6,99 €
Tauchen Sie ein in die späten Fünfzigerjahre – eine Ära, in der die Sehnsucht nach intensiven Lebenserfahrungen alle Konventionen sprengte. In diesem eindrucksvollen Zeitzeugnis gewährt Philippe einen unverblümten Blick in die entfesselte Welt einer verborgenen erotischen Subkultur: Im Paris der 1950er-Jahre existierte tatsächlich ein Institut, das junge Männer – meist Studenten – an dominante Frauen vermittelte, damit diese ihre ausschweifenden Neigungen in diskreter Umgebung ausleben konnten. Auf dieser historischen Grundlage basiert der authentische Romanbericht von Philippe Aubert. Eine reife, elegante Ärztin – Madame Diane – wählt den jungen Philippe für einen sechs Wochen dauernden Urlaub in Marokko aus. Was folgt, ist eine unvergessliche Reise in eine Welt voller Machtspiele, Hingabe und unbarmherziger Intensität. Philippe erlebt in dieser Zeit die ausschweifenden sadomasochistischen Praktiken seiner Herrin, die ihn mit einer Mischung aus Raffinesse, Strenge und unerschütterlicher Dominanz an seine Grenzen und darüber hinaus führt. Mit authentischen französischen Passagen, die den Klang der Epoche bewahren, präsentiert sich dieses Buch als ein ungewöhnliches literarisches Werk. Es enthält explizite Szenen und Worte, die den Leser unmissverständlich in die rohe Realität jener Zeit eintauchen lassen – ein Dokument gesellschaftlicher Umbrüche und ein seltenes Zeugnis einer verschwundenen Subkultur. Erleben Sie eine fesselnde Reise in eine Welt, in der das Unkonventionelle die Grenzen des Gewöhnlichen sprengt und Geschichte in ihrer ungeschönten Form lebendig wird.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 430
Veröffentlichungsjahr: 2025
Victor Lassier, Philippe Aubert
Madame Diane
Roman
ISBN 978-3-96615-037-8
(c) 2025 Schwarze Zeilen Verlag
1. Auflage 2025
www.schwarze-zeilen.de
Alle Rechte vorbehalten.
Coverfoto: © Stanislaus
Bei der Erstellung des Covers wurden u.A. KI-Technologien eingesetzt.
Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwendung außerhalb der Grenzen des Urheberrechts ist nur mit Zustimmung des Verlages zulässig. Nichtgenehmigte Verwendung, insbesondere die Vervielfältigung, Digitalisierung, Übersetzung und Verbreitung, sind unzulässig und strafbar.
Dieses Buch ist kein pornografisches Werk – doch sein bildhafter, literarisch intensiver Stil (und die v.a. in den Dialogen direkte und obszöne Ausdrucksweise) kann bei manchen Leser*innen einen entsprechenden Eindruck erwecken. Es enthält Darstellungen von Sexualität sowie einvernehmliche, teils jedoch extrem wirkende, BDSM-Praktiken. Einige Szenen können insbesondere für Leser*innen, die dieser Form der Sexualität nicht offen gegenüberstehen, verstörend wirken oder schwer erträglich sein.
Ebenso finden sich Passagen mit rassistischen, sexistischen und gesellschaftlich überholten Denkweisen, die das Denken der 1950er-Jahre widerspiegeln. Diese Haltungen und sprachlichen Formen können aus heutiger Perspektive verletzend wirken – sie wurden unverändert belassen, um die historische Authentizität des Textes zu wahren.
Wichtig zur Einordnung:
– „Mädchen“ war im Französischen damaligen Zeit eine gängige Bezeichnung für eine junge Frau.
– „Junge“ oder „Knabe“ bezeichnet hier keine Kinder, sondern wird als abwertende Bezeichnung für einen Mann verwendet, dem Reife oder Stärke abgesprochen wird.
Diese Begriffe und Einstellungen sind Ausdruck ihres historischen Kontextes, nicht seiner Rechtfertigung. Sie zeigen, wie sehr sich gesellschaftliche Wahrnehmung, Sprache und moralische Maßstäbe seitdem verändert haben – und wie tief Vorurteile selbst in vermeintlich aufgeklärten Menschen verankert waren.
Dieses Buch ist ausschließlich für erwachsene Leser*innen bestimmt. Bitte machen Sie es Kindern und Jugendlichen nicht zugänglich.
Die Erlebnisse Philippes sind in den späten Fünfzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts angesiedelt. Sie zeigen eine Weltanschauung, die uns heute gleichermaßen fremd wie faszinierend erscheint. Sie spiegeln eine Ära wider, deren moralische und gesellschaftliche Landschaft sich grundlegend von unserer unterscheidet. Was Philippe niederschrieb, ist ein Blick in eine Subkultur, die in ihrer Enthemmung und Wildheit so weit von den heutigen Konventionen entfernt scheint, dass es schwerfällt, die Verbindung zwischen dem, was einmal war, und dem, was wir heute für selbstverständlich halten, herzustellen. In diesem Text offenbart sich ein ungeschönter Blick auf einen enthemmten Teil der BDSM-Subkultur jener Zeit, ein Echo jener Jahre, die von der Sehnsucht nach Intensität geprägt waren. Nach den Entbehrungen des Zweiten Weltkriegs und der kargen Härte der frühen Fünfzigerjahre suchte man nach Erneuerung – nach Leben, das mit durchdringender Schärfe spürbar war. Frauen begannen, sich von den Fesseln traditioneller Rollen zu befreien, einen Raum für sich zu fordern, in dem sie ihre Macht neu definieren konnten.
Doch so sehr der Text sich bemüht, den heutigen Maßstäben von Sensibilität und Gleichheit zu entsprechen, bleibt er ein Kind seiner Zeit. Es ist unbestreitbar, dass der Text in einem historischen Kontext eingebettet ist, der seine eigene, unverwechselbare Logik und Perspektive hat.
Die Nachlässigkeit gegenüber Diskriminierung, von Frauen, Minderheiten, Ethnien, verbirgt sich in der Blindheit jener Zeit immer noch in den Zeilen, selbst wenn es heute als problematisch erkannt ist. Dieses Buch ist ein Produkt der Zeit, und so ist es unweigerlich: Wenn wir die Authentizität der Vergangenheit bewahren wollen, müssen wir uns auch der Last ihrer Unzulänglichkeiten stellen. Sie klingt immer wieder durch, diese kolonialistische, französische Weltsicht jener Zeit.Selbst in der Überarbeitung, die die ursprünglichen Aufzeichnungen in einen moderneren Rahmen zu rücken versucht, hallt der Geist der kolonialistischen französischen Denkweise nach – nicht laut, aber unüberhörbar. Sie kann nicht vollständig entlassen werden, aus den Ketten der Geschichte.
Und obwohl der Autor und der Herausgeber versucht haben, diesen Text so weit wie möglich in Übereinstimmung mit modernen Normen zu bringen, bleibt eine schräge Melodie aus den vergangenen Jahrzehnten in den Worten und Gedanken des Werkes erhalten. Es ist eine Unausweichlichkeit: Das historische Erbe, das diesen Text durchdringt, trägt Spuren einer Epoche, deren Wertvorstellungen heute als problematisch empfunden werden. Doch genau in dieser Unvermeidbarkeit liegt ihre Authentizität. Um dem Leser die Wahrheit mit der damaligen Perspektive zugänglich zu machen, musste die Wortwahl bewahrt bleiben, die den Ton jener Zeit einfangen, auch wenn diese Worte uns heute mit Widerspruch erfüllen.
Dass manche Passagen weiterhin im Original, in der französischen Sprache erhalten blieben, ist kein Zufall. Der Klang des Französischen – so weich, so unergründlich, und zugleich von einer unbestechlichen Härte – verweigert sich der vollständigen Übersetzung. Wo der Kontext den Sinn nicht herstellt, begleiten Fußnoten den Text, um so die Seele des Originals zu erhalten.
Das Werk lässt sich nicht von seiner eigenen Sprache entkoppeln. In den französischen Passagen bleibt der Klang der Epoche lebendig, unübersetzbar in seinen Nuancen, unveränderlich in seiner Bedeutung. Es ist nicht nur ein Text, es ist ein Zeitzeugnis, das uns auch in seiner Form und Struktur die kulturellen und gesellschaftlichen Werte einer vergangenen Ära spiegelt. Wer den Text liest, begibt sich nicht nur auf eine intellektuelle Reise in die Vergangenheit – er muss sich auch den Schatten jener Werte stellen, die wir heute nicht mehr teilen. Und dennoch, auch das muss gesagt werden, gibt uns genau diese Konfrontation mit der Vergangenheit die Möglichkeit, uns in einer reflektierten Gegenwart zu erkennen.
Es war mit der Directrice unseres Instituts ausgemacht, dass ich meine Reiseherrin auf dem Flughafen Orly treffen würde. Sie wollte mich an dem vereinbarten Treffpunkt ansprechen. Meine Fantasien tanzten wild durch meinen Kopf. Wer hatte mich für einen Ferienurlaub angemietet? Doch sicher die mir vertraute Rechtsanwältin. Oder doch nicht. Es blieb ein wohl kalkuliertes Geheimnis meiner Direktion.
Die Rechtsanwältin besetzte meine Wunschvorstellungen. Sie gebot über mich, konnte sich für mich entschieden haben, ohne dass ich es wusste, ohne dass ich den geringesten Einfluss auf ihren Entscheid hatte. Meine Abhängigkeit war mir klar, und ich genoss sie. War mir und meinen Trieben völlig ausgeliefert. Wusste, dass in meiner Auslieferung eine Art Berufung steckte, eine Art geheimer Natur, von der meine Freunde und meine Familie nichts ahnten. Geheimnisse machen selig, je abgründiger sie sind. Das Geheimnis musste gewahrt bleiben, es war meine zweite Natur, die wirkliche vielleicht – die auf jeden Fall; die auf Erfüllung pochte in jenen Randzonen der Gesellschaft, die ich mir selbst in völliger Freiheit ausgesucht hatte. Ich war frei gewesen, frei, meine Freiheit an meine Triebe abzugeben – oder besser: An fremde Frauen, die mir Einlass anboten in die geheimnisvollen Grotten der Erfüllung, der Satisfaction.
Vor Orly dachte ich die ganze Zeit an meine Rechtsanwältin, eine etwa sechzigjährige elegante, mittelgroße Frau, fordernd, extrem in ihrem Tun und in ihrem Begehren. Ich kannte sie schon gut, diese herausfordernde Kundin, ich freute mich auf sie. Nur auf sie? Ich weiß es nicht, weiß aber, dass jede neue Begegnung neue Erfüllung bot, eine Erfüllung, die nur jenseits von Routine und ausgetretenen Pfaden zu erlangen war. Schwer zu verstehen. Verständlich nur für den, der in meiner Haut steckt oder eine ähnliche sein eigen nennt.
Ich gehörte zu den offensichtlich Auserwählten, die davon profitieren konnten, dass die Chefin Angebote für besondere Urlaubsbegleitungen machte; konkret: Sie bot Sklaven Herrinnen an, für längere Urlaube.
Meine damalige Hauptherrin (auf nur eine Herrin durften wir uns nicht festlegen) war eben jene genannte großbusige, selbstbewusste Rechtsanwältin, lebens- und welterfahren.
Sie, so meinte ich, handelte mit der Chefin einen Sondervertrag aus: Vier Wochen Urlaub, das Reiseziel durfte mir nicht genannt werden. Für die Reise wünschte sie eine Vollrasur (ein Vollsklave – eine Vollrasur) und Zeichnung per Lederband und Zeittätowierung. Dazu eine spezielle Erklärung von mir, betreffs Verfügungsrecht und völliger Unterwerfung unter ihre Wünsche. Treue und Enthaltsamkeit: Fremdkontakte mit Frauen waren nur auf ihre ausdrückliche Weisung hin erlaubt. Gerne hätte sie eingebaut: Mein Einverständnis für an mir vollzogene Penetration durch Männer, die sie auswählte. Ich lehnte ab.
Die Initiation im Institut hatte Kultcharakter, ereignete sich in dieser Form zum ersten Mal: Ich wurde in einer großen Mülltonne (Beckettest présent) in den Raum gestellt, deren Deckel erst beim Eintreffen meiner Anwältin entfernt wurde. Ich entstieg der Tonne nackt, die Bedingungen wurden verlesen. Eine kostspielige Inszenierung für die Anwältin, aber über Preise wurde öffentlich nie gesprochen. Ich konnte mein Prestige ablesen an der Wichtigkeit, die man dem teuren Unternehmen beimaß.
Ich wurde von der Hauptdienerin gekonnt enthaart und geschoren: Kopf, Achsel, Scham … und von meiner Herrin fotografiert. Wie ich wohl ausgesehen haben mochte?
Dann wurde mir nach Abmachung ein vorgefertigtes Armband aus Leder angelegt, auf dem versteckt eingraviert war: Esclave de Madame Diane. Zusätzlich wurde ich schmerzlich mit einer Zeittätowierung auf dem Arsch versehen, die mich als Objet d´Amour meiner Herrin auswies und die mit einer schönen Schlange versehen war.
Hingewiesen wurde ich nochmals auf alle meine Pflichten. Die Rechte kannte ich und die waren in den Unterlagen der Chefin auch festgehalten: Versicherungsschutz, körperliche Unversehrtheit und so weiter. Dann wurde ich nochmals erinnert an meine absolute Unterwürfigkeitspflicht, die mit einschloss: Auslecken der Herrin bei ihren Fremdkontakten, auch in Gegenwart eines auf der Reise dazu geholten Zufallspartners, Sklaven im Reiseland, der Dritten Welt vielleicht.
Man beneidet mich, ich wusste es. Aber man war nicht neidisch. Andere, Jungen wie Mädchen, erhielten in der Folgezeit ähnliche Reiseangebote, die entsprechend unserer Veranlagung um so stimulierender waren, als wir unserer Herrin wörtlich ausgeliefert waren, in einem fremden Land, mehrere Wochen lang. Dass wir uns als Leibeigene, nicht aber als bezahlte Sklaven, auszuweisen hatten, war eine Selbstverständlichkeit. Mit dem totalen Verfügungsrecht über mich besaß meine Herrin natürlich für Außenstehende in dieser fremden Ferienumgebung – und für mich – eine ungeheure erotische Macht. Die würde sie auch öffentlich zeigen, dessen war ich sicher. Die bestimmt wunderbare Reise, in mir unbekannte Länder, würde durch ihre unersättliche Neugierde auch mich entdecken lassen.
Ich kannte vor Reiseantritt bestimmt nicht alle erotischen Vorlieben der raffinierten Anwältin, das machte die Angelegenheit noch spannender, weil ich, als ich nicht erfuhr, wohin uns die Reise führte, mir immerfort neue Vorstellungen machte über die die Eigenart ihrer Wünsche und Praktiken: Anmieten einer fremden Marokkanerin, Vorführung meiner Person, Lieben in der Öffentlichkeit, Umgang mit mir in der Öffentlichkeit als ihr Besitztum, mein Verhalten, wenn sie sich einen Partner auf der Reise suchte und nahm.
Als ich am vereinbarten Ferientag am ausgemachten Ort in Orly erschien, die Zeit genau respektierend, musste ich geraume Wartezeit hinnehmen und meine Erregung dämpfen, ehe mich eine mir nur wenig bekannte Kundin ansprach, eine kleine drahtige schlanke Pariser Ärztin, die ich als fordernd und bestimmend in Erinnerung hatte, jugendlich, trotz ihrer etwa 40 Jahre.
»Mit mir hast du nicht gerechnet, mon petit! Um so besser.«
Ich war verblüfft, war von ihr und der Directrice überrascht worden. Hereingelegt könnte man auch sagen. Sie genoss den Überrumpelungseffekt sichtlich, dem sie mich ausgeliefert hatte.
»Wiege dich in keiner Sicherheit, Kleiner«, sagte sie halblaut und herablassend. »Du wirst sie bei uns nie finden, das müsstest du längst wissen, gracieux bitard.«
Ich versuchte, mir auf die Schnelle in Erinnerung zu rufen, was ich mit ihr schon im Institut erlebt hatte. Die Erinnerungen waren gut, weckten meine Freude auf das Kommende, das noch gänzlich unerschlossen vor mir lag.
»Du wirst mich nach Marokko begleiten, nach Marrakech«, sagte sie nebenbei, während sie auf den Koffer wies, den sie mich schweigend aufzuheben hieß.
Die Rollen waren klar offengelegt, ihr maliziöses Lächeln verriet es. Warum hatte sie mich ausgesucht? Es war ein Kompliment, eine Art Anerkennung, unsere Kundinnen waren wählerisch, suchten sich ihre Gefährten genau aus, überließen nichts dem Zufall. Ich träumte mich schon hinein, in den afrikanischen Sand und die orientalische Welt, die mich erwarteten und die sie mir zur Entdeckung freigab.
»Ich nehme dich nicht zum Träumen mit«, herrschte sie mich an und trieb mich zur Eile an.
Wir mussten einchecken. Es gab wenig zu sagen, die Rollen waren schon eingespielt, zum Sprechen fehlte der Raum. Während des Fluges genügten Blicke, ihre Blicke, die fordernden, die erahnen ließen, was sie verlangte. Sie ließ mich schon jetzt spüren, was uns einte und was uns trennte und vor allem: Was ich für sie war – und was ich für sie nicht sein konnte. Ihre Bewegungen verrieten, was ihr die Sprache versagte, Stille reichte aus und trug die Erwartungen von uns beiden in Vorstellungen, die keiner Worte bedurften, um zum anderen zu gelangen. War ihr Lächeln zynisch, herablassend, verächtlich? Ich vermochte es nicht zu sagen, deutete es um. Fälschlicherweise? In ein prickelndes Erwartungsgefühl, das mir Momente der Ektase und des Rausches vorflüsterte. In Marrakech angekommen winkte sie weltgewandt ein Taxi herbei und nannte den Namen unseres Hotels, eines der feinsten der Stadt. Das Personal – es konnte mir nicht entgehen – war auf sie eingespielt, behandelte sie mit Respekt und Hochachtung, beachtete mich kaum, ich war ein Ding, das nebenbei die vornehme Doctoresse begleitete und an ihre Bewegung und Absicht gebunden war. Der Page, der uns auf unser Zimmer geleitete, verschwendete keinen einzigen Blick an mich, verbeugte sich leicht, als die Doctoresse ihm ein Trinkgeld hinreichte.
»Der schätzt dich richtig ein, weiß, wie er dich einzuordnen hat, dem kannst du nichts vormachen«, sagte sie triumphierend. Dann packte sie in aller Seelenruhe – sichtbar darum bemüht, mich fühlen zu lassen, dass ich jetzt für sie nicht vorhanden war – ihre Koffer aus, bedächtig, langsam, sorgfältig, mich keines Blickes würdigend. Sie wechselte Ihre Kleider – tauschte die Reisekleidung gegen die leichte Sommerkleidung aus, so als ob ich nicht im Raume wäre. Eine kurze Hose mit dazu passender eleganter Hemdbluse, die wenig geöffnet war und ihre kleinen Brüste erahnen ließen. Dazu Lederschuhe.
»Du stehst nutzlos da, verzichtbar, ungebraucht«, witzelte sie. Ein Anflug von Bösartigkeit war darin nicht zu überhören. »Zieh dich aus, gib dir wenigstens den Anschein von möglicher Brauchbarkeit«, fuhr sie fort und ich gehorchte rasch. Sie nahm es scheinbar interesselos zur Kenntnis, betrachtete mich kaum, blättere im Reiseführer, ehe sie ans Telefon ging und nach der Coiffeuse des Hotels verlangte, die wenig später an die Zimmertüre klopfte. Ich hatte sie auf einen Wink meiner Herrin hin zu öffnen. Eine Szene, die neu für mich war, doppeldeutig, ich war geniert und gleichzeitig erregt, doch die eintretende Coiffeuse nahm von mir und meiner Nacktheit kaum Kenntnis. Beides schien für sie in den Rahmen des für sie Vertrauten zu gehören. Die Herrin gab ihr die Hand, lächelte sie an, und schon in dieser kurzen Begrüßung musste ich meine Rolle oder Bedeutung in einem mir zugedachten Spiel erkennen, aus dem es kein Entrinnen gab. Ich hätte es auch nicht gewollt, die Spannung war zu unerhört provozierend.
Sie setzte sich, gab freundliche Anweisungen, wie sie ihr Haar frisiert haben wollte. Fast bubenhaft, schwarz, kurz, eine Eleganz, die mich stets angemacht hatte, und sie wusste es, wusste genau, was sie mir bot, ohne sich einen Moment der Lust zu gönnen. Es genügte ihr, meine gespannte Erregung zu sehen, zu spüren und mit der behände arbeitenden Friseurin zu teilen, die sie verstohlen anlächelte. Erst jetzt fiel mir die auffällige Schönheit der Coiffeuse auf, schlank groß mit afrikanischer Frisur, sehr dezent gekleidet, aber ohne Anklang an die gängige Hoteltracht. Einmal betrachtete sie mich voller Mitleid, aber mein Vorhandensein schien sie nicht zu irritieren. War sie schon an solche Konstellationen gewohnt, Pariserinnen, die mit einem Lustknaben ins Hotel kamen? War etwa meine Herrin schon mit einem anderen Lustobjekt hier gewesen und hatte sie eine bereits eingespielte Liebeskultur begehrlicher und reicher Frauen aus Frankreich auch für sich genutzt? Das Verhalten der Coiffeuse schien anzudeuten, dass sie alles wusste, was mir verborgen bleiben musste, dass sie in geheimem und vollem Einklang mit meiner Herrin agierte und sich entsprechen betrug. Alles deutete darauf hin. Als sie ihre Arbeit beendet hatte, während der sie mit der Herrin sich flüsternd unterhalten hatte, wies die Doctoresse sie an, mir ein Halsband umzulegen, das sie flugs aus dem Schrank geholt hatte. Die Coiffeuse, mit einer solchen Gestik offensichtlich vertraut, legte es mir flink um, blinzelte mir zu, nicht zweideutig, sondern mit einem Augenaufschlag, der ihre Komplizenschaft mit der Pariserin verriet. Dann, nur auf ein Wort hin, holte sie die Leine aus dem Schrank und befestigte sie an meinem Halsband. Beide stellten sich vor mich hin und zogen abwechselnd daran, warfen sich die Blicke von gleich gestimmten Verschwörerinnen zu. Sie verschwand, hauchte ein »Madame«, und wir waren wieder allein. Was ich mir als Weiterführung der eben angefangenen Inszenierung von Wünschen vorgestellte und ausgemalte hatte, fand nicht statt. Die Herrin überraschte mich einmal mehr mit einem Versagen des Erwarteten, ließ mich in meinem ungeduldigen Warten verharren, um mir deutlich zu machen, wer hier die Spielregeln bestimmte. Für mich zog sie aus ihren Koffern ein Hemd, eine kurze Hose und Sandalen, die ich anzuziehen hatte, unter ihren jetzt interessiert mich beobachtenden Augen. Die Leine versteckte sie unter dem Hemd. »Es soll alles so zu dir passen, wie ich es will und für richtig halte«, sagte sie laut.
Sie selbst zog nun eine lange Hose an, die bis zum Knie aufgeschnitten war, völlig weiß, ein hochmodernes Modell, das ich sie noch nie in Paris hatte tragen sehen. Sie bemerkte die Bewunderung, die ich ihr zollte, versteckte ihr Geschmeicheltsein aber unter dem ironischen Lächeln, an das ich bei ihr schon gewohnt war. Und so gingen wir in die Stadt, ich einen halben Schritt hinter ihr zu ihrer Linken, was unser Verhältnis genau bezeichnete und als solches erkannt wurde, wie ich mit Erstaunen feststellte. Für meine Herrin war dies eine Selbstverständlichkeit, die darauf verwies, dass sie mit der Stadt, den Gebräuchen, der Haltung der Einheimischen bestens vertraut war. Wir waren in der Medina, gingen durch die Avenue Mohammed V zur Mosquee de la Kasbah. Flüchtige Blicke streiften uns, die ein beiläufiges Erstaunen über das seltsame Paar ausdrückten, aber ein durchaus zustimmendes, was mich verwunderte. Waren wir das einzige Paar, das in einer solchen Konstellation hier auftrat? Ich vermute nicht, hatte aber nur Augen für die Stadt und ihre Fremdartigkeit, für die elegante Bewegung meiner Herrin, deren Kleider sie mir in einer ganz neuen Darstellung ihrer Reize darbot, Reize die von der bunten Umwelt und der gleißenden Hitze noch unterstrichen wurden. Sie genoss meine Sprachlosigkeit, mein Aufgehen in dem von ihr entworfenen Szenario, das etwas von einer Theaterinszenierung hatte. Einmal berührte sie flüchtig (absichtlich?) meine rechte Hand, ein Zeichen, das zu deuten mir unmöglich war.
Zum Abendessen im Hotel erscheint Madame in einem farbenprächtigen, eng anliegenden Kleid, das die Knie frei ließ und die Brustansätze erkennen ließ. Ihr strahlendes Erscheinen löste allgemeines Erstaunen aus in dem großen Saal, wo viele Touristen Platz genommen hatten. Meist Paare, reifere Jahrgänge, aber auch einige jüngere. Die Kellner bedienten mit eleganter Beflissenheit, bevorzugten aber deutlich in ihrer Aufmerksamkeit Madame, die als Bestimmende, als Dominierende auftrat und es alle erkennen ließ. Das Essen war vorzüglich, der ungewohnte Vin de Pays herrlich. Sie trank viel, was sie aber nie die Rolle vergessen ließ, die sie sich selbst vorgezeichnet hatte. Der Wein löste ihre Zunge, sie sprach über Paris, die Opern und Schauspiele, die sie begeisterten. Ging sie da alleine hin? Anlass zu fragen gab es keinen, die Rollen waren so bestimmt und festgelegt, dass sie nie Angst haben musste, mit unerwünschten Fragen belästigt zu werden. Zudem: Das Institut hatte uns eine Erziehung zukommen lassen, die mich instinktiv jede unziemliche Frage von vorneherein hätte vermeiden lassen. Aber: Es gab auch Kundinnen, die es darauf anlegten, unziemliche Fragen zu provozieren, die sie dann mit Raffinesse und gewollter Bösartigkeit zu bestrafen wussten. Ich kannte die Doctoresse noch zu wenig, um zu wissen, wo sie die für mich gültigen Grenzen gezogen hatte. Ganz unerwartet legte sie ihre rechte Hand auf mein Geschlecht, wenige Sekunden nur, so schien es mir, aber ich kann mich täuschen, blickte dabei weg. Wollte sie erkunden, ob man sie dabei beobachtet hatte? Sie suchte die Aufmerksamkeit, sie wollte auffallen, und wir fielen auf als ein Paar, das schwer einzuordnen war, das vom Alter her keine eindeutige Zuordnung erlaubte. Die reife Frau, jugendlich im Auftreten, elegant, selbstbewusst, eine Dame von Welt und daneben ein Jüngling, gerade 18 Jahre alt, ein Garçon, dessen Rolle nicht eindeutig erkennbar war – weder als Partner noch als Sohn, noch als Begleiter, noch als Verwandter. Ich stellte mir vor, welche Verwirrung in den Köpfen der Anwesenden entstehen musste beim Betrachten dieser beiden, die zu deuten sich allen entziehen musste. Oder doch nicht? War unsere Selbstdarstellung so offen zweideutig, dass sie wiederum von der Stufe des Geheimnisvollen hinabstürzte in die Banalität des Eindeutigen, des Abwegigen, des Verruchten? Dagegen aber standen die ausgesuchte Höflichkeit und Eleganz der Madame, von der ein Kellner in Erfahrung gebracht hatte, dass sie in Paris eine bekannte und kompetente Chirurgin war (was ich erst später erfuhr). Kein zweideutiger Satz kam über ihre Lippen, der mir verraten hätte, was sie sich von ihrem Urlaub in Marrakech versprach, der sich doch deutlich abheben musste von ihren Besuchen in unserem Institut in Paris. Dazu kam noch die Länge des von ihr festgelegten Aufenthaltes, der der Fantasie, meiner Fantasie, alle Tore und Möglichkeiten des Ausgefallenen öffnete. Doch lediglich Fantasien, meine Fantasien, und ich hatte mich ja vertragsgemäß allem unterzuordnen, was meine Herrin (meine Kundin) von mir erwartete und verlangte. Besser ausgedrückt: Was sie mir befahl zu tun! In Paris war ich einer Herrin ausgeliefert für eine uferlose Zeit. Der ich zwar zugestimmt hatte, aber …
Mir blieb beim ersten Abendessen viel Zeit zum In-mich-hinein-fantasieren, was sie amüsiert zur Kenntnis nahm: »Auf dein Wohl, mein Schweigender!« Der Cognac stand auf dem Tisch, sie hob ihr Glas, ich tat es ihr – etwas verwirrt – nach. Dabei sah sie mir fest in die Augen, so, als ob sie sich meiner Gegenwart und meiner Brauchbarkeit versichern wollte.
Wofür war ich denn hier? Warum hatte sie mich mitgenommen und dafür eine Menge Geld ausgegeben? Die nüchterne Realität holte mich ein, ließ mich vom Träumerischen und Elegischen absinken in die Hässlichkeit der Trivialität, die es aber eigentlich für mich und meine Lebensführung gar nicht gab. Ich fühlte mich überwohl in meinen Tätigkeiten, erfüllt, ausgelastet. Wusste freilich schon halb unbewusst, dass meine Damen alles anders empfinden mussten als ich, dass sie …
Sie lachte, stand auf, und ich folgte ihr. Die Blicke, die uns noch folgen konnten, interessierten mich nicht. Ich gehörte schon einer anderen Welt an, deren Regeln Madame bestimmen musste. Wir kamen in unserem Zimmer an, einem feudalen Raum. Die Herrin sah meine Verlegenheit, ahnte, dass ich mich quälte mit dem, was jetzt folgen würde, und sie genoss diese Momente der Unterschiedlichkeit sichtlich. Dann band sie mich mit dem Halsband, das sie unter meinem Hemd hervorholte, an einen Bettpfosten, zog mir Hemd, Hose und Sandalen aus. »Du gefällst dir wohl in deiner Untätigkeit, mein Häschen, das wird sich aber bald ändern.« Sie griff an meine steifen Brustwarzen, kniff sie ordentlich mit ihren langen roten Nägeln, betrachtete mit unverstecktem Wohlbehagen die Versteifung meines Schwanzes. Sie hatte Macht, wollte deren Beweis, diesen sehen, ehe sie ihn genoss. Sie war eine Künstlerin in der Behandlung meiner Brustwarzen, kniff, drehte, bohrte ihre Nägel in sie hinein, wieder und wieder aufs Neue. Dann legte sie sich, nachdem sie sich rasch ihres Kleides entledigt hatte, nackt aufs Bett und fixierte mich provozierend: »Wünsch dir nichts, du wirst nur erhalten, was ich brauche. Brauche an dir, von dir, Kleiner.«
Ihr Anblick steigerte mein Begehren, sie sah es, blickte spöttisch auf mich, ehe sie mich vom Bettpfosten löste und mich aufs Bett zwischen ihre Beine zwang: »Leck mich!« Ihr Mösensaft spritzte mir schon entgegen, wie ein harter Strahl, ehe es meiner Zunge gelang, in sie einzudringen und das köstliche Nass zu genießen. Es hörte nicht auf. Sie hörte nicht auf. Ihre Lustfontäne verebbte nicht. Versiegte lange nicht. Ihr Körper zuckte und wand sich. »Du geiler Zungenbock, du verdammter Leckboy, du mieser Geilaffe, verfluchter, ich werde dir tausendmal heimzahlen, was du mich an Lust erleiden lässt.«
Ich wagte mich an ihre Brüste heran, erst zärtlich, dann bestimmter und heftiger, umkreiste sie mit zwei Fingern, presste ihre Brustwarzen mit Daumen und Zeigefinger. Sie schrie, bäumte sich auf, ich warf sie zurück, jetzt ließ sie meine Kraft und meinen Willen zu.
»Du Höllenluder, du wirst noch erleben, was es heißt, mich so zu quälen, du gemeiner Hurenboy, du Abschaum, du verfluchter Lustspender, ich werde dich leiden lassen für alles, was du mir antust in deiner Hinterlist. Du gehörst gehörig abgestraft für das, was du tust, mir antust.«
Ich war nass vor Lust, von ihrer Lust, sie spritzte immerfort zu, schrie ihre Lust durch ihre Vagina in meinen Mund hinein, dröhnte mit ihrer Stimme, die mich beleidigte, verfluchte, verdammte und dann unverhofft umschlug in ein zärtliches Verlangen: »Gib mir endlich deinen Lustschlot, lass mich nicht länger warten, du Schuft, du Diener, Du Sklave. Du gehörst mir, mach es mir, sei gnädig, büßen dafür kannst du später.«
Ich erhob mich, stand auf im Bett, sah sie unter mir, warf mich auf sie, ließ mich auf sie fallen, niederstürzen, sah sie Beben und drang mit meinem Schwanz in ihre Lustgrotte ein, wo eben noch meine Zunge gewütet hatte. Ihr Lustsaft brannte auf meinem Eindringling, sie flehte: »Tu es mir an, ich will, dass du es tust, du …«
Ich war ihr Lusteinbrecher, ihr gemeiner Einbrecher, der Aufbrecher ihrer verstauten Lüste. Worte hatte sie jetzt keine mehr, ihre Orgasmen verschlugen ihr die Sprache, sie heulte, flennte, weinte vor Lust, stammelte, stotterte. Alles, was sie sich gewünscht hatte, war ich für sie geworden. Gab es noch mehr? Für sie? Für mich? Ahnte sie, was sie mir gab, schenkte, erschloss? Kaum, sie hielt mich für die männliche Hure, die spielte, die ihr etwas vorspielte, für Geld, für kalte Entlohnung. Würde ich später mal berichten, was ich ihr verdankte, dass ich sie für meine wüsten Triebe genauso benutzt hatte wie sie mich? Meine Gedanken regten mich noch weiter an, ich stieß mich in sie hinein mit aller Kraft, dann ließ ich wieder nach, liebkoste sie mit meiner Speerspitze lange und intensiv am Kitzler, mit dem Zeigefinger nachhelfend; spürte, dass sie in der Erregung noch höher kletterte, weicher und inniger empfand. Wenn mein Lustpfahl sie verließ und dann wieder langsam und zärtlich zu ihr zurückkam und ganz vorne am Lusteingang kreisende Bewegungen vollführte, wurde sie stiller, schloss Augen und Mund. Ich sah sie an, aufgelöst in lustvollen Bewegungen, die ihren schönen Körper erschütterten. Das dauerte, ihre Annahme meines Körpers verführte mich zu einer noch nie versuchten Kühnheit: Ich ließ mich ganz auf sie sinken, umarmte mit meinem Mund den ihren, küsste sie, öffnete ihren Mund mit der Zunge drang in sie ein, suchte ihre Zunge, die sich nicht verweigerte. Meine Hände glitten über Ihre Wangen, ich sah sie selig lächeln. Verschmolz nicht mit ihr – ein Rest Widerstand blieb in uns beiden, aber auch der war pures Begehren und Gier, erfüllte Lust im Unerwarteten. Dann hob ich mich wieder, stütze meine Arme aufs Bett und drang mit letzter und größter Gewalt in diesen Körper ein, der sich mir schrankenlos geöffnet und ergeben hatte. Keine Zollschranke, keine Grenze mehr zwischen unseren Körpern. Ich wurde zum Berserker, der in ihre Tiefe vordrang. Gewalttätig, mit Wucht, ihre Vagina umschloss mich immer mehr, so als wollte sie mich nicht mehr freigeben. In ihr war jetzt alles zugleich weich und steinhart, mein Penis war ihr Gefangener, sie meine Gefangene, durch mich zur Sklavin geworden – ohne dass sie es wusste. Mein Wissen war kostbar, ihr entzogen, ich war Räuber und Geraubter zugleich, Hurenbock und Liebhaber, sie mir genauso preisgegeben wie ich ihr. Immer weiter drang mein steinharter Penis in sie ein – ein Ende war nicht absehbar. Meine Lust verlängerte ihr Lustorgan, und wenn ich kurz innehielt, drängten mich ihre Zuckungen zum Weitermachen. Ich sah sie völlig ausgebreitet in ihrer gierigen Lust – aber ich dachte nur noch an mich, an meine Erfüllung, an meine Lustkünste, an unsere Komplizenschaft in der Lustgebung und Lusterfüllung.
Sie glitt mit zwei Fingern in ihr Geschlecht, umspannte meinen Penis, der zu platzen drohte, ich schob ihn weiter in ihre Vagina hinein.
»Ma trancheé, meine Vagina steht in Flammen, ignoble pipard«, stöhnte sie, ihr Orgasmus platzte gleichsam in ihr, ihr Körper verwandelte sich in ein einziges Zucken; ihr lustverzerrtes Gesicht, war kaum mehr als das zu erkennen, was es gewesen war. »Du elender Hurenboy, du Lustknabe, verdammter, du gehörst abgestraft für deine Verruchtheit«, schrie sie in sich hinein, ehe sie mich mit einem Ruck aus sich hinauswarf und ihre Beine auf meine Schultern legte. Sie streichelte meine Brust, meinen Rücken, ich drang wieder in sie ein, brach gleichsam von innen auf stieß mich in ihren zierlichen Körper hinein und pisste mit voller Kraft in sie hinein.
»Nie wieder wirst du mir das antun, mon salaud de pissard«, wimmerte sie in einem gewaltigen Lusterguss, wie ich ihn noch nie erlebt hatte. Ich fand nur mit Mühe aus ihr heraus, ihre Arme umklammerten mich, ihre Vagina hatte meinen Penis wie eine Zange umschlossen gehalten. Sie lag neben mir, ich streichelte sie, Rücken, Beine, dann griff sie nach meinem Kopf und drückte ihn an ihr Geschlecht. »Mach weiter, mon troufilou.« Ich leckte gierig ihre dick angeschwollenen Schamlippen, mein Werk, meine geübten Finger halfen nach, dehnten sie auseinander, nahm ihre Klitoris sanft in meinen Mund, saugte zärtlich an ihr und blicke in ihr verzücktes Gesicht. Meine Finger bohrten sich an meiner Zunge vorbei in ihre tiefen Lustgrotten.
»Wer so viel gibt, muss ebenso viel büßen«, rief sie in Ektase, befreite sich von mir, warf mich auf den Rücken und setzte sich auf mich, den Penis führte sie in ihr Lustloch ein. Sie beritt mich. »Jetzt wirst du für deine Schandtaten zahlen, misérable loupeur«, rief sie triumphierend. Sie beherrschte mich, gab mir zurück, was ich ihr genommen hatte, kniff grausam in meine Brüste. »Wie du mir, so ich dir!« Ich bekam reichlich zu spüren, was sie mir als Racheakt zugedacht hatte und nicht sparsam an mir vollzog. Sie ohrfeigte mich, lachte dazu hämisch, beritt mich mit entfesselter Gier, ungebremst, steigerte unser beider Wollust noch durch ihre Umklammerung meines Schwanzes. Sie hatte wieder die Oberhand, verfügte über mich in rasanten Bewegungen. »Spritz ab, du schmutziger Nichtsnutz«, keuchte sie außer sich. Ich, der lange mich hatte zurückhalten müssen, ergoss mich mit Freude in sie. Wir bewegten uns im gleichen Takt, vollführten einen wilden verzückten Bewegungstanz von zwei Körpern, deren Aufzucken zu keinem Ende kommen wollte. Dann setzte sie sich flugs und unvermittelt auf meinen Mund und herrschte mich an: »Leck mich, mon poubelliste.« Sie grinste. »Besorge wenigstens das Unanständige mit Anstand, du Nacktsamer, du Schwanzvermieter, du ungeratener Nachtstecker, du …« Sie konnte nicht genug von meiner Zungenarbeit kriegen, wurde erregt, griff sich an die Brüste, ehe sie sich erschöpft fallen ließ. Ich kam an ihrem Rücken zu liegen, streichelte sie, verirrte mich bis auf ihren zierlichen Po. »Diane, ma chasseresse, tu t’es égarée dans les forêts où nul ne s’est jamauis hasardé«[Fußnote 1], summte ich, eine Opernarie.
Sie zuckte auf, wandte sich wieder mir zu, sah, dass mein Schwanz steif geblieben war, griff, gierig danach: »Du bist eine Gefahr für die Menschheit mit deinem Notenbohrer, du Dauerständer. Geile ich dich denn so auf! Du hast mich schwach erlebt und das ist unverzeihlich. Dafür gehörst du bestraft. Ich ficke einen Schwanzjungen, darauf steht Bestrafung, hörst du!« Sie liebte es jetzt, sich reden zu hören, ich hatte es rasch bemerkt, sie berauschte sich an ihren Worteingebungen. Wie lebte sie denn sonst, meine ausgefallene Herrin, allein und einsam oder eingebunden in eine Gesellschaft oder gar Familie, wo solcher Mangel an Dezenz verrufen war, unstatthaft, undenkbar. Hier konnte sie leben, wie sie war – in den Verstecken ihrer uneingestandenen Gelüste, für die es in ihrer Pariser Umgebung keinen Lebensraum gab. Sie weckte mich aus meinen Träumereien: »Du Frechschwanz hast es dir herausgenommen, mich zu duzen, du Luderarsch, du Abgefeimtes, das wird dich mehr kosten, als dir lieb ist, glaub mir«, dabei grinste sie verschmitzt. Sie wandte mir wieder ihren Rücken zu, und ich – kühn geworden – drang von hinten in sie ein. Ihre Möse war nass (wieder nass), ich drückte sie an mich, umfasste ihre Brüste, leckte ihren Hals.
Als ich am Morgen erwachte, stand sie, blendend angezogen, vor mir und flüsterte lächelnd »Nichts ist geschehen, und der Rest ist nicht nennenswert.« Will sagen: »Es hat sich nicht Nennenswertes ereignet. Außer, dass du tief und gut geschlafen hast, wie einer, der von allem nichts wissen will.«
Erst jetzt sah ich, dass ich Ketten an meinen Fußgelenken trug. »Es ist gut, dass du um deinen Status hier genaustens Bescheid weißt, und es gibt Mittel, die dir dies in dein Gedächtnis zurückrufen, falls du es vergessen haben solltest. Du bleibst, was du bist, keine noch so gut gemachte Leistung oder Anstrengung befreit dich aus deinem Stand als … na ja, du verstehst schon. Worte bilden die Realität nur ungenau ab.«
Fürs Frühstück hatte sich Madame aufs Feinste angezogen. Sie trug eine leichte Bluse mit einem einzigen Knopf in der Höhe der Brustspitzen, sodass das makellose Fleisch des Halses und der Busenansätze voll sichtbar war. Der raffinierte Blusenschnitt bot einen Ausblick auf die Körperpartie bis zum Nabel. Dazu eine weite weiße Hose. Der Kontrast fiel auf, sie zog die Blicke der anderen Gäste auf sich. Madame beherrschte die Inszenierung ihrer Person aufs Perfekteste.
Mir hatte sie ein unauffälliges Hemd zugedacht und eine leichte Jeans. Die Kleidung, die ich mitgebracht hatte, verschmähte sie, diese hatte sie bestimmt über den Hotelservice für mich bestellt. Es sollte eben alles passen und richtig sein. Für sie, versteht sich. Das Frühstück war üppig, wir fielen auf, nicht als Paar, sondern als schwer zu deutende Kuriosität, die die Fantasien anheizte.
»Ich werde andere auf dich scharfmachen«, sagte sie gleichsam nebenbei, »warum denn auch nicht, man soll seinen Besitz immer teilen, das erhöht seinen Wert, macht ihn noch kostbarer.« Das Wort »ausleihen« vermied sie bewusst, es wäre zu vulgär gewesen, Madame hielt auf Stil und Spracheleganz. Sie war mal so, dann wieder ganz anders. Nichts erinnerte an das, was sich in der Nacht zwischen uns abgespielt hatte. Sie orientierte sich in ihrem Verhalten strikt an ihrer Umgebung und tat dies mit umsichtiger Aufmerksamkeit. Auch bestand sie auf Grenzen, das wurde mir jetzt klar, die vergangene Nacht war eine Ausnahme gewesen, ihrer Schwäche und ihren Trieben geschuldet und darauf stand nun mal eine Strafe – Strafe für mich, den Erreger des Geschehens, des Ärgernisses. Auch das war Kalkül.
Sie hatte mich mit Bedacht in Paris ausgesucht, kannte mich schon von ihren Besuchen im Institut. Sie war eine raffiniert-kluge und gebildete Frau, hoch sensibel, an einem Penis nur interessiert, wenn er sich mit seinen Eigenschaften einfügte in ein grosses Ganzes, in ihre Erwartungen, die auszufüllen sie sich vier Wochen gönnte. Sie war die Regisseurin einer Theateraufführung in ihrem eigenen Haus, zugleich Hauptdarstellerin und Zuschauerin. Welch Reiz! Welche Ambition! Warum musste ich so jung und gleichzeitig so erfahren, so lasterhaft sein, dass sie mich schon heute Morgen einen Vicegarçon, einen Lasterjungen nannte. Was in ihrem Leben motivierte ihre Vorliebe für einen gerade volljährigen Jüngling, kaum der Kindheit und der Schule entronnen. Was versprach sie sich von ihm? Was konnte ihr voraussagen, dass er ihre abartigen Wünsche erfüllen konnte, auf sie eingehen würde, ganz unkompliziert und ungehemmt. Da unterbrach sie mich in meinen Überlegungen: »Meine ja nicht, dass du hier keine Arbeitskameraden hast in dieser Stadt, bilde dir nicht ein, der Einzige zu sein, der deine Abkehr von der Normalnatur teilt.« Sie lachte laut und war sich der Aufmerksamkeit sicher, die sie mit ihrer Stimme erzeugte, aber auch mit ihrer bloßen Anwesenheit. Man blickte auf sie, erriet, dass sie nichts verbergen wollte, dass sie auf eine fast unverschämte Art offen war und ihre Offenheit preisgab durch ihr Verhalten, ihr Benehmen und meine (an sie gebundene) Gegenwart. Sie verwickelte eine Tischnachbarin in ein Gespräch, diese kam aus Avignon, war Opernsängerin, alleine hier, und Madame gab sich als Pariser Opernfan zu erkennen. Der Bund war geschlossen. Oder sagen wir, schon fast.
Der Kaffee war vorzüglich, er hielt uns lange am Tisch zurück. Wortfetzen flogen von Tisch zu Tisch, Madame wurde rasch ein Mittelpunkt von vielen Andeutungen, die mich zur Nebensache werden ließen. Ich, eine unbemerkte Person. Ich stellte mir vor, ich würde aufstehen, sagen, wer ich bin, was ich tue und was mich mit der Doctoresse verbindet. Ein Ärgernis ohne Sinn und Nutzen! Ich schwieg, wusste, dass meine Lebensberechtigung hier einzig und allein in meiner Unbekanntheit bestand. Ich war nur ansatzweise vorhanden. In der Vorstellungswelt der Gäste, des Dienstpersonals – das war alles. Ich war eine Nebenfigur, deren Funktion unklar war. Dazu unbedeutend. Das Dienstpersonal war sicher an ganz andere Auffälligkeiten gewohnt, an sichtbare Lasterpraxen, die vornehme Gäste hier fernab ihrer Heimat in Szene setzten, und zwar gefahrlos.
Die hübsche Bedienung steckte dankend ihr Trinkgeld ein. Man sprach über Wüstenausflüge, gemeinsame Autofahrten, gemeinsame Abende auf der Veranda, neue Weine, die es zu entdecken galt, sehenswerte Orte im alten Marrakech. Meine Herrin war voll in ihrem Element, diskutierte erregt mit, wo es um die Entdeckung von seltenen antiken Sehenswürdigkeiten ging. Sie war rasch Mittelpunkt einer verschworenen Gästegemeinde.
Von Anfang an faszinierend war das Gefühl, ihr zu gehören, ständig von ihr als Leibeigener gehalten und vorgeführt zu werden, auf dem Flughafen, im Flugzeug, im Hotel. Und sie verfügte völlig über mich. »Mein Sklave besorgt den Transport meines Koffers, wissen Sie.« Eine Selbstverständlichkeit für sie. »Sehen Sie seinen Armring, er gehört mir, ich werde Ihnen auch seine Tätowierungen auf seinem Hinterteil zeigen. Er ist so geboren worden müssen Sie wissen, ein geborener Sklave, man findet selten Jungen wie ihn. Er ist zart, empfindsam, leidig intelligent, unterwürfig und gehorsam. Sein Glied ist herrlich, ich werde es Ihnen zeigen, er hat nichts zu verbergen, ich auch nicht. Ich habe ihn schon an eine Freundin ausgeliehen, er ist unübertrefflich, vollbringt überall seine Pflichten als Lasterding. Ja, so ist es, er ist lediglich ein Ding, er ist kein Mensch. Es gibt Dinge, von denen er ausgeschlossen bleibt: offizielle Einladungen, Bälle, Opernabende … Er ist nicht für alles gemacht, er ist eine Ware - eine kostbare, natürlich.«
Ihre Art des Umgangs mit mir war frei und unbefangen, nüchtern sachlich. »Je ne t’aime pas (Ich lieb dich nicht), das weißt du.« Es war klar. Uns einte was anderes. Ich bewunderte sie, verdankte ihr viel. Ich war ihr Verfügungsobjekt, ihr Objektsklave. Sie war interessiert an dem, was ich ihr brachte und erbrachte, versicherte sich auch häufig und ungeniert in aller Öffentlichkeit des Zustandes meines Gliedes. Eine Nichterektion irritierte sie. »Bist du nicht geil?« Eine Abweisung durch meinen Penis hätte sie schlecht ertragen.
Sie wies mich überall, auch im Hotel, als ihren Besitz aus. Was mich nicht irritierte, das Personal jedoch zuweilen. War weiter nicht schlimm. Mich geilte es auf. Mein Masochismus war echt, und sie empfand es auch so, was ihr ein Gefühl von Sicherheit und Überlegenheit gab. Ich spielte nicht, ich war Sklave, ihr Sklave, ihr Eigentum, ihr Besitz. »T’es à moi, c’est tout.« Eindeutig: materiell, psychologisch, wissenschaftlich.
Sie behandelte mich gerne und gekonnt mit feinen Nadeln, chinesischen, die ich auch tags zu tragen hatte, überall, am liebsten an den Brüsten. Sie machten unwahrscheinlich geil, und sie wusste es. »Du musst brennen, ich will es so, tu entends.« Sie war unkompliziert, aber fordernd, witzig, sprühend, geistvoll – aber agierte mir gegenüber deutlich nach der richtigen Maxime: »Ich habe dich teuer eingekauft und erwarte von dir entsprechende Leistungen. Ich arbeite hart und erwarte von dir dasselbe. Mir zu dienen ist Arbeit. Unterwerfung ist Sklavenarbeit. Dafür habe ich dich gekauft.« Ich war Ware, auch in den Augenblicken größter Intimität hielt sie mich auf Distanz, nannte mich beim Sklavennamen und ich sie »Madame« oder »Ma Maîtresse«. In der Öffentlichkeit gerne »Doctoresse«. Distanz zu mir war ihr wichtig, sie drückte nicht Verachtung aus aber Verdeutlichung einer Grenze. »Du bist keine Hure - aber …«
Ja, was war ich denn? Schwer zu sagen, was ich für sie und andere Frauen war. Nicht immer derselbe. Rollen sind dem Wandel unterworfen.
»Du bist so verdorben, dass du eines Tages zur Sucht wirst. Das gefällt mir sehr, aber einen Sohn wie dich möchte ich nicht haben, unerträgliche Vorstellung, ich beneide deine Mutter nicht.«
Da hatten wir es. Ihre Bürgerlichkeit schoss voll durch. Sie liebte ihre Laster mit mir, war mir dankbar, dass sie sie mit mir, dem Käuflichen, leben konnte, klar. Aber ich war nur ein käuflicher Sklave. Ich blieb abgesondert in ihrem Dasein, nie hätte sie sich zu ihrem Sadismus bekannt. Lasterhaft ja, sogar skrupellos, aber nur im ausgesparten Lebensbezirk der Finsternis, der gekauften Laster. Da sie mich mietete, war ich ein Laster auf Zeit.
In der Gemäldegalerie all meiner Frauen eine der profiliertesten. Ich habe mehr Frauen gehabt als die meisten, man sieht es mir nicht an, viele waren in der Tat Kundinnen, aber unsere Verhältnisse gingen in jedem Fall über die Schwelle der reinen Käuflichkeit hinaus. Das lag in mir so wie in den Frauen und ihren Ansprüchen begründet. Was wir lebten, war eben nicht reduzierbar auf Kaufen und Gekauftwordensein. Ohne unsere Triebe wären wir nie in diese bizarre Welt der Käuflichkeit gekommen. Was wir so offen trieben, ließ sich außerhalb einer organisierten Welt der käuflichen Lasterhaftigkeit nicht denken – schon gar nicht leben. Die Möglichkeit der Lebbarkeit unserer Laster und Perversionen (für alle Frauen und Männer, Jungen und Mädchen) war nur möglich in den Grenzen der von unserer klugen Chefin geschaffenen Rahmenbedingungen eines speziellen Etablissements. Punktum. Und vor ihrer geschlossenen Türe warten bis heute ungehört und unerhört die Moral und das schlechte Gewissen. Das Etablissement hatte zur Voraussetzung den absoluten Tabubruch.
Meine Ärztin sah das ähnlich, doch wir redeten selten bis nie darüber. »Wir handeln nach unseren Begierden, Perversionen, Impulsen und Lüsten, und zwar ungehemmt, ohne darüber nachzudenken.« Das war ihre Devise. »Die Sünden ausleben, sie wie Verbrechen verüben. Taten vollbringen, das ist alles.« Sie war spontan, immer, und wenn wir uns sahen, taten wir ungestüm immer alles. Im Urlaub jetzt blieb uns kaum Zeit zum Reden, wir waren zu sehr beschäftigt mit unseren Taten!
Ihre erotische Psychologie war denkbar einfach. »Du bist mein Laster, ohne dich wäre ich nicht triebhaft. Ohne dich bin ich Bourgeoisin oder Nonne oder innere Frau. Siehst du, du hast mich bösartig gemacht, darum bestrafe ich dich so gern, will dich schlagen, bis du blutest.«
Sie war also Sadistin, um mich für ihre geilen Lüste zu bestrafen, wie es im 16. Jahrhundert die Hexenmeister taten. Ich war so feige, es ihr nie zu sagen.
Ich musste von ihr verschlossene Lederslips tragen, auch diese Beengung verschaffte Lust. Sie unterstrich damit ihre Verfügungsgewalt, war sich meiner Treue vielleicht auch nicht sicher. Belegte Untreue hätte in dem Etablissement zu harten Konsequenzen geführt. Sie aber wäre entsetzlich gekränkt gewesen und beobachtete natürlich die Blicke, die ich auf andere Frauen warf. Nutzte sie später auch für harte Bestrafungen. Ihr treu sein fiel schwer in einer fremden exotischen Umwelt. Freie Kontakte durfte ich nicht aufnehmen. Normalität versuchte mich zuweilen, einfach mit einer Frau normal schlafen! Eine meiner Brüste war stets mit einer Brosche oder Nadel versehen und zusammen mit dem Slip und dem verräterischen Armband wies ich mich oder wies sie mich ständig mit meinem Sklavenstatus aus, der für alle verständlich war.
In einem Café in Marrakech setzte sich eine andere Französin, Alleinreisende, an den Tisch, und rasch hatte meine Doctoresse ihren Spaß daran gefunden, mit dem Gedanken zu spielen, mich zu verleihen. »Ich kann ihn Ihnen ausleihen, er wird Ihnen ins Hotel folgen, er ist empfindsam und gehorsam, macht, was Sie wollen. Ich habe ihn gut erzogen. Gesund, geimpft und diszipliniert. Krank? Sie belieben zu scherzen, ich bin Ärztin!« Sie war wie stets sehr direkt. »Sie können ihn für drei Stunden haben, das reicht Ihnen. Ich werde ihn hier wieder in Empfang nehmen. Der Preis? Sie scheinen gute Witze zu mögen, dieser Junge ist unbezahlbar, Madame.«
Sie lieh mich kalt aus, ich musste der Dame folgen, es war nicht unangenehm, meine einzigen Fremdkontakte waren fremdbestimmt, und am Abend fragte sie mich penibel über meine Kontakte mit Madame aus. Völlig normal.
»Wir liebten uns. Es ist nicht wie mit Ihnen. Es war viel weniger aufregend und skurril, es gibt keinen Vergleich, wissen Sie.«
Das wollte sie hören, ich war ein geschickter Lügner, denn der normale Beischlaf hatte mir ausnehmend gutgetan. Sie würde mich später Marokkanerinnen ausliefern. Vor ihren Augen für normale oder andere Kontakte. Ich kannte ihre gemeinen Vorlieben, sie wollte sehen, wie ich mit Afrikanerinnen umging, wollte auch das Spiel der Hautfarben erleben. Sie war nicht unsensibel und sehr ästhetisch. Am nächsten Tag, in einem andern Café (sie hatte den Tisch ausgesucht) bot sie mich der dort sitzenden französischen Rollstuhlfahrerin (sehr jung, sehr schön, schwerer Autounfall) an. »Er ist sanft, kann gut lecken, ist empfindsam, weiß alle Ihre Wünsche zu erraten, und wird tun, was Sie wollen. Ich biete ihn Ihnen als Geschenk an, kein Problem, ich bin freigiebig und verleihe gerne, was ich habe. Benutzen Sie ihn nach Belieben, im Hotel, natürlich bei Ihnen.«
Ich schob sie im Rollstuhl in ihr Hotel. Der Nachmittag war wunderschön, wir waren wie kleine Kinder. Hatten fast das gleiche Alter. Ich verwöhnte sie, wie und wo ich nur konnte. Die Erfahrung war ganz neu für mich. Auch die Bedürfnisse der Frau. Ich wäre verbotenerweise zu ihr gegangen, wenn sie nicht am nächsten Tag hätte abfliegen müssen. Sie war überrascht, dass ein so junger Mensch eine so alte Geliebte hatte. Über meinen Status mochte ich sie nicht aufklären. Warum denn auch. Wir küssten uns, ich küsste sie überall. Ich drang so in sie ein, wie sie es nach ihrem Unfall nicht mehr erlebt hatte, sagte sie. Sie hätte einen wirklichen Orgasmus gehabt. Fast unmöglich. Ich war ein Wundertäter. Und stolz drauf. Ich war normal geblieben, für das Normale noch zu gebrauchen. Sie wohnte in Rouen, sonst hätte ich sie bestimmt wieder getroffen. Sie war traurig beim Abschied, neidisch auf meine »ältere Freundin«. C`est ca la vie: eine ewige Täuschung!
Am Abend musste ich berichten. Diane wollte Herrin über die von ihr betriebene Inszenierung bleiben, alles unter Kontrolle haben. Wollte jedes Detail wissen, auch das medizinische. Wie ich sie denn aufs Bett getragen hätte. Wie ihre Muschi auf mich reagiert hätte. Falls überhaupt. Die Befragung war fast peinlich, aber meine Rolle ließ mich auch das überstehen. Sogar mit Lachen, ich war nun mal verfügbar, ausleihbar, vermietbar, daraus konnte meiner Doctoresse kein Vorwurf gemacht werden. Sie konnte nichts für meinen Masochismus.
Es konnte ihr nicht entgehen, dass auch Männer (Einheimische und Ausländer) ein eindeutiges Auge auf mich warfen, zumal wenn ich nur mit Jeans oder Slip und offenem Hemd bekleidet mit ihr im Café saß.
Sie zog mich damit auf. »Vielleicht bist du schwul, was mir gar nicht gefällt. Pass schön auf, du darfst mir niemals missfallen.« Dass ich Frauen nicht gefiel (ich war kein Schönling), sondern sie aus anderen Gründen anzog, machte mich stolz und übermütig und dass Männer auf mich starrten, machte mich verlegen. »Vielleicht bist du, ohne es zu wissen, ohne dass du es willst, bi. Ich weiß, du verbirgst es nur durch deine Ablehnung von Männerkontakten.« Hatte sie damit recht? Sie drohte mir, mich einem Mann auszuliefern; Schuld an den Blicken trüge ich, nicht die Männer. Ich würde sie anmachen! Ein Mann hätte ihr ein Angebot gemacht, »nicht für mich, Dummkopf, für dich.« Ich wollte es nicht glauben. Sie zeigte mir eine vornehme Visitenkarte, von einem Mann aus Aix. »Er findet dich süß, bot mir 3000 Francs.« Das war die Höhe. Ich war empört, nicht geschmeichelt. Es gab eine Verschwörung gegen mich. Ein Mann wollte mich zu seinem Beischläfer machen und suchte mich im Umweg über meine Herrin, die offensichtlich solchen Dingen nicht abgeneigt war. Hier konnte sie über mich verfügen, ich hatte kein Geld, kein Ticket, war ihr ausgeliefert, und sie nutzte die für sie so günstige Situation schamlos, pervers und echt sadistisch aus, diese unerhörte Schlampe, diese perverse Foltersau, diese geile Knabenversauerin, die mich im Institut als eine der ersten besessen hatte, ich war gerade 18 gewesen, dieses Miststück von einer Geilfrau, die aus Lastern besteht. Ich fluchte nur in mich hinein, sie lächelte charmant.
Ihr könne ich nichts vormachen, ich hätte starke Bi-Neigungen, das wäre ihr aufgefallen und das möge sie. Ich sei ja kein grosser starker viriler Typ, sondern eben knabenhaft und das mögen eben viele Frauen und auch Männer.
Wollte sie mich verhuren, versauen, dabei zusehen wie einer, der ihr dafür Gelb gibt, mich vor ihren Augen penetriert und fickt. Was ich als Hurensklave für einen Mann an Wert besaß, das wusste ich jetzt, und es ärgerte mich. Noch mehr das Verhalten meiner Doctoresse, die sich als Zuhälterin und Bordellchefin gerierte. Sagte ich es, oder dachte ich es nur?
»Ich werde dich dafür bestrafen, ich habe gehört, was du geflüstert hast.« Sie wollte mit dem Mann sprechen, die Hoteladresse stünde ja auf der Rückseite, was mir nicht aufgefallen war. Hier war ich ihr ausgeliefert, und sie wollte für mich als ausgeliehenen Hurenbock von einem Mann Geld kassieren. »Das Geld werde ich dem Roten Kreuz spenden, tu sais.« Ihre Perversion sass in ihrer stupenden Intelligenz. »Wir werden sehen, ob dieser Monsieur freundlich zu dir ist, alles deutet darauf hin. Ein netter Mann, wie wir zu Hause sagen.«
Sie verhandelte mit ihm, brachte ihn abends mit zum Abendessen, stellte ihn mir vor: mittleres Alter, sehr groß, nicht übel, schlank. Er taxierte mich als Penetrationsobjekt.
»Mein Kleiner ist ein Prachtstück, vous savez.« Sie öffnete bestimmt und diskret unter dem Tisch meine Hose und zeigte ihm meinen Schwanz. »Fassen Sie ihn an, das ist nicht verboten.«
Er tat es, ich wurde verlegen, sie tat aber nur, was ihr Vertrag, für den sie viel Geld hingelegt hatte, ihr erlaubte. Er war begeistert und sie auch. Meine Hose wurde mir wieder geschlossen. Sie sprach mit ihm über mich. Ich würde alles tun, was man von mir verlangte, das läge in meiner Natur. »Si nature il y a«, lachte er schallend. Er sei nämlich Philosoph und glaube nur an die Anti-nature.
Er kannte in Marrakech ein Bordell (nur mit jungen Frauen und Männern von hier, gerade volljährig) in das er uns führte, die Herrin kam mit Begeisterung mit. Es standen an die 50 Liebesdiener und Liebesdienerinnen, alle nackt, zur Auswahl, die die beiden genau taxierten. Monsieur holte einen Jungen an den Tisch und vergnügte sich ganz ungehemmt mit ihm, liebte offensichtlich das Zusehen aller übrigen. Der schwarze Junge war klein und süß mit erigiertem Schwanz, wuscheligem Kopf. Der Herr war hingerissen. »Wie für mich gemacht.«
Meine Ärztin holte für mich eine kleine Pute, jung, großbrüstig und mit dickem Hintern. Betastete sie eingehend. Die Kleine strahlte.
Wir zogen uns in ein Zimmer zurück, zahlten (wenig), der Herr machte sich gleich an den Jungen heran, ich musste mich der Kleinen annehmen. Während der Herr seinen Jungen fickte und ich die Marokkanerin vernaschen durfte, rauchte und trank meine Herrin und sah uns lächelnd zu. Sie genoss das Schauspiel.
»Etwas ganz Normales, das fühlt sich auch mal gut an. Du kannst auch bei normalem Sex gut ficken«, sagte sie anerkennend, du hast es ihr und dir gut gemacht, du bist auch für die normale Liebe zu gebrauchen. Der Herr mit seinem dicken Schwanz penetrierte den Indigène exorbitant lange. Die Herrin schaute gerne zu, man sah es.
