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Es beginnt mit einem Verbrechen nahe Waashton: Einem Erfinder wird ein Gerät gestohlen, das die Motorenleistung exorbitant steigern soll, er selbst ermordet. Matt findet heraus, dass die Tat mit einem Rennen in Verbindung stehen muss, das jedes Jahr in Sekoya im früheren Sequoia-Nationalpark startet, die Rallye der Renegaten. Er und Aruula melden sich mit PROTO an, um den Täter unterwegs zu entlarven. Sofern sie die Konkurrenz überleben ...
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Seitenzahl: 155
Veröffentlichungsjahr: 2026
Cover
Inhalt
Was bisher geschah...
Rallye der Renegaten
Leserseite
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Impressum
Cover
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsbeginn
Impressum
Am 8. Februar 2012 trifft der Komet »Christopher-Floyd« die Erde. In der Folge verschiebt sich die Erdachse, und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist – bis auf die Bunkerbewohner – auf rätselhafte Weise degeneriert.
In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Fliegerstaffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 versetzt wird. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn »Maddrax« nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula findet er heraus, dass Außerirdische mit dem Kometen – dem Wandler, der sich als lebende, schlafende Entität entpuppt – zur Erde gelangten und schuld sind an der veränderten Flora und Fauna und der Verdummung der Menschen. Nach langen Kämpfen mit den Daa'muren erwacht der Wandler, weist sein Dienervolk in die Schranken und zieht weiter. Mit zwei Daa'muren, die auf der Erde zurückblieben – Grao und Ira – haben sich Matt und Aruula sogar angefreundet.
Bei einem Abstecher zum Mars, auf dem sich eine Expedition aus dem Jahr 2010 zu einer blühenden Zivilisation entwickelt hat, erfährt Matt von der Spezies der Hydree, die vor 3,5 Milliarden Jahren hier lebten und mittels eines Zeitstrahls zur jungfräulichen Erde umzogen, als ihr Planet seine Atmosphäre und Ozeane verlor. Mit ihren Nachkommen, den telepathisch begabten Hydriten, die von den Menschen unentdeckt am Meeresgrund leben, hatte Matt schon Kontakt und nennt einen von ihnen, Quart'ol, einen guten Freund.
Diese »Tunnelfeldanlage«, die wie ein Transporter funktioniert, in dem die Zeit unendlich gedehnt werden kann, ist bis heute in Betrieb und verursachte auch den Zeitsprung von Matts Flugstaffel um 504 Jahre, als die den Strahl querte. Dabei legt der Strahl einen Tachyonenmantel um lebende Zellen, der den Altersprozess fünfzig Jahre lang drastisch verlangsamt.
Seither ist viel Zeit vergangen – wir schreiben inzwischen das Jahr 2555 –, und all die Erlebnisse unserer Helden an dieser Stelle zu schildern, wäre unmöglich. Es gibt sogar eine Erdkolonie in einem fernen Ringplanetensystem, zu dem allerdings der Kontakt abgebrochen ist. Ihre Freunde Tom, Xi und deren Tochter Xaana (die eigentlich Matts Kind ist) leben dort auf dem Mond Novis.
Nicht nur einmal haben Matthew Drax und Aruula die Erde vor dem Verderben gerettet und mächtige Feinde bekämpft – zuletzt die vampirhaften Nosfera, die die WCA (World Council Agency, kurz: Weltrat) übernehmen wollten. Auf diese Organisation traf Matt schon früh. Momentan steht ihr General Aran Kormak vor, ein in der Vergangenheit eher zwielichtiger Charakter, der sich aber gewandelt und großes Interesse zu haben scheint, Meeraka (ehem. USA) und danach andere Länder friedlich zu einen.
Auch um Kormak weiterhin im Auge zu halten, geht Matt auf seinen Vorschlag ein, zusammen mit Aruula im Auftrag des Weltrats eine schnelle Eingreiftruppe zu bilden und für ein Bündnis unter dem Dach der WCA zu werben.
Dies sind ihre Abenteuer...
Weitere Informationen und Hintergründe zur Serie findet ihr unter https://de.maddraxikon.com im Internet!
von Marc Tannous
Der Mann lag auf einem weißen Bett in einem von Kerzen erhellten Raum. Er war nicht gefesselt, trotzdem konnte er sich nicht rühren. Es war, als würde ihn eine unsichtbare Faust in die Matratze drücken.
Sein Blick irrte über die Ölgemälde an der gegenüberliegenden Wand. Porträtbilder. Frauen. Blass, mit dunklen Augen. Eine Ahnen-Galerie.
Eine Gestalt löste sich aus den Schatten daneben. Nackt und blass trat sie vor ihm ins Licht. Sie ähnelte jener Frau auf dem letzten Gemälde, doch etwas an ihr war falsch.
Ihr Auftritt war immer derselbe. Manchmal sprach sie laut, manchmal in seinem Kopf. Heute legte sie ihm die Hand auf die Stirn und gurrte leise. Ihre lange Zunge glitt über seine Brust. Dann richtete sie sich auf und löschte das Licht.
Seine Schreie waren alles, was blieb.
Corm Dalens Werkstatt lag im Westen von Waashton, inmitten alter Windräder und verfallener Werkshallen. Sie bestand aus einem Wohncontainer, einem Schuppen und einem ausgeschlachteten Bus ohne Räder. Nur das Surren kleiner Dynamos und die flackernde, sanft im Wind schwingende Glühbirne vor dem Eingang verrieten, dass der Container bewohnt war.
Eigentlich lebte der Retrologe in einer kleinen gemütlichen Wohnung im Zentrum von Waashton. Aber wenn es spät wurde – und das war häufig der Fall –, zog er es vor, im Schlafcontainer zu nächtigen. Dieser war längst mehr als ein Provisorium. Anfangs hatte das Nachtlager nur aus einer Pritsche und einer durchgelegenen Matratze bestanden, aber im Laufe der Zeit gesellten sich immer mehr Annehmlichkeiten dazu. Lampen, ein kleiner Herd, ein Heizstrahler und sogar etwas, das die Menschen in früheren Zeiten »Toaster« genannt hatten. All das hatte der Retrologe im Lauf der Jahre gesammelt, repariert und zusammengeschraubt, anhand uralter oder selbst entworfener Baupläne.
Ein schwacher Trost dafür, dass seine größte Erfindung, sein Meisterstück, bis heute in einer geheimen Schublade lag. Und dort würde sie bleiben, bis es ihm gelang, die »Kinderkrankheiten«, die seine Erfindung zu einer tödlichen Gefahr machte, auszumerzen.
Heute war es mal wieder soweit: Er hatte die Formeln und Konstruktionspläne herausgekramt und sich den ganzen Abend und die halbe Nacht den Kopf zermartert, ohne auf eine Lösung zu kommen. Frustriert und gähnend legte er seine Arbeit beiseite, betrat den Schlafcontainer und knipste das Licht an.
Sein Sohn würde ihn schelten, dafür, dass er die Nacht allein in dieser gefährlichen Gegend verbrachte. Sei's drum; jetzt noch den Heimweg anzutreten, war weitaus gefährlicher. Vielleicht würde ein Schlaftrunk helfen, seine Gedanken zu sortieren.
Corm wollte gerade die Flasche mit dem Brabeelenschnaps entkorken, als er überrascht innehielt. Da war ein Laut gewesen. Das Klirren von Glas!
Er lauschte in die Stille hinein. Das Geräusch wiederholte sich nicht. Schließlich fasste er sich ein Herz, schob den Riegel zurück und öffnete die Tür einen Spalt. Sein scheuer Blick galt seinem Werksschuppen. Ein Fenster war zerbrochen und aus dem Inneren drang der bläuliche Schein einer künstlichen Lichtquelle!
Corm atmete tief durch, huschte zum Schuppen und spähte vorsichtig über den Sims.
Ein Einbrecher! Maskiert und gezielt bewegte er sich durch den Raum, knackte Schubladen, überflog Dokumente, warf sie achtlos zu Boden und suchte weiter.
Gerade machte er sich daran, mit einem Messer die Tür des Stahlschranks aufzuhebeln, in dem Dale seine Formeln aufbewahrte.
Das war kein gewöhnlicher Dieb! Ihm ging es nicht um die offen herumliegenden Messuhren, die funktionsfähige Röhrenbank oder die montierten Inverter. Es ging um das, was in einem versteckten Fach unter der Werkbank lag.
Das Objekt war kaum größer als eine Brotdose. Das Gemisch darin war genial, sein Wert kaum zu messen. Aber auch tückisch, brandgefährlich, gar tödlich – wenn man die verträgliche Dosis um eine winzige Menge überschritt.
»Na warte« sagte Corm halblaut, um sich selbst Mut zu machen. Er huschte zum Eingang und dankte sich selbst dafür, die Scharniere der Türen regelmäßig zu ölen. Ein kurzer Gang führte zu einer weiteren Tür, die nur angelehnt war.
Der Maskierte trug enganliegende Kleidung und eine lederne Maske, die nur die Augen und den Mund freiließ. Gerade beugte er sich unter die Werkbank. Er hatte Corms Versteck gefunden und machte sich mit dem Messer daran zu schaffen!
»Hey!« Corms Stimme hallte durch den Raum, noch bevor der Retrologe sich einen Plan zurechtgelegt hatte. Schlagartig wurde ihm bewusst, dass er unbewaffnet war. Da schnellte der Maskierte auch schon herum.
Corm griff nach dem nächstbesten Werkzeug, einem Schraubenschlüssel mit abgeblätterter Legierung. Er holte aus und schlug zu.
Dumpf traf das schwere Eisen auf harte Knochen unter unnachgiebigem Leder. Der Kerl taumelte einen halben Schritt zurück, hielt sich die Hüfte und stützte sich an der Werkbank ab.
Corm wollte nachsetzen, als die Klinge eines Messers aufblitzte. Der Hieb verursachte kaum ein Geräusch. Corm spürte einen Stich, dann die Hitze, die in seinem Magen explodierte. Mit einem Ratschen wurde die Klinge aus der Wunde gezogen. Dann stach sie ein zweites Mal zu. Diesmal erwischte sie ihn seitlich unter den Rippen.
Dem dritten Stich konnte Corm ausweichen, stieß dabei aber mit der Hüfte gegen den Stahlschrank. Sterne zerplatzten vor seinen Augen.
Bevor der Maskierte zu einem dritten Stich ansetzen konnte, sprang die Seitentür auf.
»Corm?«
Er kannte die Stimme. Henkk! Er wohnte eine Meile westlich von hier, unter einer Brücke, und war die einzige Menschenseele, zu der der Retrologe hin und wieder Kontakt pflegte. Henkk war groß, mit einem Hals so breit wie ein Baumstamm, und der Geruch von Schweiß und Malz eilte ihm stets voraus.
Henkk brauchte nur einen Blick, um zu begreifen, was hier passierte. Entschlossen packte er den Einbrecher an beiden Schultern, wuchtete ihn mit seinen Pranken herum und schleuderte ihn gegen die Werkbank. Ein Stöhnen entwich dem Gauner, und er stach mehrmals hintereinander in die Luft, um Henkk auf Abstand zu halten.
Der wich geschickt aus und nutzte eine kurze Pause zwischen den Stichen, um den Eindringling an der Kehle zu packen, ihn hochzuheben und gegen das Regal mit den Kabelrollen zu pressen. Dabei rutschte dem Angreifer eine Art Medaillon an einer Kette, die er um den Hals trug, aus dem Ausschnitt.
Corm, der mit schmerzverzerrtem Gesicht zu Boden gesunken war, sah das silberne Blitzen. Er beobachtete das Gerangel wie durch einen dünnen Vorhang. Verschwommen sah er, dass Henkk, der bisher eindeutig Überlegene, die Oberhand verlor. Der Eindringling hakte sich frei und trat ihm hart gegen das Schienbein. Dann nutzte er seine Chance und rannte an ihm vorbei Richtung Ausgang.
Corm sah ihm nach, erspähte einen Streifen Nachthimmel und spürte einen Hauch von Kälte, der über seine Haut kroch. Dann fiel die Tür zu, und er und Henkk waren allein.
Der Freund richtet sich keuchend auf. »Was für ein mieses Stück Fleggendreck überfällt einen alten Mann und sticht ihn nieder?«
Corm ließ sich flach auf den Rücken sinken. Der Schraubenschlüssel lag neben ihm, wie zufällig abgelegt. Blut trocknete bereits zwischen den Rillen der Gummimatte und zog in die Risse des Holzbodens ein.
»Du ... musst ... hinterher«, brachte er gequält hervor. Seine Finger suchten Henkks Hand und fanden sie. »Er darf ... nicht ...«
»Still«, sagte der Hüne, der neben ihm kniete und ihm einen Lappen auf seine Wunde drückte. »Halt das fest. Ich hol' Hilfe.«
»Nein! Du musst ... ihn finden ... Er darf nicht ...«
Seine folgenden Worte klangen wirr, ergaben aber Sinn, wenn man mit der Thematik vertraut war. Henkk, der über wenig technisches Verständnis verfügte, verstand kaum etwas, doch das war ihm egal. Ihm war nur wichtig, einem alten Mann in seiner letzten Minute Beistand zu leisten.
Als Corm geendet hatte, sah er zur Decke. Eigentlich sah er durch sie hindurch, zu den Sternen über Waashton.
Dann brach sein Blick, und sein Körper erschlaffte.
Matt klopfte dreimal gegen das schwere Holz und öffnete mit dem »Herein«, das gedämpft durch die Tür drang.
General Aran Kormak thronte hinter seinem wuchtigen Schreibtisch, vor sich einen Stapel Akten. Er sah nur kurz zu Matt auf, der sich ungebeten auf den Besucherstuhl setzte.
»Ich wüsste nicht, dass wir einen Termin haben«, sagte der General und ließ den Bericht sinken. Er verengte den Blick, und die Narbe, die sich von der Stirn über sein blindes linkes Auge bis zur rechten Wange zog, zog sich zusammen. Vermutlich war er noch immer sauer, dass die Agarther den Prototypen seines Satelliten-Funkgeräts einbehalten hatten. Sie würden sich melden, wenn sie es repariert hatten.1
Zumindest war Kormak nicht unglücklich darüber gewesen, dass die beiden Daa'muren Grao und Ira nicht mit zurück nach Waashton gekommen waren. Matt wusste, dass er mit Grao'sil'aana auf gegenseitigem Kriegsfuß stand.
»Corm Dalen«, gab Matthew zurück, als sei der Name Erklärung genug.
Kormak wandte sich wieder dem Schreiben zu, offenkundig erleichtert, dass es nichts Wichtiges war. »Was ist mit ihm?«
»Er ist tot.«
»Ich hörte davon. Die City Police hat mich über den Fall informiert.«
»Und was gedenken wir diesbezüglich zu tun?«
Kormak hob wieder den Kopf, diesmal seufzend, und ließ den Bericht achtlos auf die Tischplatte fallen. »Die City Police sagt, der Fall sei abgeschlossen. Ein Raubmord, nichts weiter. Wir haben Wichtigeres zu tun, Matt.«
»Ich glaube nicht, dass es ein einfacher Raub war.«
»Natürlich glaubst du das nicht.« Kormak lehnte sich zurück. »Du glaubst nie, was in den Berichten steht.«
»Ganz im Gegenteil«, konterte Matt. »Ich habe mir den Bericht sehr genau angesehen und nehme ihn äußerst ernst.«
Kormak seufzte erneut, diesmal eine Spur ärgerlicher. »Was hast du denn mit einem alten Retrologen zu schaffen?«
Matt dachte kurz über die Frage nach. Nicht viel, wenn er ehrlich war. Sie waren sich vor einiger Zeit auf einer Konferenz der WCA über den Weg gelaufen. Dalen hatte dort einen Vortrag zum Thema erneuerbare Energien gehalten.
Nach seinem Auftritt hatte er die Gelegenheit gehabt, ein paar Worte mit dem Tüftler zu wechseln. Er war ihm als zurückhaltender, etwas unterkühlt wirkender, aber hochintelligenter Erfinder im Gedächtnis geblieben. Dalen hatte für seine Arbeit gelebt und war ein Quell an Ideen gewesen. Das war der Grund, warum er sich auf Umwegen die Ermittlungsakte besorgt hatte.
»Mein Interesse gilt nicht in erster Linie Dalen, auch wenn sein Tod tragisch ist«, sagte Matt, um die Neugier des Generals zu wecken. Kormak hatte sich die Ermittlungsergebnisse offensichtlich nicht im Detail angesehen, und Matt ahnte den Grund dafür. Der Retrologe war kurz nach seinem letzten Auftritt bei der WCA in Ungnade gefallen, nachdem er deren Methoden infrage gestellt hatte. Das wurde zumindest gemunkelt, aber nach Matts Erfahrung enthielten solche Gerüchte meist einen Funken Wahrheit.
»Interessant finde ich vor allem die Aussage des einzigen Zeugen«, fuhr er fort. »Ein Streuner namens Henkk, der den Täter in die Flucht geschlagen hat. Im Sterben hat Dalen ihm etwas zugeraunt. Es ging um eine Erfindung, die gestohlen wurde, der Prototyp eines Geräts, die die Leistung jedes herkömmlichen Motors verfünffachen soll. Er nannte es ›Booster‹.«
Die Falten in Kormaks Stirn wurden tiefer. Nein, der General hatte sich nicht ansatzweise mit dem Fall beschäftigt. »Also haben wir es mit Spionage zu tun?«
Matt zuckte die Achseln. »Möglicherweise. Aber da ist noch etwas. Der Täter war maskiert, deshalb konnte ihn der Zeuge nur unzureichend beschreiben. Allerdings sprach dieser Henkk von einem Anhänger an einer Kette, der dem Mörder beim Kampf herausgerutscht sein soll. Eine Münze mit dem Profil eines heulenden Wolfs ... beziehungsweise Lupas.«
»Und weiter?«
»Ich habe ihn aufgesucht und ihn gebeten, das Emblem aus dem Gedächtnis zu skizzieren.« Matt griff in die Außentasche seiner Uniformjacke, zog ein Blatt Papier heraus und faltete es auseinander. Mit Kohle gekritzelt, sah das Emblem eher wie eine Kinderzeichnung aus, aber die entscheidenden Elemente waren gut zu erkennen.
»Ich habe mich im Archiv der WCA schlaugemacht«, fuhr Matt fort. »Die Zeichnung ähnelt frappierend dem Wappen eines Clangebiets, das sich ›Sekoya‹ nennt.«
Zu Matts Zeit im 21. Jahrhundert war die Gegend als Sequoia-Nationalpark bekannt gewesen. Die Informationen über dieses Gebiet und seine Bewohner waren äußerst spärlich. Es war offensichtlich, dass die Einträge nur der Vollständigkeit dienten, von Seiten der WCA aber kein wirkliches Interesse an dieser Gegend bestand.
Kormaks nächste Worte bekräftigten das. »Der Name ist mir ein Begriff«, entgegnete er trocken. »Es handelt sich um eine kleine, abgelegene und abgeschottete Enklave, die sich jeder Kontaktaufnahme konsequent widersetzt. Was uns egal sein kann. Das Territorium hat nichts zu bieten, was für den Weltrat von Interesse wäre. Es sind Wilde mit archaischen Bräuchen, die mitten im Nirgendwo in Lehmhütten hausen und Ackerbau betreiben. Sollen sie das für alle Zeiten tun und glücklich werden.«
Matt rieb sich das Kinn und faltete die Zeichnung wieder zusammen.
»Für mich macht das den Fall umso mysteriöser«, entgegnete er. »Wenn der Mörder von Corm Dalen mit dieser Enklave zu tun hat, warum interessiert sich ein rückständiger Clan für eine Motoren-Optimierung?«
Kormak beugte sich vor. »Du steigerst dich da in etwas hinein, Matt. Nur weil der Dieb das Wappen um den Hals trug, ist das noch kein Beweis dafür, dass die Spur nach Sekoya führt. Wer weiß, woher er die Münze hat? Außerdem ist der Lupa ist ein beliebtes Motiv in allen möglichen Kulturen.«
Matt räusperte sich. »Du willst der Sache also nicht weiter nachgehen?«
»Hör mal, Matt, der Tod dieses Retrologen ist tragisch, aber darum muss sich die City Police kümmern. Mir scheint nicht, dass der Diebstahl dieser Erfindung von nationaler Tragweite ist. Der Prototyp war ja noch nicht mal fertig, andernfalls wäre Dalen damit längst an die Öffentlichkeit gegangen.«
Matt zuckte die Achseln und nickte kaum merklich. Er ließ diesen Gedanken nur ungern zu, aber vielleicht hatte der General recht. Vielleicht hatte er sich wirklich in die Sache hineingesteigert, weil ihm die Nachricht von Corm Dalens Ermordung persönlich nahegegangen war. Warum eigentlich? Er war dem Mann nur einmal begegnet und hatte ihn kaum gekannt.
Während er aus dem Büro trottete, gab er sich selbst die Antwort. Corm Dalen war ihm an jenem Abend als Mensch begegnet, der – genau wie er selbst – aus den richtigen Motiven an den Fortschritt geglaubt hatte. Seine Triebfedern waren weder Macht noch Reichtum gewesen, sondern der unerschütterliche Glaube an die menschliche Fähigkeit, durch Entschlossenheit und pure Willenskraft eine bessere Zukunft zu erschaffen.
Matt kam es vor, als würde mit ihm auch ein kleiner Teil dieses Traums zur Ruhe gebettet.
Die Bar lag am Ende der großen Straße vor dem Pentagonbunker. »Potomacs Wasser« verkündete ein handgemaltes Schild über dem Eingang. Seit Matt und Aruula eine Wohnung im Pentagon bezogen hatten, speisten sie häufiger hier.
Matt entdeckte seine Gefährtin, die wie üblich draußen saß, schon aus der Ferne. Die Kriegerin hatte die Augen geschlossen, das Gesicht der Sonne zugewandt.
»Du kommst spät«, sagte sie, ohne den Blick zu heben. »War Kormak so gesprächig?«
Matt stutzte und fragte sich einen Moment lang, ob sie ihn wohl erlauscht hatte. Aber wahrscheinlich hatte sie ihn nur an seiner Gangart erkannt.
»Er hält den Tod des Retrologen für einen bedauerlichen Zwischenfall, sieht aber keinen Grund zur Aufregung«, erwiderte Matt und setzte sich ihr gegenüber.
»Wir gehen der Sache also nicht nach?«
»Offiziell nicht, nein.«
Aruula zog die Augenbrauen zusammen. Ihr war die Betonung nicht entgangen. »Das heißt, du willst trotzdem –«
«– weiter nachforschen. Ja.«
»Wir haben doch gar keine Spur.«
»Doch, genau eine«, sagte Matt und faltete die Kohlezeichnung auseinander. »Sie führt nach Sekoya.«
In diesem Moment trat Maavill, der Wirt, aus dem Schankraum. Er war ein großer kräftiger Mann mit spiegelnder Glatze und einem hölzernen Bein, das beim Gehen dumpf auf die Planken schlug. Trotz seiner Statur hatte er etwas Sanftes an sich. Geschickt balancierte er zwei Krüge Biir auf einem Tablett und stellte sie vor ihnen ab.
Dann fiel sein Blick auf die Zeichnung in Matts Hand. »Das habe ich schon mal gesehen«, sagte er beiläufig.
Matt blickte erstaunt zum ihm auf. »Darf ich fragen, wo?«
