Liebe und das Schicksal - null michelle_werner - E-Book

Liebe und das Schicksal E-Book

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Beschreibung

Lie-e erfährt im ersten Kapitel, wie er zur Liebe werden kann und was das Schicksal für ihn bereit hält. Er ist auserwählt, viele schwierige Prüfungen und Aufgaben zu bestehen, die nur von wenigen Menschen bestanden und überlebt werden können. Nur die Auserwählten haben die Chance, sich diesem Prüfungen zu stellen. Eines Tages kann er der Medizinmann dieses Stammes sein, aber nur, wenn er über sich selbst sieht, Weisheit und Reife entfaltet und einiges mehr. Jeder Indianer hat seinen eigenen Namen wie gefiedertes Blatt, blinder Schwan, blühende Kaktusblüte etc. Diese Namen sind ein Hinweis auf das Schicksal welches sie erwartet und das es zu erfüllen gilt. In den 12 Kapiteln erfahren wir etwas darüber, dass auf jeden Menschen ein eigenes Schicksal wartet, welches es zu erkennen gilt und dem es zu folgen gilt. Auf dieser Reise geht es nicht nur ums Überleben, sondern auch darum einen Sieg über sich selbst zu erreichen, um Weisheit, Gelassenheit, Ausdauer und um den Kampf des Lebens. Was es zu gewinnen gibt ist nicht ein anderes Schicksal, sondern ein erfülltes Leben.

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Seitenzahl: 172

Veröffentlichungsjahr: 2013

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michelle_werner

Liebe und das Schicksal

Die spannende Reise des Indianers LIE-E

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Sieh zu, dass in der Welt alles …

Ge-danken und Ge-Bete

Grausames Schicksal

Der Weg der Reinigung

Die Prüfung

Die vier Auserwählten

Eine Frage der Perspektive

Das geheimnisvolle Rätsel

Das innere Schweigen

Du kannst in deinem Leben immer nur…

Abschied

Stummer Freund, verklärte Eule und das Schicksal

Impressum neobooks

Sieh zu, dass in der Welt alles …

LIE - E - ist Indianer - er sitzt - am großen Fluss - den sie auch Götterbote nennen. Im Spiegel des Wassers nimmt er das Bild seines Selbst wahr und obwohl das fließende Gewässer seinem Gesicht einen Hauch von Zärtlichkeit verleiht, spiegelt sich auch die Härte vergangener Tage wieder. Vor langer Zeit war er von seinem Stamm aufgebrochen, um die ihm anvertrauten Aufgaben zu vollziehen. Nach so langer Zeit des Wanderns und Mühens ist ihm, als hätte er seine Heimat in einem früheren Leben verlassen und würde erst in einem späteren dorthin zurückkehren.

An manchen Tagen erfüllt sich Lie-e's Herz mit klammernder Angst, ob er denn auch die letzte seiner Aufgaben ebenso meistern werde, ob er die ihm gesetzten Fristen einhalten würde, aber dann erinnert er sich seiner warmherzigen, mütterlichen Seele. "Eile in deinem Rasten und raste in deinem Eilen" so sprach sie's tausendmal. In der unendlichen Stille der Bewährungsprobe hatte er diesen Satz hundertmal verflucht, weil tief in ihm ein Gefühl der Fehlerhaftigkeit sprießte. War er dabei, seine Missionen auf mutige und druckvolle Art zu erledigen, so vernahm er, zu schnell unterwegs zu sein, etwas mehr Bedachtsamkeit an den Tag zu legen. Manchmal aber, als er über eine Aufgabe sinnierte, um nicht vorschnell zu sein, da wurde ihm der Vorwurf der Laschheit und Unentschlossenheit entgegengebracht.

Lie-e verstand seine Welt immer seltener, bis ihn sein Lehrer eines Tages auf den Berg des Lichtes sandte. Die einzigen Worte, die ihm mitgegeben wurden waren: "Sieh zu, dass auf der Welt alles mit rechten Dingen zugeht". Zunächst fand er diese Worte höchst banal, aber je höher er den Berg emporkletterte, umso mehr sah er von der Welt und umso schwerer wirkte dieser Spruch auf ihn. Manchmal dachte er, dass die Worte ihn hinunterziehen würden, denn wie sollte er, er alleine es bewerkstelligen diese Welt zu behüten? Nach einem Tag des Kletterns sah er bereits vier Berge weit und er ahnte, dass die Welt bestimmt noch ein oder zwei Berge weiter reichen würde. Bisher hatte er gelernt, dass das Reich seiner Väter dort endet, wo der Pfeil des besten Schützen den Boden wieder berührte. Nun aber, erblickte er eine fast unendliche Weite, wo es bestimmt Tage brauchen würde, das Ende dieser Welt zu erreichen. Wie sollte er mit seinen beiden Händen, ganz allein auf sich gestellt eine solch große Aufgabe bewerkstelligen?

Nach zwei Tagen war er nahe daran die Aufgabe aufzugeben und nur die Schande des Versagens hinderte ihn daran umzukehren. Ein wenig war aber auch Neugier in ihm, wie denn die Welt jenseits der seinigen aussehen würde. Ob es dort auch Suchende wie ihn geben würde oder ob sich dort die Legende der ewigen Jagdgründe der Erfüllung zuneigt. Auch mischte sich Neid unter seine Gedanken, denn um wie viel leichter könnte ein Adler solch eine Aufgabe erledigen, dessen Sehvermögen tausendmal geschickter war und dessen Flügelschlag ihn über Hindernisse hinwegheben konnte. Selbst der Oberblick aus der Perspektive eines Vogels vermochte diesem behilflicher zu sein, als die Kürze der eigenen Beine.

Nach einer Woche hatte er den Gedanken, einer Adlerfamilie zuzusehen, wie sie denn ihre Kinder das Fliegen lehrt. Die Kleinen waren Anfangs in ihren Bewegungen so langsam, dass sie immer wieder zu Boden stürzten und nur die Obhut der Eltern sie im Fallen fangen ließ. Aber auch als sie erfüllt von Hektik und Angst mit ihren Schwingen um ihr Leben schlugen, ermatteten sie allzu schnell und bedurften der elterlichen Rettung. Es muss Wochen des Mühens gekostet haben, bis ihnen ein erster längerer Flug gelang. Die Kunst des Gleitens, des Nutzens der steigenden Winde würden sie etwas später erlernen und zu guter Letzt würden sie auch noch Freude am Wechselspiel zwischen Klatsch-Klatsch und Schweb-Schweb haben. In seinem Innersten bekam er allmählich eine Ahnung, was Mutter mit ihrem Spruch des Eilens im Rasten und Rasten im Eilen gemeint haben könnte. Dennoch gebar er täglich neue Zweifel, ob es ihm jemals gelingen würde und ob er jemals die richtige Entscheidung treffen könnte.

Längst hatte Lie-e aufgehört, die Tage zu zählen, die Wochen zu benennen, vielmehr besann er sich darauf, den Weg der Erkenntnis weiter zu verfolgen, um immer mehr davon zu lernen wie die anderen Wesenheiten mit ihrem Schicksal umgingen, wie sie lernten und manchmal auch scheiterten. Dabei fühlte Lie-e mit den Tieren und Pflanzen, konnte immer besser mit ihnen eins sein. Sonderbar wurde es nur für Lie-e, wenn etwa ein Vogel einen Wurm aufpickte um damit seine Kinder zu füttern. Wenn er das Leben des Wurms retten würde, wäre ihm dieser sicherlich sehr verbunden, währenddessen die Kinder des Vogels Hunger und vielleicht sogar Tod erleiden würden, was seinem Herz nicht gleichgültig war.

Anfangs dachte er, dass Entscheidungen von ihm gefordert waren und dabei erinnerte er sich seiner Aufgabe, darauf zu achten, dass in der Welt alles mit rechten Dingen zuginge. Gewiss war dieser Spruch leichter gesagt als getan. Die Natur brachte ihn immer wieder in ein Dilemma, so dass er sich eines Tages fragte, wie den Gott damit fertig werden würde. Vielleicht wendet er sich mit seinen Blicken nur den erfreulichen Dingen zu, wenn etwa zwei Wesenheiten zueinander finden und wenn es dann zu Problemen kommt, dann wendet er sich einfach ab und dem nächsten Höhepunkt des Lebens zu? Aber Gott war doch kein Unwissender, er könnte sich doch nicht durch einfaches Wegschauen aus der Last seines Wissens befreien!

Könnte es sein, dass Gott einige Wesenheiten nur geschaffen hatte, um Nahrung für andere zu sein? Dann wären einige dazu da, anderen beim Überleben zu helfen. Mit diesem Gedanken konnte sich Lie-e durchaus anfreunden. Aber dies würde doch bedeuten, dass Gott nicht alle Wesenheiten gleich liebt und außerdem gibt es für jedes Tier, wie mächtig es auch sei, zumindest einen natürlichen Feind. Bedeutet dies, dass Gott den schnelleren Fresser mehr liebt, ja ihm das Recht zu töten gibt?

Vielleicht hat Gott diese Welt mit allen Wesenheiten einfach hingestellt und dann zum Abschied noch gesprochen - Seht selbst wie ihr miteinander fertig werdet, ich habe anderes zu tun, als euer Leben zu leben" und dann wandte er sich einer anderen Welt mit anderen Menschen zu. Darin konnte Lie-e eine gewisse Sinnhaftigkeit erkennen, denn nur so würden die Menschen Verantwortung lernen und so würden sie aufhören einander zu töten. Und solange sie dies nicht verstünden, müssten sie eben als fleischfressende Pflanzen oder Vögel inkarnieren. So sinnvoll ihm dieser Gedanke erschien, so wenig hatte er von solch humanen Menschen gehört. Noch immer waren Menschen bereit für ein Stück Land, ein Stück Materie zu töten.

Vielleicht gab es gar keinen Gott und die Menschen waren ein Produkt des Zufalls. Wieso kommt es dann, dass sich dieser Zufall bei den meisten liebenden Pärchen wiederholt und bei einigen anderen, die sich ebenso ein Kind wünschten nichts dergleichen geschah? An Lie-e's Körper gab es unzählige Narben von Kämpfen mit Bären und anderen Wildtieren - sollte er zufällig all diese Kämpfe überlebt haben? Vielleicht heißt dieser Gott in Wirklichkeit "Zufall" und ist einer der irgendwo oben wohnt, um in Momenten der Gefahr von oben die richtige Waffe in meine Hände FALLEN ZU lassen. Ob der Name des Gottes nun Manitu, Abraham, Franz, Christus oder Zufall wäre, sei letztendlich gleichgültig.

Wenn Gott aber nur das Werkzeug reicht, welches wir brauchen um unsere Schwierigkeiten zu meistern, dann entscheidet nicht er unser Schicksal, sondern wir selbst. Dies etwa dadurch, dass wir uns seiner Hilfen bedienen oder aber sie liegenlassen, sie anderen überlassen oder wir uns dazu entscheiden nichts zu tun, weil andere ein besseres Los gezogen hätten. Andererseits aber hatte Lie-e immer wieder die Erfahrung gemacht, dass ihm der da oben immer genau das zuwarf, was er gerade in der Situation brauchte, nicht bloß irgendetwas, sondern genau das Notwendige. Welches sonderbare Wort, "notwendig" es wendet die Not - zum Besseren hin.

Wenn also Gott uns selbst die Entscheidung überlässt, wie wir mit dem eigenen Leben umgehen, dann enthält er sich jeder Wertung des Richtigen und Falschen, vielmehr akzeptiert er, dass jeder sein eigenes Richtig in sich trägt, wenn er bloß mit den gereichten Instrumenten an seiner Verwirklichung arbeitet. Allmählich verstand Lie-e die Gleichheit der Menschen nicht nur mit seinem Hirn, sondern auch tief in seinem Herzen. Auch verstand er, dass die Macht des Zufälligen darin liegt, die momentane Schwierigkeit zu überwinden. In diesem Moment erblickte Lie-e einen Baum der zufällig vor seinen Augen umgefallen war und nun eine Brücke über den Fluss bildete. Mit seiner neu gewonnenen Dankbarkeit und Ehrfurcht überquerte er den Fluss um auf der anderen Seite des Ufers zur Quelle zu gelangen.

Im Laufe seines Weges entdeckte er Lianen die sich ihm entgegenstreckten und zwar genau an jenen Stellen, wo das Ufer glitschig war, so dass er mit des Zufalls Hilfe immer wieder die Schwierigkeiten meistern konnte. Letztendlich gelangte er zur Quelle und als er sie erblickte, füllten sich seine Augen mit Tränen. Natürlich wusste Lie-e, dass das Wasser nicht an dieser Stelle entstehen würde, lediglich dass es von der Unsichtbarkeit in die Äußere Welt tritt um dort ein bewusster Teil unseres Lebens zu werden. Dieses herunterfallende Bächlein, den sie Götterbote nannten, er brachte ihnen die Nahrung, die Reinigung, die Erfrischung, den Durstlöscher und die Erkenntnis vom Weg zum großen Meer, bevor daraus Wolken wurden, welche den weiter entfernt wohnenden wiederum zufallen konnten.

Lie-e bewunderte immer mehr, dass auf der Welt alles mit rechten Dingen zugeht und da kam ihm sein Auftrag wieder in den Sinn: Er sollte zusehen, also sehen lernen, dass alles seine Richtigkeit hat. Niemand hatte davon gesprochen, dass er dafür sorgen sollte, was auch als Aufgabe ihn zum Aufgeben gezwungen hätte. Jeder Teil dieser Welt sorgt auf seine Weise, dass das kommt, was er für seinen Weg benötigt und wenn ein solches Wesen nicht mehr weiter weiß, dann fällt ihm von oben das Richtige zu, genau das, was es in diesem Augenblick am dringendsten braucht.

Um aber all das zu verstehen, hatte es seiner großen Wanderschaft bedurft, wie auch der vielen zufälligen Geschehnisse. Also musste er auch auf seiner eiligen Suche nach der Wahrheit immer wieder innehalten und während er innehielt, seine Gedanken auf eine eilige Wanderschaft schicken.

Bloß ein Gedanke beschäftigte ihn noch sehr. Wenn Gott auch Zufall, Franz, oder Ottokar heißen konnte, könnte er auch "Lie-e" heißen? Irgendwann auf seinem Heimweg blickte er auch in einen Fluss und er sah etwas in den Wellen geschrieben. Leider waren seine Augen gerade so sehr mit Tränen gefüllt, dass er die Nachricht von oben nicht entziffern konnte. Lie-e konnte auch nicht aufhören zu weinen, zu sehr war er von all den Zufällen seiner Wanderschaft berührt und so eilte er heimwärts.

Nach seiner langen Reise und Abwesenheit war die große Freude ausgebrochen, als Lie-e sein Dorf betrat. Kinder, Frauen und Männer ließen alles stehen und liegen um ihn zu begrüßen. Sie fragten ihn mit aufgeregter Stimme, was er denn erlebt, was er ihnen mitgebracht hätte, weswegen er denn so lange unterwegs gewesen sei, wie er denn die Gefahren überwunden hätte und dergleichen mehr.

Sein Lehrer jedoch nahm ihn zur Seite und kündigte ein Fest über drei Tage und drei Nächte an und am Höhepunkt des Festes würden sie auf all ihre Fragen die Antwort bekommen. So geschah es dann auch. Der Medizinmann blickte Lie-e in die Augen und sprach: Du warst auserkoren für unseren Stamm auf Wanderschaft zu gehen und jenen Teil von dir zu suchen, den du brauchtest um ganz zu werden und du konntest nicht eher zu uns zurück finden, bevor du deine Antworten mit deinem Herzen verstanden hast. Nun, darf auch dein Name ein Ganzes werden und so nennen wir dich ab heute "Lie b e" und von nun an wirst du, wann immer wir mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben unser Ratgeber sein. All das, was du dazu benötigst, hast du auf deiner Reise erfahren. Dein ganzes restliches Leben wirst du uns immer wieder davon erzählen und in deinen Antworten fällt uns das Richtige zu.

Nun erinnerte sich "Lie-b-e" seiner letzten Frage, ob denn Gott auch Lie-e heißen könnte. Nun, da ihm dieses "b" zugefallen war, wusste er, dass Gott auch "Liebe" heißen konnte. Könnte er überhaupt anders heißen als "Liebe"?

Ge-danken und Ge-Bete

Der indianische Medizinmann LIEBE erhob sich an diesem Morgen schon vor dem Sonnenaufgang, denn er wollte sich auf die Chancen dieses Tages eingehend vorbereiten. Zunächst vollzog er die Reinigungszeremonie seines Äußeren, den er Körper nannte auf eine sehr behutsame und sanfte Weise. In der Art wie er zärtlich über seinen Körper strich, drückte er seine Dankbarkeit aus, von allen Teilen genügend viele zu haben, und jeder dieser Teile fügte sich in die Harmonie seines Lebens, solange er selbst nicht dagegen handelte.

Danach schritt er vor sein Zelt und kauerte sich auf den lehmigen Boden genau so, dass die Sonne beim Aufgang sein Gesicht antreffen konnte. Schließlich wusste er, dass es die Aufgabe der Sonne war, sich jenen Menschen zu zeigen, die daran Interesse hatten. Es war aber nicht die Aufgabe der Sonne, die Menschen dazu zu bringen, sich ihr zuzuwenden. Liebe schloss seine Augen und ging mit all seinen Gefühlen in sein Inneres. Erst langsam unter seine Haut und dann immer mehr in das Zentrum seines Körpers, welches Lebensquell genannt wurde.

Dabei unterbrachen ihn aber immer wieder GE-DANKEN. Es wollte ihm nicht so recht gelingen, sich auf seine Aufgabe zu konzentrieren und so überlegte er, was denn eigentlich ein Gedanke sei.

Zum Beispiel ein Wunsch, eine Bitte, eine Hoffnung, aber auch eine Befürchtung, eine Sehnsucht, eine Angst, ein Urteil, ein Protest, eine Betrachtung der Minderwertigkeit, eine Suche nach der absoluten Richtigkeit, eine zweiflerische Zerrissenheit, ein Ablehnen von Alternativen, ein Vorurteil, eine scheinbare trügerische Gewissheit, ein analytischer - skeptischer kritischer Betrachtungswinkel, ein Versuch der richtigen Einordnung, eine Flucht in die Vergangenheit oder in die Zukunft, eine Verteidigungsrede die vorbereitet wird, eine Strategie an der noch gefeilt wird, eine Idee der Rache, eine kleine oder große Resignation, eine Schuldzuweisung, eine Abgrenzung, ein Opferspiel, und so weiter und so weiter.

Liebes Lebenserfahrung hatte ihn gelehrt, dass viele Menschen schwarze Gedanken ihr eigen nannten. Sie waren so ähnlich wie Bauern, die auf das Feld hinaus gingen und schwarze Saat unter die Erde brachten. Immer wieder, und wieder, Tag um Tag, Nacht um Nacht. Dabei hatten sie sich so unendlich viel Mühe gegeben, die Steine aus ihren Feldern zu entfernen, die Rillen zu pflügen um schließlich das schwarze Saatgut zu bewässern.

Einige Zeit später ernteten sie dieses schwarze etwas. Nicht dass es ihnen gefallen hätte diese Ernte einzuführen - viel lieber wäre ihnen das goldene Saatgut gewesen, aber aus ihrem schwarzen Samen wurde nun mal schwarzes Pflanzenwerk und da sie nichts anderes gesät hatten mussten sie dieses Produkt mit sich nach Hause nehmen - und wer weiß, vielleicht würden sie genau aus jenem das Saatgut für die nächste Ernte entnehmen. So manche von ihnen machten andere Menschen oder die Erde selbst, ja sogar das Wasser dafür verantwortlich.

Dabei vergaßen sie den dahinter stehenden göttlichen Plan. Die Gedanken unseres Lebens sind das Saatgut für jene Erfahrungen, welche wir später Ernte nennen.

Liebe erinnerte sich wiederum seiner Reise durch die Weisheit des Lebens, von welcher er erst vor kurzem zurückgekehrt war. So lange sie auch gedauert hatte, niemals wäre es ihm eingefallen irgendwen oder etwas für sein Schicksal verantwortlich zu machen. Vielmehr war er stets mit tiefer Dankbarkeit erfüllt, für all die Chancen die sich ihm boten, ja selbst dann wenn diese Chancen das Kleid eines fallenden Baumes oder Panthers hatten.

Dankbarkeit - dankbar sein - danken –

In diesem Moment stürzte sich der erste Sonnenstrahl auf sein Gesicht, so als wollte ihm der ober ihm etwas sagen, so als wollte er ihm sagen, er sei ans Licht gelangt.

Aus einem innersten Bedürfnis bedankte er sich bei der Sonne und genau in jenem Moment wusste er, wonach er gesucht hatte -. Geh hin und danke - Ge-danke.

Er verstand in diesem Augenblick, dass es goldene und schwarze Gedanken gab. Jene Gedanken, die kein danke nach sich ziehen führen zu einer schwarzen Ernte.

Jene aber, mit denen er sich selbst bedankte oder jene mit denen er anderen Grund gab sich zu bedanken, waren goldenes Saatgut - welche irgendwann ein golden schimmerndes Weizenmeer erzeugten, welches Menschen nähren konnte.

Und während die Sonne Millimeter für Millimeter seines Gesichts eroberte - bis schließlich sein ganzer Körper im Meer des Lichtes badete, wusste er, dass es an ihm war, seine Ge-danken des Dankens auf Wanderschaft zu schicken.

Da er auch wusste, dass dies noch viele Menschen nicht erlernt hatten, nämlich jene, denen diese gnadenvolle Erkenntnis noch nicht zuteilwurde, musste er auch für jene goldene Saatkörner des Dankes aussprechen - und wenn du magst - dann hast du einfach dieselben Ge-danken wie Liebe - oder eben deine eigenen

Danke für die Menschen die mich lieben‚

Danke für das Lachen in mir,

Danke für meine Talente, auch jene die ich erst lernen muss,

Danke für jene ansteckenden Menschen,

die ihren Mut nicht verlieren.

Danke, dass meine Hütte heute Morgen noch immer steht,

Danke, dass ich die Schelte für den anderen

aus meinen Gedanken vertreiben konnte.

Danke, für die Liebe meiner Katze,

auch wenn ich sie manchmal stupse.

Danke dafür, dass ich andere Menschen

mit deren Augen sehen kann

Danke, dass ich jemand den ich mag umarmen kann

Danke, dass deine Geduld mit mir

meistens etwas grösser ist, als meine.

Danke, dass ich mir von Tag zu Tag immer mehr zutraue,

Danke, dass ich kein Baum bin –

mich also auf andere zubewegen kann

statt warten zu müssen.

Danke für all das, worauf ich aufmerksam gemacht werde.

Danke für all das, was du schon

Von meinen Schultern genommen hast.

Danke dass du nicht darüber zürnst,

dass ich es so schnell vergessen habe.

Danke für die Musik,

die mir so oft im richtigen Moment begegnet,

Danke für all das, was aus meinem Leben ging,

um Platz zu schaffen

für Neues und Besseres.

Danke, dass es mich gibt,

genauso wie ich bin.

Danke, dass du meine Fluchtwege blockierst,

sodass ich zum rechten Weg zurückkehre,

wo meine Lektionen schon auf mich warten.

Danke, dass ich dieses Leben noch immer genießen darf,

obwohl ich schon öfters ans Aufgeben dachte.

Danke, dass du mir Zeichen und Hilfe sendest,

wenn ich alleine in meiner Not

nicht mehr weiter weiß.

Danke für die wundervollen Gefühle,

die ich erleben darf,

wenn ich die Liebe bin,

wenn ich den Mut habe,

ohne Verstellung, ich selbst zu sein!

Grausames Schicksal

LIEBE war inzwischen längst in die Pflichten des Medizinmannes eingetaucht und obwohl er bereits in seiner Kindheit davon gehört hatte, für etwas Besonderes auserwählt zu sein, so überraschte ihn diese Entwicklung doch ein wenig. Schließlich hatte er gedacht, noch viel mehr Zeit zu haben, sich auf diese Aufgabe vorzubereiten. Immer wieder fielen ihm Fragen ein, auf die er meinte noch keine Antwort zu haben.

Stattdessen hatte ihn das Leben an diesen Platz gestellt und einfach hier liegen lassen. Singende Kinder tanzten um sein Zelt und genau jener Arglosigkeit galt ein Teil seiner inneren Sehnsucht. Fast wehmütig dachte er an seine Zeit entlang des Flusses "Götterbote" zurück. So vieles gab es in der Welt, was seine Aufmerksamkeit erregte und mit jeder gefundenen Antwort breitete sich ein wenig mehr an Lebenskraft in seinem Inneren aus. Nicht, dass ihn dies unsterblich machen würde, aber desto mehr er die Natur erschaute, desto mehr er das Konzept und die Überlegung der höheren Macht mit einbezog, desto eher wurde ihm die eigene innere Unsterblichkeit zur Gewissheit.

Dessen ungeachtet kannte er aber auch die Macht seiner Gedanken in seinem Kopf. Manchmal schienen sie mächtiger zu sein, als der Gott über ihm. Selbst so etwas Lächerliches wie eine Angst oder Krankheit vermochte ihn von den Wahrheiten des Lebens abzulenken. Irgendwann, als einmal ein Tiger vor ihm stand ...