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MAKING OF Nach einer wahren Begebenheit Cheyenne Ehrlinspiel hegt schon lange einen Traum - sie möchte, dass ihre ausgedachte Geschichte von Yanko Melborn, einem griechischen Roma, ein Kinofilm wird. Über zwei Jahrzehnte vergehen, bis sie im Fernsehen zufällig den dazu passenden Schauspieler entdeckt, der, wie sie kurz darauf erfährt, niemand geringerer ist als Tristan Button, eine echte Hollywood-Legende. Durch ihn inspiriert, beschließt Cheyenne ein Drehbuch zu dieser Geschichte zu schreiben, welches sie Tristan Button am liebsten persönlich überreichen möchte. Damit beginnt für sie eine unglaublich spannende, ereignisreiche und ebenso emotionale Zeit, die sie auf viele verschiedene äußere wie innere Reisen schickt...
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Seitenzahl: 357
Veröffentlichungsjahr: 2019
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Dear Tristan Button!
Heute habe ich mich dazu entschlossen dieses Buch wirklich zu schreiben. Seit heute Morgen weiß ich auch wie. Es ist allerdings nicht ganz einfach, denn ich möchte niemandem zu Nahe treten, aber auch nichts auslassen, was zu dieser Geschichte gehört. Ich wünsche mir, dass alle, die daran beteiligt waren, inklusive Dir natürlich, an diesem Buch ihre Freude haben, und es als das sehen, was es ist: Es ist eine Geschichte, die das Leben schrieb, ein Abschnitt in meinem Leben, der dadurch beeinflusst wurde, weil es Dich gibt.
Da ich immer noch davon ausgehe keinem der Beteiligten je Schaden zugefügt zu haben während der letzten Jahre, habe ich auch keine Bedenken meine Geschichte zu erzählen, denn ich werde nur aus meiner Perspektive, von meinen Erlebnissen und Gedanken berichten und nichts Persönliches von Dir oder anderen preisgeben, was nicht eh schon durch Klatschblätter oder im Internet für alle Welt zugänglich ist.
Es ist weiß Gott nicht immer einfach gewesen zu entscheiden und herauszufinden, was richtig und was falsch ist, wie weit man gehen darf und wann es genug ist. Ich habe meine Entscheidungen stets vielfach überdacht, über mögliche Folgen spekuliert und abgewogen in wie weit ich meinem persönlichen Interesse und gleichzeitig dem Schutz Deiner und anderer Privatsphären gerecht werden konnte. Oft bin ich dabei über meinen Schatten gesprungen, um durch die Türen, die sich mir geöffnet hatten hindurch zu gehen, und die Gelegenheit zu nutzen, die sich mir bot. Manches Mal habe ich vielleicht auch über die Stränge geschlagen, war unvorsichtig und bin deswegen eventuell doch das ein oder andere Mal zu weit gegangen. Ich habe jedoch stets versucht meinem Herzen, meiner inneren Stimme zu folgen und darauf zu vertrauen, dass ich immer zum Wohle aller handle.
Manchmal bekommt man eben nur eine einzige Gelegenheit, einen Moment, einen Bruchteil einer Sekunde, in der man dann entscheiden muss, ob man etwas tun will oder es sein lässt, und manchmal entscheidet dann auch einfach etwas in einem, ohne dass man noch einmal darüber nachdenkt, und man macht es einfach. Dazu fällt mir immer die Textzeile aus LOSE YOURSELF von Eminem ein: ''If you had one shot or one opportunity to seize everything you ever wanted in one moment, would you capture it, or just let it slip?''
Lange habe ich allerdings darüber nachgedacht wie sich dieses Buch gestalten mag, und in welche Form ich es bringen, geschweige denn, ob ich es überhaupt schreiben soll. Zum Glück habe ich damals eine Art Tagebuch geführt, was mir nun sehr helfen wird, mich an alles zu erinnern.
Ich beginne dieses Buch nun hier in Südfrankreich, dort, wo Du vor einigen Jahren ein Weingut gekauft hattest. Ich bin zwar eigentlich in der Nähe an der Küste im Urlaub, aber ich dachte, es wäre ein würdiger Start, wenn ich das Buch hier an diesem Ort anfange.
Die Temperaturanzeige meines Autos zeigt 30,5° Celsius und das Ende September. Vor mir sehe ich die Bäume, die die Einfahrt Deines Anwesens umrahmen, und ich habe keine Ahnung, ob Du überhaupt noch der Besitzer bist. Aber das ist auch gar nicht mehr wichtig. Hier hat sich jedoch so einiges zugetragen, was mich maßgeblich dazu inspiriert hat, diese Geschichte überhaupt zu erzählen. So wie ein Film zum Film, ein Making of, von dem, was sich hinter den Kulissen abspielt, das, was sonst nur diejenigen mitbekommen, die hautnah dabei sind, wobei es hier sogar aller Wahrscheinlichkeit nach so ist, dass derjenige, um den es hauptsächlich geht, nämlich Du, wenig oder oft überhaupt gar nichts davon mitbekommen hat.
Wie dem auch sei, ich habe Dir einfach viel zu Verdanken. Durch Dich bin ich unter anderem an Orte gereist, die ich sonst höchstwahrscheinlich nicht kennengelernt hätte, habe meinen Lieblingsplatz in Südfrankreich gefunden, interessante und liebe Menschen kennengelernt, langjährige Freundschaften geschlossen, sowie mein Schriftstellerdasein begonnen, und Du hast mir erheblich dabei geholfen meinem Herzen wirklich folgen zu lernen.
Dear Tristan, nach einigem Hin und Her, ob ich Deinen richtigen Namen erwähnen, oder die Geschichte unter einem Pseudonym veröffentlichen soll, habe ich mich zu der sich für mich am friedvollsten anfühlenden Variante, und der damit einhergehenden größtmöglichen inhaltlichen Authentizität entschlossen. Und deshalb werde ich hier für die meisten Personen andere Namen verwenden, denn leider ist es in dieser Welt momentan so, dass bei vielen Leuten irgendetwas aussetzt, wenn es um berühmte Persönlichkeiten geht. Sie sehen nicht, dass wir alle ''nur'' Menschen mit ähnlichen Bedürfnissen sind, ob berühmt oder nicht. Es macht mich traurig und teilweise ebenso wütend, weil es deswegen zum Beispiel auch nicht möglich ist einfach an Deiner Haustüre zu klingeln und um ein Gespräch zu bitten, wie es unter nicht so im Medienrummel stehenden Menschen möglich wäre. Zudem möchte ich einfach auch euer aller Privatsphäre schützen, obwohl sich dieses Buch mit Sicherheit besser verkaufen ließe, wenn ich Deinen richtigen Namen verwenden würde, doch das andere ist mir wichtiger. Zudem verleihen mir die Pseudonyme beim Berichten die größte Freiheit.
Liebe Leser, ich bitte euch nun, auch wenn ihr noch so neugierig darauf seid, um wen es hier eigentlich geht, einmal eure Hollywoodstar-Brille abzusetzen und euch bewusst zu machen, dass wir alle, ob berühmt oder nicht, dieselbe Sonne, den selben Mond und dieselben Sterne sehen. Lest dieses Buch mit einer gesunden Portion Humor und einem Schmunzeln im Mundwinkel. Staunt und lasst euch gegebenenfalls berühren, und vielleicht tragt ihr sogar dazu bei, dass sich die sogenannten Stars auch wieder als normale Menschen verhalten können und nicht mehr auf Schritt und Tritt von Paparazzi und Reportern verfolgt werden. Manche mögen das vielleicht, viele aber nicht.
Tristan, ich stelle mir nun vor wie wir beide gemütlich auf einer Couch vor einem brennenden Kaminfeuer sitzen, eine Kanne Tee mit zwei Bechern vor uns auf dem Tisch stehen haben und ich Dir diese, meine Geschichte vorlese.
Ich hoffe Du bist dabei und lauschst gespannt...
Love, Cheyenne Ehrlinspiel
Es geschah Ende Januar an einem Dienstagabend.
Cheyenne schaltete den Fernseher an und sah sich den Spielfilm an, für den sie am Abend zuvor die Vorankündigung gesehen hatte. Und da war er, der Schauspieler, der hundert Prozent Yanko spielen könnte.
Seit sie sich die Geschichten um Yanko Melborn, einem griechischen Rom, der in Sheddy, Colorado lebte, in ihrer frühsten Jugend ausgedacht hatte, hielt sie Ausschau nach dem geeigneten Mann, der am besten zu ihm passen würde, für den Fall, dass sie die Story einmal aufschreiben, und diese verfilmt werden würde. Bis zu jenem Tag war das aber alles irgendwo ganz weit hinten in ihrem Kopf geparkt. Irgendwann würde sie über Yanko eventuell vielleicht mal ein Buch schreiben.
So saß sie also gespannt in ihrem Bett und starrte auf den Bildschirm. Und dann kam das Lied. Es bestand nur aus einer einzigen Strophe, aber es hatte sie total gepackt. Sie konnte sich seltsamerweise gar nicht mehr richtig auf den Film und diesen Schauspieler konzentrieren, geschweige denn der Story folgen. Fast fieberhaft wartete sie auf den Abspann des Films, denn sie musste unbedingt wissen von wem dieses Lied war und wie es hieß.
Wahrscheinlich hätte sie Yanko, den passenden Schauspieler und ihren fernen Jugendtraum diese Geschichte zu verfilmen dann doch nach einer Weile wieder vergessen, wenn dieses Lied sie nicht so stark in seinen Bann gezogen hätte. Deshalb fuhr Cheyenne gleich am nächsten Tag zum Media Markt und kaufte sich den Soundtrack zu dem gestrigen Film. Doch zu ihrer Enttäuschung war das Lied nur in verschiedenen Instrumentalfassungen auf dieser CD, sie aber wollte unbedingt das gesungene Stück haben, so wie es im Film vorkam.
Dieser Wunsch trieb sie sodann am darauf folgenden Tag in die nächstgelegene Videothek, wo sie sich die Videokassette von diesem Film auslieh. Damals besaß sie noch keinen DVD Player und war deshalb froh, dass es den Streifen auch noch auf VHS-Cassette gab.
Kaum zu Hause, legte Cheyenne die Cassette ein und spulte erst einmal bis zu dem Lied vor und nahm es sogleich auf einen MD Player auf. Danach war sie beruhigt und beschloss, da sie den Film nun schon mal zu Hause hatte, ihn sich noch einmal anzusehen.
Und da packte es Cheyenne dann richtig, und sie fragte sich schließlich, wer denn um alles in der Welt dieser besagte Schauspieler überhaupt war. Als sie dann im Abspann seinen Namen las, wunderte sie sich schon etwas, denn sie erinnerte sich daran seinen Namen schon einmal irgendwo gelesen zu haben, aber so wirklich sagte er ihr nichts. Doch die Neugierde trieb sie in jener Nacht noch an ihren Computer und ließ sie im Internet nach diesem für sie bis dahin völlig Unbekannten namens Tristan Button forschen.
Cheyenne staunte dann allerdings nicht schlecht über das, was sie da alles zu lesen bekam, und nach einer gewissen Zeit fiel ihr ein, dass sie diesen Tristan Button auf jeden Fall schon einmal in einem Kinofilm gesehen haben musste, der sogar vor gar nicht allzu langer Zeit herausgekommen war, und sie fragte sich ernsthaft, wieso sie ihn wieder vergessen hatte. Nach einer Weile fiel ihr allerdings wieder ein, dass er ihr in diesem Kinofilm doch auch schon aufgefallen war, und trotzdem war er danach einfach wieder aus ihrem Tagesbewusstsein verschwunden. Später stellte sich heraus, dass sie Tristan Button schon vor über zwanzig Jahren in einer Serie gesehen hatte, sie ihn aber in der damaligen Rolle nicht besonders toll fand. War wohl nicht die richtige Zeit gewesen.
Jedenfalls begann sich Cheyenne nun näher für diesen Tristan Button zu interessieren. Sie wollte mehr über ihren potentiellen Yanko Darsteller erfahren, einfach um ganz sicher zu gehen, dass er auch wirklich rundum der Richtige für diese Rolle wäre. Sein passendes Aussehen war eins, aber für Cheyenne war es genauso wichtig, dass ebenfalls seine Persönlichkeit stimmig war, denn diese schimmert ja auch beim größten schauspielerischen Talent immer in gewisser Weise durch. Cheyenne wünschte sich einen Yanko, der so authentisch wie möglich auf der Leinwand rüberkäme und der obendrein auch noch singen könnte.
So kam es dann dazu, dass sie sich in den folgenden Wochen sämtliche Filme auslieh, die es im VHS Format mit Tristan Button gab, und das Grinsen nistete sich immer tiefer bei ihr ein. Er passte einfach perfekt.
Cheyenne war Mitte dreißig und lebte zusammen mit ihrem Mann Pit und den beiden Kindern auf einem Bio-Pferdehof mitten in der Natur am Rande eines Naturschutzgebietes. Gelernt hatte sie einmal Malerin in einem Betrieb in der Stadt, doch nun fand sie sich inmitten ihres Hofladens zwischen frischem, selbstgebackenem Brot, Äpfeln aus eigener Ernte und diversen anderen Produkten aus der Region, ihren Kindern, sowie den alltäglichen Aufgaben, die so ein Pferdehof fordert, wieder. Zudem gab sie leidenschaftlich gerne Massagen und hatte vor ein paar Jahren die Lomi Lomi Massage, eine wundervolle Massagekunst aus Hawaii, gelernt. Und als ob sie sonst nicht schon genug zu tun hatte, sang und spielte sie ab und zu auch noch in einigen Folk Bands.
Ihr Mann kümmerte sich größtenteils um die Weiden und den Anbau des Getreides und war deshalb auch viele Stunden auf den Feldern unterwegs, was Cheyenne zwar nicht besonders störte, in ihr aber dennoch ab und zu einen Hauch des Alleinseins hinterließ. Cheyenne war hauptsächlich für die Pferde zuständig, die sie auch heiß und innig liebte, und sie war froh, dass sie sich seit der Geburt ihres ersten Kindes die Hilfe zwei ausgebildeter Pferdepfleger leisten konnten, ansonsten wäre das alles auch nicht zu schaffen gewesen.
Sie liebte ihr Leben draußen auf dem Hof und eigentlich vermisste sie nichts. Die anfallenden Aufgaben des Tages erledigte sie gerne und hegte auch eine, wie sie fand mehr als ausreichende Leidenschaft für ihr selbstgewähltes Leben.
Doch manchmal wenn sie nachts nicht einschlafen konnte, was zwar nicht besonders oft vorkam, denn meistens fiel sie doch recht erschöpft ins Bett, und sie mit einer Tasse Tee in der Hand im Dunkeln unten in der Küche stand und aus dem Fenster über die weitläufige Wiese blickte, dachte sie an die Geschichten von Yanko, die sie sich mit ca elf Jahren angefangen hatte auszudenken, und den damit verbundenen innigen Wunsch diese zu verfilmen. Auch ihr Plan Yankos Leben eines Tages mal in einem Buch festzuhalten, schwebte dann durch ihre Gedanken.
In einer dieser Nächte, in der es draußen leicht schneite und die Wiese wie mit Puderzucker überstreut aussah, stellte Cheyenne plötzlich fest, dass sie seit ihrer Jugend eigentlich permanent nach der Traumbesetzung für ihre Hauptperson Ausschau hielt.
Diese Erkenntnis amüsierte sie irgendwie, und sie schmunzelte über den Rand ihrer Teetasse. Dabei fiel ihr allerdings auch ein, dass sie bis heute keinen adäquaten Schauspieler gefunden hatte, was sie eher wunderte, denn Akteure gab es ja eigentlich wie Sand am Meer. Und sie konnte sich sogar vorstellen, dass der ein oder andere sich auch für diese Rolle begeistern könnte, aber das allein reichte ihr halt nicht. Es musste für sie rundherum stimmen. Vom Aussehen über seine Bewegungen, seine Stimme, bis hin zu seiner Augenfarbe. Vor allem sollte er auch ohne zu sprechen die geforderten Gefühle ausdrücken können, was wiederum nicht sehr viele Schauspieler drauf haben.
An jenem Abend im Januar, als sie Tristan Button im Fernsehen sah, war sie verständlicherweise natürlich mehr als überrascht gewesen, denn zumindest auf den ersten Blick und in dieser Rolle passte er am besten von allen, die sie in den letzten zwanzig Jahren gesehen hatte.
Nach ein paar Wochen nahm Cheyenne all ihren Mut zusammen und fragte Valerie, eine ihrer feinfühligen Freundinnen, ob sie mal beim Universum und ihrem Höheren Selbst nachfragen könnte, was das mit ihr und diesem Tristan Button eigentlich auf sich habe, denn es war schon äußerst erstaunlich wie sehr er plötzlich in ihrem Leben präsent war.
Valerie bekam dann die Information, dass sich Tristan Button über die Seelenebene an Cheyenne wandte, weil er von ihr in Bezug auf Nähe und Distanz einen Rat erbat. Weder Cheyenne noch Valerie hatte eine Ahnung was dies zu bedeuten hatte, und Cheyenne ließ diese Information einfach mal, allerdings etwas schmunzelnd, so stehen. Irgendwie fand sie diese ganze Sache schon witzig, aber auch durchaus spannend.
Wie auch immer, etwas wusste anscheinend ganz genau wie man Cheyennes Aufmerksamkeit bekam, nämlich durch gute Musik!
Schnell waren allerdings alle auf Video verfügbaren Filme angeschaut. Nun wollte Cheyenne natürlich unbedingt auch all die anderen Filme mit Tristan Button sehen, die es aber mittlerweile nur noch auf DVD gab. Und obwohl ihr Geldbeutel auch nicht bestückter war als sonst, fasste sie den Entschluss sich halt doch mal nach einem günstigen DVD Player umzusehen. Nur erst einmal schauen, kaufen muss ja nicht gleich sein.
Nachdem sie dann in einem Geschäft sämtliche Geräte angesehen, und dabei festgestellt hatte, dass sie sich leider keines davon sofort kaufen konnte und Leasing für sie absolut nicht in Frage kam, wollte sie schon etwas enttäuscht den Laden verlassen. Dann ging sie aber doch noch einmal zu dem DVD Player mit dem Angebot einer monatlichen Rate zurück, die sie sich durchaus vorstellen konnte zu bezahlen, ohne dass es die Haushaltskasse unnötig sprengen würde. Dort blieb sie schließlich stehen und ging nochmals in sich.
''Vielleicht sollte ich doch? Hmm, aber ich will ja eigentlich gar nicht leasen. Hmm, was tun?'', so waren ihre kreisenden und abwägenden Gedanken.
Eine Weile stand sie also da und grübelte so vor sich hin, und als sie sich nach ein paar Minuten zum x-ten Mal die Frage stellte, ob Ja oder Nein, drehte sie sich dabei kurz um. Da fiel ihr Blick auf einen Filmausschnitt in einem der ausgestellten Fernseher, und Tristan Button grinste sie darauf quasi direkt an. Mittlerweile hatte sie sich an seine spezielle Präsenz schon fast gewöhnt, denn seit jenem Dienstagabend im Januar war kein Tag mehr vergangen, ohne dass sie irgendwo ein Bild von ihm entdeckte, oder irgendetwas über ihn hörte, oder las.
Cheyenne grinste also ebenfalls, nickte und sagte nur: ''Ist ja gut, ich mach's!'', vor sich hin, schnappte sich den DVD Player und ging damit zur Kasse.
Ihre leichten Bedenken, was ihr Mann wohl über diesen überraschenden Kauf des Players sagen würde, lösten sich zu ihrer Erleichterung sofort in Luft auf, als dieser ihr freudig den Karton abnahm und das Gerät prompt auspackte und in kindlicher Vorfreude auf all die Filme, die er nun auch anschauen konnte, anschloss.
Pit konnte zwar das plötzliche Interesse seiner Frau für Tristan Button nicht ganz nachvollziehen, fand aber durchaus die meisten seiner bisherigen Filme sehr unterhaltsam und manche sogar auch richtig gut.
Cheyenne klärte Pit schließlich in den kommenden Tagen über ihren Jugendwunsch auf, aus der damaligen Geschichte einen Film zu drehen, und stieß bei ihm auf eine etwas gespaltene Meinung. Einerseits fand er ihre Idee gut und auch sehr spannend, stufte andererseits ihren Wunsch Tristan Button für diese Rolle zu gewinnen eher als völlig utopisch ein, zumal es ja bislang weder einen Roman noch ein Drehbuch zu ihrer Story gab.
Daraufhin beschloss Cheyenne allerdings erst einmal wieder Stillschweigen über ihren Filmwunsch zu bewahren und keinem weiteren davon zu erzählen und zunächst abzuwarten was die Zeit so bringen würde. Eigentlich ging sie auch davon aus, dass diese extreme ''Anwesenheit'' von Tristan Button bald ganz von selbst aufhören, und sich mit ihm zusammen ebenso ihre Filmidee wieder in Luft auflösen würde, denn es war, wie Pit ihr schon bereits gesagt hatte, tatsächlich ein sehr naives und total unrealistisches Vorhaben, zumal sie weder etwas vom Filmgeschäft verstand, noch Kontakte dorthin hatte, geschweige denn Zeit und Geld um sich darum zu kümmern.
Doch irgendwie ließ es oder er sie nicht los.
Ziemlich lustig fand Cheyenne in jener Zeit auch, dass sie anscheinend sehr viel über bzw von Tristan Button wusste, ohne ihn jemals getroffen, oder viel über ihn gelesen zu haben. Auf irgendeiner DVD war ein ''Wie-gut-kennst-du-Tristan-Test'' dabei, den sie spaßeshalber mitmachte. Über die meisten der dort gefragten Sachen hatte Cheyenne noch nie etwas gehört, sie hatte einfach versucht hinzuspüren, was die richtige Antwort sein könnte und war immer richtig gelegen.
Zudem begann es, dass Tristan Button in ihren Träumen erschien, was sie anfangs sehr berührte. Besonders dieser erste Traum ging ihr sehr nah.
* Cheyenne und Tristan Button waren in einem Motel in den USA und lagen angezogen zusammen im Bett. Er lag links neben ihr und hielt sie ihm Arm. Er streichelte sehr zärtlich ihr Gesicht und sagte: ''I love you very deep!''. Dennoch war es irgendwie klar, dass zu diesem Zeitpunkt mehr nicht drin war. Cheyenne meinte sich zu erinnern, er hätte auch noch: ''But I can't.'' gesagt. Das kann aber ebenso für sie nur energetisch fühlbar gewesen sein. Kurz darauf standen sie sich in diesem Zimmer gegenüber, und auf einmal waren da auch noch seine damalige Freundin und Ex-Freundin. Tristan Button hatte eine Baseballkappe auf dem Kopf und wirkte zerstreut und haderte irgendwie mit sich selbst. Es war auf der einen Seite total schlimm, dass Tristan Button und Cheyenne jetzt nicht zusammensein konnten, und auf der anderen Seite war es aber klar, dass es eben jetzt so war. Ebenfalls klar war, dass es für Cheyenne mit den zwei Frauen nichts zu klären gab. Diese beiden waren allerdings auf einer Ebene ziemlich entsetzt darüber, dass Tristan mit einer anderen Frau im Bett gelegen hatte, verloren darüber aber kein Wort. Seine aktuelle Freundin schaute Cheyenne zwar etwas prüfend an, verließ dann aber wortlos und friedlich den Raum. Seine Ex-Freundin hingegen blieb jedoch etwas traurig und kopfschüttelnd neben Cheyenne stehen. Tristan Button machte ebenso einen ziemlich traurigen Eindruck, ging dann aber ebenfalls schweigend ins Freie hinaus, wo seine Freundin schon auf ihn wartete. Cheyenne folgte ihm noch ein Stückchen, blieb dann aber stehen und schaute den beiden hinterher. *
* Kurze Zeit später träumte Cheyenne noch, dass Tristan Button und sie in Los Angeles in Meeresnähe standen und der Horizont feuerrot war, so als würde es brennen. Tristan hatte eine Sonnenbrille auf, was Cheyenne sehr schade fand, weil sie deshalb seine Augen nicht sehen konnte. Sie standen Arm in Arm da und spürten nur, dass um sie herum etwas Bedrohliches geschah, wussten aber nicht was sie tun sollten. *
Nachdem Tristan Buttons Anwesenheit in Cheyennes Leben nicht weniger wurde, dachte sie darüber nach, was sie nun tun sollte. Und nach längerem Hin und Her beschloss Cheyenne sich spirituelle Hilfe zu suchen, denn sie ahnte schon, dass da wohl mehr dahintersteckte, als vordergründig zu erkennen war.
Mitte März bekam Cheyenne dann ein Aurareading per Telefon von einer sehr klaren, erfahrenen, spirituellen und einfühlsamen Coachin. Cheyenne nannte ihr zunächst aber nicht Tristan Buttons vollen Namen, und erzählte ihr auch erst ganz am Schluss, um welchen Tristan es sich überhaupt handelte. Bei diesem Reading zeigte sich, dass Tristan Button und sie anscheinend schon mehrere Inkarnationen miteinander verbracht hatten. Wichtig für den jetzigen Zeitpunkt waren wohl eine in der Normandie und eine in Irland.
In der Normandie war Cheyenne angeblich seine Großmutter gewesen und hatte ihn zu sich genommen, nachdem seine Eltern bei einem Hochwasser zu Tode gekommen waren. Tristan und Cheyenne hatten sich in jenem Leben sehr gut verstanden und viel Spaß miteinander gehabt. Mit ungefähr achtzehn Jahren wurde er dann als Zwangssoldat eingezogen, versprach ihr jedoch wiederzukommen, obwohl sie bereits geahnt hatte, dass das wahrscheinlich nicht der Fall sein würde. Und so war es dann leider auch gekommen. Tristan war aus irgendeinem Grund nicht zurückgekehrt, und er hatte sich große Sorgen um seine Großmutter gemacht, weil sie jetzt allein zurückblieb. Außerdem war er von der Armee enttäuscht gewesen, denn er hatte die Illusion gehabt für eine gute Sache zu kämpfen, statt für den Profit anderer. Zudem hatten ihn große Schuldgefühle geplagt, weil seine Großmutter doch so viel für ihn getan hatte und er ihr außerdem versprochen hatte zurückzukommen.
* Daraufhin träumte Cheyenne, dass Tristan Button damals in Gefangenschaft umgebracht worden war. Sie hatte im Traum seine Gefangenennummer auf der linken Brustseite seiner Jacke gesehen – eine zweimal dreistellige Zahlen- und Buchstabenkombination. *
Als Cheyenne das alles erfuhr, war Tristan Button laut Internet genau zu dieser Zeit in der Normandie unterwegs und wollte sich dort angeblich ein Haus kaufen, was er aber dann anscheinend doch nicht getan hat. Musste er ja nun auch nicht mehr, denn das dortige Thema von damals war ja jetzt gesehen worden und somit in Heilung gegangen.
Das andere Leben hatte wohl in Irland stattgefunden. Cheyenne war damals, genauso wie in dem Leben in der Normandie, älter als Tristan, und zudem gut verheiratet gewesen. Tristan Button war damals als Musikant unterwegs und hatte ihr öfter Lieder und Poesie vorgetragen, auch Strophen, die von ihr handelten. Er erwähnte darin zwar ihren Namen nicht, aber es war klar gewesen, dass er sie damit gemeint hatte.
Und wer weiß, vielleicht hatte Tristan Cheyenne ja damals in Irland auch dieses wunderschöne Lied aus dem besagten Film vorgesungen, denn ihr war ja der Mund offen stehengeblieben, als sie es das erste Mal (wieder)hörte, und sie war von Kopf bis Fuß elektrisiert gewesen, denn irgendwie (er)kannte sie es.
Dann kam Ende des Monats BROKEBACK MOUNTAIN in die Kinos. Die Atmosphäre in diesem Film erinnerte Cheyenne sofort an einige Geschichten, die sie früher zusammen mit einer Freundin kreiert, und theatermäßig durchgespielt hatte. Ebenso lockte dieser Streifen auch die Erinnerung an eine Yanko-Episode wieder hervor, die sie sich damals ebenfalls ausgedacht hatte, und in der sich Yanko in seinen besten Freund Ron verliebt.
Und kurz darauf las sie im Internet, dass Tristan Button, "ihr" Yanko-Schauspieler, auch gerne einmal einen schwulen Mann spielen würde. Sie wusste natürlich nicht, ob er das tatsächlich gesagt hatte, oder ob dies nur eine weitere der unzähligen Fakenews war, aber es hatte sie auf jeden Fall zum Schmunzeln gebracht.
Daraufhin setzte sich zum ersten Mal der Funke einer konkreten Idee in Cheyennes Kopf fest, ihre Geschichten um Yanko doch wirklich einmal aufzuschreiben.
Es wurde April, und Cheyenne erfuhr, dass Tristan Button in Paris wäre, und ehe sie es sich versah, wollten die Kinder zu ihren Großeltern, und so konnte sie über ihren Geburtstag hinweg nach Paris fahren. Pit fand das zwar irgendwie doof, aber konnte auch verstehen, dass seine Frau einmal ein paar freie Tage zusammen mit einer Freundin in Paris verbringen wollte. Gegönnt hatte er es ihr allemal.
Cheyenne verband diese Reise zudem mit einem Besuch, den sie besser nicht gemacht hätte, weil es ziemlich schnell klar wurde, dass der Typ, den sie im Jahr zuvor im November in Irland auf einem Pferdemarkt im hübschen Städtchen Ennis, (Ennis del Mar heißt übrigens einer der Hauptfiguren in BROKEBACK MOUNTAIN), kennengelernt hatte, offensichtlich mehr als nur Pferdegeschichten austauschen wollte, und sie sich plötzlich mit seiner lebenskraftraubenden Vampirenergie auseinandersetzen musste. Trotzdem war diese Begegnung auch sehr heilsam, denn Cheyenne konnte dadurch auch gleichzeitig eine andere, uralte, ebenfalls auf ähnlichem Energieraub zurückzuführende Verbindung zu einem langjährigen Freund auflösen. Außerdem kam sie mit einem ihrer vergangenen Leben in Kontakt, welches sie als Musiker zusammen mit einem jetzigen Freund aus Irland unter anderem auf dem Montmartre verbracht hatte.
Doch leider war Cheyenne ein paar Tage zu spät dran, denn der Mensch, um den es eigentlich ging, war mit seiner neuen Freundin bereits wieder abgereist.
Aber Paris ist ja immer eine Reise wert!
Dann kam dies und das und der Sommer, und ruckzuck war die Idee des Aufschreibens wieder im Hinterstübchen verschwunden, zwar nicht ganz so weit weg wie zuvor, aber zu weit, als das sich Cheyenne hingesetzt, und zu schreiben begonnen hätte.
Dennoch hatte Tristan Button sie immer noch nicht losgelassen. In regelmäßigen Abständen sah sie irgendwo Fotos von ihm, oder hörte etwas über ihn im Radio, oder, oder, oder...
Ungeduldig hatte Cheyenne auf diesen Monat gewartet, denn da sollte die DVD zu BROKEBACK MOUNTAIN herauskommen. Obwohl sie den Film im Kino ja bereits gesehen hatte, wollte sie ihn dennoch auch gerne zu Hause haben. Und so kam es dann auch, und sie kaufte sich den Film sofort am Tag des Erscheinens.
Daheim angekommen, sah sie sich den Film sofort an, und alles kam mit einem Schlag zurück. Aber dieses Mal ließ es sie nicht mehr los. Kaum war der Film zu Ende, stand Cheyenne auf und fing an das erste Drehbuch von Yanko zu schreiben.
Zunächst tippte sie die paar Seiten ein, die sie bereits 1994 in ein Heft geschrieben hatte, als sie in jenem Sommer in Schweden oben auf einem Hügel namens Hökhöjden auf einer Bank vor einem wunderschönen Blockhaus mit Blick auf den unterhalb, herrlich schimmernden See saß, nachdem die dort an der Tür eingeritzten Worte DO IT sie dazu inspiriert hatten.
Danach schrieb Cheyenne weiter, und sie sah alle Szenen schon fix und fertig vor sich, so, als ob der Film bereits fertig wäre. Yanko und Tristan, sie waren eins geworden, und er spielte es ihr einfach vor. Teilweise war das Ganze so intensiv, dass es Cheyenne auch noch spät nachts aus dem Bett trieb, wenn ein Abschnitt noch nicht ganz fertig war.
Zwei Wochen, dann war ihr erster Film SHEDDY fertig aufgeschrieben. Sheddy war das von ihr erfundene Dorf in Colorado, USA, wo Yanko lebte.
Es dauerte dann natürlich noch eine geraume Zeit bis erstens das Layout stimmte, und zweitens vor allem eine Übersetzung ins Englische fertig war. Dabei half ihr dann netterweise ein lieber Bekannter, der geschäftlich mit US-Amerikanern zu tun hatte.
Cheyennes erste große Herausforderung war es dann, das fertige Skript ihrem Mann, ihren Freunden und vor allem ihren Eltern zu präsentieren, die ja bis auf Pit von der Existenz Yankos vorher noch nie etwas gehört hatten.
Die Reaktionen fielen allerdings für sie überraschenderweise sehr positiv aus und machten Cheyenne Mut. Auch Pits Urteil bestärkte sie darin weiterzumachen. Plötzlich fand er ihre Idee zwar immer noch verwegen, aber auch spannend und unterstützte sie vor allem im Hinblick darauf ihr Projekt nicht lächerlich oder naiv zu finden, denn wer nicht wagt, der auch nicht gewinnt, war seine Devise dahingehend. Außerdem, was hätte Cheyenne schon zu verlieren, außer vielleicht etwas Geld, das sie eventuell einsetzen müsste, um ihre Filmidee zu verwirklichen.
No risk no fun!
Ende Dezember kam ein weiterer Film mit Tristan Button in die Kinos, und damit auch wieder viele neue Bilder von ihm in die Zeitungen.
Als nächstes stellte sich Cheyenne natürlich die Frage, was sie nun mit dem fertigen Skript anstellen sollte. Und sie überlegte hin und her, was das Beste sein könnte, denn sie hatte von Anfang an das Gefühl Tristan Button sollte die Gelegenheit erhalten das Skript persönlich zu lesen, damit er eigenmächtig darüber entscheiden könnte, ob er Yanko spielen möchte oder nicht.
Aber Cheyenne hatte bis jetzt nur sehr wenig Kenntnis über den Ablauf bis eine Idee zu einem Film wird, dennoch ahnte sie bereits, dass die meisten Drehbücher zur Vorauswahl erst einmal von anderen gelesen wurden, bevor es der entsprechende Schauspieler dann, wenn überhaupt, in die Hände bekam. Und der Weg direkt zum Schauspieler zu gehen war anscheinend ganz und gar nicht der übliche.
Aber DEN Weg gibt es eben auch nicht, und immer gibt es eine Ausnahme, ein erstes Mal.
You never know!
An exakt jenem Tag, als die Übersetzung von Cheyennes Skript SHEDDY fertig zum Ausdrucken auf ihrem PC landete, bekam sie abends in der Kneipe, wo sie ab und zu aushalf, eine Zeitschrift in die Hände, in der, man mag es kaum glauben, tatsächlich Tristan Buttons Adresse in New Orleans angegeben war. Später, kurz im Internet nachgestöbert, fand sie auch noch Hausnummer und Postleitzahl von jenem Stadtviertel. Kurzerhand und wohl wissend, dass dies wahrscheinlich sehr naiv war, schickte Cheyenne dann das Skript via Fedex nach New Orleans an jene Adresse.
Doch leider musste sie bald erfahren, dass der Empfänger die Sendung abgelehnt hatte, wobei sie nicht in Erfahrung bringen konnte, wer dort überhaupt die Tür für den Postboten geöffnet hatte, bzw ob die Sendung überhaupt bis zu Tristan Buttons Tür gekommen, und nicht schon vorher irgendwo abgefangen worden war.
Daraufhin entschied sich Cheyenne über den offiziellen Weg zu versuchen Kontakt mit Tristan Buttons Manager zu bekommen. Im Internet fand sie sogar seine Telefonnummer und rief ihn schließlich mit klopfendem Herzen an, welches allerdings eher aufgrund ihrer doch recht dürftigen Englischkenntnisse aufgeregt pochte.
Dieser Manager teilte Cheyenne dann recht freundlich mit, dass Tristan Button sehr beschäftigt sei und momentan keine neuen Dinge annehmen könnte, und er außerdem noch zwei oder drei andere Filmprojekte ausstehen hätte.
Buttons Manager war zwar sehr nett zu Cheyenne, dennoch wurde es schnell klar, dass er keinerlei Interesse an ihrem Skript hatte, und im Laufe der Jahre musste Cheyenne auch noch mehr oder weniger schmerzhaft lernen, dass dies außerdem nur eine der typisch höflich verpackten, amerikanischen Absagen war.
Ein einfaches, klares Nein könnte so Einiges erleichtern, doch Nein sagen, war wohl nicht nur für Amerikaner schwer. Dabei fand Cheyenne, dass ein aufrichtiges Nein dem Gegenüber mehr Respekt zollte, als ein zwar freundliches, aber leeres Geschwätz, zudem ein Nein durchaus auch nett gesagt werden kann.
Im Februar erfuhr Cheyenne dann, dass Tristan Button in Berlin wäre, um dort eine Wohnung zu kaufen. Witzigerweise stellte sich kurz darauf heraus, dass eine ihrer besten Freundinnen den Heizungsmonteur von genau diesem Haus kannte.
Cheyenne war bis dahin noch nie in Berlin gewesen und beschloss deshalb ganz spontan dort hinzufahren. Interessanterweise gab es überhaupt keine Schwierigkeiten damit auf die Schnelle eine Aushilfe für den Hofladen zu finden.
Dort versuchte Cheyenne dann ihr Glück in einem Berliner Architekturbüro, wo Tristan Button zu dieser Zeit angeblich unter anderem wegen dem Wohnungskauf verkehrte, und wollte der etwas verdutzten Dame am Empfang einfach nur den Umschlag mit dem fertig ausgedruckten Skript geben, damit sie diesen Tristan Button weiterreichen möge. Doch die Empfangsdame machte sofort dicht und weigerte sich strikt den Umschlag überhaupt erst entgegenzunehmen, denn sie wäre dazu verpflichtet usw. Auch Cheyennes aufrichtige Aussage, dass sie ja keine Infos über Tristan Button haben wolle, sondern einfach nur wünschte, dass das Drehbuch an die richtigen Leute weitergeleitet würde, damit er es persönlich bekäme, ließ sie nicht erweichen.
Etwas enttäuscht verließ Cheyenne dann unverrichteter Dinge das Büro und atmete draußen erst einmal tief durch.
Wie Cheyenne später erfahren sollte, war Tristan Button auch dieses Mal schon bevor sie in die Stadt gekommen war, bereits wieder abgereist. Sie hatte ihn zwar aufs Neue verpasst, jedoch noch einen schönen Abend im eigentlich total ausgebuchten und angeblichen Lieblingsrestaurant von Tristan Button verbracht, in dem sie draußen noch einen Sitzplatz bekam. Und obwohl es Februar war, konnte man es dort aufgrund des aufgestellten Heizpilzes sehr gut aushalten, und es war überraschend angenehm warm.
Kurz bevor Cheyenne schließlich ihre Rechnung bezahlte, fuhr plötzlich ein Taxi mit der Aufschrift PLAN B an ihr vorbei, was sie zunächst wieder einmal staunend, jedoch ebenso grinsend wahrnahm, und danach wusste sie, dass, und auch wie der Weg weitergehen würde. Wenn Plan A scheitert und man dennoch nicht aufgeben will, ist es Gold wert einen Plan B zu haben, oder wie in ihrem Fall einen Plan Button...
Den nächsten Tag verbrachte Cheyenne dann noch in Potsdam im Filmstudio Babelsberg. Auf dem recht übersichtlichen Gelände klapperte sie einige Büros ab, fragte die dort Anwesenden nach einem Kontakt zu Tristan Button und erntete dabei jedoch manch skeptische, aber auch durchaus amüsierte Reaktionen. Sie wurde von Pontius zu Pilatus geschickt und landete schließlich in einem Haus, in dem die Büros für internationale Filmgeschäfte zu finden waren. Die Frau dort gab Cheyenne dann den Tipp es doch einmal über die vielen Künstleragenturen in den USA zu versuchen.
Das tat Cheyenne dann auch von zu Hause aus und schickte, diesmal aber nur per Post und Einschreiben einen Brief zusammen mit dem Skript auf CD an Tristan Buttons Filmproduktionsfirma und an ein paar Agenturen, bei denen ihre anderen Wunschschauspieler für die weiteren Rollen und ebenso ihr Wunschregisseur unter Vertrag standen.
Doch auch auf diese ganzen Aktionen hin hatte sie leider bis jetzt keine Antworten erhalten, die ihr weiterhalfen.
Wie der Zufall es dann so wollte, hatte eine von Cheyennes Bands für den Mai eine Einladung von einem alten Bekannten aus Kanada bekommen, der vor einigen Jahren ausgewandert war, in seinem dortigen Pub zu spielen. Deshalb beschloss Cheyenne diese Gelegenheit zu nutzen und buchte ihren Flug nach Kanada über die USA.
So kam sie dann in den Genuss New Orleans nun persönlich kennenzulernen. Was Cheyenne allerdings bei der Reiseplanung völlig übersehen hatte, war, dass ihr Besuch genau auf eines der beiden Jazzfestival Wochenenden fiel, was für sie jedoch eine wunderbare und willkommene Überraschung war.
Insgesamt war Cheyenne für fünf Tage in New Orleans.
Sie gönnte sich das Jazzfest, eine Mississippi-Sumpf-Tour und ganz viel Kerrys Irish Pub, wo sie die Bekanntschaft mit zwei ganz lieben Menschen machte, von denen sie mit einem der beiden heute immer noch in Kontakt steht. Gill aus New Orleans und ihr lieber Ric aus Chicago. Die Demo CD ihrer Irish Folkband GREENGRASS lief dann auch bald im Pub auf und ab.
Ric und Cheyenne lernten sich beim Basketball schauen im Kerrys Irish Pub kennen. Schnell hatten sie beim Spiel der damaligen Hornets, der New Orleans Hornets, einen gemeinsamen Lieblingsspieler gefunden, den sie auch heute noch liebe- und respektvoll "Black Panther" nennen, da er sich so geschmeidig wie eine Raubkatze auf dem Spielfeld bewegt. Es gibt einfach niemand vergleichbaren, der so einzigartig mit dem Ball umgehen kann wie Chris Paul. Er versteht es zu hundert Prozent sein Talent zu leben.
Bis heute haben Ric und Cheyenne ihre pure Freude daran Chris Paul spielen zu sehen, und drücken ihm fest die Daumen, dass er wenigstens einmal in seinem Leben die NBA Championship gewinnen möge, ganz egal mit welcher Mannschaft. Er hätte es wahrlich verdient!
Cheyenne hatte keine genaue Information darüber, ob Tristan Button sich zu dieser Zeit überhaupt in New Orleans aufhielt oder nicht. Hätte sie damals schon die Erfahrungen mit Securityleuten gehabt und das Ausmaß dessen gekannt, was es mit sich bringt so berühmt zu sein, hätte sie gesehen, dass er nicht da sein konnte, denn die Straße, in der sein Haus stand, war recht menschenleer, und auch weit und breit war keine Security oder Polizei zugegen. Nur ein paar Maler ließen sich ab Montag beim Arbeiten auf dem Balkon zur Straße hinaus blicken.
Am Tag nach ihrer Ankunft schlich Cheyenne, so fühlte es sich jedenfalls für sie an, erst einige Male so unauffällig wie möglich um Buttons Haus herum und versuchte im Vorbeigehen die Briefkastensituation zu erfassen. Und welch Überraschung, es gab tatsächlich einen Briefkasten und sogar eine Klingel.
Sollte es womöglich so einfach sein? Wie bei normalen, also nicht berühmten Leuten? Einfach klingeln und dann: ''Hallo, ich bin Cheyenne, ich habe hier ein Drehbuch für dich. Wollte es dir persönlich vorbeibringen, weil ich es toll fände, wenn du selbst darüber entscheidest, ob du Yanko spielen, und den Film machen möchtest.''
Cheyenne überlegte nun fieberhaft, was das Beste wäre, denn sie wollte Tristan Button auf keinen Fall irgendwie nerven und ihm zu nahe treten. Sie wollte einfach nur nach wie vor, dass ihr Skript bei ihm persönlich ankam.
Nachdem Cheyenne schließlich all ihren Mut zusammengenommen, und nochmals tief durchgeatmet hatte, drückte sie auf den Klingelknopf. Doch auch nach mehreren Minuten des Wartens machte keiner auf, und offenbar war auch wirklich niemand da. Schade, aber entmutigt war Cheyenne deshalb noch lange nicht.
Kurz darauf beschloss sie dann erst einmal eines der mitgebrachten, und diesmal auch ausgedruckten und mit Spiralen gebundenen Skripte zu Buttons Filmfirma nach L.A. zu schicken. Und zu ihrer großen Freude kostete das Verschicken innerhalb der USA bei Fedex nur 13 Dollar - sehr günstig im Gegensatz zu den 50,- Euro, die sie von Deutschland aus bezahlt hatte, als sie Anfang des Jahres ihr Drehbuch nach New Orleans geschickt hatte.
Am nächsten Tag hatte Cheyenne dann aber das Gefühl es wäre besser sicherheitshalber noch zusätzlich das Skript auf CD unter Tristan Buttons Hoftor hier in New Orleans durchzuschieben.
Zunächst ging sie jedoch in einen der unzähligen Pubs in der Nähe und setzte sich dort an einen Tisch, um noch einmal in sich zu gehen und um abzuwägen, ob das wirklich eine so gute Idee war. Nach einer Weile fiel ihr Blick schließlich auf ein Poster, das neben ihr an der Wand hing, und da stand drauf: WE NEED YOUR STORY.
Braucht man noch mehr Zeichen? Cheyenne jedenfalls nicht.
Aber man glaubt es kaum, denn, als ob sie es gerochen hätten, dass dort jemand etwas vorhatte, was, sagen wir mal nicht ganz so üblich war, stand auf einmal ein Polizeiauto gegenüber von Tristan Buttons Haus. Etwas genervt blieb Cheyenne also erst einmal nichts anderes übrig als unverrichteter Dinge unauffällig weiterzugehen.
Aufgeben kam ihr allerdings nicht in den Sinn, und nach einigem wiederholten Auf– und Ablaufen der Straße, bis diese dann endlich wieder Polizeiauto frei, und auch menschenleer war, was in New Orleans durchaus mal länger dauern kann, stellte sie sich schließlich mit einem aufgeschlagenen Stadtplan direkt vor Tristan Buttons Hoftor. In der rechten Hand hielt sie außerdem noch die wetterfest - denn in Louisiana kann es sehr schnell mal regnen - eingepackte CD.
Dann atmete Cheyenne einmal tief durch und bückte sich rasch, nachdem sie sich nochmals vergewissert hatte, dass auch wirklich niemand in der Nähe war, und wollte die CD mit einem kurzen Schubser unter dem Tor durchstecken. Doch Pustekuchen, da war absolut kein einziger Schlitz zu finden, noch nicht einmal einer der hoch genug für eine CD gewesen wäre.
Erneut unverrichteter Dinge ging Cheyenne daraufhin und zum x-ten Mal diese besagte Straße entlang und überlegte dabei zum gefühlt tausendsten Mal, was sie denn jetzt nun tun sollte.
Während diesem Besuch in New Orleans dachte Cheyenne auch sehr oft an ein Buch, das sie kurz vor dieser Reise von ihrer Mutter geschenkt bekommen hatte, welches EIN SALTO INS NICHTS heißt. In diesem Buch geht es darum, dass im Ausführen eines Vorhabens viel mehr Erfolg möglich ist, wenn man es nicht nur versucht zu tun, sondern es fest entschlossen tut, so, als gäbe es nur diese eine Gelegenheit dazu, zudem man ja vorher sowieso nie weiß, ob sich einem überhaupt eine weitere Möglichkeit bietet.
Und das gab Cheyenne schließlich die Idee, den Mut und die nötige Entschlossenheit zu versuchen, die CD über das ziemlich hohe Tor, zwischen den relativ eng stehenden Stäben hindurch in den Hof zu werfen.
Überlegt, durchdacht und zur Umsetzung fest entschlossen, stellte sie sich also wieder mit dem Stadtplan bewaffnet in Warteposition vor Tristan Buttons Haus, diesmal allerdings zunächst auf der gegenüberliegenden Straßenseite und wartete dort erneut, jedoch mittlerweile ziemlich entspannt was das anging, bis kein Mensch mehr zu sehen war. Dann überquerte sie entschlossen die Straße, atmete tief ein und warf die CD, dem Rat aus dem Buch folgend, mit dem festen Glauben daran, dass diese auch tatsächlich durch das Gitter hindurchfliegen, und nicht noch oben auf dem Absatz liegenbleiben würde, hoch in Richtung Gitterstäbe. Und es funktionierte tatsächlich, denn kurz darauf hörte Cheyenne die CD auf der anderen Seite zu Boden fallen, was natürlich ein sehr breites Grinsen in ihr Gesicht zauberte.
Beschwingt und erleichtert über den erfolgreichen Wurf, bog Cheyenne anschließend rechts in die nächste Straße ein und freute sich einfach nur.
Keine fünf Minuten später kamen Cheyenne eine Frau mit Kinderwagen und ein Mann entgegen, der dann direkt neben ihr auf dem Gehweg einen SALTO vorwärts machte...
What a day!
Kaum war Cheyenne dann aus Kanada nach Deutschland zurückgekehrt, rief ihr Bekannter, der ihr das Skript ins Englische übersetzt hatte, bei Buttons Filmfirma in Los Angeles an, weil Cheyenne das Gefühl hatte, es wäre vorteilhafter wenn ein gut Englisch sprechender Geschäftsmann dort nach dem Verbleib ihres Skriptes fragen würde. Ihm wurde dann freundlich mitgeteilt, dass das Drehbuch angekommen sei und nun an Buttons persönliche Assistentin weitergeleitet würde.
Das klang zunächst natürlich sehr vielversprechend, aber auch nach späteren weiteren Nachfragen hörte Cheyenne nichts mehr von denen.