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Love on the Rocks ist eine Kurzgeschichte voller Urlaubsgefühle, Sonnenschein und natürlich Cocktails, der perfekte Lesestoff um ein bisschen auf der Sommerwelle weiter zu schwimmen... Heidi fliegt in den lang ersehnten Urlaub nach Griechenland und freut sich auf ein paar entspannte Tage mit ihrem Ehemann. Die Zeit genießen, in der Sonne liegen, Cocktails trinken - doch es kommt anders. Ganz anders. Eine spannende Liebesstory - Unerwartet - Gefühlvoll - Berauschend !!!
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Seitenzahl: 65
Veröffentlichungsjahr: 2022
Kerstin Teschnigg
Love on the Rocks
Kurzgeschichte
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Love on the Rocks- Kurzgeschichte
Impressum neobooks
Ich steige aus dem Flugzeug, ein trockener, heißer Wind, der eine willkommene Abwechslung zum momentan trüben Wetter in Österreich ist, weht mir entgegen. Der Stau auf der Flugzeugtreppe erlaubt mir ein kurzes Durchatmen dieser sommerlich-satten griechischen Luft. Das Stocken auf der Treppe ist durch die junge Frau mit den beiden kleinen Kindern, die ein paar Reihen vor mir im Flieger saß, verursacht. Das Baby muss sie tragen muss, das zweite Kind ist im Kindergartenalter. Sie ist damit beschäftigt den Jungen an der Hand festzuhalten, während das Baby schreit. Der Bub will sich ständig losreißen, was mich beim Zusehen schon nervös macht. Irgendwann hat sie die Treppe geschafft und wartet auf den Buggy, den ihr jemand vom Flughafenpersonal gerade bringt. Während ich überlege wie sie den öffnen will ohne ein Kind loszulassen, passiert auch schon das Vorhergesehene. Der Junge nutzt den Moment, läuft los, die Mutter schreit ihm nach, die Leute glotzen. Ohne lange zu überlegen dränge ich mich zwischen einem älteren Paar, das etwas von „überforderten jungen Leuten“ schimpft durch, und laufe dem Kind nach. Er ist ganz schön flott, aber ich bin es auch. Ich schnappe ihn am Kragen seines Polos. Er sieht mich zuerst mit großen Augen an, dann verzieht er sein Gesicht und beginnt zu schreien. „Mama…Maaaamaaaaaaaa!!!“, brüllt er lauthals und will sich von mir losreißen, was ich nicht zulasse. Stattdessen gehe ich in die Hocke und sehe in seine Augen. „Komm, wir gehen zu deiner Mama. Sie ist da hinten, siehst du? Es ist gefährlich, wenn du allein losrennst. Gibst du mir bitte die Hand, dann gehen wir zurück. Einverstanden?“ Das Weinen versiegt, sein Gesichtsausdruck bleibt weiterhin skeptisch. Doch der Blick auf seine Mutter scheint ihm auszureichen, er gibt mir die Hand. Wir gehen zurück, die junge Frau kommt mir aufgelöst entgegen, das Baby ist inzwischen im Buggy. „Mein Gott…Danke…Es ist mir so peinlich…“, stammelt sie völlig überfordert und den Tränen nahe.
Ich übergebe ihr das Kind und lächle sie an. „Kein Problem, das braucht Ihnen nicht peinlich sein.“
„Doch, alle schauen.“
„Ja genau, alle schauen, aber keiner tut etwas, so ist das überall auf der Welt. Würden die Menschen weniger schauen und mehr tun, wäre manches einfacher.“ Das sage ich sehr laut, so dass es auch das Paar von vorhin hören kann. „Brauchen Sie noch Hilfe?“, sehe ich sie abwartend an.
„Danke, Sie sind zu freundlich, es geht schon“, bedankt sie sich auf dem Weg zum Check out.
„Ok. Dann, schönen Urlaub.“
„Mal sehen.“ Sie wirft seufzend einen Blick auf die beiden Kinder. „Aber noch einmal, danke und ebenfalls schönen Urlaub.“
Ich lächle erneut und lasse ihr den Vortritt in der Schlange. Der Junge dreht sich immer wieder verstohlen zu mir um. Ich zwinkere ihm zu. Er ist süß. Blonde wuschelige Haare, schöne, durchdringend blaue Augen und ein spitzbübisches Grinsen. Die Frau hat lange blonde Haare, die vermutlich aufgrund mangelnder Zeit zur Pflege ziemlich durcheinander aussehen. So, als wäre sie gerade aufgestanden und hätte sie irgendwie hochgedreht. An ihrer blassen Hautfarbe im Gesicht und den tiefen Augenringen lässt sich allerdings erkennen, sie hat in der letzten Zeit wenig geschlafen. Ob der Schlafentzug mit Kindern wirklich so schrecklich ist, wie sie aussieht? Ich versuche nicht mehr darüber nachzudenken und ziehe stattdessen meinen Reisepass aus der Tasche und schalte mein Handy ein. Ich komme schnell und gut durch den Check out. Die junge Mutter habe ich aus den Augen verloren. Markus hat mir eine Nachricht geschrieben. Ich freue mich ihn gleich zu sehen, er ist schon seit zwei Wochen hier. Er ist in der Führungsetage der Baufirma, die das Hotel in das ich gleich fahre gebaut hat. Die offizielle Eröffnung hat sich verzögert, eigentlich war sie schon für Ende Mai geplant, jetzt ist es Mitte Juli geworden. Mitten in der Hauptsaison. Er hat mir geschrieben, dass mich ein Fahrer abholen kommt und er es kaum erwarten kann mich in den Arm zu nehmen. Gerade als ich zurückschreiben will, höre ich wieder Babygeschrei. Ich sehe auf, die junge Frau von vorhin wirkt immer aufgelöster. Wie wird sie das nur mit dem Gepäck schaffen? Kurzentschlossen stecke ich mein Handy ein und gehe zu ihr. „Wie kommen Sie ins Hotel? Mit einem Shuttle?“
Sie atmet erleichtert durch, als ich neben ihr stehe. „Ja. Aber Konsti muss aufs Klo. Ich kann Amelie nicht allein lassen…“
„Gehen Sie, ich kann inzwischen auf sie aufpassen, also wenn Sie möchten“, biete ich an.
„Wirklich? Sie sind so aufmerksam, Danke.“
„Schon gut, gehen Sie.“ Ich werfe einen Blick auf die leere Babyflasche in der Halterung neben dem Buggy. „Soll ich etwas zu trinken kaufen für die Kinder?“
Sie sieht mich an als wäre ich eine Heilige. „Würden Sie das wirklich machen?“
„Natürlich. Warten Sie…“ Ich ziehe meinen Reisepass aus der Tasche. „Als Sicherheit, damit Sie nicht glauben ich entführe ihr Kind. Man weiß ja nie, es gibt so viele Verrückte.“
Sie schüttelt den Kopf. „Nein, ich vertraue Ihnen, Sie haben meinen Sohn gerettet. Ich verlege ihn noch. Wissen Sie, ich bin oft durcheinander.“
Ich muss schmunzeln. „Das kenne ich, ich bin auch hin und wieder verwirrt. Dann gehe ich in den Shop da drüben und besorge etwas zu trinken.“
Die Frau verschwindet im WC. Das Baby ist ruhig, noch. Ich hoffe es hält an solange sie weg ist. Im Shop kaufe ich Wasser mit und ohne Kohlensäure und Apfelsaft, von der Kasse aus sehe ich Konsti und seine Mutter auf uns zukommen.
„Danke“, atmet sie durch.
„Stilles Wasser für das Baby?“, frage ich.
„Ja perfekt,“ nickt sie.
„Und Apfelsaft für Konsti?“ Ich reiche ihm die Flasche. Die restlichen Getränke stecke ich in die Wickeltasche die am Buggy hängt. Dann strecke ich meine Hand aus. „Ich bin übrigens Heidi.“
Sie verdreht schnaufend die Augen. „Durcheinander, sehen Sie, ich bin durcheinander. Ich habe mich gar nicht vorgestellt. Sandra. Konstantin und Amelie habe ich schon gesagt. Es freut mich sehr.“
„Freut mich auch. Wir können gerne du sagen, wir sind vermutlich im gleichen Alter“, stelle ich fest. „Ich hoffe unsere Koffer sind schon da, ich werde dir helfen und dich bis zum Shuttle begleiten, das ist ja unschaffbar mit den beiden Kindern.“ Ich bin kurz davor sie zu fragen ob es keinen Freund oder Ehemann gibt, lasse es dann aber, das ist mir dann doch zu tiefgründig für eine Flughafenbekanntschaft. Die Koffer sind bereits da und das bereits länger, es rollen nur noch drei Gepäckstücke am Förderband, eines davon ist meines, die beiden anderen Koffer gehören Sandra. Konstatin ist ein aufgewecktes Kind, ich bin beim Zusehen überfordert, bis wir aus dem Gebäude draußen sind, ist er fast wieder ausgebüchst. Amelie quengelt inzwischen auch. Mir ist ebenfalls heiß und ich freue mich auf eine kühle Dusche und einen Drink danach, ich verstehe also den Unmut der Kinder. Sandra läuft zu einem Info Schalter, ich passe wieder auf den Kinderwagen auf und halte Konstatins Hand sehr fest. Neben mir bleibt ein kleiner dunkler Van stehen und lässt die Scheibe herunter.
„Frau Schmidt?“, fragt mich ein freundlicher Grieche.
„Ja, das bin ich. Ach Sie kommen mich holen.“
„Genau. Ich habe schon gedacht Sie sind weg, ich bin zu spät“, entschuldigt er sich und springt aus dem Wagen. „Tut mir sehr leid.“
„Kein Problem, aber könnten wir die Dame und die beiden Kinder vielleicht mitnehmen?“, frage ich und winke Sandra die immer noch am Touristeninfoschalter wartet.
Der Grieche runzelt die Stirn, nickt aber. „Ich habe keinen Kindersitz.“
„Das wird auch so gehen, falls wir angehalten werden, übernehme ich die Strafe“, biete ich an. „Ich nehme euch mit“, sage ich zu Sandra die mir Konstatin wieder abnimmt. „In welches Hotel müsst ihr denn?“
