht einlegen...« Noch bevor die letzte Silbe verklungen war, sprang der Cowboy vor und hämmerte seine Faust gegen den Unterarm des Marshals. Gleichzeitig krachte seine geballte Rechte in das Gesicht des Gesetzeshüters.

Der torkelte zurück, feuerte seinen Revolver ab und schoss Clyde in den Hals. Röchelnd und mit aufgerissener Schlagader stürzte der Kerl zur Seite, krachte auf die Dielen und wälzte sich schreiend in seinem Blut. Doch da fielen seine beiden Begleiter bereits über den Marshal her. Seine Waffe flog davon. Derbe Hiebe trafen ihn in den Magen und hämmerten gegen seine Brust.

Doch so einfach war Jace Archer nicht außer Gefecht zu setzen. Einige Schläge konnte er blocken und dazu Tritte verteilen. Dass er empfindliche Stellen seiner Gegner getroffen hatte, merkte er an den jaulenden Schreien, die diese von sich gaben. Einer klappte zusammen, als wäre er von einem Axthieb gefällt worden. Der andere spie seinen Mageninhalt aus und wankte benommen ein paar Schritte zurück. Da bekam er von der Blondine auch schon eine Flasche über den Schädel gezogen. In einem Reflex schlug er zu und brachte die Lady zu Fall. Stöhnend krümmte sie sich auf dem Boden.

Jace Archer platzte der Kragen. Er langte nach seinem Revolver, federte auf die Füße und drosch mit dem Coltgriff auf seinen Widersacher ein. Deutlich war das Brechen des Nasenknochens zu hören.

Damit aber gab sich Archer nicht zufrieden. Dem zweiten Gegner, der sich noch den Auswurf von den Lippen wischte, rammte er den Ellbogen in die Magengrube. In derselben Bewegung schwang sein Unterarm hoch und verpasste dem Mann eine harte Rückhand ins Gesicht.

Da aber war sein Kumpan wieder bei Besinnung und zerrte seinen Sechsschüsser aus dem Holster. Gerade wollte er abdrücken, da traf die Kugel des Marshals seine Hand und zerschmetterte zwei Finger. Wie ein waidwunder Berglöwe heulte der Cowboy auf, drückte spontan ab und traf die Schulter eines Zuschauers. Sein zweiter Schuss riss eine Frau von den Beinen, die sich mit einem Getränk in der Hand an ihren Mann gelehnt hatte.

Jace Archer sah rot! Die Handkante seiner Linken fächerte über den Abzug seines Revolvers. Der Cowboy erzitterte unter den Einschlägen der Geschosse, während sein Oberhemd von Blut durchtränkt wurde. Hart knallte er gegen den Tresen, wurde von dem Aufprall nach vorn geschleudert und schlug auf sein Gesicht.

Lediglich Sekunden waren vergangen, doch die Gefahr war noch nicht vorüber. Die dunkelhaarige Hure schrie auf – und Archer erkannte aus dem Augenwinkel eine blitzschnelle Bewegung!

Der Kerl, der sich erbrochen hatte, stand mit schussbereitem Colt da. Er musste nur noch spannen und durchziehen.

Archer kam ihm zuvor. Seine erste Kugel durchschlug die Stelle zwischen Oberschenkel und Hüfte. Die zweite fuhr seinem Gegner direkt ins rechte Auge.

»Das hätte nicht sein müssen, Marshal!«, machte sich ein Gast bemerkbar. »Sie haben drei Menschen kaltblütig ermordet!«

Archer verzog die Lippen zu einem schrägen Grinsen. »Erzählen Sie das mal den Leuten, die von diesem Abschaum getötet wurden!« Ganz nah trat er an den Sprecher heran und blies ihm seine Verachtung ins Gesicht: »Unschuldige sind verletzt worden! Wagen Sie es nicht noch einmal, mein Eingreifen infrage zu stellen! Verziehen Sie sich in Ihr Heim, ansonsten prügle ich Sie rüber!«

Der Mann in dem zerknitterten und viel zu engen Anzug zog sich ein Stück weit zurück. In seinen Augen loderte der Hass. »Ich beuge mich der Gewalt«, sagte er widerwillig. »Aber nicht nur ich bin der Meinung, dass Sie zu weit gegangen sind.«

Wortlos schob Jace Archer seinen Colt ins Holster. Kurz blickte er sich um und sah in große Augen und offene Münder. Es machte ihm nichts aus. Er war für die Durchsetzung des Gesetzes in Dodge City verantwortlich. Und das Amt, das ihm vom Staat Kansas und den Bürgern von Dodge City verliehen worden war, würde er mit allem, was ihm zur Verfügung stand, verteidigen.

In Cimarron musste Lassiter den Zug der Union Pacific verlassen und auf die Zubringerlinie der Central Pacific ausweichen. Es würde noch ein paar Monate dauern, bis die Süd-West-Trasse der Union Pacific fertiggestellt war. Im Zuge des Rinderbooms war es auch bitternötig, das Schienennetz auszubauen.

Dodge City war das neue Zentrum des Viehhandels. Von dort wurde der Rindertransport in den Osten und Norden des Landes sichergestellt. Die Stadt musste inzwischen von Cowboys geradezu überlaufen sein, was nicht nur für glänzende Umsätze in den Saloons und Stores sorgte, sondern auch eine ganze Menge Kriminalität mit sich brachte.

Das aber war nicht der Grund, weshalb der Mann der Brigade Sieben auf dem Weg nach Dodge City war. Scharmützel unter rivalisierenden Treckführern oder Schießereien zwischen Cowboys, die in Schnapslaune über die Stränge schlugen, interessierten die Verantwortlichen in Washington nicht. Ihnen ging es um die ganz großen Fische, die im Teich aus Korruption, Gewalt und Verbrechen schwammen.

Wie immer hatte Lassiter Informationen zu seinem neuen Auftrag von einem Mittelsmann erhalten. Für gewöhnlich handelte es sich um Notare oder auch Sheriffs und Town-Marshals, die von Kurieren der Brigade Sieben mit dem nötigen Material versorgt wurden, um es an die Agenten weiterzuleiten.

Dieses Mal aber hatte es sich um den Inhaber eines Eisenwarengeschäfts gehandelt, der Lassiter ein Dossier übergeben hatte. Das mochte verschiedene Ursachen haben. Lassiter hatte sich nur wenige Gedanken darüber gemacht und lediglich die Vermutung gehegt, dass ein Storebesitzer deutlich unauffälliger wirken mochte als ein Staatsbediensteter. Sicher nicht die schlechteste Strategie, um weiterhin unbehelligt operieren zu können.

Mit gut sechzig Meilen pro Stunde zog die Landschaft an dem Brigade-Mann vorüber. Er sah Berge an Holzschwellen und Stahlschienen, dazwischen ein Heer von Arbeitern jeglicher Hautfarbe. Zeltunterkünfte verteilten sich zu beiden Seiten des Schienenstrangs. Wagen mit Wasser und Lebensmitteln waren vereinzelt zu sehen. Die großen Bosse der Eisenbahngesellschaften hatten an alles gedacht. Sie versorgten ihre Arbeiter mit dem Notwendigsten, sorgten dafür, dass sie mindestens sechzehn Stunden am Tag schufteten und auf der Baustelle schlafen konnten.

Sicher waren eine ganze Menge der Arbeiter nicht freiwillig vor Ort. Das betraf vor allem die schwarze und rote Bevölkerung, genauso gut aber auch Chinesen und Mexikaner. Diese Menschen waren in ein Land gekommen, das ihnen außer Ausbeutung nur recht wenig zu bieten hatte. Andererseits mussten sie ihre Familien ernähren. Unter diesem Existenzdruck nahm man jede Arbeit an, ganz gleich, wie schlecht sie bezahlt wurde.

Kaum eine halbe Stunde, nachdem Lassiter den Zug in Cimarron bestiegen hatte, fuhr er bereits in den Bahnhof von Dodge City ein. Und hier eröffnete sich ihm eine völlig neue und nahezu unüberschaubare Welt.

Es gab ein ganzes Labyrinth an Gattern, Koppeln und umzäunten Wegen. Die Rinder standen dicht an dicht und wurden von Cowboys in Schach gehalten, damit sie sich nicht mit anderen Herden vermischten. Überall wurde laut geschrien, wurden Kommandos gegeben, die über den gesamten Verladebahnhof hallten. Trotz der Trennung zwischen Transportvieh und normalen Passagieren herrschte ein schier überwältigendes Durcheinander. Nicht selten kam es vor, dass Reisegäste mit den Cowboys aneinandergerieten. Handgreiflichkeiten ergaben sich nicht, doch hatte die Organisation dieser Verladestation noch reichlich Luft nach oben.

Lassiter trat ins Freie und begab sich zum hintersten Transportwaggon, in dem er seinen Grauschimmel untergebracht hatte. Er führte das Tier nach draußen, legte ihm Sattel und Geschirr an und schwang sich auf seinen Rücken. Lange Augenblicke schaute er sich um und suchte nach einem Weg durch das Getümmel. Kaum hatte er ihn gefunden, wurde er auf eine Auseinandersetzung aufmerksam, die sich am Ende einer Einfriedung ereignete. Zwei Cowboys waren aneinandergeraten. Je länger ihr lautstarkes Wortgefecht dauerte, desto mehr Männer versammelten sich hinter ihnen. Man musste nicht über die Fähigkeiten eines Propheten verfügen, um zu erkennen, dass derbe Gewalt in der Luft lag. Und es liefen zu viele Reisende umher, als dass sie ungeschoren aus einer Massenschlägerei oder gar einer Schießerei hervorgegangen wären.

Lassiter riss sein Pferd herum und verschaffte sich mit Zurufen Platz. Die meisten Umstehenden bildeten eine schmale Gasse, um ihn hindurchzulassen. Ein paar Unbelehrbare drängte er vorsichtig beiseite. Zwanzig Yards vor den Kontrahenten stieg er aus dem Sattel.

Die Stimmung hatte sich aufgeheizt. Mittlerweile beschimpften sich nicht nur die Treckführer, sondern auch deren Gefolgsleute. Es war nur eine Frage der Zeit, bis einem die Hand ausrutschte oder der Griff zum Revolver erfolgte.

»Mach jetzt endlich den Weg frei, damit ich meine Rinder zu den Transportwagen führen kann!«, krakeelte einer.

»Wir waren schon einen halben Tag vor dir hier, also scher dich mit deinem Viehzeug zum Teufel!«, schallte es aus dem Mund des anderen.

Gelassen trat Lassiter vor, schob ein paar Gaffer zur Seite und stellte sich vor die Streithähne. »Wer zuerst kommt, mahlt zuerst«, sagte er rau. »Ich möchte keinem empfehlen, einen Aufstand anzuzetteln.«

»Wer bist du denn?«, krächzte der Kerl, der sich vordrängeln wollte. »Wir haben die größte Herde und müssen jetzt verladen! Ist nicht mein Problem, dass wir auf dem Treck von einem Sturm aufgehalten wurden.«

Zustimmendes Grölen seiner Mannschaft erfolgte. Wutgeheul klang auf. Die Cowboys standen auf der Schwelle, ihren unrechtmäßigen Anspruch mit den Fäusten durchzusetzen.

Lassiter musste schnell handeln, denn sobald vierzig oder fünfzig zu allem entschlossene Kerle aufeinander losgingen, gab es für ihn keine Möglichkeit mehr, den Streit zu beenden.

Er tat das Einzige, was in dieser Situation zu tun war. Mit zwei Sätzen war er bei dem Treckführer, riss ihn am Kragen zu sich heran und verpasste ihm einen Schwinger, der ihn gleich einer gefällten Eiche zu Boden krachen ließ. Gleich darauf zog Lassiter seinen Remington und spannte den Abzug. Die Mündung richtete er auf den erstbesten Cowboy. »Wer auch immer seinen Colt zieht«, knurrte er finster, »ist dafür verantwortlich, dass du als Erster ins Gras beißt. Fünf werden folgen. Was danach geschieht, weiß nur Gott...«

Stille kehrte ein, nur unterbrochen von unterschwelligem Raunen. Ohne seinen Revolver zu senken, langte Lassiter mit der Linken nach dem Bewusstlosen und zerrte ihn hoch. »Euer Boss wird sich gleich mit dem Marshal unterhalten. Denn das ist genau der Mann, zu dem ich ihn jetzt bringe. Haltet die Hufe still und seid friedlich, andernfalls atmet jeder Einzelne von euch gesiebte Luft und zahlt eine Geldstrafe.«

Für Lassiter war der Fall erledigt. Trotz des allgemeinen Grummelns war nicht zu befürchten, dass einer aus der Reihe tanzte. Er steckte seinen Remington zurück ins Holster und schleifte den Treckführer zu seinem Pferd, um ihn quer über den Rücken des Tieres zu legen.

»Danke, Mister«, rief der Anführer der anderen Mannschaft Lassiter hinterher.

Zum Zeichen, dass er verstanden hatte, hob Lassiter lediglich seinen rechten Arm und führte seinen Grauschimmel auf die Mainstreet.

»Du bist die verführerischste Frau, der ich jemals begegnet bin«, sagte Hunter Jameson und glitt mit seinen Fingern durch Skylar Waynes Haar. Anschließend berührte er ihre Wange und sah zu seiner Zufriedenheit, dass die junge Frau ihre Augen schloss und ihr Gesicht an seine Fingerknöchel schmiegte.

»Wie lange wird es noch dauern?«, fragte sie, hob ihre Lider und schaute dem energisch dreinblickenden Mann unmittelbar in die Augen. »Wir haben bereits so viele schöne Monate miteinander verbracht. Ich glaube, wir sind füreinander bestimmt...«

Jameson gab sich alle Mühe, eine neutrale Miene zu behalten, und rang sich sogar ein Lächeln ab. Arglos fragte er: »Du redest von meiner Frau?«

»Natürlich!« Skylar versteifte sich und zog ihre Brauen zusammen. »Ich will nicht länger in ihrem Schatten stehen. Wir haben schon so oft über unsere gemeinsame Zukunft gesprochen, aber manchmal habe ich den Eindruck, du bist gar nicht daran interessiert.«

»Das ist doch Unsinn!«, entfuhr es Hunter Jameson. »Spürst du denn nicht, wie sehr ich mich zu dir hingezogen fühle? Aber eine Entscheidung wie diese kann ich nicht von heute auf morgen fällen. Du ahnst ja nicht, was alles an meiner Ehe mit Brianna hängt. Das will gut vorbereitet sein.«

Skylar drehte ihren Kopf zur Seite. Es war ihr anzusehen, dass die Worte in ihrem Innern einen tiefen Schmerz auslösten. »Du hast es mir immer wieder gesagt. Ich kann schon gar nicht mehr zählen, wie oft.« Tief sog sie die Luft ein und wandte sich ihrem Gegenüber wieder zu. »Ich werde nicht ewig auf dich warten, Hunter. Sei dir dessen bewusst! Ich bin jung und habe mein Leben noch vor mir. Jeder Tag, den ich warte, macht es kürzer...«

»Baby«, sagte Jameson und umschloss Skylars Gesicht sanft mit seinen Handflächen. »Du bist die Frau, die ich liebe. Bitte, gib mir noch ein wenig Zeit. Ich will dich mehr als alles andere. Das musst du mir glauben.« Er senkte seinen Blick und tat betroffen. »Ich wünsche mir so sehr, dass du mir glauben könntest...«

»O Hunter...«, wisperte Skylar, und ihr Blick wurde glasig. In ihren Augenwinkeln sammelten sich Tränen. »Aber sicher glaube ich dir! Es war dumm von mir, dich unter Druck zu setzen. Ich bin nur ein einfaches Mädchen vom Lande und verstehe nicht so viel von Geld und Geschäften.« Sie schenkte ihrem Geliebten ein aufmunterndes Lächeln. »Kann ich irgendetwas tun, damit du dich wohler fühlst...?« Die Rothaarige ergriff Jamesons Rechte und führte sie zu ihrer linken Brust. Aufstöhnend legte sie ihren Kopf leicht in den Nacken.

Jameson sah seine Chance, langte unter ihre Bluse und strich über Skylars nackte Brust. Willig richtete sich die verhärtete Knospe auf.

»Ich will dich, Hunter«, hauchte Skylar, löste zwei Knöpfe von ihrer Bluse und zog sie auf. Verlockend schimmerte ihr Busen im Schein einer Petroleumlampe.

Hunter Jamesons Leidenschaft war entfacht. Er knetete die nackten Brüste und bedachte sie mit Küssen. Er war auch nicht verlegen, seiner Geliebten gleich darauf den Rock über die Hüften zu ziehen und ihr das Höschen über die Schenkel zu streifen.

Lustvoll keuchte Skylar und ließ es zu, dass er sie zum Bett drängte und auf die Decken stieß. Sofort schlüpfte er aus seiner Hose und legte sich auf die Frau. Dabei stieß sein harter Pint gegen ihre Bauchdecke.

»Ich will dich auch!«, presste Jameson wie im Rausch hervor. »Und wie!« Seine Rechte verschwand zwischen ihren Beinen und tastete sich tief vor. »Gleich bekommst du, was du brauchst!«

Skylar bäumte ihren Oberkörper auf, als Hunter Jameson in sie eindrang und augenblicklich begann, sie mit harten Stößen zu verwöhnen. Ekstatisch erwiderte Skylar die heftigen Bewegungen und schälte sich dabei aus ihrer Bluse. Sie war nun gänzlich nackt und bereit, sich Jamesons Männlichkeit hinzugeben.

»O ja!«, kam es als spitzer Schrei über ihre Lippen. »Stoß mich durch! Ich will dich in mir spüren! Besorg's mir richtig!«

Das ließ sich Hunter Jameson nicht zweimal sagen. Er saugte sich abwechselnd an Skylars Brüsten fest und rammte seine Rute in ihren Schoß, als gebe es kein Morgen. Schon spürte er den Höhepunkt nahen und wurde verhaltener in seinen Bemühungen. Noch wollte er sich nicht in sie verströmen und den makellosen Körper dieser Frau genießen.

Er drehte sich zur Seite und zerrte Skylar mit sich. Sie kam auf ihm zu hocken und begann augenblicklich mit einem leidenschaftlichen Ritt. Ihr Gesäß wippte auf und ab, und die Hände, die sich um ihre Pobacken spannten, schien sie mit geradezu tierischer Lust zu goutieren.

»Schieb ihn mir tief rein!«, stöhnte Skylar Wayne. »Ich will dich in mir spüren!«

Hunter Jameson entrückte der Welt. Das Zentrum seiner Empfindungen war auf die Stelle zwischen seinen Beinen zusammengeschmolzen. Unermessliche Lust kochte in ihm hoch – und er vergaß alles um sich herum. Es war ihm sogar gleich, ob er Skylar schwängerte. Er wollte nur noch seine Befriedigung haben und gab ihr machtvoll nach.

Unter den Schüben, die sich in ihren Unterleib ergossen, zuckte die junge Rothaarige zusammen, verkrampfte sich und schrie ihren Orgasmus heraus. Wogen der Ekstase schüttelten ihren nackten Leib und ließen sie schließlich über ihrem Geliebten zusammensinken. Sekundenlang noch bebte ihr Körper, bis sie erschlaffte und neben Jameson in die Laken sank.

»Das war der beste Fick meines Lebens«, wisperte sie. »Du bist so stark und triebhaft wie ein Tier, Hunter...«

Der Angesprochene war längst wieder bei Sinnen und hatte nicht viel übrig für Kuscheleinheiten und schmeichelhafte Gespräche. »Ich muss los«, sagte er nur und schwang sich über die Bettkante. »Brianna wird sich schon Gedanken machen, wo ich bleibe. Es wird immer schwieriger, Ausreden zu erfinden.«

Skylar Waynes zufriedener Gesichtsausdruck kühlte ein wenig ab. »Würden wir ein Dach teilen, bräuchtest du dich darüber nicht zu sorgen.«

»Ich kann nicht bei dir bleiben!«, versetzte Jameson. »Noch nicht! Ich habe dir doch gesagt, dass meine Frau uns Steine in den Weg legen wird.«

»Ja, das hast du...« Wehmut schwang in Skylars Worten mit. »Bitte gib mir nicht das Gefühl, nur ein Abenteuer für dich zu sein.«

»Das bist du nicht«, erwiderte Hunter Jameson gereizt. »Lass mich aber nicht immerzu wiederholen, worum es geht! Du wirst dich gedulden müssen. Das kannst du doch wohl für mich tun, oder?«

Mit aufgesetztem Lächeln nickte Skylar. Jameson erkannte, dass ihre Zuneigung brüchig wurde, doch es würde immer eine Stute geben, die bereitwillig ihre Beine spreizte.

Der Kerl auf Lassiters Schulter regte sich, begann zu strampeln und wollte sich mit Händen und Füßen aus seiner misslichen Lage befreien. Lassiter fackelte nicht lange und stieß ihn von sich, sodass er ächzend auf die Straße krachte.

»Wenn du Ärger machen willst, hast du einen verdammt schlechten Zeitpunkt gewählt«, brummte der Mann der Brigade Sieben, war im Nu bei dem Gestürzten und riss ihn hoch. »Dein Name! Wie lautet er?«

»Daniels!«, krächzte der Treckführer. »Floyd Daniels!«

»Also schön, Floyd. Da drüben ist das Office vom Marshal. Wir werden beide hineingehen. Verhalte dich ruhig, dann kommst du mit einem blauen Auge davon.«

Daniels schien wenig begeistert von der Idee. »Ich habe nichts verbrochen!«, krähte er. »Jefferson hat mit dem Streit angefangen!«

»Offenbar ist er aber im Recht«, entgegnete Lassiter. »Und ich gehe jede Wette ein, du hättest dich mit deinen Leuten in einen Kampf gestürzt, um dir ungerechtfertigt einen Vorteil zu verschaffen.«

»Na und?« Floyd Daniels gab sich derart verblüfft, als hätte er in Lassiter eine Geisterscheinung vor sich. »Ich muss meinem Boss Rechenschaft ablegen. Wir haben einen knappen Zeitplan, und der Sturm hat uns länger als gedacht aufgehalten.«

»Diesem Jefferson wird es nicht anders ergehen«, hielt Lassiter dagegen. »Auch er hat Terminware, die zum Markt transportiert werden muss.«

In Daniels' Augen blitzte es fast schon furchtsam auf. »Der nächste Zug kommt erst morgen! Uns geht ein ganzer Tag verloren!«

Lassiter grinste. »Bis dahin hast du Zeit, darüber nachzudenken, ob du dich nicht besser an die Regeln hältst.« Er stieß den Mann vor sich her und die Stufe des Boardwalks empor. Seine Stiefelsohle hämmerte einmal gegen die Tür des Marshal's Office, dann drückte er sie auf und betrat mit seinem Gefangenen das Büro.

»Was ist denn jetzt los?«, blaffte ein Kerl, der gerade seine Winchester durchlud. An seiner Brust prangte das silberne Abzeichen des Marshals von Dodge City. »Kaffee und Kuchen gibt's im Bürgerhaus. Verzieht euch aus meinem Office!«

»Mein Name ist Lassiter«, sagte der Brigade-Agent. »Ich bringe Ihnen jemanden, der im Verladebahnhof eine Schlägerei anzetteln wollte.«

Der Marshal schulterte seine Rifle und stellte sich lässig neben seinen Schreibtisch. »Was meinen Sie, wohin ich unterwegs bin? Sie können es sich vielleicht nicht vorstellen, aber meine Aufgaben bestehen nicht nur darin, Großmütterchen über die Straße zu helfen oder Kids den Marsch zu blasen, wenn sie beim Bonbonklauen erwischt worden sind.«

Lassiter nahm die Unbeherrschtheit des Gesetzeshüters gelassen zur Kenntnis. »Umso besser«, sagte er. »Sie können sich wieder zurücklehnen, sobald Sie den Rädelsführer eingebuchtet haben.«

»Ich gehe nicht in den Jail!«, platzte es aus Daniels heraus. »Das ist doch völliger Unsinn! Dieser Hundesohn hat überhaupt keine Ahnung, wovon er spricht!«

Energisch trat der Marshal vor und hieb Floyd Daniels den Kolben seines Gewehrs in die Magengrube. »Wenn der Hahn kräht, haben die Küken Pause, du Windei!«, herrschte er den Treckführer an. »Mir ist nicht bekannt, dass Krawallmacher neuerdings darüber entscheiden, ob sie hinter Gittern landen oder nicht!« An Lassiter gewandt, fuhr er fort: »Und Sie haben hier absolut nichts zu melden! Solange Sie kein County-Sheriff oder Bundesmarshal sind, liegt das Gesetz in meiner Hand. Und ich dulde keine Einmischung!«

»Seien Sie froh, dass es nicht zu gewalttätigen Ausschreitungen gekommen ist«, versetzte Lassiter und war nahe daran, seinen Humor zu verlieren.

»Ich bin froh, morgens heißen Kaffee zu bekommen und mittags ein saftiges Steak«, erwiderte der Marshal. »Keinesfalls erfreut bin ich darüber, wenn ein Dahergelaufener meint, meinen Job übernehmen zu müssen.«

Tief holte Lassiter Luft. »Wer sind Sie eigentlich?«, fragte er. »Als ich vor einigen Jahren in Dodge...«

Scharf unterbrach ihn der Marshal. »Ich bin Jace Archer! Den Namen sollten Sie sich merken, weil Sie ihn rufen müssen, damit Sie in Ihrer Zelle etwas zu fressen bekommen! Und Sie stehen haarscharf davor, auf einer Pritsche mit vergammeltem Stroh zu landen!«

»Was ist mit Wyatt Earp?«, wollte Lassiter wissen. »Er war zuletzt noch Marshal in der Stadt.«

Archer verdrehte die Augen. »Bin ich Marvin, der Gedankenleser? Er hat sich aus dem Staub gemacht. Deshalb bin ich jetzt hier.«

»Wie werden Sie mit Mister Daniels verfahren?«

Wieder war Marshal Jace Archer anzumerken, dass sein Geduldsfaden kurz vor dem Reißen stand. »Ich kümmere mich nicht um Bagatellen! Der Wicht soll sich verkrümeln. Und Ihnen rate ich dasselbe!«

»Es könnte zu weiteren Konfrontationen kommen«, warf Lassiter ein.

Jace Archer gab einen abfälligen Laut von sich. »Sie haben doch bereits alles geregelt. Die Rinder der anderen Mannschaft dürften beim Verladen sein. Sollte es dennoch Probleme geben, habe ich in dieser Rifle siebzehn Kugeln für bisher namenlose Empfänger. Das dürfte reichen.«

Lassiter sah ein, dass er nicht weiterkam. Mit guten Worten war diesem starrsinnigen Marshal nicht beizukommen. Es hatte keinen Zweck, ihn an seine Pflichten zu erinnern. »So long, Archer«, sagte er tonlos, drehte sich herum und wollte durch die Tür gehen.

»Moment!«, rief der Marshal ihm nach. »Wie, zum Teufel, heißen Sie eigentlich?«

Der Mann der Brigade Sieben verhielt im Schritt. Über seine Schulter hinweg sagte er: »Lassiter. Sie brauchen sich den Namen nicht zu merken, denn Sie werden ihn noch öfter hören...«

Wie erwartet stand Brianna bereits in der Tür, als Hunter Jameson sein Pferd zügelte und vor der Veranda seines Landsitzes aus dem Sattel stieg. Er kannte diesen besonderen Gesichtsausdruck seiner Frau und war wenig überrascht über ihre Worte.

»Du bist spät, Hunter«, meinte sie mit vorwurfsvoller Miene. »Hat dich irgendeins deiner Liebchen aufgehalten, oder willst du mir einfach nur sagen, dass du dich einen Dreck um mich scherst?«

Jameson schnaufte. »Wie oft wollen wir diese Farce noch durchspielen? Ich bin ein vielbeschäftigter Mann. Kannst du dir eventuell vorstellen, dass ich ein Geschäft zu leiten habe? Eines, übrigens, das dir einen nicht zu verachtenden Luxus bietet.«

Ein schmales Lächeln huschte über Briannas Züge. Mit ihren fast vierzig Jahren war sie immer noch eine herausstechend schöne Frau. Wie Samt fiel rotschwarzes Haar über ihre Schultern. In ihrem Gesicht war kaum ein Fältchen zu sehen. Sie war schlank und besaß stramme Brüste, die die Geziertheit ihres Körpers angenehm unterstrichen. Kein Maler hätte die Proportionen einer Frau ansprechender auf Leinwand bannen können.

»Aha«, machte Brianna und zog spöttisch einen Mundwinkel hoch. »Und weil es mir mit dir so gut geht, nimmst du dir jedes Recht heraus, mich zu hintergehen.«

»Bitte, Schatz, lass uns nicht streiten«, versuchte Hunter Jameson einzulenken. »Ich weiß langsam nicht mehr, wie ich dich davon überzeugen kann, dass du die Einzige bist, die ich liebe...«

Brianna Jameson-Dearing schenkte ihrem Gatten noch einen vielsagenden Blick, ging aber nicht weiter auf das Thema ein. Stattdessen teilte sie ihm mit: »Du hast Besuch. Er wartet in deinem Arbeitszimmer.«

»Wer ist es?«, fragte Jameson und zog seine Stirn kraus. Ihm war nicht bewusst, einen Gesprächstermin ausgemacht zu haben.

»Lass es mich so sagen«, erwiderte Brianna und legte ihren Kopf leicht zur Seite, »er riecht wie deine Rinder am Hintern und hat einen Atem, der einen Nichtalkoholiker augenblicklich berauscht. – Ach so: Er trägt eine Augenklappe.«

Sawyer!, schoss es Hunter Jameson durch den Kopf. Was wollte der Ganove hier? Er hatte seine Anweisungen erhalten. Es gab keinen Grund für eine weitere Unterhaltung. »Danke, Liebes«, gab Jameson in gespielter Beherrschung zurück. »Jetzt erinnere ich mich wieder. Es gab da noch eine kleine Sache, die ich mit Mister Sawyer besprechen wollte.«

»Halt dir die Nase zu, Hunter«, empfahl Brianna. »Und lass den Kerl bloß nicht bei uns baden! Ich bekomme jetzt schon Ausschlag, wenn ich nur daran denke.«

Hunter Jameson hauchte seiner Frau einen Kuss auf die Wange und stürmte an ihr vorbei ins Arbeitszimmer. Logan Sawyer hatte es sich gemütlich gemacht und kippte sich den teuren Brandy in den Schlund.

»Was willst du hier?«, stieß Jameson hervor und drückte die Tür hinter sich ins Schloss. »Ich dachte, es wäre alles geklärt.«

Sawyer nahm noch einige tiefe Schlucke und stellte die Flasche ab. Er hob die Klappe über dem linken Auge an und schaute Jameson ins Gesicht. »Manchmal vergesse ich, das Ding abzunehmen, wenn ich alleine bin. Hab mich schon irgendwie dran gewöhnt. Aber es dauert immer ein bisschen, bis das zugedeckte Auge wieder mit dem Licht klarkommt.«

»Beantworte meine Frage und sauf nicht den teuren Fusel!«, forderte Jameson. »Für Gäste habe ich Whiskey und Rotwein.«

Logan Sawyer machte sich in dem Ledersessel breit, der hinter Jamesons Arbeitstisch stand und legte entspannt den rechten Fuß über das Knie seines linken Beins. Die Arme ließ er über die Sessellehnen herabgleiten. »Da regt sich genau der Richtige auf«, sagte er mit heiserem Lachen. »Es sind ein paar hässliche Dinge passiert. So hässlich, dass wir neu verhandeln müssen.«

»Es gibt keine weiterführenden Verhandlungen!«, wehrte Hunter Jameson ab. »Was glaubst du, mit wem du redest? Der Preis steht fest! Ich lasse mich doch nicht erpressen!«

Sawyer winkte gutmütig ab. »Von Erpressung kann keine Rede sein. Was denkst du von mir?« Er grinste breit. »Dummerweise sind beim letzten Einsatz aber ein paar meiner Leute draufgegangen. Gute Leute! Es ist schwer, geeigneten Ersatz zu finden.«

»Worauf willst du hinaus?« Jamesons Miene zeigte sich als starre Maske unverhohlenen Abscheus.

»Auf Geld! – Mehr Geld!« Sawyer faltete die Hände vor seiner Brust. »Ich brauche eiskalte Killer – und die findest du nicht in der Gosse. Wenn es also wie bisher weitergehen soll, musst du ein Stück weit tiefer in die Tasche greifen...«

Hunter Jameson war ganz und gar nicht bereit, die Forderung zu erfüllen. »Du sollst ein paar Cowboys in Schach halten! Wo ist das Problem? Die treffen doch auf zehn Yards kein Scheunentor!«

»Du bist nicht an der Front«, widersprach Sawyer. »Du weißt nicht, was los ist!«

Jameson schäumte. »Du hast mir zugesichert, die richtigen Halunken zu organisieren! Dafür habe ich dich bezahlt! Und jetzt kommst du an und erzählst mir, dass dir ein Fehler unterlaufen ist...?«

Wütend sprang Logan Sawyer auf. »Die hatten Hilfe! Harte Jungs, mit denen nicht zu spaßen ist! Keine Ahnung, woher die kamen, aber sie haben sieben meiner Männer niedergemetzelt! Ich kann von Glück reden, dass ich meinen Arsch gerettet habe!«

»Berufsrisiko«, teilte Jameson lapidar mit. »Du hast gewusst, worauf du dich einlässt.«

»Scheiß drauf!«, gellte Sawyer. »Das war nicht Teil unserer Abmachung! Entweder legst du ein Bündel Scheine drauf, oder du kannst gucken, wie du dir die Konkurrenz vom Hals schaffst!«

Unendlich lang scheinende Sekunden des Schweigens. Schließlich Jamesons Frage: »An wie viel hast du gedacht?«

Logan Sawyer nannte ihm die Summe.

Jamesons Kiefer knirschten, doch vorerst sagte er nichts. Bald aber gab er klein bei. »Du bekommst das Geld. Aber ich will Ergebnisse. Mach das, was wir besprochen haben.«

Sein Gesprächspartner fletschte die Zähne und grinste. Dabei klappte er seine Augenbedeckung zurück. »Das Ding ist lästig«, sagte er, »aber deine Gegner unterschätzen dich...«

Dodge City hatte enorm zugelegt, seit die Rinderverladung aus Texas in den mittleren Westen verlegt worden war. Die Stadt wuchs. Die Menschen, die ein- und ausgingen, waren kaum mehr überschaubar. Kein Wunder, dass es zu Ausschreitungen kam, wenn betrunkene Cowboys aufeinandertrafen. Es gab eine Menge Saloons, in denen der Alkohol wie aus einer nie versiegenden Quelle strömte.

Lassiter war durchaus bewusst, dass er genau dort die Informationen fand, die ansonsten niemals das Licht der Öffentlichkeit erblickten. Und es mochte ein glücklicher Zufall sein, dass er auf einen Mann traf, der im Rausch seine Zunge nicht mehr unter Kontrolle halten konnte.

»Was meint ihr, wen ihr vor euch habt?«, grölte der Mann mit der Augenklappe. »Wenn ich mit den Fingern schnippe, habe ich drei Dutzend Männer um mich, die erst dann Fragen stellen, wenn sie dir ein Loch in den Wanst geblasen haben.« Er gab dem Barkeeper einen Wink und bestellte Drinks für alle, die in seinem näheren Umkreis standen.

Vermutlich nur ein Aufschneider, dachte Lassiter. Doch irgendetwas veranlasste ihn, diesem Burschen seine ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken. Dass seine Entscheidung genau die Richtige gewesen war, zeigte sich bereits einige Augenblicke später.

»Ich habe den Rückhalt von Hunter Jameson!«, krähte der Einäugige. »Legt euch nicht mit mir an – ihr würdet es bedauern!«

Unwillkürlich zuckte Lassiter zusammen. Hunter Jameson, wiederholte er den Namen in Gedanken. Er war der Grund, weshalb ihn die Brigade Sieben nach Kansas geschickt hatte. Und anscheinend plauderte gerade ein Mann aus dem Nähkästchen, der ihm besonders nahe stand.

»Komm her«, sagte Lassiter und gesellte sich zu dem Betrunkenen, »ich gebe dir einen aus.«

»Ich kann meine Drinks selbst bezahlen, Freundchen!«, erwiderte der Angesprochene. »Hängst du dich an mich dran, weil du einen Job suchst?«

Lassiter verneinte. »Ich mag ausgelassene Stimmung«, erklärte er und rief den Barkeeper heran. »Wenn ich guter Laune bin, trinken alle auf meine Kosten.«

Der Mann mit der Augenklappe lachte rau auf. »Du gefällst mir! Genauso muss es sein! Ohne Spaß ist das Leben sinnlos.« Rasch kippte er einen Whiskey und hämmerte das Glas auf den Tresen. »Ich bin Logan Sawyer. Du darfst mich Logan nennen, Kumpel.«

Lassiter schlug ihm auf die Schulter und stellte sich ebenfalls vor. Dann tastete er sich vorsichtig an den Mann heran. »Du scheinst einer zu sein, der Einfluss hat. Hunter Jameson ist kein Unbekannter.«

»Das will ich meinen«, entgegnete Sawyer. »Tut mir leid, wenn ich dir eben irgendwas unterstellt haben sollte, aber wenn du eine schnelle Schusshand hast, nehme ich dich mit Kusshand.«

»Was muss ich tun?«, wollte Lassiter wissen. Nebenbei flüsterte er dem Barkeeper zu, zehn Whiskeygläser zu füllen und auf die Theke zu stellen.

Mit zunehmendem Alkoholkonsum wurde Logan Sawyers Zunge lockerer. »Ich denke, du bist in Ordnung«, sagte er und führte seine Lippen an Lassiters Ohr. »Wir werden den Greys einen derben Schlag verpassen...«

»Montgomery Grey?«, hakte Lassiter nach. »Er ist einer der größten Rinderzüchter aus dem Süden.«

»Ganz genau!«, bestätigte Sawyer. »Und weil er das ist, müssen wir ihm einen Denkzettel verpassen. Der treibt die Fleischpreise in den Keller, bloß weil er die größte Zucht hat. Mein Boss kaut schon an den Fingernägeln, weil er da nicht mithalten kann, ohne draufzuzahlen.«

Lassiter nahm die Aussage ohne jede Regung zur Kenntnis. Letztlich bekam er lediglich die Bestätigung für Jamesons unlautere Machenschaften. Der Rinderboss sortierte seine Konkurrenten aus. Und es schien ihm gleich zu sein, welche Mittel er zur Anwendung bringen musste. Es waren exakt jene Winkelzüge, die man in Washington aufgedeckt hatte.

»Ich könnte mir gut vorstellen, bei euch mitzumischen«, meinte Lassiter. »Wenn die Bezahlung stimmt...« Plötzlich sah er eine Chance, dem Spuk ein rasches Ende zu bereiten. Doch er hatte nicht damit gerechnet, dass ihm jemand in die Quere kam.

Ein vierschrötiger Kerl hatte sich unbemerkt hinter Lassiter aufgebaut und seine Daumen im Revolvergurt eingehakt. Sein stoppelbärtiges Gesicht war von einer Schicht aus Staub und Schweiß bedeckt. »Wo kommst denn du her?«, fragte er herausfordernd. »Wir nehmen nicht jeden Straßendieb bei uns auf. Da musst du schon ein bisschen mehr zu bieten haben.«

»Ach«, meinte Sawyer und nahm einen tiefen Schluck aus einer Whiskeyflasche, die er unter den Augen des Barkeepers hinter dem Tresen hervorgeangelt hatte. »Ich traue ihm, Roscoe. Das solltest du auch tun.«

»Du hast dir aber schon eine Menge hinter die Binde gekippt«, erwiderte Roscoe und bleckte zwei Reihen braungelber Zähne. »Vielleicht geht dir ein wenig der Blick für die Realität verloren...«

Missmutig winkte Logan Sawyer ab. »Mach doch, was du willst! Mir geht's mit der Flasche jedenfalls richtig gut.«

Roscoe grinste Lassiter an. »Du bist gut im Futter und nicht gerade ein Zwerg. Bestimmt kannst du eine Menge einstecken.« Er hatte das letzte Wort noch nicht ausgesprochen, da sprang er auch schon vor, täuschte mit der Linken an und hieb mit der rechten Faust zu.

Lassiter kannte Finten wie diese, machte einen Step zur Seite und drosch dem Angreifer ins Kreuz. Zusätzlich verpasste er ihm noch einen Tritt unters Steißbein und beförderte seinen Gegner krachend gegen den Tresen. Der schien jedoch aus Eisen zu bestehen und ging unverzüglich wieder zum Angriff über. Aus Roscoes Abfangbewegung heraus wurde Lassiter von einer Rückhand erwischt, die einen weniger kampferprobten Mann auf der Stelle ins Land der Träume geschickt hätte.

Der Brigade-Agent taumelte zurück und verbiss sich den Schmerz, der von seinem Unterkiefer bis in den hintersten Winkel seines Schädels schnitt. Es war, als wäre er in einen Amboss hineingerannt.

Doch es wäre nicht das erste Mal gewesen, dass Lassiter mit einem körperlich überlegenen Widersacher zu tun gehabt hätte. Seine Gegenreaktion war praktisch ein Reflex, den er der Erfahrung aus tausenden Faustkämpfen zu verdanken hatte.

Sein rechtes Bein schoss vor und bohrte sich in Roscoes Magengrube. Sogleich packte er den stämmigen Burschen beim Haarschopf und riss sein Knie hoch, das Roscoes Gesicht einebnete. Und erstmals entwich dem Mann ein Schmerzenslaut.

Lassiter wusste, dass er Roscoe keine Verschnaufpause gönnen durfte, und hämmerte gegen seine Schläfe. Würde er diesem Schwergewicht auch nur eine Sekunde der Ruhe gönnen, wäre es um Lassiter geschehen gewesen. Mit der rohen Gewalt von Roscoes Muskeln konnte er es nicht aufnehmen.

Wie ein Berserker schlug Lassiter auf seinen Gegner ein, bis dieser schließlich zusammenbrach und alle viere von sich streckte. So sehr er sich auch bemühte, wieder auf die Beine zu kommen – es gelang ihm nicht.

»Na also«, kommentierte Logan Sawyer lallend. »Irgendwann gerät jeder mal an den Richtigen.«

Säuerlich verzog Lassiter die Lippen und strich vorsichtig über seinen Kiefer. »Die Sache gefällt mir nicht«, sagte er offen heraus. »Ein Haufen von Säufern und Schlägern ist nicht gerade das, was ich mir vorgestellt habe.« Insgeheim hatte er seinen ursprünglichen Plan, Sawyers Truppe von innen her aufzumischen, aufgegeben. Vermutlich würde sich Hunter Jameson nicht allein auf diese Horde verlassen und hatte weitere Saboteure an der Hand. Es galt, das Übel bei der Wurzel zu packen und auszureißen.

»Bist du auf Streit aus?«, versetzte Sawyer plötzlich. »Wer mich kennt, der würde das nicht wagen.« Er gab ein verächtliches raues Lachen von sich. »Glaub mir, mit mir legst du dich besser nicht an.«

»Und du besser nicht mit mir!«, ließ Lassiter ihn wissen. »Jameson sollte bei der Auswahl seiner Helfer deutlich vorsichtiger sein...«

Sawyer packte den Hals seiner Whiskeyflasche und hob sie in bedrohlicher Gebärde hoch. »Noch ein Wort«, rief er im Rausch aus, »und ich hämmere dir das Ding in deine Visage!«

Pfeilschnell packte Lassiter zu und drückte den Arm des Mannes mit unwiderstehlicher Gewalt auf den Tresen. »Nicht ich sollte Angst vor dir haben«, sagte er gefährlich leise, »sondern du vor mir...« Er entließ Sawyer aus seiner Umklammerung und wandte sich dem Ausgang zu.

»Du hast verschissen!«, grölte Logan Sawyer. »Komm mir bloß nicht mehr in die Quere! In ganz Dodge City wird es kein Loch geben, in dem du dich vor mir verkriechen kannst! Meine Jungs fressen dich zum Frühstück und kotzen dich gleich wieder in den Dreck der Straße aus!«

Hohle Phrasen, dachte Lassiter. Nicht Worte, sondern Taten brachten die Entscheidung. Und der Mann der Brigade Sieben würde es mit jedem aufnehmen, der sich ihm in den Weg stellte.

Brianna Jameson-Dearing wusste genau, was sich hinter ihrem Rücken abspielte. Es waren nicht nur eigene Beobachtungen, die ihren Verdacht erhärtet hatten, dass ihr Mann eine Geliebte besaß. Auch aus dem Kreis ihrer Freundinnen waren ihr ganz konkrete Dinge berichtet worden, sodass Brianna nun auch einen Namen hatte.

Skylar Wayne, ging es ihr durch den Kopf. Dieses junge unschuldige Ding, das brav jeden Sonntag zur Kirche ging und in der Woche in einem Grocery Store arbeitete. Sie lebte im Haus ihrer verstorbenen Eltern, gab sich nach außen keusch und unnahbar, nur um sich dann an verheirateten Männern zu vergreifen. Obwohl es vermutlich Hunter gewesen war, der sich an sie herangeschmissen hatte.

Letztendlich spielte es keine Rolle. Diese Affäre musste enden. Brianna wollte nicht einfach abgelegt werden wie ein altes Kleidungsstück. Und zudem wollte sie nicht auf die finanziellen Annehmlichkeiten verzichten, die ihr die Heirat eingebracht hatten.

Im Licht der späten Nachmittagssonne schlenderte Brianna Jameson-Dearing über die Sidewalks von Dodge City und gelangte kurz vor dem Ortsausgang zum Haus von Skylar Wayne. Sie klopfte mehrmals an die Tür, doch niemand öffnete. Anscheinend arbeitete dieses Flittchen noch im Store, und so beschloss Brianna, sich auf den Stufen des Gebäudes niederzulassen.

Lange warten musste sie nicht. Etwa fünfzehn Minuten später bereits sah sie Skylar herankommen und richtete sich auf, sodass sie schon aus guter Entfernung deutlich zu sehen war.

Skylar Waynes Schritt verlangsamte sich merklich. Für einen Moment schien sie zu überlegen, eine andere Richtung einzuschlagen, doch dann setzte sie ihren Weg fort. Am Gartentor hielt sie noch einmal inne, fasste sich schließlich ein Herz und schritt hindurch.

»Mrs. Jameson!«, sagte sie laut und mit verschüchterter Miene. Und ehe sie fortfahren konnte, übernahm Brianna das Ruder.

»Jameson- Dearing! «, erwiderte sie vorwurfsvoll. »Ein wenig Taktgefühl darf ich wohl auch von einer Frau aus der Arbeiterklasse erwarten. Dennoch bin ich erstaunt, dass Sie mich kennen.«

»Sie stehen mitten im gesellschaftlichen Leben...«, begann Skylar, wurde aber erneut unterbrochen.

»... an dem Sie augenscheinlich nur bedingt teilnehmen, Miss Wayne.«

Trotz regte sich in Skylars Gesicht. »Wenn Sie etwas zu sagen haben, dann tun Sie es! Ich nehme an, Sie sind gekommen, um mir den Unterschied zwischen Ihrer und meiner Klasse aufzuzeigen.«

»Lassen Sie die Finger von meinem Mann!«, wurde Brianna deutlich. »Sie brauchen Ihr Verhältnis mit ihm erst gar nicht zu leugnen! Ich weiß Bescheid!«

Womit auch immer Skylar Wayne gerechnet haben mochte, diese Äußerung hatte sie nicht erwartet. Erst stammelte sie einige Silben, danach wehrte sie die Vorwürfe halbherzig ab. »Das... das ist eine ungeheuerliche Unterstellung! Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll...«

»Ein Geständnis ist überflüssig«, versetzte Brianna. »Betrachten Sie mein Erscheinen als Warnung. Finger weg von Hunter! Sie haben keine Ahnung, mit wem sie sich anlegen.«

Die Drohung konnte Skylar nicht einfach hinnehmen. Ihr Missmut steigerte sich. »Nun gut, wenn Sie bereits alles wissen, kann ich Ihnen nur mitteilen, dass ich Hunter liebe. Und er liebt mich! Wir lassen uns das nicht nehmen! Sie sollten erkennen, wenn Ihre Zeit abgelaufen ist. Räumen Sie Ihren Platz! Einen Mann, der sich gegen Sie entschieden hat, können Sie nicht an sich binden.«

Ein düsterer Schatten wogte über Briannas Antlitz. »Ist das Ihr letztes Wort?« Lauernd funkelte sie Skylar Wayne an.

Die nickte entschlossen. »Das ist es!«

Mehr gab es nicht zu sagen. Blicklos ging Brianna an ihrer jugendlichen Konkurrentin vorüber und legte sich bereits einen neuen Plan zurecht. Es wurde Zeit, andere Geschütze aufzufahren.

Lassiter war zuversichtlich, Logan Sawyer und wen immer er auch auffahren mochte in seine Schranken zu verweisen. Auf seinem Weg durch die Stadt kam er am Marshal's Office vorüber, wollte hineingehen, doch die Tür war verschlossen.

An sich, war es Lassiter in den Sinn gekommen, wäre es keine schlechte Idee gewesen, Archer darauf vorzubereiten, dass es in Dodge City hoch hergehen könnte, doch möglicherweise war es eine Fügung des Schicksals, dass der Sternträger nicht vor Ort war.

Der Mann der Brigade Sieben suchte einen weiteren Saloon auf, blieb einige Stunden dort und genehmigte sich einen Whiskey nach dem anderen. Dennoch achtete er darauf, bei Verstand zu bleiben und seine Wahrnehmung nicht unnötig zu trüben. Als er schließlich im Dunkel der Nacht wieder auf die Straße trat, wurde ihm bewusst, wie richtig seine Entscheidung gewesen war.

Sechs Reiter, deren Silhouetten sich im fahlen Schein des Mondes vor der Finsternis abzeichneten, hatten sich auf der Mainstreet aufgebaut. Lassiters Augen gewöhnten sich rasch an die Lichtverhältnisse, sodass er einen Kerl erkannte, von dem er nicht angenommen hatte, ihn derart schnell wieder zu sehen.

»Sawyer!«, rief Lassiter aus. »Genießt ihr die frische Nachtluft, um wieder klar im Kopf zu werden?«

Ein heiseres Lachen erklang. »Ich war nie so klar im Kopf wie gerade jetzt«, raunte Logan Sawyer. »Für meine Männer gilt dasselbe.«

»Dann willst du mir jetzt wohl eine ordentliche Abreibung verpassen«, mutmaßte Lassiter.

Sawyer trabte ein paar Yards vor. »Das ist ziemlich milde ausgedrückt«, sagte er. »Die Leute, die wir uns vorknöpfen, landen für gewöhnlich auf dem Boothill...«

Lassiter verstand und nickte. »Worauf warten wir dann noch? Lassen wir den Feuerzauber beginnen...«

Einen Lidschlag darauf schnitt Sawyers Stimme durch die Luft: »Macht den Hurensohn fertig!«

Im Nu starrte Lassiter in die finsteren Mündungen von sechs Revolvern. Er warf sich zur Seite, riss seinen Remington aus dem Holster und gab einen Schuss auf den Rädelsführer ab. Gleichzeitig donnerten die Colts der Angreifer und jagten ihm heißes Blei entgegen, das die Fassade des Marshal's Office aufspritzen ließ und hässliche Löcher in den Boardwalk hackte.

Sawyer schrie auf. Die Vorderläufe seines Pferdes gingen in die Höhe. Unabsichtlich versperrte er seinen Männern die Sicht, sodass Lassiter sich in den Spalt zwischen Office und dem angrenzenden Gebäude rollte. Er hatte teuflisches Glück gehabt, keine Kugel abbekommen zu haben. Doch er wusste, dass die Auseinandersetzung gerade erst begonnen hatte.

Gehetzt spurtete er los, sah einen annähernd zwanzig Yards langen Schlauch vor sich und hoffte, dass er dessen Ende erreichte, ehe er hinterrücks niedergeschossen wurde.

»Reitet um den Block!«, kreischte Sawyer. »Ich will diese Ratte an ihrem eigenen Blut ersticken sehen!«

Lassiter ahnte, dass Sawyer ihm auf den Fersen bleiben würde. Im Laufen drehte er sich herum und gab mehrere Schüsse ab. Der Rädelsführer zuckte zurück, was dem Brigade-Agenten wertvolle Sekunden verschaffte.

In seinen Ohren pochte das Trommeln von Pferdehufen. Wenn die Kerle ihn abfingen, ehe er die enge Gasse verlassen hatte, würden sie leichtes Spiel mit ihm haben.

Der Ausgang kam näher. Aber auch das Schlagen der Hufe, das sich kurzzeitig entfernt hatte, wurde wieder lauter. Die Rotte schoss pfeilschnell heran, um dem Brigade-Agenten den Weg abzuschneiden.

Mit einem Hechtsprung katapultierte sich Lassiter ins Freie. Noch während er sich im Staub der Straße überschlug, brüllte sein Remington auf und fegte einen Reiter aus dem Sattel. Sofort ging Lassiter in die Hocke, stürzte vor und warf sich zwischen die herangaloppierenden Pferde. Die Hufe wischten über ihn hinweg, doch in dem Getümmel war es den Angreifern nicht möglich, gezielte Schüsse abzugeben. Und vor allen Dingen konnten sie ihre Reittiere nicht vorschnell zum Halten bringen und preschten über ihr Opfer hinweg.

Lassiter drehte sich auf den Rücken, lud in Windeseile drei Patronenkammern nach und eröffnete das Feuer. Und noch ehe die Männer eine Kehrtwende eingeleitet hatten, fielen bereits drei von ihnen zu Boden.

Dem Mann der Brigade Sieben blieb einzig die Flucht nach vorn. Er stieß sich vom Untergrund ab, rollte über einen der Toten hinweg und bekam dessen Revolver zu packen. Zweimal kurz hintereinander stach ein Mündungsblitz aus dem Lauf. Trotz der Hektik der Situation erreichte jede Kugel ihr Ziel. Erstickte Schreie und heiseres Röcheln folgten. Dann waren auch die letzten beiden Halunken niedergestreckt.

»Du bist gut«, sagte Sawyer keuchend und wankte mit vorgestreckter Waffe aus der Gasse. »Aber jede Glückssträhne hat mal ein Ende...«

Lassiter drückte ab, doch der Schlagbolzen traf eine leere Kammer.